oder „Was ist hinter der Mosaiktafel?“
Auf völlig falsche Gedanken kam der Atoka (阿啄仔) Luo You beim Besuch des Nationalen Zentrums für traditionelle Künste in Wujie im Januar 2010. Mit freundlich auffordernden Blick und vermutlich unbekleidet wird zum Eintreten in eines der traditonell gestalteten Geschäftshäuser an der Touristenstraße im Kunstzentrum geworben.
Wer sich darauf freut, den Rest der Körperbemalung (Oder soll das ein Tattoo sein?) im mittleren Bereich zu sehen und beim DIY noch persönlich ergänzen zu dürfen, wird aber enttäuscht.
Im Mittelpunkt steht die Mosaiktafel und es geht nur darum, bunte Steinchen auf Holzplättchen, Kistchen, kleine Bilderrahmen und ähnliches zu kleben. Zwei Workshops für diverse DIY, also Kunst zum Selbermachen, die uns aber zumeist uninteressant erschien, waren im Übernachtungspreis des dem Zentrum angegliederten Hotels „Forte Dong Shan Villa“ enthalten. Deshalb sind wir nur zum Mosaikkleben gegangen. Was es sonst noch im Detail gab, haben wir beide bereits vergessen. Warum lässt mich meine Frau niemals eine Auto- oder Computermesse in Taiwan besuchen?
Montag, 30. April 2012
DIY
Was ist Freiheit?
Aber, sagt die Taiwanerin im Haushalt, welcher aufgeklärte freie Bürger will sich schon von islamistischer Propaganda verführen lassen? Gut, dass dies von staatlicher Seite verhindert wird, dem Mullah-Regime eine Werbeplattform in Europa entzogen und wir keine dummen Gedanken bekommen. So gucken wir auch nicht im Internet Press TV oder folgen den schlechten Hinweisen den Boykott zu umgehen.
Wir blenden die bösen Atombombenbauer aus, ignorieren sie und vertrauen unserer Regierung, dass sie alles richten wird. Wofür sich auch den Demagogenkanal anschauen, der schon am Anfang gezeigt hat, dass die ägyptische Revolution, auch eine anti-israelische war, während westliche Medien lieber pseudo-aufklärerische Demokratiewolken versprühten?
Erfreulicherweise bietet ASTRA eine große Auswahl anderer Kanäle. Merkwürdig nur, dass die etlichen Erotikkänale, zum Beispiel 6Live, Amore TV, Bunnyclub24, Eurotic, Gayboys Live, Sexysat, Taquilla X, die der Satellitenempfänger findet, nicht in der Programmübersicht erscheinen. Vielleicht gibt es sie unter dem Genre „Bildung“.
Vertieft habe ich die Suche nicht, sondern zappte am Sonntag morgen bis zu einer Wiederholung der Sendung „Mit 80.000 Fragen um die Welt“. In der gezeigten Folge bewegte die Frage „Was ist Freiheit“. Um die zu beantworten, ging Dennis Gastmann nach TAIWAN, weil das eine Demokratie ist, wo man sich mehr erlauben kann.
Dabei traf er Prof. Shieh Jhy-Wey (謝志偉), der 2005 Taiwans Repräsentant - quasi „Botschafter“ - in Berlin war, nach 2007 Regierungssprecher und Minister des Informationsbüro der Chen-Shui-Bien-Regierung
Luo Yous Fernseher in Betrieb
Viele Besucher vom Festland dürften allerdings wenig in der erwähnten politischen Talkshow und von den Kommentaren in „Bosstalk“ (頭家來開講), die Shieh Jhy-Wey auf Formosa TV moderiert, verstehen, da überwiegend taiwanisch und weniger Mandarin, die chinesische Amtssprache, gesprochen wird.
Vielleicht lässt sich der fehlende Teil noch anfügen. Auf jeden Fall hat Shieh Jhy-Wey sich im kollektiven Gedächtnis der taiwanischen Gemeinschaft in Deutschland verewigt.
Samstag, 21. April 2012
Ein Happen zwischendurch - Have A Snack Inbetween
Am Rhein ist ist nicht nur deshalb so schön, weil Sebamed in Boppard einen Werksverkauf hat. Der Raum um Düsseldorf ist darüber hinaus offenbar für viele Asiaten eine Oase.
// Im „Chinahaus“ - schöner und gehaltvoller ist der chinesische Name des Restaurants „Zhe4 Jiang1 Yi1 Fang2“ - an der Kölnischen Landstraße //
Meine Frau berichtete mir über den Beitrag im Blog einer Taiwanerin, die in Weimar wohnt und lebt. Darin werden die nicht nur die kulinarischen Angebote und Einkaufsmöglichkeiten in Düsseldorf gepriesen.
