Und vergängliche Schönheit am Sonne-Mond-See
Es gibt Orte in Europa, die bei vielen Asiaten hoch attraktiv und bekannt sind, aber von der durchschnittlichen westlichen Bevölkerung selber kaum wahrgenommen werden. So erging es mir, als ich auf Betreiben meiner Frau vor etlichen Jahren den Löwen von Luzern in der Schweiz besuchte. Busse voll mit Japanern, Koreanern, Chinesen, Taiwanern und und und steuern täglich dieses Ziel zum Besichtigen und Fotografieren an.
Das gilt auch für die Heerstraße in Bonn. Während der Kirschblüte in diesen Jahr hat die beste Ehefrau von allen im Strom der Besucher eine der vermeintlich schönsten Straßen der Welt bewundert. In der Tat ist das Frühjahr mit explodierenden Blüten, sich entfaltenden Blättern und frischem Grün sowie hervorschießenden Pflanzen die beeindruckendste Jahreszeit in unseren Breiten. Die kurze Zeit mit überbordenden Farben und Düften macht uns klar, wie vergänglich das Leben und wie schnell Lebenszyklen sind.
Einen Lebenszyklus scheint es auch beim Toilettenhaus im Toskana-Landhausstil am Sonnen-Mond-See zu geben, wie mir beim kürzlichen Vergleich von Fotografien aus verschiedenen Jahren auffiel. 2003 waren das Gebäude und seine Umgebung fast perfekt, um eine mediterrane Illusion aufzubauen. Aber was ist aus dem vermutlich schönsten Klohäuschen Taiwans geworden, was ich im Blog mehrmals anpries?
Schon etwas verblasst ist die Schönheit im Jahr 2007. Der markante Stein mit den chinesischen Zeichen „Sonne Mond See‟ wurde übrigens später zum Streitpunkt chinesischer Touristen, die nach der Öffnung Taiwans für den Reiseverkehr die Insel überfluteten. Tausende von ihnen und nur ein Stein als Fotorequisite und als beschriebener Beleg, für den Reiseort an dem sich der Fotografierte befindet, ging nicht auf. So hat die Verwaltung heute an vielen Orten rund um den See solche Steine aufgestellt, um den Urlaubern einen möglichst konfliktfreien Aufenthalt zu ermöglichen. An besonders stark frequentierten Orten erleichtern zudem Leitbänder die Orientierung zum Anstellen zur Fotoaufnahme.
Im Januar 2015: Zum Fotografieren für ein hübsches Urlaubsbilder ist das eigentlich nicht mehr geeignet. Was kann jetzt noch an Niedergang kommen? Läuft das Café gut, wird der Besitzer irgendwann entscheiden, das Gerümpel zur Seite zu schieben, sein gesamtes Ensemble von Bänken, Tischen, Stühlen, Sonnenschirmen und Anbauten an das WC-Häuschen einschließlich des Gebäudes selber niederzureißen und durch ein massives Gebäude zu ersetzen. Läuft das Geschäft schlecht, passiert das gleiche, aber es wird danach ein protziges Hotel mit Geschäften und Restaurants im Erdgeschoss errichtet. Obwohl es so aussieht, als wäre alles zugestellt: Der Weg ist geebnet, diesen ehemals freien und öffentlichen Raum, erhaben über dem Sonnen-Mond-See, der kapitalistischen Profitgier weiter preiszugeben. Schade, dass dies ohne Not, wie auch ohne Sinn für die Schönheit des Ortes und seiner Umgebung geschieht.
Wie die Frühjahrsblüten so kann auch die Schönheit von Plätzen vergehen. Anders als die herrlichen Farben und Düfte, die jedes Jahr wieder kommen, ist aber für den kleinen Park über dem See zu befürchten, dass der degenerative Bauprozess eben nicht in einen Zyklus mündet, sondern unumkehrbar tief nach unten geht.
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Donnerstag, 30. April 2015
Freitag, 9. Januar 2015
Wider der Götzenverehrung
Mutter, wie konntest du das tun? Da speiste sich die Familienkultur zum einen aus dem althergebrachten unterwürfig rheinischen Katholizismus. Bekanntermaßen herrschen und dominieren hier im wesentlichen immer noch die protestantischen Preussen in den gesellschaftlichen Führungspositionen, während die Katholiken ihnen - genau wie ihrem unfehlbaren Papst - folgen und gehorsam arbeiten. Zum anderen kommen die Familientraditionen aus dem katholisch-thüringischen Eichsfeld (ohne DDR-Zwischenspiel) sowie quasi frühausgesiedelt dem katholisch-ostpreussischen Ermland, also zwei Exklaven des Katholizismus umgeben von protestantischen Gebieten beziehungsweise angrenzend an Polen. Jedenfalls kann davon ausgegangen werden, das die sozio-geografische Situation zu einem besonderen Bewusstsein für den eigenen Glauben führte. Und nun das! Mutter verbeugt sich mit gefaltenen Händen gegenüber heidnischen Götzenstatuen.
Hort der Götzenanbetung am Sonnen-Mond-See - der ehrwürdige Xuanzang-Tempel
Wie brutal war ich als Kind noch in den 1960er und 1970er Jahren genötigt worden, stets an der Knieschmerzen verursachenden sonntäglichen Messe teilzunehmen, alle Sakramente der heiligen katholischen Kirche zu inhalieren und mich bloß nicht vom Religionsunterricht - bei dem es schon längst mehr um ethische als um Glaubensfragen ging - in der Schule abzumelden. Erst mit dem stärkeren Lösen vom Elternhaus konnte ich das nachvollziehen, was gesellschaftlich schon viel früher durch die 1968er erreicht worden war.
Die einzige Erklärung für das mütterliche Verhalten, vor den vergoldeten Holzstatuen die Hände zu falten und sich zu verbeugen, kann nur im christlichen Respekt für die nächsten Mitmenschen liegen. Der allmächtige Christengott könnte es doch nie zulassen, dass so freundliche und höfliche Menschen einem Irrglauben unterliegen. Also müssen etwa der verehrte Mönch, der heilige Schriften des Buddhismus von Indien nach China brachte, oder die Minister, die aufgrund ihrer Wohltaten für die Menschen zu Göttern wurden, ihre Anbetungswürdigkeit nur deshalb erhalten haben, weil der christliche Gott dies zuließ. Sie symbolisieren und bestätigen in ihrer eigenen Art, dass es Gott gibt. Da bleibt dann nur der offene Punkt, warum den heidnischen Asiaten von Gott nicht gleich und direkt der wahre Glaube offenbart wurde. Dies wird wohl Gottes Geheimnis bleiben, warum weiterhin zähe Missionsarbeit in Asien nötig ist. Außerdem sei auch an die ziemlich klaren Aussagen in den zehn Geboten erinnert.
Erfolg hatten die Missionare jedenfalls bei einer Landsmännin meiner Ehefrau, die uns gegenüber ihr Christsein in Bauer Steins Pflaumenplantage bekannte, mir mit einem "Hello" um den Hals fiel, "I love you" rief, mich küsste, den Besuch in Deutschland ankündigte und ihre Email hinterließ - nicht übertrieben. Sie ist deshalb Christin, um ihr Leben zu genießen, sagte sie. Ja ist den schon die Hochzeit im rheinischen Karneval? "Sehr untaiwanesisch", meinte die beste Ehefrau von allen, die auch die junge Frau innerhalb ihrer christlichen Reisegruppe aus Taoyuan als außergewöhnlich empfand. Viel besser als religiöse Fanatiker, dachte Luo You in Anbetracht aktueller Ereignisse.
Den Buddhisten, Taoisten und anderen Fremdgläubigen dürfte es ziemlich egal sein, wie Mutter Luo You sie in ihr christliches Weltbild einsortiert, solange sie keine Statuen sprengt, Tempel zu Kirchen umbaut oder buddhistische Nonnen und Mönche als Ketzer hinrichtet.
Totalüberfremdung am Strand bei Kending, heutiger Stand gegen 15.30 Uhr - Bei Dresdner Verhältnissen (Problem-Entwicklung Gering-Intelligenter Deutschtümelnder Aktivisten) und fast 100 % Adoka (Langnasen) abgesehen von Sonnenschirmvermietern, Strandwächtern und Barbedienung wäre die Gründung einer PAGODE (Panische Asiaten Gegen die Oriententzauberung Durch Europide) zu befürchten.
