12 Jahre Reisen in Taiwan - 12 Years Of Travel in Taiwan
Für viele Menschen ist Taipei Eingangstor zu Taiwan. Für mich war es der Endpunkt meines Urlaub 2001 auf der Insel. Das war gut so. Ging es zunächst vom sonnigen Kaohsiung quer durch den Süden, dann durch das überwiegend ländliche „Eastern Rift Valley“ nach Norden, so konnte ich die stressigere Hauptstadt entspannt und offen für ihre vielen Attraktionen erreichen.
Moloch Taipei - Hier der Blick aus einem der Zimmer in der Jugendherberge von Taipei. Wie eine alles verschlingende Macht hat die Großstadt den Kessel eingenommen, der zwischen den Ausläufern des Xueshan-Gebirges oder der Schneeberge im Süden und Osten, dem Yangminshan-Bergen im Norden und dem Tafelland von Linkou im Westen befindet. Und die vom Menschen gebaute Häßlichkeit dehnt sich weiter nach Südwesten in den Kreis Taoyuan, nach Südosten durch den Xueshan-Tunnel ins Ilan-Delta aus.
Sämtliche meiner Aufenthalte auch in späteren Jahren in Taipei waren interessant und haben den Blick auf neue Dinge ermöglicht, aber sie waren auch stets belastend und stressig. Das betraf nicht nur das eigene Wohlbefinden, sondern auch die mitmenschliche Harmonie. Also, das heißt, wenn es Krach und Unstimmigkeiten gab, dann meistens in Taipei.
TaiChi zur Erhaltung der Gesundheit in einem stressigen Umfeld - Eine Gruppe mit ihrem Lehrer praktiziert früh morgens an der Konzerthalle von Taipei.
Besuch im Long Shan Tempel - Auch Religion kann helfen, die Ferne der Großstadt von der eigenen Natur zu bewältigen. An dem stark besuchten Sakralort begegnete mir die chinesische Göttertriade Fu. Lu und Shou, die ich sofort mit den heiligen drei Königen aus dem Morgenland des christlichen Glaubens assoziierte. Deren Segen durfte und konnte ich direkt unter ihnen erbitten. Die Toleranz der asiatischen Religionen ist im Vergleich zum Islam und Christentum grandios.
Natürlich gehörte zum Programm des erfahrungsfreien Touristen Asiens auch der Besuch einer chinesischen Oper im „National Taiwan Junior College of Performing Arts“. Die Schule ermöglichte die zeitlich angemessenene und für den Ausländer gewiss entschärfte Darstellung dieser traditionellen Darbietung. Eine modellhafte Nachbildung der Theatermasken, die ich dort erworben habe, zählt heute noch zum Inhalt meiner Kuriositätenkiste.
Kuriositätenkisten vom Feinsten oder in Englisch geschrieben „curio boxes“ gab es dann im Neuen Palast Museum. Die riesige Sammlung der besten chinesischen Kunst aus Jahrtausenden ist ein unermesslicher Schatz. Glücklicherweise ist es gelungen, diesen auch in den Kriegszeiten zu sichern und dem kommunistischen System mit seinen Ausfällen, wie der Kulturrevolution, vorzuenthalten.
Während die Weihnachts- und Neujahrszeit quasi mit dem Drei-Königstag abschließt, stellt in Taiwan das Laternenfest den Schluss der Neujahrszeit dar. Für das nationale Fest in Taiwan 2001 war der Platz um die die Chiang-Kai-Shek-Gedächtnishalle geschmückt.
Am 14. Februar 2001 startete mein Rückflug über Amsterdam nach Deutschland. Als wir in den ersten Tagen meines Aufenthaltes einen Nachtmarkt in Kaohsiung besuchten, traf ich überraschend beim Auslöffeln Nachspeise aus süßen Bohnen auf einen jungen deutschen Ingenieur. Er war dort mit seiner taiwanischen Ehefrau. Mich wunderte damals, dass sie in Englisch miteinander redeten. „Ja“, sagt ich zu meiner Begleiterin, „Wie kann das sein? Da leben sie so lange zusammen, haben geheiratet und kommunizieren weder in Chinesisch noch in Deutsch, sondern immer noch in Englisch als einer dritten Sprache.“ Mit der Begleiterin von damals bin ich heute verheiratet und unsere gemeinsame Sprache, in der wir fast alles bereden, ist Englisch. Ich konnte es nicht vorhersehen.
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Samstag, 16. Februar 2013
Freitag, 15. Februar 2013
Das Dutzend ist voll - Teil 2
12 Jahre Reisen in Taiwan - 12 Years Of Travel in Taiwan
Nachdem der rheinische Karneval und die chinesischen Neujahrstage zu Ende gegangen sind, ist wieder Gelegenheit in der Vergangenheit zu schwelgen. Genau wie 2013 fiel auch 2001 in das Jahr der Schlange entsprechend dem zwölfjährigen chinesischen Tierkreis. Auf den Tag genau ist es 12 Jahre her, dass ich meinen Fuß wieder auf deutschen Boden setzte. Der Rückflug startete damals von Taipei.
Beregneter Rollrasen mit Reispflänzchen, die darauf warten mechanisch auf den Feldern des östlichen Grabentals von Taiwan zum Jahresanfang 2001 gesetzt zu werden.