// Geburtstagsgeschenk mit Hühnerfüßen, Rettichkuchen und Sesambällen von der New City an der Herzogstraße //
Garniert wird der Post in chinesischer Sprache mit ähnlichen Fotos wie auf dieser Seite. Die Bilder der Mahlzeiten stammen hier fast alle von letzter Woche. Das ist die wahre rheinische Kost, die ich sehr mag, nicht die Pampe mit Schlempe, Kotzbuh oder das Gummikäsechemobrötchen.
// Maruyasu in dem Schadow-Arkaden gibt keine Blutwurst mit Kartoffelpüree sondern japanische Lunchpakete, Set Meals und Sushi aus. //
Die fünf Stunden Fahrzeit von Weimar nach Düsseldorf werden aber nicht für das Essen und Einkaufen in den asiatischen Supermärkten ertragen. In Düsseldorf gibt es auch die Frisöre für Asiaten, die eine so weite Fahrt rechtfertigen. Es wird nämlich vermutet wird, dass die deutschen Haarkünstler mit der feinen natürlichen Kopfbedeckung der Frauen aus Fernost nicht zurecht kommen. Zur Auswahl stehen in Düsseldorf im Gegensatz zu Weimar chinesische und japanische Salons, wobei die distinguierte Taiwanerin gewöhnlich den Japaner (zum Beispiel Erdgeschoss des Hotel Nikko an der Immermannstraße) vorzieht. Den Chinesen kann man auch beim Frisieren nicht wirklich vertrauen, so die Meinung.
// Nicht aus der letzten Woche, aber trotzdem lecker im Kagaya an der Bismarckstraße, auf- und zu sich genommen am Japantag 15.10.2011 //
Übrigens, meine Frau war in Deutschland noch nie bei einem Frisör, gleich welcher Herkunft und Nationalität. Meine Mutter kommentierte dazu, dass ihr Frisör im Viertel Italiener mit deutschen Angestellten sei und er immer eine sehr gute Arbeit leiste. Ich lasse bei einer Deutschen in der Mittagspause schräg gegenüber vom Büro schneiden, liebte und liebe aber das gelegentliche Fremdgehen in Taiwan, Kuba, Kanada, Spanien, kroatisch oder beim Türken.
Freitag, 20. April 2012
Der Blick zurück - The View Back
Der Blick zurück bezieht sich nicht nur zeitlich auf den letzten Aufenthalt in Taiwan, der sich diesmal insbesondere auf die touristische Südspitze der Insel um Kenting konzentrierte. Der Blick zurück ist in diesem weiteren Beitrag der Kenting-Strand-Serie durchaus räumlich zu verstehen. Aber zuerst der Blick nach vorne:
Wir befinden uns im Jahre 2012 n.Chr. Der ganze Süden Taiwans ist Nationalpark... 
Der ganze Süden? Nein! Ein Kernkraftwerk der unbeugsamen Atomlobby hört nicht auf, dem unbefleckten Nationalparkgedanken Widerstand zu leisten. 
Und das Leben ist nicht leicht für den Touristen, der aus einem Land kommt, das sich zwar langsam, aber endgültig vom Nuklearwahn verabschieden will, hier auf der Erdbebeninsel umgeben von den Reaktoren Jinshan, Kuosheng, Maanshan und dem im Bau befindlich Longmen seine Urlaubstage zu verbringen.
Ein Hauch von Strandleben zwischen Abflusskanal und Atommeiler.
Romantisch wird es am Abend, wenn die Sonne über der Taiwan-Straße untergeht. Bald strahlt nur noch das Kraftwerk.
Allein im Fokus der mit Atomkraft geladenen Digitalkamera des Adoka ist die Alibi-Windkraftanlage von Taipower. Junge Taiwanerinnen richten lieber die Blicke auf sich.
Was soll schon passieren? Anspruchsvolle Modelle mit Minikernkraftwerk und Spielzeugeisenbahn japanischer Herkunft zeigen im Erdbebenmuseum von Taiwan, dass alles im grünen Bereich bleibt, wenn die Tischplatte wackelt.
Na also, alles bleibt stehen. Es wackelt nur ein bisschen.
Dabei zeigen die ausgestellten Fotos und Objekte zum Erbeben vom 21.9.1999 eine andere Realität.
Das zerstörte Schulgebäude ist im Zentrum des Erdbebenmuseums. Die Laufbahn und der Platz der Schulsportanlage haben sich mittendurch um Meter angehoben.
Knifflige Aufgaben: Wie biegt man die vom Erdbeben verformten Eisenbahnschienen wieder gerade? Was bleibt von Taiwan übrig, wenn die Deformation und der Riss durch ein AKW gehen? Restrisiko? Ist es das wert?
