Wahre und falsche Thesen
Was wünschen sich Taiwaner als Geschenk von Besuchern aus Deutschland: China Öl!
Eine Arbeitskollegin, die ihre Tochter an einem sommerlichen Austauschprogramm ins Ausland für Schüler teilnehmen ließ, berichtete dies nach ihrer Rückkehr aus dem Sommerurlaub. Von den Ländern, die für ihre Tochter in Frage kamen, blieb zunächst nur Taiwan übrig. Deshalb ging die Tochter dorthin. Die attrativeren Orte, wie etwa England, Australien oder die USA, waren ausgebucht. Die anderen Wahlmöglichkeiten lagen schon an der Grenze zu Schurkenstaaten oder galten als Sicherheitsrisiko für das Mädchen im Alter kurz vor der Volljährigkeit.
Falsch ist übrigens die von der Arbeitskollegin geäußerte These, dass China Öl deshalb so begehrt ist, weil es als eine Art Wunderdroge gilt, die den Taiwaner hilft, den harten Alltag sowie den Lern- und Leistungsdruck zu ertragen. Vielmehr wirkt China Öl im heißen subtropischen Klima als erfrischend und kühlend beim Auftrag auf Stirn und Haut. Deshalb wird es als angenehm empfunden und gerne nachgefragt.
Nun ist die Tochter in Taipei und sitzt dort im chinesischsprachigen Schulunterricht von morgens bis nachmittags um 5. Eigentlich sollte es ja der Sommerurlaub für sie sein, so dass jetzt die Eltern intervenierten und bei der Agentur zur Programmänderung aufforderten.
Im Museum für Geschichte von Kaohsiung, April 2007: In einer Ausstellung zum Jubiläum eines der Gymnasien der Stadt wird der unbedachte Urlauber schnell in die Rolle und Uniform eines gepeinigten Taiwan-Schülers gepresst.
Währenddessen bereiten sich hier die Nichten langsam auf den Rückflug vor. Dabei hat sich bewahrheitet, dass China Öl nur in haushaltsüblichen Mengen abgegeben wird. Dies hat den Zeitplan etwas durcheinander gewirbelt. Die Versandapothek hatte zwar direkt die Bestellmenge per Email bestätigt. Geliefert wurde aber nur die haushaltsübliche Menge, was nach deren Interpretation 10 Fläschchen sind. Dies hat uns zwei Tage gekostet. Schweinerei! Folglich musste in kleinen Chargen durch Familienangehörige, Verwandte und Freunde nachbestellt werden. Die Zielmenge wurde aber noch nicht erreicht.
Korrekturvermerk auf das Rechnung, aber Akzeptanz bei der Bestellbestätigung. Zwar gibt es in den AGB den Hinweis auf die haushaltsüblichen Mengen, das wird aber nicht konkretisiert. Die Klausel fand sich in allen AGB von Versandapotheken, die wir angeklickt hatten. Dabei sind in Asien die Haushalte größer und die sozialen Netzwerk umfangreicher, so dass hier aufgrund der sozialen Verpflichtungen, Geschenke für Freunde und Gäste, ganz andere Mengen benötigt und haushaltsüblich sein sollten.
Erst mit dem Öffnen des Paketes sehen Besteller oder Bestellerin, was die Versandapotheke selber unter haushaltsüblichen Mengen versteht. Dies ist meines Erachtens nicht okay. Und was soll das Ganze, wenn am Ende doch durch gesplittete Bestellungen, die gleiche Menge – versandkostenfrei übrigens - erreicht werden kann? Die sollen doch froh sein, dass sie soviel von dem Zeug verkaufen können.
Der Karton für den Versand füllt sich: China Öl „Made in Germany‟ für Taiwan
Nachdem die ersten Flaschen eintrafen konnte Luo You sie genauer in Augenschein nehmen. Tatsächlich ist auf dem Glas der Flaschen in erhabenen chinesischen Zeichen 中油中, jeweils auf Vorder- und Rückseite.