"Was für ein lustiges Land Deutschland ist", kommentierte die Ehefrau aufgrund der permanenten PEGIDA-Nachrichten in den Systemmedien. Luo You wollte dem zustimmen, wenn denn nicht die deutsche Vergangenheit zeigt, dass Irrsinn und Fanatismus in die übelste Situation führen können. Die Frage wird zu beantworten sein, wie der Prozess zu einer säkularen und aufgeklärten Weltordnung wieder aufgenommen und forciert werden kann. Weder der Bau von Moscheen noch der sonntägliche Kirchenbesuch oder eine Stimmabgabe für die Freunde der PEGIDA wird die Antwort dazu liefern.
Hort der Götzenanbetung am Sonnen-Mond-See - der ehrwürdige Xuanzang-Tempel
Wie brutal war ich als Kind noch in den 1960er und 1970er Jahren genötigt worden, stets an der Knieschmerzen verursachenden sonntäglichen Messe teilzunehmen, alle Sakramente der heiligen katholischen Kirche zu inhalieren und mich bloß nicht vom Religionsunterricht - bei dem es schon längst mehr um ethische als um Glaubensfragen ging - in der Schule abzumelden. Erst mit dem stärkeren Lösen vom Elternhaus konnte ich das nachvollziehen, was gesellschaftlich schon viel früher durch die 1968er erreicht worden war.
Die einzige Erklärung für das mütterliche Verhalten, vor den vergoldeten Holzstatuen die Hände zu falten und sich zu verbeugen, kann nur im christlichen Respekt für die nächsten Mitmenschen liegen. Der allmächtige Christengott könnte es doch nie zulassen, dass so freundliche und höfliche Menschen einem Irrglauben unterliegen. Also müssen etwa der verehrte Mönch, der heilige Schriften des Buddhismus von Indien nach China brachte, oder die Minister, die aufgrund ihrer Wohltaten für die Menschen zu Göttern wurden, ihre Anbetungswürdigkeit nur deshalb erhalten haben, weil der christliche Gott dies zuließ. Sie symbolisieren und bestätigen in ihrer eigenen Art, dass es Gott gibt. Da bleibt dann nur der offene Punkt, warum den heidnischen Asiaten von Gott nicht gleich und direkt der wahre Glaube offenbart wurde. Dies wird wohl Gottes Geheimnis bleiben, warum weiterhin zähe Missionsarbeit in Asien nötig ist. Außerdem sei auch an die ziemlich klaren Aussagen in den zehn Geboten erinnert.
Erfolg hatten die Missionare jedenfalls bei einer Landsmännin meiner Ehefrau, die uns gegenüber ihr Christsein in Bauer Steins Pflaumenplantage bekannte, mir mit einem "Hello" um den Hals fiel, "I love you" rief, mich küsste, den Besuch in Deutschland ankündigte und ihre Email hinterließ - nicht übertrieben. Sie ist deshalb Christin, um ihr Leben zu genießen, sagte sie. Ja ist den schon die Hochzeit im rheinischen Karneval? "Sehr untaiwanesisch", meinte die beste Ehefrau von allen, die auch die junge Frau innerhalb ihrer christlichen Reisegruppe aus Taoyuan als außergewöhnlich empfand. Viel besser als religiöse Fanatiker, dachte Luo You in Anbetracht aktueller Ereignisse.
Den Buddhisten, Taoisten und anderen Fremdgläubigen dürfte es ziemlich egal sein, wie Mutter Luo You sie in ihr christliches Weltbild einsortiert, solange sie keine Statuen sprengt, Tempel zu Kirchen umbaut oder buddhistische Nonnen und Mönche als Ketzer hinrichtet.
Totalüberfremdung am Strand bei Kending, heutiger Stand gegen 15.30 Uhr - Bei Dresdner Verhältnissen (Problem-Entwicklung Gering-Intelligenter Deutschtümelnder Aktivisten) und fast 100 % Adoka (Langnasen) abgesehen von Sonnenschirmvermietern, Strandwächtern und Barbedienung wäre die Gründung einer PAGODE (Panische Asiaten Gegen die Oriententzauberung Durch Europide) zu befürchten.
"Was für ein lustiges Land Deutschland ist", kommentierte die Ehefrau aufgrund der permanenten PEGIDA-Nachrichten in den Systemmedien. Luo You wollte dem zustimmen, wenn denn nicht die deutsche Vergangenheit zeigt, dass Irrsinn und Fanatismus in die übelste Situation führen können. Die Frage wird zu beantworten sein, wie der Prozess zu einer säkularen und aufgeklärten Weltordnung wieder aufgenommen und forciert werden kann. Weder der Bau von Moscheen noch der sonntägliche Kirchenbesuch oder eine Stimmabgabe für die Freunde der PEGIDA wird die Antwort dazu liefern.
Donnerstag, 8. Januar 2015
Das chinesische Bereuen nach Taiwan oder nicht nach Taiwan zu reisen
Die Chinesen sagen zueinander, dass man es sein Leben lang bedauern wird, nicht die Chance zu nutzen und Taiwan zu besuchen. Gegenwärtig ist die Situation zwischen China und Taiwan sehr offen und erleichtert das Reisen sehr. So viel wurde den Festlandschinesen in der Schule von Sonnen-Mond-See und Alishan eingepaukt, dass sie sich sehr danach sehnen, das, was ihnen gehört, endlich zu sehen und durch die eigene Anschauung zu erleben.
Allerdings wird in China auch gesagt, dass derjenige, der sich auf den Weg nach Taiwan macht, diese Reise sein Leben lang bereuen wird. Zu unspektakulär sind der Gebirgsrücken von Alishan und der aufgestaute See südlich der Stadt Puli mit den zumeist in den 1960er Jahren errichteten Tempeln. Im Vergleich dazu hat die Volksrepublik China viel mehr zu bieten. Es lohnt also weder die knappen Urlaubstage hier zu vergeuden noch sein sauer verdientes Geld an solchen für chinesische Verhältnisse hochpreisigen Orten auszugeben. Aber mit der Reise zu der subtropischen Insel wird darüber hinaus noch der Mythos Taiwan zerstört, an den der gewöhnliche Festlandschinese seit seiner Kindheit geglaubt hat.
Was ist nun besser? Reisen oder weiter an das Besondere von Taiwan zu glauben?
Gar nicht so übel das Bergpanorama hinter den Sonnen-Mond-See, wenn er nicht gerade völlig im wolkigen Nebel verschwindet, wie am letzten Aufenthaltstag. Im Vergleich zu dem was China bieten kann, ist das natürlich nichts. Das Foto entstand vorgestern von der Frühstücksterrasse des Bambus-Rock-Garden-Hotels.
Allerdings wird in China auch gesagt, dass derjenige, der sich auf den Weg nach Taiwan macht, diese Reise sein Leben lang bereuen wird. Zu unspektakulär sind der Gebirgsrücken von Alishan und der aufgestaute See südlich der Stadt Puli mit den zumeist in den 1960er Jahren errichteten Tempeln. Im Vergleich dazu hat die Volksrepublik China viel mehr zu bieten. Es lohnt also weder die knappen Urlaubstage hier zu vergeuden noch sein sauer verdientes Geld an solchen für chinesische Verhältnisse hochpreisigen Orten auszugeben. Aber mit der Reise zu der subtropischen Insel wird darüber hinaus noch der Mythos Taiwan zerstört, an den der gewöhnliche Festlandschinese seit seiner Kindheit geglaubt hat.
Was ist nun besser? Reisen oder weiter an das Besondere von Taiwan zu glauben?
Gar nicht so übel das Bergpanorama hinter den Sonnen-Mond-See, wenn er nicht gerade völlig im wolkigen Nebel verschwindet, wie am letzten Aufenthaltstag. Im Vergleich zu dem was China bieten kann, ist das natürlich nichts. Das Foto entstand vorgestern von der Frühstücksterrasse des Bambus-Rock-Garden-Hotels.
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China,
Sonne-Mond-See (日月潭),
Taiwan 2014 / 2015
Mittwoch, 7. Januar 2015
Ans Ende der Welt - landseitig, Osttellerrand, oben
Bis ans Ende der Welt ging es gestern eigentlich nicht, obwohl mir die Fahrt in Richtung des Oberlaufs von Taiwans längstem Fluss, dem Zhuoshui-Flusses, so erschien. Nach dem Fließbandtourismus der Reisegruppen aus der Volksrepublik China,Hongkong, Singapur und anderen taiwannahen Territorien, den rasenden VW-Bussen der Wandertouren, den in langer Reihe parkenden Wagen der Individualtouristen vor Bauer Steins blühender Alm mit krüppeligen, überalterten Pflaumenbäumen, zwischen denen er sein offenes Café aufgebaut hatte, wurde es richtig einsam.
