Posts mit dem Label Deutschland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Deutschland werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 31. Dezember 2016

Nazi-Staat Taiwan?

Willkommen im Neuen Jahr 2017

2016 war ein Jahr interessanter Veränderungen. Der Lebensmittelpunkt des Verfassers dieser Zeilen hat sich räumlich sehr verschoben. Das Geld für Brötchen, die nächste Reise nach Taiwan und China-Öl kommen jetzt von einem anderen Arbeitgeber. Nach einem Jahr ist hier beruflich eine umfassend positive Bilanz zu ziehen. Die größere Distanz zur asiatischen Kultur und zur taiwanischen-rheinischen Gemeinschaft um Düsseldorf wird kompensiert durch andere Vorzüge des neuen Lebensraums. Mehr Entspannung und Ausgeglichenheit, mehr Fläche und Landschaft stehen hier den fertig gebauten Städten des Rheinlandes, der Gier und dem ungehemmten Profitstreben im räumlich wie sozial ausgebeuteten Ballungsraum gegenüber. Klar, alles geht gesellschaftlich in die gleiche Richtung. Es gibt hier kein anderes sozial, wirtschaftliches und politisches System. Aber das Niveau ist immer noch ein anderes. Es gibt noch genug zum Kaputtmachen.

So wie sich die Welt Luo Yous privat verändert hat, so sind auch global mehr oder weniger überraschende Entwicklungen zu vermerken.

Tsai Ing-wen (蔡英文) wurde am 16. Januar 2016 zur Präsidentin der Republik China gewählt. Damit wurde die KMT auf Taiwan, die sich stärker der Volksrepublik China geöffnet hat, in der Regierung abgelöst. Die Insel wird wieder von der DPP, der demokratischen Fortschrittspartei, regiert, die mehr auf die Unabhängigkeit Taiwans bedacht ist.

Anerkennung hat ihre Regierung zuletzt nicht nur durch den für viele überraschend später in 2016 zum US-Präsidenten gewählten Donald Trump erfahren. Mit dem durfte Tsai Ing-wen, die Präsidentin Taiwans, nämlich telefonieren und dies wurde auch noch öffentlich verlautbart.

Seitdem hört die deutsche System- und durchaus an verschiedenen Stellen gerechtfertigt zu bezeichnend Lügenpresse nicht auf, im Sinne der offiziellen deutschen Ein-China-Politik, wohl von der Volksrepublik China gefordert und von den USA in früheren Jahren für die Vasallenstaaten vorgegeben, in die Köpfe einzuhämmern, dass Taiwan eine abtrünnige Insel der Volksrepublik China ist.

Zum Beispiel in der „ZEIT“: „Seit Ende des Bürgerkrieges in China 1949 ist Taiwan ein Konfliktherd in Asien. Damals flüchteten die Truppen der chinesischen Kuomintang auf die Insel, die heute offiziell Republik China heißt und sich als eigenständig funktionierende Demokratie sieht.“

Nein, in gleicher Monotonie ist zu wiederholen: die Volksrepublik China allein ist der Konfliktherd in der Region, seitdem die Republik China auf Taiwan das Ziel aufgegeben hat, das Festland zurück zu erobern. Taiwan sieht sich nicht als funktionierende Demokratie. Sie ist es. Insbesondere beim Vergleich zu verschiedenen anderen Ländern, wo die Autokratie wieder Einzug hält, etwa der Türkei oder Russland. In Taiwan wechseln die Regierungen wie auch in den USA.

Die Insel heißt natürlich offiziell Taiwan. Sie befindet sich in der Republik China, zu deren Herrschaftsbereich auch noch andere kleinere Gebiete und Inselchen gehören, die nicht von den Kommunisten besetzt werden konnten. Die Republik China wurde 1911 gegründet und ist damit deutlich älter als die Volksrepublik China. Nach dem Sieg über die Japaner im 2. Weltkrieg wurde nach 1945 an die Republik China gegeben. Es ist dann wohl eher das chinesische Festland, was abtrünnig wurde. Letztendlich war es der Wandel in der Politik Nixons, der die Republik China auf Taiwan so in die internationale Isolation geführt hat. Da fragt sich der Betrachter, ob die USA zu Nixons Zeiten gegenüber der Volksrepublik China nicht auch ein Modell, vergleichbar dem deutschen mit DDR und Bundesrepublik, hätte durchsetzen können. So fänden 22 Millionen Menschen auf Taiwan wenigstens in den internationalen Gremien, wie der UNO, eine angemessene Vertretung.

Jedenfalls sind die Staaten trotz Ein-China-Politik und fehlender diplomatischer Beziehungen wieder alle da und fokussieren auf Taiwan, wenn sich Länder in ihren Belangen beeinträchtigt fühlen. So hat eine Parade als Nazi verkleideter Schüler, Israel und Deutschland aufgerufen in Taiwan zu protestieren. Ich habe gar nicht gewusst, dass es überhaupt Israelis in Taiwan gibt, sagt dazu die beste Ehefrau von allen.

Immer noch wird das alleinige Recht zur Auslegung der Welt und Wahrheitsfindung vom Westen reklamiert. Merkt denn dort niemand, dass es in Asien höchst peripher interessiert, wann und wie ein Massenmörder auf der anderen Seite der Welt Millionen umgebracht hat. Über die eigene Ignoranz regt sich im Westen aber niemand auf. Wen interessiert hier das Schicksal der Millionen Opfer von Maos „Sprung nach vorne“ oder die Bedrohung vieler Minderheiten im asiatischen Raum?

„Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge?“ Diesen Lehrsatz aus der Bibel hat offenbar die westlich-christliche Leitkultur für sich ausgeblendet. Wie lange muss Deutschland noch diese peinlichen Nazi-Märsche und ekligen, sogenannten „Heldengedenken“ ertragen? Ich will nicht, dass diese Clowns die Leiden meiner Großelterngeneration, verursacht durch ihren Looser Adolf Hitler, für ihre Zwecke verdrehen und verhöhnen.

Aber in Taiwan, das gar nicht von Deutschland als Staat anerkannt wird, gegen einen läppischen Schülerunfug im Minirock zu protestieren, das schaffen noch unsere Regierungsstellen. Wie armselig!

Übrigens hatte sich kürzlich auch Klaus Bardenhagen in einem bemerkenswerten Artikel seines Blogs mit der Sprache der deutschen Presse über Taiwan befasst.

Apropos Blogger-Welt: ein großer Verlust! Fu Ludigel hat Taiwan verlassen und sich dem Duterte-Regime auf den Philippinen angeschlossen. Dieser Wechsel ist ein sehr bedauerlicher Verlust für den deutschen Blick aus Taiwan. Ein besonderer Dank an ihn für die vielen Jahre unverfälschter Information und aktueller Eindrücke von der Insel durch die oliginal deutsche Brille.

Screenhot vom taiwanischen Fernsehen CTI via Internet heute. Nächsten Monat geht es nach Formosa zum Verwandtschaftsbesuch und zum Urlaub. Ziel wird unter anderem Liuqiu auf der Lambai-Insel südlich von Donggang, zugehörig zum Landkreis Pingtung, sein.

Trotz der persönlich guten Situation und des nahen Urlaubs bleibt der Blick in das Jahr 2017 eher kritisch.

Montag, 31. August 2015

Auffällig unauffällig

Bauarbeiterinnen in Taiwan

Bisher dachte ich, es wäre nur mir aufgefallen. Jetzt merkte es auch die beste Ehefrau von allen an. Es gibt eigentlich keine Bauarbeiterinnen in Deutschland. Erstaunlich und fremdartig für die Taiwanerin! Oder aus der Perspektive des deutschen Verfassers dieser Zeilen: In Taiwan sind Bauarbeiterinnen etwas so selbstverständliches, dass sie – bis auf dem beobachtenden Ausländer – niemanden auffallen.

Ausgetauscht haben wir uns über diese Erfahrung bei einem Bericht über die vielen Baustellen an Autobahnen und Fernstraßen in Nordrhein-Westfalen. Über Jahrzehnte wurde der notwendige Unterhalt im gebotenen Umfang unterlassen, damit (seit langem pensionierte oder bereits verstorbene) Politiker Geld für Prestigeprojekte und öffentlichkeitswirksame Neubauten ausgeben konnten. Dank der Rekordgewinne bei den Unternehmen und einer Steuerschwemme, für die nicht nur die Griechen sondern auch wir in diesem Land länger und für weniger Geld arbeiten dürfen, steht jetzt überreich Kapital zur Verfügung. An allen Ecken entstehen heute neue Baustellen, finanziert mit Bundesmitteln oder hoch gefördert als Landes- und Gemeindevorhaben. Da weiß der tägliche Berufspendler bald nicht mehr, wie er den ganzen Verkehrseinschränkungen entgehen soll.

Unter vielen Männern vom Landesstraßenbetrieb erschien in dem Bericht auch eine Frau. Nein, erklärte ich, dass ist keine Arbeiterin, sondern die Mitarbeiterin wird eine Verwaltungsangestellte sein, vielleicht eine Ingenieurin oder Technikerin in Gummistiefeln und Arbeitskleidung.

Im Dezember 2013 vervollständigt diese fleißige Arbeiterin den monumentalen neuen Bauabschnitt des Fo Guang Shan Klosters in Kaohsiung.

