Donnerstag, 27. Dezember 2012
Tu Di Gong trifft Jesus - Tu Di Gong meets Jesus
In den Proportionen passt er recht gut zur betenden Maria und zum Josef. Aber der wachsame Hirtenhund und das rastende Schaf wirken verblüfft über die ungewöhnliche Erscheinung in der nachgestellten Krippenszene.
Tu Di Gong nutzte die Chance mit einem Kollegium von Nikolausen über religiöse Fragen zu diskutieren. Dabei wird vertieft auf den Islamismus eingegangen, der gegenwärtig in seiner dominierenden Ausprägung an Humorlosigkeit, Borniertheit und Menschenverachtung kaum zu überbieten ist. Religionen sollten tolerant sein, jeden Menschen, egal ob Mann oder Frau, schwarz oder weiß, schwul oder hetero, in seiner Individualität achten und aufnehmen. Leider ist hinsichtlich der Offenheit auch die katholische Amtskirche in Deutschland kein großes Vorbild, die an Gott gläubige Steuerflüchtlinge knallhart von allen Sakramenten ausschließt. Dass es in der Kirche andere Meinungen gibt, bewies der örtliche Senior-Pfarrer in der elterlichen Gemeinde. Er führte in seiner Predigt aus, dass es für Gott keine Zulassungsbeschränkungen geben kann.
Irgendwie macht sich der nette Kerl ganz gut unterm deutschem Tannenbaum, der im häuslichen Garten geschlagen wurde. An die asiatische Heimat erinnert Tu Di dabei der Weihnachsstern (Euphorbia pulcherrima) im Hintergrund. Denn die ursprünglich aus Südamerika stammende Pflanze lebt genauso gerne verwildert in höheren Lagen der subtropischen Insel von Taiwan und wächst dort zu großen Büschen heran.
Die Idee, den Weihnachtsbaum mit chinesischem Neujahrsschmuck zu behängen, konnte ich mich noch nicht umsetzen. Dabei habe ich eine geeignete Sammlung von kleinen Lampions, angedeuteten Feuerwerkskörpern, nachempfundenen traditionellen Geldstücken und ähnlichem, die prima von der Größe her den Christbaumkugeln entsprechen. Nur die beste Ehefrau von allen hat sich bisher vehement dagegen mit den Hinweis gewehrt, dass wir doch kein China-Restaurant eröffnen wollen. Vielleicht klappts im nächsten Jahr.
Montag, 29. Oktober 2012
Kein 17. Bundesland und neue Exportschlager
Wer in die Schweiz reist, sollte nicht zu europäisch denken. Und schon gar nicht ist die Schweiz das 17. Bundesland. Deshalb ging dem Laptop taiwanischer Herkunft mit einem Zwischenstecker für Deutschland schnell der Saft aus, da der Welt-Universal-Adapter mit Übergang von der teutonischen Klobigkeit auf die schweizer Finesse fehlte. Den hatte Luo You zuvor aus dem Reisegepäck genommen, weil er europäisch dachte.
Auch die beste Ehefrau von allen dachte sehr europäisch und packte vor der Reise ihren Reisepass aus. Alles Schengen, wir bleiben auf dem Kontinent. Der Notreiseausweis für sie konnte nach einer Odyssee bei der Bundespolizei im Lindau noch besorgt werden. Wichtig war er eigentlich nur zum Ferienende, um wieder die innere EU-Außengrenze bei Schaffhausen in Richtung Heimat passieren zu können.
Übrigens scheint „bundespolizei.de“ eine Pishing-Seite zu sein. Alle Informationen für den Notreiseausweis bis zum Termin am Grenzübergang Lindau Autobahn können eingegeben werden. Aber es gab weder elektronisch noch im wirklichen Leben eine erkennbare Reaktion. Im Grenzübergang Lindau Autobahn - bereits auf österreichischem Staatsgebiet - war nur der freundliche deutsche Zoll präsent und versuchte zu vermitteln. Der Weg führte danach zurück über die bayerische Polizei, versteckt im alten Grenzübergang in Lindau, später zur Bundespolizei in der Lindauer Altstadt. Gut, dass wir zum ersten mal mit einem Navi fuhren, welches uns perfekt den Weg durch die Gassen der eng bebauten Insel wies. 25 Euros kostete das 7 Tage gültige Dokument für die Taiwanerin, dessen Ausstellung sicher für Abwechslung im eintönigen Alltag des jungen Grenzpolizisten sorgte. Der hörte im übrigen wohl zum ersten Mal von der Bestellmöglichkeit bei seiner Behörde über Internet.