Erkennbar hatte das Tal des Shālǐ Xiān Xī (沙里仙溪)als Zufluss zum Zhuoshui bei Tongfu, auch Tong-Pu oder Dōng bù (東埔), schon bessere Zeiten erlebt. Auch wenn die Hängebrücke gigantisch ist und der Ort über heiße Quellen verfügt, die über verschiedene Hotels erschlossen werden, ist die Gegend nicht wirklich einladend, sondern wirkt etwas heruntergekommen und aus der Mode geraten. Ob der gewaltige Busparkplatz neben der Brücke, die maximal 90 Personen tragen kann, wirklich einmal in dem Umfang gebraucht wurde?
Am beeindruckendsten war auf der Fahrt über die häufig über Hochbrücken geführte Straße nach Tongfu der Blick auf das Bergmassiv der höchsten Erhebung Taiwans, dem Yushan. Obwohl die nur während der Tageszeit geöffnet Straße noch weiter führt, markiert der riesige Berg hier das Ende. Wirklich imposant, wenn die Spitze und die Nachbargipfel nicht im Wolkennebel verschwunden sind!
Wie geschrieben, lohnt die Gegend sonst nicht für einen längeren Aufenthalt. Da haben der Sonnen-Mond-See oder die Orte vorher mehr zu bieten. Wer wir nochmal wieder kommen sollten, dann sicher um das Reststück der Straße 21 von Tongfu bis Tatajia zu fahren und mehr vom Bergpanorama zu genießen.
Sonntag, 14. Dezember 2014
Reiseziel Candidius-See
Kurort oder Hort der Kulturlosigkeit?
Nachdem der erste Taiwanurlaub der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Mutter so förderlich war, brauchten wir in diesem Jahr nicht die Frage zu stellen „Weihnachten alleine oder Taiwan?‟ Taiwan mit seinen freundlichen Menschen, einem angenehmen Winterklima, schönen Landschaften und der vielfältigen Küche hat sich als quasi Kurort für sie bewährt. 2014 fliegen wir ohnehin erst zwischen den Jahren auf die subtropischen Insel.
Diesmal ist das Reisziel ein Wiedersehen mit dem Candidius-See, besser bekannt als Sonne-Mond-See (日月潭 oder Rì Yuè Tán) in Mitteltaiwan.
Als kleinster Ureinwohnerstamm Taiwans leben um den See die Thao mit 759 Stammesmitgliedern im November 2014, die nach der Legende bei der Jagd auf einen weißen Hirschen den See entdeckt haben sollen. Aufgrund der Schönheit des Ort und guten Lebensbedingungen haben die Thao sich dort niedergelssen.
1624 begonnen die Holländer Taiwan zu besetzen. Zu ihrer Erschließungspolitik zählte auch Bekehrung der Ostinder zum Christentum. Der holländische Missionar George Candidius war von 1627 bis 1637 so erfolgreich, das nach ihm der idyllischen See benannt wurde. Verfestigen konnte sich der Name aber nicht, wurde aber noch in der frühen westlichen Kartografie Formosas aufgenommen.
Heftige Veränderungen am Sonnen-Mond-See kamen mit der japanischen Kolonisierung Taiwans. 1919 begann der Ausbau zur Nutzung der Wasserkraft. Seit 1934 wird den industriellen Zentren Energie aus dem Wasserkraftwerk geliefet. Bis 1960 konnte das Kraftwerk den gesamten Strombedarf Taiwans abdecken.
Weitere große Veränderungen ergaben sich mit der Herrschaft von Chiang-Kai Shek. Wer die schönsten Orte auf Taiwan kennenlernen möchte, kann getrost der Liste der Gästehäuser von Chiang Kai-Shek (蔣介石 oder Jiǎng Jiè-Shí) folgen. Stilsicher wurden Paläste und Villen des Diktators in die herausragenden Landschaften der Insel platziert. Neben seinem Gästehaus Hanbi Lou (涵碧樓), dem heute ausgebauten und transkribierten , Lalu-Hotel sind Tempel, Pagoden, Kirchen und neben dem Gästehaus auch weitere Unterkünfte zur Ausschmückung der Landschaft im chinesischen Stil entstanden.Nach Lebensraum und Chance zur Energiegewinnung wurde die Landschaft über ihren Erholungspotenzial in Wert gesetzt.
Dabei könnte - mal abgesehen vom angenehmeneren Winterklima, von der Fremdartigkeit der Gebäude und Menschen - auch mancher Stausee im Sauerland es gut mit dem landschaftlichen Reiz des Sonne-Mond-Sees aufnehmen.
Inwertsetzung und Kommerzialisierung des Landschaftsraums im 21. Jahrhundert – Mittels einer High-Tech-Seilbahn geht es über die Berghänge am Sonne-Mond-See zum Freizeit- und Kulturpark.
Heute besteht Sorge am Sonnen-Mond-See, dass die Flut chinesischer Touristen und der damit entstehende Rummel auf längere Sicht schadet. Der Druck der Massen, möglichst viel für wenig Geld zu bekommen und dabei das Risiko kaufkraftstärkere Reiseklassen zu verlieren, lässt die Menschen, die dort wohnen und arbeiten, nachdenken.
Auch Luo You hat viel darüber nachgedacht, ob die Ziele kulturloser Máo Fěi (毛匪) überhaupt noch in Betracht kommen. Es gibt immer noch weiße Flecken auf der Landkarte Taiwans. Noch sind nicht alle Standorte von Gästehäusern Chiang Kai-sheks erkundet. Allein aus dem Glauben der taiwanischen Ehefrau, der Sonne-Mond-See sei etwas ganz besonders, weil so viele dort hin reisen, und der Bequemlichkeit des ausgebrannten deutschen Ehemanns, was anderes außerhalb der Spurrillen schwerer Reisebusse vorzuschlagen, fahren wir möglicherweise deshalb wieder und wieder dorthin.
Luo Yous weiße Flecken auf Formosas Landkarte – Eine Reise wert ist beispielsweise die Gegend nördlich von Ruì-Fāng (瑞芳) entlang der Shen-Ao-Bahnlinie. Nach kürzlicher Äußerung von Europäischem Gerichtshof und Bundesgerichtshof ist jetzt etwas mehr Rechtssicherheit zum Einbetten fremder Inhalte entstanden. Ich gehe mal davon aus, dass Shuifan Liu den Videoclip als Urheber eingestellt hat und ich hier kein erweitertes Publikum von Internetnutzern gegenüber Youtube anspreche. Sollte Shuifan Liu doch etwas Schlimmes mit dem Einstellen dieses Videoclips gemacht haben, distanziere ich mich davon. Wozu ich sonst gerne auf Taiwan eigene Bildmaterial herstellen möchte, sind die Nordküste Taiwans mit „Queen´s Head‟, die Matzu-Inseln, Wulai südlich von Taipei, nochmal bei besserem Wetter das Gebiet um die Schneeberge mit Wuling und Taipingshan. Auch ein längerer Aufenthalt an der südöstlichen Pazifikküste, also südlich von Taimali steht noch auf der persönlichen Wunschliste.
Die nächste Reise ist jedenfalls entschieden, gebucht und angezahlt. In gewisser Hinsicht hat das Erleben von Chinesen in großer Zahl auch seinen Reiz und ist auch eine Art von Urlaub, die ermöglicht den deutschen Alltag hinter sich zu lassen. Zum „People Watching‟ ins entwickelte demokratische Taiwan erscheint durchaus die angenehmere Alternative zur Volksrepublik China. Richtig kulturlos sind nach meiner Erfahrung ohnehin nur wenige Einzelpersonen, wobei es schon stört beispielsweise ein vom Vormieter verrauchtes Nichtraucherzimmer zu erhalten. Immerhin werden Reisende mit westlichen Gesichtern in taiwanischer Begleitung schon mal an Gruppen von Chinesen vorbei gelotst nach dem Motto „Ihr ward früher da.‟ Das kann innerlich durchaus aufbauen.
Nachdem der erste Taiwanurlaub der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Mutter so förderlich war, brauchten wir in diesem Jahr nicht die Frage zu stellen „Weihnachten alleine oder Taiwan?‟ Taiwan mit seinen freundlichen Menschen, einem angenehmen Winterklima, schönen Landschaften und der vielfältigen Küche hat sich als quasi Kurort für sie bewährt. 2014 fliegen wir ohnehin erst zwischen den Jahren auf die subtropischen Insel.