Da lag die Apotheke in Heidelberg gar nicht so falsch. Nur ist das eben nicht der Name unter dem das China Öl als déguó bǎilíng yóu (德國百靈油) in Taiwan beworben wird.
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Samstag, 9. August 2014
Mittwoch, 18. Juni 2014
Eine Einführung in die Modelleisenbahn – Teil 3.3 – Rund um den Hafen
Die Beschreibung einer Modellbahnanlage zu Taiwan in drei Kapiteln
Im letzten Kapitel geht es um (F) und die folgenden Buchstaben im Plan.
Für das Sägewerk (F) gibt Checheng (車埕) wieder das Vorbild. Die alten Anlagen wurden erneuert und zu Museum, Ausstellungs- und Verkaufshalle umgenutzt.
Im Modell sieht das dann so aus, wenn das Sägewerk von POLA aufgestellt wird.
Auf der Modellbahnanlage wird sich das Sägewerk unmittelbarer am kleinen Hafen befinden, in dem Fischerboote und Frachtschiff anlegen können. (G)
Pier 13 bis 15 im Hafen von Kaohsiung ( 高雄) ist die Vorbildsituation für die Hafenanlage.
Dieser Hafenkai war früher die Anlegestelle für die Militärschiffe, die Kinmen, Matsu und die weiteren Inseln der Republik China vor dem kommunistisch regierten Festland versorgten. Auf dem Foto von 2007 ist die militärische Nutzung aufgegeben und die Umwandlung zum einem zentrumsnahen Erholungsgebiet von Kaohsiung (高雄) hat bereits begonnen, etwa durch eine neue Beleuchtung und Abzäunung zum Wasser. Kleinere Frachtschiffe legen dort noch an. Gut zu erkennen ist das verbliebene Gleis auf der Kaimauer.
Quasi der Bahnhof des Stadtteils Lingya (苓雅) mit Ausweich-, Abstell- und Ladegleisen einige Meter hinter dem Pier 13 bis 15. Im Jahr zuvor, also 2006, drehte hier noch der „Dodo-Train‟ als Ausflugszug seine Runde auf der Hafenbahn von Kaohsiung.
Ein Fischerboot auf dem Weg zu seinem Pier im Hafen von Kaohsiung (高雄).
Bis auf die Fischerboote von GREENMAX führt der Weg zur Nachbildung der Wasserfahrzeuge über den Kartonmodellbau.
ARTITEC hatte in früheren Jahren ein maßstabsgerechtes Küstenmotorschiff im Angebot. Dieses ist aber nicht mehr lieferbar. Auf die Beantwortung meiner Bestellung bei einem französischen Händler warte ich schon seit Jahren, belastet wurde die Kreditkarte aber sofort. Krawall machen oder schlucken? Der relativ geringe Betrag und der Wunsch nicht noch schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen, haben meine Entscheidung nach mehreren vergeblich mahnenden Emails bestimmt.
Das richtige Schiff für Massengüter hat der Mitteldeutsche Kartonmodell-Verlag mit dem Küstenmotorschiff 500 Greifswald im Programm. Noch schöner ist die S.S. Wilno beziehungsweise S.S. Krakow von GPM. Das Schiff erinnert stark an das Schiff aus „Cape No. 7‟. Den luxuriösen Bausatz mit Lasercut-Rumpf gab es auf der Intermodellbau in Dortmund 2014.
Neuzeitliche Erweiterungen des Ortes
Die japanischen Kolonialzeit ist lange Geschichte. Die Welt hat sich weiter entwickelt und verändert. Wo heute in Taiwan Menschen zusammen kommen, darf der „Convenience Store‟ (H) nicht fehlen.
Auf der Modellbahnanlage ist deshalb auch ein 7-Eleven eingeplant. Für die Beschäftigten gibt es moderne Wohnhäuser (J), die den heutigen Bedürfnissen entsprechen.
Vorbilder können die Gebäude am Bahnhof von Neishi sein, die bisher kaum richtig genutzt wurden, da die Station nach der Fertigstellung ihre Entwicklungspotenziale noch nicht ausgeschöpft hat. Das soll heißen, dass Neishi quasi auf freiem Feld liegt, dort überhaupt nichts los ist und bis heute keiner dort in Wohn- oder Gewerbegebiete investieren oder sich ansiedeln wollte.
