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Mittwoch, 30. September 2015

Was dann?

Intime Überlegungen

Er begegnet einem immer noch in Taiwan, der Taifun sowieso, aber auch dieser kulturelle Abgrund. Aufnahme aus dem Jahr 2013.

Was dann, wenn nicht in den Pott?

Ihr könnt es trotzdem tun. Es passiert nichts, nichts geht kaputt oder wird verstopft. Mehr in die Details gibt es vielleicht im nächsten Monat.

Alles Gute für die beste Ehefrau von allen, Familie und Freunde, sämtliche Leserinnen und Leser taifungeplagte Taiwan!

Mittwoch, 18. Juni 2014

Eine Einführung in die Modelleisenbahn – Teil 3.3 – Rund um den Hafen

Die Beschreibung einer Modellbahnanlage zu Taiwan in drei Kapiteln

Im letzten Kapitel geht es um (F) und die folgenden Buchstaben im Plan.

Für das Sägewerk (F) gibt Checheng (車埕) wieder das Vorbild. Die alten Anlagen wurden erneuert und zu Museum, Ausstellungs- und Verkaufshalle umgenutzt.

Im Modell sieht das dann so aus, wenn das Sägewerk von POLA aufgestellt wird.

Auf der Modellbahnanlage wird sich das Sägewerk unmittelbarer am kleinen Hafen befinden, in dem Fischerboote und Frachtschiff anlegen können. (G)

Pier 13 bis 15 im Hafen von Kaohsiung ( 高雄) ist die Vorbildsituation für die Hafenanlage.

Dieser Hafenkai war früher die Anlegestelle für die Militärschiffe, die Kinmen, Matsu und die weiteren Inseln der Republik China vor dem kommunistisch regierten Festland versorgten. Auf dem Foto von 2007 ist die militärische Nutzung aufgegeben und die Umwandlung zum einem zentrumsnahen Erholungsgebiet von Kaohsiung (高雄) hat bereits begonnen, etwa durch eine neue Beleuchtung und Abzäunung zum Wasser. Kleinere Frachtschiffe legen dort noch an. Gut zu erkennen ist das verbliebene Gleis auf der Kaimauer.

Quasi der Bahnhof des Stadtteils Lingya (苓雅) mit Ausweich-, Abstell- und Ladegleisen einige Meter hinter dem Pier 13 bis 15. Im Jahr zuvor, also 2006, drehte hier noch der „Dodo-Train‟ als Ausflugszug seine Runde auf der Hafenbahn von Kaohsiung.

Ein Fischerboot auf dem Weg zu seinem Pier im Hafen von Kaohsiung (高雄).

Bis auf die Fischerboote von GREENMAX führt der Weg zur Nachbildung der Wasserfahrzeuge über den Kartonmodellbau.

ARTITEC hatte in früheren Jahren ein maßstabsgerechtes Küstenmotorschiff im Angebot. Dieses ist aber nicht mehr lieferbar. Auf die Beantwortung meiner Bestellung bei einem französischen Händler warte ich schon seit Jahren, belastet wurde die Kreditkarte aber sofort. Krawall machen oder schlucken? Der relativ geringe Betrag und der Wunsch nicht noch schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen, haben meine Entscheidung nach mehreren vergeblich mahnenden Emails bestimmt.

Das richtige Schiff für Massengüter hat der Mitteldeutsche Kartonmodell-Verlag mit dem Küstenmotorschiff 500 Greifswald im Programm. Noch schöner ist die S.S. Wilno beziehungsweise S.S. Krakow von GPM. Das Schiff erinnert stark an das Schiff aus „Cape No. 7‟. Den luxuriösen Bausatz mit Lasercut-Rumpf gab es auf der Intermodellbau in Dortmund 2014.

Neuzeitliche Erweiterungen des Ortes

Die japanischen Kolonialzeit ist lange Geschichte. Die Welt hat sich weiter entwickelt und verändert. Wo heute in Taiwan Menschen zusammen kommen, darf der „Convenience Store‟ (H) nicht fehlen.

Auf der Modellbahnanlage ist deshalb auch ein 7-Eleven eingeplant. Für die Beschäftigten gibt es moderne Wohnhäuser (J), die den heutigen Bedürfnissen entsprechen.

Vorbilder können die Gebäude am Bahnhof von Neishi sein, die bisher kaum richtig genutzt wurden, da die Station nach der Fertigstellung ihre Entwicklungspotenziale noch nicht ausgeschöpft hat. Das soll heißen, dass Neishi quasi auf freiem Feld liegt, dort überhaupt nichts los ist und bis heute keiner dort in Wohn- oder Gewerbegebiete investieren oder sich ansiedeln wollte.

Der chinesische Pavillion auf dem Berg (K)

Der Pavillion war ein Zufallskauf vor vielen Jahren in der Aquarienabteilung eines Kaufhauses in Kaohsiung. Sein ursprünglicher Zweck ist die Positionierung in einem Fischbecken, wohl um den Guppies ihr eintöniges Dasein interessanter zu gestalten. Wie das Foto zeigt, ist das Bauwerk so in etwa mit dem Maßstab N in Europa 1:160, in Asien 1:150, kompatibel.

Somit kann es realitätsnah auf der Anlage, am Besten auf einem Bergsporn über der Siedlung aufgestellt werden, wie zum Beispiel am Schrein des ewigen Frühling in der Taroko-Schlucht. „Kultig‟ ist die Kombination traditioneller chinesischer Architektur mit VW-Bussen.

Aufnahme mit einem T2 vor dem alten Südtor von Hengchun (恆春) – Die Kombination aus einem sonnigen attraktiven Urlaubsgebiet für junge Leute und Ausländer, schönen Stränden und dem Bulli als günstigen, poppig-bunten Campingbus hat ihn zwischenzeitlich zum Symbol und Werbeträger für Taiwans Süden gemacht.

