Bauarbeiterinnen in Taiwan
Bisher dachte ich, es wäre nur mir aufgefallen. Jetzt merkte es auch die beste Ehefrau von allen an. Es gibt eigentlich keine Bauarbeiterinnen in Deutschland. Erstaunlich und fremdartig für die Taiwanerin! Oder aus der Perspektive des deutschen Verfassers dieser Zeilen: In Taiwan sind Bauarbeiterinnen etwas so selbstverständliches, dass sie – bis auf dem beobachtenden Ausländer – niemanden auffallen.
Ausgetauscht haben wir uns über diese Erfahrung bei einem Bericht über die vielen Baustellen an Autobahnen und Fernstraßen in Nordrhein-Westfalen. Über Jahrzehnte wurde der notwendige Unterhalt im gebotenen Umfang unterlassen, damit (seit langem pensionierte oder bereits verstorbene) Politiker Geld für Prestigeprojekte und öffentlichkeitswirksame Neubauten ausgeben konnten. Dank der Rekordgewinne bei den Unternehmen und einer Steuerschwemme, für die nicht nur die Griechen sondern auch wir in diesem Land länger und für weniger Geld arbeiten dürfen, steht jetzt überreich Kapital zur Verfügung. An allen Ecken entstehen heute neue Baustellen, finanziert mit Bundesmitteln oder hoch gefördert als Landes- und Gemeindevorhaben. Da weiß der tägliche Berufspendler bald nicht mehr, wie er den ganzen Verkehrseinschränkungen entgehen soll.
Unter vielen Männern vom Landesstraßenbetrieb erschien in dem Bericht auch eine Frau. Nein, erklärte ich, dass ist keine Arbeiterin, sondern die Mitarbeiterin wird eine Verwaltungsangestellte sein, vielleicht eine Ingenieurin oder Technikerin in Gummistiefeln und Arbeitskleidung.
Im Dezember 2013 vervollständigt diese fleißige Arbeiterin den monumentalen neuen Bauabschnitt des Fo Guang Shan Klosters in Kaohsiung.
Wirkliche Emanzipation gibt es nicht, so hieß es im gestrigen Fernsehbeitrag über Femen, bevor die Damen ihre Brüste entblößten und gegen das Übel dieser Welt protestierten. Stimmt! Emanzipation gibt es nicht. Sicher hat auch das taiwanische Modell seine Nachteile: Wird das gleiche Einkommen gezahlt und besteht die gleiche soziale Absicherung zwischen den Geschlechtern? Auf jeden Fall ist es spannend, wie unterschiedlich sich die Kulturen ausgeprägt haben, was wir für selbstverständlich halten und sich traditionell verfestigt hat. Es geht eben nicht nur um Quoten bei den Positionen der Top-Manager.
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Montag, 31. August 2015
Samstag, 30. Mai 2015
Fußmassage
Nach dem Motto: Das können wir doch besser!
Kaum eine Parkanlage in Taiwan verfügt nicht über einen kleinen Parcours mit herausstehenden Kieselsteinen. Die l-förmige Anlage im obigen Bild am Lotus-See in Kaohsiung wurde von mir bereits im Dezember 2004 dokumentiert.
In Asien sind Massagen beliebt und werden als besonders gesundheitsfördernd werden. Daher wurden viele solcher Anlagen eingerichtet. Mit nackten Füßen soll beim Begehen der welligen Oberflächen mit wechselnden Belastungssituationen für die Sohle eine stimulierende Massagewirkung auf verschiedene Fußregionen erreicht werden. Ausprobiert habe ich das selber noch nie. Ich gehöre nicht zu den klassischen Barfußgängern. Das sind mehr die Taiwaner, die in ihrer subtropischen Klimazone sich gerne dem Fuß-Nudismus hingeben. Das führt dann zu etwas derberen Fußunterseiten als im stärker fußsensiblen Mitteleuropa. Die einmalige Testbegehung erscheint mir nicht so sinnig und genußversprechend. Wirkliche gesundheitsfördernde Effekte sind vermutlich auch nur bei regelmäßiger Nutzung der Kieselstrecke zu erwarten. Ob es eine Studie zu den Wirkungen gibt?
Daran, irgendwelche Nachahmerprojekte in Deutschland gesehen zu haben, kann ich mich nicht erinnern. Vielleicht gab es mal etwas auf einem Landes- oder Bundesgartenschaugelände.
Aber jetzt habe ich einen Beleg! Wir haben das auch in Deutschland und sogar besser, von wegen kleine Minikiesel aus Beton gewaschen mit Ruhebank. Im Staatsbad Oeynhausen wird mit soliden Bruchsteinen und harten Stahl gearbeitet. Da kommt doch richtige Fußfreude auf!
Wenigsten konnten nach der Internetrecherche die Geocacher zur Aufklärung beitragen, dass die Installationen dann doch weniger der Fussmassage dienen sollen, als vielmehr die (geologischen) Verwerfungen in Bad Oeynhausen - als Kunst ausformuliert - aufnehmen und darstellen.
Kaum eine Parkanlage in Taiwan verfügt nicht über einen kleinen Parcours mit herausstehenden Kieselsteinen. Die l-förmige Anlage im obigen Bild am Lotus-See in Kaohsiung wurde von mir bereits im Dezember 2004 dokumentiert.
In Asien sind Massagen beliebt und werden als besonders gesundheitsfördernd werden. Daher wurden viele solcher Anlagen eingerichtet. Mit nackten Füßen soll beim Begehen der welligen Oberflächen mit wechselnden Belastungssituationen für die Sohle eine stimulierende Massagewirkung auf verschiedene Fußregionen erreicht werden. Ausprobiert habe ich das selber noch nie. Ich gehöre nicht zu den klassischen Barfußgängern. Das sind mehr die Taiwaner, die in ihrer subtropischen Klimazone sich gerne dem Fuß-Nudismus hingeben. Das führt dann zu etwas derberen Fußunterseiten als im stärker fußsensiblen Mitteleuropa. Die einmalige Testbegehung erscheint mir nicht so sinnig und genußversprechend. Wirkliche gesundheitsfördernde Effekte sind vermutlich auch nur bei regelmäßiger Nutzung der Kieselstrecke zu erwarten. Ob es eine Studie zu den Wirkungen gibt?
Daran, irgendwelche Nachahmerprojekte in Deutschland gesehen zu haben, kann ich mich nicht erinnern. Vielleicht gab es mal etwas auf einem Landes- oder Bundesgartenschaugelände.
Aber jetzt habe ich einen Beleg! Wir haben das auch in Deutschland und sogar besser, von wegen kleine Minikiesel aus Beton gewaschen mit Ruhebank. Im Staatsbad Oeynhausen wird mit soliden Bruchsteinen und harten Stahl gearbeitet. Da kommt doch richtige Fußfreude auf!
Wenigsten konnten nach der Internetrecherche die Geocacher zur Aufklärung beitragen, dass die Installationen dann doch weniger der Fussmassage dienen sollen, als vielmehr die (geologischen) Verwerfungen in Bad Oeynhausen - als Kunst ausformuliert - aufnehmen und darstellen.
Dienstag, 5. August 2014
Risiko
Ist Taiwan gefährlich?
Diese Frage stellt sich verstärkt nach den Gasexplosionen in Kaohsiung (高雄) am 31. Juli 2014, wozu Aris Teon weiterführende Links in seinem Blog zusammengestellt hat. Das Unglück fand in einem relativ innenstadtnahen, dicht bebauten Stadtgebiet mit gemischter Nutzung statt. Verwandte, Freunde von mir und ich nahmen Anteil an dem Schicksal der vielen Menschen, die ums Leben gekommen sind, und deren Familien.
Natürlich gibt es überall auf diesem Planeten ein allgemeines Lebensrisiko, verletzt zu werden oder uns Leben zu kommen. Aber im Vergleich zu Deutschland dürfte das Risiko in Taiwan, Opfer eines Verkehrs- und Industrieunfall zu werden, ein Vielfaches höher liegen. Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen.
Zunächst einmal ist die Insel Taiwan von den naturräumlichen Bedingungen mit saisonalen Taifunen, subtropischen Stürmen, Regenfällen und Erdrutschen ganz anders aufgestellt als Mitteleuropa. Eine geologisch instabile Situation an zwei tektonischen Platten kann zu unvorhersehbaren Erdbeben mit erheblichen Auswirkungen führen.
Kaohsiungs Süden – Wohnen zwischen vernetzten Industriebetrieben und Umschlaganlagen für alle möglichen Güter am Hafen. Ungeahnte Risiken stecken im dicht bebauten Stadtgebiet.
Dann gibt es auch sozio-ökonomische Differenzen. Das rasche Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahrzehnte, die wesentlich höhere Nutzungsdichten und eine stärkere Toleranz bei Umwelt-und Sicherheitsfragen zu Gunsten einer raschen ökonomischen Entwicklung haben ihren Preis, der zum Teil erst später bezahlt werden muss. Ob angesichts der zur Verfügung stehenden großen Ressource an Menschen das einzelne Leben von geringerer Bedeutung im chinesischen Kulturkreis ist, damit geringere Sicherstandards gefordert und größere Toleranzen zugelassen werden, wäre zu diskutieren.
Erfährt der Leser von der geringen Höhe der Entschädigung für die Angehörigen der Todesopfer anlässlich des Flugabsturzes auf den Penghu-Inseln am 23. Juli 2014, sieht er sich in dieser Vermutung bestätigt.
Kritische Wetterlagen können Flüge zu risikoreichen Abenteuern machen – Dornier 228 in Lan Yu, der Orchideeninsel, kurz vor dem Rückflug nach Taidong im Dezember 2006. Diese Strecke war sicherlich aufgrund des starken Windes das gefährlichste Flugerlebnis meines Lebens.
Immerhin ist festzustellen ist, dass mit jedem Unglück das Bewusstsein und der öffentliche Druck wachsen, Verbesserungen für die Sicherheit des Einzelnen zu erreichen. Dabei ist davon auszugehen, dass sich die Standards weltweit stärker annähern werden.
Alte Pipelines werden erfasst, stärker kontrolliert und in Notfallplänen aufgenommen. Bei Fluggesellschaften entsteht mehr Bewusstsein für die Gefahren aus Krisengebieten. Ich habe mich schon immer unwohl gefühlt über Afghanistan zu fliegen. Schlechtwettersituationen sollten kritischer bewertet werden. Hier ist bei mir als Passagier mehr Bewusstsein entstanden, besser einen Tag später bei ruhiger Wetterlage zum Flughafen zurückzukehren als am Flugsteig wartend den erstmöglichen Flieger im Sturm zu nehmen.
Spiel mit dem Atommüll – Versuch einer Senkung des öffentlichen Risikobewusstseins im Atomkraftwerk von Hengchun (恆春), Ausstellungssaal.
Aber auch in Deutschland ist nicht alles im Reinen. Die Konflikte zwischen Wirtschaftsinteressen und der Besorgnis einer potenziell betroffenen Öffentlichkeit, sei es bei Pipeline-Verlegungen oder gegen eine weitere nukleare Nutzung und deren Entsorgung, bestehen auch hier.
Störfallbetriebe, wo giftige und gesundheitsschädliche Substanzen oder Strahlungen austreten können, nahe an Wohngebieten und öffentlichen Nutzungen, gibt es auch im entindustriealisierten Deutschland noch in großer Zahl. Es wird solche Situation voraussichtlich noch über eine sehr lange Zeit geben. Selbst mit allen erdenklichen Maßnahmen, so sagen es Experten aus den zuständigen Behörden, wird es nie gelingen, das Risiko eines Unfalls völlig auszuschließen. Da sollten sich auch die Deutschen nichts vormachen.
Was läuft eigentlich durch die Produktenpipelines aus den 1970er Jahren hinter meinem Elternhaus im Ruhrgebiet?
Diese Frage stellt sich verstärkt nach den Gasexplosionen in Kaohsiung (高雄) am 31. Juli 2014, wozu Aris Teon weiterführende Links in seinem Blog zusammengestellt hat. Das Unglück fand in einem relativ innenstadtnahen, dicht bebauten Stadtgebiet mit gemischter Nutzung statt. Verwandte, Freunde von mir und ich nahmen Anteil an dem Schicksal der vielen Menschen, die ums Leben gekommen sind, und deren Familien.
Natürlich gibt es überall auf diesem Planeten ein allgemeines Lebensrisiko, verletzt zu werden oder uns Leben zu kommen. Aber im Vergleich zu Deutschland dürfte das Risiko in Taiwan, Opfer eines Verkehrs- und Industrieunfall zu werden, ein Vielfaches höher liegen. Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen.
Zunächst einmal ist die Insel Taiwan von den naturräumlichen Bedingungen mit saisonalen Taifunen, subtropischen Stürmen, Regenfällen und Erdrutschen ganz anders aufgestellt als Mitteleuropa. Eine geologisch instabile Situation an zwei tektonischen Platten kann zu unvorhersehbaren Erdbeben mit erheblichen Auswirkungen führen.
Kaohsiungs Süden – Wohnen zwischen vernetzten Industriebetrieben und Umschlaganlagen für alle möglichen Güter am Hafen. Ungeahnte Risiken stecken im dicht bebauten Stadtgebiet.
Dann gibt es auch sozio-ökonomische Differenzen. Das rasche Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahrzehnte, die wesentlich höhere Nutzungsdichten und eine stärkere Toleranz bei Umwelt-und Sicherheitsfragen zu Gunsten einer raschen ökonomischen Entwicklung haben ihren Preis, der zum Teil erst später bezahlt werden muss. Ob angesichts der zur Verfügung stehenden großen Ressource an Menschen das einzelne Leben von geringerer Bedeutung im chinesischen Kulturkreis ist, damit geringere Sicherstandards gefordert und größere Toleranzen zugelassen werden, wäre zu diskutieren.
Erfährt der Leser von der geringen Höhe der Entschädigung für die Angehörigen der Todesopfer anlässlich des Flugabsturzes auf den Penghu-Inseln am 23. Juli 2014, sieht er sich in dieser Vermutung bestätigt.
Kritische Wetterlagen können Flüge zu risikoreichen Abenteuern machen – Dornier 228 in Lan Yu, der Orchideeninsel, kurz vor dem Rückflug nach Taidong im Dezember 2006. Diese Strecke war sicherlich aufgrund des starken Windes das gefährlichste Flugerlebnis meines Lebens.
Immerhin ist festzustellen ist, dass mit jedem Unglück das Bewusstsein und der öffentliche Druck wachsen, Verbesserungen für die Sicherheit des Einzelnen zu erreichen. Dabei ist davon auszugehen, dass sich die Standards weltweit stärker annähern werden.
Alte Pipelines werden erfasst, stärker kontrolliert und in Notfallplänen aufgenommen. Bei Fluggesellschaften entsteht mehr Bewusstsein für die Gefahren aus Krisengebieten. Ich habe mich schon immer unwohl gefühlt über Afghanistan zu fliegen. Schlechtwettersituationen sollten kritischer bewertet werden. Hier ist bei mir als Passagier mehr Bewusstsein entstanden, besser einen Tag später bei ruhiger Wetterlage zum Flughafen zurückzukehren als am Flugsteig wartend den erstmöglichen Flieger im Sturm zu nehmen.
Spiel mit dem Atommüll – Versuch einer Senkung des öffentlichen Risikobewusstseins im Atomkraftwerk von Hengchun (恆春), Ausstellungssaal.
Aber auch in Deutschland ist nicht alles im Reinen. Die Konflikte zwischen Wirtschaftsinteressen und der Besorgnis einer potenziell betroffenen Öffentlichkeit, sei es bei Pipeline-Verlegungen oder gegen eine weitere nukleare Nutzung und deren Entsorgung, bestehen auch hier.
Störfallbetriebe, wo giftige und gesundheitsschädliche Substanzen oder Strahlungen austreten können, nahe an Wohngebieten und öffentlichen Nutzungen, gibt es auch im entindustriealisierten Deutschland noch in großer Zahl. Es wird solche Situation voraussichtlich noch über eine sehr lange Zeit geben. Selbst mit allen erdenklichen Maßnahmen, so sagen es Experten aus den zuständigen Behörden, wird es nie gelingen, das Risiko eines Unfalls völlig auszuschließen. Da sollten sich auch die Deutschen nichts vormachen.