Wirkliche Emanzipation gibt es nicht, so hieß es im gestrigen Fernsehbeitrag über Femen, bevor die Damen ihre Brüste entblößten und gegen das Übel dieser Welt protestierten. Stimmt! Emanzipation gibt es nicht. Sicher hat auch das taiwanische Modell seine Nachteile: Wird das gleiche Einkommen gezahlt und besteht die gleiche soziale Absicherung zwischen den Geschlechtern? Auf jeden Fall ist es spannend, wie unterschiedlich sich die Kulturen ausgeprägt haben, was wir für selbstverständlich halten und sich traditionell verfestigt hat. Es geht eben nicht nur um Quoten bei den Positionen der Top-Manager.

Samstag, 1. August 2015

Willkommenskultur

Deutschland so beliebt!

Herzlich Willkommen in Deutschland! Schloss Neuschwanstein grüßt!

Wir befinden uns im Jahr 2015 n. Chr. Ganz Deutschland ist von einer Willkommenskultur besetzt. … Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Bürokraten bevölkertes Institut hört nicht auf, der Idee Widerstand zu leisten.

Nun ja, die Idee der Willkommenskultur wurde primär vom Innenministerium propagiert, um die nötige Zuwanderung für Arbeitsmarkt und Rentenkasse zu fördern und für Verständnis zu sorgen, dass Deutschland und die Deutschen nicht alleine auf der Welt sind. Ob das auswärtige Amt auch dahinter steht, erscheint fraglich, wenn der Autor dieser Zeilen Berichte aus Taiwan hört, wie schwierig es ist, in angemessener Zeit ein Visum zu erhalten.

Den Umgang mit dem deutschen (Nicht-) Botschaft in Taiwan habe ich auch stets als schwierig empfunden. Das Lied „Mein kleiner grüner Kaktus“, von den Comedian Harmonists in Zeiten des Nationalsozialismus herausgebracht, was damals als Warteschleife am Telefon eingespielt wurde, entwickelte sich zum Haßlied.

Die deutsche (Nicht-) Botschaft in Taipei hat bis Ende August 2015 die telefonischen Sprechstunden am Freitag ausgesetzt, um der Bearbeitung der vielen Langzeitvisaanträge besser nachzukommen.

Damit gibt es nur noch die Möglichkeit zur Vorsprache in Visaangelegenheiten mit einem vereinbarten Termin über ein Online-Vergabesystem.

Vor einigen Tagen habe ich das mal getestet. Ergebnis meines kleinen Tests war nach einigen Klicks:

504 Gateway Time-out

The server didn't respond in time.

Vorgestern ging es besser.

Hmm, wie war das noch mit der Barrierefreiheit im Internet und den deutschen Rechtsgrundlagen?

Immerhin kam ich bis zu den Terminen durch. Im August gab es kein Terminangebot.

Im Dezember 2015 habe ich aufgehört weiter zu klicken.

Da werden junge Taiwaner, die in Deutschland studieren wollen, herausgefordert und lernen gleich, warum der „Hauptmann von Köpenick“ im ihrem Zielland so populär wurde. Ohne Zulassung einer deutschen Universität kein Visum, nach Erhalt der Universitätszulassung kaum Chance zeitnah einen Termin für das Langzeitvisum zu bekommen, ohne Visum kein Studium zum angestrebten Zeitpunkt in Deutschland.

So hat sich denn quasi ein „Schwarzmarkt“, eine Austauschbörse im Netz, für Termine beim deutschen Institut entwickelt. Liegt es am billigen Euro und an der florierenden Wirtschaft, dass dieses Land so beliebt ist? Wirtschaftfördernd greift das auswärtige Amt noch ein, indem es schneller Visa für Sprachstudien erteilt, die dann in Deutschland in Studentenvisa umgewandelt werden können. Gewöhnlich kann keine Änderung des Visa-Zwecks und damit des Visums in Deutschland vorgenommen werden. Welche Sprachschul-Lobby hat sich denn da durchgesetzt?

Deutschland lockt mit Super-Attraktionen, doch es wird unseren Gästen nicht leicht gemacht.

Die Marienbrücke, Standort für das vorhergehende Foto, wird ab dem 3. August 2015 für voraussichtlich etwa vier Monate gesperrt. Einer der besten Fotostandpunkte mit Schloß Neuschwanstein geht damit erst einmal verloren. Ein Schock für die Touristenwelt!

Richtig ist sicherlich, die Zahl der Besucher auf das Brücke durch ein Drehkreuz oder ähnliches zu begrenzen, wie es jetzt beabsichtigt wird. Mich erstaunte, wieviele Menschen die Brücke aushält. Die Holzbohlen bogen sich allerdings schon unter den Füßen.

Leider sind einige der Mitbesucher rempelnde Hooligans, wozu auch Damen aus Fernost zählen. Also hieß es, geschickt einen gute Positon auf der Brücke zu erreichen, einen festen Standort einzunehmen und zu verteidigen, zu knipsen und dann wieder schnell von der belasteten Brücke flüchten.

Bei den letzten Besuchen vor etlichen Jahren hatte ich niemals eine solche Situation erlebt. Während dieses touristische Interesse von reichen Nord- und Südamerikanern, Asiaten, Australiern, Malayen und Indonesiern, Osteuropäern und Russen Deutschland schmeichelt, wird eine andere Zuwanderung kritisch gesehen. So hat die deutsche Botschaft in Tirana Anzeigen in albanischen Zeitungen geschaltet, die vor der Armutsflucht warnen. Das wirkt sehr hilflos. Vermutlich führt kein Weg an einem vereinten Europa vorbei, dass einen gemeinsamen Haushalt mit einem Länderfinanzausgleich hat, eine gemeinsame Sozial- und Wirtschaftspolitik verfolgt, für gleichwertige Lebensverhältnisse und gleiche Rechte sorgt. Wenn es schon in Europa nicht gelingt, in allen Ländern ein verantwortliches politisches Management zu installieren, was den Menschen dient, wie sollen dann erst lebenswürdige Zustände in Afrika oder im nahen Osten hergestellt werden?

Das die beste Ehefrau von allen angesichts der zunehmenden Zahl von Flüchtlichen erwägt, mit Pegida zu sympathisieren, stellt sicherlich keine Lösung dar. Gerade die Flüchtlinge aus der Fremde sind am wenigsten an ihrem Schicksal und ihrer Verzweifelung schuld.

Montag, 27. Juli 2015

Unerreichbar unbestiegen

Taiwan und Deutschland, Deutschland und Taiwan!

Es geht auch schon mal entgegen der Erfahrungen umgekehrt. Außergewöhnliche Orte in Taiwan sind gewöhnlich von hoher Nutzungsdichte geprägt, übermäßig zugebaut und durch viele Menschen stark frequentiert. Demgegenüber ist Deutschland eher leer, meist hübsch gestaltet, aber auch öde. Klassiker waren hier die Mittelpunkte Taiwans und Deutschland. Ganz anders präsentieren sich die höchsten Punkte der beiden Staatsgebilde, frisch erlebt an einem der letzten Wochenenden im Süden Bayerns und früher in Taiwan zum Jahresübergang 2013/2014.

Der Aufstieg zu Taiwans mit 3952 Metern höchsten Berg, dem Yu Shan (玉山) oder Jadeberg, stellt sich schwierig dar. Er führt, sofern man nicht eine Strafe oder die komplette Kostenerstattung für einen möglichen Rettungseinsatz in Kauf nehmen will, nur über eine förmliche Erlaubnis der Nationalparkverwaltung. Diese Zugangserlaubnis kann auch online beantragt werden. Zudem gehört ein gewisses Maß an Training und körperlicher Fitness der Yu-Shan-Besteiger :-) dazu, was mir gegenwärtig so fehlt.

Es fehlt in Taiwan an Seilbahnen, Eisenbahnstrecken oder Straßen, um auf den höchsten Punkt Südostasiens – so eingruppiert nach Wolfgang Senftleben, Autor von Mai´s Weltführer 26 „Taiwan“ im Jahr 1995 - zu kommen. Senftleben war übrigens selber dort oben und posierte vor der Bronzebüste von Yu You-Ren (于右任), einem Gelehrten und Politiker der Republik China, der von 1879 bis 1964 lebte, zuletzt in Taiwan.

Nach Senftlebens Besuch, nämlich 1996, wurde die Büste von Taiwan-Aktivisten mehrmals vom Sockel gestürzt. Beim dritten Mal soll sie vom Gipfel so in eine Bergschlucht gefallen sein, dass sie nicht wieder gefunden werden konnte. Taiwans schöne Natur sollte nicht, durch Territorialmarken der KMT verunstaltet werden, so wie ein Hund durch Pinkeln sein Revier markiert. Dabei hatte es die damalige Regierungspartei nur gut gemeint. Damals waren die Territorialmarkensetzer noch in dem Glauben, dass der Berg eine Höhe von 3.997 Metern hat. Sie wollten mittels eines kleines Bauwerks, dessen oberen Abschluss Yu You-Rens Glatze und ein Blitzableiter bildeten, die 4.000 Meter erreichen.