Was noch fehlt?

Kein Taiwan-Modell ohne Betelnüsse und Betelnuss-Stand! Die Landschaftsgestaltung und Vegetation wird sicherlich ein spannendes Thema bei der Ausgestaltung. Erste Studien vor Ort und auf den Elektronik-Seiten zum Aufbau der Betelnuss-Verkaufsbox mit vorbildgerechter LED-Technik wurden schon vor Ort und im Netz gemacht. Die Betelnuss-Schönheit, die in der dargestellten Szene im Bikini zum FUSO-Lastwagen läuft, um die Bestellung aufzunehmen, findet sich in einem Set der Preiser-Figuren. Der Rest der zumeist blondhaarigen Badenden aus der Serie wird zu Englischlehren deklariert, die sich am Strand vergnügen.

Dienstag, 17. Juni 2014

Eine Einführung in die Modelleisenbahn – Teil 3.2 – Von den Bergen zur Küste

Die Beschreibung einer Modellbahnanlage über Taiwan in drei Kapiteln

Mit dem Zug geht die Fahrt weiter durch ostasiatische Landschaften, die auch im deutschen Hobbyraum mit der Maßstabsverkleinerung von 1:150 möglich sind.

Während sich die Fuso-Lastwagen über die Straße quält, wartet der Fotograf ohne Fahrplan zur Hand bis zum Ende der Geduld auf den Triebwagen der Jiji (集集)- Linie in Richtung von oder nach Checheng (車埕)

Der Plan der etwa 1,5 qm großen Modellbahn im Taiwan-Stil zur Erinnerung.

Heute geht es um den Bereich auf der rechten Seite. Zwei Brücken verbinden die beiden Seiten der Anlage miteinander. Die Situation lässt an die Longteng-Brücke oder Yuteng-Brücke in Sanyi (三義) denken.

Ort am Hafen mit Bahnhof (C), Stellwerk (D) und Güterhalle (E)

Den betrieblicher Mittelpunkt auf der Modellbahn stellt die kleine Siedlung mit Hafen an der Pazifikküste Osttaiwans dar. Dabei ist sein Bahnhof in gewisser Hinsicht Checheng (車埕), dem Endpunkt der Jiji-Linie, zu vergleichen, obwohl der in einen Tal ganz ohne Hafen liegt.

Nieselwetter war 2009 am Bahnhofsgebäude in Checheng (車埕).

Der Bahnhof bezog seine ursprüngliche Bedeutung aus der Holzwirtschaft und die Bauarbeiten zum Aufstau des Sonnen-Mond-See, um ihn für ein Speicherkraftwerk nutzen zu können. Heute sind Bahnhof und Ort vornehmlich ein bedeutendes Ausflugsziel.

Der Zug am Bahnsteig von in Checheng (車埕).

Auch die passenden Menschen, im Maßstab 1:150 verkleinert, lassen sich für den Modellbau finden. Im täglichen Eisenbahnbetrieb wird heute nur noch ein Gleis für den Pendeltriebwagen benötigt.

Neben dem Bahnhofsgebäude werden auch alle anderen Anlagen mit geschichtlicher Bedeutung, in deren Mittelpunkt das Stellwerk steht, konservatorisch instandgehalten. Auf den nicht mehr benötigten Gleisen sind einige alte Eisenbahnfahrzeuge ausgestellt.

Zum Modellbahnhof gehört auch noch eine Güterhalle, wie sie etwa am Endbahnhof der Waldeisenbahn von Luodong ein- und zweigeschossig zu finden sind.

Und wieder freut es, was alles so oder so ähnlich aus dem Sortiment japanischer Modelleisenbahnhersteller erhältlich ist.

Den Bedarf des Modellbahners für das Bahnhofsgebäude im Stil der japanischen Kolonialzeit befriedigt hier GREENMAX.

Zudem ist das richtige Stellwerk im Programm des gleichen Herstellers. Als Güterhalle adaptiert werden kann das Modell des Lagerhauses einer Sakebrauerei von TOMYTEC Verwendung finden. Das Sake-Zeichen ist allerdings auszutauschen, denn so eine Sakebrauerei ist in Taiwan nicht zu finden. Auch von Tomytec geliefert werden die korrekt in Sommeruniform gekleideten Schüler, die es auch real in Taiwan zu sehen gibt.

Die Wirtschaft des kleinen Ortes basiert zum einem auf dem ansässigen Sägewerk, wo die Stämme aus den Bergwäldern verarbeitet werden. Das zweite ökonomische Standbein ist der Hafen mit etwas Fischfang und dem Güterumschlag. Mehr dazu morgen.

Freitag, 28. Februar 2014

Pandaesser

Warum denken Taiwaner immerzu an Nahrungsaufnahme?
Oder „Lí chia̍h pá bōe (你食飽未)?“


Tuan-Tuan und Yuan-Yuan heißen die beiden Pandas im Zoo von Taipei; Tuán Yuán (團圓) bedeutet Wiedervereinigung. Damit ist die politische Botschaft klar, die mit der Überlassung der zwei Tiere aus der Volksrepublik China nach Taiwan im Dezember 2008 verbunden war. Im Gegenzug gingen ein paar endimische Rehe und Wildziegen von Taiwan auf das Festland.

Um das Glück zu komplettieren, bekamen die beiden Pandas in Taipei am 6. Juli 2013 Nachwuchs. Das Leben der neugeborenen Bärin Yuán Zǎi (圓仔) kann auf der Seite des Zoo Taipei auf youtube detailliert verfolgt werden. Am 6. Janjuar 2014 hatte Yuan Zai dann ihren ersten öffentlichen Auftritt im Pandahaus des Zoos.