Also, wenn Luo You ab 2031 seinen Ruhestand auf dieser Insel verleben soll, kann er sich halbwegs auf Erdbeben einstellen. Aber das Atomzeug muss vorher abgeschaltet und entschärft werden.
Donnerstag, 22. März 2012
Massimo Vitali
oder Strandkultur - Beach Culture in Taiwan
Unser noch spartanisch eingerichtetes Haus benötigt im Wohnzimmer ein großformatiges Bild, Gemälde oder Foto, um die Wand hinter dem Sofa dekorativ zu füllen. Auf Dauer macht die Leere bestimmt depressiv.
Außerdem kann sich mit Blick auf das Werk von Andreas Gursky Fotokunst als gute Geldanlage in den schwierigen Zeiten des Euro darstellen.
Bei der Suche, was sich so noch bei moderner Landschaftsfotografie anbietet, stieß ich beim Surfen auf Massimo Vitali, einen italienischen Fotokünstler. Massimos Fotoarbeiten bilden Landschaften und Räume, die von einer menschlichen Ebene überlagert werden, ab. Bevölkerte Strände, Hotelpools, Diskotheken und verschneite Berghänge mit Skipisten zeigen den Mensch als Herdentier, lassen aber auch die Einzelnen erkennen und erzählen ihre Geschichten.
Wie groß wirkt der Kontrast beim Betrachten von Massimos Bildern zwischen den Stränden an der italienischen Adria und denen auf Taiwan.
Gewöhnlich neigt der Mensch in Taiwan nicht dazu den Strand zu mögen. Fantastisches Wetter im Winter mit angenehmen Wasser- und Lufttemperaturen, Sonnenschein, tolles Pools, traumhafte Strände sind alles keine Gründe, die hier zu einem wirklichen Strandleben führen.
Regelmäßig ist an den Stränden die Atoka-Dichte im Vergleich zum Rest auf Taiwan besonders hoch. Offenbar zieht es den westlichen Besucher deutlich stärker zu den Sandstreifen am Meer als die taiwanisch-asiatischen Bevölkerungsteile.
Dabei gibt es alles. An den Stränden sind Schwimmbereiche abmarkiert und überwacht. Von Sonnenschirmen bis zum Jet-Ski-Verleih steht für den angemessenen Aufenthalt und die verschiedensten Arten des Wassersports vieles bereit. Natürlich hat jedes große Hotel tolle Schwimmbecken. Aber trotzdem kommt keine richtige Stimmung auf, wie der Tourist sie aus Mittelmeerländern kennt.
Während des gesamten mehrtägigen Urlaubsaufenthaltes war der Pool im „Howard´s Hotel“ in Kenting leer. Was soll Luo You alleine seine Runden in den vereinsamten Becken drehen, wenn ihm selbst die treue Ehefrau die Gefolgschaft verweigert?
Das quirlige Leben an so vielen Orten Taiwans, die Lust am guten Essen, die Begeisterung durch die Medien oder Mundpropaganda hochgepuschte Attraktionen in Massen am Wochenende aufzusuchen, übertragen sich einfach nicht auf die Strände.
Im Landschaftsschutzgebiet der Kuanyin Berge (觀音山風景區) bei Dashe (大社) am Wochenende. Ein paar spitze Berge im Naherholungsgebiet verwandeln die Zufahrtsstraße dahin zur Kirmes oder - mehr taiwanisch - zum Nachtmarkt am Tage.
Die Abneigung gegen Strandbesuche hängt mit vielen Bedingungen zusammen. Traditionell ist sonnengebräunte Haut in Taiwan mit schwerer Arbeit außerhalb des Hauses verbunden. Wer möchte nach einem Urlaubsaufenthalt schwer überarbeitet aussehen?
Erstrebenswertes Ziel ist es, bleich zu bleiben. Bleich sein bedeutet, einen guten Bürojob zu haben oder so wohlhabend zu sein, dass man es sich leisten zu kann, nicht übermäßig arbeiten zu müssen. Zudem führt die subtropischen Sonne schnell zu Sonnenbränden und anderen negativen gesundheitlichen Folgen. Das Hautkrebsrisiko steigt.
Von der See gehen in Taiwan Gefahren aus. Die zerstörerischen Taifune, die in der Saison von Frühjahr bis zum Herbst über die Insel hinweg ziehen, kommen vom Meer, vom Pazifik. Starke Strömungen, Felsen und Riffe sind ebenfalls Gründe, die die Zuneigung zum Meer begrenzen. Deshalb sind die Tempel der Fischer zum Meer ausgerichtet, um das Wohlwollen der Götter zu erbitten und die Risiken der Ausfahrt mit den Booten zu senken.