Angesichts der schlechten Erschließung des Berges bleibt nur der sehnsüchtige Blick etwas oberhalb der Berghütte von Tǎ Tǎ Jiā (塔塔加) auf die entrückten Spitzen des mächtigen Gebirges. Selbst dabei macht der Yu Shan es dem Bewunderer der atemberaubenden Landschaft nicht einfach. Hier ist nur die Nordspitze (in höherer Auflösung mit der Wetterstation) zu sehen. Der Hauptgipfel liegt weiter rechts und hielt sich an dem Tag bedeckt im Wolkenschleier.

Beliebtester Einstiegspunkt zum Bergsteigen ist die Gegend um Tǎ Tǎ Jiā (塔塔加). Hinter dem beschaulichen Besucherzentrum zeigt sich der Jadeberg besonders schüchtern und versteckt sich in den Wolken.

Nach der Übernahme Taiwans als Kolonie erfolgte durch die japanische Armee vom Juli 1895 bis zum September 1896 die Landvermessung. Dabei wurde der Yu Shan mit 3776 Metern über dem Merresspiegel aufgenommen. Der Berg erhielt den Namen Niitakayama, was etwa „neuer höchster Berg“ heisst, da er den Fujiyama in Höhe überragt. In westlichen Atlanten tauchte er zuvor als Mount Morrison auf, noch früher benannten ihn die verschiedenen Ureinwohnerstämme, die um ihn herum leben, in ihren jeweils eigenen Sprachen.

Google hatte mehr Glück und präsentiert Taiwans Berg erster Klasse im „Street View“ wolkenfrei.

Den höchsten Berg der Deutschen hat als Erstbesteiger ein gebürtiger Tiroler aus Reutte erklommen. Joseph Naus war in bayerischem Dienst und sein Geburtsort Reutte liegt am Fuß der Zugspitze.

Mehr verwundert es, dass sich als offizieller Erstbesteiger des Yu Shan der Deutsche Karl Theodor Stöpel rühmt, der am zweiten Weihnachtstag 1898 auf dem höchsten Punkt von Taiwans Berg Nr. 1 war. Wie er da hochgekommen ist und was er sonst noch auf der Insel Formosa erlebt hat, lässt sich in seinem Buch und im Google-Archiv gut nachlesen.

Wer zum Lesen zu faul ist, kann seinem „Stöpel“ auch als Hörbuch über Youtube genießen. Bedauerlich, dass der Vorleser offenbar kein gelernter Profi ist. So lädt das Werk nicht dazu, den Berichten über die Abenteuer von Herrn Stöpel (etwa mit der an ihn gerichteten Frage „Darf ich Ihrem chinesischen Dolmetscher den Kopf abschneiden?“) bei der morgendlichen und nachmittäglichen Autofahrt zu lauschen. Besser geht es mit der Lesebrille.

Übrigens werden als Erstbeisteiger für das Jahr 1900 werden im englischen Wikipedia Torii Ryūzō und Mori Ushinosuke genannt. Laut Stöpel sollen bereits die Japaner Saito und Prof. Honda das Massiv ein Jahr vor ihm erklommen haben. Die hatten aber nicht - wie Stöpel - die höchste Spitze des Yu Shan betreten, sondern nur den von ihm so genannten niedrigeren Saito-Gipfel. Stöpel vermutete, dass der Hauptgipfel hinter den Wolken verschwunden war und die Japaner ihn so nicht wahrgenommen haben. Mit Blick auf das Foto oben kann ich bestätigen, dass dies durchaus möglich war.

Die alte japanische Flagge ersetzte Stöpel auf dem Berg durch eine neue. Unter einem Stein - nach seiner Berechnung auf dem höchsten Gipfel des Yu-Shan in einer Höhe von 4050 m - hat Stöpel am 26.12.1898 gegen 13 Uhr sein in schwarz-weiß-roten Farben gehaltenes Taschentuch deponiert. Zudem hintergelegte er ein Schreiben an den deutsch-österreichischen Alpenverein, das später durch einen nachfolgenden Kletterer zurückgesandt wurde.

Es lohnt sich also den Yushan zu besuchen, da es dort nicht nur bei gutem Wetter eine schöne Aussicht gibt und der Berg eine sportliche Herausforderung darstellt. Es gibt auch einiges dort zu entdecken. Die verlorene Büste von Yu You-Ren, die Überreste der japanischen Flagge und Stöpels altes Taschentuch. Hatte er es benutzt, könnte mittels einer DNA-Analyse die Echtheit und damit auch die Überlegenheit der nordisch-europäischen Herrenrasse nachgewiesen werden. Während Ureinwohnern und Chinesen der unwirtliche Berggipfel gleichgültig war, die Japaner im Nebel stapften und den Gipfel verpassten, ist es dem Deutschen gelungen, hier sein Taschentuch zu verstecken.

„Unfug“, sagt die beste Ehefrau von allen, die dabei ist zum Telefon zu greifen, um den Notarzt mit zwei kräftigen Pflegern für meine Einlieferung zu bestellen. „Natürlich waren Menschen aus der lokalen Bevölkerung da oben, um die Gegend zu erkunden. So schwierig ist der Berg nicht zu besteigen. Warum sollten sie dort nicht hingegangen sein?“ Gleiches gilt natürlich auch für die Zugspitze vor 1820. Die Besteigungen erfolgten lediglich nicht staatlich beauftragt zur Landvermessung und -aneignung oder als offizielle Expedition deklariert, sondern von einfachen Menschen, wie Hirten, Jägern oder Bergbauern.

In der Tat und trotz der erforderlich Zugangserlaubnis kann es auf dem Yu Shan ziemlich voll werden. Da ist es wieder das wohlbekannte Taiwan mit seiner Dichte an Menschen.

Spuren - und zwar jede Menge – haben auch die Taiwaner auf dem höchsten Berg der Deutschen hinterlassen. Kurz vor der bayerischen Staatsgrenze ist die Wand im Zugang zur österreichischen Bergstation vollgekritzelt. Das Ganze gipfelt in dem üblichen taiwanischen-chinesischen Austausch als Wandzeitung: „Taiwan ist unabhängig“ durchgestrichen „Nein, ist es nicht. Es ist untrennbarer Teil Chinas“ und so weiter.

Zurück in der alpinen Realität: Überwiegend Taiwaner in diesem Foto im echten Schnee auf der Aussichtsterrasse an der Tiroler Seite des Zugspitzgipfels. Dies übertrifft gewiß die visuelle Illusion von Schnee auf Taiwan, so bei den Salzbergen von Cigu (oder Qigu / 七股).

Hatte die beste Ehefrau von allen noch vor 15 Jahren große Freude an der Kontaktaufnahme mit Landsleuten im Ausland, so ist diese Begeisterung heute einer Gleichgültigkeit gewichen. Zu groß ist der Touristenstrom aus Asien, der seit langem nicht mehr von den Japanern dominiert wird. Zu stark sind die taiwanischen Netzwerke in Deutschland, Globalisierung und die weltumfassende Kommunikation, um dies noch als eine besondere Begegnung wahrzunehmen. Wie sich die Welt verändert hat!

Vielmehr kommt hier das Gefühl auf, zu Hause in Taiwan zu sein. Fast ein Nachtmarkt zeigt sich vor dem Münchner Haus. Die Top-Attraktionen sind Deutschlands höchster Bratwurststand, Deutschlands höchster Biergarten und Zugspitz-Kuhglocken. Nie zuvor habe ich so einen zugebauten Berggipfel gesehen, sagt die Taiwanerin.

Klettern auf der Baustelle. Die Attraktion, das Gipfelkreuz verschwindet irgendwo zwischen Baustellenzäunen, Metallkonstruktionen, Kränen und Baumaschinen. Wie Erdaushub erscheint der Gipfel. Das Kreuz wirkt etwas fehlplatziert. Und die Menschen? Wer hat nicht als Kind gerne auf der Baustelle gespielt und fand das total abenteuerlich?

In Deutschland lag es nicht an der körperlichen Fitness, einer fehlenden Zugangserlaubnis oder mangelhafter Vorbereitung. Es war vielmehr der Gipfelstau, der vom Erreichen des höchsten Punktes dieses Landes abhielt.

Selbst wenn es heute abgesichts der Flüchlingsströme weg von Armut und Krieg noch nicht so aussieht, aber wer vermag ernsthaft daran zweifeln, dass sich auf mittlere Sicht die Lebensverhältnisse auf den wesentlichen Teilen dieses Planeten weitestgehend angleichen werden?

Samstag, 28. Februar 2015

Der grüne Pass

Oder besser unauffällig der Norm folgen!

Dies war eine Erfahrung, die ich nur einmal in meinem Leben gebraucht habe. Sie hat mich fast 1000 Euro, drei Ferientage in Taiwan, ein verpasstes Sylvester-Dinner und ein verloren gegangenes Neujahrsfeuerwerk in Kaohsiung gekostet.

Luo You wurde am 29. Dezember 2014 nicht in den Flieger nach Taiwan gelassen, weil sein Pass nicht mehr die Mindestgültigkeitsdauer von 6 Monaten hatte. Vom 29.12.2014 bis zum 31.05.2015 sind eben keine 6 Monate, sondern nur 5 Monate und 2 Tage. Es wird tagegenau abgerechnet. Dass ich schon Mitte Januar 2015 zurück wollte, war unbedeutend. Das der für 10 Jahre Gültigkeit bezahlte Pass dann nur 9 Jahre, 6 Monate minus einem Tag zu gebrauchen ist, interessiert niemanden.