Was läuft eigentlich durch die Produktenpipelines aus den 1970er Jahren hinter meinem Elternhaus im Ruhrgebiet?
Mittwoch, 18. Juni 2014
Eine Einführung in die Modelleisenbahn – Teil 3.3 – Rund um den Hafen
Die Beschreibung einer Modellbahnanlage zu Taiwan in drei Kapiteln
Im letzten Kapitel geht es um (F) und die folgenden Buchstaben im Plan.
Für das Sägewerk (F) gibt Checheng (車埕) wieder das Vorbild. Die alten Anlagen wurden erneuert und zu Museum, Ausstellungs- und Verkaufshalle umgenutzt.
Im Modell sieht das dann so aus, wenn das Sägewerk von POLA aufgestellt wird.
Auf der Modellbahnanlage wird sich das Sägewerk unmittelbarer am kleinen Hafen befinden, in dem Fischerboote und Frachtschiff anlegen können. (G)
Pier 13 bis 15 im Hafen von Kaohsiung ( 高雄) ist die Vorbildsituation für die Hafenanlage.
Dieser Hafenkai war früher die Anlegestelle für die Militärschiffe, die Kinmen, Matsu und die weiteren Inseln der Republik China vor dem kommunistisch regierten Festland versorgten. Auf dem Foto von 2007 ist die militärische Nutzung aufgegeben und die Umwandlung zum einem zentrumsnahen Erholungsgebiet von Kaohsiung (高雄) hat bereits begonnen, etwa durch eine neue Beleuchtung und Abzäunung zum Wasser. Kleinere Frachtschiffe legen dort noch an. Gut zu erkennen ist das verbliebene Gleis auf der Kaimauer.
Quasi der Bahnhof des Stadtteils Lingya (苓雅) mit Ausweich-, Abstell- und Ladegleisen einige Meter hinter dem Pier 13 bis 15. Im Jahr zuvor, also 2006, drehte hier noch der „Dodo-Train‟ als Ausflugszug seine Runde auf der Hafenbahn von Kaohsiung.
Ein Fischerboot auf dem Weg zu seinem Pier im Hafen von Kaohsiung (高雄).
Bis auf die Fischerboote von GREENMAX führt der Weg zur Nachbildung der Wasserfahrzeuge über den Kartonmodellbau.
ARTITEC hatte in früheren Jahren ein maßstabsgerechtes Küstenmotorschiff im Angebot. Dieses ist aber nicht mehr lieferbar. Auf die Beantwortung meiner Bestellung bei einem französischen Händler warte ich schon seit Jahren, belastet wurde die Kreditkarte aber sofort. Krawall machen oder schlucken? Der relativ geringe Betrag und der Wunsch nicht noch schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen, haben meine Entscheidung nach mehreren vergeblich mahnenden Emails bestimmt.
Das richtige Schiff für Massengüter hat der Mitteldeutsche Kartonmodell-Verlag mit dem Küstenmotorschiff 500 Greifswald im Programm. Noch schöner ist die S.S. Wilno beziehungsweise S.S. Krakow von GPM. Das Schiff erinnert stark an das Schiff aus „Cape No. 7‟. Den luxuriösen Bausatz mit Lasercut-Rumpf gab es auf der Intermodellbau in Dortmund 2014.
Neuzeitliche Erweiterungen des Ortes
Die japanischen Kolonialzeit ist lange Geschichte. Die Welt hat sich weiter entwickelt und verändert. Wo heute in Taiwan Menschen zusammen kommen, darf der „Convenience Store‟ (H) nicht fehlen.
Auf der Modellbahnanlage ist deshalb auch ein 7-Eleven eingeplant. Für die Beschäftigten gibt es moderne Wohnhäuser (J), die den heutigen Bedürfnissen entsprechen.
Vorbilder können die Gebäude am Bahnhof von Neishi sein, die bisher kaum richtig genutzt wurden, da die Station nach der Fertigstellung ihre Entwicklungspotenziale noch nicht ausgeschöpft hat. Das soll heißen, dass Neishi quasi auf freiem Feld liegt, dort überhaupt nichts los ist und bis heute keiner dort in Wohn- oder Gewerbegebiete investieren oder sich ansiedeln wollte.
Der chinesische Pavillion auf dem Berg (K)
Der Pavillion war ein Zufallskauf vor vielen Jahren in der Aquarienabteilung eines Kaufhauses in Kaohsiung. Sein ursprünglicher Zweck ist die Positionierung in einem Fischbecken, wohl um den Guppies ihr eintöniges Dasein interessanter zu gestalten. Wie das Foto zeigt, ist das Bauwerk so in etwa mit dem Maßstab N in Europa 1:160, in Asien 1:150, kompatibel.
Somit kann es realitätsnah auf der Anlage, am Besten auf einem Bergsporn über der Siedlung aufgestellt werden, wie zum Beispiel am Schrein des ewigen Frühling in der Taroko-Schlucht. „Kultig‟ ist die Kombination traditioneller chinesischer Architektur mit VW-Bussen.
Aufnahme mit einem T2 vor dem alten Südtor von Hengchun (恆春) – Die Kombination aus einem sonnigen attraktiven Urlaubsgebiet für junge Leute und Ausländer, schönen Stränden und dem Bulli als günstigen, poppig-bunten Campingbus hat ihn zwischenzeitlich zum Symbol und Werbeträger für Taiwans Süden gemacht.
Was noch fehlt?
Kein Taiwan-Modell ohne Betelnüsse und Betelnuss-Stand! Die Landschaftsgestaltung und Vegetation wird sicherlich ein spannendes Thema bei der Ausgestaltung. Erste Studien vor Ort und auf den Elektronik-Seiten zum Aufbau der Betelnuss-Verkaufsbox mit vorbildgerechter LED-Technik wurden schon vor Ort und im Netz gemacht. Die Betelnuss-Schönheit, die in der dargestellten Szene im Bikini zum FUSO-Lastwagen läuft, um die Bestellung aufzunehmen, findet sich in einem Set der Preiser-Figuren. Der Rest der zumeist blondhaarigen Badenden aus der Serie wird zu Englischlehren deklariert, die sich am Strand vergnügen.
Im letzten Kapitel geht es um (F) und die folgenden Buchstaben im Plan.
Für das Sägewerk (F) gibt Checheng (車埕) wieder das Vorbild. Die alten Anlagen wurden erneuert und zu Museum, Ausstellungs- und Verkaufshalle umgenutzt.
Im Modell sieht das dann so aus, wenn das Sägewerk von POLA aufgestellt wird.
Auf der Modellbahnanlage wird sich das Sägewerk unmittelbarer am kleinen Hafen befinden, in dem Fischerboote und Frachtschiff anlegen können. (G)
Pier 13 bis 15 im Hafen von Kaohsiung ( 高雄) ist die Vorbildsituation für die Hafenanlage.
Dieser Hafenkai war früher die Anlegestelle für die Militärschiffe, die Kinmen, Matsu und die weiteren Inseln der Republik China vor dem kommunistisch regierten Festland versorgten. Auf dem Foto von 2007 ist die militärische Nutzung aufgegeben und die Umwandlung zum einem zentrumsnahen Erholungsgebiet von Kaohsiung (高雄) hat bereits begonnen, etwa durch eine neue Beleuchtung und Abzäunung zum Wasser. Kleinere Frachtschiffe legen dort noch an. Gut zu erkennen ist das verbliebene Gleis auf der Kaimauer.
Quasi der Bahnhof des Stadtteils Lingya (苓雅) mit Ausweich-, Abstell- und Ladegleisen einige Meter hinter dem Pier 13 bis 15. Im Jahr zuvor, also 2006, drehte hier noch der „Dodo-Train‟ als Ausflugszug seine Runde auf der Hafenbahn von Kaohsiung.
Ein Fischerboot auf dem Weg zu seinem Pier im Hafen von Kaohsiung (高雄).
Bis auf die Fischerboote von GREENMAX führt der Weg zur Nachbildung der Wasserfahrzeuge über den Kartonmodellbau.
ARTITEC hatte in früheren Jahren ein maßstabsgerechtes Küstenmotorschiff im Angebot. Dieses ist aber nicht mehr lieferbar. Auf die Beantwortung meiner Bestellung bei einem französischen Händler warte ich schon seit Jahren, belastet wurde die Kreditkarte aber sofort. Krawall machen oder schlucken? Der relativ geringe Betrag und der Wunsch nicht noch schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen, haben meine Entscheidung nach mehreren vergeblich mahnenden Emails bestimmt.
Das richtige Schiff für Massengüter hat der Mitteldeutsche Kartonmodell-Verlag mit dem Küstenmotorschiff 500 Greifswald im Programm. Noch schöner ist die S.S. Wilno beziehungsweise S.S. Krakow von GPM. Das Schiff erinnert stark an das Schiff aus „Cape No. 7‟. Den luxuriösen Bausatz mit Lasercut-Rumpf gab es auf der Intermodellbau in Dortmund 2014.
Neuzeitliche Erweiterungen des Ortes
Die japanischen Kolonialzeit ist lange Geschichte. Die Welt hat sich weiter entwickelt und verändert. Wo heute in Taiwan Menschen zusammen kommen, darf der „Convenience Store‟ (H) nicht fehlen.
Auf der Modellbahnanlage ist deshalb auch ein 7-Eleven eingeplant. Für die Beschäftigten gibt es moderne Wohnhäuser (J), die den heutigen Bedürfnissen entsprechen.
Vorbilder können die Gebäude am Bahnhof von Neishi sein, die bisher kaum richtig genutzt wurden, da die Station nach der Fertigstellung ihre Entwicklungspotenziale noch nicht ausgeschöpft hat. Das soll heißen, dass Neishi quasi auf freiem Feld liegt, dort überhaupt nichts los ist und bis heute keiner dort in Wohn- oder Gewerbegebiete investieren oder sich ansiedeln wollte.
Der chinesische Pavillion auf dem Berg (K)
Der Pavillion war ein Zufallskauf vor vielen Jahren in der Aquarienabteilung eines Kaufhauses in Kaohsiung. Sein ursprünglicher Zweck ist die Positionierung in einem Fischbecken, wohl um den Guppies ihr eintöniges Dasein interessanter zu gestalten. Wie das Foto zeigt, ist das Bauwerk so in etwa mit dem Maßstab N in Europa 1:160, in Asien 1:150, kompatibel.
Somit kann es realitätsnah auf der Anlage, am Besten auf einem Bergsporn über der Siedlung aufgestellt werden, wie zum Beispiel am Schrein des ewigen Frühling in der Taroko-Schlucht. „Kultig‟ ist die Kombination traditioneller chinesischer Architektur mit VW-Bussen.
Aufnahme mit einem T2 vor dem alten Südtor von Hengchun (恆春) – Die Kombination aus einem sonnigen attraktiven Urlaubsgebiet für junge Leute und Ausländer, schönen Stränden und dem Bulli als günstigen, poppig-bunten Campingbus hat ihn zwischenzeitlich zum Symbol und Werbeträger für Taiwans Süden gemacht.
Was noch fehlt?
Kein Taiwan-Modell ohne Betelnüsse und Betelnuss-Stand! Die Landschaftsgestaltung und Vegetation wird sicherlich ein spannendes Thema bei der Ausgestaltung. Erste Studien vor Ort und auf den Elektronik-Seiten zum Aufbau der Betelnuss-Verkaufsbox mit vorbildgerechter LED-Technik wurden schon vor Ort und im Netz gemacht. Die Betelnuss-Schönheit, die in der dargestellten Szene im Bikini zum FUSO-Lastwagen läuft, um die Bestellung aufzunehmen, findet sich in einem Set der Preiser-Figuren. Der Rest der zumeist blondhaarigen Badenden aus der Serie wird zu Englischlehren deklariert, die sich am Strand vergnügen.
Sonntag, 2. Februar 2014
Die neuen Bürgersteige
Gedanken zum öffentlichen Raum
Nach all dem Besorgniserregenden zur Entwicklung des politischen Systems in Taiwan und seiner freiheitlichen Gesellschaft, gibt es auch Positives vom letzten Aufenthalt zu vermelden. Erkennbar bemüht sich die Verwaltung in Taiwan systematisch, eine ökologischere und für die Menschen kostengünstigere Mobilität zu ermöglichen und alle daran teilhaben zu lassen. Dazu zählen auch diejenigen, die keinen Führerschein haben oder bekommen können, beziehungsweise für die der Kraftfahrzeugbesitz und die Treibstoffkosten eine finanziell nicht zu nehmende Hürde darstellen.
Überall entstehen neue Bürgersteige, angefangen von den geschäftigeren und dichter bebauten Stadtgebieten, und die Infrastruktur für den Fahrradverkehr wird ausgebaut. Dies ist sehr erfreulich. In Kaohsiung schafft dies zusammen mit den erst vor wenigen Jahren eingerichten Metrolinien ein völlig neues Erleben der Stadt.
Hauptstraße in einem Vorort von Kaohsiung – Die geschlossene Asphaltdecke zwischen den Häuserzeilen ist für zwei Fahrspuren und einen Seitenstreifen je Richtung abmarkiert. Parkende Lieferwagen, Autos und Motorroller sowie Werbeaufsteller der benachbarten Läden und Geschäfte blockieren in der Regel den Weg der Fußgänger. Angesichts der Verkehrsdichte ist das dann erforderliche Ausweichen auf die Fahrspuren durchaus mit einem Gefühl verknüpft, sich in eine Gefahrensituation zu begeben.
Bereits für kurze Wege wird der Motorroller, der Scooter, benutzt, weil dies einfach bequemer ist und ein subjektives Gefühl von Sicherheit, vielleicht durch das höhere Fluchtpotenzial des Vehikels, schafft. Um den Verbrauch des teuer importierten Kraftstoffs zu reduzieren, die Luftqualität zu erhöhen und damit auch Krankheitskosten sowie die Unfallschäden im volkswirtschaftlichen Maßstab zu senken, bietet es sich an, die Voraussetzungen zu verbessern, um mehr Wege zu Fuß zu erledigen.
Dazu zählt die Einrichtung eines sicheren Raumes für Fußgänger und der Bau von abgesetzten Bürgersteigen. Wo dies in Taiwan geschieht, werden auch Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes ergriffen, so durch eine ansprechendere, designorientierte Straßenbeleuchtung und eine Begrünung mit Bäumen und Beetbepflanzungen. Die Kraftfahrzeuge parken danach am Fahrbahnrand in größerer Distanz zu den Gebäudefassaden, was den Nutzwert für das Wohnen ebenfalls verbessern dürfte.
Neue Bürgersteige, Straßenbäume und Grün, Designleuchten und Parkregelungen – Das Beispiel auch aus Kaohsiung zeigt, wie groß der Gewinn in der Straßenraumgestaltung sein kann. „Sein kann“, wenn da nicht die Zeitgenossen wären, die in der veränderten Gestaltung des öffentlichen Raumes erst einmal die Chance sehen, ihren eigenen privaten Flächenbedarf erweitert abzudecken.
Fahrzeugkühler und -hecks, geparkte Motorroller und Fahrräder, die aus Gründen der Enge und Bequemlichkeit nicht unter das Haus geschoben werden, wirksam aufgestellte Werbefahnen und -aufsteller, Topfpflanzen, Öfen zum Verbrennen des Opfergeldes, Werkzeuge und Utensilien aus den ansässigen Geschäften und das ganze sonstige Gerümpel beginnen schon wieder den freien Weg durch die Stadt einzuschränken. Die durchkonzipierten Parkregelungen mit dem Freihalten des Sichtbereiches vor dem Zebrastreifen aus Gründen der Verkehrssicherheit werden vom Falschparker einfach ignoriert.
Woran liegt das nur, dass ein guter Ansatz so schnell „taiwanisiert“? Sind das subtropische Klima oder die Ursprünge in einer Agrargesellschaft der Grund, umgebende „fruchtbare“ Freiflächen in die private Nutzung mit einzubeziehen und sich nicht auf das abgrenzte häusliche Eigentum zu beschränken? Sind es philosophisch-religiöse Einstellungen aus Konfuzianismus, Buddhismus oder Taoismus, die es nahe legen, der Allgemeinheit den Weg zu blockieren? Jedenfalls gibt es offensichtlich große Unterschiede zum römisch-germanischen basierten Denken in Deutschland über die Nutzung des öffentlichen Raumes.
