Meine liebsten Fotografien aus dem Jahr 2013
Langweile, Midlife Crisis, die Frage nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Lebensaufgabe. Das alles kann einen Mann bewegen, der sich auf die 50 zubewegt. Ich kann mich noch gut an meinen Vater erinnern, als er mir an seinem 50. Geburtstag, der groß gefeiert wurde, sagte, wie uralt ihm die Menschen früher erschienen, die 50 waren. Und jetzt trennt mich selber nur eine überschaubare Zahl von Monaten von diesem Geburtstag und eigentlich fühle ich mich noch gar nicht so alt. Natürlich verändern sich das eigene Leben und die Ansprüche, Interessen und Erfahrungen. Aber langweilig finde ich es nicht und ein Endpunkt ist noch lange nicht erreicht. Die Gestaltung der eigenen Situation zusammen mit der geliebten Frau, Familie und Freunden, gegen Schicksalsschläge und unangemessene Forderungen, gegen merkwürdige Menschen und Personen, die sich zu Feinden entwickelt haben, ist viel wichtiger, als auf das Leben der Anderen zu schauen. Was interessieren mich die perspektivlosen „Rednecks“, dauernd hungrig nach Bier, Party und Privat-TV, als Nachbarn nebenan oder als unbekannte Zeitgenossen in Taiwan?
Da erfreue ich mich lieber am Herbst in unserem naturnah-chaotischen Garten, den gleich kommenden Flug in den Urlaub mit der besten Ehefrau nach Neapel und einem Rückblick auf meine liebsten Fotografien aus Taiwan in diesem Jahr.
Sonnenuntergang an der Hafeneinfahrt in Kaohsiung. An schönen Abenden verfolgen Hunderte von Menschen, wie sich die Sonne schnell dem Horizont nähert. Betriebsam passieren Schiffe aus allen Ländern die Enge zwischen zwei felsigen Anhöhen, um in den geschützten Hafenbereich zu gelangen.
Ein Teebauer prüft das Wachstum seiner Pflanzen in den Bergen von Alishan nahe dem Ort Siding. Eine Stützmauer aus großen Steinen trennt die Terrassenfelder voneinander.
Ein erschrockener Baumfrosch schaut ins Blitzlicht der Kamera in Shuilin, südlich dem Sonnenmondsee. Rund um das Gästehaus von „Old Five“, wo Pflanzenbeete mit Schilf die Klärung des Abwasser übernehmen, bewusst auf eine Beleuchtung und eine Versiegelung der Wege verzichtet wird, findet sich eine bemerkenswerte Fauna zu den Nachtstunden ein.
Wenig Zeit verbleibt mir noch bis zum nächsten Kulturschock im Süden Europas.
Samstag, 19. Oktober 2013
Donnerstag, 17. Oktober 2013
Rhein
Herbstspaziergang in Deutschland
„Mach doch auch mal so ein Bild“, hatte ich schon immer meiner von der Fotografie begeisterten Frau geraten. Dann kann ich meinen Job aufgeben und wir können eine meinem christlich-geprägten Hintergrund angemessene Residenz in Osttaiwan beziehen. „Das hast du dir doch immer gewünscht.“
Letztes Wochenende war die Chance großen Vorbildern, die auch schon in diesem Blog thematisiert wurden, nachzueifern. Vielleicht stößt ein reicher Sammler, demnächst bei der Googlesuche unter „Rhein II“ darauf, und möchte es zu einem anständigen ruhegehaltsfähigen Preis erwerben. Ich lasse auch gerne einen C-Print davon herstellen.
Zur Vereinfachung der Kontaktaufnahme weise ich darauf hin, dass sich kürzlich meine Email geändert hat. Die fast seit den Anfängen des Internets genutzte Endung „@nerdshack.com“ hat mit der Firma Lavabit seine Funktion eingestellt. So haben, wie nicht anders zu erwarten, die Aktivitäten des Schnüffelstaates und das Engagement freier Menschen dagegen bis in mein tägliches Leben gewirkt. Wenn es eh keinen Schutz der eingestellten Daten und Privatsphäre gibt, kann die für diesen Blog genutzte Email auch bei „gmail.com“ mit dem gleichen vorgesetzten Alias-Namen luo2you1 liegen.
