plus „Pay two, get one‟
In gewisser Hinsicht geht den europäischen Mittelmeerländer das Vorurteil voraus, die Dinge nicht ordentlich geregelt zu bekommen. Die großen Jahrhunderte der Seefahrernationen Spanien und Portugal, was immerhin Formosa den Namen gab, sind längst vorbei. Vom Reichtum aus dem Handel mit Indien und der Ausbeutung Südamerikas ist wenig übrig geblieben.
Die konservativ-autoritäre Diktatur Salazars, der Isolationismus und die teuren Kolonialkriege Portugals, die Phasen der Neuorientierung nach der Nelkenrevolution 1974 und der nachfolgende Demokratisierung haben sicherlich zuletzt dazu beigetragen, dass Portugal in der sozialen und ökonomischen Entwicklung zurückfiel.
Rückfahrt nach dem Ausflug zum Westtellerrand der Erde mit der Straßenbahn über Colares nach Sintra: Gefordert ist in Portugal das klare Handzeichen, um das Verkehrsmittel anzuhalten und jede Verwechselung mit einem fotografierenden „Tramway Spotter‟ auszuchließen. Die antike Tram ist heute nicht mehr ein unverzichtbares Verkehrsmittel in einem rückständigen Land. Sie ist schon längst zur Museumsstraßenbahn geworden, die von den Portugiesen zum Erhalt ihres technisch-kulturellen Erbes finanziert werden kann.
Insbesondere durch die europäische Integration sowie die Chancen als Brückenkopf nach Südamerika und Afrika hat das Land aufgeholt, auch wenn Armut und Depression, Verfall und Ungleichheit weiter bestehen und partiell noch wachsen dürften.
Diese Widersprüche reflektiert auch die Hauptstadt Lissabon. Um die alten Stadtviertel hat sich ein Ring von neuen hochverdichteten Vorstädten, Einkaufs- und Arbeitsplatzzentren sowie Autobahnen und Schnellbahnen gelegt, wie es sie auch in Taipei oder Berlin gibt. Dennoch hat Lissabon viel Einmaliges und Eigentümliches, dass den Besuch und auch die Wiederkehr lohnt.
Die steilen Hügel der Altstadt und die Vororte nach Westen werden von den Straßenbahnlinien der Verkehrsgesellschaft „Carris‟ erschlossen. Die meisten Linien der Straßenbahn werden von modernisierten zweiachsigen Elektrotriebwagen befahren. Die technische Modernisierung liegt nun immerhin auch schon zwanzig Jahre zurück. Allein auf der Linie 15E nach Belém und Algés im Westen fahren Niederflurgelenktriebwagen, die 1995 als erste Neubeschaffung nach 1964 erworben wurden. Als historische Monumente bestehen zudem drei Standseilbahnen in der Innenstadt, die der durchschnittliche Fußgänger in wenigen Minuten ablaufen kann.
In stärkerem Maße bedeutsam für die Wirtschaftsentwicklung Lissabons und die Mobilität der Bevölkerung sind als Massenverkehrsmittel die elektrischen Vororteisenbahnen, quasi S-Bahnen, die Untergrundbahnen und verschiedenen Buslinien. Daran, wo sich die Linien mit Passagieren füllen und leeren, wird schnell erkennbar, dass die Altstadt nicht mehr der Impulsgeber für das moderne Lissabon sein kann. Die schmalen Gassen, engen Straßenräume und fehlenden Entwicklungsmöglichkeiten schränken zu sehr ein.
Wer beim zufälligen Straßenbahntrip mit der Altstadtlinie 28 vom „Palácio da Assambleia Nacional‟ nach „Martim Moniz‟ fünfmal erlebt, wie die Schienen mit Autos und Lieferwagen ohne Respekt zugeparkt werden und der Straßenbahnfahrer dann nur wartend auf die Bimmel hauen kann, sieht wieweit diese Strukturen vom modernen Wirtschaftsleben entfernt sind.
Längst „spielt die Musik‟ diesbezüglich im Gürtel um Lissabon und den Achsen nach Casceis, Sintra und Oriente. Ob hier der Ausbau insbesondere der Metro und weiteren technischen wie auch sozialen Infrastruktur angesichts der finanziell nötigen Aufwendungen und dem Sparzwang andererseits mithalten wird, ist fraglich.
Erkennbar ist, dass nach den vielen Investitionen in den 1990er Jahren, sich der Staat in den letzten Jahrzehnten einer neoliberalistisch orientierten Wirtschaftspolitik entsprechend mehr Zurückhaltung verordnet hat – mit den bereits beschriebenen Folgen eines Auseinanderdriftens in der Gesellschaft zwischen Armut und Reichtum (Wer kann sich einen Zooeintritt von 19 Euro leisten?), zwischen städtebaulichen Verfall und Boom, wirtschaftlicher Zukunftslosigkeit und Konzentration des Kapitals.
Statt Zoobesuch Entenfüttern im Park: Die frei zugänglichen öffentlichen Gärten sind Dank der tierliebenden Lissaboner mit Federvieh übervölkert und an einigen Stellen ziemlich zugeschissen. Gut, dass es bisher fast nur Tauben und Enten sind. Gänse, die etwa den Köbogen in Düsseldorf übernommen haben, koten dicker.
Akrobatik zur Einkommensverbesserung an der Autobahnausfahrt: Rechtzeitig vor der Grünphase klopft die Darstellerin an die Scheiben, um einen kleinen Obulus für ihre Vorführung zu erbitten. Immer noch besser als angebissene Hamburger in der „Food Mall‟ des nächsten Einkaufszentrums zu suchen oder sich zu prostituieren, dachte Luo You, wobei ihm auch die Pfandflaschen einsammelnden Rentner und Hartz-IV-Empfänger aus Deutschland in den Sinn kamen.
Internationale Handelsketten in Lisbonner Hausruinen: Der Eingang mit dem kleinen Schild „LIDL‟ ließ eine aus der Zeit gekommene Kolonialwarenhandlung erwarten. Innen überraschte das Geschäft nicht nur mit einem zeitgemäßen Ausbau und einer Großflächigkeit entsprechend den deutschen Filialen. Vielmehr bot es auch ein hervorragendes Angebot von portugiesischen Weinen, regionalen Spezialitäten, Meeresfrüchten und Fischen, wie dem berühmten Stockfisch, dem „Bacalhau‟.
Bei soviel Stock... äh Haifischkapitalismus und sozialen Themen ist auch der Tourist gefordert besonders aufzupassen, nicht nur auf die Taschendieben, vor denen in Aushängen durch Straßenbahnen oder in allen Reiseführern gewarnt wird. Touristenfallen können an jeder Ecke aufgestellt sein. Dass bei den Spaniern schon mal etwas beim Organisieren, Frühstück machen oder Rechnen durcheinander gerät, ist dem Autor aus eigener Reiseerfahrung durchaus bekannt. Aus den Lusitaniern sind wir nicht so richtig schlau geworden. War es nur ein einfaches Verrechnen zu unseren Ungunsten? Zu oft passierte dies in den wenigen Tagen. Das unbestellte Vorspeisen bezahlt werden müssen, kannte der Autor dieser Zeilen schon aus früheren Jahren in Italien. Da wird zum Teil saftig zugeschlagen. Nette Restaurants weisen in Portugal darauf hin.
Bestellt und erkennbar auf dem Tisch sind eine Suppe, eine Quiche mit Salat, eine einfache Quiche, ein Milchkaffee und ein Wasser.
Die „Secretos de Porco‟, die Geheimnisse des Schweins auf der Rechnung werden für immer ein Geheimnis bleiben. Erst nach dem Verlassen des Bistros in der Nähe der Lissaboner Burg „Castelo de São Jorge‟ und dem innerlichen Nachrechnen stellte ich den ungerechtfertigten Zuschlag von 9,40 Euro fest, den ich mir natürlich zurückgeholt habe. Angeblich waren die schweinischen Geheimnisse noch vom letzten Kunden ein offener Posten in der Kasse. Ohne Getränke und Extras?
Na jedenfalls haben wir seitdem die Rechnungen besser überprüft.
„Pasteis de Nata‟ am „Tejo‟: Im Einkaufszentrum „Vasco da Gama‟ war die Rechnung für die „Pasteis‟ richtig, aber Inhalt in der Tüte falsch. Nur einen „Pasteis de Nata‟, ein portugiesisches Vanilletörtchen gab es im Einkaufszentrum. Zwei waren bestellt, zwei wurden bezahlt. In der Tüte fand sich aber nur ein aufgewärmtes Törtchen wieder. Also wieder zurück und das zweite abgeholt.
Die Häufung solcher Vorfälle, von denen hier nur zwei beispielhaft dargestellt sind, war schon auffällig, aber kann natürlich durchaus nur reiner Zufall gewesen sein. Immerhin gibt es auch gute Erlebnisse.
So in Belem: Während die Törtchen im Laden besorgt werden, können die Ehemänner draußen mit den Digitalkameras spielen und die Schönheiten des Landes fotografieren.
6 „Pasteis der Belem‟ bezahlt, 6 außergewöhnlich leckere „Pasteis de Belem‟ (nicht zu süß, sehr knusprig, alles in den richtigen Proportionen) bekommen, dazu noch in einer schönen Verpackung und Originaltüte mit der Aufschrift „Pasteis de Belem‟. Der bekannte Laden ist wirklich zu empfehlen, wobei der Preis trotz Berühmheit der Bäckerei im Rahmen dessen lag, was auch im Einkaufszentrum gefordert wurde. LIDL war billiger (0,39 Cent / Stück). Deren „Pasteis de Nata‟ haben uns gut geschmeckt haben. Sie waren nach unserem Geschmack deutlich besser als die aus dem Einkaufszentrum.
Faire Rechnung, landestypische Mengen im Restaurant so wie in Deutschland, gutes rustikales portugiesisches Essen, tolle Beratung und Empfehlungen durch die Bedienung: das Restaurant Valbom in der Avenida Conde de Valbom 112 kann ebenfalls weiter empfohlen werden.
