Riesen-Jiaozi und Scooter-Virtuosen
Der Zeitbedarf für die Anreise von 1.20 Uhr am frühen Morgen bis gegen 16 Uhr beim Bezug der kleinen Gartenwohnung bei der Villa Ruffolo in Ravello sowie die Vielzahl der neuen Eindrücke hat zum frühen Einschlafen am ersten Tag in Ravello beigetragen. Dabei nahm der Flug von Köln nach Neapel nur knapp 2 Stunden in Anspruch.
Die kleinen Gassen und Treppenwege um die Residenz, in der wir lebten, sind weder für Autos noch Motorroller geeignet. Die Nachtruhe war in keiner Weise gestört. Es schien uns fast so, als wären wir die einzigen Gäste in der Villa, deren Ursprünge bis ins 14. Jahrhundert zurückreichen sollen und die unter anderen bereits Peter Greenaway als Gast gesehen hatte.
Wie erfreulich war es, den Sonnenaufgang über Salerno auf unserer Terasse zu erleben. Den Erwartungen entsprechend bekamen wir den Sommer, der uns in Deutschland schon erloren gegangen war, in Italien zurück. Den Pool hielten wir übrigens in einem jungfräulich-unbenutzten Zustand, um die Reflektion des glatten Wasserspiegel nicht zu stören.
Ravello ist nicht nur als Ort herausragend, sondern auch ein guter Ausgangspunkt, um Amalfi und die weitere Umgebung zu erkunden. Dabei sollten nicht nur die Busgesellschaft SITA in die Überlegungen einbezogen werden. Als Transportmittel eignet sich auch – so mein persönlicher Tipp - der Sightseeing-Bus zwischen Ravello, Amalfi und Maiori. Im Gegensatz zu den regelmäßig überfüllten Standardbussen ist er meistens leer, benötigt die gleiche Reisezeit, fährt auch nicht wesentlich seltener, lässt die Landschaft durch das fehlende Dach wunderbar erleben und kostet lediglich 50 Cent je Fahrt mehr. Als Inhaber der 24-Stunden-Karte von Unico Costiera hatten wir sogar eine kostenfreie Fahrt inklusive im Sightseeing-Bus. Die freundliche und hübsche Begleiterin im Sightseeing-Bus hilft im guten Englisch gerne weiter, wenn es um Fragen zum Tarifdschungel und Sonstigen geht. Eine Antwort bekommt man immer.
An Komplizierheit und Unübersichtlichkeit ist das süditalienische Tarifssystem im Busverkehr durchaus dem deutschen zu vergleichen. Vielleicht verstehen es noch einige Busfahrer und Experten. Die Fahrkartenverkäufer in den Tabakwarengeschäften und kleinen Läden sowie Nutzer aber kapieren es schon lange nicht mehr. Und: Alles kann sich von einem Tag auf den nächsten verändern.
Der Standardbus verkehrt nicht besonders häufig und ist oft übervoll. Stinkt hier jemand? Ja, der Sitznachbar hält sich bereits die Nase zu, Luo You drückt sich die Kamera ins Gesicht und der Fahrer schaut ernst drein.
So reist der Tourist lieber von Amalfi nach Ravello. Den Duft der italienischen Frauen genießend wird die Fahrt im vollen Bus auf engen Bergstraßen vom Abenteuer zum Erlebnis. Auch dem Busfahrer macht es so mehr Spaß. Mit Handy am Ohr verabredet er sich zum abendlichen „Birra“ (Bier) mit seinen Freunden vor dem Stammlokal. Überhaupt wird gerne und lange am Arbeitsplatz, so auch an Kassenhäuschen und Schaltern, über Handy mit Freund, Freundin, Mama und Familie geplaudert. „In Taiwan wären die längest rausgeflogen“, so die beste Ehefrau von allen.
Und überhaupt empfiehlt sich mehr der Motorroller wie auch in Taiwan als ideales Verkehrsmittel - hier vor azurblauen Himmel mit den Farben der italienischen Flagge in Szene gesetzt - , wenn nicht eine Abhol- oder Mitnahmemöglichkeit in Wagen eines Freundes oder Familienangehörigen besteht.
Oft haben wir an Haltestellen mit vielen anderen Menschen zusammen gewartet. Bevor der Bus kam, standen wir dann aber wieder alleine da, weil alle anderen zuvor in irgendeinem Auto eingestiegen sind und mitgenommen wurden. So wenig attraktiv ist der öffentliche Nahverkehr an der amalfitanischen Küste.
Mit der Einführung der Vespa und Lambretta nach dem zweiten Weltkrieg haben die Italiener für die weltweite Popularität kostengünstiger und einfach zu bedienender Motorroller gesorgt. Sie schufen die Grundlage für eine neue Form der Massenmobilität. Wie in Taiwan stehen häufig die Roller über zig Meter am Straßenrand dicht gepackt nebeneinander. Die lange Tradition im Umgang mit den Maschinen, die Enge der Straßen und die Dichte des Verkehrs haben viele Menschen in Italien zu wahren Motorrollervirtuosen werden lassen. Mit so viel tänzerisch-verspieltem Geschick und Eleganz können Taiwans Scooter-Fahrer eindeutig nicht mithalten. Das war unsere klare Feststellung vor Ort.
Und nochmal einmal zeigte sich die Kultur auf der Apenninhalbinsel als übertaiwanisch. Da staunt die Begleiterin nicht schlecht. Zum Ende des Tages bringt nach der Bestellung einer italienischen Calzone die Bedienung einen gigantischen Mega-Jiǎozi (餃子) auf den Tisch. Das erreicht keine Teigtasche in Taiwan!
Montag, 4. November 2013
Italienwochen (意大利週, Yìdàlì zhōu) bei Luo You
Sind Italiener Über-Taiwaner?
Diese Frage bewegte Luo You in den letzten Wochen. „意大利週“ schreibt niemand, so die Taiwanerin im Haushalt. Na und? „Los Wochos“ sagt auch niemand und trotzdem lief unter dem Slogan die Werbung für Tex-Mex-Produkte einer Fast-Food-Kette.