„Mach doch auch mal so ein Bild“, hatte ich schon immer meiner von der Fotografie begeisterten Frau geraten. Dann kann ich meinen Job aufgeben und wir können eine meinem christlich-geprägten Hintergrund angemessene Residenz in Osttaiwan beziehen. „Das hast du dir doch immer gewünscht.“
Letztes Wochenende war die Chance großen Vorbildern, die auch schon in diesem Blog thematisiert wurden, nachzueifern. Vielleicht stößt ein reicher Sammler, demnächst bei der Googlesuche unter „Rhein II“ darauf, und möchte es zu einem anständigen ruhegehaltsfähigen Preis erwerben. Ich lasse auch gerne einen C-Print davon herstellen.
Zur Vereinfachung der Kontaktaufnahme weise ich darauf hin, dass sich kürzlich meine Email geändert hat. Die fast seit den Anfängen des Internets genutzte Endung „@nerdshack.com“ hat mit der Firma Lavabit seine Funktion eingestellt. So haben, wie nicht anders zu erwarten, die Aktivitäten des Schnüffelstaates und das Engagement freier Menschen dagegen bis in mein tägliches Leben gewirkt. Wenn es eh keinen Schutz der eingestellten Daten und Privatsphäre gibt, kann die für diesen Blog genutzte Email auch bei „gmail.com“ mit dem gleichen vorgesetzten Alias-Namen luo2you1 liegen.
Labels:
Deutschland,
Düsseldorf,
Herbst 2013,
Rhein II
Dienstag, 1. Oktober 2013
Die gelbe Ente
Quietschfrei und von Luft entleert taifunfest
Vor einigen Jahren wurden die alten Hafengebiete in Kaohsiung (高雄) freigeräumt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies war sicher ein wichtiger Schritt die Lebensqualität in der Großstadt zu heben und den Strukturwandel zu einer modernen Metropole voran zu bringen.
Ein beliebter Ort ist dabei das Love Pier (真愛碼頭) an der Mündung des gleichnamigen Flusses und mit der Skyline der Hibian Straße und von Sanduo gegenüber geworden. Hier starten die Hafenrundfahrten der Kaohsiung City Shipping Gesellschaft.
Jüngst erschien vor dem Love Pier die gigantische gelbe Gummiente (黃色小鴨) des niederländischen Künstlers Florentijin Hofman. 18 Meter hoch dümpelt sie im Hafenbecken gegenüber dem Love Pier und lässt sich von den Einwohnern und Besuchern der Stadt bewundern. Schade, die Ente bleibt nur bis zum 20. Oktober 2013. Leider kommen wir erst später nach Taiwan, so dass uns der seltene Vogel wohl entgehen wird.
Auch Deutsche mögen so was, aber vielleicht auch etwas anders. Tausende Goldhähne präsentieren sich bei einer Installation von Ottmar Hörl im September 2011. Statt der Größe beeindruckt hier die Masse von künstlerisch nachgeahmten Federvieh. Zwar zog es in der rheinischen Mittelstadt nicht das Publikum in so großer Zahl wie in Kaohsiung an, dennoch ist das Ereignis im kollektiven Gedächtnis haften geblieben. Die Goldhähne finden sich heute nicht nur in verschiedenen Gärten der Stadt sondern auch im Büro des Bürgermeisters.
Vor einigen Jahren wurden die alten Hafengebiete in Kaohsiung (高雄) freigeräumt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies war sicher ein wichtiger Schritt die Lebensqualität in der Großstadt zu heben und den Strukturwandel zu einer modernen Metropole voran zu bringen.
Ein beliebter Ort ist dabei das Love Pier (真愛碼頭) an der Mündung des gleichnamigen Flusses und mit der Skyline der Hibian Straße und von Sanduo gegenüber geworden. Hier starten die Hafenrundfahrten der Kaohsiung City Shipping Gesellschaft.
