Donnerstag, 7. Juni 2012

Frühstück mit Peer

Doulan, 2. Januar 2008. Von seinem schönen Feriendomizil im gemäßigten Tadao-Ando-Stil, eingerichtet mit vielen zum Ambiente passenden IKEA-Produkten, konnte Luo You den Blick über die etwas geneigte Landschaftsterrasse oberhalb des Ortes zum Pazifik genießen.

Der Blick zum Pazifik weckt den Wunsch nach einer frühen Frühpensionierung.

Das Küstengebirge im Rücken, vor sich das Meer, hier muss das Feng Shui perfekt sein.

Es ist nicht weit zur Ortsmitte von Doulan, wo ein einfaches, aber nettes Frühstückscafé an der Hauptstraße zur morgendlichen Mahlzeit einlädt.

Im Januar 2008 war Wahlkampfzeit und der Herr im Bild zur Rechten, versucht lächelnd, kraftvoll und seriös die Dorfbewohner zu motivieren, neben seinem Namen den „Mercedesstern“ mit roter Tinte auf den Stimmzettel zu stempeln. Rote Ziffer und rote Schriftzeichen auf dem Wahlplakat sollten Vorzeichen für das sein, was dann kam.

Solange die jungen Angestellten des Cafés nicht ihr Englisch mit dem ausländischen Gast testen wollten, bestand Gelegenheit einen Blick in die Tageszeitung zu werfen. Englischsprachige Zeitungen gab es in dem Lokal nicht. Die sind zwar für Luo You lesbar. Ihnen fehlen aber die umfangreichen „rosa“ Klatsch- und Boulevardseiten mit Stars und Sternchen, Miniröcken und großen Bildern, was ein Anreiz zum Durchblättern auch der landessprachlichen Presse ist.

Unvermittelt tauchte - entgegen der Erwartungshaltung - beim Seitenscannen als bekannte Person Peer Steinbrück in Begleitung eines Neandertalers neben der Überschrift „Der Neandertaler ist der Vorfahr des modernen Menschen“ auf. Nein, es geht nicht um den Beweis der Strohdummheit der SPD aufgrund der Nähe von Peer Steinbrück zu einem Neandertaler. Es geht überhaupt nicht um Politik. Nicht einmal der Name von Peer Steinbrück wird im Gegensatz zum Urmenschen „尼安德塔人“ erwähnt.

Peer Steinbrück wurde 2005 als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen mit dem schlechtesten SPD-Ergebnis in diesem Bundesland seit 1954 abgewählt, 2009 verlor er nach der Bundestagwahl den Posten als Bundesfinanzministers. Im Wahlkreis Mettmann I, wozu auch das Neandertal hier im Umland von Düsseldorf zählt, konnte er auch nicht in den Bundestag als Direktkandidat einziehen und sich gegen die Tochter eines früheren Wirtschaftsministers unter dem Schah von Persien, Michaela Noll, durchsetzen. Nur Platz 3 auf der nordrhein-westfälischen Landesliste half. Eine Ursache für seinen stetigen Verlust guter Positionen liegt sicherlich in seiner Finanzpolitik und Kompetenz, bei den eigenen Leuten zu kürzen und zu sparen, andererseits sich für eine Deregulierung nicht nur der Finanzmärkte eingesetzt zu haben. Dabei glaubt die lokale SPD sogar heute noch mit ihm ein Zugpferd zu haben. Naja, irgendetwas muss an ihm dran sein, dass er so oft als Redner gebucht wird, Honorarprofessor wurde und so hohe Nebeneinkünfte in den letzten Jahren erzielte.

So rühmen sich in der Region einige Peer Steinbrück persönlich zu kennen. Da mein neues Handy über die Funktion eines Täuschanrufs verfügte, konnte auch ich meine Frau eine Zeitlang mit Anrufen „meines guten Freundes Peer Steinbrück“ (Hallo, Peer Steinbrück! Wie geht es dir, Peer Steinbrück? und so weiter.) überraschen.

Vielleicht schafft es Peer Steinbrück wirklich noch aus eigener Kraft genügend Wähler zu überzeugen, die ihn direkt in den Bundestag wählen. Zumindest hat es die SPD bei der letzten Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen erreicht, „Die Partei“ klar hinter sich zu lassen, die sich vehement für ein kraftloses Nordrhein-Westfalen eingesetzt hat.

Unpolitische Frühstücksbar "Beautyful & Breakfast" ohne Peer Steinbrück in einem Vorort von Kaohsiung im Januar 2012

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