Um den deutschen Herbst und Winter zu verkürzen, verbrachten meine Frau und ich einige Tage im Süden Italien.
Aufgrund der schlechten Bus- und Zugverbindungen am frühen Morgen, hatten wir beim Hinflug nach Neapel mehr als ausreichend Zeit uns den Flughafen Köln Bonn anzuschauen. Ins Auge sprang uns dabei die schicke, designorientierte Smoking Lounge.
Äußerst geräumig mit geschmackvollen Clubsesseln, angenehmer Beleuchtung, einer angedeuteten Holzvertäfelung und großen Wanddrucken von jungen, gutaussehenden Damen, die neben der Zigarette zum Genuß von Capuccino und Latte Macchiatto auffordern, ausgestattet, gut belüftet sowie in der Nähe der Flugsteige gelegen, wird jeder Nichtraucher auf diese Lounge neidisch. Wer konvertiert da nicht gerne vom Tabakverächter zum Kettenraucher, wenn statt der grau-metallisch und technoid-anonymen Hallenatmosphäre die anheimelnde Geborgenheit eines tropisch gelben Pavillons die Zeit bis zum Abflug überbrücken hilft?
Wie anders geht es da auf taiwanischen Flughäfen zu. Weit weg von der Öffentlichkeit findet sich irgendwo verborgen zwischen den Terminalgebäuden ein einziges und kleines – daher oft mit Menschen gefülltes - weiß gekalktes Zimmer mit flackernder Neonleuchte, das den von der Rauchsucht geplagten Menschen, die Möglichkeit vor dem Hintergrund einer absoluten Ausnahmesituation (Die Erkrankten können aus Gründen der Flughafensicherheit nicht einfach für eine Zigarette raus gehen.) eröffnet, ihrem krankhaften und für die Volkswirtschaft und -gesundheit schädlichem Leiden nachzukommen.
Vielleicht ist diese Strategie des Abgewöhnens einer der Gründe, warum die Krebsrate in Taiwan noch deutlich niedriger als in Deutschland liegt. Der Flughafenchef in Köln könnte darüber nachdenken.
Die nächste Gelegenheit zum Vergleich mit Taiwan hatten wir dann im Flughafen von Neapel. Im März 2013 hatte ich geschildert, wie ich trotz einiger Widrigkeiten (Damals war insbesondere der Flug von Taipei nach Kaohsiung ausgefallen und Luo You stand vor einer völlig neuen Situation.) problemlos durch Taiwan reisen konnte.
In Neapel gab es eigentlich keine Widrigkeiten oder Unvorgesehenes. Es war eine tägliche Absurdität, welche die Reisenden erwartete. Besondere Hinweisschilder zur Haltestelle und zum Busanschluss in das Gebiet, das Touristen aus aller Welt anzieht, fehlten. Wir hatten zwar die Basisinformation aus dem Internet, etwa darüber, die Fahrkarten im Bus verkauft werden. Aber wo ist genau die Bushaltestelle? Dort, wohin die allgemeinen Schilder führten, hielten nur die Stadtlinien. Die Touristenbusse und Fernreisebusse kurvten zwar vor dem Flughafengebäude, hatten hier aber keine Einstiegshaltestellen. Die vorab eingeholte Basisinformation aus dem Internet war nicht zielführend. Also fragen wir Menschen, die sich auskennen sollten, zum Beispiel Flughafenmitarbeiter, Polizisten, Taxifahrer.
Was im Reiseführer zur Region Neapel zu lesen war, trat ein: „Sie erhalten auf jede Ihrer Frage eine Antwort. Es muss aber nicht die richtige sein.“ Dies ist übrigens auch eine Feststellung, die für Taiwan Gültigkeit hat. Wie die Taiwaner sind auch die Italiener Auswärtigen grundsätzlich sehr freundlich gesonnen, so dass der Tourist nur selten ein „Nein“ hören wird.
Also bedeutete das, bei der Suche nach dem Busstop den Hinweisen zu folgen, in eine Richtung zu laufen, sich wieder zurück zu bewegen, Information einzuholen, in eine andere Richtung zu laufen, wieder umzukehren, die Information bei anderen Personen zu ergänzen und wieder zurück und so weiter.
Für alle, die in eine ähnliche Situation kommen sollten: Die korrekte Haltestelle von „Curreri Viaggi“ am Flughafen von Neapel nach Sorrento mit Anschluss an die Amalfiküste war im Oktober 2013 (was sich etwa wöchentlich in Italien ändern kann) 368 m vom Flughafengebäude entfernt. Sie liegt hinter einem Kreisverkehr. Ignorieren Sie vorher alle anderen Haltestellen, insbesondere die des Stadtbusses und des Alibaba, äh, Alibusses. Gut, dass wir uns schon auf schwierige Wege hinsichtlich des Umfangs und der Aufteilung unseres Gepäcks eingestellt hatten.
Bei Googles Street View ist dort noch ein Parkplatz zu sehen, der aber zum Zeitpunkt als Bushalteplatz genutzt wird. Bei Google Maps fehlt an der Stelle natürlich auch der Eintrag als Bushaltestelle.
Der öffentliche Verkehr um Neapel ist meines Erachtens eine herausragende Leistung an Ineffizienz. Für die etwa 60 km ins Zielgebiet benötigten die Buslinien (hin) 3 bis (zurück) 4 Stunden. Allein um ein Touristenpaar für der Ruinenstadt von Pompei abzusetzen, brauchte der Bus etwa etwa halbe Stunde. Von der Autobahnabfahrt ging es direkt in den Stau und es staute sich dann durchgehend bis zur Wiederauffahrt. Dabei sieht in Neapel eigentlich alles nach Ruinenstadt aus, so dass es diesen Abstechers überhaupt nicht bedurft hätte.
Mein Blick auf das Weltkulturerbe Pompei. Was geht denn hier ab? Der Kommerz regiert, einige sahnen ab. Solange die Kasse klingelt spielen Rücksichtnahme und Nachhaltigkeit keine Rolle.
Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit, besonders bei Pompei. Prägend für das kollektive Weltgedächtnis sind Neapel und sein Müll. Kennen die Menschen im mittleren Ruhrgebiet die Abfälle Neapels noch als Versuch, Überkapazitäten in Hertens Verbrennungsanlage zu mindern, so sind sie meiner Frau noch prägend aus ihren ersten Reisen nach Europa Mitte der 1980er Jahre bekannt. Damals streikte die Müllabfuhr und der stinkende Dreck stapelte sich in den Straßen der Mittelmeermetropole.
Die miesen Leistungen im öffentlichen Verkehr relativieren sich etwas, denn nach den Routenplanern braucht der individuelle PKW-Fahrer für die zugestauten Stadtstraßen und langsamen Bergstraßen auch noch etwa anderthalb Stunden.
Staus und Engpässe an vielen neuralgischen Punkten, so an den Ortseinfahrtsstraßen. Sogar außerhalb der Hauptsaison und lokalen Spitzenverkehrsstunden bestehen Verkehrsverhältnisse, die sowohl in Deutschland wie auch Taiwan seit Jahrzehnten Vergangenheit sind.
Wenn der Euro gefährdet wird, dann liegt dies sicher daran, dass die südeuropäischen Volkswirtschaften Deutschland beim Drehen an der Produktivitäts- und Kostenschraube kaum gefolgt sind. Wie können Waren noch erschwinglich sein, die mit dem Fahrer im Lieferwagen innerhalb einer Region einen halben Tag auf der Straße stehen? Wieviel Zeit wird vergeudet, wenn 60 Menschen im Bus sitzen, um 2 Mitreisende mittels einer einstündigen Schleifenfahrt in einem Ort fern der Autobahn abzuholen?
Kein Wunder, dass bei solchen Verhältnisse nur wenige ein vernünftiges Einkommen erzielen können und die Schattenwirtschaft blüht. Sogar dem unvoreingenommenen Touristen fällt auf, dass der Busfahrer zwei Tickets á 10 Euro verkauft, aber nur einen Fahrschein aushändigt. Sind die anderen 10 Euro für die eigene Hosentasche?
Diese Frage bewegte Luo You in den letzten Wochen. „意大利週“ schreibt niemand, so die Taiwanerin im Haushalt. Na und? „Los Wochos“ sagt auch niemand und trotzdem lief unter dem Slogan die Werbung für Tex-Mex-Produkte einer Fast-Food-Kette.
Um den deutschen Herbst und Winter zu verkürzen, verbrachten meine Frau und ich einige Tage im Süden Italien.
Aufgrund der schlechten Bus- und Zugverbindungen am frühen Morgen, hatten wir beim Hinflug nach Neapel mehr als ausreichend Zeit uns den Flughafen Köln Bonn anzuschauen. Ins Auge sprang uns dabei die schicke, designorientierte Smoking Lounge.
Äußerst geräumig mit geschmackvollen Clubsesseln, angenehmer Beleuchtung, einer angedeuteten Holzvertäfelung und großen Wanddrucken von jungen, gutaussehenden Damen, die neben der Zigarette zum Genuß von Capuccino und Latte Macchiatto auffordern, ausgestattet, gut belüftet sowie in der Nähe der Flugsteige gelegen, wird jeder Nichtraucher auf diese Lounge neidisch. Wer konvertiert da nicht gerne vom Tabakverächter zum Kettenraucher, wenn statt der grau-metallisch und technoid-anonymen Hallenatmosphäre die anheimelnde Geborgenheit eines tropisch gelben Pavillons die Zeit bis zum Abflug überbrücken hilft?
Wie anders geht es da auf taiwanischen Flughäfen zu. Weit weg von der Öffentlichkeit findet sich irgendwo verborgen zwischen den Terminalgebäuden ein einziges und kleines – daher oft mit Menschen gefülltes - weiß gekalktes Zimmer mit flackernder Neonleuchte, das den von der Rauchsucht geplagten Menschen, die Möglichkeit vor dem Hintergrund einer absoluten Ausnahmesituation (Die Erkrankten können aus Gründen der Flughafensicherheit nicht einfach für eine Zigarette raus gehen.) eröffnet, ihrem krankhaften und für die Volkswirtschaft und -gesundheit schädlichem Leiden nachzukommen.
Vielleicht ist diese Strategie des Abgewöhnens einer der Gründe, warum die Krebsrate in Taiwan noch deutlich niedriger als in Deutschland liegt. Der Flughafenchef in Köln könnte darüber nachdenken.
Die nächste Gelegenheit zum Vergleich mit Taiwan hatten wir dann im Flughafen von Neapel. Im März 2013 hatte ich geschildert, wie ich trotz einiger Widrigkeiten (Damals war insbesondere der Flug von Taipei nach Kaohsiung ausgefallen und Luo You stand vor einer völlig neuen Situation.) problemlos durch Taiwan reisen konnte.
In Neapel gab es eigentlich keine Widrigkeiten oder Unvorgesehenes. Es war eine tägliche Absurdität, welche die Reisenden erwartete. Besondere Hinweisschilder zur Haltestelle und zum Busanschluss in das Gebiet, das Touristen aus aller Welt anzieht, fehlten. Wir hatten zwar die Basisinformation aus dem Internet, etwa darüber, die Fahrkarten im Bus verkauft werden. Aber wo ist genau die Bushaltestelle? Dort, wohin die allgemeinen Schilder führten, hielten nur die Stadtlinien. Die Touristenbusse und Fernreisebusse kurvten zwar vor dem Flughafengebäude, hatten hier aber keine Einstiegshaltestellen. Die vorab eingeholte Basisinformation aus dem Internet war nicht zielführend. Also fragen wir Menschen, die sich auskennen sollten, zum Beispiel Flughafenmitarbeiter, Polizisten, Taxifahrer.