Nach all dem Besorgniserregenden zur Entwicklung des politischen Systems in Taiwan und seiner freiheitlichen Gesellschaft, gibt es auch Positives vom letzten Aufenthalt zu vermelden. Erkennbar bemüht sich die Verwaltung in Taiwan systematisch, eine ökologischere und für die Menschen kostengünstigere Mobilität zu ermöglichen und alle daran teilhaben zu lassen. Dazu zählen auch diejenigen, die keinen Führerschein haben oder bekommen können, beziehungsweise für die der Kraftfahrzeugbesitz und die Treibstoffkosten eine finanziell nicht zu nehmende Hürde darstellen.
Überall entstehen neue Bürgersteige, angefangen von den geschäftigeren und dichter bebauten Stadtgebieten, und die Infrastruktur für den Fahrradverkehr wird ausgebaut. Dies ist sehr erfreulich. In Kaohsiung schafft dies zusammen mit den erst vor wenigen Jahren eingerichten Metrolinien ein völlig neues Erleben der Stadt.
Hauptstraße in einem Vorort von Kaohsiung – Die geschlossene Asphaltdecke zwischen den Häuserzeilen ist für zwei Fahrspuren und einen Seitenstreifen je Richtung abmarkiert. Parkende Lieferwagen, Autos und Motorroller sowie Werbeaufsteller der benachbarten Läden und Geschäfte blockieren in der Regel den Weg der Fußgänger. Angesichts der Verkehrsdichte ist das dann erforderliche Ausweichen auf die Fahrspuren durchaus mit einem Gefühl verknüpft, sich in eine Gefahrensituation zu begeben.
Bereits für kurze Wege wird der Motorroller, der Scooter, benutzt, weil dies einfach bequemer ist und ein subjektives Gefühl von Sicherheit, vielleicht durch das höhere Fluchtpotenzial des Vehikels, schafft. Um den Verbrauch des teuer importierten Kraftstoffs zu reduzieren, die Luftqualität zu erhöhen und damit auch Krankheitskosten sowie die Unfallschäden im volkswirtschaftlichen Maßstab zu senken, bietet es sich an, die Voraussetzungen zu verbessern, um mehr Wege zu Fuß zu erledigen.
Dazu zählt die Einrichtung eines sicheren Raumes für Fußgänger und der Bau von abgesetzten Bürgersteigen. Wo dies in Taiwan geschieht, werden auch Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfeldes ergriffen, so durch eine ansprechendere, designorientierte Straßenbeleuchtung und eine Begrünung mit Bäumen und Beetbepflanzungen. Die Kraftfahrzeuge parken danach am Fahrbahnrand in größerer Distanz zu den Gebäudefassaden, was den Nutzwert für das Wohnen ebenfalls verbessern dürfte.
Neue Bürgersteige, Straßenbäume und Grün, Designleuchten und Parkregelungen – Das Beispiel auch aus Kaohsiung zeigt, wie groß der Gewinn in der Straßenraumgestaltung sein kann. „Sein kann“, wenn da nicht die Zeitgenossen wären, die in der veränderten Gestaltung des öffentlichen Raumes erst einmal die Chance sehen, ihren eigenen privaten Flächenbedarf erweitert abzudecken.
Fahrzeugkühler und -hecks, geparkte Motorroller und Fahrräder, die aus Gründen der Enge und Bequemlichkeit nicht unter das Haus geschoben werden, wirksam aufgestellte Werbefahnen und -aufsteller, Topfpflanzen, Öfen zum Verbrennen des Opfergeldes, Werkzeuge und Utensilien aus den ansässigen Geschäften und das ganze sonstige Gerümpel beginnen schon wieder den freien Weg durch die Stadt einzuschränken. Die durchkonzipierten Parkregelungen mit dem Freihalten des Sichtbereiches vor dem Zebrastreifen aus Gründen der Verkehrssicherheit werden vom Falschparker einfach ignoriert.
Woran liegt das nur, dass ein guter Ansatz so schnell „taiwanisiert“? Sind das subtropische Klima oder die Ursprünge in einer Agrargesellschaft der Grund, umgebende „fruchtbare“ Freiflächen in die private Nutzung mit einzubeziehen und sich nicht auf das abgrenzte häusliche Eigentum zu beschränken? Sind es philosophisch-religiöse Einstellungen aus Konfuzianismus, Buddhismus oder Taoismus, die es nahe legen, der Allgemeinheit den Weg zu blockieren? Jedenfalls gibt es offensichtlich große Unterschiede zum römisch-germanischen basierten Denken in Deutschland über die Nutzung des öffentlichen Raumes.
Samstag, 14. Dezember 2013
Taiwan vor 10 Jahren
Dritte Reise auf die „Ilha Formosa“
Die ersten Digitalbilder von Taiwan entstanden für mich mit der Kamera, einer Fuji, die meine damalige Freundin und heutige Frau auf einer Tombola gewonnen hatte. Auch durch andere gesellschaftliche Ereignisse entstand bei mir der Eindruck, dass bei Verlosungen mit Taiwanern immer äußerst üppige Gewinne winken.
Bei meiner dritten Reise nach Taiwan erreichte ich im Dezember 2003 Taipei. Damals stand noch ein gigantischer Bauaufzug neben dem „Taipei 101“, aber das Einkaufszentrum in dem Hochhaus war bereits eröffnet.
Noch keine Chance zum Wolkenstürmen und auch kein Neujahrsfeuerwerk zum Jahrswechsel 2003 / 2004 – das damals höchste Gebäuder der Welt, das „Taipei 101“, in der Bauphase.
Winterwetter in Taiwans Nordosten – Ein Ausflug führte mich in die Gegend von Ruifang (瑞芳) und der Goldgräberstadt Juifen (九份) .
Eigentliches Ziel war das aufgelassene Kohlenbergbaugebiet um Pingshi (平溪). Beim Anblick all dieser Relikte geht dem Kind des Ruhrgebietes gleich das Herz auf.
Klar, für den Eisenbahn-Aficionado stand natürlich die Bahnlinie von Rueifang nach Chingtung oder Jingtong (菁桐) im Mittelpunkt der Betrachtung.
Das historische Bahngebäude von Jingtong (菁桐) ist sehr schön hergerichtet und beinhaltete damals eine Ausstellung. Mit den zugänglichen Relikten des Bergbaus, seinen landschaftlichen Reizen und der Nähe zum Verdichtungsraum von Taipei wird die Gegend zu einem wichtigen und viel besuchten Ausflugsort.
Eine Besonderheit ist in der Mitte der Strecke die Ortsdurchfahrt des Zuges von Shífēn (十分), wo trotz moderner Triebwagen die Eisenromantik früher Jahre aufkommt. . Vergleichbar interessante Situationen finden sich in Taiwan meiner Kenntnis nach sonst nur an der Waldeisenbahn von Alishan, etwa in Shuisheliao (水社寮).
Nach den Aufenthalten in Taipei und Pingshi ging es mit der Hauptbahn durch den Westen Taiwans. Kaohsiung war das nächste Ziel. Als herausragender Besichtigungspunkt ist hier die Zuckerfabrik von Ciatou (橋頭) zu nennen. Weiter ging es danach für mich zum Sonnen-Mond-See. Die Rückweg nach Kaohsiung führte über Jiji (集集), Taichung (台中), Sanyi (三義) und Lukang (鹿港). Von Kaohsiung ging es dann wieder nach Deutschland.
Sehr authentisch wirkte die stillgelegte und gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Zuckerfabrik in Ciatou (橋頭), was damals noch zum Landkreis Kaohsiung zählte. Der Landkreis ging 2010 in der Großstadt Kaohsiung auf. Hallen, Gebäude, Maschinen und die Eisenbahnfahrzeug der Zuckerfabrik waren im Dornröschenschlaf und Originalzustand. Leider ist mittlerweile die Umgebung nach dem Bau der Metro ziemlich verhunzt. Teile des Geländes wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zudem wird versucht mit billigen Freizeitangeboten etwas Profit aus dem Gelände zu ziehen. Auch die Gestaltung zum Zuckermuseum ist dem Gesamteindruck eher abträglich. Bunte Blümchen und Kunstobjekte auf der Gleisharfe kommen einfach nicht gut. Der ins Fabrikgebäude gerammte Besuchersteg macht mehr kaputt und verfälscht den Charakter des Industriedenkmals zu erhalten. Die Loks sind draußen abgestellt, verrosten und taugen bald nur noch für „China Steel“ im Hochofen von Kaohsiung. Sehr traurig! Damals machte es jedenfalls noch Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen und Lokführer zu spielen.
Unvermeidlicher Klassiker in vielen Touristenprogrammen ist Taiwans Sonnen-Mond-See. Glücklich sind diejenigen, die ihn mit dem richtigen Licht, Wetter und bei hohem Wasserstand erleben. Dann wirkt der See am Besten.
Zum Sonnen-Mond-See zählt natürlich auch das schönste Klohäuschen Taiwans. 2003 war es gerade frisch renoviert. Ein paar Jahre später hatte das harte subtropische Klima leider schon den weißen Anstrich gelöst.
Jiji (集集) war auch 2003 schon mehr Kirmes und Nachtmarkt als Bahnstation. Heute gibt es noch einen Ticken weniger Eisenbahnbetrieb und andererseits vielmehr Halli-Galli durch den anhaltenden Zustrom von Ausflugsbussen.
Es gibt auch schöne und interessante Orte in Taiwan ohne Touristen, so die Tunghai Universität in Taichung (台中). Neben der Kapelle, die der Architekt Ieoh Ming Pei entworfen hat, ist das städtebauliche Gesamtkonzept der Universität mit der schönen Allee äußerst sehenswert.
Mehr Eisenbahnarchälogie, mehr auf eine durch die Medien hochgepuschte Attraktion fokussierten taiwanischen Touristenmassen mit ungefähr viermal so viel oder mehr drumherum an Imbiß- und Verkaufsständen fand sich in Sanyi (三義). Neben einem stillgelegten Streckenabschnitt mit begehbaren Tunnel der Hauptbahn bestehen hier einige pittoreske Reste der Longteng-Eisenbahnbrücke, die 1935 bei einem Erdbeben zusammenkrachte.
Lukang (鹿港) lohnt den Besuch wegen seiner alten Tempel und der historischen Bausubstanz. Verkehrlich ins Abseits geraten, konnte in dieser einstmals wichtigen Hafenstadt vieles aus der - wenn auch kurzen - Historie Taiwans bewahrt werden.
Die ersten Digitalbilder von Taiwan entstanden für mich mit der Kamera, einer Fuji, die meine damalige Freundin und heutige Frau auf einer Tombola gewonnen hatte. Auch durch andere gesellschaftliche Ereignisse entstand bei mir der Eindruck, dass bei Verlosungen mit Taiwanern immer äußerst üppige Gewinne winken.
Bei meiner dritten Reise nach Taiwan erreichte ich im Dezember 2003 Taipei. Damals stand noch ein gigantischer Bauaufzug neben dem „Taipei 101“, aber das Einkaufszentrum in dem Hochhaus war bereits eröffnet.
Noch keine Chance zum Wolkenstürmen und auch kein Neujahrsfeuerwerk zum Jahrswechsel 2003 / 2004 – das damals höchste Gebäuder der Welt, das „Taipei 101“, in der Bauphase.
Winterwetter in Taiwans Nordosten – Ein Ausflug führte mich in die Gegend von Ruifang (瑞芳) und der Goldgräberstadt Juifen (九份) .
Eigentliches Ziel war das aufgelassene Kohlenbergbaugebiet um Pingshi (平溪). Beim Anblick all dieser Relikte geht dem Kind des Ruhrgebietes gleich das Herz auf.
Klar, für den Eisenbahn-Aficionado stand natürlich die Bahnlinie von Rueifang nach Chingtung oder Jingtong (菁桐) im Mittelpunkt der Betrachtung.
Das historische Bahngebäude von Jingtong (菁桐) ist sehr schön hergerichtet und beinhaltete damals eine Ausstellung. Mit den zugänglichen Relikten des Bergbaus, seinen landschaftlichen Reizen und der Nähe zum Verdichtungsraum von Taipei wird die Gegend zu einem wichtigen und viel besuchten Ausflugsort.
Eine Besonderheit ist in der Mitte der Strecke die Ortsdurchfahrt des Zuges von Shífēn (十分), wo trotz moderner Triebwagen die Eisenromantik früher Jahre aufkommt. . Vergleichbar interessante Situationen finden sich in Taiwan meiner Kenntnis nach sonst nur an der Waldeisenbahn von Alishan, etwa in Shuisheliao (水社寮).
Nach den Aufenthalten in Taipei und Pingshi ging es mit der Hauptbahn durch den Westen Taiwans. Kaohsiung war das nächste Ziel. Als herausragender Besichtigungspunkt ist hier die Zuckerfabrik von Ciatou (橋頭) zu nennen. Weiter ging es danach für mich zum Sonnen-Mond-See. Die Rückweg nach Kaohsiung führte über Jiji (集集), Taichung (台中), Sanyi (三義) und Lukang (鹿港). Von Kaohsiung ging es dann wieder nach Deutschland.
Sehr authentisch wirkte die stillgelegte und gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Zuckerfabrik in Ciatou (橋頭), was damals noch zum Landkreis Kaohsiung zählte. Der Landkreis ging 2010 in der Großstadt Kaohsiung auf. Hallen, Gebäude, Maschinen und die Eisenbahnfahrzeug der Zuckerfabrik waren im Dornröschenschlaf und Originalzustand. Leider ist mittlerweile die Umgebung nach dem Bau der Metro ziemlich verhunzt. Teile des Geländes wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zudem wird versucht mit billigen Freizeitangeboten etwas Profit aus dem Gelände zu ziehen. Auch die Gestaltung zum Zuckermuseum ist dem Gesamteindruck eher abträglich. Bunte Blümchen und Kunstobjekte auf der Gleisharfe kommen einfach nicht gut. Der ins Fabrikgebäude gerammte Besuchersteg macht mehr kaputt und verfälscht den Charakter des Industriedenkmals zu erhalten. Die Loks sind draußen abgestellt, verrosten und taugen bald nur noch für „China Steel“ im Hochofen von Kaohsiung. Sehr traurig! Damals machte es jedenfalls noch Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen und Lokführer zu spielen.
Unvermeidlicher Klassiker in vielen Touristenprogrammen ist Taiwans Sonnen-Mond-See. Glücklich sind diejenigen, die ihn mit dem richtigen Licht, Wetter und bei hohem Wasserstand erleben. Dann wirkt der See am Besten.
Zum Sonnen-Mond-See zählt natürlich auch das schönste Klohäuschen Taiwans. 2003 war es gerade frisch renoviert. Ein paar Jahre später hatte das harte subtropische Klima leider schon den weißen Anstrich gelöst.
Jiji (集集) war auch 2003 schon mehr Kirmes und Nachtmarkt als Bahnstation. Heute gibt es noch einen Ticken weniger Eisenbahnbetrieb und andererseits vielmehr Halli-Galli durch den anhaltenden Zustrom von Ausflugsbussen.
Es gibt auch schöne und interessante Orte in Taiwan ohne Touristen, so die Tunghai Universität in Taichung (台中). Neben der Kapelle, die der Architekt Ieoh Ming Pei entworfen hat, ist das städtebauliche Gesamtkonzept der Universität mit der schönen Allee äußerst sehenswert.
Mehr Eisenbahnarchälogie, mehr auf eine durch die Medien hochgepuschte Attraktion fokussierten taiwanischen Touristenmassen mit ungefähr viermal so viel oder mehr drumherum an Imbiß- und Verkaufsständen fand sich in Sanyi (三義). Neben einem stillgelegten Streckenabschnitt mit begehbaren Tunnel der Hauptbahn bestehen hier einige pittoreske Reste der Longteng-Eisenbahnbrücke, die 1935 bei einem Erdbeben zusammenkrachte.
Lukang (鹿港) lohnt den Besuch wegen seiner alten Tempel und der historischen Bausubstanz. Verkehrlich ins Abseits geraten, konnte in dieser einstmals wichtigen Hafenstadt vieles aus der - wenn auch kurzen - Historie Taiwans bewahrt werden.
Sonntag, 8. Dezember 2013
Gibt es Seniorenteller in Taiwan?