Stand im Mittelpunkt des ersten Teils der Reiseschilderung der Weg in Südtaiwan vom Westen in den Osten der Insel, so geht es in diesmal um die Fahrt durch Osttaiwan nach Taipei. Zwischen Chihshan und der Hauptstadt im Norden lagen im zweiten Abschnitt meiner Jungfernreise durch Taiwan als wesentliche Stationen: Loshan-Wasserfall - Yuli - Am Xiuguluan Fluss bei Rueisuei – Hualien – Lin Tien Shan - Tianhsiang im Taroko Nationalpark – Seeklippen - Luodong und Ilan – Taipei.
Blick vom Lo-Shan-Wasserfall zurück ins Grabental, dem „East Rift Valley“ (花東縱谷). Zur Begeisterung meiner Begleiterinnen lernte ich bei der Anfahrt zu dem Ort das schwierige chinesische Wort pùbù (瀑布) in perfekter Aussprache. So sind sie halt zu den Auswärtigen, immer höflich und meistens voll des Lobes. Da gibt es für die Deutschsprachigen sicherlich ganz andere schwer zu überwindende Hürden im Chinesischen als diese einfache Silbenkombination mit Vokalen und Konsonanten, die uns nicht besonders fremd sind, sowie zwei fallenden Tönen.
Karaoke in Yuli - Für Taiwaner sind regelmäßige warme (!) Mahlzeiten extrem wichtig. Beim folgenden Gegenbesuch habe ich versäumt bei der Reiseplanung darauf zu achten. Dies war ein ganz übler Fehler. In Taiwan jedenfalls führte uns der Mittagsstop an diesem Tag nach Yuli, einem verschlafenen Nest etwa in der Mitte zwischen Taidong und Hualien. In dem zur späteren Mittagszeit wenig besuchten Restaurant kam schnell die Aufforderung zum Karaoke. Dabei empfand ich mehr als die Lieder von Elvis Presley im Duett mit einer anderen, mir bis dahin unbekannten Restaurantbesucherin durchaus anziehend.
Kurz vor Rueisuei kreuzt die Haupstraße den Xiugulan-Fluss. Hier befindet sich das beliebte „Xiuguluan River Rafting Service Center“, das ich allerdings immer nur wie ausgestorben erlebt habe. Der Xiugulan-Fluss durchbricht hier das Küstengebirge und bietet auf diesem Abschnitt die Möglichkeit zu Wildwasserfahrten.
Reiseziel zum Ende dieses Tages war die Übernachtungsmöglichkeit in Hualien. Über Beziehungen konnten wir im Gästehaus eines staatlichen Instituts übernachten. Leider stand offenbar das durchaus ansehnliche Gebäude kurz vor notwendigen Desinsektifizierung, so dass ich mein Zimmer mit der vermutlich größten Spinne meines Lebens teilen musste. Der Zimmergenosse hatte vermutlich bereits alle Kakerlaken verspeist, aber leider noch nicht alle Mücken, die sich dort eingeschlichen hatten. Die ließen mich nicht schlafen, so dass ich eine Fotosession mit der Spinne startete.
Der Taiwan-Reiseführer von Werner Lips, der mir in der fremden Kultur bei vielen Themen weiter half, auch wenn er auch die in Taiwan nicht benutzten vereinfachte chinesische Schriftzeichen angab und sonst in der frühen Auflage einige Fehler hatte, beruhigte mich wenig. Da gab es so Weisheiten wie: Je größer die Spalte unter der Tür, desto größere die Tiere, die hereinkommen. Und die der Türspalt war riesig in diesem Raum. Oder, dass Spinnen gerne bei ihren nächtlichen Jagden über die Gäste laufen. Dies sei aber nicht so schlimm, da sie meistens ungiftig wären. Bei den Wort „meistens“ stutzte ich. Auf jeden Fall blieben wir dort nur für eine Übernachtung, da auch andere Zimmer durch Ameisen und anderes Getier belebter waren.
Am nächsten Morgen ging es zunächst einige Kilometer zurück nach Lin Tien Shan (林田山). Es handelt sich hier um eine alte Holzfällersiedlung aus der japanischen Kolonialzeit Taiwans. Neben alter Holzgebäude in japanischer Architektursprache waren auch die Reste einer Waldeisenbahn zu sehen, die der Ausbeutung der Bergwälder diente. Die anwesenden Forstwächter informierten gerne und umfassend in einer kleinen Ausstellung über die Geschichte der Siedlung und die Holzarten, die dort genutzt wurden. Alles wirkte sehr ursprünglich. Die verfallenden Anlagen gaben dem Ort ein hohes Maß an Authentizität. Leider brannte Lin Tien Shan einige Monate später ab. Mittlerweile ist es wieder aufgebaut, aber viel „perfekter“ und etwas touristischer geworden.
Die „National Dong Hwa University“ nutzten wir zum Mittagessen. Sie war eine Gründung im nicht so stark entwickelten Osten Taiwans, die mich stark an die Kette der neuen Universitäten im Ruhrgebiet aus den 1960er Jahren erinnerte. Auch hier ging es darum, den regionalen Strukturwandel zu fördern. Vielleicht kam mir dieser Gedanke auch deshalb, weil das Mensaessen in Taiwan den gleichen typischen Beigeschmack hatte wie in Deutschland.