Diesmal ist das Reisziel ein Wiedersehen mit dem Candidius-See, besser bekannt als Sonne-Mond-See (日月潭 oder Rì Yuè Tán) in Mitteltaiwan.
Als kleinster Ureinwohnerstamm Taiwans leben um den See die Thao mit 759 Stammesmitgliedern im November 2014, die nach der Legende bei der Jagd auf einen weißen Hirschen den See entdeckt haben sollen. Aufgrund der Schönheit des Ort und guten Lebensbedingungen haben die Thao sich dort niedergelssen.
1624 begonnen die Holländer Taiwan zu besetzen. Zu ihrer Erschließungspolitik zählte auch Bekehrung der Ostinder zum Christentum. Der holländische Missionar George Candidius war von 1627 bis 1637 so erfolgreich, das nach ihm der idyllischen See benannt wurde. Verfestigen konnte sich der Name aber nicht, wurde aber noch in der frühen westlichen Kartografie Formosas aufgenommen.
Heftige Veränderungen am Sonnen-Mond-See kamen mit der japanischen Kolonisierung Taiwans. 1919 begann der Ausbau zur Nutzung der Wasserkraft. Seit 1934 wird den industriellen Zentren Energie aus dem Wasserkraftwerk geliefet. Bis 1960 konnte das Kraftwerk den gesamten Strombedarf Taiwans abdecken.
Weitere große Veränderungen ergaben sich mit der Herrschaft von Chiang-Kai Shek. Wer die schönsten Orte auf Taiwan kennenlernen möchte, kann getrost der Liste der Gästehäuser von Chiang Kai-Shek (蔣介石 oder Jiǎng Jiè-Shí) folgen. Stilsicher wurden Paläste und Villen des Diktators in die herausragenden Landschaften der Insel platziert. Neben seinem Gästehaus Hanbi Lou (涵碧樓), dem heute ausgebauten und transkribierten , Lalu-Hotel sind Tempel, Pagoden, Kirchen und neben dem Gästehaus auch weitere Unterkünfte zur Ausschmückung der Landschaft im chinesischen Stil entstanden.Nach Lebensraum und Chance zur Energiegewinnung wurde die Landschaft über ihren Erholungspotenzial in Wert gesetzt.
Dabei könnte - mal abgesehen vom angenehmeneren Winterklima, von der Fremdartigkeit der Gebäude und Menschen - auch mancher Stausee im Sauerland es gut mit dem landschaftlichen Reiz des Sonne-Mond-Sees aufnehmen.
Inwertsetzung und Kommerzialisierung des Landschaftsraums im 21. Jahrhundert – Mittels einer High-Tech-Seilbahn geht es über die Berghänge am Sonne-Mond-See zum Freizeit- und Kulturpark.
Heute besteht Sorge am Sonnen-Mond-See, dass die Flut chinesischer Touristen und der damit entstehende Rummel auf längere Sicht schadet. Der Druck der Massen, möglichst viel für wenig Geld zu bekommen und dabei das Risiko kaufkraftstärkere Reiseklassen zu verlieren, lässt die Menschen, die dort wohnen und arbeiten, nachdenken.
Auch Luo You hat viel darüber nachgedacht, ob die Ziele kulturloser Máo Fěi (毛匪) überhaupt noch in Betracht kommen. Es gibt immer noch weiße Flecken auf der Landkarte Taiwans. Noch sind nicht alle Standorte von Gästehäusern Chiang Kai-sheks erkundet. Allein aus dem Glauben der taiwanischen Ehefrau, der Sonne-Mond-See sei etwas ganz besonders, weil so viele dort hin reisen, und der Bequemlichkeit des ausgebrannten deutschen Ehemanns, was anderes außerhalb der Spurrillen schwerer Reisebusse vorzuschlagen, fahren wir möglicherweise deshalb wieder und wieder dorthin.
Luo Yous weiße Flecken auf Formosas Landkarte – Eine Reise wert ist beispielsweise die Gegend nördlich von Ruì-Fāng (瑞芳) entlang der Shen-Ao-Bahnlinie. Nach kürzlicher Äußerung von Europäischem Gerichtshof und Bundesgerichtshof ist jetzt etwas mehr Rechtssicherheit zum Einbetten fremder Inhalte entstanden. Ich gehe mal davon aus, dass Shuifan Liu den Videoclip als Urheber eingestellt hat und ich hier kein erweitertes Publikum von Internetnutzern gegenüber Youtube anspreche. Sollte Shuifan Liu doch etwas Schlimmes mit dem Einstellen dieses Videoclips gemacht haben, distanziere ich mich davon. Wozu ich sonst gerne auf Taiwan eigene Bildmaterial herstellen möchte, sind die Nordküste Taiwans mit „Queen´s Head‟, die Matzu-Inseln, Wulai südlich von Taipei, nochmal bei besserem Wetter das Gebiet um die Schneeberge mit Wuling und Taipingshan. Auch ein längerer Aufenthalt an der südöstlichen Pazifikküste, also südlich von Taimali steht noch auf der persönlichen Wunschliste.
Die nächste Reise ist jedenfalls entschieden, gebucht und angezahlt. In gewisser Hinsicht hat das Erleben von Chinesen in großer Zahl auch seinen Reiz und ist auch eine Art von Urlaub, die ermöglicht den deutschen Alltag hinter sich zu lassen. Zum „People Watching‟ ins entwickelte demokratische Taiwan erscheint durchaus die angenehmere Alternative zur Volksrepublik China. Richtig kulturlos sind nach meiner Erfahrung ohnehin nur wenige Einzelpersonen, wobei es schon stört beispielsweise ein vom Vormieter verrauchtes Nichtraucherzimmer zu erhalten. Immerhin werden Reisende mit westlichen Gesichtern in taiwanischer Begleitung schon mal an Gruppen von Chinesen vorbei gelotst nach dem Motto „Ihr ward früher da.‟ Das kann innerlich durchaus aufbauen.
Samstag, 14. Dezember 2013
Taiwan vor 10 Jahren
Dritte Reise auf die „Ilha Formosa“
Die ersten Digitalbilder von Taiwan entstanden für mich mit der Kamera, einer Fuji, die meine damalige Freundin und heutige Frau auf einer Tombola gewonnen hatte. Auch durch andere gesellschaftliche Ereignisse entstand bei mir der Eindruck, dass bei Verlosungen mit Taiwanern immer äußerst üppige Gewinne winken.
Bei meiner dritten Reise nach Taiwan erreichte ich im Dezember 2003 Taipei. Damals stand noch ein gigantischer Bauaufzug neben dem „Taipei 101“, aber das Einkaufszentrum in dem Hochhaus war bereits eröffnet.
Noch keine Chance zum Wolkenstürmen und auch kein Neujahrsfeuerwerk zum Jahrswechsel 2003 / 2004 – das damals höchste Gebäuder der Welt, das „Taipei 101“, in der Bauphase.
Winterwetter in Taiwans Nordosten – Ein Ausflug führte mich in die Gegend von Ruifang (瑞芳) und der Goldgräberstadt Juifen (九份) .
Eigentliches Ziel war das aufgelassene Kohlenbergbaugebiet um Pingshi (平溪). Beim Anblick all dieser Relikte geht dem Kind des Ruhrgebietes gleich das Herz auf.
Klar, für den Eisenbahn-Aficionado stand natürlich die Bahnlinie von Rueifang nach Chingtung oder Jingtong (菁桐) im Mittelpunkt der Betrachtung.
Das historische Bahngebäude von Jingtong (菁桐) ist sehr schön hergerichtet und beinhaltete damals eine Ausstellung. Mit den zugänglichen Relikten des Bergbaus, seinen landschaftlichen Reizen und der Nähe zum Verdichtungsraum von Taipei wird die Gegend zu einem wichtigen und viel besuchten Ausflugsort.
Eine Besonderheit ist in der Mitte der Strecke die Ortsdurchfahrt des Zuges von Shífēn (十分), wo trotz moderner Triebwagen die Eisenromantik früher Jahre aufkommt. . Vergleichbar interessante Situationen finden sich in Taiwan meiner Kenntnis nach sonst nur an der Waldeisenbahn von Alishan, etwa in Shuisheliao (水社寮).
Nach den Aufenthalten in Taipei und Pingshi ging es mit der Hauptbahn durch den Westen Taiwans. Kaohsiung war das nächste Ziel. Als herausragender Besichtigungspunkt ist hier die Zuckerfabrik von Ciatou (橋頭) zu nennen. Weiter ging es danach für mich zum Sonnen-Mond-See. Die Rückweg nach Kaohsiung führte über Jiji (集集), Taichung (台中), Sanyi (三義) und Lukang (鹿港). Von Kaohsiung ging es dann wieder nach Deutschland.