So begleitete nicht nur die gelbe Ente medial denjenigen, der vor einigen Wochen in Taiwan war. Auch dem Thema „Panda“ wurden viele Sendeminuten im Fernsehen und Seiten von Spalten in den Zeitungen gewidmet.

Und an was denken dabei Taiwaner? Fast schon natürlich wird umgehend eine Verbindung zum Essen hergestellt. Noch bevor Yuán Zǎi auftrat, konnte sich der Leser der China Times im Dezember 2013 die junge Pandabärin schon kleingemacht und gut durch im Dampfkorb aus Bambus vorstellen.

So ist das im chinesischen, ja im menschlichen Kulturkreis: Da ersticken die Leute in den Metropolen Chinas an Abgasen, die Lebensräume wildlebender Tiere werden täglich zerteilt, umgenutzt und vernichtet, und dazu sagen viele nur, wie niedlich das künstlich erzeugte und eingesperrte Pandababy im Zoo ist. Lasst die Viecher frei! Stoppt die Umweltzerstörung und schützt ihre Gebiete!

Mehr Pandas, mehr Essen – Kindersitze im Speisessaal von Lao Wu, gesehen im März 2013.

Freitag, 6. Dezember 2013

U2

Das Mondkaninchen

Wenn das kommunistische China seinen „Jiao Didi” (小弟弟) zeigt, eine lange Phallusrakete mit orgasmischen Schreien zum Mond schickt und dabei die Tagesschausprecherin zu der Nachricht, wie anfangs dieser Woche geschehen, von der „Ju Tu“ genannten Raumsonde spricht, kommen bei Luo You Erinnerungen an seine guten Jahre in den Diskotheken der 1980er auf.

Aber kann „the only band that matters“, wie zu der Zeit gesagt wurde, mit so unvergeßlichen Songs wie “In The Name Of Love“ wirklich Namensgeber in der sino-kommunistischen Raumfahrt sein? Eine Musikgruppe, die sich für soziale Gerechtigkeit, Gewaltlosigkeit und politische Projekte einsetzt?

Vereint schmücken die Flaggen Japans, der Volksrepublik China, der Republik China, also Taiwans, und der USA eine Orchideenausstellung im März 2013. Locker gehen die zeitgenössischen Taiwaner mit dem Fahnenschmuck um, dessen Kombination in anderen Ländern, so in der Volksrepublik, große politische und strafrechtliche Probleme aufwerfen kann. Dabei ist es bestimmt nicht nur schöner, sondern auch wesentlich vernünftiger sich gegenseitig Orchideen zu zeigen als geladene Kanonenrohre und Raketen, wie gegenwärtig um die Senkaku-Inseln.

Es ist also kaum vorstellbar, dass die „Máo Fěi“ (毛匪) derart internationalisiert sind, um der Musikgruppe U2 eine für ihre Regierung so bedeutende Errungenschaft zu widmen oder allein schon darauf Anspielungen machen.

Letztendlich führte die unsaubere Aussprache des von der Tagessprecherin stark simplifizierten Chinesischen zu „U2“. Nach einigen Rätseln vor dem Fernseher kam die beste Ehefrau von allen darauf, dass es sich um „Yuè Tù“ (月兔), das Mondkaninchen, handeln muss.

Dies ist zwar nicht „Yuè Tù“ (月兔), ist aber trotzdem süß. Der Hoppel in der Nähe des Imbißzone bei der Orchideenausstellung dient auf keinen Fall dazu, den Appetit anregen. Er soll sicher zusammen mit seinen Freunden in einem Streichelzoo nach den vielen statischen Pflanzen der Schau Kinder und Erwachsene erfreuen. Bei mir hat es funktioniert.

In der chinesischen Mythologie stampft das Kaninchen, was auf dem Mond lebt, dauernd die Kräuter für das Lebenselexier der Unsterblichen und steht in enger Beziehung zur Mondgöttin, dem „Bunny Girl“ nach Buzz Aldrin.

Selbst wenn der Name „Yuè Tù“ (月兔) mittels eine Online-Abstimmung - bestimmt ganz demokratisch - ausgewählt sein sollte, kann er aus meiner zugegeben beschränkten Sicht als Metapher gelten. Letztendlich überleben auch die Funktionäre im System der Volksrepublik vor allem durch die Erfolge ihrer unermüdlichen Kaninchen, ihrer Wissenschaftler und Experten, Arbeiter und Beamten. Und für herausragende Erfolge braucht es Mondflüge. So einfach ist das mit der Raumfahrt. Dann wird auch das friedliche Zusammenleben mit den Nachbarn weniger wichtig.

Samstag, 19. Oktober 2013

Taiwan ist schön

Meine liebsten Fotografien aus dem Jahr 2013

Langweile, Midlife Crisis, die Frage nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Lebensaufgabe. Das alles kann einen Mann bewegen, der sich auf die 50 zubewegt. Ich kann mich noch gut an meinen Vater erinnern, als er mir an seinem 50. Geburtstag, der groß gefeiert wurde, sagte, wie uralt ihm die Menschen früher erschienen, die 50 waren. Und jetzt trennt mich selber nur eine überschaubare Zahl von Monaten von diesem Geburtstag und eigentlich fühle ich mich noch gar nicht so alt. Natürlich verändern sich das eigene Leben und die Ansprüche, Interessen und Erfahrungen. Aber langweilig finde ich es nicht und ein Endpunkt ist noch lange nicht erreicht. Die Gestaltung der eigenen Situation zusammen mit der geliebten Frau, Familie und Freunden, gegen Schicksalsschläge und unangemessene Forderungen, gegen merkwürdige Menschen und Personen, die sich zu Feinden entwickelt haben, ist viel wichtiger, als auf das Leben der Anderen zu schauen. Was interessieren mich die perspektivlosen „Rednecks“, dauernd hungrig nach Bier, Party und Privat-TV, als Nachbarn nebenan oder als unbekannte Zeitgenossen in Taiwan?