Was im Reiseführer zur Region Neapel zu lesen war, trat ein: „Sie erhalten auf jede Ihrer Frage eine Antwort. Es muss aber nicht die richtige sein.“ Dies ist übrigens auch eine Feststellung, die für Taiwan Gültigkeit hat. Wie die Taiwaner sind auch die Italiener Auswärtigen grundsätzlich sehr freundlich gesonnen, so dass der Tourist nur selten ein „Nein“ hören wird.
Also bedeutete das, bei der Suche nach dem Busstop den Hinweisen zu folgen, in eine Richtung zu laufen, sich wieder zurück zu bewegen, Information einzuholen, in eine andere Richtung zu laufen, wieder umzukehren, die Information bei anderen Personen zu ergänzen und wieder zurück und so weiter.
Für alle, die in eine ähnliche Situation kommen sollten: Die korrekte Haltestelle von „Curreri Viaggi“ am Flughafen von Neapel nach Sorrento mit Anschluss an die Amalfiküste war im Oktober 2013 (was sich etwa wöchentlich in Italien ändern kann) 368 m vom Flughafengebäude entfernt. Sie liegt hinter einem Kreisverkehr. Ignorieren Sie vorher alle anderen Haltestellen, insbesondere die des Stadtbusses und des Alibaba, äh, Alibusses. Gut, dass wir uns schon auf schwierige Wege hinsichtlich des Umfangs und der Aufteilung unseres Gepäcks eingestellt hatten.
Bei Googles Street View ist dort noch ein Parkplatz zu sehen, der aber zum Zeitpunkt als Bushalteplatz genutzt wird. Bei Google Maps fehlt an der Stelle natürlich auch der Eintrag als Bushaltestelle.
Der öffentliche Verkehr um Neapel ist meines Erachtens eine herausragende Leistung an Ineffizienz. Für die etwa 60 km ins Zielgebiet benötigten die Buslinien (hin) 3 bis (zurück) 4 Stunden. Allein um ein Touristenpaar für der Ruinenstadt von Pompei abzusetzen, brauchte der Bus etwa etwa halbe Stunde. Von der Autobahnabfahrt ging es direkt in den Stau und es staute sich dann durchgehend bis zur Wiederauffahrt. Dabei sieht in Neapel eigentlich alles nach Ruinenstadt aus, so dass es diesen Abstechers überhaupt nicht bedurft hätte.
Mein Blick auf das Weltkulturerbe Pompei. Was geht denn hier ab? Der Kommerz regiert, einige sahnen ab. Solange die Kasse klingelt spielen Rücksichtnahme und Nachhaltigkeit keine Rolle.
Hinterlassenschaften aus der Vergangenheit, besonders bei Pompei. Prägend für das kollektive Weltgedächtnis sind Neapel und sein Müll. Kennen die Menschen im mittleren Ruhrgebiet die Abfälle Neapels noch als Versuch, Überkapazitäten in Hertens Verbrennungsanlage zu mindern, so sind sie meiner Frau noch prägend aus ihren ersten Reisen nach Europa Mitte der 1980er Jahre bekannt. Damals streikte die Müllabfuhr und der stinkende Dreck stapelte sich in den Straßen der Mittelmeermetropole.
Die miesen Leistungen im öffentlichen Verkehr relativieren sich etwas, denn nach den Routenplanern braucht der individuelle PKW-Fahrer für die zugestauten Stadtstraßen und langsamen Bergstraßen auch noch etwa anderthalb Stunden.
Staus und Engpässe an vielen neuralgischen Punkten, so an den Ortseinfahrtsstraßen. Sogar außerhalb der Hauptsaison und lokalen Spitzenverkehrsstunden bestehen Verkehrsverhältnisse, die sowohl in Deutschland wie auch Taiwan seit Jahrzehnten Vergangenheit sind.
Wenn der Euro gefährdet wird, dann liegt dies sicher daran, dass die südeuropäischen Volkswirtschaften Deutschland beim Drehen an der Produktivitäts- und Kostenschraube kaum gefolgt sind. Wie können Waren noch erschwinglich sein, die mit dem Fahrer im Lieferwagen innerhalb einer Region einen halben Tag auf der Straße stehen? Wieviel Zeit wird vergeudet, wenn 60 Menschen im Bus sitzen, um 2 Mitreisende mittels einer einstündigen Schleifenfahrt in einem Ort fern der Autobahn abzuholen?
Kein Wunder, dass bei solchen Verhältnisse nur wenige ein vernünftiges Einkommen erzielen können und die Schattenwirtschaft blüht. Sogar dem unvoreingenommenen Touristen fällt auf, dass der Busfahrer zwei Tickets á 10 Euro verkauft, aber nur einen Fahrschein aushändigt. Sind die anderen 10 Euro für die eigene Hosentasche?
Labels:
Italien 2013 im Oktober,
Italien-Taiwan
Samstag, 19. Oktober 2013
Taiwan ist schön
Meine liebsten Fotografien aus dem Jahr 2013
Langweile, Midlife Crisis, die Frage nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Lebensaufgabe. Das alles kann einen Mann bewegen, der sich auf die 50 zubewegt. Ich kann mich noch gut an meinen Vater erinnern, als er mir an seinem 50. Geburtstag, der groß gefeiert wurde, sagte, wie uralt ihm die Menschen früher erschienen, die 50 waren. Und jetzt trennt mich selber nur eine überschaubare Zahl von Monaten von diesem Geburtstag und eigentlich fühle ich mich noch gar nicht so alt. Natürlich verändern sich das eigene Leben und die Ansprüche, Interessen und Erfahrungen. Aber langweilig finde ich es nicht und ein Endpunkt ist noch lange nicht erreicht. Die Gestaltung der eigenen Situation zusammen mit der geliebten Frau, Familie und Freunden, gegen Schicksalsschläge und unangemessene Forderungen, gegen merkwürdige Menschen und Personen, die sich zu Feinden entwickelt haben, ist viel wichtiger, als auf das Leben der Anderen zu schauen. Was interessieren mich die perspektivlosen „Rednecks“, dauernd hungrig nach Bier, Party und Privat-TV, als Nachbarn nebenan oder als unbekannte Zeitgenossen in Taiwan?