Ansonsten genossen wir die Vielzahl an guten Restaurants in Hualien. Im Gedächtnis haften geblieben sind auch die dampfenden Frühstückslokale mit ihren gefüllten Baotze, eine Art luftiger Germknödel, und anderen Köstlichkeiten. Hualien war auch der Ausgangspunkt für die Fahrt durch die eindrucksvolle Taroko Schlucht.
Blick von der Pagode oberhalb von Tienhsiang auf den Ort - Wir übernachteten am Ende der Schlucht in Tienhsiang, wo uns die Jugendherberge einen angenehmen Aufenthalt ermöglichte.
Es ging weiter dann nach Norden entlang der Seeklippen bis zur Ebene des Ilan-Deltas.
Touristisches Ziel im Gebiet von Ilan und Luodong waren neben einigen außergewöhnlichen Restaurants der damals neu errichtete Luódōng Sports Park
Da es 2001 noch keinen Autobahntunnel gab, führte der Weg nach Taipei über die Fernstraße Nr. 9 durch die Berge. Beim Blick zurück reflektierten die Reisfelder in der Ilan-Ebene das Sonnenlicht, ein Platz, wo auch der letzte Maure Granadas hätte seufzen können. Es ist wirklich zu bedauern, dass mit dem Tunnelbau und der damit besseren Erreichbarkeit von der Hauptstadt Taipei eine noch stärkere Zersiedlung eingesetzt hat und die traditionelle Landnutzung zurückgeht. Aber wenn es schon im kulturgeladenen Spanien so gruselig aussieht, warum soll es im jungen Taiwan besser sein.
Nachdem der rheinische Karneval und die chinesischen Neujahrstage zu Ende gegangen sind, ist wieder Gelegenheit in der Vergangenheit zu schwelgen. Genau wie 2013 fiel auch 2001 in das Jahr der Schlange entsprechend dem zwölfjährigen chinesischen Tierkreis. Auf den Tag genau ist es 12 Jahre her, dass ich meinen Fuß wieder auf deutschen Boden setzte. Der Rückflug startete damals von Taipei.
Beregneter Rollrasen mit Reispflänzchen, die darauf warten mechanisch auf den Feldern des östlichen Grabentals von Taiwan zum Jahresanfang 2001 gesetzt zu werden.
Stand im Mittelpunkt des ersten Teils der Reiseschilderung der Weg in Südtaiwan vom Westen in den Osten der Insel, so geht es in diesmal um die Fahrt durch Osttaiwan nach Taipei. Zwischen Chihshan und der Hauptstadt im Norden lagen im zweiten Abschnitt meiner Jungfernreise durch Taiwan als wesentliche Stationen: Loshan-Wasserfall - Yuli - Am Xiuguluan Fluss bei Rueisuei – Hualien – Lin Tien Shan - Tianhsiang im Taroko Nationalpark – Seeklippen - Luodong und Ilan – Taipei.
Blick vom Lo-Shan-Wasserfall zurück ins Grabental, dem „East Rift Valley“ (花東縱谷). Zur Begeisterung meiner Begleiterinnen lernte ich bei der Anfahrt zu dem Ort das schwierige chinesische Wort pùbù (瀑布) in perfekter Aussprache. So sind sie halt zu den Auswärtigen, immer höflich und meistens voll des Lobes. Da gibt es für die Deutschsprachigen sicherlich ganz andere schwer zu überwindende Hürden im Chinesischen als diese einfache Silbenkombination mit Vokalen und Konsonanten, die uns nicht besonders fremd sind, sowie zwei fallenden Tönen.
Karaoke in Yuli - Für Taiwaner sind regelmäßige warme (!) Mahlzeiten extrem wichtig. Beim folgenden Gegenbesuch habe ich versäumt bei der Reiseplanung darauf zu achten. Dies war ein ganz übler Fehler. In Taiwan jedenfalls führte uns der Mittagsstop an diesem Tag nach Yuli, einem verschlafenen Nest etwa in der Mitte zwischen Taidong und Hualien. In dem zur späteren Mittagszeit wenig besuchten Restaurant kam schnell die Aufforderung zum Karaoke. Dabei empfand ich mehr als die Lieder von Elvis Presley im Duett mit einer anderen, mir bis dahin unbekannten Restaurantbesucherin durchaus anziehend.
Kurz vor Rueisuei kreuzt die Haupstraße den Xiugulan-Fluss. Hier befindet sich das beliebte „Xiuguluan River Rafting Service Center“, das ich allerdings immer nur wie ausgestorben erlebt habe. Der Xiugulan-Fluss durchbricht hier das Küstengebirge und bietet auf diesem Abschnitt die Möglichkeit zu Wildwasserfahrten.
Reiseziel zum Ende dieses Tages war die Übernachtungsmöglichkeit in Hualien. Über Beziehungen konnten wir im Gästehaus eines staatlichen Instituts übernachten. Leider stand offenbar das durchaus ansehnliche Gebäude kurz vor notwendigen Desinsektifizierung, so dass ich mein Zimmer mit der vermutlich größten Spinne meines Lebens teilen musste. Der Zimmergenosse hatte vermutlich bereits alle Kakerlaken verspeist, aber leider noch nicht alle Mücken, die sich dort eingeschlichen hatten. Die ließen mich nicht schlafen, so dass ich eine Fotosession mit der Spinne startete.