Da erfreue ich mich lieber am Herbst in unserem naturnah-chaotischen Garten, den gleich kommenden Flug in den Urlaub mit der besten Ehefrau nach Neapel und einem Rückblick auf meine liebsten Fotografien aus Taiwan in diesem Jahr.

Sonnenuntergang an der Hafeneinfahrt in Kaohsiung. An schönen Abenden verfolgen Hunderte von Menschen, wie sich die Sonne schnell dem Horizont nähert. Betriebsam passieren Schiffe aus allen Ländern die Enge zwischen zwei felsigen Anhöhen, um in den geschützten Hafenbereich zu gelangen.

Ein Teebauer prüft das Wachstum seiner Pflanzen in den Bergen von Alishan nahe dem Ort Siding. Eine Stützmauer aus großen Steinen trennt die Terrassenfelder voneinander.

Ein erschrockener Baumfrosch schaut ins Blitzlicht der Kamera in Shuilin, südlich dem Sonnenmondsee. Rund um das Gästehaus von „Old Five“, wo Pflanzenbeete mit Schilf die Klärung des Abwasser übernehmen, bewusst auf eine Beleuchtung und eine Versiegelung der Wege verzichtet wird, findet sich eine bemerkenswerte Fauna zu den Nachtstunden ein.

Wenig Zeit verbleibt mir noch bis zum nächsten Kulturschock im Süden Europas.

Montag, 30. September 2013

Best Mandarin

Beobachtungen am Tisch und im Garten

Wie vorab beschrieben, wird das Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館) äußerst gerne von Menschen besucht, die aus dem asiatischen Raum stammen. Bei der gestrigen Namenstagsfeier hatten wir das Glück, da wir außerhalb Hauptgeschäftszeiten kamen, auch ohne Reservierung einen der Tische mit der besten Aussicht über das landschaftlich reizvolle Stinderbachtal zu erhalten. Es ergab sich zudem, von der Bedienung in die Nachbarschaft einer offenbar chinesischen Familie in männlicher Begleitung, vielleicht ein Geschäftspartner oder Freund, platziert zu werden.

Best Mandarin - Zum Jahrtausendwechsel reiste ein Orangenkeim von Israel nach Deutschland und wuchs hier langsam zu einem kleinen, dornigen Bäumchen heran. Zwölf Jahre später blühte er zum ersten Mal. Aus den Blüten entwickelten sich zwei kleine Früchte. Eine davon ging bei einem Windwurf verloren. Die Verbliebene präsentiert sich jetzt groß wie eine Mandarine im hübschen Orange der herbstlichen Abendsonne. Ja, der Eigentümer ist schon ein wenig stolz im rauhen Klima Westdeutschland das gewöhnlich anämische Bäumchen so weit gebracht zu haben. Das tröstet, weil es mit dem eigenen Mandarin sprachlich überhaupt nicht weiter geht.

Auch ohne ihrem Gespräch zu lauschen, fiel auf, dass die Menschen am Nachbartisch in unterschiedlichen Ausprägungen des Mandarin sprachen. Während das Familienoberhaupt die Zunge in der typischen Weise der Pekinger bog und verdrehte, sprach der Mitesser eher natürlich wirkend, ruhiger und ausgewogener. Dies veranlasste meine Frau zu der These, dass es sich vielleicht um einen Taiwaner handeln könnte. Auch für mich hörte sich dieses Mandarin deutlich vertrauter an.

So wie das Bayerische hart und rustikal auf den Westdeutschen wirkt, so klingt der Pekinger Akzent für viele Taiwaner. Anderseits sollen viele Festlandschinesen wirklich die Aussprache der Taiwaner als harmonischer und ästhetischer empfinden. Darüber hinaus wird angenommen, dass die Süße in der Sprache der Taiwanerinnen, wie sie besonders bei den jungen Damen des Service in den großen Kaufhäusern und in deren Aufzügen herausgestellt wird, zum chinaweiten Erfolg taiwanischer Fernsehserien beigetragen hat.

Sweet Orange - Ob das Personal am Eingang der Orchideenschau auch im süßesten Mandarin zum Vorzeigen des Tickets auffordert? Der Blick weckt keine großen Erwartungen und deutet mehr auf einen langweiligen Job hin.

Leider erotisiert mich meine Ehefrau nur selten mit ihrer Stimme, die dann bei ihr selber zur Gänsehaut führt, so etwa wenn sich eine Einladung zur Namenstagsfeier im Steakhaus ankündigt. Das Talent zur "Sweetness" in der Sprache teilt sie aber durchaus mit vielen anderen Taiwanerinnen.

Dienstag, 27. August 2013

Realität und Wirklichkeit oder Traum und Fiktion

Schock in Alishan

„Guck nicht hin“, sage ich zu meiner Frau, „Schau weg! Da liegt ein totes Schwein.“ Diese verdammten Barbaren. 番人 (Fan1Ren2)! Wie konnten sie das tun. Haben denn 50 Jahre strenger japanischer Kolonialzeit gar kein Benehmen auf diese Insel gebracht. Wenn es den Chinesen egal war, was in den Bergen Taiwans läuft, hätten wenigsten die vom westlichen Imperialismus infizierten und Missionseifer für ihre eigene Kultur beseelten Japaner einen Keim von Zivilisation in ihrer Zeit setzen können.

Ich wusste, dass die Bewohner in den Bergdörfern schon mal gerne auf die Jagd nach Flughunden gehen, wobei nach der Erzählung eine Art gejagt werden darf und eine andere geschützt ist. Leider lässt sich erst nachdem das Tier erlegt wurde, feststellen zu welcher Art es gehörte. Auch hatte ich schon im Osten Taiwans gefangene Affen (ebenfalls geschützt) im Käfig am Straßenrand gesehen. Aber das verbrannte Ferkel verursachte nur Ekel.