Jüngst erschien vor dem Love Pier die gigantische gelbe Gummiente (黃色小鴨) des niederländischen Künstlers Florentijin Hofman. 18 Meter hoch dümpelt sie im Hafenbecken gegenüber dem Love Pier und lässt sich von den Einwohnern und Besuchern der Stadt bewundern. Schade, die Ente bleibt nur bis zum 20. Oktober 2013. Leider kommen wir erst später nach Taiwan, so dass uns der seltene Vogel wohl entgehen wird.
Auch Deutsche mögen so was, aber vielleicht auch etwas anders. Tausende Goldhähne präsentieren sich bei einer Installation von Ottmar Hörl im September 2011. Statt der Größe beeindruckt hier die Masse von künstlerisch nachgeahmten Federvieh. Zwar zog es in der rheinischen Mittelstadt nicht das Publikum in so großer Zahl wie in Kaohsiung an, dennoch ist das Ereignis im kollektiven Gedächtnis haften geblieben. Die Goldhähne finden sich heute nicht nur in verschiedenen Gärten der Stadt sondern auch im Büro des Bürgermeisters.
Montag, 30. September 2013
Best Mandarin
Beobachtungen am Tisch und im Garten
Wie vorab beschrieben, wird das Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館) äußerst gerne von Menschen besucht, die aus dem asiatischen Raum stammen. Bei der gestrigen Namenstagsfeier hatten wir das Glück, da wir außerhalb Hauptgeschäftszeiten kamen, auch ohne Reservierung einen der Tische mit der besten Aussicht über das landschaftlich reizvolle Stinderbachtal zu erhalten. Es ergab sich zudem, von der Bedienung in die Nachbarschaft einer offenbar chinesischen Familie in männlicher Begleitung, vielleicht ein Geschäftspartner oder Freund, platziert zu werden.
Best Mandarin - Zum Jahrtausendwechsel reiste ein Orangenkeim von Israel nach Deutschland und wuchs hier langsam zu einem kleinen, dornigen Bäumchen heran. Zwölf Jahre später blühte er zum ersten Mal. Aus den Blüten entwickelten sich zwei kleine Früchte. Eine davon ging bei einem Windwurf verloren. Die Verbliebene präsentiert sich jetzt groß wie eine Mandarine im hübschen Orange der herbstlichen Abendsonne. Ja, der Eigentümer ist schon ein wenig stolz im rauhen Klima Westdeutschland das gewöhnlich anämische Bäumchen so weit gebracht zu haben. Das tröstet, weil es mit dem eigenen Mandarin sprachlich überhaupt nicht weiter geht.
Auch ohne ihrem Gespräch zu lauschen, fiel auf, dass die Menschen am Nachbartisch in unterschiedlichen Ausprägungen des Mandarin sprachen. Während das Familienoberhaupt die Zunge in der typischen Weise der Pekinger bog und verdrehte, sprach der Mitesser eher natürlich wirkend, ruhiger und ausgewogener. Dies veranlasste meine Frau zu der These, dass es sich vielleicht um einen Taiwaner handeln könnte. Auch für mich hörte sich dieses Mandarin deutlich vertrauter an.
So wie das Bayerische hart und rustikal auf den Westdeutschen wirkt, so klingt der Pekinger Akzent für viele Taiwaner. Anderseits sollen viele Festlandschinesen wirklich die Aussprache der Taiwaner als harmonischer und ästhetischer empfinden. Darüber hinaus wird angenommen, dass die Süße in der Sprache der Taiwanerinnen, wie sie besonders bei den jungen Damen des Service in den großen Kaufhäusern und in deren Aufzügen herausgestellt wird, zum chinaweiten Erfolg taiwanischer Fernsehserien beigetragen hat.
Sweet Orange - Ob das Personal am Eingang der Orchideenschau auch im süßesten Mandarin zum Vorzeigen des Tickets auffordert? Der Blick weckt keine großen Erwartungen und deutet mehr auf einen langweiligen Job hin.