Der chinesische Pavillion auf dem Berg (K)
Der Pavillion war ein Zufallskauf vor vielen Jahren in der Aquarienabteilung eines Kaufhauses in Kaohsiung. Sein ursprünglicher Zweck ist die Positionierung in einem Fischbecken, wohl um den Guppies ihr eintöniges Dasein interessanter zu gestalten. Wie das Foto zeigt, ist das Bauwerk so in etwa mit dem Maßstab N in Europa 1:160, in Asien 1:150, kompatibel.
Somit kann es realitätsnah auf der Anlage, am Besten auf einem Bergsporn über der Siedlung aufgestellt werden, wie zum Beispiel am Schrein des ewigen Frühling in der Taroko-Schlucht. „Kultig‟ ist die Kombination traditioneller chinesischer Architektur mit VW-Bussen.
Aufnahme mit einem T2 vor dem alten Südtor von Hengchun (恆春) – Die Kombination aus einem sonnigen attraktiven Urlaubsgebiet für junge Leute und Ausländer, schönen Stränden und dem Bulli als günstigen, poppig-bunten Campingbus hat ihn zwischenzeitlich zum Symbol und Werbeträger für Taiwans Süden gemacht.
Was noch fehlt?
Kein Taiwan-Modell ohne Betelnüsse und Betelnuss-Stand! Die Landschaftsgestaltung und Vegetation wird sicherlich ein spannendes Thema bei der Ausgestaltung. Erste Studien vor Ort und auf den Elektronik-Seiten zum Aufbau der Betelnuss-Verkaufsbox mit vorbildgerechter LED-Technik wurden schon vor Ort und im Netz gemacht. Die Betelnuss-Schönheit, die in der dargestellten Szene im Bikini zum FUSO-Lastwagen läuft, um die Bestellung aufzunehmen, findet sich in einem Set der Preiser-Figuren. Der Rest der zumeist blondhaarigen Badenden aus der Serie wird zu Englischlehren deklariert, die sich am Strand vergnügen.
Im letzten Kapitel geht es um (F) und die folgenden Buchstaben im Plan.
Für das Sägewerk (F) gibt Checheng (車埕) wieder das Vorbild. Die alten Anlagen wurden erneuert und zu Museum, Ausstellungs- und Verkaufshalle umgenutzt.
Im Modell sieht das dann so aus, wenn das Sägewerk von POLA aufgestellt wird.
Auf der Modellbahnanlage wird sich das Sägewerk unmittelbarer am kleinen Hafen befinden, in dem Fischerboote und Frachtschiff anlegen können. (G)
Pier 13 bis 15 im Hafen von Kaohsiung ( 高雄) ist die Vorbildsituation für die Hafenanlage.
Dieser Hafenkai war früher die Anlegestelle für die Militärschiffe, die Kinmen, Matsu und die weiteren Inseln der Republik China vor dem kommunistisch regierten Festland versorgten. Auf dem Foto von 2007 ist die militärische Nutzung aufgegeben und die Umwandlung zum einem zentrumsnahen Erholungsgebiet von Kaohsiung (高雄) hat bereits begonnen, etwa durch eine neue Beleuchtung und Abzäunung zum Wasser. Kleinere Frachtschiffe legen dort noch an. Gut zu erkennen ist das verbliebene Gleis auf der Kaimauer.
Quasi der Bahnhof des Stadtteils Lingya (苓雅) mit Ausweich-, Abstell- und Ladegleisen einige Meter hinter dem Pier 13 bis 15. Im Jahr zuvor, also 2006, drehte hier noch der „Dodo-Train‟ als Ausflugszug seine Runde auf der Hafenbahn von Kaohsiung.
Ein Fischerboot auf dem Weg zu seinem Pier im Hafen von Kaohsiung (高雄).
Bis auf die Fischerboote von GREENMAX führt der Weg zur Nachbildung der Wasserfahrzeuge über den Kartonmodellbau.