Der Taiwan-Reiseführer von Werner Lips, der mir in der fremden Kultur bei vielen Themen weiter half, auch wenn er auch die in Taiwan nicht benutzten vereinfachte chinesische Schriftzeichen angab und sonst in der frühen Auflage einige Fehler hatte, beruhigte mich wenig. Da gab es so Weisheiten wie: Je größer die Spalte unter der Tür, desto größere die Tiere, die hereinkommen. Und die der Türspalt war riesig in diesem Raum. Oder, dass Spinnen gerne bei ihren nächtlichen Jagden über die Gäste laufen. Dies sei aber nicht so schlimm, da sie meistens ungiftig wären. Bei den Wort „meistens“ stutzte ich. Auf jeden Fall blieben wir dort nur für eine Übernachtung, da auch andere Zimmer durch Ameisen und anderes Getier belebter waren.
Am nächsten Morgen ging es zunächst einige Kilometer zurück nach Lin Tien Shan (林田山). Es handelt sich hier um eine alte Holzfällersiedlung aus der japanischen Kolonialzeit Taiwans. Neben alter Holzgebäude in japanischer Architektursprache waren auch die Reste einer Waldeisenbahn zu sehen, die der Ausbeutung der Bergwälder diente. Die anwesenden Forstwächter informierten gerne und umfassend in einer kleinen Ausstellung über die Geschichte der Siedlung und die Holzarten, die dort genutzt wurden. Alles wirkte sehr ursprünglich. Die verfallenden Anlagen gaben dem Ort ein hohes Maß an Authentizität. Leider brannte Lin Tien Shan einige Monate später ab. Mittlerweile ist es wieder aufgebaut, aber viel „perfekter“ und etwas touristischer geworden.
Die „National Dong Hwa University“ nutzten wir zum Mittagessen. Sie war eine Gründung im nicht so stark entwickelten Osten Taiwans, die mich stark an die Kette der neuen Universitäten im Ruhrgebiet aus den 1960er Jahren erinnerte. Auch hier ging es darum, den regionalen Strukturwandel zu fördern. Vielleicht kam mir dieser Gedanke auch deshalb, weil das Mensaessen in Taiwan den gleichen typischen Beigeschmack hatte wie in Deutschland.
Ansonsten genossen wir die Vielzahl an guten Restaurants in Hualien. Im Gedächtnis haften geblieben sind auch die dampfenden Frühstückslokale mit ihren gefüllten Baotze, eine Art luftiger Germknödel, und anderen Köstlichkeiten. Hualien war auch der Ausgangspunkt für die Fahrt durch die eindrucksvolle Taroko Schlucht.
Blick von der Pagode oberhalb von Tienhsiang auf den Ort - Wir übernachteten am Ende der Schlucht in Tienhsiang, wo uns die Jugendherberge einen angenehmen Aufenthalt ermöglichte.
Es ging weiter dann nach Norden entlang der Seeklippen bis zur Ebene des Ilan-Deltas.
Touristisches Ziel im Gebiet von Ilan und Luodong waren neben einigen außergewöhnlichen Restaurants der damals neu errichtete Luódōng Sports Park
Da es 2001 noch keinen Autobahntunnel gab, führte der Weg nach Taipei über die Fernstraße Nr. 9 durch die Berge. Beim Blick zurück reflektierten die Reisfelder in der Ilan-Ebene das Sonnenlicht, ein Platz, wo auch der letzte Maure Granadas hätte seufzen können. Es ist wirklich zu bedauern, dass mit dem Tunnelbau und der damit besseren Erreichbarkeit von der Hauptstadt Taipei eine noch stärkere Zersiedlung eingesetzt hat und die traditionelle Landnutzung zurückgeht. Aber wenn es schon im kulturgeladenen Spanien so gruselig aussieht, warum soll es im jungen Taiwan besser sein.
Mittwoch, 30. Januar 2013
Das Dutzend ist voll
12 Jahre Reisen in Taiwan - 12 Years Of Travel in Taiwan
Am 31. Januar 2001, also vor fast genau 12 Jahren, startete ich meine erste Reise nach Taiwan. Sie dauerte bis zum 15. Februar 2001. Damals war der visumsfreie Aufenthalt auf maximal 14 Tage begrenzt. Für den bis dahin nur westlich orientierten Westler eröffnete sich eine völlig neue Hemisphäre. Aber eigentlich war auf so einem runden Planeten klar, dass irgendwann der Mensch aus dem Abendland, der seinen Horizont immer mehr nach Westen erweitert, im Osten ankommen wird.
Die Reise des deutschen Touristen in Begleitung zweier attraktiver Chinesinnen republikanischer Nationalität ging zwischen den beiden größten Städten der Insel, Kaohsiung und Taipei, vornehmlich durch den Osten Taiwans.