Leider erotisiert mich meine Ehefrau nur selten mit ihrer Stimme, die dann bei ihr selber zur Gänsehaut führt, so etwa wenn sich eine Einladung zur Namenstagsfeier im Steakhaus ankündigt. Das Talent zur "Sweetness" in der Sprache teilt sie aber durchaus mit vielen anderen Taiwanerinnen.
Wie vorab beschrieben, wird das Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館) äußerst gerne von Menschen besucht, die aus dem asiatischen Raum stammen. Bei der gestrigen Namenstagsfeier hatten wir das Glück, da wir außerhalb Hauptgeschäftszeiten kamen, auch ohne Reservierung einen der Tische mit der besten Aussicht über das landschaftlich reizvolle Stinderbachtal zu erhalten. Es ergab sich zudem, von der Bedienung in die Nachbarschaft einer offenbar chinesischen Familie in männlicher Begleitung, vielleicht ein Geschäftspartner oder Freund, platziert zu werden.
Best Mandarin - Zum Jahrtausendwechsel reiste ein Orangenkeim von Israel nach Deutschland und wuchs hier langsam zu einem kleinen, dornigen Bäumchen heran. Zwölf Jahre später blühte er zum ersten Mal. Aus den Blüten entwickelten sich zwei kleine Früchte. Eine davon ging bei einem Windwurf verloren. Die Verbliebene präsentiert sich jetzt groß wie eine Mandarine im hübschen Orange der herbstlichen Abendsonne. Ja, der Eigentümer ist schon ein wenig stolz im rauhen Klima Westdeutschland das gewöhnlich anämische Bäumchen so weit gebracht zu haben. Das tröstet, weil es mit dem eigenen Mandarin sprachlich überhaupt nicht weiter geht.
Auch ohne ihrem Gespräch zu lauschen, fiel auf, dass die Menschen am Nachbartisch in unterschiedlichen Ausprägungen des Mandarin sprachen. Während das Familienoberhaupt die Zunge in der typischen Weise der Pekinger bog und verdrehte, sprach der Mitesser eher natürlich wirkend, ruhiger und ausgewogener. Dies veranlasste meine Frau zu der These, dass es sich vielleicht um einen Taiwaner handeln könnte. Auch für mich hörte sich dieses Mandarin deutlich vertrauter an.
So wie das Bayerische hart und rustikal auf den Westdeutschen wirkt, so klingt der Pekinger Akzent für viele Taiwaner. Anderseits sollen viele Festlandschinesen wirklich die Aussprache der Taiwaner als harmonischer und ästhetischer empfinden. Darüber hinaus wird angenommen, dass die Süße in der Sprache der Taiwanerinnen, wie sie besonders bei den jungen Damen des Service in den großen Kaufhäusern und in deren Aufzügen herausgestellt wird, zum chinaweiten Erfolg taiwanischer Fernsehserien beigetragen hat.
Sweet Orange - Ob das Personal am Eingang der Orchideenschau auch im süßesten Mandarin zum Vorzeigen des Tickets auffordert? Der Blick weckt keine großen Erwartungen und deutet mehr auf einen langweiligen Job hin.
Leider erotisiert mich meine Ehefrau nur selten mit ihrer Stimme, die dann bei ihr selber zur Gänsehaut führt, so etwa wenn sich eine Einladung zur Namenstagsfeier im Steakhaus ankündigt. Das Talent zur "Sweetness" in der Sprache teilt sie aber durchaus mit vielen anderen Taiwanerinnen.