Der genauere Blick auf die braunen Borsten und den leblosen Tierkadaver ließ den Adrenalinspiegel wieder sinken. Es war zu erkennen, dass wohl nur ein fleißiger Teepflanzer eine Hanfpalme gefällt und versucht hatte den Stamm zu verbrennen, um mehr Platz auf dem Weg und für seine Plantage zu schaffen.

Und überhaupt sind die Bergbewohner heutzutage weder blutrünstig noch besonders auf Jagd und schon gar nicht auf Töten aus. Ähnlich wie bei uns kommen mehr die Zivilisationskrankheiten, Übergewicht, fehlende Bewegung und Sport zum Ausdruck. Da führt der taiwanische Film „Seediq Bale“, ein Epos mit 4 ½ Stunden Dauer, was mit einer furiosen Wildschweinjagd beginnt, doch ziemlich in die falsche Richtung, wenn die Lebensumstände der Ureinwohner und das Auftreten ihres Häuptlings beschrieben werden. Auch in der damaligen Realität war der Häuptling Mona Rudao ein eher schmächtiges Kerlchen, geprägt von harten und entbehrungsreichen Leben im Gebirge.

Nachdem ich die DVD-Box mit „Seediq Bale“ kürzlich beim Aufräumen in der Hand hatte, hätte ich mir gerne den Film wieder angesehen. Es ist blöd, dass der Regionalcode, der in Taiwan gekauften Scheiben ein anderer ist, damit die Unternehmen interkontinental mehr Geld herausholen können. Auf das Manipulieren des DVD-Spielers hatte ich keine Lust. Den Film über Computer oder Beamer zu schauen, war mir zu unbequem. Da wird die Wiederholung im heimischen Wohnzimmer auf lange Winterabende warten müssen.

Montag, 22. Juli 2013

Chishan (旗山) - Noch mehr Zucker, noch ein Bahnhof

Eigentlich hat MKL schon fast alles über Chishan (旗山) geschrieben. Leider habe ich den Artikel erst jetzt gelesen und so haben wir im März 2013 Giya Bingshia (枝仔冰城) verpasst.

Dennoch gab es genug Alternativen in der alten Hauptstraße und Giya Bingshia hat mittlerweile auch verschiedene Filialen außerhalb dieses Distrikts von Kaohsiung.

Statt Eis am Nachmittag gab es stinkenden Tofu, laut Werbung probiert und getestet von lokalen und regionalen Berühmtheiten – Ich gestehe, es war mein erster „Stinky Tofu“ nach mehr als 12 Jahren Taiwan.

Neueinsteiger in die Esskultur Taiwans sollten sich vom Gestank des fermentierten Tofu bei der Zubereitung nicht abschrecken lassen. Er schmeckt wirklich sehr gut und stinkt auch nicht beim Essen.

Das eigentliche Attraktion für den „Eisenbahn-Aficionado“ war natürlich das Bahnhofsgebäude Chishan der Qiwei-Eisenbahnlinie am Ende der alten Straße. Die japanische Architektur vor dem Zweiten Weltkrieg, so wie sie sich hier aus der Kolonialzeit Taiwans zeigt, ist laut Wikipedia unter Giyōfū-Architektur (擬洋風建築, -kenchiku) oder pseudo-westliche Architektur bekannt. Sie lässt in Chihshan vor allem Elemente des englischen Tudor-Stils erkennen.

Voll zu bewundern ist das Gebäude als fast perfektes 3D-Modell in Google Earth (22°53'04.80" N 120°28'55.19" O). Die Bananenstauden vor den Bahnhof haben Bedeutung: Chihshan galt in Taiwan als Königreich der Bananen.

Am 20. August 1910 begann der Eisenbahnverkehr für die Takasago Zuckergesellschaft (高砂製糖株式會社) in Chishan, um die landwirtschaftlichen Produkte der Region, wie Zuckerrohr, Süßkartoffeln und Bananen, zu transportieren und die Zuckerfabrik in Qiwei (旗尾) anzuschließen.

Das Gebiet um Chihshan und Meinong wird von Hügeln und Bergen schön umrahmt. Nach Süden und Pingtung öffnet es sich mit dem Lauf des Kaoping-Flusses. Bewohnt wird das Gebiet überwiegend von Hakka, einer Volksgruppe die später zugewandert ist, und sich deshalb zwischen der bereits von Han-Chinesen besiedelten Ebene und den Bergen, in die sich die Ureinwohner zurückzogen haben, niederlassen musste. Die Hakka haben ihre eigene Sprache und Kultur mitgebracht. Es ist fast so, als wären die Bayern wie die Sinti und Roma nach Mitteleuropa gekommen und hätten sich im Voralpenland niedergelassen.

Nach dem Bau der Autobahn 10 von Kaohsiung nach Meinong löst sich das ehemals geschlossene Siedlungsgebiet der Hakka auf. Der schnelle Weg in das Herz der Großstadt und günstigere Baulandpreise führen zu größerer Mobilität und veranlassen viele, egal ob Hakka oder nicht, sich dort niederzulassen oder wegzuziehen. Damit geht nicht nur der Gebrauch der eigenen Sprache der Hakka, sondern auch ihre althergebrachte Kultur zurück.

An der Gleisseite fuhren früher die Züge nach Jiuqutang (九曲堂), wo in die Hauptbahn zwischen Pingtung und Kaohsiung umgestiegen werden konnte. In der Gegenrichtung nach Osten ging es für Güter noch zur Zuckerfabrik und weiteren Orten, wie Meinong.

Der Ausschnitt des alten Stadtplans zeigt im Bahnhof Chihshan immerhin vier durchgehende Gleise und ein Gütergleis westlich vom Empfangsgebäude. Offenbar sind auf der südlichen Seite weitere Abstellgleise und ein zweigleisiger Lokschuppen.