Überraschung am Ende: Bei der Sicherheitskontrolle des Flughafen Lissabon galt es die Wanderschuhe auszuziehen und im Röntgengerät durchleuchten zu lassen. Ersatzweise gab es Fußpräservative für den Weg durch den Metalldetektor. Dies sorgte aber zunächst für Irritationen, wenn die Wanderschuhe abgegeben werden müssen und stattdessen zwei blaue Duschhauben angeboten werden. So gab es viele Erst- oder Einmaligkeit in diesem so abseits gelegenen und bisher so unbekannten Land am westlichen Tellerrand.
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Donnerstag, 2. April 2015
Sonntag, 14. Dezember 2014
Reiseziel Candidius-See
Kurort oder Hort der Kulturlosigkeit?
Nachdem der erste Taiwanurlaub der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Mutter so förderlich war, brauchten wir in diesem Jahr nicht die Frage zu stellen „Weihnachten alleine oder Taiwan?‟ Taiwan mit seinen freundlichen Menschen, einem angenehmen Winterklima, schönen Landschaften und der vielfältigen Küche hat sich als quasi Kurort für sie bewährt. 2014 fliegen wir ohnehin erst zwischen den Jahren auf die subtropischen Insel.
Diesmal ist das Reisziel ein Wiedersehen mit dem Candidius-See, besser bekannt als Sonne-Mond-See (日月潭 oder Rì Yuè Tán) in Mitteltaiwan.
Als kleinster Ureinwohnerstamm Taiwans leben um den See die Thao mit 759 Stammesmitgliedern im November 2014, die nach der Legende bei der Jagd auf einen weißen Hirschen den See entdeckt haben sollen. Aufgrund der Schönheit des Ort und guten Lebensbedingungen haben die Thao sich dort niedergelssen.
1624 begonnen die Holländer Taiwan zu besetzen. Zu ihrer Erschließungspolitik zählte auch Bekehrung der Ostinder zum Christentum. Der holländische Missionar George Candidius war von 1627 bis 1637 so erfolgreich, das nach ihm der idyllischen See benannt wurde. Verfestigen konnte sich der Name aber nicht, wurde aber noch in der frühen westlichen Kartografie Formosas aufgenommen.
Heftige Veränderungen am Sonnen-Mond-See kamen mit der japanischen Kolonisierung Taiwans. 1919 begann der Ausbau zur Nutzung der Wasserkraft. Seit 1934 wird den industriellen Zentren Energie aus dem Wasserkraftwerk geliefet. Bis 1960 konnte das Kraftwerk den gesamten Strombedarf Taiwans abdecken.
Weitere große Veränderungen ergaben sich mit der Herrschaft von Chiang-Kai Shek. Wer die schönsten Orte auf Taiwan kennenlernen möchte, kann getrost der Liste der Gästehäuser von Chiang Kai-Shek (蔣介石 oder Jiǎng Jiè-Shí) folgen. Stilsicher wurden Paläste und Villen des Diktators in die herausragenden Landschaften der Insel platziert. Neben seinem Gästehaus Hanbi Lou (涵碧樓), dem heute ausgebauten und transkribierten , Lalu-Hotel sind Tempel, Pagoden, Kirchen und neben dem Gästehaus auch weitere Unterkünfte zur Ausschmückung der Landschaft im chinesischen Stil entstanden.Nach Lebensraum und Chance zur Energiegewinnung wurde die Landschaft über ihren Erholungspotenzial in Wert gesetzt.
Dabei könnte - mal abgesehen vom angenehmeneren Winterklima, von der Fremdartigkeit der Gebäude und Menschen - auch mancher Stausee im Sauerland es gut mit dem landschaftlichen Reiz des Sonne-Mond-Sees aufnehmen.
Inwertsetzung und Kommerzialisierung des Landschaftsraums im 21. Jahrhundert – Mittels einer High-Tech-Seilbahn geht es über die Berghänge am Sonne-Mond-See zum Freizeit- und Kulturpark.
Heute besteht Sorge am Sonnen-Mond-See, dass die Flut chinesischer Touristen und der damit entstehende Rummel auf längere Sicht schadet. Der Druck der Massen, möglichst viel für wenig Geld zu bekommen und dabei das Risiko kaufkraftstärkere Reiseklassen zu verlieren, lässt die Menschen, die dort wohnen und arbeiten, nachdenken.
Auch Luo You hat viel darüber nachgedacht, ob die Ziele kulturloser Máo Fěi (毛匪) überhaupt noch in Betracht kommen. Es gibt immer noch weiße Flecken auf der Landkarte Taiwans. Noch sind nicht alle Standorte von Gästehäusern Chiang Kai-sheks erkundet. Allein aus dem Glauben der taiwanischen Ehefrau, der Sonne-Mond-See sei etwas ganz besonders, weil so viele dort hin reisen, und der Bequemlichkeit des ausgebrannten deutschen Ehemanns, was anderes außerhalb der Spurrillen schwerer Reisebusse vorzuschlagen, fahren wir möglicherweise deshalb wieder und wieder dorthin.
Luo Yous weiße Flecken auf Formosas Landkarte – Eine Reise wert ist beispielsweise die Gegend nördlich von Ruì-Fāng (瑞芳) entlang der Shen-Ao-Bahnlinie. Nach kürzlicher Äußerung von Europäischem Gerichtshof und Bundesgerichtshof ist jetzt etwas mehr Rechtssicherheit zum Einbetten fremder Inhalte entstanden. Ich gehe mal davon aus, dass Shuifan Liu den Videoclip als Urheber eingestellt hat und ich hier kein erweitertes Publikum von Internetnutzern gegenüber Youtube anspreche. Sollte Shuifan Liu doch etwas Schlimmes mit dem Einstellen dieses Videoclips gemacht haben, distanziere ich mich davon. Wozu ich sonst gerne auf Taiwan eigene Bildmaterial herstellen möchte, sind die Nordküste Taiwans mit „Queen´s Head‟, die Matzu-Inseln, Wulai südlich von Taipei, nochmal bei besserem Wetter das Gebiet um die Schneeberge mit Wuling und Taipingshan. Auch ein längerer Aufenthalt an der südöstlichen Pazifikküste, also südlich von Taimali steht noch auf der persönlichen Wunschliste.
Die nächste Reise ist jedenfalls entschieden, gebucht und angezahlt. In gewisser Hinsicht hat das Erleben von Chinesen in großer Zahl auch seinen Reiz und ist auch eine Art von Urlaub, die ermöglicht den deutschen Alltag hinter sich zu lassen. Zum „People Watching‟ ins entwickelte demokratische Taiwan erscheint durchaus die angenehmere Alternative zur Volksrepublik China. Richtig kulturlos sind nach meiner Erfahrung ohnehin nur wenige Einzelpersonen, wobei es schon stört beispielsweise ein vom Vormieter verrauchtes Nichtraucherzimmer zu erhalten. Immerhin werden Reisende mit westlichen Gesichtern in taiwanischer Begleitung schon mal an Gruppen von Chinesen vorbei gelotst nach dem Motto „Ihr ward früher da.‟ Das kann innerlich durchaus aufbauen.
Nachdem der erste Taiwanurlaub der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Mutter so förderlich war, brauchten wir in diesem Jahr nicht die Frage zu stellen „Weihnachten alleine oder Taiwan?‟ Taiwan mit seinen freundlichen Menschen, einem angenehmen Winterklima, schönen Landschaften und der vielfältigen Küche hat sich als quasi Kurort für sie bewährt. 2014 fliegen wir ohnehin erst zwischen den Jahren auf die subtropischen Insel.
Diesmal ist das Reisziel ein Wiedersehen mit dem Candidius-See, besser bekannt als Sonne-Mond-See (日月潭 oder Rì Yuè Tán) in Mitteltaiwan.
Als kleinster Ureinwohnerstamm Taiwans leben um den See die Thao mit 759 Stammesmitgliedern im November 2014, die nach der Legende bei der Jagd auf einen weißen Hirschen den See entdeckt haben sollen. Aufgrund der Schönheit des Ort und guten Lebensbedingungen haben die Thao sich dort niedergelssen.
1624 begonnen die Holländer Taiwan zu besetzen. Zu ihrer Erschließungspolitik zählte auch Bekehrung der Ostinder zum Christentum. Der holländische Missionar George Candidius war von 1627 bis 1637 so erfolgreich, das nach ihm der idyllischen See benannt wurde. Verfestigen konnte sich der Name aber nicht, wurde aber noch in der frühen westlichen Kartografie Formosas aufgenommen.
Heftige Veränderungen am Sonnen-Mond-See kamen mit der japanischen Kolonisierung Taiwans. 1919 begann der Ausbau zur Nutzung der Wasserkraft. Seit 1934 wird den industriellen Zentren Energie aus dem Wasserkraftwerk geliefet. Bis 1960 konnte das Kraftwerk den gesamten Strombedarf Taiwans abdecken.
Weitere große Veränderungen ergaben sich mit der Herrschaft von Chiang-Kai Shek. Wer die schönsten Orte auf Taiwan kennenlernen möchte, kann getrost der Liste der Gästehäuser von Chiang Kai-Shek (蔣介石 oder Jiǎng Jiè-Shí) folgen. Stilsicher wurden Paläste und Villen des Diktators in die herausragenden Landschaften der Insel platziert. Neben seinem Gästehaus Hanbi Lou (涵碧樓), dem heute ausgebauten und transkribierten , Lalu-Hotel sind Tempel, Pagoden, Kirchen und neben dem Gästehaus auch weitere Unterkünfte zur Ausschmückung der Landschaft im chinesischen Stil entstanden.Nach Lebensraum und Chance zur Energiegewinnung wurde die Landschaft über ihren Erholungspotenzial in Wert gesetzt.