Da erfreue ich mich lieber am Herbst in unserem naturnah-chaotischen Garten, den gleich kommenden Flug in den Urlaub mit der besten Ehefrau nach Neapel und einem Rückblick auf meine liebsten Fotografien aus Taiwan in diesem Jahr.
Sonnenuntergang an der Hafeneinfahrt in Kaohsiung. An schönen Abenden verfolgen Hunderte von Menschen, wie sich die Sonne schnell dem Horizont nähert. Betriebsam passieren Schiffe aus allen Ländern die Enge zwischen zwei felsigen Anhöhen, um in den geschützten Hafenbereich zu gelangen.
Ein Teebauer prüft das Wachstum seiner Pflanzen in den Bergen von Alishan nahe dem Ort Siding. Eine Stützmauer aus großen Steinen trennt die Terrassenfelder voneinander.
Ein erschrockener Baumfrosch schaut ins Blitzlicht der Kamera in Shuilin, südlich dem Sonnenmondsee. Rund um das Gästehaus von „Old Five“, wo Pflanzenbeete mit Schilf die Klärung des Abwasser übernehmen, bewusst auf eine Beleuchtung und eine Versiegelung der Wege verzichtet wird, findet sich eine bemerkenswerte Fauna zu den Nachtstunden ein.
Wenig Zeit verbleibt mir noch bis zum nächsten Kulturschock im Süden Europas.
Langweile, Midlife Crisis, die Frage nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Lebensaufgabe. Das alles kann einen Mann bewegen, der sich auf die 50 zubewegt. Ich kann mich noch gut an meinen Vater erinnern, als er mir an seinem 50. Geburtstag, der groß gefeiert wurde, sagte, wie uralt ihm die Menschen früher erschienen, die 50 waren. Und jetzt trennt mich selber nur eine überschaubare Zahl von Monaten von diesem Geburtstag und eigentlich fühle ich mich noch gar nicht so alt. Natürlich verändern sich das eigene Leben und die Ansprüche, Interessen und Erfahrungen. Aber langweilig finde ich es nicht und ein Endpunkt ist noch lange nicht erreicht. Die Gestaltung der eigenen Situation zusammen mit der geliebten Frau, Familie und Freunden, gegen Schicksalsschläge und unangemessene Forderungen, gegen merkwürdige Menschen und Personen, die sich zu Feinden entwickelt haben, ist viel wichtiger, als auf das Leben der Anderen zu schauen. Was interessieren mich die perspektivlosen „Rednecks“, dauernd hungrig nach Bier, Party und Privat-TV, als Nachbarn nebenan oder als unbekannte Zeitgenossen in Taiwan?
Da erfreue ich mich lieber am Herbst in unserem naturnah-chaotischen Garten, den gleich kommenden Flug in den Urlaub mit der besten Ehefrau nach Neapel und einem Rückblick auf meine liebsten Fotografien aus Taiwan in diesem Jahr.
Sonnenuntergang an der Hafeneinfahrt in Kaohsiung. An schönen Abenden verfolgen Hunderte von Menschen, wie sich die Sonne schnell dem Horizont nähert. Betriebsam passieren Schiffe aus allen Ländern die Enge zwischen zwei felsigen Anhöhen, um in den geschützten Hafenbereich zu gelangen.
Ein Teebauer prüft das Wachstum seiner Pflanzen in den Bergen von Alishan nahe dem Ort Siding. Eine Stützmauer aus großen Steinen trennt die Terrassenfelder voneinander.
Ein erschrockener Baumfrosch schaut ins Blitzlicht der Kamera in Shuilin, südlich dem Sonnenmondsee. Rund um das Gästehaus von „Old Five“, wo Pflanzenbeete mit Schilf die Klärung des Abwasser übernehmen, bewusst auf eine Beleuchtung und eine Versiegelung der Wege verzichtet wird, findet sich eine bemerkenswerte Fauna zu den Nachtstunden ein.
Wenig Zeit verbleibt mir noch bis zum nächsten Kulturschock im Süden Europas.
Labels:
Kaohsiung (高雄),
Shangan (上安),
Siding (隙頂),
Taiwan 2013 im März
Donnerstag, 17. Oktober 2013
Rhein
Herbstspaziergang in Deutschland
„Mach doch auch mal so ein Bild“, hatte ich schon immer meiner von der Fotografie begeisterten Frau geraten. Dann kann ich meinen Job aufgeben und wir können eine meinem christlich-geprägten Hintergrund angemessene Residenz in Osttaiwan beziehen. „Das hast du dir doch immer gewünscht.“
Letztes Wochenende war die Chance großen Vorbildern, die auch schon in diesem Blog thematisiert wurden, nachzueifern. Vielleicht stößt ein reicher Sammler, demnächst bei der Googlesuche unter „Rhein II“ darauf, und möchte es zu einem anständigen ruhegehaltsfähigen Preis erwerben. Ich lasse auch gerne einen C-Print davon herstellen.
Zur Vereinfachung der Kontaktaufnahme weise ich darauf hin, dass sich kürzlich meine Email geändert hat. Die fast seit den Anfängen des Internets genutzte Endung „@nerdshack.com“ hat mit der Firma Lavabit seine Funktion eingestellt. So haben, wie nicht anders zu erwarten, die Aktivitäten des Schnüffelstaates und das Engagement freier Menschen dagegen bis in mein tägliches Leben gewirkt. Wenn es eh keinen Schutz der eingestellten Daten und Privatsphäre gibt, kann die für diesen Blog genutzte Email auch bei „gmail.com“ mit dem gleichen vorgesetzten Alias-Namen luo2you1 liegen.