Mein Mondfest, mein Namenstag
Taiwans Restaurants trösten, Deutschlands Küche saugt
Was Prof. Dr. Heiner Flassbeck zum Sonntag im Fernsehen referierte, sollte eigentlich allen klar sein. Wenn Deutschland Politik und Ökonomie nicht die erzielten Produktivitätsgewinne zum allgemeinen Einkommenszuwachs verwenden, sondern nur zur Steigerung von wirtschaftlicher Macht, nimmt das eine schlimme Entwicklung. Nicht nur auf Hartz IV degradierte Sozialhilfeempfänger, auf Null-Runden gesetzte Staatsdiener, die der nationalen Finanzpolitik besonders nah zugeordnet sind, leiden darunter. Die allgemeinen Reallohnverluste in der Gesellschaft führen zu einer sinkenden Nachfrage. Am Ende geraten ganze Volkswirtschaften in Gefahr, wenn sie nicht mehr mit einer Abwertung ihrer Währung darauf reagieren können, zum Beispiel dann, wenn sie sich wie Griechenland der Eurozone verschrieben haben.
Auch für einen unbedeutenden Vorsitzenden eines Briefwahlvorstandes irgendwo im Düsseldorfer Umland, war es bei der Stimmauszählung zur Bundestagswahl 2013 überraschend, wie stark die ökonomischen Fragen die Menschen bewegen. Da sammeln sich die Zettel auf dem Auszähltisch, womit die "Alternative für Deutschland" fast rein in den Bundestag rein kommt, während die etablierte FDP mit Mehrwertsteuergeschenken, "Wischi-Waschi" bei wichtigen Themen und einem fliegenden Teppich aus Afghanistan rausfällt. Auch Prof. Flassbeck macht sich hierüber seine kritischen Gedanken.
Trotz allem bestand Gelegenheit das Mondfest mit einer Sushi-Platte vom Restaurant Anh & Em angemessen zu feiern. Mit Akribie werden die Gerichte dort vorbereitet und ausgeliefert. Mit einem Handyfoto belegt der Fahrer gegenüber dem Restaurant, dass kein Sushi und Tempura verrutscht ist. Da seit einiger Zeit Hos Supermarkt mit einer Bäckerei in das nächste Ladenlokal expandiert ist, gab es aus Düsseldorf auch frischen Mondkuchen zum Fest. Nur das deutsche Preisniveau all dieser leckeren Spezialitäten haut wirklich um. Wenn tägliche Dinge und kulinarische Genüsse immer teurer werden, was bleibt dann noch für den anderen Konsum, wie Urlaub, Autos oder Unterhaltungselektronik? Oder sind wir schon auf dem Weg in eine nachhaltige Gesellschaft mit Kuba als Vorbild?
Also verprassen wir den Euro, so lange es uns noch gut geht. Zu seinem Namenstag lud der Verfasser dieser Zeilen ins Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館)ein, wie das Lokal in asiatischen Kreisen genannt wird. Wo gibt es denn hier Berge, frug meine Frau bevor sie die Lokalität kannte. Im Vergleich zum taiwanischen Zentralgebirgen, kommen hier wirklich nur Hügel vor. Die Dichte der Gäste mit asiatischen Gesichtszügen ist wirklich beachtlich, in dem Restaurant, dass unter dem deutschen Namen Gut Jägerhof firmiert. Mit einem ausgedehnten Spaziergang nach den Klassikern Gutshofsteak und Hüftsteak nach Düsseldorfer Art endete ein sonnig warmer, aber schon herbstlich angefärbter Tag.
Was Prof. Dr. Heiner Flassbeck zum Sonntag im Fernsehen referierte, sollte eigentlich allen klar sein. Wenn Deutschland Politik und Ökonomie nicht die erzielten Produktivitätsgewinne zum allgemeinen Einkommenszuwachs verwenden, sondern nur zur Steigerung von wirtschaftlicher Macht, nimmt das eine schlimme Entwicklung. Nicht nur auf Hartz IV degradierte Sozialhilfeempfänger, auf Null-Runden gesetzte Staatsdiener, die der nationalen Finanzpolitik besonders nah zugeordnet sind, leiden darunter. Die allgemeinen Reallohnverluste in der Gesellschaft führen zu einer sinkenden Nachfrage. Am Ende geraten ganze Volkswirtschaften in Gefahr, wenn sie nicht mehr mit einer Abwertung ihrer Währung darauf reagieren können, zum Beispiel dann, wenn sie sich wie Griechenland der Eurozone verschrieben haben.