Dabei könnte - mal abgesehen vom angenehmeneren Winterklima, von der Fremdartigkeit der Gebäude und Menschen - auch mancher Stausee im Sauerland es gut mit dem landschaftlichen Reiz des Sonne-Mond-Sees aufnehmen.
Inwertsetzung und Kommerzialisierung des Landschaftsraums im 21. Jahrhundert – Mittels einer High-Tech-Seilbahn geht es über die Berghänge am Sonne-Mond-See zum Freizeit- und Kulturpark.
Heute besteht Sorge am Sonnen-Mond-See, dass die Flut chinesischer Touristen und der damit entstehende Rummel auf längere Sicht schadet. Der Druck der Massen, möglichst viel für wenig Geld zu bekommen und dabei das Risiko kaufkraftstärkere Reiseklassen zu verlieren, lässt die Menschen, die dort wohnen und arbeiten, nachdenken.
Auch Luo You hat viel darüber nachgedacht, ob die Ziele kulturloser Máo Fěi (毛匪) überhaupt noch in Betracht kommen. Es gibt immer noch weiße Flecken auf der Landkarte Taiwans. Noch sind nicht alle Standorte von Gästehäusern Chiang Kai-sheks erkundet. Allein aus dem Glauben der taiwanischen Ehefrau, der Sonne-Mond-See sei etwas ganz besonders, weil so viele dort hin reisen, und der Bequemlichkeit des ausgebrannten deutschen Ehemanns, was anderes außerhalb der Spurrillen schwerer Reisebusse vorzuschlagen, fahren wir möglicherweise deshalb wieder und wieder dorthin.
Luo Yous weiße Flecken auf Formosas Landkarte – Eine Reise wert ist beispielsweise die Gegend nördlich von Ruì-Fāng (瑞芳) entlang der Shen-Ao-Bahnlinie. Nach kürzlicher Äußerung von Europäischem Gerichtshof und Bundesgerichtshof ist jetzt etwas mehr Rechtssicherheit zum Einbetten fremder Inhalte entstanden. Ich gehe mal davon aus, dass Shuifan Liu den Videoclip als Urheber eingestellt hat und ich hier kein erweitertes Publikum von Internetnutzern gegenüber Youtube anspreche. Sollte Shuifan Liu doch etwas Schlimmes mit dem Einstellen dieses Videoclips gemacht haben, distanziere ich mich davon. Wozu ich sonst gerne auf Taiwan eigene Bildmaterial herstellen möchte, sind die Nordküste Taiwans mit „Queen´s Head‟, die Matzu-Inseln, Wulai südlich von Taipei, nochmal bei besserem Wetter das Gebiet um die Schneeberge mit Wuling und Taipingshan. Auch ein längerer Aufenthalt an der südöstlichen Pazifikküste, also südlich von Taimali steht noch auf der persönlichen Wunschliste.
Die nächste Reise ist jedenfalls entschieden, gebucht und angezahlt. In gewisser Hinsicht hat das Erleben von Chinesen in großer Zahl auch seinen Reiz und ist auch eine Art von Urlaub, die ermöglicht den deutschen Alltag hinter sich zu lassen. Zum „People Watching‟ ins entwickelte demokratische Taiwan erscheint durchaus die angenehmere Alternative zur Volksrepublik China. Richtig kulturlos sind nach meiner Erfahrung ohnehin nur wenige Einzelpersonen, wobei es schon stört beispielsweise ein vom Vormieter verrauchtes Nichtraucherzimmer zu erhalten. Immerhin werden Reisende mit westlichen Gesichtern in taiwanischer Begleitung schon mal an Gruppen von Chinesen vorbei gelotst nach dem Motto „Ihr ward früher da.‟ Das kann innerlich durchaus aufbauen.
Mittwoch, 18. Juni 2014
Eine Einführung in die Modelleisenbahn – Teil 3.3 – Rund um den Hafen
Die Beschreibung einer Modellbahnanlage zu Taiwan in drei Kapiteln
Im letzten Kapitel geht es um (F) und die folgenden Buchstaben im Plan.
Für das Sägewerk (F) gibt Checheng (車埕) wieder das Vorbild. Die alten Anlagen wurden erneuert und zu Museum, Ausstellungs- und Verkaufshalle umgenutzt.
Im Modell sieht das dann so aus, wenn das Sägewerk von POLA aufgestellt wird.
Auf der Modellbahnanlage wird sich das Sägewerk unmittelbarer am kleinen Hafen befinden, in dem Fischerboote und Frachtschiff anlegen können. (G)
Pier 13 bis 15 im Hafen von Kaohsiung ( 高雄) ist die Vorbildsituation für die Hafenanlage.
Dieser Hafenkai war früher die Anlegestelle für die Militärschiffe, die Kinmen, Matsu und die weiteren Inseln der Republik China vor dem kommunistisch regierten Festland versorgten. Auf dem Foto von 2007 ist die militärische Nutzung aufgegeben und die Umwandlung zum einem zentrumsnahen Erholungsgebiet von Kaohsiung (高雄) hat bereits begonnen, etwa durch eine neue Beleuchtung und Abzäunung zum Wasser. Kleinere Frachtschiffe legen dort noch an. Gut zu erkennen ist das verbliebene Gleis auf der Kaimauer.
Quasi der Bahnhof des Stadtteils Lingya (苓雅) mit Ausweich-, Abstell- und Ladegleisen einige Meter hinter dem Pier 13 bis 15. Im Jahr zuvor, also 2006, drehte hier noch der „Dodo-Train‟ als Ausflugszug seine Runde auf der Hafenbahn von Kaohsiung.
Ein Fischerboot auf dem Weg zu seinem Pier im Hafen von Kaohsiung (高雄).
Bis auf die Fischerboote von GREENMAX führt der Weg zur Nachbildung der Wasserfahrzeuge über den Kartonmodellbau.
ARTITEC hatte in früheren Jahren ein maßstabsgerechtes Küstenmotorschiff im Angebot. Dieses ist aber nicht mehr lieferbar. Auf die Beantwortung meiner Bestellung bei einem französischen Händler warte ich schon seit Jahren, belastet wurde die Kreditkarte aber sofort. Krawall machen oder schlucken? Der relativ geringe Betrag und der Wunsch nicht noch schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen, haben meine Entscheidung nach mehreren vergeblich mahnenden Emails bestimmt.
Das richtige Schiff für Massengüter hat der Mitteldeutsche Kartonmodell-Verlag mit dem Küstenmotorschiff 500 Greifswald im Programm. Noch schöner ist die S.S. Wilno beziehungsweise S.S. Krakow von GPM. Das Schiff erinnert stark an das Schiff aus „Cape No. 7‟. Den luxuriösen Bausatz mit Lasercut-Rumpf gab es auf der Intermodellbau in Dortmund 2014.
Neuzeitliche Erweiterungen des Ortes
Die japanischen Kolonialzeit ist lange Geschichte. Die Welt hat sich weiter entwickelt und verändert. Wo heute in Taiwan Menschen zusammen kommen, darf der „Convenience Store‟ (H) nicht fehlen.
Auf der Modellbahnanlage ist deshalb auch ein 7-Eleven eingeplant. Für die Beschäftigten gibt es moderne Wohnhäuser (J), die den heutigen Bedürfnissen entsprechen.
Vorbilder können die Gebäude am Bahnhof von Neishi sein, die bisher kaum richtig genutzt wurden, da die Station nach der Fertigstellung ihre Entwicklungspotenziale noch nicht ausgeschöpft hat. Das soll heißen, dass Neishi quasi auf freiem Feld liegt, dort überhaupt nichts los ist und bis heute keiner dort in Wohn- oder Gewerbegebiete investieren oder sich ansiedeln wollte.
Der chinesische Pavillion auf dem Berg (K)
Der Pavillion war ein Zufallskauf vor vielen Jahren in der Aquarienabteilung eines Kaufhauses in Kaohsiung. Sein ursprünglicher Zweck ist die Positionierung in einem Fischbecken, wohl um den Guppies ihr eintöniges Dasein interessanter zu gestalten. Wie das Foto zeigt, ist das Bauwerk so in etwa mit dem Maßstab N in Europa 1:160, in Asien 1:150, kompatibel.
Somit kann es realitätsnah auf der Anlage, am Besten auf einem Bergsporn über der Siedlung aufgestellt werden, wie zum Beispiel am Schrein des ewigen Frühling in der Taroko-Schlucht. „Kultig‟ ist die Kombination traditioneller chinesischer Architektur mit VW-Bussen.
Aufnahme mit einem T2 vor dem alten Südtor von Hengchun (恆春) – Die Kombination aus einem sonnigen attraktiven Urlaubsgebiet für junge Leute und Ausländer, schönen Stränden und dem Bulli als günstigen, poppig-bunten Campingbus hat ihn zwischenzeitlich zum Symbol und Werbeträger für Taiwans Süden gemacht.
Was noch fehlt?
Kein Taiwan-Modell ohne Betelnüsse und Betelnuss-Stand! Die Landschaftsgestaltung und Vegetation wird sicherlich ein spannendes Thema bei der Ausgestaltung. Erste Studien vor Ort und auf den Elektronik-Seiten zum Aufbau der Betelnuss-Verkaufsbox mit vorbildgerechter LED-Technik wurden schon vor Ort und im Netz gemacht. Die Betelnuss-Schönheit, die in der dargestellten Szene im Bikini zum FUSO-Lastwagen läuft, um die Bestellung aufzunehmen, findet sich in einem Set der Preiser-Figuren. Der Rest der zumeist blondhaarigen Badenden aus der Serie wird zu Englischlehren deklariert, die sich am Strand vergnügen.
Im letzten Kapitel geht es um (F) und die folgenden Buchstaben im Plan.
Für das Sägewerk (F) gibt Checheng (車埕) wieder das Vorbild. Die alten Anlagen wurden erneuert und zu Museum, Ausstellungs- und Verkaufshalle umgenutzt.