Zwar waren die Schweizer Behörden absolut desinteressiert an irgendwelchen Kontrollen. Jedoch filzte uns bei der Rückfahrt der deutsche Zoll und war sehr am Tankgeld und der Reisekasse interessiert. Ob die Steuer-CDs nur ein Bluff sind und es weiter einschüchternder Grenzkontrollen für Steuerflüchtlinge bedarf? Etwas enttäuschte uns der oberflächliche Blick und das halbherzige Prüfen des Notreiseausweises, den wir mit soviel Aufwand beschafft hatten.
Im Gegensatz zu den kommunistisch regierten Chinesen haben Taiwaner keine Probleme, einen deutschen Notreiseausweis zu erhalten, da sie in den entsprechenden Rechtsgrundlagen aufgelistet sind. Die Republik China auf Taiwan wird von Deutschland nicht anerkannt, ihre Bürger erhalten aber relativ einfach vorübergehend gültige deutsche Passdokumente. Die VR China hat diplomatische Beziehungen zu Deutschland. Deren Landsleute können aber schauen, woher sie Ersatz für einen vergessenen Reisepass bekommen. Von Deutschen jedenfalls nicht.
Die Schweiz ist ein schönes Land und möchte immer noch Steueroase sein. Jedoch werden die Nachteile, nicht dazu zu gehören, und der Druck immer größer, je stärker die Nachbarländer zusammenhalten und sich europäisieren. Diesen Prozess fördert sicherlich die gegenwärtige Eurokrise. Die Schweizer können mit ihrem überteuerten Franken gut importieren und wunderbar günstig in Deutschland reisen. Nur wer will zu überteuerten Preisen Schweizer Produkte kaufen, dort seinen Urlaub verbringen oder ins Restaurant gehen - außer asiatischen, arabischen, indischen oder anderen eurofernen Wohlhabenden?
Trotz MIGROS kein Bock auf Rivella, Ovalmaltine, Maggi und Toblerone. Immerhin wurde der besten Ehefrau in empfehlenswerten Unterkunft des Bibelheims beim Frühstück das richtige Zubereiten der Ovalmaltine beigebracht. Ovalmaltine ist auch schon lange in Taiwan beliebt. Meine Frau kennt das schweizer Getränkepulver seit ihrer Kindheit. Allerdings wird es dort wegen einer wenig ausgeprägten Milchkultur verwässert. Also, von jetzt an ist Ovalmaltine stets mit kalter Milch anzurühren. Sollte die Milch zu kalt sein, darf dann noch erwärmte Milch hinzu gegossen werden.
Problematisch wird das Deutschsein nicht dadurch, dass irgendwelche Behörden und Politiker ungesetzlich Daten über Steuersünder kaufen. Das interessiert nicht wirklich. Viemehr scheint es das auffällige Heraustreten aus das Masse durch lautes Hochdeutsch sprechen oder das Auftreten von Deutschen in großer Zahl zu sein, wodurch sich der Schweizer bedrängt fühlt und Überfremdungsängste entwickelt.
Blick vom Bibelheim über den Zürichsee. Blättert das Gold der Goldküste wegen der Sorge über die Steuer-CDs und der scharfen Handtaschenkontrollen des deutschen Zolls? Die Immobilienpreise halten jedenfalls ihr hohes Niveau und Baukräne gibt es auch in größerer Zahl. Dabei öffnet sich erkennbar die Schere zwischen Arm und Reich.
Interessant könnten sicherlich die steuerlichen Fragestellungen und Gedanken an Immobilieneigentum in der Schweiz werden, wenn es mir endlich gelänge, meine Frau für das Im- und Exportgeschäft zu motivieren. Dabei denke ich natürlich nicht an Deals wie im Tatort.