Völlig sinnlos ist es, beim „Online-Check-In" alle Daten von Personalausweisnummer bis Gültigkeitsdatum anzugeben und sich den „Boarding Pass" auszudrucken. Es gibt im „Online"-Verfahren keine Warnung, keine Zurückweisung, wenn die Gültigkeitsdauer des Passes nicht ausreicht. Eigentlich berechtigt der „Boarding Pass" dazu, direkt ins Flugzeug zu gehen. Nur noch am Gate könnte der Passagier abgefangen werden, wenn er nicht vorher beim „Baggage Drop" kontrolliert würde. Mit dem zu Hause ausgedruckten „Boarding Pass" geht der Passagier sogar das Risiko des „No Show" und dem Verlust eventueller Umbuchungsmöglichkeiten oder Rückerstattungen ein.

Eigentlich könnte der Hinweis schon beim Internet-Kauf des Flugtickets auf die (mangelhafte) Gültigkeitsdauer des Reisespasses kommen. Da werden nämlich auch schon die Passagierdaten eingegeben. Aber nichts kommt. Sind die traditionellen Reisebüros hier besser aufgestellt?

Natürlich, der mündige Bürger hat sich stets über alle Gesetze einschließlich der ausländischen seines Reiseziels zu informieren. Mea culpa! Mea culpa!

So ein Fall scheint am Frankfurter Flughafen öfter vorzukommen. Als Hilfsstellen für den Inhaber eines für das Ausland ungenügenden deutschen Passes gibt es die Bürgerämter der Frankfurter Umlandgemeinden, wie Hofheim im Taunus oder angeblich auch Kelsterbach. Noch waren es über zwei Stunden bis zum Abflug. Der Taxifahrer kannte des Problem, er kannte Hofheim. Für die genaue Adresse und zur Sicherheit, ob das Bürgermeisteramt geöffnet hat, rief er an. Ja, das geht. Ein neuer Pass mit Gültigkeit eines Jahres kann ausgestellt werden. Voraussetzung, so die Mitarbeiterin des Bürgeramtes, ist, ein Fax mit quasi dem Auftrag und der Bestätigung der Heimatbehörde, mir einen Pass auszustellen. Als ob mein alter, nicht mehr ganz 6 Monate gültiger Pass nicht ausreicht! Lichtbild, ja habe ich dabei. Nein, biometrisch muss nicht sein. Brückentag bei der Heimatbehörde? Nein, kann ich mir nicht vorstellen. 29. Montag, 30. Dienstag und erst Mittwoch am 31., Sylvester, ist bei den Behörden frei. Da ist keine Brücke zu bauen und im Übrigen hätte ich auch arbeiten müssen, wenn ich nicht Urlaub genommen hätte.

Ich sitze im Bürgeramt. Der Taxifahrer wartet davor in seinem schönen Benz auf dem vereisten, morgendlich kalten Rathausplatz des Ortes im „urban sprawl" vor Frankfurt. Drei Mitarbeiterinnen und ihre Chefin kümmern sich im wesentlichen um noch nicht abgehobene Flugpassagiere. Eine halbe Stunde dauert das etwa, prophezeite der freundliche Taxifahrer mit Migrationshintergrund. Schaun wir mal sagte ich. Im Bürgermeiseramt versucht die Verwaltungsmitarbeiterin die Telefonzentrale meiner Heimatstadt zu erreichen. Nur ein Anrufbeantworter. Die haben bis zum 3. Januar geschlossen. Wie? Da ist fast mein halber Urlaub um, das geht nicht. Wie können die nur? Gut, dass ich meinen Bürgermeister kenne. Rufen sie den an, bitte ich. Schnell googlet sie die Telefonnummer. Der schläft noch oder ist auf der Jagd oder sonst was, denke ich. Mehrere Anrufversuche scheitern.

Alles verhandeln nutzt nichts. Ohne Fax und Order aus meinem Heimatdorf kein Pass. Etwas von 110 Euro höre ich mit einem halben Ohr vom Nachbartresen fallen für den länger gültigen Sofort-Pass als Gebühr - erkennbar mit Top-Zuschlag - an. Wow!

Nach einer halben Stunde bin ich wieder am Taxi – ohne Pass! Wieder zurück, sage ich traurig zum Taxifahrer und „Scheiss deutsche Bürokratie!" Jetzt geht’s wieder darum, am Flughafenschalter zu überzeugen und zu verhandeln. Aber erstmal über 60 Euro fürs Taxi abdrücken. Flughafentarif, denke ich mir. Da kann ja der nette Taxifahrer nichts für, der wieder an die endlos lange Schlange anderer wartender Taxis aufschließt.

Womit keiner gerechnet hat, ich bin wieder zurück am Flughafen und immer noch ohne den mehr als 6 Monate gültigen, neuen Reisepass. Wieder zum Flughafenschalter, diesmal ein anderer Abfertigungsmitarbeiter. Oh, der Pass ist nicht mehr ganz 6 Monate gültig, nach Kaohsiung naja (Die Idee, dass es an so einem Kleinflugplatz keiner auf solche Feinheiten achtet, klingt irgendwie an.) … wie die „Airline" hat schon entschieden? Na, dann geht nichts mehr. Nein, Frau General von der „Airline" lässt sich nicht erweichen. Die Fluggesellschaft muss für die Fälle einer unzureichenden Passkontrolle eine Strafe zu zahlen, sagt der Flughafenmitarbeiter zu uns. „Was kosten?" Auf unsere Frage lässt sich niemand ein. Frau General sagt auf chinesisch der besten Ehefrau von Allen, dass es einfach wäre bei zu kurzer Gültigkeitsdauer des Passes über die taiwanische Vertetung in Deutschland ein Visum zu bekommen. Tja, wenn „Online-Buchung" oder zumindest „Online-Check-In" hier Hinweise gegeben hätten. „Hätte, hätte, Fahrradkette" nach Peer Steinbrück. Gab es aber nicht.

Wenigsten wurde mein Koffer noch mitgenommen. Der passte noch kilomäßig auf das Gewichtskonto meiner beiden Mitreisenden.

Während Ehefrau und Mutter in die Hartschalensessel beim Start gepresst wurden, döste Luo You im IC von Frankfurt nach Köln mit leichtem Gepäck und Deutschland als Wintermärchen hinter dem Fenster. Ein Alptraum!

So traumatisiert folgte zu Hause der Eigenversuch. Zunächst blicke ich auf die Rathaustür beim Fußweg vom Bahnhof. „Geschlossen bis zum 3. Januar" geht gar nicht! Dann folgt mein Anruf ins Rathaus hinein. Für Notfälle verweist der Anrufbeantworter auf eine Rufnummer bei der Feuerwehr. Klar ist das ein Notfall. Hatte die Mitarbeiterin im Bürgeramt in Hofheim nicht zu Ende die Ansage abgehört? Das ist doof. Also kommt der Anruf zur Durchwahlnummer bei der Feuerwehr. Ja, für mich gibt es einen Notdienst. Ich brauche ein biometrisches Passbild, Kosten etwa 10 Euro fürs Bilderset, etwa 30 Euro für die Passgebühr und natürlich den noch gültigen Pass. Für mich wird ein Notdienstteam zusammengestellt. Der Ehemann der Rathausmitarbeiterin, der mich zurückruft, sagt, dass seine Frau noch unterwegs ist und mich ein paar Minuten später anrufen wird. Das macht sie auch. Wir vereinbaren einen Termin um 17 Uhr. Vorher gehe ich zum Fotografen und Lebensmittel einkaufen. Der Kühlschrank ist urlaubsleer. Dazwischen ist noch Zeit für einen Döner und zum Ausheulen beim türkischstämmigen „Laoban" in meinem alten Stammlokal.

Um 17.30 Uhr bin ich wieder mit einem antiquiert wirkenden, rein deutschen und grünen Reisepass zu Hause sowie einem ungültig gestempelten, eigentlich noch bis Mai gültig gewesenen europäisch-deutschen, weinroten Reisepass in der Wohnung. Da hatte sich schon fast der Rückfahrt gelohnt bei 110 Euro Passgebühr, die in einem fremden Bürgermeisteramt angefallen wäre. Dafür hätten sie aber aber auch meine uralten Portaitfotos für das Passprovisorium genommen. Im Heimatdorf geht nur biometrisch: „Mit den anderen kommen Sie nicht weit."

Der Pass für den Europakritiker, Ablehner europäischen Gedankenguts und Anhänger der AFD. Grün wie die Hoffnung und deutsch wie die D-Mark. Fuck Europe! Leider ist der Nostalgie-Pass nur ein Jahr gültig. Meine Fingerabdrücke musste ich beim Merkel-System noch abdrücken. Und nichts dazu in der Lügenpresse! Ihr treibt mich noch in die Hände der Piraten, ihr menschenverachtenden Bürokraten!