„Mach doch auch mal so ein Bild“, hatte ich schon immer meiner von der Fotografie begeisterten Frau geraten. Dann kann ich meinen Job aufgeben und wir können eine meinem christlich-geprägten Hintergrund angemessene Residenz in Osttaiwan beziehen. „Das hast du dir doch immer gewünscht.“
Letztes Wochenende war die Chance großen Vorbildern, die auch schon in diesem Blog thematisiert wurden, nachzueifern. Vielleicht stößt ein reicher Sammler, demnächst bei der Googlesuche unter „Rhein II“ darauf, und möchte es zu einem anständigen ruhegehaltsfähigen Preis erwerben. Ich lasse auch gerne einen C-Print davon herstellen.
Zur Vereinfachung der Kontaktaufnahme weise ich darauf hin, dass sich kürzlich meine Email geändert hat. Die fast seit den Anfängen des Internets genutzte Endung „@nerdshack.com“ hat mit der Firma Lavabit seine Funktion eingestellt. So haben, wie nicht anders zu erwarten, die Aktivitäten des Schnüffelstaates und das Engagement freier Menschen dagegen bis in mein tägliches Leben gewirkt. Wenn es eh keinen Schutz der eingestellten Daten und Privatsphäre gibt, kann die für diesen Blog genutzte Email auch bei „gmail.com“ mit dem gleichen vorgesetzten Alias-Namen luo2you1 liegen.
Labels:
Deutschland,
Düsseldorf,
Herbst 2013,
Rhein II
Dienstag, 1. Oktober 2013
Die gelbe Ente
Quietschfrei und von Luft entleert taifunfest
Vor einigen Jahren wurden die alten Hafengebiete in Kaohsiung (高雄) freigeräumt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies war sicher ein wichtiger Schritt die Lebensqualität in der Großstadt zu heben und den Strukturwandel zu einer modernen Metropole voran zu bringen.
Ein beliebter Ort ist dabei das Love Pier (真愛碼頭) an der Mündung des gleichnamigen Flusses und mit der Skyline der Hibian Straße und von Sanduo gegenüber geworden. Hier starten die Hafenrundfahrten der Kaohsiung City Shipping Gesellschaft.
Jüngst erschien vor dem Love Pier die gigantische gelbe Gummiente (黃色小鴨) des niederländischen Künstlers Florentijin Hofman. 18 Meter hoch dümpelt sie im Hafenbecken gegenüber dem Love Pier und lässt sich von den Einwohnern und Besuchern der Stadt bewundern. Schade, die Ente bleibt nur bis zum 20. Oktober 2013. Leider kommen wir erst später nach Taiwan, so dass uns der seltene Vogel wohl entgehen wird.
Auch Deutsche mögen so was, aber vielleicht auch etwas anders. Tausende Goldhähne präsentieren sich bei einer Installation von Ottmar Hörl im September 2011. Statt der Größe beeindruckt hier die Masse von künstlerisch nachgeahmten Federvieh. Zwar zog es in der rheinischen Mittelstadt nicht das Publikum in so großer Zahl wie in Kaohsiung an, dennoch ist das Ereignis im kollektiven Gedächtnis haften geblieben. Die Goldhähne finden sich heute nicht nur in verschiedenen Gärten der Stadt sondern auch im Büro des Bürgermeisters.
Vor einigen Jahren wurden die alten Hafengebiete in Kaohsiung (高雄) freigeräumt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies war sicher ein wichtiger Schritt die Lebensqualität in der Großstadt zu heben und den Strukturwandel zu einer modernen Metropole voran zu bringen.
Ein beliebter Ort ist dabei das Love Pier (真愛碼頭) an der Mündung des gleichnamigen Flusses und mit der Skyline der Hibian Straße und von Sanduo gegenüber geworden. Hier starten die Hafenrundfahrten der Kaohsiung City Shipping Gesellschaft.
Jüngst erschien vor dem Love Pier die gigantische gelbe Gummiente (黃色小鴨) des niederländischen Künstlers Florentijin Hofman. 18 Meter hoch dümpelt sie im Hafenbecken gegenüber dem Love Pier und lässt sich von den Einwohnern und Besuchern der Stadt bewundern. Schade, die Ente bleibt nur bis zum 20. Oktober 2013. Leider kommen wir erst später nach Taiwan, so dass uns der seltene Vogel wohl entgehen wird.
Auch Deutsche mögen so was, aber vielleicht auch etwas anders. Tausende Goldhähne präsentieren sich bei einer Installation von Ottmar Hörl im September 2011. Statt der Größe beeindruckt hier die Masse von künstlerisch nachgeahmten Federvieh. Zwar zog es in der rheinischen Mittelstadt nicht das Publikum in so großer Zahl wie in Kaohsiung an, dennoch ist das Ereignis im kollektiven Gedächtnis haften geblieben. Die Goldhähne finden sich heute nicht nur in verschiedenen Gärten der Stadt sondern auch im Büro des Bürgermeisters.
Montag, 30. September 2013
Best Mandarin
Beobachtungen am Tisch und im Garten
Wie vorab beschrieben, wird das Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館) äußerst gerne von Menschen besucht, die aus dem asiatischen Raum stammen. Bei der gestrigen Namenstagsfeier hatten wir das Glück, da wir außerhalb Hauptgeschäftszeiten kamen, auch ohne Reservierung einen der Tische mit der besten Aussicht über das landschaftlich reizvolle Stinderbachtal zu erhalten. Es ergab sich zudem, von der Bedienung in die Nachbarschaft einer offenbar chinesischen Familie in männlicher Begleitung, vielleicht ein Geschäftspartner oder Freund, platziert zu werden.
Best Mandarin - Zum Jahrtausendwechsel reiste ein Orangenkeim von Israel nach Deutschland und wuchs hier langsam zu einem kleinen, dornigen Bäumchen heran. Zwölf Jahre später blühte er zum ersten Mal. Aus den Blüten entwickelten sich zwei kleine Früchte. Eine davon ging bei einem Windwurf verloren. Die Verbliebene präsentiert sich jetzt groß wie eine Mandarine im hübschen Orange der herbstlichen Abendsonne. Ja, der Eigentümer ist schon ein wenig stolz im rauhen Klima Westdeutschland das gewöhnlich anämische Bäumchen so weit gebracht zu haben. Das tröstet, weil es mit dem eigenen Mandarin sprachlich überhaupt nicht weiter geht.