Sehr authentisch wirkte die stillgelegte und gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Zuckerfabrik in Ciatou (橋頭), was damals noch zum Landkreis Kaohsiung zählte. Der Landkreis ging 2010 in der Großstadt Kaohsiung auf. Hallen, Gebäude, Maschinen und die Eisenbahnfahrzeug der Zuckerfabrik waren im Dornröschenschlaf und Originalzustand. Leider ist mittlerweile die Umgebung nach dem Bau der Metro ziemlich verhunzt. Teile des Geländes wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zudem wird versucht mit billigen Freizeitangeboten etwas Profit aus dem Gelände zu ziehen. Auch die Gestaltung zum Zuckermuseum ist dem Gesamteindruck eher abträglich. Bunte Blümchen und Kunstobjekte auf der Gleisharfe kommen einfach nicht gut. Der ins Fabrikgebäude gerammte Besuchersteg macht mehr kaputt und verfälscht den Charakter des Industriedenkmals zu erhalten. Die Loks sind draußen abgestellt, verrosten und taugen bald nur noch für „China Steel“ im Hochofen von Kaohsiung. Sehr traurig! Damals machte es jedenfalls noch Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen und Lokführer zu spielen.
Unvermeidlicher Klassiker in vielen Touristenprogrammen ist Taiwans Sonnen-Mond-See. Glücklich sind diejenigen, die ihn mit dem richtigen Licht, Wetter und bei hohem Wasserstand erleben. Dann wirkt der See am Besten.
Zum Sonnen-Mond-See zählt natürlich auch das schönste Klohäuschen Taiwans. 2003 war es gerade frisch renoviert. Ein paar Jahre später hatte das harte subtropische Klima leider schon den weißen Anstrich gelöst.
Jiji (集集) war auch 2003 schon mehr Kirmes und Nachtmarkt als Bahnstation. Heute gibt es noch einen Ticken weniger Eisenbahnbetrieb und andererseits vielmehr Halli-Galli durch den anhaltenden Zustrom von Ausflugsbussen.
Es gibt auch schöne und interessante Orte in Taiwan ohne Touristen, so die Tunghai Universität in Taichung (台中). Neben der Kapelle, die der Architekt Ieoh Ming Pei entworfen hat, ist das städtebauliche Gesamtkonzept der Universität mit der schönen Allee äußerst sehenswert.
Mehr Eisenbahnarchälogie, mehr auf eine durch die Medien hochgepuschte Attraktion fokussierten taiwanischen Touristenmassen mit ungefähr viermal so viel oder mehr drumherum an Imbiß- und Verkaufsständen fand sich in Sanyi (三義). Neben einem stillgelegten Streckenabschnitt mit begehbaren Tunnel der Hauptbahn bestehen hier einige pittoreske Reste der Longteng-Eisenbahnbrücke, die 1935 bei einem Erdbeben zusammenkrachte.
Lukang (鹿港) lohnt den Besuch wegen seiner alten Tempel und der historischen Bausubstanz. Verkehrlich ins Abseits geraten, konnte in dieser einstmals wichtigen Hafenstadt vieles aus der - wenn auch kurzen - Historie Taiwans bewahrt werden.
Die ersten Digitalbilder von Taiwan entstanden für mich mit der Kamera, einer Fuji, die meine damalige Freundin und heutige Frau auf einer Tombola gewonnen hatte. Auch durch andere gesellschaftliche Ereignisse entstand bei mir der Eindruck, dass bei Verlosungen mit Taiwanern immer äußerst üppige Gewinne winken.
Bei meiner dritten Reise nach Taiwan erreichte ich im Dezember 2003 Taipei. Damals stand noch ein gigantischer Bauaufzug neben dem „Taipei 101“, aber das Einkaufszentrum in dem Hochhaus war bereits eröffnet.
Noch keine Chance zum Wolkenstürmen und auch kein Neujahrsfeuerwerk zum Jahrswechsel 2003 / 2004 – das damals höchste Gebäuder der Welt, das „Taipei 101“, in der Bauphase.
Winterwetter in Taiwans Nordosten – Ein Ausflug führte mich in die Gegend von Ruifang (瑞芳) und der Goldgräberstadt Juifen (九份) .
Eigentliches Ziel war das aufgelassene Kohlenbergbaugebiet um Pingshi (平溪). Beim Anblick all dieser Relikte geht dem Kind des Ruhrgebietes gleich das Herz auf.
Klar, für den Eisenbahn-Aficionado stand natürlich die Bahnlinie von Rueifang nach Chingtung oder Jingtong (菁桐) im Mittelpunkt der Betrachtung.
Das historische Bahngebäude von Jingtong (菁桐) ist sehr schön hergerichtet und beinhaltete damals eine Ausstellung. Mit den zugänglichen Relikten des Bergbaus, seinen landschaftlichen Reizen und der Nähe zum Verdichtungsraum von Taipei wird die Gegend zu einem wichtigen und viel besuchten Ausflugsort.
Eine Besonderheit ist in der Mitte der Strecke die Ortsdurchfahrt des Zuges von Shífēn (十分), wo trotz moderner Triebwagen die Eisenromantik früher Jahre aufkommt. . Vergleichbar interessante Situationen finden sich in Taiwan meiner Kenntnis nach sonst nur an der Waldeisenbahn von Alishan, etwa in Shuisheliao (水社寮).
Nach den Aufenthalten in Taipei und Pingshi ging es mit der Hauptbahn durch den Westen Taiwans. Kaohsiung war das nächste Ziel. Als herausragender Besichtigungspunkt ist hier die Zuckerfabrik von Ciatou (橋頭) zu nennen. Weiter ging es danach für mich zum Sonnen-Mond-See. Die Rückweg nach Kaohsiung führte über Jiji (集集), Taichung (台中), Sanyi (三義) und Lukang (鹿港). Von Kaohsiung ging es dann wieder nach Deutschland.
Sehr authentisch wirkte die stillgelegte und gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Zuckerfabrik in Ciatou (橋頭), was damals noch zum Landkreis Kaohsiung zählte. Der Landkreis ging 2010 in der Großstadt Kaohsiung auf. Hallen, Gebäude, Maschinen und die Eisenbahnfahrzeug der Zuckerfabrik waren im Dornröschenschlaf und Originalzustand. Leider ist mittlerweile die Umgebung nach dem Bau der Metro ziemlich verhunzt. Teile des Geländes wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zudem wird versucht mit billigen Freizeitangeboten etwas Profit aus dem Gelände zu ziehen. Auch die Gestaltung zum Zuckermuseum ist dem Gesamteindruck eher abträglich. Bunte Blümchen und Kunstobjekte auf der Gleisharfe kommen einfach nicht gut. Der ins Fabrikgebäude gerammte Besuchersteg macht mehr kaputt und verfälscht den Charakter des Industriedenkmals zu erhalten. Die Loks sind draußen abgestellt, verrosten und taugen bald nur noch für „China Steel“ im Hochofen von Kaohsiung. Sehr traurig! Damals machte es jedenfalls noch Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen und Lokführer zu spielen.
Unvermeidlicher Klassiker in vielen Touristenprogrammen ist Taiwans Sonnen-Mond-See. Glücklich sind diejenigen, die ihn mit dem richtigen Licht, Wetter und bei hohem Wasserstand erleben. Dann wirkt der See am Besten.
Zum Sonnen-Mond-See zählt natürlich auch das schönste Klohäuschen Taiwans. 2003 war es gerade frisch renoviert. Ein paar Jahre später hatte das harte subtropische Klima leider schon den weißen Anstrich gelöst.
Jiji (集集) war auch 2003 schon mehr Kirmes und Nachtmarkt als Bahnstation. Heute gibt es noch einen Ticken weniger Eisenbahnbetrieb und andererseits vielmehr Halli-Galli durch den anhaltenden Zustrom von Ausflugsbussen.
Es gibt auch schöne und interessante Orte in Taiwan ohne Touristen, so die Tunghai Universität in Taichung (台中). Neben der Kapelle, die der Architekt Ieoh Ming Pei entworfen hat, ist das städtebauliche Gesamtkonzept der Universität mit der schönen Allee äußerst sehenswert.