ARTITEC hatte in früheren Jahren ein maßstabsgerechtes Küstenmotorschiff im Angebot. Dieses ist aber nicht mehr lieferbar. Auf die Beantwortung meiner Bestellung bei einem französischen Händler warte ich schon seit Jahren, belastet wurde die Kreditkarte aber sofort. Krawall machen oder schlucken? Der relativ geringe Betrag und der Wunsch nicht noch schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen, haben meine Entscheidung nach mehreren vergeblich mahnenden Emails bestimmt.
Das richtige Schiff für Massengüter hat der Mitteldeutsche Kartonmodell-Verlag mit dem Küstenmotorschiff 500 Greifswald im Programm. Noch schöner ist die S.S. Wilno beziehungsweise S.S. Krakow von GPM. Das Schiff erinnert stark an das Schiff aus „Cape No. 7‟. Den luxuriösen Bausatz mit Lasercut-Rumpf gab es auf der Intermodellbau in Dortmund 2014.
Neuzeitliche Erweiterungen des Ortes
Die japanischen Kolonialzeit ist lange Geschichte. Die Welt hat sich weiter entwickelt und verändert. Wo heute in Taiwan Menschen zusammen kommen, darf der „Convenience Store‟ (H) nicht fehlen.
Auf der Modellbahnanlage ist deshalb auch ein 7-Eleven eingeplant. Für die Beschäftigten gibt es moderne Wohnhäuser (J), die den heutigen Bedürfnissen entsprechen.
Vorbilder können die Gebäude am Bahnhof von Neishi sein, die bisher kaum richtig genutzt wurden, da die Station nach der Fertigstellung ihre Entwicklungspotenziale noch nicht ausgeschöpft hat. Das soll heißen, dass Neishi quasi auf freiem Feld liegt, dort überhaupt nichts los ist und bis heute keiner dort in Wohn- oder Gewerbegebiete investieren oder sich ansiedeln wollte.
Der chinesische Pavillion auf dem Berg (K)
Der Pavillion war ein Zufallskauf vor vielen Jahren in der Aquarienabteilung eines Kaufhauses in Kaohsiung. Sein ursprünglicher Zweck ist die Positionierung in einem Fischbecken, wohl um den Guppies ihr eintöniges Dasein interessanter zu gestalten. Wie das Foto zeigt, ist das Bauwerk so in etwa mit dem Maßstab N in Europa 1:160, in Asien 1:150, kompatibel.
Somit kann es realitätsnah auf der Anlage, am Besten auf einem Bergsporn über der Siedlung aufgestellt werden, wie zum Beispiel am Schrein des ewigen Frühling in der Taroko-Schlucht. „Kultig‟ ist die Kombination traditioneller chinesischer Architektur mit VW-Bussen.
Aufnahme mit einem T2 vor dem alten Südtor von Hengchun (恆春) – Die Kombination aus einem sonnigen attraktiven Urlaubsgebiet für junge Leute und Ausländer, schönen Stränden und dem Bulli als günstigen, poppig-bunten Campingbus hat ihn zwischenzeitlich zum Symbol und Werbeträger für Taiwans Süden gemacht.
Was noch fehlt?
Kein Taiwan-Modell ohne Betelnüsse und Betelnuss-Stand! Die Landschaftsgestaltung und Vegetation wird sicherlich ein spannendes Thema bei der Ausgestaltung. Erste Studien vor Ort und auf den Elektronik-Seiten zum Aufbau der Betelnuss-Verkaufsbox mit vorbildgerechter LED-Technik wurden schon vor Ort und im Netz gemacht. Die Betelnuss-Schönheit, die in der dargestellten Szene im Bikini zum FUSO-Lastwagen läuft, um die Bestellung aufzunehmen, findet sich in einem Set der Preiser-Figuren. Der Rest der zumeist blondhaarigen Badenden aus der Serie wird zu Englischlehren deklariert, die sich am Strand vergnügen.