Im Modell sieht das dann so aus, wenn das Sägewerk von POLA aufgestellt wird.
Auf der Modellbahnanlage wird sich das Sägewerk unmittelbarer am kleinen Hafen befinden, in dem Fischerboote und Frachtschiff anlegen können. (G)
Pier 13 bis 15 im Hafen von Kaohsiung ( 高雄) ist die Vorbildsituation für die Hafenanlage.
Dieser Hafenkai war früher die Anlegestelle für die Militärschiffe, die Kinmen, Matsu und die weiteren Inseln der Republik China vor dem kommunistisch regierten Festland versorgten. Auf dem Foto von 2007 ist die militärische Nutzung aufgegeben und die Umwandlung zum einem zentrumsnahen Erholungsgebiet von Kaohsiung (高雄) hat bereits begonnen, etwa durch eine neue Beleuchtung und Abzäunung zum Wasser. Kleinere Frachtschiffe legen dort noch an. Gut zu erkennen ist das verbliebene Gleis auf der Kaimauer.
Quasi der Bahnhof des Stadtteils Lingya (苓雅) mit Ausweich-, Abstell- und Ladegleisen einige Meter hinter dem Pier 13 bis 15. Im Jahr zuvor, also 2006, drehte hier noch der „Dodo-Train‟ als Ausflugszug seine Runde auf der Hafenbahn von Kaohsiung.
Ein Fischerboot auf dem Weg zu seinem Pier im Hafen von Kaohsiung (高雄).
Bis auf die Fischerboote von GREENMAX führt der Weg zur Nachbildung der Wasserfahrzeuge über den Kartonmodellbau.
ARTITEC hatte in früheren Jahren ein maßstabsgerechtes Küstenmotorschiff im Angebot. Dieses ist aber nicht mehr lieferbar. Auf die Beantwortung meiner Bestellung bei einem französischen Händler warte ich schon seit Jahren, belastet wurde die Kreditkarte aber sofort. Krawall machen oder schlucken? Der relativ geringe Betrag und der Wunsch nicht noch schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen, haben meine Entscheidung nach mehreren vergeblich mahnenden Emails bestimmt.
Das richtige Schiff für Massengüter hat der Mitteldeutsche Kartonmodell-Verlag mit dem Küstenmotorschiff 500 Greifswald im Programm. Noch schöner ist die S.S. Wilno beziehungsweise S.S. Krakow von GPM. Das Schiff erinnert stark an das Schiff aus „Cape No. 7‟. Den luxuriösen Bausatz mit Lasercut-Rumpf gab es auf der Intermodellbau in Dortmund 2014.
Neuzeitliche Erweiterungen des Ortes
Die japanischen Kolonialzeit ist lange Geschichte. Die Welt hat sich weiter entwickelt und verändert. Wo heute in Taiwan Menschen zusammen kommen, darf der „Convenience Store‟ (H) nicht fehlen.
Auf der Modellbahnanlage ist deshalb auch ein 7-Eleven eingeplant. Für die Beschäftigten gibt es moderne Wohnhäuser (J), die den heutigen Bedürfnissen entsprechen.
Vorbilder können die Gebäude am Bahnhof von Neishi sein, die bisher kaum richtig genutzt wurden, da die Station nach der Fertigstellung ihre Entwicklungspotenziale noch nicht ausgeschöpft hat. Das soll heißen, dass Neishi quasi auf freiem Feld liegt, dort überhaupt nichts los ist und bis heute keiner dort in Wohn- oder Gewerbegebiete investieren oder sich ansiedeln wollte.
Der chinesische Pavillion auf dem Berg (K)
Der Pavillion war ein Zufallskauf vor vielen Jahren in der Aquarienabteilung eines Kaufhauses in Kaohsiung. Sein ursprünglicher Zweck ist die Positionierung in einem Fischbecken, wohl um den Guppies ihr eintöniges Dasein interessanter zu gestalten. Wie das Foto zeigt, ist das Bauwerk so in etwa mit dem Maßstab N in Europa 1:160, in Asien 1:150, kompatibel.
Somit kann es realitätsnah auf der Anlage, am Besten auf einem Bergsporn über der Siedlung aufgestellt werden, wie zum Beispiel am Schrein des ewigen Frühling in der Taroko-Schlucht. „Kultig‟ ist die Kombination traditioneller chinesischer Architektur mit VW-Bussen.
Aufnahme mit einem T2 vor dem alten Südtor von Hengchun (恆春) – Die Kombination aus einem sonnigen attraktiven Urlaubsgebiet für junge Leute und Ausländer, schönen Stränden und dem Bulli als günstigen, poppig-bunten Campingbus hat ihn zwischenzeitlich zum Symbol und Werbeträger für Taiwans Süden gemacht.
Was noch fehlt?
Kein Taiwan-Modell ohne Betelnüsse und Betelnuss-Stand! Die Landschaftsgestaltung und Vegetation wird sicherlich ein spannendes Thema bei der Ausgestaltung. Erste Studien vor Ort und auf den Elektronik-Seiten zum Aufbau der Betelnuss-Verkaufsbox mit vorbildgerechter LED-Technik wurden schon vor Ort und im Netz gemacht. Die Betelnuss-Schönheit, die in der dargestellten Szene im Bikini zum FUSO-Lastwagen läuft, um die Bestellung aufzunehmen, findet sich in einem Set der Preiser-Figuren. Der Rest der zumeist blondhaarigen Badenden aus der Serie wird zu Englischlehren deklariert, die sich am Strand vergnügen.
Dienstag, 17. Juni 2014
Eine Einführung in die Modelleisenbahn – Teil 3.2 – Von den Bergen zur Küste
Die Beschreibung einer Modellbahnanlage über Taiwan in drei Kapiteln
Mit dem Zug geht die Fahrt weiter durch ostasiatische Landschaften, die auch im deutschen Hobbyraum mit der Maßstabsverkleinerung von 1:150 möglich sind.
Während sich die Fuso-Lastwagen über die Straße quält, wartet der Fotograf ohne Fahrplan zur Hand bis zum Ende der Geduld auf den Triebwagen der Jiji (集集)- Linie in Richtung von oder nach Checheng (車埕)
Der Plan der etwa 1,5 qm großen Modellbahn im Taiwan-Stil zur Erinnerung.
Heute geht es um den Bereich auf der rechten Seite. Zwei Brücken verbinden die beiden Seiten der Anlage miteinander. Die Situation lässt an die Longteng-Brücke oder Yuteng-Brücke in Sanyi (三義) denken.
Ort am Hafen mit Bahnhof (C), Stellwerk (D) und Güterhalle (E)
Den betrieblicher Mittelpunkt auf der Modellbahn stellt die kleine Siedlung mit Hafen an der Pazifikküste Osttaiwans dar. Dabei ist sein Bahnhof in gewisser Hinsicht Checheng (車埕), dem Endpunkt der Jiji-Linie, zu vergleichen, obwohl der in einen Tal ganz ohne Hafen liegt.
Nieselwetter war 2009 am Bahnhofsgebäude in Checheng (車埕).
Der Bahnhof bezog seine ursprüngliche Bedeutung aus der Holzwirtschaft und die Bauarbeiten zum Aufstau des Sonnen-Mond-See, um ihn für ein Speicherkraftwerk nutzen zu können. Heute sind Bahnhof und Ort vornehmlich ein bedeutendes Ausflugsziel.
Der Zug am Bahnsteig von in Checheng (車埕).
Auch die passenden Menschen, im Maßstab 1:150 verkleinert, lassen sich für den Modellbau finden. Im täglichen Eisenbahnbetrieb wird heute nur noch ein Gleis für den Pendeltriebwagen benötigt.
Neben dem Bahnhofsgebäude werden auch alle anderen Anlagen mit geschichtlicher Bedeutung, in deren Mittelpunkt das Stellwerk steht, konservatorisch instandgehalten. Auf den nicht mehr benötigten Gleisen sind einige alte Eisenbahnfahrzeuge ausgestellt.
Zum Modellbahnhof gehört auch noch eine Güterhalle, wie sie etwa am Endbahnhof der Waldeisenbahn von Luodong ein- und zweigeschossig zu finden sind.
Und wieder freut es, was alles so oder so ähnlich aus dem Sortiment japanischer Modelleisenbahnhersteller erhältlich ist.
Den Bedarf des Modellbahners für das Bahnhofsgebäude im Stil der japanischen Kolonialzeit befriedigt hier GREENMAX.
Zudem ist das richtige Stellwerk im Programm des gleichen Herstellers. Als Güterhalle adaptiert werden kann das Modell des Lagerhauses einer Sakebrauerei von TOMYTEC Verwendung finden. Das Sake-Zeichen ist allerdings auszutauschen, denn so eine Sakebrauerei ist in Taiwan nicht zu finden. Auch von Tomytec geliefert werden die korrekt in Sommeruniform gekleideten Schüler, die es auch real in Taiwan zu sehen gibt.
Die Wirtschaft des kleinen Ortes basiert zum einem auf dem ansässigen Sägewerk, wo die Stämme aus den Bergwäldern verarbeitet werden. Das zweite ökonomische Standbein ist der Hafen mit etwas Fischfang und dem Güterumschlag. Mehr dazu morgen.
Mit dem Zug geht die Fahrt weiter durch ostasiatische Landschaften, die auch im deutschen Hobbyraum mit der Maßstabsverkleinerung von 1:150 möglich sind.
Während sich die Fuso-Lastwagen über die Straße quält, wartet der Fotograf ohne Fahrplan zur Hand bis zum Ende der Geduld auf den Triebwagen der Jiji (集集)- Linie in Richtung von oder nach Checheng (車埕)
Der Plan der etwa 1,5 qm großen Modellbahn im Taiwan-Stil zur Erinnerung.
Heute geht es um den Bereich auf der rechten Seite. Zwei Brücken verbinden die beiden Seiten der Anlage miteinander. Die Situation lässt an die Longteng-Brücke oder Yuteng-Brücke in Sanyi (三義) denken.