Eine kurze Übersicht zum Reiseverlauf, wobei ich an den Orten mit (*) übernachtete: Flug mit KLM - Kaohsiung (*) – Tainan - Meishan (*) – Southern Cross Highway – Yushan Nationalpark - Yakou – Lidao - Wulu Schlucht - Chihshan (*) - Mit dem Fahrrad rund um Guanshan – Luyeh – Hungye Baseballmuseum – Loshan-Wasserfall - Yuli mit Karaoke - Am Xiuguluan Fluss bei Rueisuei – Lin Tien Shan - Hualien (*) – Tianhsiang (*) im Taroko Nationalpark – Seeklippen - Ilan und Luodong (*) – Luodong Sports Park – Taipei (*)
Am 1. Februar 2001 setzte ich meinen Fuß in Taiwan zum ersten Mal auf asiatischen Boden. Ganz in der Tradition der vereinigten ostindischen Kompanie VOC, die im 17. Jahrhundert die subtropische Insel beherrschte, brachten mich Holländer mit ihrer Fluggesellschaft KLM in die Ferne.
Mit der ersten Exkursion ging es von Kaohsiung nach Tainan. Um mir gleich die gesellschaftlichen Grundlagen der fernen Landes nahe zu bringen, besuchten meine Reisegefährtinnen mit mir zuerst den Konfuzius-Tempel. Beim Gegenbesuch in Deutschland konnte ich mich dann mit dem Kölner Dom revanchieren, der in der Baumasse reichlich mehr darstellt. Im Gegensatz zum eigenen Religionsstifter war es der Kirche in der Historie immer wichtig durch gigantische Bauwerke und Protz zu beeindrucken. Dies ist bei touristischen Besuchen aus fernen Ländern heute durchaus ein Vorteil. Neben dem Staunen über eine völlig andere Architektursprache verwunderte mich in Taiwan die Freude meiner Begleiterinnen an der Kalligraphie auf den Wänden und Schrifttafeln im Tempel. Dabei ist der Konfuzianismus gar keine Religion, sondern mehr eine Weltanschauung und Morallehre.
Auch die Offenheit zwischen den unterschiedlichen Ausrichtungen, wie Buddhismus, Daoismus oder volksreligiösen Vorstellungen war durchaus etwas völlig Neues, hatte ich doch zuvor in Deutschland gelernt, dass Dörfer im hessisch-bayerischen Grenzgebiet früher über zwei Dreschflegel verfügten, einen katholischen und einen evangelischen. Religionskriege oder brutale Konflikte wie in Nordirland waren für meine Begleiterinnen unvorstellbar.
In Tainan lernte ich auch schnell, dass die Europäer in Taiwan seit dem 1. Februar 1662 nicht mehr viel zu sagen haben. Ich erreichte also die Insel am 339. Jahrestag des Rauswurfs der holländischen Machthaber, der mit dem Vertrag von Zeelandia, benannt nach einer Festung in heutigen Gebiet von Tainan, besiegelt wurde. Aber dazu mehr an anderer Stelle und zu anderer Zeit.
Auf dem Gelände des früheren Fort Provintia zeigte mir eine Skulpturengruppe, wie der letzte Gouverneur der VOC, Frederic Coyett, sich dem chinesischen Militärfüher Koxinga oder Zhèng Chénggōng (鄭成功) ergibt. Das hätte sich vermeiden lassen, wenn die Holländer besser chinesisch gelernt hätten, nicht auf unzuverlässige Unterhändler angewiesen wären und China im Wandel zur Qing-Dynastie keine so großen innenpolitischen Probleme gehabt hätte. Dadurch übernahm Koxinga Taiwan als eigenen Stützpunkt. Wäre das nicht passiert, vielleicht sprächen die Taiwaner heute niederländisch. Und niemand hätte die Idee, dass Taiwan ein Teil Chinas sein könnte.
Das wilde Taiwan folgte in den nächsten Tagen. Auf dem „Southern Cross Highway“ stießen wir in die Berge zum Yushan-Nationalpark vor.
Nein, das ist nicht meine Familie. Ich kenne diese Leute überhaupt nicht. Wir haben uns nur gegenseitig vor den blühenden Pflaumenbäumen auf dem Weg vor Meishan, wo wir in der Jugendherberge übernachteten, fürs Reisealbum fotografiert. Solche Bilder gab es zuvor auch in Tainan. Soweit ich mich erinnere folgten auf späteren Taiwanreisen keine Einladungen Eingeborener zu gemeinsamen Fotoaufnahmen mehr. Vielleicht ist mir der unschuldige und neugierige Ausdruck des Erstbesuchers verloren gegangen, der zur Anfrage für die Fotosession lockte. Vielleicht streife ich heute zielgerichteter durchs Eiland, schaue weniger rechts und links und gebe damit keine Chance mehr zur schüchternen und zurückhaltenden Kontaktaufnahme. Wer weiß, was die Ursache ist?
Die Offenheit, Freundlichkeit und das Interesse der Menschen gegenüber Ausländern war stets beeindruckend und wurde sehr positiv aufgenommen. Das galt besonders für den Reisenden, der aus einem Land kam, in dem vermehrt zu dieser Zeit ausländerfeindliche und rassistische Anschläge auftraten und sich das eigene Land mit diesen Fragen auseinandersetzen musste.
Die Jugendherberge von Meishan war der ideale Ort für eine Übernachtung und zur Annäherung an rituelle Feuer, die die frische Bergluft verrauchten, sowie die Ökonomie und Kultur der Betelnuss. Damals war Meishan noch äußerster Zipfel des Landkreises Kaohsiung. Nach der Kommunalreform und dem administrativen Verschmelzen von Kreis und Stadt vor einigen Jahren ist die entlegene Berggegend Bestandteil der Großstadt Kaohsiung geworden, was einen unerfahrenen Betrachter der Karte durchaus irritieren kann.