Östlichen vor dem Bahnhofsgebäude zweigt die etwa 16 km lange Strecke in Richtung Xīnzhuāng (新庄) ab und kreuzt den kleinen Bahnhofsvorplatz nach Norden.

Zur besseren Orientierung finden sich bei Su Yi-Chao (蘇奕肇) einige alte Karten mit dem Netz und der Lage der Zuckereisenbahnen im Jahr 1978. Für 2006 ist um Chihshan und Pingtung nur noch die abgebaute Strecke eingezeichnet.

Seit 1979 ist der gesamte Betrieb eingestellt. Einige Jahre später wurden alle Gleise entfernt. Das Gebäude verfiel. Im Jahr 2005 wurde der Bahnhof als historisch bedeutsames Gebäude für damaligen Landkreis Kaohsiung eingestuft. 2009 waren die Reparaturarbeiten zum dauerhaften Erhalt abgeschlossen.

Das Gebäude wird heute unter anderem dafür genutzt, Chishan als ein in Taiwan bekanntes Anbaugebiet für Bananen touristisch zu vermarkten. Drinnen können zum Beispiel leckere Bananenchips erworben werden. Es dient ansonsten als kleine Ausstellungshalle und gibt Gelegenheit zur Rast am Ende der quirligen Gastronomie- und Einkaufszone im Ortszentrum.

Reste der geschlossenen Zuckerfabrik in Qiwei auf der gegenüberliegenden Flussseite - Auch ohne Giya Bingshia gab es Eiscreme, nämlich in der Verkaufshalle der Zuckergesellschaft TSC auf dem früheren Werksgelände.

Neben der Verkaufshalle, dem schicken Hua Xing Motel (旗山花鄉汽車旅館, mit Hello-Kitty-Zimmer, dazu ein anderes Mal mehr), gab es noch ein paar Eisenbahnrelikte, wie die alte Dampflok 354, gebaut 1948 von Tubize in Belgien, die wohl ursprünglich in Nanzhou (州糖) im Einsatz war.

Freitag, 12. Juli 2013

Chinesisches Frühstück in Bayern

Apartheid am Morgen?

Laut Spiegel-Online soll ein bayerisches Hotel die anderen Gäste auf die in der Frühstückszeit bis 7.30 Uhr erwarteten Chinesen und ihre Tischsitten hinweisen. Wer fremdartigen Verhalten entgehen will, kommt besser später.

Bayerisches Frühstück taiwanischer Selektion – Ohne unangenehm aufzufallen genossen wir im vergangenen Herbst unserer Frühstück trotz einer Staatsangehörigkeit der Republik China.

Meine Frau wies mich auf den Artikel und die darunter folgenden klassisch deutschen und amüsanten Kommentare hin, die von Fremdschämen und Rassismus bis zur Empörung über die fehlende Integrationswilligkeit der ausländischen Reisenden variieren.

Wellness-Frühstück bei Lao Wu – Unter den Hotelgästen erschien beim Frühstück nur das Paar vom chinesischen Festland förmlicher mit Krawatte und Kleid. Ich kann versichern, dass das Benehmen sämtlicher Gäste auch für die bayerischen Frühstückszeiten nach 8 Uhr angemessen war. Nur mit einem Kegelklub aus Hintermoching auf versehentlicher Alternativreise zu El Arenal, hätte ich den Frühstücksraum ungerne geteilt.

Wie empörend das Verhalten integrationsfeindlicher Touristen sein kann, hatte ich bereits im heiligen Land bei einer Rundreise vor mehr als einem Jahrzehnt erlebt. „Kein Problem, westliche Frauen können ohne Kopftuch in den Felsendom“, sagte der Reiseführer. Hätten wir sie nur nicht herein gelassen! Keifende Pilgerinnen aus dem moslemischen Hinterland gingen aus sie los und riefen zum Dschihad auf.

„Im Ramadan darf tagsüber nicht gegessen, getrunken, getanzt und nicht gelogen werden“, sagt der lokale „Guide“ arabischer Herkunft auf dem Plateau des Tempelbergs zur Reisegruppe. „Wie lustig“, kicherte eine Reiseteilnehmerin, „nur tagsüber nicht lügen...“ Buff, gingen die klappen bei dem älteren Herrn runter, der zuvor so entspannt wirkte: „Wenn sie unsere Religion nicht akzeptieren, dann....“ und so endeten sein Vortrag und die Führung abrupt.

Vielleicht hätte ein Absatz im Vertrag zwischen lokalem Führer und Reiseveranstalter geholfen, dass Kichern und abartiger Humor bei christlich geprägten Ausländern vorkommen können, ohne dass diese die Absicht haben, den Islam und seine Gläubigen zu beleidigen oder ihnen despektierlich gegenüberzutreten. So hätten Missverständnisse zumindest in diesem Fall vermieden werden können.

Oder umgekehrt, wie am Felsendom, wo einige Jahre später offenbar deutlich stärker stärker durchgegriffen wird und Touristinnen, überspitzt bis zu den Haarspitzen in Bettlaken gehüllt werden.

Haare zeigen ist auch in Taiwan verpönt. Dezent freundlich weist der Bademeister die beste Ehefrau von allen darauf hin, dass der Ausländer mit schütterem Haar eine Kappe braucht. Das gab es seit meinem Schwimmunterricht in der Grundschule nicht mehr!

Vielleicht lässt sich hiermit die Invasion von Touristen aus China bändigen, ohne zum Frühstück in die Apartheid zu verfallen: “请勿 打饱嗝“ Einfach ausdrucken und auf die Tür zum Frühstücksraum kleben!