Jetzt ein neuer Sitzplatz im Flieger. Verdammt, das Büro der „Airline" in Deutschland schließt um 17.30 Uhr. Da ist keiner mehr. Dem Online-Reisebüro ist das Ganze schwer zu erklären. „Warten Sie bis morgen", ist die Empfehlung. Will ich aber nicht. Ich will nach Taiwan. „Sie können auf zum Hauptsitz der Airline anrufen." Aber Taiwan schläft jetzt, denke ich. Außerdem gabs schon am Flughafen die Information, dass an den nächsten Tagen in deren Flugzeugen nichts frei ist. Also Email an die Ehefrau, die noch im Flieger über Sibirien sitzt. Und ein Hinflugticket einer anderen Fluggesellschaft, 500 irgendwas Euro. Hier ist es kalt, Taiwan ist warm. Alle sind in Taiwan, ich bin hier alleine. Ich will weg aus Deutschland.

Ein Tag Hausarbeit mit Putzen, Waschen, Pflegen, dann geht es wieder mit Rucksack nach Frankfurt.

Hin zum Airport geht es wieder mit dem schnellen ICE und dem „Rail & Fly"-Ticket.

Der „Boarding Pass" ist genau wie beim ersten Anlauf ausgedruckt. Jetzt kann nichts schief gehen und prima, damit kann ich direkt zum Gate. „Gate" geht aber nicht, weil das „Gate" auf den Bildschirmtafeln nicht angezeigt wird. Also frage ich am Check-In-Gepäckschalter.

„Wie kein Koffer?" Der ist schon in Taiwan, sage ich artig und denke, was für eine Verschwendung auf mehr als 20 kg Fluggepäck zu verzichten. Alles wird aufgenommen und geprüft. Als ich mich nun auf den Weg mache, höre ich hinter mir, „Herr Luo, Herr Luo!" Der netten, mir hinterherlaufende Dame von der Fluggesellschaft war spät aufgefallen das ich nur ein Hinflugticket habe. Irgendwie hatte ich das alles schon geahnt, als ich meine Ehefrau nötigte mir auch ein E-Ticket auszudrucken. Die beste Ehefrau von Ehefrau meinte, dass sie schon eins ausgedruckt hat, was reicht, und außerdem wäre es sowieso ein E-Ticket, was elektronisches Ticket heißt. Da braucht es kein Papier. Nun war ich froh, das Papier zu haben, um meine Rückkehrwilligkeit nach Deutschland einfach nachweisen zu können. So ist das in dieser Übergangsgesellschaft. Hinter jeden E steckt doch ein Stück Papier.

Knapp war die Zeit zum Umstieg in Hongkong. Aber die Route gefällt mir seit dem Erlebten deutlich besser.

In der Warteschlange vor dem Abflug nach Kaohsiung wurden Tickets und Pässe vorgeprüft. „No visa?", frug die kleine Angestellte. „No visa!", sagte der fast 1,85-cm-Mann aus dem nördlichen Europa. Ich stieg in den Flieger ein.

Die Spannung stieg. Wie werden die Vertreter der Taiwan-Behörden auf den deutschen Nostalgie-Pass reagieren? Laut Internet-Recherche sollte es zunächst ein „Temporary Entry Permit‟ geben. Danach war noch das Konsularbüro in Kaohsiung für ein richtiges Taiwan-Visum aufzusuchen. Und so lief es auch: Zunächst stellte ich mich ordentlich an und zeigte ein unschuldiges Gesicht für die Webcam zur Erfassung der Einreisenden. Vom normalen Kontrollpersonal wurde ich an den letzten Schalter für die Sonderfälle gebeten. Dort wurde wieder alles von einer höheren Beamtin aufgenommen und Chef-Chef musste das ungewöhnliche Dokument bestätigen. Neben dem üblichen Stempel im Pass gab es die vorläufige Einreiseerlaubnis und ein Merkblatt, was noch zu tun ist, um einen „bad report" in Taiwan zu vermeiden.

Eine kleine Verzögerung entstand beim zweiten Abdrücken meiner Fingerabdrücke an eine staatliche Organisation in meinem Leben. Warum nehmen die Totalitaristen nicht gleich meine DNA? Jedenfalls merkte die Mitarbeiterin nach dem dritten Scan-Versuch und der wiederholten Schulung des Einreisewilligen, wie die Finger richtig aufzudrücken sind, dass das High-Tech-Gerät, was dazu dient, Orson Welles alte Visionen endlich in die Wirklichkeit umzusetzen, noch gar nicht eingeschaltet war. Offenbar war ich an dem Tag der erste an diesem Schalter.

Natürlich will ich keinen „bad report" in Taiwan haben, deshalb frugen wir gleich am 2. Januar telefonisch im Konsularbüro an. Das hatte aber einen Brückentag. Bei der späteren Kontaktaufnahme wurde darum gebeten, doch nicht am Abflugtag sein Visum abzuholen. Das wird vermutlich, auch wenn es nicht zum „bad report" führt, als unhöflich und ignorant gegenüber der Staatsmacht angesehen.

Das Konsularbüro ist einem Verwaltungsgebäude in der Nähe des Liebesflusses in Kaohsiung untergebracht. Wie so oft in Verwaltungsdienstellen von Taiwan kam mir wieder der Gedanke an einen quirligen Ameisenhaufen. Trotzdem ging alles schnell und wohlgeordnet. In der Reihe der Schalter gibt es etwa mittig einen für die Ausländerangelegenheiten. Die meisten Besucher waren wohl da, um einen Pass der Republik China zu beantragen oder abzuholen. Die Wartenummer, die ich zog, führte jedenfalls zu prompter Bedienung, also wartete in so einer Angelegenheit niemand vor mir.

Horrende mehr als 60 Euro kostete das direkt entwertete Visa für 30 Tage Aufenthalt, die ich lediglich etwa die Hälfte ausschöpfte. Damit bekäme ich umgerechnet etwa drei Taiwan-Republik-China-Pässe mit geschätzt jeweils 10 Jahren Gültigkeit, wenn ich denn Taiwaner wäre. Wenn das keine Ausländerdiskriminierung ist, wenn das keine Strafe fürs unterlassene Zählen der Gültigkeitstage des eigenen alten Reisepasses ist!

Die erzieherische Wirkung ist eingetreten. Obwohl, das muss ich doch mit Blick auf die repressive Haltung der beiden Regierungen sagen, manchmal kleine Anlässe große Aufstände auslösen können, wie den am 28. Februar 1947, an den heute in Taiwan erinnert wird.

Trotz des hübschen Visums mit aufgedrucktem Bild einer taiwanischen, schelmisch-dreinschauenden Elster werde ich nie, nie wieder einem Online-Check-In-Verfahren vertrauen, immer alle Reisebedingungen auf den Botschaftsseiten und beim Auswärtigen Dienst lesen, auf jeden Bürgermeister innigst einreden, niemals an Brückentagen und schon gar nicht über fast zwei Wochen seine Verwaltung zu schließen.

Im März fliege ich nach Portugal. Das ist zwar ein Schengen-Land, trotzdem beabsichtige ich, wieder meinen grünen, deutschen und noch mehr als 6 Monate gültigen Pass mitzunehmen. Mit dem grünen Pass musste nämlich zeitgleich auch ein roter bestellt werden, es sei denn, man kann ein Rückflugticket vorlegen. Darüber zu diskutieren, hatte ich dann bei der Passausstellung keine Lust mehr, zumal ich sehr froh war, so schnell ein länger gültiges Dokument zu bekommen. Dabei wird der grüne Pass ohnehin ziemlich schnell wieder unbrauchbar sein. Spätestens Ende Mai benötige ich erneut einen neuen, dann den bestellten roten Pass für Taiwan, weil der grüne dann bereits wieder weniger als 6 Monate gültig ist. Zudem fällt mit dem grünen Dokument stets die atemberaubende taiwanische Visagebühr an. Insofern war die Vorbestellung eigentlich unumgänglich.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Formosa verloren, Mütze behalten!

Mit guter Schrift- und Sprachkunde kommt man weiter

Hier kommt noch eine Tierparkgeschichte aus der „Fauna‟ in Solingen-Gräfrath.

Die folgende Szene im Bild macht deutlich, wie wichtig es ist, die Sprache seiner Umwelt zu beherrschen. „Die Geschichte Taiwans‟ von Oskar Weggel, die ich in der Ausgabe von 1991 während der letzten Tage las, führte mich zu der Assoziation, dass der Xiǎo de péng-yǒu‟(小的朋友), der kleine Freund, wie Kinder schon mal in Taiwan genannt werden, in einer ähnlichen Situation steckt, wie die Holländer im Jahr 1661 in Taiwan.

Zunächst sind Weggels Darstellungen der Geschichte Taiwans sehr detailliert und wirklich lesenswert, wenn ich auch nicht allen Thesen folgen kann. Hier wäre zu hinterfragen, ob diese mit unserer Sichtweise im Jahr 2014 noch so gehalten werden können. Ob beispielsweise der Candidius-See, von den Ureinwohnern so getauft wurde, weil die holländischen Missionare so beliebt waren, ist meiner Meinung nach schwer vorstellbar. Mal schauen, was die Menschen vom Stamm der Thao sagen, wenn Luo You sie im kommenden Januar danach befragt.

Rechts steht der Junge, der noch die Mütze aufhat, wie einst die Offiziellen der Vereinigten Ostindischen Companie den Gouverneurshut von Formosa. Diese niederländische Handels- und Militärorganisation beherrschte die Insel von 1624 bis 1662. Links liegt in der Vorstellung das chinesische Festland. Die Lamas symbolisieren das am Handel mit den Holländern interessierte China. Im Tierpark geht es um den Austausch von leckerem Futter gegen Zuwendung. Das Lama, das der fütternden Hand am nächsten ist, ist Armeeführer und Territorialherrscher Zhèng Chéng-Gōng (鄭成功) oder verwestlicht mit seinem Ehrennamen Koxinga ( 國姓爺 oder Guó Xìng Yé).