Dienstag, 1. Oktober 2013
Die gelbe Ente
Quietschfrei und von Luft entleert taifunfest
Vor einigen Jahren wurden die alten Hafengebiete in Kaohsiung (高雄) freigeräumt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies war sicher ein wichtiger Schritt die Lebensqualität in der Großstadt zu heben und den Strukturwandel zu einer modernen Metropole voran zu bringen.
Ein beliebter Ort ist dabei das Love Pier (真愛碼頭) an der Mündung des gleichnamigen Flusses und mit der Skyline der Hibian Straße und von Sanduo gegenüber geworden. Hier starten die Hafenrundfahrten der Kaohsiung City Shipping Gesellschaft.
Jüngst erschien vor dem Love Pier die gigantische gelbe Gummiente (黃色小鴨) des niederländischen Künstlers Florentijin Hofman. 18 Meter hoch dümpelt sie im Hafenbecken gegenüber dem Love Pier und lässt sich von den Einwohnern und Besuchern der Stadt bewundern. Schade, die Ente bleibt nur bis zum 20. Oktober 2013. Leider kommen wir erst später nach Taiwan, so dass uns der seltene Vogel wohl entgehen wird.
Auch Deutsche mögen so was, aber vielleicht auch etwas anders. Tausende Goldhähne präsentieren sich bei einer Installation von Ottmar Hörl im September 2011. Statt der Größe beeindruckt hier die Masse von künstlerisch nachgeahmten Federvieh. Zwar zog es in der rheinischen Mittelstadt nicht das Publikum in so großer Zahl wie in Kaohsiung an, dennoch ist das Ereignis im kollektiven Gedächtnis haften geblieben. Die Goldhähne finden sich heute nicht nur in verschiedenen Gärten der Stadt sondern auch im Büro des Bürgermeisters.
Vor einigen Jahren wurden die alten Hafengebiete in Kaohsiung (高雄) freigeräumt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies war sicher ein wichtiger Schritt die Lebensqualität in der Großstadt zu heben und den Strukturwandel zu einer modernen Metropole voran zu bringen.
Ein beliebter Ort ist dabei das Love Pier (真愛碼頭) an der Mündung des gleichnamigen Flusses und mit der Skyline der Hibian Straße und von Sanduo gegenüber geworden. Hier starten die Hafenrundfahrten der Kaohsiung City Shipping Gesellschaft.
Jüngst erschien vor dem Love Pier die gigantische gelbe Gummiente (黃色小鴨) des niederländischen Künstlers Florentijin Hofman. 18 Meter hoch dümpelt sie im Hafenbecken gegenüber dem Love Pier und lässt sich von den Einwohnern und Besuchern der Stadt bewundern. Schade, die Ente bleibt nur bis zum 20. Oktober 2013. Leider kommen wir erst später nach Taiwan, so dass uns der seltene Vogel wohl entgehen wird.
Auch Deutsche mögen so was, aber vielleicht auch etwas anders. Tausende Goldhähne präsentieren sich bei einer Installation von Ottmar Hörl im September 2011. Statt der Größe beeindruckt hier die Masse von künstlerisch nachgeahmten Federvieh. Zwar zog es in der rheinischen Mittelstadt nicht das Publikum in so großer Zahl wie in Kaohsiung an, dennoch ist das Ereignis im kollektiven Gedächtnis haften geblieben. Die Goldhähne finden sich heute nicht nur in verschiedenen Gärten der Stadt sondern auch im Büro des Bürgermeisters.
Sonntag, 30. Juni 2013
Der Bahnhof von Jhutian (竹田車站)
Modell und Wirklichkeit
Nachdem sich die letzten drei Beiträge ernsten und traurigen Fragen widmeten, ist jetzt noch etwas Zeit, zu bevorzugten Themen über Schienenverkehr und Modellbahn zurückzukehren. Den Impuls gab auch die kürzliche Wiederholung der TV-Sendung "Mit dem Zug durch ... Taiwan" im deutschen Fernsehen.
Der Bahnhof von Jiji (集集) ist ein Touristenziel erster Klasse in Taiwan. Um das historische Bahnhofsgebäude herrscht eine Geschäftigkeit, die einem Jahrmarkt ähnelt. Beim Streifzug durch den Südwesten der Insel im vergangenen März war ich zum dritten Mal in dem turbulenten Städtchen, wobei sich die ansässigen Unterhaltungsbetriebe, Läden, Restaurants und das Warenangebot ständig wandeln.