Mehr Eisenbahnarchälogie, mehr auf eine durch die Medien hochgepuschte Attraktion fokussierten taiwanischen Touristenmassen mit ungefähr viermal so viel oder mehr drumherum an Imbiß- und Verkaufsständen fand sich in Sanyi (三義). Neben einem stillgelegten Streckenabschnitt mit begehbaren Tunnel der Hauptbahn bestehen hier einige pittoreske Reste der Longteng-Eisenbahnbrücke, die 1935 bei einem Erdbeben zusammenkrachte.
Lukang (鹿港) lohnt den Besuch wegen seiner alten Tempel und der historischen Bausubstanz. Verkehrlich ins Abseits geraten, konnte in dieser einstmals wichtigen Hafenstadt vieles aus der - wenn auch kurzen - Historie Taiwans bewahrt werden.
Mittwoch, 31. Oktober 2012
Chiang Kai-Sheks Paddel
Kürzlich kam mir wieder Chiang Kai-Sheks Paddel in den Sinn, als ich von aktuellen Proteste vor Rheinmetall in Düsseldorf gegen deutsche Waffenexporte hörte. Hartwig Hummel, Politikprofessor, vertrat dabei die Auffassung, dass Deutschland und Europa davon abgehen, Zivilmächte zu sein und zu Militärmächten werden, die militärische Außenpolitik betreiben.
Dabei gibt es schon seit sehr langer Zeit eine militärische Außenpolitik Deutschlands mit Waffenexporten und Vermittlung von Wissen zur Kriegsführung. Hiervon erhielt auch Chiang Kai Sheks Regime auf Taiwan etwas.
Wie es sich für einen ordentlichen Diktator gehört, hatte Chiang Kai-Shek, Paläste und Villen an den schönsten Orten in seinem Herrschaftsgebiet, um sich von den anstrengenden Strapazen des Regierens, dem Verfolgen der politischen Gegner und der Planung zur Rückeroberung des Festlandes zu erholen oder wichtige Gäste, mögliche Allierte für seine Pläne, zu beeindrucken.
Die Landschaft des Sonne-Mond-Sees, 日月潭, so wird geschrieben, erinnerte Chiang Kai-Shek sehr an seinen Geburtsort Xi1 Kou3, 溪口鎮, etwa 39 km westlich von Ningbo auf dem chinesischen Festland.
Der Sonne-Mond-See als taiwanische Fälschung des chinesischen Ting Xia Stausees in der Nähe des Geburtsortes von Chiang Kai-Shek?
Jedenfalls gefielen dem Herrscher über die Republik China offenbar die taiwanische Landschaft und auch Ruderausflüge auf dem See, wie sein am Ufer ausgestelltes Boot zeigen soll.
Bei Luo Yous ersten Besuch im Jahr 2003 gab es auch noch das dazugehörige Paddel mit der Geschichte in einem der großen Touristenrestaurants im Nachbarort Yuchi. Nach der Erzählung sollte ein Angehöriger aus der Familie der Restaurantbesitzer den Diktator regelmäßig über das Wasser gerudert haben.
Bei meinem letzten Besuch konnte ich das Paddel nicht mehr entdecken, vielleicht waren wir auch im falschen Restaurant. Jedenfalls war das Holz schon früher arg wurmstichig, so dass es mich nicht wundert, wenn Klima und Mikrofauna Taiwans das Relikt so weit aufgelöst haben, dass es nicht mehr zum Ausstellungsstück taugt.
Immer noch beindruckt das Lalu Hotel, früher Residenz Chiang Kai-Sheks, in bester Lage am See die Gäste.
Das daneben befindliche alte Hanbi Gebäude wurde unter Chiang Kai-Shek quasi inoffizielles Gästehaus der Regierung.
Unter den im Hanbi Gebäude ausgestellten Fotos findet sich auch ein Bild von Oskar Munzel, der respektvoll den großen Diktator begrüßt.
Wikipedia kennt Oskar Munzel, der auf dem Foto als deutscher Militärberater vorgestellt wird, nur in englischer und bulgarischer Sprache.
Dabei ist der 1899 in Grimmen geborene und 1992 in Bonn Bad Godesberg verstorbene Generalmajor der Wehrmacht und in der Bundeswehr durchaus eine Persönlichkeit, die einen deutschen Eintrag in Wikipedia verdient. 1945 geriet er nach dem letzten Einsatz für „Volk und Heimat“ mit Kriegsende in Gefangenschaft. 1947 wurde er freigelassen. Danach war er ab 1951 vier Jahre Militärberater in Ägypten. Von 1956 bis 1962 diente er der Bundeswehr während der raschen Aufbauphase. Bis 1983 war Oskar Munzel Sprecher der Traditionsgemeinschaft des Reiterregiments 4 bzw. Panzerregiments 6, dessen Kommandeur er zeitweise war. Sogar ein umfangreiches Buch hat er zur Geschichte des Panzerregiments 6 veröffentlicht.
Nach Chern Chen arbeitete schon Ende der 1950er Jahre der BND eng mit den Geheimdiensten in Taiwan zusammen. Weiter beteiligte sich Bonn durch den Verkauf von Rüstungsmaterial und Maschinen zur Munitionserzeugung an der Aufrüstung der Republik China. Das Auswärtige Amt hingegen lehnte eine Tätigkeit deutscher Berater vor Ort ab, um nicht zu sehr in den chinesischen Konflikt hineingezogen zu werden und um keine Option zu verlieren. 1961 plante Chiang Kai Sheks Sohn Wego, der vor dem zweiten Weltkrieg in der deutschen Wehrmacht gedient hatte, eine Beratergruppe zusammen mit dem BND aus pensionierten deutschen Offizieren zu bilden. Als Chefberater wurde Munzel ausgewählt, der 1963 zum ersten Mal nach Taiwan kam. Bis 1972 war er insgesamt achtmal in Taiwan, schien allerdings sehr unter dem subtropischen Klima zu leiden. 1972 folgte die Bundesregierung dem Kurs der amerikanischen neuen Chinapolitik. Nach dem Tod von Chiang Kai-shek 1975 endete vollends die Tätigkeit deutscher Militärberater in Taiwan.
2012 sollte die Kunst des Kämpfens den Deutschen vermittelt werden. Während Luo You - hier beim Panzerklettern auf Kinmen - den Kriegsdienst verweigerte, erteilte die Republik China seiner Frau in der Schulzeit einen fundierten Wehrkundeunterricht. Da muss sich der Ehemann in Konfliktsituationen auf gezielte Tritte und Nackenschläge à la Shaolin einstellen. Also besser immer „Ja“ sagen.
Auch ohne Militärberater, denen es scheinbar egal zu sein scheint, wem sie das Handwerk des effizienten Tötens und Zerstörens beibringen, und die am Ende dafür mit Hitlers Ritterkreuz, dem westdeutschen Bundesverdienstkreuz und einem Handschlag des Gimo belohnt werden, und auch ohne diplomatische Beziehungen zu Deutschland, daraus resultierend einem fehlenden Auslieferungsabkommen, blieb und bleibt Taiwan eine spannende Bühne deutscher militärischer Außenpolitik, wie das Beispiel vom zeitweiligen Taiwanflüchtling Ludwig Holger Pfahls zeigt. Der promovierte Rechtsgelehrte, frühere Richter und ehemals staatstragende politische Beamte nahm Schmiergeld über Schweizer Konten an, damit Panzergeschäfte mit Saudi-Arabien geschmeidig liefen. Womit sich der Kreis zu aktuellen Ereignissen und Erlebnissen schließt.
Dabei gibt es schon seit sehr langer Zeit eine militärische Außenpolitik Deutschlands mit Waffenexporten und Vermittlung von Wissen zur Kriegsführung. Hiervon erhielt auch Chiang Kai Sheks Regime auf Taiwan etwas.
Wie es sich für einen ordentlichen Diktator gehört, hatte Chiang Kai-Shek, Paläste und Villen an den schönsten Orten in seinem Herrschaftsgebiet, um sich von den anstrengenden Strapazen des Regierens, dem Verfolgen der politischen Gegner und der Planung zur Rückeroberung des Festlandes zu erholen oder wichtige Gäste, mögliche Allierte für seine Pläne, zu beeindrucken.
Die Landschaft des Sonne-Mond-Sees, 日月潭, so wird geschrieben, erinnerte Chiang Kai-Shek sehr an seinen Geburtsort Xi1 Kou3, 溪口鎮, etwa 39 km westlich von Ningbo auf dem chinesischen Festland.
Der Sonne-Mond-See als taiwanische Fälschung des chinesischen Ting Xia Stausees in der Nähe des Geburtsortes von Chiang Kai-Shek?