Koxinga, als Getreuer des untergehenden Ming-Kaiserhofs, stand nach einer militärischen Niederlage auf dem Festland unter Druck. Die angreifenden Mandschu trieben China in der Zeit zur neuen Qing-Dynastie.

Wer lesen und verstehen kann, ist klar im Vorteil. Dieses Wissen haben die alten Holländer auf Taiwan lernen müssen. Hätten sie chinesisch verstehen und lesen können, wäre das Desaster von 1661 / 1662 mit einer erfolgreichen Invasion Koxingas und Vertreibung der Holländer vermutlich so nicht passiert.

Aber die Holländer standen ihrem Übersetzer und Unterhändler He Tingbin (何廷斌) zwar mißtrauisch gegenüber, aber sahen wohl keine Alternative zu ihm.

So konnte He Tingbin (何廷斌) ein doppeltes Spiel treiben. Während er Koxinga suggerierte, dass die Niederlande ihm gegenüber ihre Tributpflicht anerkannten, erklärte er den Holländern, dass die flaue Handelsbeziehung aufgrund der Antipathie gegenüber dem vormaligen Gouverneur entstanden wäre. Dabei nahm er einen extra Handelszoll im Namen der Koxingas neben der niederländischen Abgabe von den chinesischen Schiffen, die Taiwan verließen. Koxinga stelle Tingbin Taiwan als fruchtbares Eiland mit Potenzial darstellte; die Eingeborenen würden nur auf eine Befreiung von den Holländern warten. Die Niederländer hingegen wussten nichts von den Treffen zwischen Tingbin und Koxinga.

Wichtige Dokumente lesen und verstehen zu können, ermöglicht es, sich auf Attacken vorzubereiten, diplomatisch zu reagieren, beziehungsweise eine Verteidigung aufzubauen oder Verstärkung zu holen.

Bei dem Jungen im Tierpark blieb trotz Annäherung an das rebellische Lama die Mütze auf dem Kopf. Hätte er den Hinweis lesen könnte, wäre die Mütze bei den nur wenige Meter entfernt stehenden Eltern der sichere Aufenthaltsort gewesen.

Die Holländer aber verloren die Oberherrschaft über Taiwan für immer. Frühzeitiges Verhandeln und Absichern der Position schied aus, Verstärkung und Nachschub zur Verteidigung kam nicht mehr an.

Vielleicht ist es auch deshalb für Taiwan und die Taiwaner so wichtig, Sprachen früh zu lernen, im Ausland zu studieren und sich international zu öffnen. Keine mangelhafte oder ausgebliebene Kommunikation soll dazu führen, dass die Insel wieder verloren geht.

Montag, 15. Dezember 2014

MIT

Made In Taiwan

Gestern wurde beim Sonntagsausflug nach Solingen Swinhoes Fasan (Lophura swinhoii, in Solingen auch Hierophasis swinhoii genannt) im Tierpark „Fauna‟ (wieder-) entdeckt. Auf Taiwan selber sollen von der endemischen Art noch etwa 10.000 dieser Waldvögel leben.

Entdeckungen im 21.Jahrhundert: Lebensformen „made in Taiwan‟ in Solingen - Während sich unter den Mützen die beste Ehefrau von allen und eine unserer Nichten verbirgt, befinden sich hinter dem Maschendraht des Käfigs zwei Pärchen des Swinhoe-Fasans. Ob es auch außerhalb ihres Habitats in den Wäldern Taiwans und dem ungemütlichen deutschen Klima Nachwuchs geben kann?

Erstmals - zumindest für die Zoologische Gesellschaft von London - fand der britische Naturforscher Robert Swinhoe auf Taiwan 1862 die Art. Vogelkundler John Gould führte die Art 1863 in seinem siebenbändigen Werk „Birds Of Asia‟

Swinhoe besuchte im Zeitraum ab dem Jahr 1856 mehrmals Taiwan. 1860 wurde er der erste europäische Konsul auf Formosa. Fleißig sammelte der Naturforscher in seinen Jahren in Ostasien und beschrieb die Arten vornehmlich als Vogelkundler. Swinhoe musste 1875 wegen seiner Gesundheit China verlassen. Zwei Jahre später verstarb er im Alter von 41 Jahren.

Beschreibung am Käfig – Offenbar verträgt sich der Fasan friedlich mit Vogelarten aus Afrika und Amerika auf kleiner Fläche.

Die ersten Blaufasane soll Konsul Swinhoe 1866 nach Europa gebracht haben. Interessant ist, das in der Quelle „www.ziergefluegel.com‟ nur ein Vogel genannt ist, mit dem es ein Jahr später zur Nachzucht von 12 Jungvögeln kam.

Sicher ist davon auszugehen, dass Swinhoe weder die Art als erster Mensch entdeckt oder gefunden hat. Es sollte davon auszugehen sein, das er auf unheimische Zuarbeiter angewiesen war. Der Blaubauchfasan (藍腹鷴 oder Lán Fù Xián), so der chinesische Name des Vogels, dürfte den Menschen in China und auf Taiwan seit Jahrhunderten bekannt sein. Aber so ist nun einmal das westlich-imperialistische Denken: Ignorieren, wegnehmen und bestimmen. Warum heißt der Vogel Swinhoefasan und nicht Lanfuxian? Swinhoe, ein Jüngling in seinen Zwanzigern, der in eine gutausgestattete britische Familie hineingeboren wurde und einige wenige Jahre in Taiwan war, beschreibt einem einflußreichen Ornithologen in England einen Vogel, den er gesehen und wohl auch gefangen hat. Und „Bums‟ hat das Viech seinen Namen weg!

Montag, 11. August 2014

Der große Nachtmarkt

Cranger Kirmes 2014

Ein echter Wanne-Eickeler ist jedes Jahr auf der Cranger Kirmes zu finden. Zwar gehören wir Wanne-Eickeler zu einer aussterbenden Gattung, denn nach der Eingemeindung werden nur noch Pass-Herner in den Grenzen der am 31.12.1974 untergegangenen Stadt geboren. Dennoch ist das Bewusstsein als Wanne-Eickeler etwas Besonderes zu sein immer noch wach.

Trotz der anfänglichen Abneigung des früheren Politiklehrers und heutigen Oberbürgermeisters hat es sich durchgesetzt: WAN für Wanne-Eickel als Autokennzeichen ist zurück und erfreut sich neuer Beliebheit.

Also gehörte es auch zum Pflichtprogramm für die Nichten den drittgrößten „Nachtmarkt“ Deutschlands zu besuchen. Größere Volksfeste sind nur das Oktoberfest in München und die Canstatter Wasen in Stuttgart. Für das Wort „Kirmes“ haben wir übrigens noch keine passende Übersetzung gefunden, was Wörterbücher und LEO anbieten, trifft die Sache nie so richtig.

Funkelnde Lichter, tolle Fahrgeschäfte, eine Vielzahl an Verkaufsständen, die klrmesübliche Geräuschkulisse, halten beim etwa vierstündigen Rundgang das Interesse und die Neugier wach.

Hinzu kommen unterschiedlichste Menschentypen, die gesehen werden wollen oder gerne an der riesigen Zusammenkunft teilhaben. Entsteht für die Besucher aus Asien schon mal der Eindruck, dass Deutschland ein dünn besiedeltes Land ist, so kann dieses Vorurteil auf dem Jahrmarkt korrigiert werden. Bei der Menge an Menschen, visuellen und akustischen Reizen fühlen sich augenscheinlich die Taiwaner so wohl wie beim Samstagsbesuch von IKEA zur Hauptgeschäftszeit.

Sogar die rasanten Fahrgeschäfte wurden von einer Nichte angenommen, um auf der gigantischen Achterbahn „Alpina“ ihre Magenfestigkeit zu testen.

Die Frage, ob in Taiwan dazu genauso Gelegenheit bestehen würde, konnte ich nicht abschließend klären. Jedenfalls ist mein Vertrauen in den TÜV und die Bauaufsicht angesichts der seltenen Unfälle, die meistens durch Unachtsamkeit oder Mißachtung der Gefahr geschehen, groß genug, um keine Einwände zu haben, sich auch wieder einmal in eine deutsche Achterbahn hereinzusetzen, wenn nicht der Bluthochdruck wäre. In Taiwan wäre ich angesichts der Risikoerwartung deutlich zurückhaltender. Recht schnell, eigentlich nach Sekunden, war der Spass durch die Kurven der Bahn zu schießen für die Nichte auch schon vorbei.

Hinter den beeindruckenden und blendenden Kulissen, kommt im Innersten der Taiwaner dann doch etwas Enttäuschung auf. Zwar gibt es reichlich Verkaufsstände, aber was bieten die Buden an? Bier, Brezeln, Bratwurst, Cola und Co., Currywurst mit Pommes, Champignons, Schweinesteaks, Backfisch schränken die kulinarischen Genüsse im Vergleich zu Taiwans Nachtmärkten, die sogar Touristen aus der Volksrepublik China anlocken, merklich ein.