Pläne und Gedanken zum Jahreswechsel 2013 / 2014
Seit auswärtige Touristen Taiwan fluten, wird das Reisen auf der „Ilha Formosa“ zunehmend schwieriger und teurer. Diese Erkenntnis lieferte die aktuelle Reiseplanung. Zudem werden auch Weihnachten und das westliche Neujahr als besondere Ereignisse und Erlebnistage so stark angenommen, dass die Hotelpreise an den Wochenenden und Feiertagen ins Unanständige steigen.
Scheinbar spielt auch das „1314“ (一三一四 / Yī Sān Yī Sì), für junge Paare eine Rolle bei der Bedeutungssteigerung des westlichen Neujahrstages, also der Wechsel vom Jahr 2013 zum Jahr 2014. 1314 klingt so ähnlich wie Yīshēng yīshì (一生一世) und das bedeutet so viel wie „Für das ganze Leben“. Diese glücksverheißende Zahlenkombination ist auch Teil unseres aktuellen Autokennzeichens. „Aber es sind 2013 und 2014, nicht 13 und 14“, wendet Luo You ein. „Man kann sich alles herbeidichten“, erwidert die beste Ehefrau von allen.
Es hilft, sich mit Freude an die guten und günstigen frühen Jahre zu erinnern, wo noch wenige Menschen um die schönsten Unterkünfte in Taiwan konkurrierten.
Die erste Unterkunft für die Reise in der zweiten Dezemberhälfte wird am Lotus See in Kaohsiung liegen. Vom dortigen Stadtbezirk Zuoying kann bequem die Familie besucht werden. Der See selber und der benachbarte botanische Garten erlauben Spaziergänge im Grünen oder zu Tempeln und Pagoden. Eine gute Taxidichte, Bahnhöfe und Metro in der Nähe ermöglichen es das Stadtzentrum und andere interessante Ziele, wie Fo Guan Shan schnell zu erreichen.
Diesmal werden wir seniorengerecht reisen. Geht das in Taiwan, dem Land, in dem Bürgersteige eine sensationelle Innovation darstellen? Ich denke ja, es wird gehen.
Ausgebucht! Heiligabend in den Bergen von Alishan ließ sich leider nicht mehr einrichten, so beliebt ist das kleine Gästehaus der fürsorglichen Familie Qiū und Zhōng. Es wird Luo Yous dritter Ferienaufenthalt dort sein. Die Kommentare bei Tripadvisor machen auf den fehlenden Lift im Haus aufmerksam und Schwierigkeit die steile Treppe im Lebensalter über 70 zu nehmen. Wir werden uns ausreichend Zeit nehmen und mit der gebotenen Vorsicht an die Sache herangegehen. Treppen in den deutschen Familienheimen der 1950er Jahre sind auch nicht anders.
Am 24. Dezember folgt den Bergen der Strand in der Nähe des Fullon Hotel in Kenting. Ziemlich blöd und kulturell immer noch gewöhnungsbedürftig ist in Taiwan, dass ein Großteil des Zimmerangebots in den Hotels aus riesigen Räumen für Familien mit zwei Kindern oder für 4 junge Menschen, die sich zwei Doppelbetten teilen wollen, besteht. Einzelzimmer sind vor allem in den Urlaubsgebieten eigentlich nicht zu bekommen. Selbst bei den (ebenfalls seltenen) Suiten fehlt in der Regel eine vernünftige Teilung in zwei separate Schlafzimmer. Dies gilt zumindest auf dem Niveau unseres verfügbaren Budgets.
Mit Wohlgefallen hat übrigens der Schreiber dieser Zeilen zur Kenntnis genommen, dass die Werbevideos für Gästehäuser in Taiwan, so etwa der Clip des Lánhǎi qíngtiān (藍海晴天) nicht nur immer professioneller sondern auch reizvoller werden. Dabei fokussiert sich der Blick mehr auf Po und Busen als auf die Pension. Einzig die Frage stellt sich, ob es sich bei den Darstellerinnen um die Töchter des Hauses, Dorfschönheiten aus Houwan oder bezahlte Models aus Hengchun handelt.
Leider werden angesichts in der Wintersaison und der taiwanischen Strandkultur wohl kaum „Nei Nei“ (内内 – hier mal anders) zu sehen sein.
Kaohsiung ist zu Neujahr voll. Also bleiben wir bis dahin in Kenting. Erst danach wird es wieder Platz in Sizihwan oder Xī Zǐ Wān (西子灣) am Stadtstrand geben.
Seit auswärtige Touristen Taiwan fluten, wird das Reisen auf der „Ilha Formosa“ zunehmend schwieriger und teurer. Diese Erkenntnis lieferte die aktuelle Reiseplanung. Zudem werden auch Weihnachten und das westliche Neujahr als besondere Ereignisse und Erlebnistage so stark angenommen, dass die Hotelpreise an den Wochenenden und Feiertagen ins Unanständige steigen.
Scheinbar spielt auch das „1314“ (一三一四 / Yī Sān Yī Sì), für junge Paare eine Rolle bei der Bedeutungssteigerung des westlichen Neujahrstages, also der Wechsel vom Jahr 2013 zum Jahr 2014. 1314 klingt so ähnlich wie Yīshēng yīshì (一生一世) und das bedeutet so viel wie „Für das ganze Leben“. Diese glücksverheißende Zahlenkombination ist auch Teil unseres aktuellen Autokennzeichens. „Aber es sind 2013 und 2014, nicht 13 und 14“, wendet Luo You ein. „Man kann sich alles herbeidichten“, erwidert die beste Ehefrau von allen.
Es hilft, sich mit Freude an die guten und günstigen frühen Jahre zu erinnern, wo noch wenige Menschen um die schönsten Unterkünfte in Taiwan konkurrierten.
Die erste Unterkunft für die Reise in der zweiten Dezemberhälfte wird am Lotus See in Kaohsiung liegen. Vom dortigen Stadtbezirk Zuoying kann bequem die Familie besucht werden. Der See selber und der benachbarte botanische Garten erlauben Spaziergänge im Grünen oder zu Tempeln und Pagoden. Eine gute Taxidichte, Bahnhöfe und Metro in der Nähe ermöglichen es das Stadtzentrum und andere interessante Ziele, wie Fo Guan Shan schnell zu erreichen.
Diesmal werden wir seniorengerecht reisen. Geht das in Taiwan, dem Land, in dem Bürgersteige eine sensationelle Innovation darstellen? Ich denke ja, es wird gehen.
Ausgebucht! Heiligabend in den Bergen von Alishan ließ sich leider nicht mehr einrichten, so beliebt ist das kleine Gästehaus der fürsorglichen Familie Qiū und Zhōng. Es wird Luo Yous dritter Ferienaufenthalt dort sein. Die Kommentare bei Tripadvisor machen auf den fehlenden Lift im Haus aufmerksam und Schwierigkeit die steile Treppe im Lebensalter über 70 zu nehmen. Wir werden uns ausreichend Zeit nehmen und mit der gebotenen Vorsicht an die Sache herangegehen. Treppen in den deutschen Familienheimen der 1950er Jahre sind auch nicht anders.
Am 24. Dezember folgt den Bergen der Strand in der Nähe des Fullon Hotel in Kenting. Ziemlich blöd und kulturell immer noch gewöhnungsbedürftig ist in Taiwan, dass ein Großteil des Zimmerangebots in den Hotels aus riesigen Räumen für Familien mit zwei Kindern oder für 4 junge Menschen, die sich zwei Doppelbetten teilen wollen, besteht. Einzelzimmer sind vor allem in den Urlaubsgebieten eigentlich nicht zu bekommen. Selbst bei den (ebenfalls seltenen) Suiten fehlt in der Regel eine vernünftige Teilung in zwei separate Schlafzimmer. Dies gilt zumindest auf dem Niveau unseres verfügbaren Budgets.
Mit Wohlgefallen hat übrigens der Schreiber dieser Zeilen zur Kenntnis genommen, dass die Werbevideos für Gästehäuser in Taiwan, so etwa der Clip des Lánhǎi qíngtiān (藍海晴天) nicht nur immer professioneller sondern auch reizvoller werden. Dabei fokussiert sich der Blick mehr auf Po und Busen als auf die Pension. Einzig die Frage stellt sich, ob es sich bei den Darstellerinnen um die Töchter des Hauses, Dorfschönheiten aus Houwan oder bezahlte Models aus Hengchun handelt.
Leider werden angesichts in der Wintersaison und der taiwanischen Strandkultur wohl kaum „Nei Nei“ (内内 – hier mal anders) zu sehen sein.
Kaohsiung ist zu Neujahr voll. Also bleiben wir bis dahin in Kenting. Erst danach wird es wieder Platz in Sizihwan oder Xī Zǐ Wān (西子灣) am Stadtstrand geben.
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Taiwan 2013 / 2014
Samstag, 19. Oktober 2013
Taiwan ist schön
Meine liebsten Fotografien aus dem Jahr 2013
Langweile, Midlife Crisis, die Frage nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Lebensaufgabe. Das alles kann einen Mann bewegen, der sich auf die 50 zubewegt. Ich kann mich noch gut an meinen Vater erinnern, als er mir an seinem 50. Geburtstag, der groß gefeiert wurde, sagte, wie uralt ihm die Menschen früher erschienen, die 50 waren. Und jetzt trennt mich selber nur eine überschaubare Zahl von Monaten von diesem Geburtstag und eigentlich fühle ich mich noch gar nicht so alt. Natürlich verändern sich das eigene Leben und die Ansprüche, Interessen und Erfahrungen. Aber langweilig finde ich es nicht und ein Endpunkt ist noch lange nicht erreicht. Die Gestaltung der eigenen Situation zusammen mit der geliebten Frau, Familie und Freunden, gegen Schicksalsschläge und unangemessene Forderungen, gegen merkwürdige Menschen und Personen, die sich zu Feinden entwickelt haben, ist viel wichtiger, als auf das Leben der Anderen zu schauen. Was interessieren mich die perspektivlosen „Rednecks“, dauernd hungrig nach Bier, Party und Privat-TV, als Nachbarn nebenan oder als unbekannte Zeitgenossen in Taiwan?
Da erfreue ich mich lieber am Herbst in unserem naturnah-chaotischen Garten, den gleich kommenden Flug in den Urlaub mit der besten Ehefrau nach Neapel und einem Rückblick auf meine liebsten Fotografien aus Taiwan in diesem Jahr.
Sonnenuntergang an der Hafeneinfahrt in Kaohsiung. An schönen Abenden verfolgen Hunderte von Menschen, wie sich die Sonne schnell dem Horizont nähert. Betriebsam passieren Schiffe aus allen Ländern die Enge zwischen zwei felsigen Anhöhen, um in den geschützten Hafenbereich zu gelangen.
Ein Teebauer prüft das Wachstum seiner Pflanzen in den Bergen von Alishan nahe dem Ort Siding. Eine Stützmauer aus großen Steinen trennt die Terrassenfelder voneinander.
Ein erschrockener Baumfrosch schaut ins Blitzlicht der Kamera in Shuilin, südlich dem Sonnenmondsee. Rund um das Gästehaus von „Old Five“, wo Pflanzenbeete mit Schilf die Klärung des Abwasser übernehmen, bewusst auf eine Beleuchtung und eine Versiegelung der Wege verzichtet wird, findet sich eine bemerkenswerte Fauna zu den Nachtstunden ein.
Wenig Zeit verbleibt mir noch bis zum nächsten Kulturschock im Süden Europas.
Langweile, Midlife Crisis, die Frage nach dem Sinn des Lebens und der eigenen Lebensaufgabe. Das alles kann einen Mann bewegen, der sich auf die 50 zubewegt. Ich kann mich noch gut an meinen Vater erinnern, als er mir an seinem 50. Geburtstag, der groß gefeiert wurde, sagte, wie uralt ihm die Menschen früher erschienen, die 50 waren. Und jetzt trennt mich selber nur eine überschaubare Zahl von Monaten von diesem Geburtstag und eigentlich fühle ich mich noch gar nicht so alt. Natürlich verändern sich das eigene Leben und die Ansprüche, Interessen und Erfahrungen. Aber langweilig finde ich es nicht und ein Endpunkt ist noch lange nicht erreicht. Die Gestaltung der eigenen Situation zusammen mit der geliebten Frau, Familie und Freunden, gegen Schicksalsschläge und unangemessene Forderungen, gegen merkwürdige Menschen und Personen, die sich zu Feinden entwickelt haben, ist viel wichtiger, als auf das Leben der Anderen zu schauen. Was interessieren mich die perspektivlosen „Rednecks“, dauernd hungrig nach Bier, Party und Privat-TV, als Nachbarn nebenan oder als unbekannte Zeitgenossen in Taiwan?
Da erfreue ich mich lieber am Herbst in unserem naturnah-chaotischen Garten, den gleich kommenden Flug in den Urlaub mit der besten Ehefrau nach Neapel und einem Rückblick auf meine liebsten Fotografien aus Taiwan in diesem Jahr.
Sonnenuntergang an der Hafeneinfahrt in Kaohsiung. An schönen Abenden verfolgen Hunderte von Menschen, wie sich die Sonne schnell dem Horizont nähert. Betriebsam passieren Schiffe aus allen Ländern die Enge zwischen zwei felsigen Anhöhen, um in den geschützten Hafenbereich zu gelangen.
Ein Teebauer prüft das Wachstum seiner Pflanzen in den Bergen von Alishan nahe dem Ort Siding. Eine Stützmauer aus großen Steinen trennt die Terrassenfelder voneinander.
Ein erschrockener Baumfrosch schaut ins Blitzlicht der Kamera in Shuilin, südlich dem Sonnenmondsee. Rund um das Gästehaus von „Old Five“, wo Pflanzenbeete mit Schilf die Klärung des Abwasser übernehmen, bewusst auf eine Beleuchtung und eine Versiegelung der Wege verzichtet wird, findet sich eine bemerkenswerte Fauna zu den Nachtstunden ein.
Wenig Zeit verbleibt mir noch bis zum nächsten Kulturschock im Süden Europas.
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Taiwan 2013 im März
Dienstag, 1. Oktober 2013
Die gelbe Ente
Quietschfrei und von Luft entleert taifunfest
Vor einigen Jahren wurden die alten Hafengebiete in Kaohsiung (高雄) freigeräumt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies war sicher ein wichtiger Schritt die Lebensqualität in der Großstadt zu heben und den Strukturwandel zu einer modernen Metropole voran zu bringen.
Ein beliebter Ort ist dabei das Love Pier (真愛碼頭) an der Mündung des gleichnamigen Flusses und mit der Skyline der Hibian Straße und von Sanduo gegenüber geworden. Hier starten die Hafenrundfahrten der Kaohsiung City Shipping Gesellschaft.
Jüngst erschien vor dem Love Pier die gigantische gelbe Gummiente (黃色小鴨) des niederländischen Künstlers Florentijin Hofman. 18 Meter hoch dümpelt sie im Hafenbecken gegenüber dem Love Pier und lässt sich von den Einwohnern und Besuchern der Stadt bewundern. Schade, die Ente bleibt nur bis zum 20. Oktober 2013. Leider kommen wir erst später nach Taiwan, so dass uns der seltene Vogel wohl entgehen wird.
Auch Deutsche mögen so was, aber vielleicht auch etwas anders. Tausende Goldhähne präsentieren sich bei einer Installation von Ottmar Hörl im September 2011. Statt der Größe beeindruckt hier die Masse von künstlerisch nachgeahmten Federvieh. Zwar zog es in der rheinischen Mittelstadt nicht das Publikum in so großer Zahl wie in Kaohsiung an, dennoch ist das Ereignis im kollektiven Gedächtnis haften geblieben. Die Goldhähne finden sich heute nicht nur in verschiedenen Gärten der Stadt sondern auch im Büro des Bürgermeisters.
Vor einigen Jahren wurden die alten Hafengebiete in Kaohsiung (高雄) freigeräumt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dies war sicher ein wichtiger Schritt die Lebensqualität in der Großstadt zu heben und den Strukturwandel zu einer modernen Metropole voran zu bringen.
Ein beliebter Ort ist dabei das Love Pier (真愛碼頭) an der Mündung des gleichnamigen Flusses und mit der Skyline der Hibian Straße und von Sanduo gegenüber geworden. Hier starten die Hafenrundfahrten der Kaohsiung City Shipping Gesellschaft.