Einen der geografischen Höhepunkte auf dem ersten Abschnitt der Reise bildete neben dem Blick auf dem Yushan, dem höchsten Berg Taiwans, der Yakou-Tunnel. Verschiedene Erdrutsche und Unwetter haben das Gebiet zwischenzeitlich sehr geschunden.
Das erste süße Taiwan-Würstchen bekam ich hinter dem Tunnel im Kreise von Straßenverkäufern und lokaler Bevölkerung aus der Bergregion. Später überzeugte in Yakou die Premieren-Instant-Nudelsuppe.
Beim Abstieg führte der Weg über und durch ein Meer von Wolken nach Lidao.
In der Mitte des Dorfes christlich missionierter Bergbewohner hieß ein bunter Weihnachtsbaum den Reisenden willkommen. Auf der Hochterrasse blühten Obstbäume über Teefeldern. Es war das erste Mal, dass ich Kirschblüten im Winter sah, aber auch die ersten von Betelnüssen geschwärzten Zähne aus der Nähe betrachten konnte.
Nachdem wir die Wulu-Schlucht als kleine Schwester von Taroko passiert hatten, kamen wir in das östliche Grabental (East Rift Valley / 花東縱谷) zwischen dem Zentral- und dem Küstengebirge.
Ziemlich mongolisch wurde es in Chihshan. Früher hatte die „Taiwan Sugar Corporation“ (TSC) hier große Zuckerrohrfelder und eine Zuckerfabrik. Da die Zuckerproduktion nicht mehr konkurrenzfähig war, wurde sie aufgegeben. Aus Flächen und nutzbaren Gebäude entstand das „Taiwan Sugar Pastoral Farm Resort“ für den Tourismus. Als besonderes Angebot gab es mongolische Jurten für Reisegruppen auf dem weiten Grasland, wo ehemals das Zuckerrohr wuchs.
Nicht im „Mungo Bau“, dem Mongolenzelt, war unsere Unterkunft. Darin tollten Jugendcliquen herum. Für uns waren Zimmer im Gästehaus der früheren Zuckerfabrik reserviert. Chihshan ist ein gut gelegener Ort, um interessante Ziele in der Umgebung zu besuchen. So ist etwa Guanshan (關山鎮), auch Kuanshan geschrieben, von dort einfach zu erreichen.
Im Jahr 1997 wurde hier Taiwans erste Fahrradroute entwickelt. Eigentlich war der Helm zum Befahren der Strecke unnötig, aber vor allem wegen der starken subtropischen Sonne und nicht nur wegen der Sicherheit entschied ich mich, ihn zu tragen. Bei den späteren Aufenthalten in Taiwan wurde der Sonnenschutzhut zu meinem treuen Begleiter.
Es geht die Geschichte herum, dass der damalige Bürgermeister von Guanshan ein begeisterter Radfahrer war und mit dem Investitionsprojekt den lokalen Tourismus fördern wollte. Die Rechnung ging auf. Am Eingangspunkt zur Radstrecke hatte sich eine große Zusammenballung von Fahrradverleihern, Verkaufständen, Imbissstuben, Garküchen und kostenpflichtigen Parkplätzen entwickelt. Aber alles war noch in einem Rahmen, der einen sehr angenehmen Aufenthalt zuließ.
An einem der folgenden Tage besuchten wir Luye, ein Ort, zu dem ich oft wiederkehrte. Leider ist das weite Teefeld auf der Hochfläche oberhalb des Dorfes verschwunden. Eine öde Wiese bietet heute den Bustouristen mehr Auslauf und die Möglichkeit von Spaziergängen. Das ist sehr bedauerlich, weil gerade diese Teeplantage mit dem benachbarten Teehaus den Reiz des Ortes ausmachte.
Am südöstlichsten Punkt, den ich 2001 erreichte, kam ein Gefühl von Taiwahnsinn auf. Hungye ist eine Bergsiedlung des Ureinwohnerstammes der Bunun, irgendwo am Rand des Zentralgebirges. Baseball wurde in Taiwan vor vielen Jahren richtig populär durch den überragenden und außergewöhnlichen Erfolg des Teams von Hungye im pazifischen Raum. In der Grundschule des Ortes findet sich deshalb das Baseball-Museum mit vielen Sammelstücken. Wie ein Schutzgott wacht der Baseballspieler auch heute noch über das kleine Dorf.
Nach dem Besuch von Hungye ging der Reise weiter nach Norden durch das Grabental, dem „East Rift Valley“ (花東縱谷). Die Fortsetzung der Reisebeschreibung folgt in Kürze.
Am 31. Januar 2001, also vor fast genau 12 Jahren, startete ich meine erste Reise nach Taiwan. Sie dauerte bis zum 15. Februar 2001. Damals war der visumsfreie Aufenthalt auf maximal 14 Tage begrenzt. Für den bis dahin nur westlich orientierten Westler eröffnete sich eine völlig neue Hemisphäre. Aber eigentlich war auf so einem runden Planeten klar, dass irgendwann der Mensch aus dem Abendland, der seinen Horizont immer mehr nach Westen erweitert, im Osten ankommen wird.