Ort am Hafen mit Bahnhof (C), Stellwerk (D) und Güterhalle (E)
Den betrieblicher Mittelpunkt auf der Modellbahn stellt die kleine Siedlung mit Hafen an der Pazifikküste Osttaiwans dar. Dabei ist sein Bahnhof in gewisser Hinsicht Checheng (車埕), dem Endpunkt der Jiji-Linie, zu vergleichen, obwohl der in einen Tal ganz ohne Hafen liegt.
Nieselwetter war 2009 am Bahnhofsgebäude in Checheng (車埕).
Der Bahnhof bezog seine ursprüngliche Bedeutung aus der Holzwirtschaft und die Bauarbeiten zum Aufstau des Sonnen-Mond-See, um ihn für ein Speicherkraftwerk nutzen zu können. Heute sind Bahnhof und Ort vornehmlich ein bedeutendes Ausflugsziel.
Der Zug am Bahnsteig von in Checheng (車埕).
Auch die passenden Menschen, im Maßstab 1:150 verkleinert, lassen sich für den Modellbau finden. Im täglichen Eisenbahnbetrieb wird heute nur noch ein Gleis für den Pendeltriebwagen benötigt.
Neben dem Bahnhofsgebäude werden auch alle anderen Anlagen mit geschichtlicher Bedeutung, in deren Mittelpunkt das Stellwerk steht, konservatorisch instandgehalten. Auf den nicht mehr benötigten Gleisen sind einige alte Eisenbahnfahrzeuge ausgestellt.
Zum Modellbahnhof gehört auch noch eine Güterhalle, wie sie etwa am Endbahnhof der Waldeisenbahn von Luodong ein- und zweigeschossig zu finden sind.
Und wieder freut es, was alles so oder so ähnlich aus dem Sortiment japanischer Modelleisenbahnhersteller erhältlich ist.
Den Bedarf des Modellbahners für das Bahnhofsgebäude im Stil der japanischen Kolonialzeit befriedigt hier GREENMAX.
Zudem ist das richtige Stellwerk im Programm des gleichen Herstellers. Als Güterhalle adaptiert werden kann das Modell des Lagerhauses einer Sakebrauerei von TOMYTEC Verwendung finden. Das Sake-Zeichen ist allerdings auszutauschen, denn so eine Sakebrauerei ist in Taiwan nicht zu finden. Auch von Tomytec geliefert werden die korrekt in Sommeruniform gekleideten Schüler, die es auch real in Taiwan zu sehen gibt.
Die Wirtschaft des kleinen Ortes basiert zum einem auf dem ansässigen Sägewerk, wo die Stämme aus den Bergwäldern verarbeitet werden. Das zweite ökonomische Standbein ist der Hafen mit etwas Fischfang und dem Güterumschlag. Mehr dazu morgen.
Montag, 16. Juni 2014
Eine Einführung in die Modelleisenbahn oder 鐵道模型入門 - Teil 3.1 - Meine Taiwanmodellbahn
Die Beschreibung einer Modellbahnanlage über Taiwan in drei Kapiteln
Wer gerade nicht auf Taiwan sein kann, hat - der globalisierten Spielzeugeisenbahnindustrie sei Dank gesagt - die Möglichkeit sich schöne Orte seiner Lieblingsinsel zumindest als Modell ins ferne Europa zu holen.
Eisenbahnromantik pur im ländlichen Taiwan bietet die Fahrt mit dem Zug von Rueifang (瑞芳) nach Jingtong oder Chingtung (菁桐) über die Pingshi-Linie. Hier verlässt soeben der Triebwagen den Bahnhof von Chingtung und bewegt sich zurück in Richtung der Hauptbahn zwischen Taipei und Osttaiwan.
Nach vielen Jahren des Sammelns von Ideen und etlichen gefertigten Vorentwürfen ist die Planungsphase für die Eisenbahn in Nachbildung der TRA (Taiwan Railway Administration) beendet. Nun geht es an die Umsetzung.
Das Konzept basiert auf der Gleisgeometrie von alten Arnold Rapido Gleisen in Spur N. Es mag Gleissysteme gegeben, die dem Vorbild näher sind, aber hier regiert der Gedanke der Nachhaltigkeit und Verwendung bereits vorhandener Ressourcen aus den Tagen der Jugend.
Mit dem Eisenbahnplaner 3D lässt es sich so lange „scrabbeln‟ bis die Schienen sägefrei zusammen passen. Inspiration für den Entwurf lieferte Ivo Cordes mit seinem Alpenkarussel.
Bei der Übertragung von der Schweiz nach Taiwan, von Spur HO auf N kam eine L-Förmige Anlage heraus, die circa 125 x 160 cm Raumbedarf hat. Dabei misst der linke Schenkel 125 mal 65 cm, der rechte Schenkel 90 mal 160 cm.
Thema ist ein kleiner Ort am osttaiwanischen Pazifik. Eine Küstenbahn windet sich entlang der Steilküste zum Hafen herunter, wo Holz, Kalkschotter und Kohle auf kleine Frachtschiffe verladen werden können. Nachdem die Eisenbahnstrecke den Bahnhof passiert hat, durchbricht sie mit einem Tunnel die Bergkette, um dem steinigen, fast ausgetrockneten Flusstal ins Inland zu folgen. Die Fläche des pazifischen Ozeans im Vordergrund kann aus Gründen der Zugänglichkeit reduziert werden. Es reicht beim Bau der Modellbahn das Wasser am Uferstreifen im Modell darzustellen. Neben dem kleinen Hafenort am Meer befindet sich etwas höher gelegen eine Anschlussbahn, die über eine Spitzkehre zu einer kleinen Bahnstation führt.
Die Spitzkehre und die Station an den Bergen wecken auch Erinnerungen an an die schmalspurige Waldeisenbahn von Alishan mit ihrer Stichlinie nach Chushan (祝山).
Diese Bahnstation dient heute nur noch dazu, die Morgensonnenanbeter zu früher Stunde auf den Berg zu bringen, damit diese den Sonnenaufgang über dem Yushan, den höchsten Berg Taiwans bewundern können. Holz wird hier seit langem nicht mehr abtransportiert.
Stationsgebäude der Anschlussbahn (A im Plan)
Taiwan inspiriert den Modellbahner an verschiedenen Orten, einen kleinen Bahnhof in den grün bewaldeten Bergen der Insel nachzubilden. Ein gutes Vorbild ist durchaus der Endbahnhof von Chingtung (菁桐).
Hier wurde noch bis vor einigen Jahrzehnten Kohle in Stollen abgebaut und verladen. Früher stiegen Arbeiter und Landbevölkerung hier ein und aus. Heute sind es überwiegend Tagestouristen aus Taipei.
Gut, dass die alte Eisenbahn Formosas im wesentlichen während der japanischen Kolonialzeit ab 1895 errichtet wurde. So bieten japanische Modellbahnhersteller vieles, was gut adaptiert werden kann. Eine hübsche ländliche Station, wie sie auch noch in Taiwan zu finden ist, gibt es beispielsweise als Modell von TOMYTEC.
Das Modell des RDC steht für den Kuang-Hua-Hao, den China-Rückgewinnungs-Express, der von Tokyu Car in Japan basierend auf Budds RDC gebaut und am 31.10.1966 zu Generalissimos Geburtstag in Dienst gestellt wurde. Bis zur Elektrifizierung der Strecke war er der schnellste Zug zwischen Taipei und Kaohsiung. 1979 wechselten die Triebwagen vom Typ DR2700 dann in untergeordnete Dienste.
Das Modell des RDC selber stammt von der japanischen Firma KATO und wurde von mir aus den USA bezogen, weil es in Deutschland nicht mehr lieferbar war. Das ist Globalisierung im Kleinen.
Verladeplatz (B)
Zum Bahnhof gehören auch Verlademöglichkeiten für Güter. Die Pingshi-Linie wurde zur Erschließung von Kohlevorkommen gebaut, deren Abbau zur Versorgung der Dampfschifffahrt und frühe Wirtschaftsentwicklung Taiwans von Bedeutung war. Im Jahr 2003 war die Kohleverladung in Chingtung (菁桐) allerdings seit Jahrzehnten außer Betrieb und nur noch eine Ruine.
Ein passendes Gegenstück für das Modell kann die Schotterverladung von Kibri sein, die in der Fundgrube meines Kellerarchivs vorhanden ist.
Im Übrigen sind auch die Kalksteinbrüche und Zementherstellung im Osten Taiwans ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, wobei die Maßstäblichkeit dieser Fabriken und Steinbrüche weder zum mittelständischen Schotterbetrieb in Spur N noch zur realen Situation in Chingtung (菁桐) passt.
Zusätzlich oder alternativ kann an dieser Stelle das Thema eines Holzverladeplatzes aufgegriffen werden. Mit der japanischen Kolonisierung wurden die Wälder Taiwans systematisch ausgeplündert. Riesige wertvolle Bäumen wurden geschlagen und aus den Berggebieten mit schmalspurigen Waldeisenbahnen oder Seilbahnen abtransportiert. Heute ist der Raubbau an den Wäldern aufgegeben. Genutzt wird im wesentlichen nur noch Treibholz, dass während der Taifun-Saison und Regenzeit mit den Flüssen aus den unzugänglichen Gebieten angeschwemmt wird. Der Aufwand und die Risiken der Holzgewinnung stehen vermutlich in keinem wirtschaftlichen Verhältnis mehr zum Nutzen. Und die Schönsten der alten Stämme wurden längst Möbel und sonstige Tischlerarbeit in Japan verarbeitet.
Früher befanden sich die Holzverladeplätze dort, wo die Rodungen stattfanden, wo Seilbahnen oder kleinere Anschlussbahnen endeten. Mit Kränen wurden die dicken Stämme auf die Waggons verladen. Das Bild aus Tucheng am Ende der Waldeisenbahn von Luodong zeigt, wie provisorisch und unaufgeräumt die Holzgewinnung damals in Taiwan stattfand.