Jedenfalls gefielen dem Herrscher über die Republik China offenbar die taiwanische Landschaft und auch Ruderausflüge auf dem See, wie sein am Ufer ausgestelltes Boot zeigen soll.
Bei Luo Yous ersten Besuch im Jahr 2003 gab es auch noch das dazugehörige Paddel mit der Geschichte in einem der großen Touristenrestaurants im Nachbarort Yuchi. Nach der Erzählung sollte ein Angehöriger aus der Familie der Restaurantbesitzer den Diktator regelmäßig über das Wasser gerudert haben.
Bei meinem letzten Besuch konnte ich das Paddel nicht mehr entdecken, vielleicht waren wir auch im falschen Restaurant. Jedenfalls war das Holz schon früher arg wurmstichig, so dass es mich nicht wundert, wenn Klima und Mikrofauna Taiwans das Relikt so weit aufgelöst haben, dass es nicht mehr zum Ausstellungsstück taugt.
Immer noch beindruckt das Lalu Hotel, früher Residenz Chiang Kai-Sheks, in bester Lage am See die Gäste.
Das daneben befindliche alte Hanbi Gebäude wurde unter Chiang Kai-Shek quasi inoffizielles Gästehaus der Regierung.
Unter den im Hanbi Gebäude ausgestellten Fotos findet sich auch ein Bild von Oskar Munzel, der respektvoll den großen Diktator begrüßt.
Wikipedia kennt Oskar Munzel, der auf dem Foto als deutscher Militärberater vorgestellt wird, nur in englischer und bulgarischer Sprache.
Dabei ist der 1899 in Grimmen geborene und 1992 in Bonn Bad Godesberg verstorbene Generalmajor der Wehrmacht und in der Bundeswehr durchaus eine Persönlichkeit, die einen deutschen Eintrag in Wikipedia verdient. 1945 geriet er nach dem letzten Einsatz für „Volk und Heimat“ mit Kriegsende in Gefangenschaft. 1947 wurde er freigelassen. Danach war er ab 1951 vier Jahre Militärberater in Ägypten. Von 1956 bis 1962 diente er der Bundeswehr während der raschen Aufbauphase. Bis 1983 war Oskar Munzel Sprecher der Traditionsgemeinschaft des Reiterregiments 4 bzw. Panzerregiments 6, dessen Kommandeur er zeitweise war. Sogar ein umfangreiches Buch hat er zur Geschichte des Panzerregiments 6 veröffentlicht.
Nach Chern Chen arbeitete schon Ende der 1950er Jahre der BND eng mit den Geheimdiensten in Taiwan zusammen. Weiter beteiligte sich Bonn durch den Verkauf von Rüstungsmaterial und Maschinen zur Munitionserzeugung an der Aufrüstung der Republik China. Das Auswärtige Amt hingegen lehnte eine Tätigkeit deutscher Berater vor Ort ab, um nicht zu sehr in den chinesischen Konflikt hineingezogen zu werden und um keine Option zu verlieren. 1961 plante Chiang Kai Sheks Sohn Wego, der vor dem zweiten Weltkrieg in der deutschen Wehrmacht gedient hatte, eine Beratergruppe zusammen mit dem BND aus pensionierten deutschen Offizieren zu bilden. Als Chefberater wurde Munzel ausgewählt, der 1963 zum ersten Mal nach Taiwan kam. Bis 1972 war er insgesamt achtmal in Taiwan, schien allerdings sehr unter dem subtropischen Klima zu leiden. 1972 folgte die Bundesregierung dem Kurs der amerikanischen neuen Chinapolitik. Nach dem Tod von Chiang Kai-shek 1975 endete vollends die Tätigkeit deutscher Militärberater in Taiwan.
2012 sollte die Kunst des Kämpfens den Deutschen vermittelt werden. Während Luo You - hier beim Panzerklettern auf Kinmen - den Kriegsdienst verweigerte, erteilte die Republik China seiner Frau in der Schulzeit einen fundierten Wehrkundeunterricht. Da muss sich der Ehemann in Konfliktsituationen auf gezielte Tritte und Nackenschläge à la Shaolin einstellen. Also besser immer „Ja“ sagen.
Auch ohne Militärberater, denen es scheinbar egal zu sein scheint, wem sie das Handwerk des effizienten Tötens und Zerstörens beibringen, und die am Ende dafür mit Hitlers Ritterkreuz, dem westdeutschen Bundesverdienstkreuz und einem Handschlag des Gimo belohnt werden, und auch ohne diplomatische Beziehungen zu Deutschland, daraus resultierend einem fehlenden Auslieferungsabkommen, blieb und bleibt Taiwan eine spannende Bühne deutscher militärischer Außenpolitik, wie das Beispiel vom zeitweiligen Taiwanflüchtling Ludwig Holger Pfahls zeigt. Der promovierte Rechtsgelehrte, frühere Richter und ehemals staatstragende politische Beamte nahm Schmiergeld über Schweizer Konten an, damit Panzergeschäfte mit Saudi-Arabien geschmeidig liefen. Womit sich der Kreis zu aktuellen Ereignissen und Erlebnissen schließt.
Mittwoch, 5. September 2012
Come Back To God
Die Jesuskirche am Sonnen-Mond-See, die für den Gottesdienst von Chiang Kai-Shek und seiner christlich erzogenen Ehefrau Song4 Mei3 Ling2 宋美齡 erbaut wurde, ist nicht nur ein hübsches Fotomotiv für den Urlauber. Von den hinaufführenden Treppen und dem Platz vor dem Kirchengebäude gab es auch eine gute Aussicht auf den See und den angrenzenden Ort.
Beim einem Besuch von Luo You fragte die Küsterin der Kirche seine Ehefrau nach dem „Laowei“ (Ausländer). Nachdem die Angetraute in der Landessprache mitgeteilt hatte, dass er seinen christlichen Glauben verloren und sich vom Papst der heiligen römisch-katholischen Kirche abgekehrt hat, wandte sich die kleine Frau an den hoch aufgeschossenen Mitteleuropäer mit den eindringlichen, in englischer Sprache gesagten Worten „Come back to God!“
Ort für Bekehrungsversuche: die Jesuskirche in Yuchi Yuchi am Sonnen-Mond-See im April 2007
So schön kann der See sein. Der Blick ändert sich mit einer leichten Linksdrehung. Dann kommt nämlich eine der Bausünden von der Art ins Sichtfeld, die schon im Westdeutschland der 1970er Jahre für Feriengebiete, vor allem an der Ostsee, etwa Damp 2000, zu Diskussionen führte. Zum Ausgleich für die visuelle Einschränkung bieten heute sicherlich Touristen vom Festland der Kirche ein größeres Potenzial für Missonierungsversuche.
Ein Zeichen Gottes, dass Taiwan die gelobte Insel ist, gab der Priester, der als Pfarrer der örtlichen Gemeinde in Deutschland die Familie beim Trauerfall in diesem Sommer begleitete. Früher hatte er einige Jahre die deutsche, katholische Auslandsgemeinde in Ostasien, vornehmlich in Südkorea betreut. Während dieser Zeit besuchte er auch Taiwan.
Wie überrascht waren die Anwesenden, als er im Gespräch seine goldfarbene Taschenuhr hervorholte, deren Rückseite ein Relief des Ortes, der dem heiligen Dominikus in Taiwan gewidmet ist, zeigt.
Restaurant am Tamshui-Fluss unterhalb des Fort San Domingo gelegen. Die Festung des Dominikus wies Luo You mit verschlossenen Toren ab. Im Januar 2010 war an dem Montag Ruhetag und damit gab es Zeit für das zweite Frühstück.
Jetzt traten die Gedanken an den Heiligen, der das Ziel hatte, die katholische Lehre zu verbreiten und Ketzerei zu bekämpfen, und der dafür den Orden der Prediger, die Dominikaner, begründete, wieder in das Leben des Luo You ein.
Fordert Gott mit diesen Zeichen nicht dazu auf, zu den Lehren der römisch-katholischen Kirche zurückzukehren und ein ihm gefälliges, bescheidenes Leben mit Studium und Predigt, respektive Bloggen, in der taiwanischen Diaspora zu führen? Immerhin hat die Republik China, die auf Taiwan regiert, offizielle Beziehungen zur Vatikanstadt und zum Heiligen Stuhl. Dieser dürfte damit der bedeutendste diplomatische Partner des Staates unter den 24 Ländern, die die Republik China anerkennen, sein.