Jüngst erschien vor dem Love Pier die gigantische gelbe Gummiente (黃色小鴨) des niederländischen Künstlers Florentijin Hofman. 18 Meter hoch dümpelt sie im Hafenbecken gegenüber dem Love Pier und lässt sich von den Einwohnern und Besuchern der Stadt bewundern. Schade, die Ente bleibt nur bis zum 20. Oktober 2013. Leider kommen wir erst später nach Taiwan, so dass uns der seltene Vogel wohl entgehen wird.
Auch Deutsche mögen so was, aber vielleicht auch etwas anders. Tausende Goldhähne präsentieren sich bei einer Installation von Ottmar Hörl im September 2011. Statt der Größe beeindruckt hier die Masse von künstlerisch nachgeahmten Federvieh. Zwar zog es in der rheinischen Mittelstadt nicht das Publikum in so großer Zahl wie in Kaohsiung an, dennoch ist das Ereignis im kollektiven Gedächtnis haften geblieben. Die Goldhähne finden sich heute nicht nur in verschiedenen Gärten der Stadt sondern auch im Büro des Bürgermeisters.
Sonntag, 30. Juni 2013
Abschied, Schmerz und Hoffnung (II)
Der Tag der Bestattung
Um 6.30 Uhr in der Frühe trifft sich die Familie am Tag der Bestattung. Um Unglück zu vermeiden, erhält jeder Teilnehmer an der Trauerfeier zwei kleine Zweige mit Blättern und eine Münze für die Hosentasche.
Das riesige Zelt, das die gesamte Straßenbreite ausfüllt, ist jetzt komplett und opulent ausgeschmückt. Wie ein Tor zu einer Stadt der Trauer ist nun der Eingang zum Zelt hergerichtet. Das Portrait des Verstorbenen befindet sich auf der anderen Seite des Zeltes in einer gewellten, wunderschönen Landschaft aus Pflanzen und Blumen. Davor ist ein Tisch mit Weihrauchbehälter und anderen sakralen Gegenständen. Reihen von stoffüberzogenen Stühlen füllen den Rest des Zeltes aus. An den Seiten stehen die Blumengestecke.
Das die engeren Familienangehörigen wie an den Vortagen Trauerkleidung anzuziehen hatte, war mir klar. Es gab wieder weiße Hosen und Sweatshirts für alle Söhne, Schwiegertöchter, Töchter und Kinder der Söhne, darüber ärmellose Jutejacken, Kapuzen für die Frauen und zusammengenähte Mützen für die Männer. Während Söhne und Schwiegertöchter hellbraune Jute bekam, trugen ihre Kinder und die Töchter des Verstorbenen die gleiche Überbekleidung, aber in einem gelblicheren Gewebe. Diesmal wurden auch die drei Schwiegersöhne ausgestattet. Aus weißen Gewebe gab es ärmellose Jacken, einen Gürtel und Mützen.
Zunächst folgten im Trauerzelt weitere Zeremonien und Riten mit den Priestern des Beerdigungsinstituts. Ein Sprecher, sehr im Stil nordamerikanischer Prediger, leitete den Ablauf und sprach über den Verstorbenen. Die religiösen Handlungen nahmen die anwesenden Priester vor. Während von den näheren Verwandten die Frauen links vom Weihrauchbehälter standen, stellten sich die Männer rechts auf. Die weiteren Trauergästen nahmen auf den Stühlen Platz.
Im zweiten Teil der Trauerfeier sagten alle Gäste in Gruppen oder als Einzelpersonen dem Verstorbenen Dank oder erwiesen ihm die Ehre. Die vortreten wollten, hatten sie sich zuvor in einer Liste registriert. Nicht nur entfernte Verwandte, Freunde oder Nachbarn gehören dazu, sondern auch der Ortsbürgermeister, politische Parteien, Verbänden, Vertreter aus dem Unternehmen, in dem der älteste Sohn beschäftigt ist, und andere.
Zum Ende der Feierlichkeiten im Trauerzelt wurde der Sarg, der sich zuvor hinter der Blumenlandschaft verborgen im letzten Abschnitt des Zelts befand, in den Leichenwagen des Beerdigungsinstitutes, einem schweren amerikanischen Straßenkreuzer, geschoben. Überhaupt wird der Sarg meistens verborgen und man wendet sich möglichst von ihm ab.
Der Trauerzug bildete sich. Die Rolle der drei Schwiegersöhne - einschließlich meiner Person - war es nun, den Trauerzug anzuführen. Dabei ging der älteste Schwiegersohn (大姐夫) an der Spitze und streute Opfergeld auf die Straße. Ihnen folgte eine Musikgruppe und der Leichenwagen. Dahinter waren die nahen Verwandten und die anderen Trauergäste.
Nach einigen hundert Metern wurde am Rand des Dorfes in einen Bus umgestiegen. Dem Leichenwagen folgend ging die Fahrt zum Krematorium.
In ersten Wagen saß neben dem Fahrer auch der älteste Schwiegersohn. Bei geöffneten Fenster streute er weiter Opfergeld auf die Straße, bis das Ziel erreicht war. Im Krematorium ging dann alles ganz schnell. Als wir eintraten, befand sich der Sarg bereits auf dem linken Fördergestell zu einer der drei Feuerkammern. Die Halle war groß und schmucklos. Um die Klappen zu den Feuerkammer war die Wand von der Hitze geschwärzt. Diese Fabrikatmosphäre war schon grenzwertig, um dem Verstorbenen einen angemessenen letzten Abschied zu geben. An der rechten Feuerkammer hatte gerade eine Trauergesellschaft den Körper ihres Lieben den Flammen übergeben. Diese Gruppe erschien übrigens deutlich westlicher gekleidet. Das Krematorium bietet auch die Möglichkeit zur Verbrennung von Opfergaben, was wir bereits am Vortag im heimischer Umgebung erledigt hatten. In Kaohsiung sind Feuerbestattungen kostenfrei, weil damit Flächen gespart werden können und Problemen einer geeigneten Bodenbeschaffenheit für Friedhöfe aus dem Weg gegangen wird. Einige Wochen später erschien in der Lokalpresse ein Bericht über das Bochumer Krematorium, wo die Stadt als Betreiber medizinische Prothesen der Verstorbenen, insbesondere die Edelmetalle daraus, ohne Wissen und Einverständnis der Angehörigen noch für die eigenen Finanzen vergoldet wird. Ob das in Taiwan so ähnlich läuft?
Die drei Priester des Bestattungsinstituts leiteten für uns im Krematorium die Zeremonie vor dem Sarg mit Danksagungen, Verbeugungen mit Räucherstäbchen und Niederknien. In der ersten Reihe standen die Söhne und der erstgeborene Enkelsohn, dann folgten Schwiegertöchter und weitere Kinder der Söhne, die Schwiegertöchter und anderen Trauergäste. Der erstgeborene Sohn trug wieder den Fetisch vom Vortag. Wir dankten und verabschiedeten uns wieder gegenüber dem Verstorbenen und warfen uns vor ihm auf den harten und staubigen Boden des Krematoriums. Beim Aufstehen war der Sarg aus edlem Holz, in Papier gehüllt und mit gefaltenen Papierlotusblüten geschmückt, bereits hinter der geschlossenen Feuerkammertür verschwunden.
Mit dem Bus ging es sofort zurück. An jeder Straßenkreuzung und Brücke wurde der Verstorbene angerufen. Bei der Ankunft war das große Trauerzelt schon fast wieder abgebaut. Alle Trauergäste wuschen sich symbolisch mit Wasser aus Eimern und aßen von einem großen Kuchen. Bei der Verabschiedung gab es für die Gäste Päckchen, gefüllt mit Kuchen und süßen Milchtee, beziehungsweise zur Danksagung auch einen Kartons mit Handtüchern. Der Priester reinigte nun die Straße mit Wasser und Glockenläuten von allem Bösen. Die noch anwesenden Verwandten aßen zur mittlerweile erreichten Mittagszeit gemeinsam Reis und eine süßsaure Gemüsesuppe.
Die Berge im Rücken, das Meer vor sich - Beerdigungsstätten wie nahe Kending mit so einem guten Feng Shui sind ein Ideal, das sich nur frühere Generationen leisten konnten. Heute sind solche Ruheplätze für fast alle Taiwaner unerreichbar. Der moderne Staat fördert massiv Feuerbestattungen.
Die Söhne und der Sohn des Erstgeborenen fuhren am frühren Nachmittag mit einem Wagen des Beerdigungsinstituts zurück zum Krematorium, um die erkaltete Asche und Überreste in die Urne zu füllen und abzuholen. Das Aufnehmen der Knochen ist dabei eine wichtige Handlung.
In der Zeit waren die anderen Verwandten bereits auf dem Weg zum Beinhaus. Beinhäuser sind für viele in Taiwan offenbar eine Kapitalanlage, denn die kleinen unbelegten Ruhestätten können zu einem höheren als den Erwerbspreis später weiter veräußert werden. Der Preis soll sich dabei nach der Lage im Gebäude richten. Die Anlage, zu der wir fuhren, hatte zwei große Turmbauten und dazwischen einen Tempel mit drei großen Statuen im Inneren.
Jeder der gewaltigen Türme hat etwa sieben bis neun Stockwerke. Ähnlich einem Archiv sind im Inneren enge Gänge mit Kassettenschränken, die tausende von Urnen aufnehmen kann. Neben dem Treppenhaus verfügten die Türme auch über eine Aufzugsanlage. Nach einer Zeremonie im Tempel wurde die Urne zu ihrem Platz gebracht. Die Priester segneten den Ort und jeder verabschiedete sich nochmals vom Verstorbenen. Nachdem ich als letzter Trauernder passiert hatte, schloss der Wärter die Kassette.
Zurück im Dorf wurden noch die Gaben für den Verstorbenen aufgeteilt. Dabei waren viele zweckmäßige Dinge, die ihm im Jenseits zu Gute kommen, wie Lebensmittel, Nudeln, Öl oder Getränke. Möglichst am gleichen Tag ging der Weg der Söhne noch für einen Kurzhaarschnitt zum Frisör und der Rasierer wurde auch wieder benutzt. Für die kommenden Monate gab es einen Plan vom Bestattungsinstitut, welche religiösen Ämter und Dienste für den Verstorben erfolgen müssen. Am Hausschrein wird ihm gedacht und so bleibt er zwischen uns, teilt mit uns die Träume und Gedanken.
Um 6.30 Uhr in der Frühe trifft sich die Familie am Tag der Bestattung. Um Unglück zu vermeiden, erhält jeder Teilnehmer an der Trauerfeier zwei kleine Zweige mit Blättern und eine Münze für die Hosentasche.
Das riesige Zelt, das die gesamte Straßenbreite ausfüllt, ist jetzt komplett und opulent ausgeschmückt. Wie ein Tor zu einer Stadt der Trauer ist nun der Eingang zum Zelt hergerichtet. Das Portrait des Verstorbenen befindet sich auf der anderen Seite des Zeltes in einer gewellten, wunderschönen Landschaft aus Pflanzen und Blumen. Davor ist ein Tisch mit Weihrauchbehälter und anderen sakralen Gegenständen. Reihen von stoffüberzogenen Stühlen füllen den Rest des Zeltes aus. An den Seiten stehen die Blumengestecke.
Das die engeren Familienangehörigen wie an den Vortagen Trauerkleidung anzuziehen hatte, war mir klar. Es gab wieder weiße Hosen und Sweatshirts für alle Söhne, Schwiegertöchter, Töchter und Kinder der Söhne, darüber ärmellose Jutejacken, Kapuzen für die Frauen und zusammengenähte Mützen für die Männer. Während Söhne und Schwiegertöchter hellbraune Jute bekam, trugen ihre Kinder und die Töchter des Verstorbenen die gleiche Überbekleidung, aber in einem gelblicheren Gewebe. Diesmal wurden auch die drei Schwiegersöhne ausgestattet. Aus weißen Gewebe gab es ärmellose Jacken, einen Gürtel und Mützen.
Zunächst folgten im Trauerzelt weitere Zeremonien und Riten mit den Priestern des Beerdigungsinstituts. Ein Sprecher, sehr im Stil nordamerikanischer Prediger, leitete den Ablauf und sprach über den Verstorbenen. Die religiösen Handlungen nahmen die anwesenden Priester vor. Während von den näheren Verwandten die Frauen links vom Weihrauchbehälter standen, stellten sich die Männer rechts auf. Die weiteren Trauergästen nahmen auf den Stühlen Platz.
Im zweiten Teil der Trauerfeier sagten alle Gäste in Gruppen oder als Einzelpersonen dem Verstorbenen Dank oder erwiesen ihm die Ehre. Die vortreten wollten, hatten sie sich zuvor in einer Liste registriert. Nicht nur entfernte Verwandte, Freunde oder Nachbarn gehören dazu, sondern auch der Ortsbürgermeister, politische Parteien, Verbänden, Vertreter aus dem Unternehmen, in dem der älteste Sohn beschäftigt ist, und andere.
Zum Ende der Feierlichkeiten im Trauerzelt wurde der Sarg, der sich zuvor hinter der Blumenlandschaft verborgen im letzten Abschnitt des Zelts befand, in den Leichenwagen des Beerdigungsinstitutes, einem schweren amerikanischen Straßenkreuzer, geschoben. Überhaupt wird der Sarg meistens verborgen und man wendet sich möglichst von ihm ab.
Der Trauerzug bildete sich. Die Rolle der drei Schwiegersöhne - einschließlich meiner Person - war es nun, den Trauerzug anzuführen. Dabei ging der älteste Schwiegersohn (大姐夫) an der Spitze und streute Opfergeld auf die Straße. Ihnen folgte eine Musikgruppe und der Leichenwagen. Dahinter waren die nahen Verwandten und die anderen Trauergäste.
Nach einigen hundert Metern wurde am Rand des Dorfes in einen Bus umgestiegen. Dem Leichenwagen folgend ging die Fahrt zum Krematorium.
In ersten Wagen saß neben dem Fahrer auch der älteste Schwiegersohn. Bei geöffneten Fenster streute er weiter Opfergeld auf die Straße, bis das Ziel erreicht war. Im Krematorium ging dann alles ganz schnell. Als wir eintraten, befand sich der Sarg bereits auf dem linken Fördergestell zu einer der drei Feuerkammern. Die Halle war groß und schmucklos. Um die Klappen zu den Feuerkammer war die Wand von der Hitze geschwärzt. Diese Fabrikatmosphäre war schon grenzwertig, um dem Verstorbenen einen angemessenen letzten Abschied zu geben. An der rechten Feuerkammer hatte gerade eine Trauergesellschaft den Körper ihres Lieben den Flammen übergeben. Diese Gruppe erschien übrigens deutlich westlicher gekleidet. Das Krematorium bietet auch die Möglichkeit zur Verbrennung von Opfergaben, was wir bereits am Vortag im heimischer Umgebung erledigt hatten. In Kaohsiung sind Feuerbestattungen kostenfrei, weil damit Flächen gespart werden können und Problemen einer geeigneten Bodenbeschaffenheit für Friedhöfe aus dem Weg gegangen wird. Einige Wochen später erschien in der Lokalpresse ein Bericht über das Bochumer Krematorium, wo die Stadt als Betreiber medizinische Prothesen der Verstorbenen, insbesondere die Edelmetalle daraus, ohne Wissen und Einverständnis der Angehörigen noch für die eigenen Finanzen vergoldet wird. Ob das in Taiwan so ähnlich läuft?
Die drei Priester des Bestattungsinstituts leiteten für uns im Krematorium die Zeremonie vor dem Sarg mit Danksagungen, Verbeugungen mit Räucherstäbchen und Niederknien. In der ersten Reihe standen die Söhne und der erstgeborene Enkelsohn, dann folgten Schwiegertöchter und weitere Kinder der Söhne, die Schwiegertöchter und anderen Trauergäste. Der erstgeborene Sohn trug wieder den Fetisch vom Vortag. Wir dankten und verabschiedeten uns wieder gegenüber dem Verstorbenen und warfen uns vor ihm auf den harten und staubigen Boden des Krematoriums. Beim Aufstehen war der Sarg aus edlem Holz, in Papier gehüllt und mit gefaltenen Papierlotusblüten geschmückt, bereits hinter der geschlossenen Feuerkammertür verschwunden.