Nach dem Erfolg des deutschen China-Öls in Taiwan, das selbst meinen Schwiegervater begeistert, inspirierten Schaufenster im Oberstdorf, wie die Produktpalette erweitert werden könnte. Wie wäre es mit Allgäuer Murmeltier-Öl, Pferde-Balsam und Pferde-Gel, Teufelskrallen-Creme, Hornhaut- und Fuß-Balsam, Bisam-Talg oder Wundershampoo?
Freitag, 20. April 2012
Der Blick zurück - The View Back
Der Blick zurück bezieht sich nicht nur zeitlich auf den letzten Aufenthalt in Taiwan, der sich diesmal insbesondere auf die touristische Südspitze der Insel um Kenting konzentrierte. Der Blick zurück ist in diesem weiteren Beitrag der Kenting-Strand-Serie durchaus räumlich zu verstehen. Aber zuerst der Blick nach vorne:
Wir befinden uns im Jahre 2012 n.Chr. Der ganze Süden Taiwans ist Nationalpark... 
Der ganze Süden? Nein! Ein Kernkraftwerk der unbeugsamen Atomlobby hört nicht auf, dem unbefleckten Nationalparkgedanken Widerstand zu leisten. 
Und das Leben ist nicht leicht für den Touristen, der aus einem Land kommt, das sich zwar langsam, aber endgültig vom Nuklearwahn verabschieden will, hier auf der Erdbebeninsel umgeben von den Reaktoren Jinshan, Kuosheng, Maanshan und dem im Bau befindlich Longmen seine Urlaubstage zu verbringen.
Ein Hauch von Strandleben zwischen Abflusskanal und Atommeiler.
Romantisch wird es am Abend, wenn die Sonne über der Taiwan-Straße untergeht. Bald strahlt nur noch das Kraftwerk.
Allein im Fokus der mit Atomkraft geladenen Digitalkamera des Adoka ist die Alibi-Windkraftanlage von Taipower. Junge Taiwanerinnen richten lieber die Blicke auf sich.
Was soll schon passieren? Anspruchsvolle Modelle mit Minikernkraftwerk und Spielzeugeisenbahn japanischer Herkunft zeigen im Erdbebenmuseum von Taiwan, dass alles im grünen Bereich bleibt, wenn die Tischplatte wackelt.
Na also, alles bleibt stehen. Es wackelt nur ein bisschen.
Dabei zeigen die ausgestellten Fotos und Objekte zum Erbeben vom 21.9.1999 eine andere Realität.
Das zerstörte Schulgebäude ist im Zentrum des Erdbebenmuseums. Die Laufbahn und der Platz der Schulsportanlage haben sich mittendurch um Meter angehoben.
Knifflige Aufgaben: Wie biegt man die vom Erdbeben verformten Eisenbahnschienen wieder gerade? Was bleibt von Taiwan übrig, wenn die Deformation und der Riss durch ein AKW gehen? Restrisiko? Ist es das wert?
Also, wenn Luo You ab 2031 seinen Ruhestand auf dieser Insel verleben soll, kann er sich halbwegs auf Erdbeben einstellen. Aber das Atomzeug muss vorher abgeschaltet und entschärft werden.
Donnerstag, 22. März 2012
Massimo Vitali
oder Strandkultur - Beach Culture in Taiwan
Unser noch spartanisch eingerichtetes Haus benötigt im Wohnzimmer ein großformatiges Bild, Gemälde oder Foto, um die Wand hinter dem Sofa dekorativ zu füllen. Auf Dauer macht die Leere bestimmt depressiv.
Außerdem kann sich mit Blick auf das Werk von Andreas Gursky Fotokunst als gute Geldanlage in den schwierigen Zeiten des Euro darstellen.
Bei der Suche, was sich so noch bei moderner Landschaftsfotografie anbietet, stieß ich beim Surfen auf Massimo Vitali, einen italienischen Fotokünstler. Massimos Fotoarbeiten bilden Landschaften und Räume, die von einer menschlichen Ebene überlagert werden, ab. Bevölkerte Strände, Hotelpools, Diskotheken und verschneite Berghänge mit Skipisten zeigen den Mensch als Herdentier, lassen aber auch die Einzelnen erkennen und erzählen ihre Geschichten.
Wie groß wirkt der Kontrast beim Betrachten von Massimos Bildern zwischen den Stränden an der italienischen Adria und denen auf Taiwan.