Sommer 2012, Marienkirche im Landkreis Pingtung. Toleranz im Glauben und Offenheit gegenüber Neuem und Fremden geben in Taiwan missionierenden Religionsgemeinschaften viel Raum.
Beim einem Besuch von Luo You fragte die Küsterin der Kirche seine Ehefrau nach dem „Laowei“ (Ausländer). Nachdem die Angetraute in der Landessprache mitgeteilt hatte, dass er seinen christlichen Glauben verloren und sich vom Papst der heiligen römisch-katholischen Kirche abgekehrt hat, wandte sich die kleine Frau an den hoch aufgeschossenen Mitteleuropäer mit den eindringlichen, in englischer Sprache gesagten Worten „Come back to God!“
Ort für Bekehrungsversuche: die Jesuskirche in Yuchi Yuchi am Sonnen-Mond-See im April 2007
So schön kann der See sein. Der Blick ändert sich mit einer leichten Linksdrehung. Dann kommt nämlich eine der Bausünden von der Art ins Sichtfeld, die schon im Westdeutschland der 1970er Jahre für Feriengebiete, vor allem an der Ostsee, etwa Damp 2000, zu Diskussionen führte. Zum Ausgleich für die visuelle Einschränkung bieten heute sicherlich Touristen vom Festland der Kirche ein größeres Potenzial für Missonierungsversuche.
Ein Zeichen Gottes, dass Taiwan die gelobte Insel ist, gab der Priester, der als Pfarrer der örtlichen Gemeinde in Deutschland die Familie beim Trauerfall in diesem Sommer begleitete. Früher hatte er einige Jahre die deutsche, katholische Auslandsgemeinde in Ostasien, vornehmlich in Südkorea betreut. Während dieser Zeit besuchte er auch Taiwan.
Wie überrascht waren die Anwesenden, als er im Gespräch seine goldfarbene Taschenuhr hervorholte, deren Rückseite ein Relief des Ortes, der dem heiligen Dominikus in Taiwan gewidmet ist, zeigt.
Restaurant am Tamshui-Fluss unterhalb des Fort San Domingo gelegen. Die Festung des Dominikus wies Luo You mit verschlossenen Toren ab. Im Januar 2010 war an dem Montag Ruhetag und damit gab es Zeit für das zweite Frühstück.
Jetzt traten die Gedanken an den Heiligen, der das Ziel hatte, die katholische Lehre zu verbreiten und Ketzerei zu bekämpfen, und der dafür den Orden der Prediger, die Dominikaner, begründete, wieder in das Leben des Luo You ein.
Fordert Gott mit diesen Zeichen nicht dazu auf, zu den Lehren der römisch-katholischen Kirche zurückzukehren und ein ihm gefälliges, bescheidenes Leben mit Studium und Predigt, respektive Bloggen, in der taiwanischen Diaspora zu führen? Immerhin hat die Republik China, die auf Taiwan regiert, offizielle Beziehungen zur Vatikanstadt und zum Heiligen Stuhl. Dieser dürfte damit der bedeutendste diplomatische Partner des Staates unter den 24 Ländern, die die Republik China anerkennen, sein.
Sommer 2012, Marienkirche im Landkreis Pingtung. Toleranz im Glauben und Offenheit gegenüber Neuem und Fremden geben in Taiwan missionierenden Religionsgemeinschaften viel Raum.
Montag, 18. Juni 2012
"Babbelzai" oder Banzai in Taiwan
Mehr als eine halbe Millionen Klicks bei Youtube hat bis heute eine Fastfood-Kette in Deutschland mit drei Werbespots für die von ihr angebotenen Variationen des Perlenmilchtee oder „Bubble Teas“ erreicht. Dazu kommt ein Echo von etwa 800 Kommentaren und Artikeln in verschiedenen Sprachen, die die Reklame oder das Getränk zu bewerten. Hat es einen Bezug zu Taiwan, dem Ursprungsland des Perlenmilchtees? Ist die Werbung vielleicht sogar rassistisch oder einfach nur blöd? Auf jeden Fall hat sie ihr Ziel erreicht, das neue Produkt eines internationalen Konzerns bekannter zu machen.
Seismische Ausschläge an der Toilette des taiwanischen Erdbebenmuseums. Frauen folgen dem roten Dreick mit Punkt, Männer dem blauen Rechteck. Fragen erübrigen sich. Aber was verbindet den Bubble Tea in Deutschland, die japanische Kolonialzeit der Pazifikinsel und das WC am Busparkplatz?
Luo You fällt zur reißerischen Anpreisung des "Bubble Teas" nur der japanischen Hoch- und Freudenruf „Banzai“ ein, auf den die Werbung mit dem Ausruf „Babbelzai“ Bezug nimmt.
1895 gab das Kaiserreich China Taiwan auf und überließ die Insel Japan als Kolonie. Die Herrschaft über Taiwan endete mit der Niederlage Japans im 2. Weltkrieg 1945. Das dreifache „Banzai, Banzai, Banzai“ war in dem Zeitraum bei offiziellen Anlässen sicher häufig zu hören.
Dabei haben im meistgesprochenen Dialekt der Insel, dem Taiwanischen, die zwei Silben „Ban Zai“ eine eigene Bedeutung.
Im einem Hardware-Forum aus Singapur, wo fast der gleiche Dialekt wie in Taiwan gesprochen wird, war folgendes aufzuschnappen. Zur Frage: „How many has neighbours who are smokers?“ als Antwort: „Yeah, sometime I can smell the smoke in my master room window, came from toilet below my floor idiot smoke in the toilet while ban-zai.“
Auch ohne korrekte Regeln zur Tanskription des Gesprochenen in lateinische Buchstaben, ohne chinesische Schriftzeichen, die kein taiwanisches Ban-Zai kennen, und ohne Taiwanisch in der Google-Übersetzungssoftware oder bei LEO wird die Bedeutung gewiss aus dem Zusammenhang erkennbar.
Das vermutlich schönste Klohäuschen auf Taiwan ist am Sonne-Mond-See zu bewundern. Anmutig mediterran wird das Abort im toskanischen Landhausstil von einem profanen Ort der Befriedung elementarer Bedürfnisse zum begehrten Fotoobjekt.
Was für Gedanken Untertanen beim Anblick der "Banzai" jubelnden Kolonialherren hatten oder ihnen beim verordneten Mitjubeln kamen, sollte selbstredend klar sein.
Seismische Ausschläge an der Toilette des taiwanischen Erdbebenmuseums. Frauen folgen dem roten Dreick mit Punkt, Männer dem blauen Rechteck. Fragen erübrigen sich. Aber was verbindet den Bubble Tea in Deutschland, die japanische Kolonialzeit der Pazifikinsel und das WC am Busparkplatz?
Luo You fällt zur reißerischen Anpreisung des "Bubble Teas" nur der japanischen Hoch- und Freudenruf „Banzai“ ein, auf den die Werbung mit dem Ausruf „Babbelzai“ Bezug nimmt.
1895 gab das Kaiserreich China Taiwan auf und überließ die Insel Japan als Kolonie. Die Herrschaft über Taiwan endete mit der Niederlage Japans im 2. Weltkrieg 1945. Das dreifache „Banzai, Banzai, Banzai“ war in dem Zeitraum bei offiziellen Anlässen sicher häufig zu hören.
Dabei haben im meistgesprochenen Dialekt der Insel, dem Taiwanischen, die zwei Silben „Ban Zai“ eine eigene Bedeutung.
Im einem Hardware-Forum aus Singapur, wo fast der gleiche Dialekt wie in Taiwan gesprochen wird, war folgendes aufzuschnappen. Zur Frage: „How many has neighbours who are smokers?“ als Antwort: „Yeah, sometime I can smell the smoke in my master room window, came from toilet below my floor idiot smoke in the toilet while ban-zai.“
Auch ohne korrekte Regeln zur Tanskription des Gesprochenen in lateinische Buchstaben, ohne chinesische Schriftzeichen, die kein taiwanisches Ban-Zai kennen, und ohne Taiwanisch in der Google-Übersetzungssoftware oder bei LEO wird die Bedeutung gewiss aus dem Zusammenhang erkennbar.
Das vermutlich schönste Klohäuschen auf Taiwan ist am Sonne-Mond-See zu bewundern. Anmutig mediterran wird das Abort im toskanischen Landhausstil von einem profanen Ort der Befriedung elementarer Bedürfnisse zum begehrten Fotoobjekt.
Was für Gedanken Untertanen beim Anblick der "Banzai" jubelnden Kolonialherren hatten oder ihnen beim verordneten Mitjubeln kamen, sollte selbstredend klar sein.
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