Auch ohne ihrem Gespräch zu lauschen, fiel auf, dass die Menschen am Nachbartisch in unterschiedlichen Ausprägungen des Mandarin sprachen. Während das Familienoberhaupt die Zunge in der typischen Weise der Pekinger bog und verdrehte, sprach der Mitesser eher natürlich wirkend, ruhiger und ausgewogener. Dies veranlasste meine Frau zu der These, dass es sich vielleicht um einen Taiwaner handeln könnte. Auch für mich hörte sich dieses Mandarin deutlich vertrauter an.
So wie das Bayerische hart und rustikal auf den Westdeutschen wirkt, so klingt der Pekinger Akzent für viele Taiwaner. Anderseits sollen viele Festlandschinesen wirklich die Aussprache der Taiwaner als harmonischer und ästhetischer empfinden. Darüber hinaus wird angenommen, dass die Süße in der Sprache der Taiwanerinnen, wie sie besonders bei den jungen Damen des Service in den großen Kaufhäusern und in deren Aufzügen herausgestellt wird, zum chinaweiten Erfolg taiwanischer Fernsehserien beigetragen hat.
Sweet Orange - Ob das Personal am Eingang der Orchideenschau auch im süßesten Mandarin zum Vorzeigen des Tickets auffordert? Der Blick weckt keine großen Erwartungen und deutet mehr auf einen langweiligen Job hin.
Leider erotisiert mich meine Ehefrau nur selten mit ihrer Stimme, die dann bei ihr selber zur Gänsehaut führt, so etwa wenn sich eine Einladung zur Namenstagsfeier im Steakhaus ankündigt. Das Talent zur "Sweetness" in der Sprache teilt sie aber durchaus mit vielen anderen Taiwanerinnen.
Wie vorab beschrieben, wird das Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館) äußerst gerne von Menschen besucht, die aus dem asiatischen Raum stammen. Bei der gestrigen Namenstagsfeier hatten wir das Glück, da wir außerhalb Hauptgeschäftszeiten kamen, auch ohne Reservierung einen der Tische mit der besten Aussicht über das landschaftlich reizvolle Stinderbachtal zu erhalten. Es ergab sich zudem, von der Bedienung in die Nachbarschaft einer offenbar chinesischen Familie in männlicher Begleitung, vielleicht ein Geschäftspartner oder Freund, platziert zu werden.
Best Mandarin - Zum Jahrtausendwechsel reiste ein Orangenkeim von Israel nach Deutschland und wuchs hier langsam zu einem kleinen, dornigen Bäumchen heran. Zwölf Jahre später blühte er zum ersten Mal. Aus den Blüten entwickelten sich zwei kleine Früchte. Eine davon ging bei einem Windwurf verloren. Die Verbliebene präsentiert sich jetzt groß wie eine Mandarine im hübschen Orange der herbstlichen Abendsonne. Ja, der Eigentümer ist schon ein wenig stolz im rauhen Klima Westdeutschland das gewöhnlich anämische Bäumchen so weit gebracht zu haben. Das tröstet, weil es mit dem eigenen Mandarin sprachlich überhaupt nicht weiter geht.
Auch ohne ihrem Gespräch zu lauschen, fiel auf, dass die Menschen am Nachbartisch in unterschiedlichen Ausprägungen des Mandarin sprachen. Während das Familienoberhaupt die Zunge in der typischen Weise der Pekinger bog und verdrehte, sprach der Mitesser eher natürlich wirkend, ruhiger und ausgewogener. Dies veranlasste meine Frau zu der These, dass es sich vielleicht um einen Taiwaner handeln könnte. Auch für mich hörte sich dieses Mandarin deutlich vertrauter an.
So wie das Bayerische hart und rustikal auf den Westdeutschen wirkt, so klingt der Pekinger Akzent für viele Taiwaner. Anderseits sollen viele Festlandschinesen wirklich die Aussprache der Taiwaner als harmonischer und ästhetischer empfinden. Darüber hinaus wird angenommen, dass die Süße in der Sprache der Taiwanerinnen, wie sie besonders bei den jungen Damen des Service in den großen Kaufhäusern und in deren Aufzügen herausgestellt wird, zum chinaweiten Erfolg taiwanischer Fernsehserien beigetragen hat.
Sweet Orange - Ob das Personal am Eingang der Orchideenschau auch im süßesten Mandarin zum Vorzeigen des Tickets auffordert? Der Blick weckt keine großen Erwartungen und deutet mehr auf einen langweiligen Job hin.
Leider erotisiert mich meine Ehefrau nur selten mit ihrer Stimme, die dann bei ihr selber zur Gänsehaut führt, so etwa wenn sich eine Einladung zur Namenstagsfeier im Steakhaus ankündigt. Das Talent zur "Sweetness" in der Sprache teilt sie aber durchaus mit vielen anderen Taiwanerinnen.
Mein Mondfest, mein Namenstag
Taiwans Restaurants trösten, Deutschlands Küche saugt
Was Prof. Dr. Heiner Flassbeck zum Sonntag im Fernsehen referierte, sollte eigentlich allen klar sein. Wenn Deutschland Politik und Ökonomie nicht die erzielten Produktivitätsgewinne zum allgemeinen Einkommenszuwachs verwenden, sondern nur zur Steigerung von wirtschaftlicher Macht, nimmt das eine schlimme Entwicklung. Nicht nur auf Hartz IV degradierte Sozialhilfeempfänger, auf Null-Runden gesetzte Staatsdiener, die der nationalen Finanzpolitik besonders nah zugeordnet sind, leiden darunter. Die allgemeinen Reallohnverluste in der Gesellschaft führen zu einer sinkenden Nachfrage. Am Ende geraten ganze Volkswirtschaften in Gefahr, wenn sie nicht mehr mit einer Abwertung ihrer Währung darauf reagieren können, zum Beispiel dann, wenn sie sich wie Griechenland der Eurozone verschrieben haben.