Weder Entenzungen noch Hühnerhintern lassen sich auf der deutschen Kirmes finden. Das „High Light“ ist dann der geflämmte Lachs aus Skandinavien, der im Brötchen oder Plastikschälchen angeboten wird.

Den traditionellen Abschluss bildet das Kirmeseis, die vermutlich schlechteste Eiscreme, die Deutschland angesichts einer Vielzahl italienischer Eiscafés und deren Eiskunst zu bieten hat, obwohl festzustellen ist, dass sich die Qualität von Kirmeseis seit meiner Kindheit gesteigert hat. War es früher reines Softeis, das nach der Aushändigung über alle Finger der Hand zerlief, so gibt es heute eine Grundlage aus verschiedenen wählbaren Sorten von Milchspeiseeis, wie etwa Vanille, Ananas oder Schokolade. Dieser Kern erhöht die Stabilität der kühlen Füllung im Hörnchen. Außerdem ist ein Überzug aus flüssiger Schokolade im Preis, für den der es mag, inbegriffen. Der legt sich ausgehärtet als Kruste um das Eis und sorgt nicht nur so für einen Knuspergenuß sondern auch für mehr Halt bei der immer noch schnell schmelzenden äußeren, soften Eismasse.

Nutella-Crepes als Alternative zum Kirmeseis. Quer durch die Generation der Nichten und Neffen scheint der Wandel in der chinesisch-taiwanischen Kultur von der Negation der Schokolade zum Schokofan zu verlaufen. Extrem: Eine der Nichten belegte ihr Frühstücksbrötchen mit Nutella und darauf Schwarzwälder Schinken. Populär sind Sandwiches in Taiwan mit geschichteten Belägen. Wer also Taiwaner zu Besuch hat sollte ihnen zum Frühstück kombinierbare Brotbeläge anbieten, wie Thunfischpaste, Eieromelett, Eisbergsalat, Tomaten, Salatgurkenscheiben mit Pfeffer, Gouda und Schinken. Kochschinken wurde nicht nachgefragt. Butter und Margarine sind als „Fettkleber‟ zwischen Brot und Belag belanglos. Mayonaise ist beliebter. Quark und Frischkäse sind relativ unbekannt.

Im Gegensatz zu Kindertagen scheint nicht nur Luo You als Konsument auf der Kirmes vernünftiger geworden zu sein. Offenbar haben sich auch die deutsche Hygienetechnik und vorbeugende Maßnahmen so weit entwickelt, dass Vorfälle, von denen etwa durch Fu Ludigel aus Taiwan berichtet wird, nahezu unbekannt sind, es sei denn man treibt es selber durch die Einnahme heiß-kalter Mischungen auf die Spitze.

Samstag, 9. August 2014

China Öl ohne Ende

Wahre und falsche Thesen

Was wünschen sich Taiwaner als Geschenk von Besuchern aus Deutschland: China Öl!

Eine Arbeitskollegin, die ihre Tochter an einem sommerlichen Austauschprogramm ins Ausland für Schüler teilnehmen ließ, berichtete dies nach ihrer Rückkehr aus dem Sommerurlaub. Von den Ländern, die für ihre Tochter in Frage kamen, blieb zunächst nur Taiwan übrig. Deshalb ging die Tochter dorthin. Die attrativeren Orte, wie etwa England, Australien oder die USA, waren ausgebucht. Die anderen Wahlmöglichkeiten lagen schon an der Grenze zu Schurkenstaaten oder galten als Sicherheitsrisiko für das Mädchen im Alter kurz vor der Volljährigkeit.

Falsch ist übrigens die von der Arbeitskollegin geäußerte These, dass China Öl deshalb so begehrt ist, weil es als eine Art Wunderdroge gilt, die den Taiwaner hilft, den harten Alltag sowie den Lern- und Leistungsdruck zu ertragen. Vielmehr wirkt China Öl im heißen subtropischen Klima als erfrischend und kühlend beim Auftrag auf Stirn und Haut. Deshalb wird es als angenehm empfunden und gerne nachgefragt.

Nun ist die Tochter in Taipei und sitzt dort im chinesischsprachigen Schulunterricht von morgens bis nachmittags um 5. Eigentlich sollte es ja der Sommerurlaub für sie sein, so dass jetzt die Eltern intervenierten und bei der Agentur zur Programmänderung aufforderten.

Im Museum für Geschichte von Kaohsiung, April 2007: In einer Ausstellung zum Jubiläum eines der Gymnasien der Stadt wird der unbedachte Urlauber schnell in die Rolle und Uniform eines gepeinigten Taiwan-Schülers gepresst.

Währenddessen bereiten sich hier die Nichten langsam auf den Rückflug vor. Dabei hat sich bewahrheitet, dass China Öl nur in haushaltsüblichen Mengen abgegeben wird. Dies hat den Zeitplan etwas durcheinander gewirbelt. Die Versandapothek hatte zwar direkt die Bestellmenge per Email bestätigt. Geliefert wurde aber nur die haushaltsübliche Menge, was nach deren Interpretation 10 Fläschchen sind. Dies hat uns zwei Tage gekostet. Schweinerei! Folglich musste in kleinen Chargen durch Familienangehörige, Verwandte und Freunde nachbestellt werden. Die Zielmenge wurde aber noch nicht erreicht.

Korrekturvermerk auf das Rechnung, aber Akzeptanz bei der Bestellbestätigung. Zwar gibt es in den AGB den Hinweis auf die haushaltsüblichen Mengen, das wird aber nicht konkretisiert. Die Klausel fand sich in allen AGB von Versandapotheken, die wir angeklickt hatten. Dabei sind in Asien die Haushalte größer und die sozialen Netzwerk umfangreicher, so dass hier aufgrund der sozialen Verpflichtungen, Geschenke für Freunde und Gäste, ganz andere Mengen benötigt und haushaltsüblich sein sollten.

Erst mit dem Öffnen des Paketes sehen Besteller oder Bestellerin, was die Versandapotheke selber unter haushaltsüblichen Mengen versteht. Dies ist meines Erachtens nicht okay. Und was soll das Ganze, wenn am Ende doch durch gesplittete Bestellungen, die gleiche Menge – versandkostenfrei übrigens - erreicht werden kann? Die sollen doch froh sein, dass sie soviel von dem Zeug verkaufen können.

Der Karton für den Versand füllt sich: China Öl „Made in Germany‟ für Taiwan

Nachdem die ersten Flaschen eintrafen konnte Luo You sie genauer in Augenschein nehmen. Tatsächlich ist auf dem Glas der Flaschen in erhabenen chinesischen Zeichen 中油中, jeweils auf Vorder- und Rückseite.

Da lag die Apotheke in Heidelberg gar nicht so falsch. Nur ist das eben nicht der Name unter dem das China Öl als déguó bǎilíng yóu (德國百靈油) in Taiwan beworben wird.

Dienstag, 5. August 2014

Risiko

Ist Taiwan gefährlich?

Diese Frage stellt sich verstärkt nach den Gasexplosionen in Kaohsiung (高雄) am 31. Juli 2014, wozu Aris Teon weiterführende Links in seinem Blog zusammengestellt hat. Das Unglück fand in einem relativ innenstadtnahen, dicht bebauten Stadtgebiet mit gemischter Nutzung statt. Verwandte, Freunde von mir und ich nahmen Anteil an dem Schicksal der vielen Menschen, die ums Leben gekommen sind, und deren Familien.

Natürlich gibt es überall auf diesem Planeten ein allgemeines Lebensrisiko, verletzt zu werden oder uns Leben zu kommen. Aber im Vergleich zu Deutschland dürfte das Risiko in Taiwan, Opfer eines Verkehrs- und Industrieunfall zu werden, ein Vielfaches höher liegen. Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen.

Zunächst einmal ist die Insel Taiwan von den naturräumlichen Bedingungen mit saisonalen Taifunen, subtropischen Stürmen, Regenfällen und Erdrutschen ganz anders aufgestellt als Mitteleuropa. Eine geologisch instabile Situation an zwei tektonischen Platten kann zu unvorhersehbaren Erdbeben mit erheblichen Auswirkungen führen.

Kaohsiungs Süden – Wohnen zwischen vernetzten Industriebetrieben und Umschlaganlagen für alle möglichen Güter am Hafen. Ungeahnte Risiken stecken im dicht bebauten Stadtgebiet.

Dann gibt es auch sozio-ökonomische Differenzen. Das rasche Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahrzehnte, die wesentlich höhere Nutzungsdichten und eine stärkere Toleranz bei Umwelt-und Sicherheitsfragen zu Gunsten einer raschen ökonomischen Entwicklung haben ihren Preis, der zum Teil erst später bezahlt werden muss. Ob angesichts der zur Verfügung stehenden großen Ressource an Menschen das einzelne Leben von geringerer Bedeutung im chinesischen Kulturkreis ist, damit geringere Sicherstandards gefordert und größere Toleranzen zugelassen werden, wäre zu diskutieren.

Erfährt der Leser von der geringen Höhe der Entschädigung für die Angehörigen der Todesopfer anlässlich des Flugabsturzes auf den Penghu-Inseln am 23. Juli 2014, sieht er sich in dieser Vermutung bestätigt.