Auch für einen unbedeutenden Vorsitzenden eines Briefwahlvorstandes irgendwo im Düsseldorfer Umland, war es bei der Stimmauszählung zur Bundestagswahl 2013 überraschend, wie stark die ökonomischen Fragen die Menschen bewegen. Da sammeln sich die Zettel auf dem Auszähltisch, womit die "Alternative für Deutschland" fast rein in den Bundestag rein kommt, während die etablierte FDP mit Mehrwertsteuergeschenken, "Wischi-Waschi" bei wichtigen Themen und einem fliegenden Teppich aus Afghanistan rausfällt. Auch Prof. Flassbeck macht sich hierüber seine kritischen Gedanken.
Trotz allem bestand Gelegenheit das Mondfest mit einer Sushi-Platte vom Restaurant Anh & Em angemessen zu feiern. Mit Akribie werden die Gerichte dort vorbereitet und ausgeliefert. Mit einem Handyfoto belegt der Fahrer gegenüber dem Restaurant, dass kein Sushi und Tempura verrutscht ist. Da seit einiger Zeit Hos Supermarkt mit einer Bäckerei in das nächste Ladenlokal expandiert ist, gab es aus Düsseldorf auch frischen Mondkuchen zum Fest. Nur das deutsche Preisniveau all dieser leckeren Spezialitäten haut wirklich um. Wenn tägliche Dinge und kulinarische Genüsse immer teurer werden, was bleibt dann noch für den anderen Konsum, wie Urlaub, Autos oder Unterhaltungselektronik? Oder sind wir schon auf dem Weg in eine nachhaltige Gesellschaft mit Kuba als Vorbild?
Also verprassen wir den Euro, so lange es uns noch gut geht. Zu seinem Namenstag lud der Verfasser dieser Zeilen ins Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館)ein, wie das Lokal in asiatischen Kreisen genannt wird. Wo gibt es denn hier Berge, frug meine Frau bevor sie die Lokalität kannte. Im Vergleich zum taiwanischen Zentralgebirgen, kommen hier wirklich nur Hügel vor. Die Dichte der Gäste mit asiatischen Gesichtszügen ist wirklich beachtlich, in dem Restaurant, dass unter dem deutschen Namen Gut Jägerhof firmiert. Mit einem ausgedehnten Spaziergang nach den Klassikern Gutshofsteak und Hüftsteak nach Düsseldorfer Art endete ein sonnig warmer, aber schon herbstlich angefärbter Tag.
Labels:
Bundestagswahl 2013,
Deutschland,
Essen und Trinken,
Mondfest
Samstag, 31. August 2013
Taifun Tabu
Warum Luo You nur den Winter kennt!
Jedes Mal, wenn ich von einem Taifun über Taiwan höre oder lese, bedauere ich es, nicht dort zu sein und das gewaltige Wettereignis mit eigenen Sinnen - natürlich aus einem sicheren Unterstand - zu erleben. Aber für Luo You gilt das von der besten Ehefrau der Welt verhängte Taifun-Verbot. Nur Erdbeben lassen sich als ebenfalls außerordentlich beeindruckende Naturereignisse nicht jahreszeitlich ausschließen.
Ruhige See und ein schöner Sonnenuntergang über dem ehemals britischen Konsulat am Hafen von Kaohsiung im Mai 2013. Da sind Taifune und unerträgliche Hitze ganz weit weg.
So wird die Sommerzeit in Deutschland und Europa verbracht, während die Zeit von Oktober bis Mai optimal für Reisen nach Taiwan genutzt werden kann. Große Sorge bereiten uns aber bei jeden Taifun die Gefahren für die Menschen und die großen Sachschäden an Infrastruktur, Gebäuden und Kulturen. Viele Straßen, die wir in früheren Jahren in den Bergen einfach befahren konnten, sind nach vielen Taifunen, besonders nach Morakot in 2009, und den damit verbundenen Erdrutschen immer noch unpassierbar. Man könnte sie eigentlich aus dem Autoatlas streichen. Die Winterzeit reicht nicht mehr für die Reparatur. Das betrifft leider auch die Waldeisenbahn von Alishan, deren früherer Gesamtbetrieb wohl erst ab Mitte 2014 wieder aufgenommen werden kann.