Mit dem Bus ging es sofort zurück. An jeder Straßenkreuzung und Brücke wurde der Verstorbene angerufen. Bei der Ankunft war das große Trauerzelt schon fast wieder abgebaut. Alle Trauergäste wuschen sich symbolisch mit Wasser aus Eimern und aßen von einem großen Kuchen. Bei der Verabschiedung gab es für die Gäste Päckchen, gefüllt mit Kuchen und süßen Milchtee, beziehungsweise zur Danksagung auch einen Kartons mit Handtüchern. Der Priester reinigte nun die Straße mit Wasser und Glockenläuten von allem Bösen. Die noch anwesenden Verwandten aßen zur mittlerweile erreichten Mittagszeit gemeinsam Reis und eine süßsaure Gemüsesuppe.
Die Berge im Rücken, das Meer vor sich - Beerdigungsstätten wie nahe Kending mit so einem guten Feng Shui sind ein Ideal, das sich nur frühere Generationen leisten konnten. Heute sind solche Ruheplätze für fast alle Taiwaner unerreichbar. Der moderne Staat fördert massiv Feuerbestattungen.
Die Söhne und der Sohn des Erstgeborenen fuhren am frühren Nachmittag mit einem Wagen des Beerdigungsinstituts zurück zum Krematorium, um die erkaltete Asche und Überreste in die Urne zu füllen und abzuholen. Das Aufnehmen der Knochen ist dabei eine wichtige Handlung.
In der Zeit waren die anderen Verwandten bereits auf dem Weg zum Beinhaus. Beinhäuser sind für viele in Taiwan offenbar eine Kapitalanlage, denn die kleinen unbelegten Ruhestätten können zu einem höheren als den Erwerbspreis später weiter veräußert werden. Der Preis soll sich dabei nach der Lage im Gebäude richten. Die Anlage, zu der wir fuhren, hatte zwei große Turmbauten und dazwischen einen Tempel mit drei großen Statuen im Inneren.
Jeder der gewaltigen Türme hat etwa sieben bis neun Stockwerke. Ähnlich einem Archiv sind im Inneren enge Gänge mit Kassettenschränken, die tausende von Urnen aufnehmen kann. Neben dem Treppenhaus verfügten die Türme auch über eine Aufzugsanlage. Nach einer Zeremonie im Tempel wurde die Urne zu ihrem Platz gebracht. Die Priester segneten den Ort und jeder verabschiedete sich nochmals vom Verstorbenen. Nachdem ich als letzter Trauernder passiert hatte, schloss der Wärter die Kassette.
Zurück im Dorf wurden noch die Gaben für den Verstorbenen aufgeteilt. Dabei waren viele zweckmäßige Dinge, die ihm im Jenseits zu Gute kommen, wie Lebensmittel, Nudeln, Öl oder Getränke. Möglichst am gleichen Tag ging der Weg der Söhne noch für einen Kurzhaarschnitt zum Frisör und der Rasierer wurde auch wieder benutzt. Für die kommenden Monate gab es einen Plan vom Bestattungsinstitut, welche religiösen Ämter und Dienste für den Verstorben erfolgen müssen. Am Hausschrein wird ihm gedacht und so bleibt er zwischen uns, teilt mit uns die Träume und Gedanken.
Samstag, 29. Juni 2013
Abschied, Schmerz und Hoffnung (I)
Bestattungen in Taiwan
Es fiel mir anfänglich schwer Informationen zu finden, was denjenigen erwartet, der nach Taiwan reist und mit dort einem Trauerfall konfrontiert wird. Natürlich hatte mich meine Frau informiert. Aber was für sie aufgrund ihrer Sozialisierung selbstverständlich ist, kann für mich zum Bereich des Undenkbaren gehören. So erinnerte ich mich an frühe Schilderungen von Ludigel, die sehr beeindruckend waren. Im Internet fand sich ansonsten Orientierung etwa bei Virtualtourist oder der „Schleifendruckerei“. Es finden sich auch – mal wieder - abgefahrene Taiwan-Sachen, wie die „Funeral Strippers“, die ich nun überhaupt nicht mit meiner Familie in Verbindung bringen könnte. Auch meine Frau hat die sexy Tänzerinnen, die ja gar nicht strippen, also wie Ursula Martinez ihre Kleidung ablegen, noch nie in Verbindung mit Beerdigungen, wohl aber bei Tempelfesten oder Hochzeiten gesehen.
Einen umfassenden Einblick in den Aufwand, der mit einer Trauerfeier in Taiwan verbunden sein kann, gibt Douglas M. Gildow auf seiner Webseite.
Die Riten sind dabei offenbar in Taiwan sehr vielfältig, sie hängen von der örtlichen Gemeinschaft, der Volksgruppe, der sozialen Zugehörigkeit, den Einstellungen in der Familie und dem Status ab. Eine große Familie auf dem Land kann (und muss ) sicher mehr Aufwand veranlassen als eine Kleinfamilie in den verstädterten Gebieten. Oft weiß die betroffene Familie nicht in allen Details, was zu beachten ist, da Todesfälle sehr selten eintreten. Nachbarn, Verwandte, Freunde und das „Höflichkeitsinstitut“, wie die Bestattungsunternehmen genannt werden, geben dann Hinweise. Wie bei uns sind Riten dem Wandel der Zeit unterworfen. Die Anforderungen des modernen Lebens, etwa der Zwang an Schulprüfungen in einer straff auf Leistung ausgerichteten Gesellschaft teilzunehmen, verhindern beispielsweise, dass alle Enkel an einer Bestattung teilnehmen können.
Die Nähe zum Tod und die Betroffenheit, die eigene Trauer und Würde bei der Angelegenheit sprechen meines Erachtens dagegen, Fotos zu machen und das Geschehen mit Neugier zu betrachten. Zudem kommt, dass der Tod in Taiwan allgemein noch stärker als in der deutschen Gesellschaft tabuisiert und möglichst verdrängt wird.
Im Laufe meines Aufenthaltes lernte ich, mich von westlichen Denkmustern zu befreien. Viele unserer Prinzipien haben in Taiwan keine Bedeutung. Geht es im Westen traditionell im Kern um Fürbitten gegenüber einem Gott für den Verstorbenen, so sind die östlichen Handlungsmuster durch den Dank an den Verstorbenen während seines irdischen Lebens geprägt. Mit dem Tod lösen sich im Osten Körper und Geist voneinander. Der Geist des Verstorbenen bleibt unter uns, eben nur auf einer quasi anderen „Wellenlänge“. Der häusliche Schrein dient seiner Verehrung und bildet den Mittelpunkt der Erinnerung. Demgegenüber ist der Gedanke der Wiederauferstehung, die Bedeutung des Begräbnisortes, des Friedhofs, die Vorstellung eines Lebens nach dem Tode in einem Himmel über dieser Welt deutlich stärker im westlichen Denken und hier tiefer verankert. Eine Hölle und ein Fegefeuer, bei denen der Mensch für schlechte Taten geläutert wird, gibt es in beiden Kulturkreisen, wie religiöse Darstellungen bei den Trauerzeremonien in Taiwan klar – in Anlehnung an Hieronymus Bosch – zeigten.
Volksreligion und Aberglaube, Buddhismus und Taoismus, konfuzianische Werte lassen sich im Alltagsleben nicht abgrenzen und vermischen sich. Die Vielfalt in der Religionsausübung und spirituelle Vorstellungen überwältigen leicht den christlich geprägten Durchschnittsmenschen aus dem Westen in Taiwan: Der neu errichtete Teil des buddhistischen Zentrums Fo Guan Shan in Kaohsiung irritiert dadurch, dass für ihn die natürliche Landschaft platt gemacht wurde und unkritisch faschistoide Architekturmerkmale durch Größe und Symmetrie aufgenommen werden.
Der Tod kam mit einer nicht mehr heilbaren, schweren Krebserkrankung, die alle Kräfte innerhalb weniger Monate raubte. Als der Zeitpunkt erkennbar war, ging der letzte Weg nach Hause, da es in Taiwan wichtig ist, das irdische Dasein hier und im Kreise der Familie zu beenden. So bemühten sich alle Verwandten schnellstmöglich zu kommen, um sich von der geliebten Person verabschieden zu können. Nach dem Tode durften sich Verwandte und Anverwandte bei ihrer Ankunft nur noch auf Knien dem Sarg nähern.
Von solchen Gesten wurde bei mir abgesehen, da meine Familie grundsätzlich sehr pragmatisch und liberal ist. Es ist eher der soziale Druck und die Erwartungshaltung von Außen, die zu bestimmten Verhaltensanpassungen wie oben beschrieben führt.
Überhaupt geht das Konzept beim Todesfall von einer stark verwandtschaftlichen Abstufung und Geschlechterdifferenzierung aus. Zuvorderst steht der erstgeborene Sohn. Ihm kommt die wichtige Rolle zu, dem Vater nachzufolgen und damit dem Familienclan vorzustehen. Der hat die meisten Pflichten und Entscheidungen zu treffen.
Das macht die Rolle für den zweitgeborenen Sohn nicht einfach. Damit der Erstgeborene, die ihm zugedachte Rolle bestmöglich ausüben kann und seine Entwicklung gefördert wird, ist es zweckmäßig, ihm das Beste zukommen zu lassen. Damit wird die Nummer Zwei notwendigerweise herabgesetzt. Einfacher ist es da schon für den dritten Sohn. Aufgrund der zeitlichen Distanz zwischen den Geburten, sollten dem männlichen „Nesthäkchen“ wieder mehr an Anerkennung und Ressourcen zur Verfügung stehen. Der Druck dem Patriarchen irgendwann nachfolgen zu müssen, ist gering und gibt ihm mehr Freiheiten und Spielräume.
In der Abstufung folgen nach den Söhnen ihre Kinder männlichen Geschlechts, also die Enkelsöhne, hier besonders der älteste Sohn des Erstgeborenen. Dass in dieser Gruppe auch die Enkeltöchter der Söhne berücksichtigt werden, erscheint bereits als neuzeitliche Entwicklung vor dem Hintergrund einer zunehmenden Gleichstellung von Männern und Frauen. Ebenfalls in dieser Einstufung hochgestellt sind die Ehefrauen der Söhne.
Interessant bei der Geschlechterbetrachtung im chinesischen Kulturkreis ist, dass sprachlich nicht zwischen männlich und weiblich unterschieden wird, aber sozial traditionell dem Mann- und Frausein eine große Bedeutung und Wertigkeit zukommt. Wenn auch in Deutschland historisch Frauen sozial immer zurückgestellt wurden, war meines Erachtens eine (Gleich-) Wertigkeit im gewissen Sinne gegeben: In der mitteleuropäischen Wildnis wird jeder Mensch und seine Arbeitskraft gebraucht, um Durchzukommen. Sprachlich hingegen differenziert das Deutsch extrem zwischen weiblich, männlich und sogar sächlich! Aber vielleicht täuscht mich auch meine maskuline Perspektive.
In der sozialen Gruppierung stehen die Töchter des Clanchef grundsätzlich bereits außerhalb des Familienverbandes, da sie sich den Familien ihrer Ehemänner angeschlossen haben. Aber sie teilen immer noch die Gene und ihre Herkunft mit dem Vater.
Während der Trauerzeremonien tragen die vier vorgenannten Gruppen eine besondere Trauerbekleidung: die Söhne und deren Ehefrauen tragen eine Kopfbedeckung und Weste aus hellbraunem Jutegewebe über weißer Kleidung, einem eher sportlichen Sweater mit Hose. Die Töchter und die Kinder der Söhne des Clanchefs tragen über der weißen Kleidung eine Weste aus einem eher gelben einfachen Gewebe. Die Ehemänner der Töchter blieben zunächst bis zum Bestattungstag ohne besondere Trauerbekleidung, deren Kinder gänzlich ohne.
Die Trauerzeremonien finden über viele Tage statt. Während ich in Deutschland die Bestattungsunternehmen im Wesentlichen als althergebrachte Familienunternehmen kenne, war in Taiwan alles über einen privaten Tempel organisiert. Die Chefin und Direktorin des Unternehmens war die Ehefrau des Wunderheilers, der sich zuvor um die Wiederherstellung der Gesundheit des Verstorbenen bemüht hatte. Ihr Neffe und eine Vielzahl von Assistenten managte nun den gesamten Ablauf der Trauer und Bestattung. Das Unternehmen sorgte auch für die drei Priester, respektive Schamanen.
Wie geschrieben werden die Beerdigungsinstitute in Taiwan „Höflichkeitsinstitute“ genannt. Früher hatten sie einen schlechten Ruf. Deshalb wird gesagt, dass heute bevorzugt gutaussehende, adrette und seriös wirkende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt werden. Ihre Erscheinung, etwa mit weißen Hemd und schwarzer Hose beziehungsweise dunklem Kostüm, wirkt sehr westlich geprägt. Da der Tod etwas Schmutziges ist, von dem Orte und Person reinzuhalten oder zu reinigen sind, wird gewiss auch deshalb eine neutrale Bezeichnung für die Bestattungsunternehmen gewählt.
Dennoch bleibt der Verstorbene viele Tage im heimischen Umfeld. Der Sarg wird schnell verschlossen. Eine offene Aufbahrung wie in Deutschland findet nicht statt. Der Sarg war eingehüllt und mit aus Papier gefaltenen Lotusblumen geschmückt. Er stand im hinteren Teil der Eingangshalle des Reihenhauses einer der Söhne. Das Haus wurde aufgrund seiner Lage mit ausreichend Platz im Straßenraum für das später notwendige Trauerzelt gewählt.
Vor dem Sarg war ein Opferaltar aufgebaut, so dass er von Außen nicht sichtbar war. Auf dem Opferaltar thronten drei Götterstatuen. Ein sehr schönes, hinterleuchtetes Portraitbild des Verstorbenen, etwas aufgehellt vor einer verklärten Landschaft, die Taiwans Küste und Berge wiedergab, oben umrahmt von durchschienenen Bambusblättern, im Zentrum des Schreins brachte ihn in die Mitte der Anwesenden zurück und gab ihm Präsenz. Der Tisch war gefüllt mit Gaben und Blumen, Obst und Wasser für den Verstorbenen und einer Schale für die Räucherstäbchen. Rechts vom Schrein standen Schuhe und Kleidung für den Verstorbenen. Im restlichen vorderen Teil des Raumes und vor dem Haus stand seitlich der Blumenschmuck auf säulenförmigen Metalltischen, die von seidengleichen Schals bedeckt waren. Üblich ist, dass der Blumenschmuck jeweils paarweise etwa von Freunden, den Familien der Schwiegereltern der Kinder, Nachbarn, Geschäftspartnern oder auch von den Arbeitgebern der Söhne gegeben wird. So fand sich auch hier der Name meiner Familie an zwei Blumengestecken. Daneben gab es viele Geschenke für den Verstorbenen so in Form von großen Papiermodellen von Häusern und Autos der Marke BMW und Mercedes, die neben dem Sarg aufgestellt waren.
Solange sich der Sarg im Haus befindet, halten Familienmitglieder abwechselnd die Totenwache. Während in Deutschland Fristen zur Bestattung bestehen und alles möglichst schnell geschehen sollte, kann in Taiwan die Zeit des Abschieds und der Totenwache fast nicht lang genug sein.Dies ist die Zeit der Besinnlichkeit, an den Verstorbenen zu denken, Gefühle und alte Geschichten auszutauschen. Die folgenden Zeremonien bieten dafür keine Gelegenheit mehr. Es wird in der gesamten Zeit nur vegetarisch gegessen. Die Angehörigen rasieren sich nicht und lassen die Haare wachsen. Während der Totenwache gibt es keine strengen Regeln für die Bekleidung. Nur Rot ist als Farbe verpönt, da sie Glück und Freude symbolisiert. Dunkle und weiße Kleidung wird bevorzugt, so dass wer den deutschen Gewohnheiten folgt kulturell auch in Taiwan nicht falsch liegt.
Die engeren Familienangehörigen tragen eine kleine Stoffbinde oder mehr einen Anstecker mit einem Stoffstreifen, wenn sie sich in der Nähe aufhalten. Dieser wird abgelegt, wenn sie wieder fortgehen. Das Zeichen der Trauer und damit Nähe zu einem Toten gehabt zu haben, wird von vielen Menschen in Taiwan als unangenehm empfunden und als Nachteil im öffentlichen Leben angesehen.