Kritische Wetterlagen können Flüge zu risikoreichen Abenteuern machen – Dornier 228 in Lan Yu, der Orchideeninsel, kurz vor dem Rückflug nach Taidong im Dezember 2006. Diese Strecke war sicherlich aufgrund des starken Windes das gefährlichste Flugerlebnis meines Lebens.

Immerhin ist festzustellen ist, dass mit jedem Unglück das Bewusstsein und der öffentliche Druck wachsen, Verbesserungen für die Sicherheit des Einzelnen zu erreichen. Dabei ist davon auszugehen, dass sich die Standards weltweit stärker annähern werden.

Alte Pipelines werden erfasst, stärker kontrolliert und in Notfallplänen aufgenommen. Bei Fluggesellschaften entsteht mehr Bewusstsein für die Gefahren aus Krisengebieten. Ich habe mich schon immer unwohl gefühlt über Afghanistan zu fliegen. Schlechtwettersituationen sollten kritischer bewertet werden. Hier ist bei mir als Passagier mehr Bewusstsein entstanden, besser einen Tag später bei ruhiger Wetterlage zum Flughafen zurückzukehren als am Flugsteig wartend den erstmöglichen Flieger im Sturm zu nehmen.

Spiel mit dem Atommüll – Versuch einer Senkung des öffentlichen Risikobewusstseins im Atomkraftwerk von Hengchun (恆春), Ausstellungssaal.

Aber auch in Deutschland ist nicht alles im Reinen. Die Konflikte zwischen Wirtschaftsinteressen und der Besorgnis einer potenziell betroffenen Öffentlichkeit, sei es bei Pipeline-Verlegungen oder gegen eine weitere nukleare Nutzung und deren Entsorgung, bestehen auch hier.

Störfallbetriebe, wo giftige und gesundheitsschädliche Substanzen oder Strahlungen austreten können, nahe an Wohngebieten und öffentlichen Nutzungen, gibt es auch im entindustriealisierten Deutschland noch in großer Zahl. Es wird solche Situation voraussichtlich noch über eine sehr lange Zeit geben. Selbst mit allen erdenklichen Maßnahmen, so sagen es Experten aus den zuständigen Behörden, wird es nie gelingen, das Risiko eines Unfalls völlig auszuschließen. Da sollten sich auch die Deutschen nichts vormachen.

Was läuft eigentlich durch die Produktenpipelines aus den 1970er Jahren hinter meinem Elternhaus im Ruhrgebiet?

Montag, 4. August 2014

Noch mehr China Öl

Vorsicht Zollkontrolle!

Das Foto der Verkaufstelle von China Öl (中油) in Heidelberg hat mich jetzt erreicht, so dass ich es gerne mit Bezug auf den letzten Beitrag einstelle.

Die Apotheke in Heidelberg ist sicher eine gute Gelegenheit für den rundreisenden Deutschland- oder Europatouristen sich schnell mit dem deutschen Original-China-Öl déguó bǎilíng yóu (德國百靈油) einzudecken.

Ein „Eye Catcher“ für taiwan-asiatische Augen sind sicher die gelben Enten, die vielleicht unbeabsichtigt an die Kunstaktion von Florentijin Hofmann in Taiwan 2013 erinnern.

Meine Frau berichtete, dass in chinesischsprachigen in Foren ein lebhafter Erfahrungsaustausch stattfindet, wo die besten und preisgünstigsten Bezugsquellen für Chinaöl in Deutschland sind. Da gibt es sogar Berichte, dass angeblich einige Händler den Verkauf quasi auf haushaltsübliche Mengen, also 2 Fläschchen sollen es sein, je Kunden limitiert haben.

Jedenfalls hat die Tante die Online-Bestellung für die Nichten abgewickelt, so dass der Schwager in Taiwan versorgt werden kann, um seine Freunde, Kunden und Geschäftspartner zu beschenken. Über die beachtliche Höhe der Bestellung soll Stillschweigen gewahrt werden. Es geht auch das Gerücht herum, dass der taiwanische Zoll schärfer kontrolliert, um begehrte Importwaren, wie deutsches China-Öl, aufzuspüren und der gerechten Besteuerung zuzuführen. Um so mehr, sollte es hier keine nachvollziehbaren Hinweise auf den „Deal“ geben.

Wieder eine tolle interkontinentale Geschäftsidee, zu der die Entwickler nur zu beglückwünschen sind. Warum hat meine liebe Frau oder Verwandtschaft nicht einmal so einen guten Einfall, was billig aus Deutschland zu exportieren und in Taiwan zu Top-Preisen verkauft werden kann. Will denn keiner Onkel und Ehemann zum Frühruhestand mit 50 verhelfen? Noch Geschäftsanteile im China-Öl-Geschäft zu erwerben, lohnt sich bestimmt nicht, denn der schon etwas beängstigende „Hype“ kann ein schnelles Ende nehmen. Aber wie wäre es mit der Investition in eine taiwanische Oliginal-Deutsch-Malzbier-Fabrik?

Donnerstag, 31. Juli 2014

China Petrol in Heidelberg

Nichten auf Reisen

„Taiwan rules“ während der Sommerferien in Deutschland. Neben Freundinnen meiner Frau besuchen uns auch zwei Nichten, die sich jetzt auf Rundreise durch Deutschlands kulturell ansprechenden Süden befinden.

Vor einer Apotheke in Heidelberg kam die Frage auf, warum dort chinesisches Benzin von China Petrol (CPC) verkauft wird.

Abendstimmung an der Tankstelle von China Petrol in Kenting – nicht in Heidelberg.

Nein, es handelt sich nicht um den Einstieg der taiwanischen Mineralölfirma CPC in den deutschen Markt und deren „Start Up“ durch Kleinmengenverkauf in Apotheken, so wie zu den Anfangszeiten der Automobile. Es war schlicht ein Schreibfehler in ungelenker Handschrift vermutlich eines deutschen Studenten der chinesischen Sprache. Verkauft werden soll in der Apotheke das bekannte China-Öl an die vielen asiatischen Touristen, die durch die malerische Altstadt Heidelbergs streifen. Die den Asiaten bekannte Flasche stand neben dem Hinweisschild im Schaufenster.

Nur heißt das eben nicht chinesisches Petroleum zhōng yóu (中油), sondern besser déguó bǎilíng yóu (德國百靈油).

Eine kurze Internet-Recherche, der Blick in die einschlägigen Blogs und LEO sowie der Ausdruck der Zeichen über den PC hätte hier für mehr Professionalität gesorgt. Aber so bleibt vielleicht sogar der charmante Eindruck des „Man spricht deutsh“ in Heidelberg, das Bemühen um die ausländischen Gäste und die Freundlichkeit ihnen begehrte Produkte nahe zu bringen.

Samstag, 31. Mai 2014

Nachschlag zum Wahlmonat Mai

Variationen

Das wird nichts mehr mit dieser Menschheit. Luo You lässt resigniert den Kopf sinken.

Ist noch etwas zu retten, wenn eine geborene Herzogin von Oldenburg und andere merkwürdige Menschen in das Europaparlament einziehen? Übrigens, warum sollte es europafeindlich sein, wenn Frau von Storch statt Herrn van Rompuy sagt, dass der Unterschied zwischen dem Europaparlament und denen,die wirklich entscheiden, den Bürgern sehr klar ist? Für mich ist die Frage, was will die Frau im Europaparlament, wenn es dort nichts wirklich zu entscheiden gibt? Ob das Salär und die Chance, mehr Mitarbeiter zur Durchsetzung der eigenen Ziele zu beschäftigen, eine Rolle spielen?

Und wer entscheidet wirklich in unserem demokratischen System? An dieser Stelle wird es sicherlich unterschiedliche Auffassungen geben zwischen Herrn van Rompuy, den Vertretern der Volkspartei AfD und meiner Person.

Bei all der Resignation kommt wieder ein wenig kindliche Freude auf, wenn das, was uns zur Durchsetzung ganz privater Interessen beeinflussen will, kreativ verfremdet und anarchisch zerstört wird.

Bevor alle Plakatträger verschwunden sind, sollten einige interessante Ideen hier einen Wiederhall finden. Irgendwo im Ruhrgebiet warben noch am vergangenen Donnerstag Frau Merkel und Herr Schulz für ihre Vereinigungen.

Frau Merkel gab es schon einmal anders. Mit Stolz auf ihr Reich Europa und Hitlerbärtchen präsentierte sie sich – hier im Blog digital nachgestellt - an einer Autobahnauffahrt in der Nähe des Düsseldorfer Flughafens. Die kleinen Veränderungen erinnern an griechische Vorbilder zur Darstellung der deutschen Kanzlerin.

Bei Herrn Schulz weiten sich angesichts dieser europäischen Perspektiven nur bunt die Pupillen. Das Vorbild dazu stand am Düsseldorfer Hauptbahnhof.

Treffender hinsichtlich der politischen und ökonomischen Ausrichtung von Frau Merkel und der CDU ist sicherlich das „Einsam reich in Europa‟.

Was sich alles so im Briefkasten ansammelt! Eine coole Gesichtstätowierung aus dem Film der „Hangover 2‟, den ich vergangene Woche gerne wieder gesehen habe, im Stil von Mike Tyson könnte dem einen oder anderen Kandidaten wirklich gut stehen und ihn unvergesslich machen.