Auch für einen unbedeutenden Vorsitzenden eines Briefwahlvorstandes irgendwo im Düsseldorfer Umland, war es bei der Stimmauszählung zur Bundestagswahl 2013 überraschend, wie stark die ökonomischen Fragen die Menschen bewegen. Da sammeln sich die Zettel auf dem Auszähltisch, womit die "Alternative für Deutschland" fast rein in den Bundestag rein kommt, während die etablierte FDP mit Mehrwertsteuergeschenken, "Wischi-Waschi" bei wichtigen Themen und einem fliegenden Teppich aus Afghanistan rausfällt. Auch Prof. Flassbeck macht sich hierüber seine kritischen Gedanken.
Trotz allem bestand Gelegenheit das Mondfest mit einer Sushi-Platte vom Restaurant Anh & Em angemessen zu feiern. Mit Akribie werden die Gerichte dort vorbereitet und ausgeliefert. Mit einem Handyfoto belegt der Fahrer gegenüber dem Restaurant, dass kein Sushi und Tempura verrutscht ist. Da seit einiger Zeit Hos Supermarkt mit einer Bäckerei in das nächste Ladenlokal expandiert ist, gab es aus Düsseldorf auch frischen Mondkuchen zum Fest. Nur das deutsche Preisniveau all dieser leckeren Spezialitäten haut wirklich um. Wenn tägliche Dinge und kulinarische Genüsse immer teurer werden, was bleibt dann noch für den anderen Konsum, wie Urlaub, Autos oder Unterhaltungselektronik? Oder sind wir schon auf dem Weg in eine nachhaltige Gesellschaft mit Kuba als Vorbild?
Also verprassen wir den Euro, so lange es uns noch gut geht. Zu seinem Namenstag lud der Verfasser dieser Zeilen ins Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館)ein, wie das Lokal in asiatischen Kreisen genannt wird. Wo gibt es denn hier Berge, frug meine Frau bevor sie die Lokalität kannte. Im Vergleich zum taiwanischen Zentralgebirgen, kommen hier wirklich nur Hügel vor. Die Dichte der Gäste mit asiatischen Gesichtszügen ist wirklich beachtlich, in dem Restaurant, dass unter dem deutschen Namen Gut Jägerhof firmiert. Mit einem ausgedehnten Spaziergang nach den Klassikern Gutshofsteak und Hüftsteak nach Düsseldorfer Art endete ein sonnig warmer, aber schon herbstlich angefärbter Tag.
Was Prof. Dr. Heiner Flassbeck zum Sonntag im Fernsehen referierte, sollte eigentlich allen klar sein. Wenn Deutschland Politik und Ökonomie nicht die erzielten Produktivitätsgewinne zum allgemeinen Einkommenszuwachs verwenden, sondern nur zur Steigerung von wirtschaftlicher Macht, nimmt das eine schlimme Entwicklung. Nicht nur auf Hartz IV degradierte Sozialhilfeempfänger, auf Null-Runden gesetzte Staatsdiener, die der nationalen Finanzpolitik besonders nah zugeordnet sind, leiden darunter. Die allgemeinen Reallohnverluste in der Gesellschaft führen zu einer sinkenden Nachfrage. Am Ende geraten ganze Volkswirtschaften in Gefahr, wenn sie nicht mehr mit einer Abwertung ihrer Währung darauf reagieren können, zum Beispiel dann, wenn sie sich wie Griechenland der Eurozone verschrieben haben.
Auch für einen unbedeutenden Vorsitzenden eines Briefwahlvorstandes irgendwo im Düsseldorfer Umland, war es bei der Stimmauszählung zur Bundestagswahl 2013 überraschend, wie stark die ökonomischen Fragen die Menschen bewegen. Da sammeln sich die Zettel auf dem Auszähltisch, womit die "Alternative für Deutschland" fast rein in den Bundestag rein kommt, während die etablierte FDP mit Mehrwertsteuergeschenken, "Wischi-Waschi" bei wichtigen Themen und einem fliegenden Teppich aus Afghanistan rausfällt. Auch Prof. Flassbeck macht sich hierüber seine kritischen Gedanken.
Trotz allem bestand Gelegenheit das Mondfest mit einer Sushi-Platte vom Restaurant Anh & Em angemessen zu feiern. Mit Akribie werden die Gerichte dort vorbereitet und ausgeliefert. Mit einem Handyfoto belegt der Fahrer gegenüber dem Restaurant, dass kein Sushi und Tempura verrutscht ist. Da seit einiger Zeit Hos Supermarkt mit einer Bäckerei in das nächste Ladenlokal expandiert ist, gab es aus Düsseldorf auch frischen Mondkuchen zum Fest. Nur das deutsche Preisniveau all dieser leckeren Spezialitäten haut wirklich um. Wenn tägliche Dinge und kulinarische Genüsse immer teurer werden, was bleibt dann noch für den anderen Konsum, wie Urlaub, Autos oder Unterhaltungselektronik? Oder sind wir schon auf dem Weg in eine nachhaltige Gesellschaft mit Kuba als Vorbild?
Also verprassen wir den Euro, so lange es uns noch gut geht. Zu seinem Namenstag lud der Verfasser dieser Zeilen ins Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館)ein, wie das Lokal in asiatischen Kreisen genannt wird. Wo gibt es denn hier Berge, frug meine Frau bevor sie die Lokalität kannte. Im Vergleich zum taiwanischen Zentralgebirgen, kommen hier wirklich nur Hügel vor. Die Dichte der Gäste mit asiatischen Gesichtszügen ist wirklich beachtlich, in dem Restaurant, dass unter dem deutschen Namen Gut Jägerhof firmiert. Mit einem ausgedehnten Spaziergang nach den Klassikern Gutshofsteak und Hüftsteak nach Düsseldorfer Art endete ein sonnig warmer, aber schon herbstlich angefärbter Tag.
Labels:
Bundestagswahl 2013,
Deutschland,
Essen und Trinken,
Mondfest
Abonnieren
Posts (Atom)




