In den Tagen finden verschiedenste Zeremonien unter Beteiligung der Priester statt. Da der Verstorbene aufgrund seiner Erkrankung viel Medizin einnehmen musst, werden im Ritual sein Körper und Geist von den Qualen gereinigt und vom Leid befreit.
Vor dem Tag der Bestattung wird auf der Straße das große Trauerzelt aufgebaut. Zuvor fanden Danksagungen und Gebete zum Verstorbenen nach einer festgelegten Ordnung für die bestimmten Gruppen, wie Enkel, Töchter oder Söhne, vor dem Schrein in der Eingangshalle des Hauses statt. Mit dem Trauerzelt wurde im hinteren Bereich ein Schrein vor verschiedenen Bilderrollen aufgebaut. Der Platz davor konnten danach für Gebete genutzt werden, wobei jetzt auch die Schwiegersöhne einbezogen und die Zeremonien intensiver wurden.
Von Bestattungsinstitut wurde zudem ein schöner und gesunder weißer Hahn angeliefert. „Der wird gekillt!“, sagte mein Schwager und zeigte mit dem Finger an seinen Hals. Falsch, das schöne Tier überlebte, musste aber – so wurde mir gesagt – bei einer Zeremonie etwas Blut spenden. Die meiste Zeit des Tages saß der Vogel entspannt wie ein Beerdigungsprofi angebunden unter einem Stuhl und erweckte vor allem das Interesse der jüngeren Enkelkinder des Verstorbenen.
Den Auftritt des Hahns verpasste ich, weil zu dem Zeitpunkt am Nachmittag Schwiegersöhne und deren Kinder die Aufgabe hatten, in Massen Opfergeld, scheinbar auch angedeutete Wertpapieren und Aktien vor dem Zelt in einem fassähnlichen Ofen unter Anleitung einer Mitarbeiterin des Bestattungsinstituts zu verbrennen. Das Feuer schlug sehr hoch und entwickelte eine starke Hitze, wohl auch deshalb, weil das fette Papier besonders vorbehandelt ist.
Zum Abend ging es dann an den Ortsrand, um in einem hohen Gittercontainer Säcke gefaltenen Papiergeldes in historischer Form und die Papiermodellen von Haus, Wächtern und Autos sowie die Kleidung der Verstorbenen zu verbrennen und ihm so zukommen zu lassen.
Die Trauergäste standen in einem Kreis um den Feuerplatz und waren durch ein weißes Band verbunden, dass die in den Händen hielten. Der älteste Sohn des Verstorbenen hatte einen Fetisch, einen Stab, an dem eine Art Lampenschirm und anderes befestigt war. Im Laufe der Zeremonie wurde der Feuerplatz mehrmals gemeinsam umschritten, bis alles abgebrannt war.
Es fiel mir anfänglich schwer Informationen zu finden, was denjenigen erwartet, der nach Taiwan reist und mit dort einem Trauerfall konfrontiert wird. Natürlich hatte mich meine Frau informiert. Aber was für sie aufgrund ihrer Sozialisierung selbstverständlich ist, kann für mich zum Bereich des Undenkbaren gehören. So erinnerte ich mich an frühe Schilderungen von Ludigel, die sehr beeindruckend waren. Im Internet fand sich ansonsten Orientierung etwa bei Virtualtourist oder der „Schleifendruckerei“. Es finden sich auch – mal wieder - abgefahrene Taiwan-Sachen, wie die „Funeral Strippers“, die ich nun überhaupt nicht mit meiner Familie in Verbindung bringen könnte. Auch meine Frau hat die sexy Tänzerinnen, die ja gar nicht strippen, also wie Ursula Martinez ihre Kleidung ablegen, noch nie in Verbindung mit Beerdigungen, wohl aber bei Tempelfesten oder Hochzeiten gesehen.
Einen umfassenden Einblick in den Aufwand, der mit einer Trauerfeier in Taiwan verbunden sein kann, gibt Douglas M. Gildow auf seiner Webseite.
Die Riten sind dabei offenbar in Taiwan sehr vielfältig, sie hängen von der örtlichen Gemeinschaft, der Volksgruppe, der sozialen Zugehörigkeit, den Einstellungen in der Familie und dem Status ab. Eine große Familie auf dem Land kann (und muss ) sicher mehr Aufwand veranlassen als eine Kleinfamilie in den verstädterten Gebieten. Oft weiß die betroffene Familie nicht in allen Details, was zu beachten ist, da Todesfälle sehr selten eintreten. Nachbarn, Verwandte, Freunde und das „Höflichkeitsinstitut“, wie die Bestattungsunternehmen genannt werden, geben dann Hinweise. Wie bei uns sind Riten dem Wandel der Zeit unterworfen. Die Anforderungen des modernen Lebens, etwa der Zwang an Schulprüfungen in einer straff auf Leistung ausgerichteten Gesellschaft teilzunehmen, verhindern beispielsweise, dass alle Enkel an einer Bestattung teilnehmen können.
Die Nähe zum Tod und die Betroffenheit, die eigene Trauer und Würde bei der Angelegenheit sprechen meines Erachtens dagegen, Fotos zu machen und das Geschehen mit Neugier zu betrachten. Zudem kommt, dass der Tod in Taiwan allgemein noch stärker als in der deutschen Gesellschaft tabuisiert und möglichst verdrängt wird.
Im Laufe meines Aufenthaltes lernte ich, mich von westlichen Denkmustern zu befreien. Viele unserer Prinzipien haben in Taiwan keine Bedeutung. Geht es im Westen traditionell im Kern um Fürbitten gegenüber einem Gott für den Verstorbenen, so sind die östlichen Handlungsmuster durch den Dank an den Verstorbenen während seines irdischen Lebens geprägt. Mit dem Tod lösen sich im Osten Körper und Geist voneinander. Der Geist des Verstorbenen bleibt unter uns, eben nur auf einer quasi anderen „Wellenlänge“. Der häusliche Schrein dient seiner Verehrung und bildet den Mittelpunkt der Erinnerung. Demgegenüber ist der Gedanke der Wiederauferstehung, die Bedeutung des Begräbnisortes, des Friedhofs, die Vorstellung eines Lebens nach dem Tode in einem Himmel über dieser Welt deutlich stärker im westlichen Denken und hier tiefer verankert. Eine Hölle und ein Fegefeuer, bei denen der Mensch für schlechte Taten geläutert wird, gibt es in beiden Kulturkreisen, wie religiöse Darstellungen bei den Trauerzeremonien in Taiwan klar – in Anlehnung an Hieronymus Bosch – zeigten.
Volksreligion und Aberglaube, Buddhismus und Taoismus, konfuzianische Werte lassen sich im Alltagsleben nicht abgrenzen und vermischen sich. Die Vielfalt in der Religionsausübung und spirituelle Vorstellungen überwältigen leicht den christlich geprägten Durchschnittsmenschen aus dem Westen in Taiwan: Der neu errichtete Teil des buddhistischen Zentrums Fo Guan Shan in Kaohsiung irritiert dadurch, dass für ihn die natürliche Landschaft platt gemacht wurde und unkritisch faschistoide Architekturmerkmale durch Größe und Symmetrie aufgenommen werden.
Der Tod kam mit einer nicht mehr heilbaren, schweren Krebserkrankung, die alle Kräfte innerhalb weniger Monate raubte. Als der Zeitpunkt erkennbar war, ging der letzte Weg nach Hause, da es in Taiwan wichtig ist, das irdische Dasein hier und im Kreise der Familie zu beenden. So bemühten sich alle Verwandten schnellstmöglich zu kommen, um sich von der geliebten Person verabschieden zu können. Nach dem Tode durften sich Verwandte und Anverwandte bei ihrer Ankunft nur noch auf Knien dem Sarg nähern.
Von solchen Gesten wurde bei mir abgesehen, da meine Familie grundsätzlich sehr pragmatisch und liberal ist. Es ist eher der soziale Druck und die Erwartungshaltung von Außen, die zu bestimmten Verhaltensanpassungen wie oben beschrieben führt.
Überhaupt geht das Konzept beim Todesfall von einer stark verwandtschaftlichen Abstufung und Geschlechterdifferenzierung aus. Zuvorderst steht der erstgeborene Sohn. Ihm kommt die wichtige Rolle zu, dem Vater nachzufolgen und damit dem Familienclan vorzustehen. Der hat die meisten Pflichten und Entscheidungen zu treffen.
Das macht die Rolle für den zweitgeborenen Sohn nicht einfach. Damit der Erstgeborene, die ihm zugedachte Rolle bestmöglich ausüben kann und seine Entwicklung gefördert wird, ist es zweckmäßig, ihm das Beste zukommen zu lassen. Damit wird die Nummer Zwei notwendigerweise herabgesetzt. Einfacher ist es da schon für den dritten Sohn. Aufgrund der zeitlichen Distanz zwischen den Geburten, sollten dem männlichen „Nesthäkchen“ wieder mehr an Anerkennung und Ressourcen zur Verfügung stehen. Der Druck dem Patriarchen irgendwann nachfolgen zu müssen, ist gering und gibt ihm mehr Freiheiten und Spielräume.
In der Abstufung folgen nach den Söhnen ihre Kinder männlichen Geschlechts, also die Enkelsöhne, hier besonders der älteste Sohn des Erstgeborenen. Dass in dieser Gruppe auch die Enkeltöchter der Söhne berücksichtigt werden, erscheint bereits als neuzeitliche Entwicklung vor dem Hintergrund einer zunehmenden Gleichstellung von Männern und Frauen. Ebenfalls in dieser Einstufung hochgestellt sind die Ehefrauen der Söhne.
Interessant bei der Geschlechterbetrachtung im chinesischen Kulturkreis ist, dass sprachlich nicht zwischen männlich und weiblich unterschieden wird, aber sozial traditionell dem Mann- und Frausein eine große Bedeutung und Wertigkeit zukommt. Wenn auch in Deutschland historisch Frauen sozial immer zurückgestellt wurden, war meines Erachtens eine (Gleich-) Wertigkeit im gewissen Sinne gegeben: In der mitteleuropäischen Wildnis wird jeder Mensch und seine Arbeitskraft gebraucht, um Durchzukommen. Sprachlich hingegen differenziert das Deutsch extrem zwischen weiblich, männlich und sogar sächlich! Aber vielleicht täuscht mich auch meine maskuline Perspektive.
In der sozialen Gruppierung stehen die Töchter des Clanchef grundsätzlich bereits außerhalb des Familienverbandes, da sie sich den Familien ihrer Ehemänner angeschlossen haben. Aber sie teilen immer noch die Gene und ihre Herkunft mit dem Vater.
Während der Trauerzeremonien tragen die vier vorgenannten Gruppen eine besondere Trauerbekleidung: die Söhne und deren Ehefrauen tragen eine Kopfbedeckung und Weste aus hellbraunem Jutegewebe über weißer Kleidung, einem eher sportlichen Sweater mit Hose. Die Töchter und die Kinder der Söhne des Clanchefs tragen über der weißen Kleidung eine Weste aus einem eher gelben einfachen Gewebe. Die Ehemänner der Töchter blieben zunächst bis zum Bestattungstag ohne besondere Trauerbekleidung, deren Kinder gänzlich ohne.
Die Trauerzeremonien finden über viele Tage statt. Während ich in Deutschland die Bestattungsunternehmen im Wesentlichen als althergebrachte Familienunternehmen kenne, war in Taiwan alles über einen privaten Tempel organisiert. Die Chefin und Direktorin des Unternehmens war die Ehefrau des Wunderheilers, der sich zuvor um die Wiederherstellung der Gesundheit des Verstorbenen bemüht hatte. Ihr Neffe und eine Vielzahl von Assistenten managte nun den gesamten Ablauf der Trauer und Bestattung. Das Unternehmen sorgte auch für die drei Priester, respektive Schamanen.
Wie geschrieben werden die Beerdigungsinstitute in Taiwan „Höflichkeitsinstitute“ genannt. Früher hatten sie einen schlechten Ruf. Deshalb wird gesagt, dass heute bevorzugt gutaussehende, adrette und seriös wirkende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt werden. Ihre Erscheinung, etwa mit weißen Hemd und schwarzer Hose beziehungsweise dunklem Kostüm, wirkt sehr westlich geprägt. Da der Tod etwas Schmutziges ist, von dem Orte und Person reinzuhalten oder zu reinigen sind, wird gewiss auch deshalb eine neutrale Bezeichnung für die Bestattungsunternehmen gewählt.
Dennoch bleibt der Verstorbene viele Tage im heimischen Umfeld. Der Sarg wird schnell verschlossen. Eine offene Aufbahrung wie in Deutschland findet nicht statt. Der Sarg war eingehüllt und mit aus Papier gefaltenen Lotusblumen geschmückt. Er stand im hinteren Teil der Eingangshalle des Reihenhauses einer der Söhne. Das Haus wurde aufgrund seiner Lage mit ausreichend Platz im Straßenraum für das später notwendige Trauerzelt gewählt.
Vor dem Sarg war ein Opferaltar aufgebaut, so dass er von Außen nicht sichtbar war. Auf dem Opferaltar thronten drei Götterstatuen. Ein sehr schönes, hinterleuchtetes Portraitbild des Verstorbenen, etwas aufgehellt vor einer verklärten Landschaft, die Taiwans Küste und Berge wiedergab, oben umrahmt von durchschienenen Bambusblättern, im Zentrum des Schreins brachte ihn in die Mitte der Anwesenden zurück und gab ihm Präsenz. Der Tisch war gefüllt mit Gaben und Blumen, Obst und Wasser für den Verstorbenen und einer Schale für die Räucherstäbchen. Rechts vom Schrein standen Schuhe und Kleidung für den Verstorbenen. Im restlichen vorderen Teil des Raumes und vor dem Haus stand seitlich der Blumenschmuck auf säulenförmigen Metalltischen, die von seidengleichen Schals bedeckt waren. Üblich ist, dass der Blumenschmuck jeweils paarweise etwa von Freunden, den Familien der Schwiegereltern der Kinder, Nachbarn, Geschäftspartnern oder auch von den Arbeitgebern der Söhne gegeben wird. So fand sich auch hier der Name meiner Familie an zwei Blumengestecken. Daneben gab es viele Geschenke für den Verstorbenen so in Form von großen Papiermodellen von Häusern und Autos der Marke BMW und Mercedes, die neben dem Sarg aufgestellt waren.
Solange sich der Sarg im Haus befindet, halten Familienmitglieder abwechselnd die Totenwache. Während in Deutschland Fristen zur Bestattung bestehen und alles möglichst schnell geschehen sollte, kann in Taiwan die Zeit des Abschieds und der Totenwache fast nicht lang genug sein.Dies ist die Zeit der Besinnlichkeit, an den Verstorbenen zu denken, Gefühle und alte Geschichten auszutauschen. Die folgenden Zeremonien bieten dafür keine Gelegenheit mehr. Es wird in der gesamten Zeit nur vegetarisch gegessen. Die Angehörigen rasieren sich nicht und lassen die Haare wachsen. Während der Totenwache gibt es keine strengen Regeln für die Bekleidung. Nur Rot ist als Farbe verpönt, da sie Glück und Freude symbolisiert. Dunkle und weiße Kleidung wird bevorzugt, so dass wer den deutschen Gewohnheiten folgt kulturell auch in Taiwan nicht falsch liegt.
Die engeren Familienangehörigen tragen eine kleine Stoffbinde oder mehr einen Anstecker mit einem Stoffstreifen, wenn sie sich in der Nähe aufhalten. Dieser wird abgelegt, wenn sie wieder fortgehen. Das Zeichen der Trauer und damit Nähe zu einem Toten gehabt zu haben, wird von vielen Menschen in Taiwan als unangenehm empfunden und als Nachteil im öffentlichen Leben angesehen.
In den Tagen finden verschiedenste Zeremonien unter Beteiligung der Priester statt. Da der Verstorbene aufgrund seiner Erkrankung viel Medizin einnehmen musst, werden im Ritual sein Körper und Geist von den Qualen gereinigt und vom Leid befreit.