Wer gerade nicht auf Taiwan sein kann, hat - der globalisierten Spielzeugeisenbahnindustrie sei Dank gesagt - die Möglichkeit sich schöne Orte seiner Lieblingsinsel zumindest als Modell ins ferne Europa zu holen.
Eisenbahnromantik pur im ländlichen Taiwan bietet die Fahrt mit dem Zug von Rueifang (瑞芳) nach Jingtong oder Chingtung (菁桐) über die Pingshi-Linie. Hier verlässt soeben der Triebwagen den Bahnhof von Chingtung und bewegt sich zurück in Richtung der Hauptbahn zwischen Taipei und Osttaiwan.
Nach vielen Jahren des Sammelns von Ideen und etlichen gefertigten Vorentwürfen ist die Planungsphase für die Eisenbahn in Nachbildung der TRA (Taiwan Railway Administration) beendet. Nun geht es an die Umsetzung.
Das Konzept basiert auf der Gleisgeometrie von alten Arnold Rapido Gleisen in Spur N. Es mag Gleissysteme gegeben, die dem Vorbild näher sind, aber hier regiert der Gedanke der Nachhaltigkeit und Verwendung bereits vorhandener Ressourcen aus den Tagen der Jugend.
Mit dem Eisenbahnplaner 3D lässt es sich so lange „scrabbeln‟ bis die Schienen sägefrei zusammen passen. Inspiration für den Entwurf lieferte Ivo Cordes mit seinem Alpenkarussel.
Bei der Übertragung von der Schweiz nach Taiwan, von Spur HO auf N kam eine L-Förmige Anlage heraus, die circa 125 x 160 cm Raumbedarf hat. Dabei misst der linke Schenkel 125 mal 65 cm, der rechte Schenkel 90 mal 160 cm.
Thema ist ein kleiner Ort am osttaiwanischen Pazifik. Eine Küstenbahn windet sich entlang der Steilküste zum Hafen herunter, wo Holz, Kalkschotter und Kohle auf kleine Frachtschiffe verladen werden können. Nachdem die Eisenbahnstrecke den Bahnhof passiert hat, durchbricht sie mit einem Tunnel die Bergkette, um dem steinigen, fast ausgetrockneten Flusstal ins Inland zu folgen. Die Fläche des pazifischen Ozeans im Vordergrund kann aus Gründen der Zugänglichkeit reduziert werden. Es reicht beim Bau der Modellbahn das Wasser am Uferstreifen im Modell darzustellen. Neben dem kleinen Hafenort am Meer befindet sich etwas höher gelegen eine Anschlussbahn, die über eine Spitzkehre zu einer kleinen Bahnstation führt.
Die Spitzkehre und die Station an den Bergen wecken auch Erinnerungen an an die schmalspurige Waldeisenbahn von Alishan mit ihrer Stichlinie nach Chushan (祝山).
Diese Bahnstation dient heute nur noch dazu, die Morgensonnenanbeter zu früher Stunde auf den Berg zu bringen, damit diese den Sonnenaufgang über dem Yushan, den höchsten Berg Taiwans bewundern können. Holz wird hier seit langem nicht mehr abtransportiert.
Stationsgebäude der Anschlussbahn (A im Plan)
Taiwan inspiriert den Modellbahner an verschiedenen Orten, einen kleinen Bahnhof in den grün bewaldeten Bergen der Insel nachzubilden. Ein gutes Vorbild ist durchaus der Endbahnhof von Chingtung (菁桐).
Hier wurde noch bis vor einigen Jahrzehnten Kohle in Stollen abgebaut und verladen. Früher stiegen Arbeiter und Landbevölkerung hier ein und aus. Heute sind es überwiegend Tagestouristen aus Taipei.
Gut, dass die alte Eisenbahn Formosas im wesentlichen während der japanischen Kolonialzeit ab 1895 errichtet wurde. So bieten japanische Modellbahnhersteller vieles, was gut adaptiert werden kann. Eine hübsche ländliche Station, wie sie auch noch in Taiwan zu finden ist, gibt es beispielsweise als Modell von TOMYTEC.
Das Modell des RDC steht für den Kuang-Hua-Hao, den China-Rückgewinnungs-Express, der von Tokyu Car in Japan basierend auf Budds RDC gebaut und am 31.10.1966 zu Generalissimos Geburtstag in Dienst gestellt wurde. Bis zur Elektrifizierung der Strecke war er der schnellste Zug zwischen Taipei und Kaohsiung. 1979 wechselten die Triebwagen vom Typ DR2700 dann in untergeordnete Dienste.
Das Modell des RDC selber stammt von der japanischen Firma KATO und wurde von mir aus den USA bezogen, weil es in Deutschland nicht mehr lieferbar war. Das ist Globalisierung im Kleinen.
Verladeplatz (B)
Zum Bahnhof gehören auch Verlademöglichkeiten für Güter. Die Pingshi-Linie wurde zur Erschließung von Kohlevorkommen gebaut, deren Abbau zur Versorgung der Dampfschifffahrt und frühe Wirtschaftsentwicklung Taiwans von Bedeutung war. Im Jahr 2003 war die Kohleverladung in Chingtung (菁桐) allerdings seit Jahrzehnten außer Betrieb und nur noch eine Ruine.
Ein passendes Gegenstück für das Modell kann die Schotterverladung von Kibri sein, die in der Fundgrube meines Kellerarchivs vorhanden ist.
Im Übrigen sind auch die Kalksteinbrüche und Zementherstellung im Osten Taiwans ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, wobei die Maßstäblichkeit dieser Fabriken und Steinbrüche weder zum mittelständischen Schotterbetrieb in Spur N noch zur realen Situation in Chingtung (菁桐) passt.
Zusätzlich oder alternativ kann an dieser Stelle das Thema eines Holzverladeplatzes aufgegriffen werden. Mit der japanischen Kolonisierung wurden die Wälder Taiwans systematisch ausgeplündert. Riesige wertvolle Bäumen wurden geschlagen und aus den Berggebieten mit schmalspurigen Waldeisenbahnen oder Seilbahnen abtransportiert. Heute ist der Raubbau an den Wäldern aufgegeben. Genutzt wird im wesentlichen nur noch Treibholz, dass während der Taifun-Saison und Regenzeit mit den Flüssen aus den unzugänglichen Gebieten angeschwemmt wird. Der Aufwand und die Risiken der Holzgewinnung stehen vermutlich in keinem wirtschaftlichen Verhältnis mehr zum Nutzen. Und die Schönsten der alten Stämme wurden längst Möbel und sonstige Tischlerarbeit in Japan verarbeitet.
Früher befanden sich die Holzverladeplätze dort, wo die Rodungen stattfanden, wo Seilbahnen oder kleinere Anschlussbahnen endeten. Mit Kränen wurden die dicken Stämme auf die Waggons verladen. Das Bild aus Tucheng am Ende der Waldeisenbahn von Luodong zeigt, wie provisorisch und unaufgeräumt die Holzgewinnung damals in Taiwan stattfand.
Sonntag, 25. Mai 2014
Die ultimative Wahlempfehung
Jetzt ins Wahllokal gehen!
Noch haben die Wahllokale einige Stunden in Deutschland geöffnet. Deshalb macht Luo Yous ultimative Wahlempfehlung für die Unentschlossenen durchaus noch Sinn.
Wer das Spielmodell des letzten Beitrags in diesem Blog nicht zu ganz erfasst hat, folgt hier der Klartext.
Die Hauptthese ist, dass alle etablierten Parteien der verlängerte Arm privater, wirtschaftlicher Interessen einzelner Menschen sind. Folglich ist es besser, sich für neue oder unbekanntere politische Gliederungen zu entscheiden, die in dieser Weise noch nicht vereinnahmt sind. Natürlich sind die Gruppen abzulehnen, die menschenverachtenden Ideologien folgen, Mitmenschen ausstoßen oder die offen und rücksichtslos den eigenen Reichtum zu Lasten Anderer weiter mehren wollen. Die rechts auf der politischen Bühne stehen, sind ohnehin draußen.
Taipeis Metro in Tamsui (淡水區) – Wer die Entscheidung trifft, ein solches Verkehrssystem aufzubauen, verteilt Milliarden. Das Volk, das zahlt und die Auswirkungen spüren wird, lässt sich bei solchen Entscheidungen vertreten. In Deutschland macht das die Gemeindevertretung oder der Stadtrat (mit Hobby-Politikern). Den Menschen und Wählern sind gewöhnlich Dinge in ihrem Umfeld wichtiger - vielleicht abgesehen von Stuttgart 21 -, zum Beispiel einen Job zu haben, saubere Parkanlagen oder Sicherheit. Bisher galt die Metro in Taipei als extrem sicher. Die Messerattacke eines 21-Jährigen in der U-Bahn mit 4 Toten und mehr als 20 Verletzten führt jetzt zu Diskussionen. Es ist kaum zu erwarten, das dieser Amoklauf dazu führt, jungen Menschen in Asien oder anderswo mehr soziale Aufmerksamkeit und Freiräume geben wird. Vielmehr wird es wieder als Preis dieser Gesellschaftsordnung akzeptiert und vergessen werden, dass Menschen dann und wann ausrasten und unwiederbringliches Unglück über unbeteiligte Mitmenschen und Nachbarn bringen.
Bei der Wahlentscheidung in Deutschland fragt sich der so beratene Wähler natürlich, ob da überhaupt noch eine Partei auf den Listen übrig bleibt. Die Entscheidung für eine kleinere Partei und deren politische Stärkung schafft immerhin eine Verunsicherung im System und zeigt, dass das Wahlvolk mehr ist als eine Stimmmaschine, eine Funktion (Input) = Output. Nur so kann die enge Vernetzung zwischen Wirtschaftsinteressen und politischer Macht in Frage gestellt werden.
