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Montag, 31. August 2015

Auffällig unauffällig

Bauarbeiterinnen in Taiwan

Bisher dachte ich, es wäre nur mir aufgefallen. Jetzt merkte es auch die beste Ehefrau von allen an. Es gibt eigentlich keine Bauarbeiterinnen in Deutschland. Erstaunlich und fremdartig für die Taiwanerin! Oder aus der Perspektive des deutschen Verfassers dieser Zeilen: In Taiwan sind Bauarbeiterinnen etwas so selbstverständliches, dass sie – bis auf dem beobachtenden Ausländer – niemanden auffallen.

Ausgetauscht haben wir uns über diese Erfahrung bei einem Bericht über die vielen Baustellen an Autobahnen und Fernstraßen in Nordrhein-Westfalen. Über Jahrzehnte wurde der notwendige Unterhalt im gebotenen Umfang unterlassen, damit (seit langem pensionierte oder bereits verstorbene) Politiker Geld für Prestigeprojekte und öffentlichkeitswirksame Neubauten ausgeben konnten. Dank der Rekordgewinne bei den Unternehmen und einer Steuerschwemme, für die nicht nur die Griechen sondern auch wir in diesem Land länger und für weniger Geld arbeiten dürfen, steht jetzt überreich Kapital zur Verfügung. An allen Ecken entstehen heute neue Baustellen, finanziert mit Bundesmitteln oder hoch gefördert als Landes- und Gemeindevorhaben. Da weiß der tägliche Berufspendler bald nicht mehr, wie er den ganzen Verkehrseinschränkungen entgehen soll.

Unter vielen Männern vom Landesstraßenbetrieb erschien in dem Bericht auch eine Frau. Nein, erklärte ich, dass ist keine Arbeiterin, sondern die Mitarbeiterin wird eine Verwaltungsangestellte sein, vielleicht eine Ingenieurin oder Technikerin in Gummistiefeln und Arbeitskleidung.

Im Dezember 2013 vervollständigt diese fleißige Arbeiterin den monumentalen neuen Bauabschnitt des Fo Guang Shan Klosters in Kaohsiung.

Wirkliche Emanzipation gibt es nicht, so hieß es im gestrigen Fernsehbeitrag über Femen, bevor die Damen ihre Brüste entblößten und gegen das Übel dieser Welt protestierten. Stimmt! Emanzipation gibt es nicht. Sicher hat auch das taiwanische Modell seine Nachteile: Wird das gleiche Einkommen gezahlt und besteht die gleiche soziale Absicherung zwischen den Geschlechtern? Auf jeden Fall ist es spannend, wie unterschiedlich sich die Kulturen ausgeprägt haben, was wir für selbstverständlich halten und sich traditionell verfestigt hat. Es geht eben nicht nur um Quoten bei den Positionen der Top-Manager.

Montag, 27. Juli 2015

Unerreichbar unbestiegen

Taiwan und Deutschland, Deutschland und Taiwan!

Es geht auch schon mal entgegen der Erfahrungen umgekehrt. Außergewöhnliche Orte in Taiwan sind gewöhnlich von hoher Nutzungsdichte geprägt, übermäßig zugebaut und durch viele Menschen stark frequentiert. Demgegenüber ist Deutschland eher leer, meist hübsch gestaltet, aber auch öde. Klassiker waren hier die Mittelpunkte Taiwans und Deutschland. Ganz anders präsentieren sich die höchsten Punkte der beiden Staatsgebilde, frisch erlebt an einem der letzten Wochenenden im Süden Bayerns und früher in Taiwan zum Jahresübergang 2013/2014.

Der Aufstieg zu Taiwans mit 3952 Metern höchsten Berg, dem Yu Shan (玉山) oder Jadeberg, stellt sich schwierig dar. Er führt, sofern man nicht eine Strafe oder die komplette Kostenerstattung für einen möglichen Rettungseinsatz in Kauf nehmen will, nur über eine förmliche Erlaubnis der Nationalparkverwaltung. Diese Zugangserlaubnis kann auch online beantragt werden. Zudem gehört ein gewisses Maß an Training und körperlicher Fitness der Yu-Shan-Besteiger :-) dazu, was mir gegenwärtig so fehlt.

Es fehlt in Taiwan an Seilbahnen, Eisenbahnstrecken oder Straßen, um auf den höchsten Punkt Südostasiens – so eingruppiert nach Wolfgang Senftleben, Autor von Mai´s Weltführer 26 „Taiwan“ im Jahr 1995 - zu kommen. Senftleben war übrigens selber dort oben und posierte vor der Bronzebüste von Yu You-Ren (于右任), einem Gelehrten und Politiker der Republik China, der von 1879 bis 1964 lebte, zuletzt in Taiwan.