Vor dem Tag der Bestattung wird auf der Straße das große Trauerzelt aufgebaut. Zuvor fanden Danksagungen und Gebete zum Verstorbenen nach einer festgelegten Ordnung für die bestimmten Gruppen, wie Enkel, Töchter oder Söhne, vor dem Schrein in der Eingangshalle des Hauses statt. Mit dem Trauerzelt wurde im hinteren Bereich ein Schrein vor verschiedenen Bilderrollen aufgebaut. Der Platz davor konnten danach für Gebete genutzt werden, wobei jetzt auch die Schwiegersöhne einbezogen und die Zeremonien intensiver wurden.
Von Bestattungsinstitut wurde zudem ein schöner und gesunder weißer Hahn angeliefert. „Der wird gekillt!“, sagte mein Schwager und zeigte mit dem Finger an seinen Hals. Falsch, das schöne Tier überlebte, musste aber – so wurde mir gesagt – bei einer Zeremonie etwas Blut spenden. Die meiste Zeit des Tages saß der Vogel entspannt wie ein Beerdigungsprofi angebunden unter einem Stuhl und erweckte vor allem das Interesse der jüngeren Enkelkinder des Verstorbenen.
Den Auftritt des Hahns verpasste ich, weil zu dem Zeitpunkt am Nachmittag Schwiegersöhne und deren Kinder die Aufgabe hatten, in Massen Opfergeld, scheinbar auch angedeutete Wertpapieren und Aktien vor dem Zelt in einem fassähnlichen Ofen unter Anleitung einer Mitarbeiterin des Bestattungsinstituts zu verbrennen. Das Feuer schlug sehr hoch und entwickelte eine starke Hitze, wohl auch deshalb, weil das fette Papier besonders vorbehandelt ist.
Zum Abend ging es dann an den Ortsrand, um in einem hohen Gittercontainer Säcke gefaltenen Papiergeldes in historischer Form und die Papiermodellen von Haus, Wächtern und Autos sowie die Kleidung der Verstorbenen zu verbrennen und ihm so zukommen zu lassen.
Die Trauergäste standen in einem Kreis um den Feuerplatz und waren durch ein weißes Band verbunden, dass die in den Händen hielten. Der älteste Sohn des Verstorbenen hatte einen Fetisch, einen Stab, an dem eine Art Lampenschirm und anderes befestigt war. Im Laufe der Zeremonie wurde der Feuerplatz mehrmals gemeinsam umschritten, bis alles abgebrannt war.
Mittwoch, 1. Mai 2013
Streifzüge durch Taiwans Südwesten
Oder der ewige Taiwantourist
Folgt der Leser diesem Link und Kommentar, so hat der gewöhnliche Tourist Taiwan in fünf Tagen zu erledigen. Weil das den Flug aus Europa nicht lohnt, muss Taiwan mit anderen Zielen in Asien kombiniert werden. Und überhaupt ist die Insel für den Fremdenverkehr unterentwickelt. Es ist fast unmöglich mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und sich bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen, stellt ein Problem dar. Die Menschen sind freundlich, das Land ist interessant. Aber das Tourismusbüro, sprich der Staat, tut zu wenig.
17 Tage im März 2013 auf Taiwan und kein Verlangen noch nach Japan, Korea, Hongkong, auf die Philippinen oder nach Bali weiterzufliegen. Streifzüge nach Houbi (後壁), Kending (墾丁) und Manzhou (滿州), Meinong (美濃), Shangan (上安) und Siding (隙頂) sowie durch weitere Teile der Stadt einschließlich des früheren Landkreises Kaohsiung (高雄) waren mehr als genug, um die Zeit zu füllen.
Aus europäischer Sicht bleibt sicherlich Taiwan ein touristischer Nebenschauplatz, sofern keine familiären, geschäftlichen oder freundschaftlichen Beziehungen dorthin bestehen. Dabei läuft Taiwans Tourismussektor nach meinem Eindruck zur Zeit richtig heiß und die freien Kapazitäten schmelzen zusammen. War es vor einigen Jahren kein Problem ein freies komfortables Zimmer zu einem vernünftigen Preis für einige Tage am Sonnen-Mond-See, in Alishan, im Stadtzentrum von Kaohsiung oder in Kending zu bekommen, müssen die Reisenden auf eigenen Pfaden heute deutlich flexibler sein. Besucher aus Singapur, Hongkong und Festlandschina überfluten geradezu die Insel.
Rückfahrt von Alishan in der Buskarawane. Wer bringt die Fuhre Turis schneller zum nächsten Stop? „888-QQ“ ist der Wunschbusfahrer jedes Touristen. Er fährt vorsichtig und mit Bedacht. Das muss ein Anfänger sein. „Color Full Tour“ vertraut in den Gott des Glücks, schaukelt seine Ladung durch und überholt für einen früheren Feierabend blind in der Kurve.
Im Gespräch mit einem zukunftsorientierten Gastgeber, moderiert durch die beste Ehefrau von allen, obwohl er gut Englisch konnte, kam auch die Frage nach mehr Werbung für den lokalen Tourismus in Europa auf. Aus allgemeiner westlicher Perspektive dürften gegenüber Taiwan sicher andere Ziele in Asien zunächst Vorrang haben und mehr bieten, wie die Volksrepublik China, Thailand oder Bali. Auch Fotos und Berichte aus Vietnam oder Malaysia zeigen, dass diese Länder ebenfalls große Anstrengungen machen, Geld aus dem Tourismusgeschäft für ihre Volkswirtschaften abzuschöpfen. Dabei haben sie in gewisser Hinsicht dem Urlauber aus dem Westen deutlich mehr zu bieten als Taiwan.
Einer der nördlichsten Punkte im letzten Urlaubsprogramm: das in moderner Architektur errichtete neue Besucherzentrum am Sonne-Mond-See. Taiwans Verwaltung macht eine Menge, um den Touristen einen angenehmen und abwechselungsreichen Aufenthalt zu ermöglichen.
Angesichts der Konkurrenzsituation macht es für den individuellen Tourismus sicher Sinn sich als Anbieter auf die Mittelstrecke zu konzentrieren. Neben den vorgenannten China, Singapur und Hongkong kommen Japan, auch Korea, Australien, Neuseeland oder auch die USA und Kanada als etablierte Wohlstandsnationen vor Europa in Betracht, um für sich zu werben.
Für den Monat meines Aufenthaltes zeigen die vom Tourismusbüro veröffentlichten Zahlen, dass von 759.233 Besuchern circa
12 % aus geschäftlichen Gründen (90.603),
71 % zum Vergnügen (537.648) und
5 % für einen Verwandtenbesuch (38.972) nach Taiwan kamen.
Für sonstige Reisezwecke, wozu unter anderem Konferenzteilnahme, Ausstellungsbesuch, medizinische Behandlung oder Studium zählen, bleiben dann 12 %.
Von den mehr als 759.000 Besuchern waren etwa
49 % Bürger von Hongkong, Macao und andere Chinesen (370,545),
20 % Japaner (150.644),
15 % Südostasiaten (111.818),
5 % US-Amerikaner (41.037),
3 % Koreaner (24.637),
wenige Australier und Neuseeländer (10,781), Briten (8.252), Deutsche (6.022), andere Europäer (17.262) und weitere Nationalitäten.
Der durchschnittliche Aufenthalt im März 2013 umfasste 6,55 Übernachtungen.
Trotz dieser verkürzten Zahlen wird meines Erachtens deutlich, wer sich als Urlauber für Taiwan interessiert und kommt. Für den deutschen Urlauber wird Taiwan sicher ein Nischenprodukt bleiben, um besondere Vögel zu beobachten, andere Eisenbahnwelten zu entdecken, eine neue Küche zu schmecken, seinen Tee zu ernten, die traditionelle chinesische Schrift zu erlernen, sich der asiatischen Philosophie, Religion und Leibesübung anzunähern, oder einfach eine in vielem ganz andere Kultur zu erleben und in sie einzutauchen.
Sicher funktioniert dies besser und zielgerichteter, durch den organisierten Reiseablauf in einer Gruppe und mit lokalen Begleitern. Es ist nicht zu bestreiten, dass in Asien für den deutschen Urlauber in der Regel die Hürden in der Kommunikation sowie im Umgang miteinander etwas höher sind, als in europäischen Ländern oder Nordamerika.
Taiwan ist sicher keine Insel für Urlaube an langen Stränden, kletter- und wanderbaren Bergen, zum Spottpreis oder nächtelangen großartigen Abfeiern, zum ausgiebigen Alkoholkonsum oder für besondere Dienstleistungen.
Eine Straße Touriort in Kenting - Für Taiwans junge Leute, auswärtige Englischlehrer und die Adoka, soweit sie noch nach Strandleben suchen, reicht das. Natürlich ist das weit von einem „internationalen Touristikort“ entfernt, wenn es nicht einmal einen sicheren Bürgersteig in ausreichender Breite gibt. Aber Taiwan verändert sich schnell und die Frage ist berechtigt, ob die Taiwaner das überhaupt wollen.
Wird hier der Ausländer verstanden? Seit sich ein Fahrradtourismus im Süden und Osten Taiwans entwickelt, bieten Polizeistationen die „Bike Stage“ an. Bei den Polizisten findet der Radfahrer auf Tour nicht nur guten Rat sondern auch Werkzeug, Druckluft, Wasser und eine einfache medizinische Versorgung. Könnte es nicht auch bald einen deutschen Reiseveranstalter geben, der westliche Fahrradenthusiasten auf die Insel einlädt? Oder gibt es ihn schon?
Folgt der Leser diesem Link und Kommentar, so hat der gewöhnliche Tourist Taiwan in fünf Tagen zu erledigen. Weil das den Flug aus Europa nicht lohnt, muss Taiwan mit anderen Zielen in Asien kombiniert werden. Und überhaupt ist die Insel für den Fremdenverkehr unterentwickelt. Es ist fast unmöglich mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und sich bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen, stellt ein Problem dar. Die Menschen sind freundlich, das Land ist interessant. Aber das Tourismusbüro, sprich der Staat, tut zu wenig.
17 Tage im März 2013 auf Taiwan und kein Verlangen noch nach Japan, Korea, Hongkong, auf die Philippinen oder nach Bali weiterzufliegen. Streifzüge nach Houbi (後壁), Kending (墾丁) und Manzhou (滿州), Meinong (美濃), Shangan (上安) und Siding (隙頂) sowie durch weitere Teile der Stadt einschließlich des früheren Landkreises Kaohsiung (高雄) waren mehr als genug, um die Zeit zu füllen.
Aus europäischer Sicht bleibt sicherlich Taiwan ein touristischer Nebenschauplatz, sofern keine familiären, geschäftlichen oder freundschaftlichen Beziehungen dorthin bestehen. Dabei läuft Taiwans Tourismussektor nach meinem Eindruck zur Zeit richtig heiß und die freien Kapazitäten schmelzen zusammen. War es vor einigen Jahren kein Problem ein freies komfortables Zimmer zu einem vernünftigen Preis für einige Tage am Sonnen-Mond-See, in Alishan, im Stadtzentrum von Kaohsiung oder in Kending zu bekommen, müssen die Reisenden auf eigenen Pfaden heute deutlich flexibler sein. Besucher aus Singapur, Hongkong und Festlandschina überfluten geradezu die Insel.
Rückfahrt von Alishan in der Buskarawane. Wer bringt die Fuhre Turis schneller zum nächsten Stop? „888-QQ“ ist der Wunschbusfahrer jedes Touristen. Er fährt vorsichtig und mit Bedacht. Das muss ein Anfänger sein. „Color Full Tour“ vertraut in den Gott des Glücks, schaukelt seine Ladung durch und überholt für einen früheren Feierabend blind in der Kurve.
Im Gespräch mit einem zukunftsorientierten Gastgeber, moderiert durch die beste Ehefrau von allen, obwohl er gut Englisch konnte, kam auch die Frage nach mehr Werbung für den lokalen Tourismus in Europa auf. Aus allgemeiner westlicher Perspektive dürften gegenüber Taiwan sicher andere Ziele in Asien zunächst Vorrang haben und mehr bieten, wie die Volksrepublik China, Thailand oder Bali. Auch Fotos und Berichte aus Vietnam oder Malaysia zeigen, dass diese Länder ebenfalls große Anstrengungen machen, Geld aus dem Tourismusgeschäft für ihre Volkswirtschaften abzuschöpfen. Dabei haben sie in gewisser Hinsicht dem Urlauber aus dem Westen deutlich mehr zu bieten als Taiwan.
Einer der nördlichsten Punkte im letzten Urlaubsprogramm: das in moderner Architektur errichtete neue Besucherzentrum am Sonne-Mond-See. Taiwans Verwaltung macht eine Menge, um den Touristen einen angenehmen und abwechselungsreichen Aufenthalt zu ermöglichen.
Angesichts der Konkurrenzsituation macht es für den individuellen Tourismus sicher Sinn sich als Anbieter auf die Mittelstrecke zu konzentrieren. Neben den vorgenannten China, Singapur und Hongkong kommen Japan, auch Korea, Australien, Neuseeland oder auch die USA und Kanada als etablierte Wohlstandsnationen vor Europa in Betracht, um für sich zu werben.
Für den Monat meines Aufenthaltes zeigen die vom Tourismusbüro veröffentlichten Zahlen, dass von 759.233 Besuchern circa
12 % aus geschäftlichen Gründen (90.603),
71 % zum Vergnügen (537.648) und
5 % für einen Verwandtenbesuch (38.972) nach Taiwan kamen.
Für sonstige Reisezwecke, wozu unter anderem Konferenzteilnahme, Ausstellungsbesuch, medizinische Behandlung oder Studium zählen, bleiben dann 12 %.
Von den mehr als 759.000 Besuchern waren etwa
49 % Bürger von Hongkong, Macao und andere Chinesen (370,545),
20 % Japaner (150.644),
15 % Südostasiaten (111.818),
5 % US-Amerikaner (41.037),
3 % Koreaner (24.637),
wenige Australier und Neuseeländer (10,781), Briten (8.252), Deutsche (6.022), andere Europäer (17.262) und weitere Nationalitäten.
Der durchschnittliche Aufenthalt im März 2013 umfasste 6,55 Übernachtungen.
Trotz dieser verkürzten Zahlen wird meines Erachtens deutlich, wer sich als Urlauber für Taiwan interessiert und kommt. Für den deutschen Urlauber wird Taiwan sicher ein Nischenprodukt bleiben, um besondere Vögel zu beobachten, andere Eisenbahnwelten zu entdecken, eine neue Küche zu schmecken, seinen Tee zu ernten, die traditionelle chinesische Schrift zu erlernen, sich der asiatischen Philosophie, Religion und Leibesübung anzunähern, oder einfach eine in vielem ganz andere Kultur zu erleben und in sie einzutauchen.
Sicher funktioniert dies besser und zielgerichteter, durch den organisierten Reiseablauf in einer Gruppe und mit lokalen Begleitern. Es ist nicht zu bestreiten, dass in Asien für den deutschen Urlauber in der Regel die Hürden in der Kommunikation sowie im Umgang miteinander etwas höher sind, als in europäischen Ländern oder Nordamerika.
Taiwan ist sicher keine Insel für Urlaube an langen Stränden, kletter- und wanderbaren Bergen, zum Spottpreis oder nächtelangen großartigen Abfeiern, zum ausgiebigen Alkoholkonsum oder für besondere Dienstleistungen.
Eine Straße Touriort in Kenting - Für Taiwans junge Leute, auswärtige Englischlehrer und die Adoka, soweit sie noch nach Strandleben suchen, reicht das. Natürlich ist das weit von einem „internationalen Touristikort“ entfernt, wenn es nicht einmal einen sicheren Bürgersteig in ausreichender Breite gibt. Aber Taiwan verändert sich schnell und die Frage ist berechtigt, ob die Taiwaner das überhaupt wollen.
Wird hier der Ausländer verstanden? Seit sich ein Fahrradtourismus im Süden und Osten Taiwans entwickelt, bieten Polizeistationen die „Bike Stage“ an. Bei den Polizisten findet der Radfahrer auf Tour nicht nur guten Rat sondern auch Werkzeug, Druckluft, Wasser und eine einfache medizinische Versorgung. Könnte es nicht auch bald einen deutschen Reiseveranstalter geben, der westliche Fahrradenthusiasten auf die Insel einlädt? Oder gibt es ihn schon?
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