Die Reise des deutschen Touristen in Begleitung zweier attraktiver Chinesinnen republikanischer Nationalität ging zwischen den beiden größten Städten der Insel, Kaohsiung und Taipei, vornehmlich durch den Osten Taiwans.
Eine kurze Übersicht zum Reiseverlauf, wobei ich an den Orten mit (*) übernachtete: Flug mit KLM - Kaohsiung (*) – Tainan - Meishan (*) – Southern Cross Highway – Yushan Nationalpark - Yakou – Lidao - Wulu Schlucht - Chihshan (*) - Mit dem Fahrrad rund um Guanshan – Luyeh – Hungye Baseballmuseum – Loshan-Wasserfall - Yuli mit Karaoke - Am Xiuguluan Fluss bei Rueisuei – Lin Tien Shan - Hualien (*) – Tianhsiang (*) im Taroko Nationalpark – Seeklippen - Ilan und Luodong (*) – Luodong Sports Park – Taipei (*)
Am 1. Februar 2001 setzte ich meinen Fuß in Taiwan zum ersten Mal auf asiatischen Boden. Ganz in der Tradition der vereinigten ostindischen Kompanie VOC, die im 17. Jahrhundert die subtropische Insel beherrschte, brachten mich Holländer mit ihrer Fluggesellschaft KLM in die Ferne.
Mit der ersten Exkursion ging es von Kaohsiung nach Tainan. Um mir gleich die gesellschaftlichen Grundlagen der fernen Landes nahe zu bringen, besuchten meine Reisegefährtinnen mit mir zuerst den Konfuzius-Tempel. Beim Gegenbesuch in Deutschland konnte ich mich dann mit dem Kölner Dom revanchieren, der in der Baumasse reichlich mehr darstellt. Im Gegensatz zum eigenen Religionsstifter war es der Kirche in der Historie immer wichtig durch gigantische Bauwerke und Protz zu beeindrucken. Dies ist bei touristischen Besuchen aus fernen Ländern heute durchaus ein Vorteil. Neben dem Staunen über eine völlig andere Architektursprache verwunderte mich in Taiwan die Freude meiner Begleiterinnen an der Kalligraphie auf den Wänden und Schrifttafeln im Tempel. Dabei ist der Konfuzianismus gar keine Religion, sondern mehr eine Weltanschauung und Morallehre.
Auch die Offenheit zwischen den unterschiedlichen Ausrichtungen, wie Buddhismus, Daoismus oder volksreligiösen Vorstellungen war durchaus etwas völlig Neues, hatte ich doch zuvor in Deutschland gelernt, dass Dörfer im hessisch-bayerischen Grenzgebiet früher über zwei Dreschflegel verfügten, einen katholischen und einen evangelischen. Religionskriege oder brutale Konflikte wie in Nordirland waren für meine Begleiterinnen unvorstellbar.
In Tainan lernte ich auch schnell, dass die Europäer in Taiwan seit dem 1. Februar 1662 nicht mehr viel zu sagen haben. Ich erreichte also die Insel am 339. Jahrestag des Rauswurfs der holländischen Machthaber, der mit dem Vertrag von Zeelandia, benannt nach einer Festung in heutigen Gebiet von Tainan, besiegelt wurde. Aber dazu mehr an anderer Stelle und zu anderer Zeit.
Auf dem Gelände des früheren Fort Provintia zeigte mir eine Skulpturengruppe, wie der letzte Gouverneur der VOC, Frederic Coyett, sich dem chinesischen Militärfüher Koxinga oder Zhèng Chénggōng (鄭成功) ergibt. Das hätte sich vermeiden lassen, wenn die Holländer besser chinesisch gelernt hätten, nicht auf unzuverlässige Unterhändler angewiesen wären und China im Wandel zur Qing-Dynastie keine so großen innenpolitischen Probleme gehabt hätte. Dadurch übernahm Koxinga Taiwan als eigenen Stützpunkt. Wäre das nicht passiert, vielleicht sprächen die Taiwaner heute niederländisch. Und niemand hätte die Idee, dass Taiwan ein Teil Chinas sein könnte.
Das wilde Taiwan folgte in den nächsten Tagen. Auf dem „Southern Cross Highway“ stießen wir in die Berge zum Yushan-Nationalpark vor.
Nein, das ist nicht meine Familie. Ich kenne diese Leute überhaupt nicht. Wir haben uns nur gegenseitig vor den blühenden Pflaumenbäumen auf dem Weg vor Meishan, wo wir in der Jugendherberge übernachteten, fürs Reisealbum fotografiert. Solche Bilder gab es zuvor auch in Tainan. Soweit ich mich erinnere folgten auf späteren Taiwanreisen keine Einladungen Eingeborener zu gemeinsamen Fotoaufnahmen mehr. Vielleicht ist mir der unschuldige und neugierige Ausdruck des Erstbesuchers verloren gegangen, der zur Anfrage für die Fotosession lockte. Vielleicht streife ich heute zielgerichteter durchs Eiland, schaue weniger rechts und links und gebe damit keine Chance mehr zur schüchternen und zurückhaltenden Kontaktaufnahme. Wer weiß, was die Ursache ist?
Die Offenheit, Freundlichkeit und das Interesse der Menschen gegenüber Ausländern war stets beeindruckend und wurde sehr positiv aufgenommen. Das galt besonders für den Reisenden, der aus einem Land kam, in dem vermehrt zu dieser Zeit ausländerfeindliche und rassistische Anschläge auftraten und sich das eigene Land mit diesen Fragen auseinandersetzen musste.