Jedes Mal, wenn ich von einem Taifun über Taiwan höre oder lese, bedauere ich es, nicht dort zu sein und das gewaltige Wettereignis mit eigenen Sinnen - natürlich aus einem sicheren Unterstand - zu erleben. Aber für Luo You gilt das von der besten Ehefrau der Welt verhängte Taifun-Verbot. Nur Erdbeben lassen sich als ebenfalls außerordentlich beeindruckende Naturereignisse nicht jahreszeitlich ausschließen.
Ruhige See und ein schöner Sonnenuntergang über dem ehemals britischen Konsulat am Hafen von Kaohsiung im Mai 2013. Da sind Taifune und unerträgliche Hitze ganz weit weg.
So wird die Sommerzeit in Deutschland und Europa verbracht, während die Zeit von Oktober bis Mai optimal für Reisen nach Taiwan genutzt werden kann. Große Sorge bereiten uns aber bei jeden Taifun die Gefahren für die Menschen und die großen Sachschäden an Infrastruktur, Gebäuden und Kulturen. Viele Straßen, die wir in früheren Jahren in den Bergen einfach befahren konnten, sind nach vielen Taifunen, besonders nach Morakot in 2009, und den damit verbundenen Erdrutschen immer noch unpassierbar. Man könnte sie eigentlich aus dem Autoatlas streichen. Die Winterzeit reicht nicht mehr für die Reparatur. Das betrifft leider auch die Waldeisenbahn von Alishan, deren früherer Gesamtbetrieb wohl erst ab Mitte 2014 wieder aufgenommen werden kann.
Labels:
Alishan (阿里山),
Taifune,
Taiwan 2013 im Mai
Dienstag, 27. August 2013
Realität und Wirklichkeit oder Traum und Fiktion
Schock in Alishan
„Guck nicht hin“, sage ich zu meiner Frau, „Schau weg! Da liegt ein totes Schwein.“ Diese verdammten Barbaren. 番人 (Fan1Ren2)! Wie konnten sie das tun. Haben denn 50 Jahre strenger japanischer Kolonialzeit gar kein Benehmen auf diese Insel gebracht. Wenn es den Chinesen egal war, was in den Bergen Taiwans läuft, hätten wenigsten die vom westlichen Imperialismus infizierten und Missionseifer für ihre eigene Kultur beseelten Japaner einen Keim von Zivilisation in ihrer Zeit setzen können.
Ich wusste, dass die Bewohner in den Bergdörfern schon mal gerne auf die Jagd nach Flughunden gehen, wobei nach der Erzählung eine Art gejagt werden darf und eine andere geschützt ist. Leider lässt sich erst nachdem das Tier erlegt wurde, feststellen zu welcher Art es gehörte. Auch hatte ich schon im Osten Taiwans gefangene Affen (ebenfalls geschützt) im Käfig am Straßenrand gesehen. Aber das verbrannte Ferkel verursachte nur Ekel.
Der genauere Blick auf die braunen Borsten und den leblosen Tierkadaver ließ den Adrenalinspiegel wieder sinken. Es war zu erkennen, dass wohl nur ein fleißiger Teepflanzer eine Hanfpalme gefällt und versucht hatte den Stamm zu verbrennen, um mehr Platz auf dem Weg und für seine Plantage zu schaffen.
Und überhaupt sind die Bergbewohner heutzutage weder blutrünstig noch besonders auf Jagd und schon gar nicht auf Töten aus. Ähnlich wie bei uns kommen mehr die Zivilisationskrankheiten, Übergewicht, fehlende Bewegung und Sport zum Ausdruck. Da führt der taiwanische Film „Seediq Bale“, ein Epos mit 4 ½ Stunden Dauer, was mit einer furiosen Wildschweinjagd beginnt, doch ziemlich in die falsche Richtung, wenn die Lebensumstände der Ureinwohner und das Auftreten ihres Häuptlings beschrieben werden. Auch in der damaligen Realität war der Häuptling Mona Rudao ein eher schmächtiges Kerlchen, geprägt von harten und entbehrungsreichen Leben im Gebirge.
