Samstag, 25. Januar 2014

Die Katze in der Flasche

These 2, wie Taiwan die Demokratie abschafft

Viele glauben, dass in einer demokratischen Gesellschaft Printmedien eine große Bedeutung haben. Dabei schmilzt den gedruckten Zeitungen nicht nur die Leserschaft weg, sondern ihr Inhalt ist zunehmend ökonomisch bestimmt und politisch vorgegeben. Sie sind mitnichten Wächter für die Demokratie und unabhängige Kontrolleure der Politik.

Dadurch, dass sie einzelne Ereignisse und Schicksale herausstellen, werden gesellschaftlich bedeutende Fragestellungen ausgeblendet. Eine Diskussion darüber ist nicht erwünscht. Vielmehr wird dadurch, dass Banalitäten ins Ramenpenlicht gestellt werden, für die allgemeine Öffentlichkeit eine heile Welt suggeriert.

Meisterlich sind die Zeitungen Taiwans wenn es darum geht, Nichtigkeiten viel Raum einzuräumen. Beispielhaft widmete genau vor einem Monat die Taipei Times Frau Lin einen große Artikel. Die junge Frau hatte ihre Hauskatze zur Strafe für schlechtes Verhalten in eine Plastikflasche gesteckt, was sehr witzig aussah. Die Bilder dazu hatte Frau Lin im Internet veröffentlicht und war daraufhin angezeigt worden. Danach drohen ihr bis zu 1000 US-Dollar oder ein Jahr Gefängnis wegen Tierquälerei.

Dabei sind etliche Taiwaner, sicher nicht die Mehrheit, wenig zimperlich, wenn es um ihre Tiere geht. Verlassene Straßenhunde mit elendem Aussahen sind noch verbreitet. Das Aussetzen von Hunden scheint die übliche Lösung zu sein, wenn das Tier den Besitzern zu viel Mühe bereitet. So hat die Schwägerin seit kurzem einen Chihuahua in der Familie, der eines Morgens überraschend vor der Tür des Reihenhauses saß.

Es ist zu hoffen, dass Tausende prächtiger und wunderschöner, toter Fische im Hafen von Houbihu (後壁湖) - neben dem Auslass des Atomkraftwerks - ihr Leben nicht umsonst gelassen haben und wirklich verzehrt werden. Der verschwenderische Überfluß an Nahrung in Taiwan hat seine Schattenseiten dort, wo das Meer stark befischt wird und die Ausdehnung oder intensivere Nutzung landwirtschaftlicher Flächen den Lebensraum wilder Tiere einschränkt und vernichtet.

Ziemlich viel wurde für das Fo Guang Shan Buddha Memorial Center platt gemacht. Von den Hügeln südlich des Bachtals in der Nähe des Kaoping-Flusses ist wenig übrig geblieben.

Sicherlich gab es eine Umweltverträglichkeitsprüfung und entsprechende Rechtsgrundlagen wurden für die Legalität des riesigen Bauprojektes geschaffen, um den Verlust für den Naturraum und die Tierwelt zu minimieren. Dennoch erscheint der Eingriff äußerst widersprüchlich im Vergleich zum religiösen Anspruch. War da nicht irgendetwas mit Tieren im Buddishmus? Aber so wie es aussieht, ist Taiwan in gleicher Weise vom Buddhismus geprägt, wie Deutschland besonders in den C-Parteien, wie CDU und CSU, seine christliche Werteordnung lebt.

Im Gegensatz zu Taiwan hat aber unter anderem die intensiv geführte Diskussion über „Stuttgart 21“ gezeigt, dass die deutsche Zivilgesellschaft wenigstens in der Lage ist, sich gegen milliardenschwere Monstervorhaben ihrer Eliten zu wehren. Die Katze in der Flasche und das öffentliche Herausstellen einer bösen Frau Lin werden nicht gebraucht, um Zeitungsseiten zu füllen und Sand in die Augen zu streuen.

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