So sieht das „Geisterhaus“ gegenüber dem Bahnhof jedes Mal schrecklicher aus.
Neue „Highlights“ waren im März die laut knatternde Go-Cart-Bahn mitten in einem reinen Wohngebiet und - etwas netter und wiederbelebt - ein Dampfzug entlang der Hauptstraße auf schmaler Spur.
In der Verkaufshalle für Souvenirs am Bahnhof fand ich kleine Miniaturbahnhöfe bekannter taiwanischer Stationen, also nicht nur Jiji sondern zum Beispiel auch Chishan, Wushulin, Hsinchu, Kaohsiung, Tainan. Das Modell des historischen Bahnhofsgebäudes von Jhutian gefiel mir besonders gut und erinnerte mich an meinen Besuch dort im April 2007.
Japanisch geprägte Bahnhofarchitektur im Modell. Aber wie genau ist die Nachbildung?
Bei Betrachtung des Originalgebäudes fallen doch sehr unterschiedliche Proportionen und die fehlende Filigranität des Modells sofort auf. Es ist einfach zu klobig und gestaucht. Lediglich Dachformen, Farbgebung und die grundsätzliche Komposition des Gebäudes sind stimmig. Aber was ist schon bei einem Preis von rund 2 Euro zu erwarten.
Der Bahnhof von Jhutian im Landkreis Pingtung wurde 1919 errichtet. Von hier aus wurden die landwirtschaftlichen Güter des Ortes versandt. Hotels und ein Badehaus waren in der Nähe. Mit dem Strukturwandel im Verkehr, mit mehr Lastkraftwagen und individueller Mobilität verlor der Bahnhof an Bedeutung.
Die Bürgerschaft kämpfte für den Erhalt des hölzernen Bahnhofs, der so viel Bedeutung für die Lokalgeschichte und die Menschen vor Ort hatte. Heute sind sogar noch feine Details, wie etwa Bahnsteigsperre, das historische Bahnhofsschild oder eine alte Waage. Die Gebäude und benachbarten Flächen wurden zur Parkanlage und zum Kulturzentrum für den Ort aufgewertet. Hier befindet sich auch die umfangreiche Bibliothek von Dr. Ichiro Ikegami, einem japanischen Militärarzt, der in Taiwan wirkte und armen Menschen auf der Insel half. Seine wertvolle und umfangreiche Sammlung japanischer Bücher, ist der Öffentlichkeit in Jhutian heute zugänglich.
Vom Bahnbetrieb ist wenig übrig. Er beschränkt sich heute auf ein Gleis und den Stopp von Lokalzügen im Streckenabschnitt zwischen Kaohsiung und Fangliao.
Der Betonkubus am Ende des Bahnsteigs im Hintergrund ist jetzt der „Servicepoint“ mit Unterstand für die Passagiere, Fahrkartenverkauf und Automaten. Viel Eisenbahnromantik gibt es da nicht mehr, wenn der Zugchef für die reibungslose Abwicklung des Zughalts sorgt.
Für die Menschen hängen viele Erinnerungen an ihrem kleinen Bahnhof. Das Foto findet sich an einer Fassade gegenüber dem Stationsgebäude. Es zeigt die Rückkehr einer verheirateten Tochter mit ihrem Kind zu ihrer alten Familie am 2. Tag des chinesischen Neujahrsfestes. Die Frau trägt die Festtagstracht der Hakka, einer Volksgruppe, die in Jhutian lebt. So danken die Menschen der Eisenbahn, die sie immer wieder zusammengeführt hat.
Nachdem sich die letzten drei Beiträge ernsten und traurigen Fragen widmeten, ist jetzt noch etwas Zeit, zu bevorzugten Themen über Schienenverkehr und Modellbahn zurückzukehren. Den Impuls gab auch die kürzliche Wiederholung der TV-Sendung "Mit dem Zug durch ... Taiwan" im deutschen Fernsehen.