Gewöhnlich neigt der Mensch in Taiwan nicht dazu den Strand zu mögen. Fantastisches Wetter im Winter mit angenehmen Wasser- und Lufttemperaturen, Sonnenschein, tolles Pools, traumhafte Strände sind alles keine Gründe, die hier zu einem wirklichen Strandleben führen.
Regelmäßig ist an den Stränden die Atoka-Dichte im Vergleich zum Rest auf Taiwan besonders hoch. Offenbar zieht es den westlichen Besucher deutlich stärker zu den Sandstreifen am Meer als die taiwanisch-asiatischen Bevölkerungsteile.
Dabei gibt es alles. An den Stränden sind Schwimmbereiche abmarkiert und überwacht. Von Sonnenschirmen bis zum Jet-Ski-Verleih steht für den angemessenen Aufenthalt und die verschiedensten Arten des Wassersports vieles bereit. Natürlich hat jedes große Hotel tolle Schwimmbecken. Aber trotzdem kommt keine richtige Stimmung auf, wie der Tourist sie aus Mittelmeerländern kennt.
Während des gesamten mehrtägigen Urlaubsaufenthaltes war der Pool im „Howard´s Hotel“ in Kenting leer. Was soll Luo You alleine seine Runden in den vereinsamten Becken drehen, wenn ihm selbst die treue Ehefrau die Gefolgschaft verweigert?
Das quirlige Leben an so vielen Orten Taiwans, die Lust am guten Essen, die Begeisterung durch die Medien oder Mundpropaganda hochgepuschte Attraktionen in Massen am Wochenende aufzusuchen, übertragen sich einfach nicht auf die Strände.
Im Landschaftsschutzgebiet der Kuanyin Berge (觀音山風景區) bei Dashe (大社) am Wochenende. Ein paar spitze Berge im Naherholungsgebiet verwandeln die Zufahrtsstraße dahin zur Kirmes oder - mehr taiwanisch - zum Nachtmarkt am Tage.
Die Abneigung gegen Strandbesuche hängt mit vielen Bedingungen zusammen. Traditionell ist sonnengebräunte Haut in Taiwan mit schwerer Arbeit außerhalb des Hauses verbunden. Wer möchte nach einem Urlaubsaufenthalt schwer überarbeitet aussehen?
Erstrebenswertes Ziel ist es, bleich zu bleiben. Bleich sein bedeutet, einen guten Bürojob zu haben oder so wohlhabend zu sein, dass man es sich leisten zu kann, nicht übermäßig arbeiten zu müssen. Zudem führt die subtropischen Sonne schnell zu Sonnenbränden und anderen negativen gesundheitlichen Folgen. Das Hautkrebsrisiko steigt.
Von der See gehen in Taiwan Gefahren aus. Die zerstörerischen Taifune, die in der Saison von Frühjahr bis zum Herbst über die Insel hinweg ziehen, kommen vom Meer, vom Pazifik. Starke Strömungen, Felsen und Riffe sind ebenfalls Gründe, die die Zuneigung zum Meer begrenzen. Deshalb sind die Tempel der Fischer zum Meer ausgerichtet, um das Wohlwollen der Götter zu erbitten und die Risiken der Ausfahrt mit den Booten zu senken.
Das soziale Leben und Abhängen am Strand widerspricht auch den Lehren des Konfuzius, der Faulheit und Müßiggang ablehnte und geißelte. In der chinesischen Kultur gilt es in der Regel die Zeit bestmöglich - zumindest nach außen erkennbar - zu nutzen. Auch Meditation ist kein Müßiggang, sondern die Suche nach der eigenen inneren Kraft.
Ein wenig westliche beeinflusste Dekadenz gab es dann doch noch zu sehen. Etwas kalifornische Atmosphäre und ein Hauch von Strandleben tauchte hier in Jialeshuei (佳樂水) auf - und auch ab.
Hier warten die Surfer nicht nur auf gute Wellen. Ab und zu kommt auch eine.
Die dann das Board ein bisschen über das Wasser trägt.
Wobei die Sportlerin oder der Sportler dann nach wenigen Sekunden wieder vom Wellenreiter zum Wellenwarter wird.