Nachdem ich die DVD-Box mit „Seediq Bale“ kürzlich beim Aufräumen in der Hand hatte, hätte ich mir gerne den Film wieder angesehen. Es ist blöd, dass der Regionalcode, der in Taiwan gekauften Scheiben ein anderer ist, damit die Unternehmen interkontinental mehr Geld herausholen können. Auf das Manipulieren des DVD-Spielers hatte ich keine Lust. Den Film über Computer oder Beamer zu schauen, war mir zu unbequem. Da wird die Wiederholung im heimischen Wohnzimmer auf lange Winterabende warten müssen.
„Guck nicht hin“, sage ich zu meiner Frau, „Schau weg! Da liegt ein totes Schwein.“ Diese verdammten Barbaren. 番人 (Fan1Ren2)! Wie konnten sie das tun. Haben denn 50 Jahre strenger japanischer Kolonialzeit gar kein Benehmen auf diese Insel gebracht. Wenn es den Chinesen egal war, was in den Bergen Taiwans läuft, hätten wenigsten die vom westlichen Imperialismus infizierten und Missionseifer für ihre eigene Kultur beseelten Japaner einen Keim von Zivilisation in ihrer Zeit setzen können.
Ich wusste, dass die Bewohner in den Bergdörfern schon mal gerne auf die Jagd nach Flughunden gehen, wobei nach der Erzählung eine Art gejagt werden darf und eine andere geschützt ist. Leider lässt sich erst nachdem das Tier erlegt wurde, feststellen zu welcher Art es gehörte. Auch hatte ich schon im Osten Taiwans gefangene Affen (ebenfalls geschützt) im Käfig am Straßenrand gesehen. Aber das verbrannte Ferkel verursachte nur Ekel.
Der genauere Blick auf die braunen Borsten und den leblosen Tierkadaver ließ den Adrenalinspiegel wieder sinken. Es war zu erkennen, dass wohl nur ein fleißiger Teepflanzer eine Hanfpalme gefällt und versucht hatte den Stamm zu verbrennen, um mehr Platz auf dem Weg und für seine Plantage zu schaffen.
Und überhaupt sind die Bergbewohner heutzutage weder blutrünstig noch besonders auf Jagd und schon gar nicht auf Töten aus. Ähnlich wie bei uns kommen mehr die Zivilisationskrankheiten, Übergewicht, fehlende Bewegung und Sport zum Ausdruck. Da führt der taiwanische Film „Seediq Bale“, ein Epos mit 4 ½ Stunden Dauer, was mit einer furiosen Wildschweinjagd beginnt, doch ziemlich in die falsche Richtung, wenn die Lebensumstände der Ureinwohner und das Auftreten ihres Häuptlings beschrieben werden. Auch in der damaligen Realität war der Häuptling Mona Rudao ein eher schmächtiges Kerlchen, geprägt von harten und entbehrungsreichen Leben im Gebirge.
Nachdem ich die DVD-Box mit „Seediq Bale“ kürzlich beim Aufräumen in der Hand hatte, hätte ich mir gerne den Film wieder angesehen. Es ist blöd, dass der Regionalcode, der in Taiwan gekauften Scheiben ein anderer ist, damit die Unternehmen interkontinental mehr Geld herausholen können. Auf das Manipulieren des DVD-Spielers hatte ich keine Lust. Den Film über Computer oder Beamer zu schauen, war mir zu unbequem. Da wird die Wiederholung im heimischen Wohnzimmer auf lange Winterabende warten müssen.
Labels:
Alishan (阿里山),
Filme,
Seediq Bale,
Siding (隙頂),
Taiwan,
Taiwan 2013 im März
Abonnieren
Posts (Atom)