Gerade der jetzige Kommunalwahlkampf war zur Farce verkommen. Die Spielmodell hat aufgezeigt, dass der Bürgermeister trotz Direktwahl in Nordrhein-Westfalen von den Mehrheiten im Rat abhängt. Den Bürgern wird suggeriert, dass sie eine wichtige Person wählen, das das Volk selber Macht entfalten kann. Aber es ist nur ein „Grüß-August‟, dessen Abbild in vielen Städten an Laternen und Bäumen mit Plastikbändern angeclipst ist.
Auch hier empfiehlt sich, den Kandidaten der kleinsten Partei oder einen wirklich Unabhängigen zu wählen, um auch hier die Absurditäten des politischen Systems herauszukehren und wirkliche Reformen zu erreichen. Die Stärkung der Fachebene in den Verwaltungen tut noch und genauso fehlt mehr direkte Demokratie in den örtlichen Gemeinschaften. Nur so kann der politischen Cliquenwirtschaft entgegen gesteuert werden.
Dies setzt unter anderem voraus, Wahlentscheidungen einfacher und kostengünstiger ermöglichen. Solange dies alles mit viel Papier und Personal bewältigt werden muss, ist direkte Demokratie ein mühseliger Prozess. Aber warum sollte die etablierte Klasse, die von der indirekten Demokratie profitiert, dies ändern wollen, Wahlautomaten einführen, elektronische Wege installieren oder die Zahl und Höhe der Hürden zur aktiven Teilnahme am politischen Leben verringern? Kein Wunder, dass es die meisten - oder fast alle (?) - Stadträte abgelehnt haben, ihre öffentlichen Sitzungen per Webcam ins Internet zu übertragen.
Wer politisch auf lokaler Ebene aktiv werden will, braucht viel Zeit und Unterstützung. Die Unterstützung kommt von den Altvorderen in den Parteien, die wissen wie es läuft, und indirekt kommt die Unterstützung in Form von Parteispenden wieder aus der Nähe zu ökonomisch Starken. Bis zu einem gewissen Grad, nämlich dort, wo an der Legalität des System zu zweifeln ist, kommt dem ganzen die wachsende Politikverdrossenheit durchaus entgegen. Wir dürfen gespannt sein, wie gering die Wahlbeteiligung diesmal bei der Europa- und Kommunalwahl sein wird.
Bürger glaubt nicht, es geht darum, marode Schultoiletten zu sanieren oder einige von euch ein paar Jahre früher in die Rente gehen zu lassen! Es geht viel mehr darum, die Milliarden an Steuergeldern, die von euch gezahlt werden, in Aufträge für die „richtigen‟ Auftragnehmer umzusetzen.
Noch haben die Wahllokale einige Stunden in Deutschland geöffnet. Deshalb macht Luo Yous ultimative Wahlempfehlung für die Unentschlossenen durchaus noch Sinn.
Wer das Spielmodell des letzten Beitrags in diesem Blog nicht zu ganz erfasst hat, folgt hier der Klartext.
Die Hauptthese ist, dass alle etablierten Parteien der verlängerte Arm privater, wirtschaftlicher Interessen einzelner Menschen sind. Folglich ist es besser, sich für neue oder unbekanntere politische Gliederungen zu entscheiden, die in dieser Weise noch nicht vereinnahmt sind. Natürlich sind die Gruppen abzulehnen, die menschenverachtenden Ideologien folgen, Mitmenschen ausstoßen oder die offen und rücksichtslos den eigenen Reichtum zu Lasten Anderer weiter mehren wollen. Die rechts auf der politischen Bühne stehen, sind ohnehin draußen.
Taipeis Metro in Tamsui (淡水區) – Wer die Entscheidung trifft, ein solches Verkehrssystem aufzubauen, verteilt Milliarden. Das Volk, das zahlt und die Auswirkungen spüren wird, lässt sich bei solchen Entscheidungen vertreten. In Deutschland macht das die Gemeindevertretung oder der Stadtrat (mit Hobby-Politikern). Den Menschen und Wählern sind gewöhnlich Dinge in ihrem Umfeld wichtiger - vielleicht abgesehen von Stuttgart 21 -, zum Beispiel einen Job zu haben, saubere Parkanlagen oder Sicherheit. Bisher galt die Metro in Taipei als extrem sicher. Die Messerattacke eines 21-Jährigen in der U-Bahn mit 4 Toten und mehr als 20 Verletzten führt jetzt zu Diskussionen. Es ist kaum zu erwarten, das dieser Amoklauf dazu führt, jungen Menschen in Asien oder anderswo mehr soziale Aufmerksamkeit und Freiräume geben wird. Vielmehr wird es wieder als Preis dieser Gesellschaftsordnung akzeptiert und vergessen werden, dass Menschen dann und wann ausrasten und unwiederbringliches Unglück über unbeteiligte Mitmenschen und Nachbarn bringen.
Bei der Wahlentscheidung in Deutschland fragt sich der so beratene Wähler natürlich, ob da überhaupt noch eine Partei auf den Listen übrig bleibt. Die Entscheidung für eine kleinere Partei und deren politische Stärkung schafft immerhin eine Verunsicherung im System und zeigt, dass das Wahlvolk mehr ist als eine Stimmmaschine, eine Funktion (Input) = Output. Nur so kann die enge Vernetzung zwischen Wirtschaftsinteressen und politischer Macht in Frage gestellt werden.
Gerade der jetzige Kommunalwahlkampf war zur Farce verkommen. Die Spielmodell hat aufgezeigt, dass der Bürgermeister trotz Direktwahl in Nordrhein-Westfalen von den Mehrheiten im Rat abhängt. Den Bürgern wird suggeriert, dass sie eine wichtige Person wählen, das das Volk selber Macht entfalten kann. Aber es ist nur ein „Grüß-August‟, dessen Abbild in vielen Städten an Laternen und Bäumen mit Plastikbändern angeclipst ist.
Auch hier empfiehlt sich, den Kandidaten der kleinsten Partei oder einen wirklich Unabhängigen zu wählen, um auch hier die Absurditäten des politischen Systems herauszukehren und wirkliche Reformen zu erreichen. Die Stärkung der Fachebene in den Verwaltungen tut noch und genauso fehlt mehr direkte Demokratie in den örtlichen Gemeinschaften. Nur so kann der politischen Cliquenwirtschaft entgegen gesteuert werden.
Dies setzt unter anderem voraus, Wahlentscheidungen einfacher und kostengünstiger ermöglichen. Solange dies alles mit viel Papier und Personal bewältigt werden muss, ist direkte Demokratie ein mühseliger Prozess. Aber warum sollte die etablierte Klasse, die von der indirekten Demokratie profitiert, dies ändern wollen, Wahlautomaten einführen, elektronische Wege installieren oder die Zahl und Höhe der Hürden zur aktiven Teilnahme am politischen Leben verringern? Kein Wunder, dass es die meisten - oder fast alle (?) - Stadträte abgelehnt haben, ihre öffentlichen Sitzungen per Webcam ins Internet zu übertragen.
Wer politisch auf lokaler Ebene aktiv werden will, braucht viel Zeit und Unterstützung. Die Unterstützung kommt von den Altvorderen in den Parteien, die wissen wie es läuft, und indirekt kommt die Unterstützung in Form von Parteispenden wieder aus der Nähe zu ökonomisch Starken. Bis zu einem gewissen Grad, nämlich dort, wo an der Legalität des System zu zweifeln ist, kommt dem ganzen die wachsende Politikverdrossenheit durchaus entgegen. Wir dürfen gespannt sein, wie gering die Wahlbeteiligung diesmal bei der Europa- und Kommunalwahl sein wird.
Bürger glaubt nicht, es geht darum, marode Schultoiletten zu sanieren oder einige von euch ein paar Jahre früher in die Rente gehen zu lassen! Es geht viel mehr darum, die Milliarden an Steuergeldern, die von euch gezahlt werden, in Aufträge für die „richtigen‟ Auftragnehmer umzusetzen.
Samstag, 14. Dezember 2013
Taiwan vor 10 Jahren
Dritte Reise auf die „Ilha Formosa“
Die ersten Digitalbilder von Taiwan entstanden für mich mit der Kamera, einer Fuji, die meine damalige Freundin und heutige Frau auf einer Tombola gewonnen hatte. Auch durch andere gesellschaftliche Ereignisse entstand bei mir der Eindruck, dass bei Verlosungen mit Taiwanern immer äußerst üppige Gewinne winken.
Bei meiner dritten Reise nach Taiwan erreichte ich im Dezember 2003 Taipei. Damals stand noch ein gigantischer Bauaufzug neben dem „Taipei 101“, aber das Einkaufszentrum in dem Hochhaus war bereits eröffnet.
Noch keine Chance zum Wolkenstürmen und auch kein Neujahrsfeuerwerk zum Jahrswechsel 2003 / 2004 – das damals höchste Gebäuder der Welt, das „Taipei 101“, in der Bauphase.
Winterwetter in Taiwans Nordosten – Ein Ausflug führte mich in die Gegend von Ruifang (瑞芳) und der Goldgräberstadt Juifen (九份) .
Eigentliches Ziel war das aufgelassene Kohlenbergbaugebiet um Pingshi (平溪). Beim Anblick all dieser Relikte geht dem Kind des Ruhrgebietes gleich das Herz auf.
Klar, für den Eisenbahn-Aficionado stand natürlich die Bahnlinie von Rueifang nach Chingtung oder Jingtong (菁桐) im Mittelpunkt der Betrachtung.
Das historische Bahngebäude von Jingtong (菁桐) ist sehr schön hergerichtet und beinhaltete damals eine Ausstellung. Mit den zugänglichen Relikten des Bergbaus, seinen landschaftlichen Reizen und der Nähe zum Verdichtungsraum von Taipei wird die Gegend zu einem wichtigen und viel besuchten Ausflugsort.