Sonntag, 30. Juni 2013

Der Bahnhof von Jhutian (竹田車站)

Modell und Wirklichkeit

Nachdem sich die letzten drei Beiträge ernsten und traurigen Fragen widmeten, ist jetzt noch etwas Zeit, zu bevorzugten Themen über Schienenverkehr und Modellbahn zurückzukehren. Den Impuls gab auch die kürzliche Wiederholung der TV-Sendung "Mit dem Zug durch ... Taiwan" im deutschen Fernsehen.

Der Bahnhof von Jiji (集集) ist ein Touristenziel erster Klasse in Taiwan. Um das historische Bahnhofsgebäude herrscht eine Geschäftigkeit, die einem Jahrmarkt ähnelt. Beim Streifzug durch den Südwesten der Insel im vergangenen März war ich zum dritten Mal in dem turbulenten Städtchen, wobei sich die ansässigen Unterhaltungsbetriebe, Läden, Restaurants und das Warenangebot ständig wandeln.

So sieht das „Geisterhaus“ gegenüber dem Bahnhof jedes Mal schrecklicher aus.

Neue „Highlights“ waren im März die laut knatternde Go-Cart-Bahn mitten in einem reinen Wohngebiet und - etwas netter und wiederbelebt - ein Dampfzug entlang der Hauptstraße auf schmaler Spur.

In der Verkaufshalle für Souvenirs am Bahnhof fand ich kleine Miniaturbahnhöfe bekannter taiwanischer Stationen, also nicht nur Jiji sondern zum Beispiel auch Chishan, Wushulin, Hsinchu, Kaohsiung, Tainan. Das Modell des historischen Bahnhofsgebäudes von Jhutian gefiel mir besonders gut und erinnerte mich an meinen Besuch dort im April 2007.

Japanisch geprägte Bahnhofarchitektur im Modell. Aber wie genau ist die Nachbildung?

Bei Betrachtung des Originalgebäudes fallen doch sehr unterschiedliche Proportionen und die fehlende Filigranität des Modells sofort auf. Es ist einfach zu klobig und gestaucht. Lediglich Dachformen, Farbgebung und die grundsätzliche Komposition des Gebäudes sind stimmig. Aber was ist schon bei einem Preis von rund 2 Euro zu erwarten.

Der Bahnhof von Jhutian im Landkreis Pingtung wurde 1919 errichtet. Von hier aus wurden die landwirtschaftlichen Güter des Ortes versandt. Hotels und ein Badehaus waren in der Nähe. Mit dem Strukturwandel im Verkehr, mit mehr Lastkraftwagen und individueller Mobilität verlor der Bahnhof an Bedeutung.

Die Bürgerschaft kämpfte für den Erhalt des hölzernen Bahnhofs, der so viel Bedeutung für die Lokalgeschichte und die Menschen vor Ort hatte. Heute sind sogar noch feine Details, wie etwa Bahnsteigsperre, das historische Bahnhofsschild oder eine alte Waage. Die Gebäude und benachbarten Flächen wurden zur Parkanlage und zum Kulturzentrum für den Ort aufgewertet. Hier befindet sich auch die umfangreiche Bibliothek von Dr. Ichiro Ikegami, einem japanischen Militärarzt, der in Taiwan wirkte und armen Menschen auf der Insel half. Seine wertvolle und umfangreiche Sammlung japanischer Bücher, ist der Öffentlichkeit in Jhutian heute zugänglich.

Vom Bahnbetrieb ist wenig übrig. Er beschränkt sich heute auf ein Gleis und den Stopp von Lokalzügen im Streckenabschnitt zwischen Kaohsiung und Fangliao.

Der Betonkubus am Ende des Bahnsteigs im Hintergrund ist jetzt der „Servicepoint“ mit Unterstand für die Passagiere, Fahrkartenverkauf und Automaten. Viel Eisenbahnromantik gibt es da nicht mehr, wenn der Zugchef für die reibungslose Abwicklung des Zughalts sorgt.

Für die Menschen hängen viele Erinnerungen an ihrem kleinen Bahnhof. Das Foto findet sich an einer Fassade gegenüber dem Stationsgebäude. Es zeigt die Rückkehr einer verheirateten Tochter mit ihrem Kind zu ihrer alten Familie am 2. Tag des chinesischen Neujahrsfestes. Die Frau trägt die Festtagstracht der Hakka, einer Volksgruppe, die in Jhutian lebt. So danken die Menschen der Eisenbahn, die sie immer wieder zusammengeführt hat.

Mittwoch, 1. Mai 2013

Streifzüge durch Taiwans Südwesten

Oder der ewige Taiwantourist

Folgt der Leser diesem Link und Kommentar, so hat der gewöhnliche Tourist Taiwan in fünf Tagen zu erledigen. Weil das den Flug aus Europa nicht lohnt, muss Taiwan mit anderen Zielen in Asien kombiniert werden. Und überhaupt ist die Insel für den Fremdenverkehr unterentwickelt. Es ist fast unmöglich mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und sich bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen, stellt ein Problem dar. Die Menschen sind freundlich, das Land ist interessant. Aber das Tourismusbüro, sprich der Staat, tut zu wenig.

17 Tage im März 2013 auf Taiwan und kein Verlangen noch nach Japan, Korea, Hongkong, auf die Philippinen oder nach Bali weiterzufliegen. Streifzüge nach Houbi (後壁), Kending (墾丁) und Manzhou (滿州), Meinong (美濃), Shangan (上安) und Siding (隙頂) sowie durch weitere Teile der Stadt einschließlich des früheren Landkreises Kaohsiung (高雄) waren mehr als genug, um die Zeit zu füllen.

