Montag, 29. Oktober 2012

Kein 17. Bundesland und neue Exportschlager

Die Herbstferien sind vorbei. Der neue Job ist angetreten und stresst etwas. Da gilt es auf die guten Tage am Rande der Alpen zurückzublicken.

Wer in die Schweiz reist, sollte nicht zu europäisch denken. Und schon gar nicht ist die Schweiz das 17. Bundesland. Deshalb ging dem Laptop taiwanischer Herkunft mit einem Zwischenstecker für Deutschland schnell der Saft aus, da der Welt-Universal-Adapter mit Übergang von der teutonischen Klobigkeit auf die schweizer Finesse fehlte. Den hatte Luo You zuvor aus dem Reisegepäck genommen, weil er europäisch dachte.

Auch die beste Ehefrau von allen dachte sehr europäisch und packte vor der Reise ihren Reisepass aus. Alles Schengen, wir bleiben auf dem Kontinent. Der Notreiseausweis für sie konnte nach einer Odyssee bei der Bundespolizei im Lindau noch besorgt werden. Wichtig war er eigentlich nur zum Ferienende, um wieder die innere EU-Außengrenze bei Schaffhausen in Richtung Heimat passieren zu können.

Übrigens scheint „bundespolizei.de“ eine Pishing-Seite zu sein. Alle Informationen für den Notreiseausweis bis zum Termin am Grenzübergang Lindau Autobahn können eingegeben werden. Aber es gab weder elektronisch noch im wirklichen Leben eine erkennbare Reaktion. Im Grenzübergang Lindau Autobahn - bereits auf österreichischem Staatsgebiet - war nur der freundliche deutsche Zoll präsent und versuchte zu vermitteln. Der Weg führte danach zurück über die bayerische Polizei, versteckt im alten Grenzübergang in Lindau, später zur Bundespolizei in der Lindauer Altstadt. Gut, dass wir zum ersten mal mit einem Navi fuhren, welches uns perfekt den Weg durch die Gassen der eng bebauten Insel wies. 25 Euros kostete das 7 Tage gültige Dokument für die Taiwanerin, dessen Ausstellung sicher für Abwechslung im eintönigen Alltag des jungen Grenzpolizisten sorgte. Der hörte im übrigen wohl zum ersten Mal von der Bestellmöglichkeit bei seiner Behörde über Internet.

Zwar waren die Schweizer Behörden absolut desinteressiert an irgendwelchen Kontrollen. Jedoch filzte uns bei der Rückfahrt der deutsche Zoll und war sehr am Tankgeld und der Reisekasse interessiert. Ob die Steuer-CDs nur ein Bluff sind und es weiter einschüchternder Grenzkontrollen für Steuerflüchtlinge bedarf? Etwas enttäuschte uns der oberflächliche Blick und das halbherzige Prüfen des Notreiseausweises, den wir mit soviel Aufwand beschafft hatten.

Im Gegensatz zu den kommunistisch regierten Chinesen haben Taiwaner keine Probleme, einen deutschen Notreiseausweis zu erhalten, da sie in den entsprechenden Rechtsgrundlagen aufgelistet sind. Die Republik China auf Taiwan wird von Deutschland nicht anerkannt, ihre Bürger erhalten aber relativ einfach vorübergehend gültige deutsche Passdokumente. Die VR China hat diplomatische Beziehungen zu Deutschland. Deren Landsleute können aber schauen, woher sie Ersatz für einen vergessenen Reisepass bekommen. Von Deutschen jedenfalls nicht.

Die Schweiz ist ein schönes Land und möchte immer noch Steueroase sein. Jedoch werden die Nachteile, nicht dazu zu gehören, und der Druck immer größer, je stärker die Nachbarländer zusammenhalten und sich europäisieren. Diesen Prozess fördert sicherlich die gegenwärtige Eurokrise. Die Schweizer können mit ihrem überteuerten Franken gut importieren und wunderbar günstig in Deutschland reisen. Nur wer will zu überteuerten Preisen Schweizer Produkte kaufen, dort seinen Urlaub verbringen oder ins Restaurant gehen - außer asiatischen, arabischen, indischen oder anderen eurofernen Wohlhabenden?

Trotz MIGROS kein Bock auf Rivella, Ovalmaltine, Maggi und Toblerone. Immerhin wurde der besten Ehefrau in empfehlenswerten Unterkunft des Bibelheims beim Frühstück das richtige Zubereiten der Ovalmaltine beigebracht. Ovalmaltine ist auch schon lange in Taiwan beliebt. Meine Frau kennt das schweizer Getränkepulver seit ihrer Kindheit. Allerdings wird es dort wegen einer wenig ausgeprägten Milchkultur verwässert. Also, von jetzt an ist Ovalmaltine stets mit kalter Milch anzurühren. Sollte die Milch zu kalt sein, darf dann noch erwärmte Milch hinzu gegossen werden.

Problematisch wird das Deutschsein nicht dadurch, dass irgendwelche Behörden und Politiker ungesetzlich Daten über Steuersünder kaufen. Das interessiert nicht wirklich. Viemehr scheint es das auffällige Heraustreten aus das Masse durch lautes Hochdeutsch sprechen oder das Auftreten von Deutschen in großer Zahl zu sein, wodurch sich der Schweizer bedrängt fühlt und Überfremdungsängste entwickelt.

Blick vom Bibelheim über den Zürichsee. Blättert das Gold der Goldküste wegen der Sorge über die Steuer-CDs und der scharfen Handtaschenkontrollen des deutschen Zolls? Die Immobilienpreise halten jedenfalls ihr hohes Niveau und Baukräne gibt es auch in größerer Zahl. Dabei öffnet sich erkennbar die Schere zwischen Arm und Reich.

Interessant könnten sicherlich die steuerlichen Fragestellungen und Gedanken an Immobilieneigentum in der Schweiz werden, wenn es mir endlich gelänge, meine Frau für das Im- und Exportgeschäft zu motivieren. Dabei denke ich natürlich nicht an Deals wie im Tatort.

Nach dem Erfolg des deutschen China-Öls in Taiwan, das selbst meinen Schwiegervater begeistert, inspirierten Schaufenster im Oberstdorf, wie die Produktpalette erweitert werden könnte. Wie wäre es mit Allgäuer Murmeltier-Öl, Pferde-Balsam und Pferde-Gel, Teufelskrallen-Creme, Hornhaut- und Fuß-Balsam, Bisam-Talg oder Wundershampoo?

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