Das soziale Leben und Abhängen am Strand widerspricht auch den Lehren des Konfuzius, der Faulheit und Müßiggang ablehnte und geißelte. In der chinesischen Kultur gilt es in der Regel die Zeit bestmöglich - zumindest nach außen erkennbar - zu nutzen. Auch Meditation ist kein Müßiggang, sondern die Suche nach der eigenen inneren Kraft.
Ein wenig westliche beeinflusste Dekadenz gab es dann doch noch zu sehen. Etwas kalifornische Atmosphäre und ein Hauch von Strandleben tauchte hier in Jialeshuei (佳樂水) auf - und auch ab.
Hier warten die Surfer nicht nur auf gute Wellen. Ab und zu kommt auch eine.
Die dann das Board ein bisschen über das Wasser trägt.
Wobei die Sportlerin oder der Sportler dann nach wenigen Sekunden wieder vom Wellenreiter zum Wellenwarter wird.
Sonntag, 18. März 2012
What Women want

Was Frauen mögen, selbst wenn es diesmal nicht der Ehemann in den Sand geschrieben hatte. - Für eine Liebeserklärung mißbrauchter Sandstrand am Südchinesischen Meer in Kenting, Taiwan, gesehen von Luo You am 17. April 2007
Donnerstag, 8. März 2012
Immer der A-Tok-A (阿啄仔)
oder „Burning Luo You“
Immer soll der Atoka (阿啄仔) auf die Bühne. Sei es bei der Teezeremonie in Japan, beim Karaoke in Yuli, zum Mitsingen beim Prinz von Alishan oder bei den Zauberlehrlingen im Nationalen Zentrum für traditionelle Künste in Wujie, gelegen im Landkreis Ilan auf Taiwan, oder sonstwo.
Zündende Ideen haben die jungen Zauberer. Und Luo You geht dabei in Flammen auf.
Das andersartige Aussehen lässt den westlichen Touristen in der Masse auffallen und macht ihn direkt zum Ziel, wenn Freiwillige aus Publikum für die Bühne benötigt werden. Das ist sicherlich nett gemeint, den fremdem Gast durch besondere Teilnahmemöglichkeiten hervorzuheben, ihn quasi zu ehren, und ihm ein besonderes Erlebnis zu ermöglichen.Einladung zum Gesang. Bevor der Prinz von Alishan (阿里山王子) den netten Herrn an seiner Seite zum Mikrofon bewegte, war der einzige anwesende Mensch mit hellen Haaren und hoher Nase aufgefordert worden, mit ihm zu singen, was der Atoka aber zurückwies.
Meine fehlende musikalische Erziehung und diesbezügliche Ahnungslosigkeit wollte ich nicht der Ur- und Ur-Urbevölkerung zumuten, wo doch in vielen Häusern Taiwans Pianos - zwar meist verstaubt oder mit Gerümpel zugestellt, ursprünglich für die musische Erziehung der Kinder beschafft - herumstehen und häufig Karaoke aus Wohnungen, Läden, Gaststätten und über Plätze schallt. Darüber hinaus gibts es viele Taiwanesen, die in Deutschland Musik studieren und erfolgreich eine Profession als ernsthafte Musiker anstreben.
Die bewundernswerte Darbietung klassischer Musik eines taiwanischen Studenten gab es im Sommer 2010 in Düsseldorf, die viel Applaus brachte.
Ein hohes musikalisches Verständnis im Publikum ist daher in Taiwan regelmäßig zu erwarten, dem ich mich, von gleicher Muttersprache wie Mozart, Beethoven und Schubert, nur ungern entgegenstellen möchte.
Aber, die Frage sei erlaubt, wird der oft auf die Bühne geholte Atoka nicht auch zum Narren gemacht? Wird seine Unbeholfenheit in der fremden Umgebung, seine gefühlte und bewusst gemachte Fremdartigkeit nicht - wenn auch nur unterbewusst durch den freundlich nach vorne Bittenden - zur Schau gestellt? Obwohl, in Wujie wurden nach mir genauso japanische Touristen (Achtung: Japaner sind keine Atoka!) zum Mitmachen auf die Bühne gebeten.
Wasserbombe im Fischerhafen von Tamshui. Den Spassmacher und Narren gibt ein Mensch mit westlichem Gesicht, der sich mit Taiwans heranwachsenden Kindern beschäftigt, ganz so wie im richtigen Leben die muttersprachlichen Englischlehrer auf der Insel.
Dies führt zu der Frage: Kann der Atoka auf die gleiche Stufe mit erwachsenen Taiwanern gestellt werden? Oder deutet eine fehlende sprachliche und kulturelle Kompetenz nicht auf eine mehr infantile Zugehörigkeit hin? Was dadurch einer Erhöhung der chinesischen Leitkultur dienen würde? Vielleicht denkt der Atoka hier auch nur zuviel und zu atokazentrisch?