Eine Besonderheit ist in der Mitte der Strecke die Ortsdurchfahrt des Zuges von Shífēn (十分), wo trotz moderner Triebwagen die Eisenromantik früher Jahre aufkommt. . Vergleichbar interessante Situationen finden sich in Taiwan meiner Kenntnis nach sonst nur an der Waldeisenbahn von Alishan, etwa in Shuisheliao (水社寮).
Nach den Aufenthalten in Taipei und Pingshi ging es mit der Hauptbahn durch den Westen Taiwans. Kaohsiung war das nächste Ziel. Als herausragender Besichtigungspunkt ist hier die Zuckerfabrik von Ciatou (橋頭) zu nennen. Weiter ging es danach für mich zum Sonnen-Mond-See. Die Rückweg nach Kaohsiung führte über Jiji (集集), Taichung (台中), Sanyi (三義) und Lukang (鹿港). Von Kaohsiung ging es dann wieder nach Deutschland.
Sehr authentisch wirkte die stillgelegte und gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Zuckerfabrik in Ciatou (橋頭), was damals noch zum Landkreis Kaohsiung zählte. Der Landkreis ging 2010 in der Großstadt Kaohsiung auf. Hallen, Gebäude, Maschinen und die Eisenbahnfahrzeug der Zuckerfabrik waren im Dornröschenschlaf und Originalzustand. Leider ist mittlerweile die Umgebung nach dem Bau der Metro ziemlich verhunzt. Teile des Geländes wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zudem wird versucht mit billigen Freizeitangeboten etwas Profit aus dem Gelände zu ziehen. Auch die Gestaltung zum Zuckermuseum ist dem Gesamteindruck eher abträglich. Bunte Blümchen und Kunstobjekte auf der Gleisharfe kommen einfach nicht gut. Der ins Fabrikgebäude gerammte Besuchersteg macht mehr kaputt und verfälscht den Charakter des Industriedenkmals zu erhalten. Die Loks sind draußen abgestellt, verrosten und taugen bald nur noch für „China Steel“ im Hochofen von Kaohsiung. Sehr traurig! Damals machte es jedenfalls noch Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen und Lokführer zu spielen.
Unvermeidlicher Klassiker in vielen Touristenprogrammen ist Taiwans Sonnen-Mond-See. Glücklich sind diejenigen, die ihn mit dem richtigen Licht, Wetter und bei hohem Wasserstand erleben. Dann wirkt der See am Besten.
Zum Sonnen-Mond-See zählt natürlich auch das schönste Klohäuschen Taiwans. 2003 war es gerade frisch renoviert. Ein paar Jahre später hatte das harte subtropische Klima leider schon den weißen Anstrich gelöst.
Jiji (集集) war auch 2003 schon mehr Kirmes und Nachtmarkt als Bahnstation. Heute gibt es noch einen Ticken weniger Eisenbahnbetrieb und andererseits vielmehr Halli-Galli durch den anhaltenden Zustrom von Ausflugsbussen.
Es gibt auch schöne und interessante Orte in Taiwan ohne Touristen, so die Tunghai Universität in Taichung (台中). Neben der Kapelle, die der Architekt Ieoh Ming Pei entworfen hat, ist das städtebauliche Gesamtkonzept der Universität mit der schönen Allee äußerst sehenswert.
Mehr Eisenbahnarchälogie, mehr auf eine durch die Medien hochgepuschte Attraktion fokussierten taiwanischen Touristenmassen mit ungefähr viermal so viel oder mehr drumherum an Imbiß- und Verkaufsständen fand sich in Sanyi (三義). Neben einem stillgelegten Streckenabschnitt mit begehbaren Tunnel der Hauptbahn bestehen hier einige pittoreske Reste der Longteng-Eisenbahnbrücke, die 1935 bei einem Erdbeben zusammenkrachte.
Lukang (鹿港) lohnt den Besuch wegen seiner alten Tempel und der historischen Bausubstanz. Verkehrlich ins Abseits geraten, konnte in dieser einstmals wichtigen Hafenstadt vieles aus der - wenn auch kurzen - Historie Taiwans bewahrt werden.
Die ersten Digitalbilder von Taiwan entstanden für mich mit der Kamera, einer Fuji, die meine damalige Freundin und heutige Frau auf einer Tombola gewonnen hatte. Auch durch andere gesellschaftliche Ereignisse entstand bei mir der Eindruck, dass bei Verlosungen mit Taiwanern immer äußerst üppige Gewinne winken.
Bei meiner dritten Reise nach Taiwan erreichte ich im Dezember 2003 Taipei. Damals stand noch ein gigantischer Bauaufzug neben dem „Taipei 101“, aber das Einkaufszentrum in dem Hochhaus war bereits eröffnet.
Noch keine Chance zum Wolkenstürmen und auch kein Neujahrsfeuerwerk zum Jahrswechsel 2003 / 2004 – das damals höchste Gebäuder der Welt, das „Taipei 101“, in der Bauphase.
Winterwetter in Taiwans Nordosten – Ein Ausflug führte mich in die Gegend von Ruifang (瑞芳) und der Goldgräberstadt Juifen (九份) .
Eigentliches Ziel war das aufgelassene Kohlenbergbaugebiet um Pingshi (平溪). Beim Anblick all dieser Relikte geht dem Kind des Ruhrgebietes gleich das Herz auf.
Klar, für den Eisenbahn-Aficionado stand natürlich die Bahnlinie von Rueifang nach Chingtung oder Jingtong (菁桐) im Mittelpunkt der Betrachtung.
Das historische Bahngebäude von Jingtong (菁桐) ist sehr schön hergerichtet und beinhaltete damals eine Ausstellung. Mit den zugänglichen Relikten des Bergbaus, seinen landschaftlichen Reizen und der Nähe zum Verdichtungsraum von Taipei wird die Gegend zu einem wichtigen und viel besuchten Ausflugsort.
Eine Besonderheit ist in der Mitte der Strecke die Ortsdurchfahrt des Zuges von Shífēn (十分), wo trotz moderner Triebwagen die Eisenromantik früher Jahre aufkommt. . Vergleichbar interessante Situationen finden sich in Taiwan meiner Kenntnis nach sonst nur an der Waldeisenbahn von Alishan, etwa in Shuisheliao (水社寮).
Nach den Aufenthalten in Taipei und Pingshi ging es mit der Hauptbahn durch den Westen Taiwans. Kaohsiung war das nächste Ziel. Als herausragender Besichtigungspunkt ist hier die Zuckerfabrik von Ciatou (橋頭) zu nennen. Weiter ging es danach für mich zum Sonnen-Mond-See. Die Rückweg nach Kaohsiung führte über Jiji (集集), Taichung (台中), Sanyi (三義) und Lukang (鹿港). Von Kaohsiung ging es dann wieder nach Deutschland.
Sehr authentisch wirkte die stillgelegte und gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Zuckerfabrik in Ciatou (橋頭), was damals noch zum Landkreis Kaohsiung zählte. Der Landkreis ging 2010 in der Großstadt Kaohsiung auf. Hallen, Gebäude, Maschinen und die Eisenbahnfahrzeug der Zuckerfabrik waren im Dornröschenschlaf und Originalzustand. Leider ist mittlerweile die Umgebung nach dem Bau der Metro ziemlich verhunzt. Teile des Geländes wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zudem wird versucht mit billigen Freizeitangeboten etwas Profit aus dem Gelände zu ziehen. Auch die Gestaltung zum Zuckermuseum ist dem Gesamteindruck eher abträglich. Bunte Blümchen und Kunstobjekte auf der Gleisharfe kommen einfach nicht gut. Der ins Fabrikgebäude gerammte Besuchersteg macht mehr kaputt und verfälscht den Charakter des Industriedenkmals zu erhalten. Die Loks sind draußen abgestellt, verrosten und taugen bald nur noch für „China Steel“ im Hochofen von Kaohsiung. Sehr traurig! Damals machte es jedenfalls noch Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen und Lokführer zu spielen.
Unvermeidlicher Klassiker in vielen Touristenprogrammen ist Taiwans Sonnen-Mond-See. Glücklich sind diejenigen, die ihn mit dem richtigen Licht, Wetter und bei hohem Wasserstand erleben. Dann wirkt der See am Besten.
Zum Sonnen-Mond-See zählt natürlich auch das schönste Klohäuschen Taiwans. 2003 war es gerade frisch renoviert. Ein paar Jahre später hatte das harte subtropische Klima leider schon den weißen Anstrich gelöst.
Jiji (集集) war auch 2003 schon mehr Kirmes und Nachtmarkt als Bahnstation. Heute gibt es noch einen Ticken weniger Eisenbahnbetrieb und andererseits vielmehr Halli-Galli durch den anhaltenden Zustrom von Ausflugsbussen.
Es gibt auch schöne und interessante Orte in Taiwan ohne Touristen, so die Tunghai Universität in Taichung (台中). Neben der Kapelle, die der Architekt Ieoh Ming Pei entworfen hat, ist das städtebauliche Gesamtkonzept der Universität mit der schönen Allee äußerst sehenswert.
Mehr Eisenbahnarchälogie, mehr auf eine durch die Medien hochgepuschte Attraktion fokussierten taiwanischen Touristenmassen mit ungefähr viermal so viel oder mehr drumherum an Imbiß- und Verkaufsständen fand sich in Sanyi (三義). Neben einem stillgelegten Streckenabschnitt mit begehbaren Tunnel der Hauptbahn bestehen hier einige pittoreske Reste der Longteng-Eisenbahnbrücke, die 1935 bei einem Erdbeben zusammenkrachte.
Lukang (鹿港) lohnt den Besuch wegen seiner alten Tempel und der historischen Bausubstanz. Verkehrlich ins Abseits geraten, konnte in dieser einstmals wichtigen Hafenstadt vieles aus der - wenn auch kurzen - Historie Taiwans bewahrt werden.
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