Aus europäischer Sicht bleibt sicherlich Taiwan ein touristischer Nebenschauplatz, sofern keine familiären, geschäftlichen oder freundschaftlichen Beziehungen dorthin bestehen. Dabei läuft Taiwans Tourismussektor nach meinem Eindruck zur Zeit richtig heiß und die freien Kapazitäten schmelzen zusammen. War es vor einigen Jahren kein Problem ein freies komfortables Zimmer zu einem vernünftigen Preis für einige Tage am Sonnen-Mond-See, in Alishan, im Stadtzentrum von Kaohsiung oder in Kending zu bekommen, müssen die Reisenden auf eigenen Pfaden heute deutlich flexibler sein. Besucher aus Singapur, Hongkong und Festlandschina überfluten geradezu die Insel.

Rückfahrt von Alishan in der Buskarawane. Wer bringt die Fuhre Turis schneller zum nächsten Stop? „888-QQ“ ist der Wunschbusfahrer jedes Touristen. Er fährt vorsichtig und mit Bedacht. Das muss ein Anfänger sein. „Color Full Tour“ vertraut in den Gott des Glücks, schaukelt seine Ladung durch und überholt für einen früheren Feierabend blind in der Kurve.

Im Gespräch mit einem zukunftsorientierten Gastgeber, moderiert durch die beste Ehefrau von allen, obwohl er gut Englisch konnte, kam auch die Frage nach mehr Werbung für den lokalen Tourismus in Europa auf. Aus allgemeiner westlicher Perspektive dürften gegenüber Taiwan sicher andere Ziele in Asien zunächst Vorrang haben und mehr bieten, wie die Volksrepublik China, Thailand oder Bali. Auch Fotos und Berichte aus Vietnam oder Malaysia zeigen, dass diese Länder ebenfalls große Anstrengungen machen, Geld aus dem Tourismusgeschäft für ihre Volkswirtschaften abzuschöpfen. Dabei haben sie in gewisser Hinsicht dem Urlauber aus dem Westen deutlich mehr zu bieten als Taiwan.

Einer der nördlichsten Punkte im letzten Urlaubsprogramm: das in moderner Architektur errichtete neue Besucherzentrum am Sonne-Mond-See. Taiwans Verwaltung macht eine Menge, um den Touristen einen angenehmen und abwechselungsreichen Aufenthalt zu ermöglichen.

Angesichts der Konkurrenzsituation macht es für den individuellen Tourismus sicher Sinn sich als Anbieter auf die Mittelstrecke zu konzentrieren. Neben den vorgenannten China, Singapur und Hongkong kommen Japan, auch Korea, Australien, Neuseeland oder auch die USA und Kanada als etablierte Wohlstandsnationen vor Europa in Betracht, um für sich zu werben.

Für den Monat meines Aufenthaltes zeigen die vom Tourismusbüro veröffentlichten Zahlen, dass von 759.233 Besuchern circa

12 % aus geschäftlichen Gründen (90.603),
71 % zum Vergnügen (537.648) und
5 % für einen Verwandtenbesuch (38.972) nach Taiwan kamen.

Für sonstige Reisezwecke, wozu unter anderem Konferenzteilnahme, Ausstellungsbesuch, medizinische Behandlung oder Studium zählen, bleiben dann 12 %.

Von den mehr als 759.000 Besuchern waren etwa
49 % Bürger von Hongkong, Macao und andere Chinesen (370,545),
20 % Japaner (150.644),
15 % Südostasiaten (111.818),
5 % US-Amerikaner (41.037),
3 % Koreaner (24.637),
wenige Australier und Neuseeländer (10,781), Briten (8.252), Deutsche (6.022), andere Europäer (17.262) und weitere Nationalitäten.

Der durchschnittliche Aufenthalt im März 2013 umfasste 6,55 Übernachtungen.

Trotz dieser verkürzten Zahlen wird meines Erachtens deutlich, wer sich als Urlauber für Taiwan interessiert und kommt. Für den deutschen Urlauber wird Taiwan sicher ein Nischenprodukt bleiben, um besondere Vögel zu beobachten, andere Eisenbahnwelten zu entdecken, eine neue Küche zu schmecken, seinen Tee zu ernten, die traditionelle chinesische Schrift zu erlernen, sich der asiatischen Philosophie, Religion und Leibesübung anzunähern, oder einfach eine in vielem ganz andere Kultur zu erleben und in sie einzutauchen.

Sicher funktioniert dies besser und zielgerichteter, durch den organisierten Reiseablauf in einer Gruppe und mit lokalen Begleitern. Es ist nicht zu bestreiten, dass in Asien für den deutschen Urlauber in der Regel die Hürden in der Kommunikation sowie im Umgang miteinander etwas höher sind, als in europäischen Ländern oder Nordamerika.

Taiwan ist sicher keine Insel für Urlaube an langen Stränden, kletter- und wanderbaren Bergen, zum Spottpreis oder nächtelangen großartigen Abfeiern, zum ausgiebigen Alkoholkonsum oder für besondere Dienstleistungen.

Eine Straße Touriort in Kenting - Für Taiwans junge Leute, auswärtige Englischlehrer und die Adoka, soweit sie noch nach Strandleben suchen, reicht das. Natürlich ist das weit von einem „internationalen Touristikort“ entfernt, wenn es nicht einmal einen sicheren Bürgersteig in ausreichender Breite gibt. Aber Taiwan verändert sich schnell und die Frage ist berechtigt, ob die Taiwaner das überhaupt wollen.

Wird hier der Ausländer verstanden? Seit sich ein Fahrradtourismus im Süden und Osten Taiwans entwickelt, bieten Polizeistationen die „Bike Stage“ an. Bei den Polizisten findet der Radfahrer auf Tour nicht nur guten Rat sondern auch Werkzeug, Druckluft, Wasser und eine einfache medizinische Versorgung. Könnte es nicht auch bald einen deutschen Reiseveranstalter geben, der westliche Fahrradenthusiasten auf die Insel einlädt? Oder gibt es ihn schon?