Der Bahnhof von Jiji (集集) ist ein Touristenziel erster Klasse in Taiwan. Um das historische Bahnhofsgebäude herrscht eine Geschäftigkeit, die einem Jahrmarkt ähnelt. Beim Streifzug durch den Südwesten der Insel im vergangenen März war ich zum dritten Mal in dem turbulenten Städtchen, wobei sich die ansässigen Unterhaltungsbetriebe, Läden, Restaurants und das Warenangebot ständig wandeln.
So sieht das „Geisterhaus“ gegenüber dem Bahnhof jedes Mal schrecklicher aus.
Neue „Highlights“ waren im März die laut knatternde Go-Cart-Bahn mitten in einem reinen Wohngebiet und - etwas netter und wiederbelebt - ein Dampfzug entlang der Hauptstraße auf schmaler Spur.
In der Verkaufshalle für Souvenirs am Bahnhof fand ich kleine Miniaturbahnhöfe bekannter taiwanischer Stationen, also nicht nur Jiji sondern zum Beispiel auch Chishan, Wushulin, Hsinchu, Kaohsiung, Tainan. Das Modell des historischen Bahnhofsgebäudes von Jhutian gefiel mir besonders gut und erinnerte mich an meinen Besuch dort im April 2007.
Japanisch geprägte Bahnhofarchitektur im Modell. Aber wie genau ist die Nachbildung?
Bei Betrachtung des Originalgebäudes fallen doch sehr unterschiedliche Proportionen und die fehlende Filigranität des Modells sofort auf. Es ist einfach zu klobig und gestaucht. Lediglich Dachformen, Farbgebung und die grundsätzliche Komposition des Gebäudes sind stimmig. Aber was ist schon bei einem Preis von rund 2 Euro zu erwarten.
Der Bahnhof von Jhutian im Landkreis Pingtung wurde 1919 errichtet. Von hier aus wurden die landwirtschaftlichen Güter des Ortes versandt. Hotels und ein Badehaus waren in der Nähe. Mit dem Strukturwandel im Verkehr, mit mehr Lastkraftwagen und individueller Mobilität verlor der Bahnhof an Bedeutung.
Die Bürgerschaft kämpfte für den Erhalt des hölzernen Bahnhofs, der so viel Bedeutung für die Lokalgeschichte und die Menschen vor Ort hatte. Heute sind sogar noch feine Details, wie etwa Bahnsteigsperre, das historische Bahnhofsschild oder eine alte Waage. Die Gebäude und benachbarten Flächen wurden zur Parkanlage und zum Kulturzentrum für den Ort aufgewertet. Hier befindet sich auch die umfangreiche Bibliothek von Dr. Ichiro Ikegami, einem japanischen Militärarzt, der in Taiwan wirkte und armen Menschen auf der Insel half. Seine wertvolle und umfangreiche Sammlung japanischer Bücher, ist der Öffentlichkeit in Jhutian heute zugänglich.
Vom Bahnbetrieb ist wenig übrig. Er beschränkt sich heute auf ein Gleis und den Stopp von Lokalzügen im Streckenabschnitt zwischen Kaohsiung und Fangliao.
Der Betonkubus am Ende des Bahnsteigs im Hintergrund ist jetzt der „Servicepoint“ mit Unterstand für die Passagiere, Fahrkartenverkauf und Automaten. Viel Eisenbahnromantik gibt es da nicht mehr, wenn der Zugchef für die reibungslose Abwicklung des Zughalts sorgt.
Für die Menschen hängen viele Erinnerungen an ihrem kleinen Bahnhof. Das Foto findet sich an einer Fassade gegenüber dem Stationsgebäude. Es zeigt die Rückkehr einer verheirateten Tochter mit ihrem Kind zu ihrer alten Familie am 2. Tag des chinesischen Neujahrsfestes. Die Frau trägt die Festtagstracht der Hakka, einer Volksgruppe, die in Jhutian lebt. So danken die Menschen der Eisenbahn, die sie immer wieder zusammengeführt hat.
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