Die Jugendherberge von Meishan war der ideale Ort für eine Übernachtung und zur Annäherung an rituelle Feuer, die die frische Bergluft verrauchten, sowie die Ökonomie und Kultur der Betelnuss. Damals war Meishan noch äußerster Zipfel des Landkreises Kaohsiung. Nach der Kommunalreform und dem administrativen Verschmelzen von Kreis und Stadt vor einigen Jahren ist die entlegene Berggegend Bestandteil der Großstadt Kaohsiung geworden, was einen unerfahrenen Betrachter der Karte durchaus irritieren kann.
Einen der geografischen Höhepunkte auf dem ersten Abschnitt der Reise bildete neben dem Blick auf dem Yushan, dem höchsten Berg Taiwans, der Yakou-Tunnel. Verschiedene Erdrutsche und Unwetter haben das Gebiet zwischenzeitlich sehr geschunden.
Das erste süße Taiwan-Würstchen bekam ich hinter dem Tunnel im Kreise von Straßenverkäufern und lokaler Bevölkerung aus der Bergregion. Später überzeugte in Yakou die Premieren-Instant-Nudelsuppe.
Beim Abstieg führte der Weg über und durch ein Meer von Wolken nach Lidao.
In der Mitte des Dorfes christlich missionierter Bergbewohner hieß ein bunter Weihnachtsbaum den Reisenden willkommen. Auf der Hochterrasse blühten Obstbäume über Teefeldern. Es war das erste Mal, dass ich Kirschblüten im Winter sah, aber auch die ersten von Betelnüssen geschwärzten Zähne aus der Nähe betrachten konnte.
Nachdem wir die Wulu-Schlucht als kleine Schwester von Taroko passiert hatten, kamen wir in das östliche Grabental (East Rift Valley / 花東縱谷) zwischen dem Zentral- und dem Küstengebirge.
Ziemlich mongolisch wurde es in Chihshan. Früher hatte die „Taiwan Sugar Corporation“ (TSC) hier große Zuckerrohrfelder und eine Zuckerfabrik. Da die Zuckerproduktion nicht mehr konkurrenzfähig war, wurde sie aufgegeben. Aus Flächen und nutzbaren Gebäude entstand das „Taiwan Sugar Pastoral Farm Resort“ für den Tourismus. Als besonderes Angebot gab es mongolische Jurten für Reisegruppen auf dem weiten Grasland, wo ehemals das Zuckerrohr wuchs.
Nicht im „Mungo Bau“, dem Mongolenzelt, war unsere Unterkunft. Darin tollten Jugendcliquen herum. Für uns waren Zimmer im Gästehaus der früheren Zuckerfabrik reserviert. Chihshan ist ein gut gelegener Ort, um interessante Ziele in der Umgebung zu besuchen. So ist etwa Guanshan (關山鎮), auch Kuanshan geschrieben, von dort einfach zu erreichen.
Im Jahr 1997 wurde hier Taiwans erste Fahrradroute entwickelt. Eigentlich war der Helm zum Befahren der Strecke unnötig, aber vor allem wegen der starken subtropischen Sonne und nicht nur wegen der Sicherheit entschied ich mich, ihn zu tragen. Bei den späteren Aufenthalten in Taiwan wurde der Sonnenschutzhut zu meinem treuen Begleiter.
Es geht die Geschichte herum, dass der damalige Bürgermeister von Guanshan ein begeisterter Radfahrer war und mit dem Investitionsprojekt den lokalen Tourismus fördern wollte. Die Rechnung ging auf. Am Eingangspunkt zur Radstrecke hatte sich eine große Zusammenballung von Fahrradverleihern, Verkaufständen, Imbissstuben, Garküchen und kostenpflichtigen Parkplätzen entwickelt. Aber alles war noch in einem Rahmen, der einen sehr angenehmen Aufenthalt zuließ.
An einem der folgenden Tage besuchten wir Luye, ein Ort, zu dem ich oft wiederkehrte. Leider ist das weite Teefeld auf der Hochfläche oberhalb des Dorfes verschwunden. Eine öde Wiese bietet heute den Bustouristen mehr Auslauf und die Möglichkeit von Spaziergängen. Das ist sehr bedauerlich, weil gerade diese Teeplantage mit dem benachbarten Teehaus den Reiz des Ortes ausmachte.
Am südöstlichsten Punkt, den ich 2001 erreichte, kam ein Gefühl von Taiwahnsinn auf. Hungye ist eine Bergsiedlung des Ureinwohnerstammes der Bunun, irgendwo am Rand des Zentralgebirges. Baseball wurde in Taiwan vor vielen Jahren richtig populär durch den überragenden und außergewöhnlichen Erfolg des Teams von Hungye im pazifischen Raum. In der Grundschule des Ortes findet sich deshalb das Baseball-Museum mit vielen Sammelstücken. Wie ein Schutzgott wacht der Baseballspieler auch heute noch über das kleine Dorf.
Nach dem Besuch von Hungye ging der Reise weiter nach Norden durch das Grabental, dem „East Rift Valley“ (花東縱谷). Die Fortsetzung der Reisebeschreibung folgt in Kürze.
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