Nach Senftlebens Besuch, nämlich 1996, wurde die Büste von Taiwan-Aktivisten mehrmals vom Sockel gestürzt. Beim dritten Mal soll sie vom Gipfel so in eine Bergschlucht gefallen sein, dass sie nicht wieder gefunden werden konnte. Taiwans schöne Natur sollte nicht, durch Territorialmarken der KMT verunstaltet werden, so wie ein Hund durch Pinkeln sein Revier markiert. Dabei hatte es die damalige Regierungspartei nur gut gemeint. Damals waren die Territorialmarkensetzer noch in dem Glauben, dass der Berg eine Höhe von 3.997 Metern hat. Sie wollten mittels eines kleines Bauwerks, dessen oberen Abschluss Yu You-Rens Glatze und ein Blitzableiter bildeten, die 4.000 Meter erreichen.

Angesichts der schlechten Erschließung des Berges bleibt nur der sehnsüchtige Blick etwas oberhalb der Berghütte von Tǎ Tǎ Jiā (塔塔加) auf die entrückten Spitzen des mächtigen Gebirges. Selbst dabei macht der Yu Shan es dem Bewunderer der atemberaubenden Landschaft nicht einfach. Hier ist nur die Nordspitze (in höherer Auflösung mit der Wetterstation) zu sehen. Der Hauptgipfel liegt weiter rechts und hielt sich an dem Tag bedeckt im Wolkenschleier.

Beliebtester Einstiegspunkt zum Bergsteigen ist die Gegend um Tǎ Tǎ Jiā (塔塔加). Hinter dem beschaulichen Besucherzentrum zeigt sich der Jadeberg besonders schüchtern und versteckt sich in den Wolken.

Nach der Übernahme Taiwans als Kolonie erfolgte durch die japanische Armee vom Juli 1895 bis zum September 1896 die Landvermessung. Dabei wurde der Yu Shan mit 3776 Metern über dem Merresspiegel aufgenommen. Der Berg erhielt den Namen Niitakayama, was etwa „neuer höchster Berg“ heisst, da er den Fujiyama in Höhe überragt. In westlichen Atlanten tauchte er zuvor als Mount Morrison auf, noch früher benannten ihn die verschiedenen Ureinwohnerstämme, die um ihn herum leben, in ihren jeweils eigenen Sprachen.

Google hatte mehr Glück und präsentiert Taiwans Berg erster Klasse im „Street View“ wolkenfrei.

Den höchsten Berg der Deutschen hat als Erstbesteiger ein gebürtiger Tiroler aus Reutte erklommen. Joseph Naus war in bayerischem Dienst und sein Geburtsort Reutte liegt am Fuß der Zugspitze.

Mehr verwundert es, dass sich als offizieller Erstbesteiger des Yu Shan der Deutsche Karl Theodor Stöpel rühmt, der am zweiten Weihnachtstag 1898 auf dem höchsten Punkt von Taiwans Berg Nr. 1 war. Wie er da hochgekommen ist und was er sonst noch auf der Insel Formosa erlebt hat, lässt sich in seinem Buch und im Google-Archiv gut nachlesen.

Wer zum Lesen zu faul ist, kann seinem „Stöpel“ auch als Hörbuch über Youtube genießen. Bedauerlich, dass der Vorleser offenbar kein gelernter Profi ist. So lädt das Werk nicht dazu, den Berichten über die Abenteuer von Herrn Stöpel (etwa mit der an ihn gerichteten Frage „Darf ich Ihrem chinesischen Dolmetscher den Kopf abschneiden?“) bei der morgendlichen und nachmittäglichen Autofahrt zu lauschen. Besser geht es mit der Lesebrille.

Übrigens werden als Erstbeisteiger für das Jahr 1900 werden im englischen Wikipedia Torii Ryūzō und Mori Ushinosuke genannt. Laut Stöpel sollen bereits die Japaner Saito und Prof. Honda das Massiv ein Jahr vor ihm erklommen haben. Die hatten aber nicht - wie Stöpel - die höchste Spitze des Yu Shan betreten, sondern nur den von ihm so genannten niedrigeren Saito-Gipfel. Stöpel vermutete, dass der Hauptgipfel hinter den Wolken verschwunden war und die Japaner ihn so nicht wahrgenommen haben. Mit Blick auf das Foto oben kann ich bestätigen, dass dies durchaus möglich war.

Die alte japanische Flagge ersetzte Stöpel auf dem Berg durch eine neue. Unter einem Stein - nach seiner Berechnung auf dem höchsten Gipfel des Yu-Shan in einer Höhe von 4050 m - hat Stöpel am 26.12.1898 gegen 13 Uhr sein in schwarz-weiß-roten Farben gehaltenes Taschentuch deponiert. Zudem hintergelegte er ein Schreiben an den deutsch-österreichischen Alpenverein, das später durch einen nachfolgenden Kletterer zurückgesandt wurde.

Es lohnt sich also den Yushan zu besuchen, da es dort nicht nur bei gutem Wetter eine schöne Aussicht gibt und der Berg eine sportliche Herausforderung darstellt. Es gibt auch einiges dort zu entdecken. Die verlorene Büste von Yu You-Ren, die Überreste der japanischen Flagge und Stöpels altes Taschentuch. Hatte er es benutzt, könnte mittels einer DNA-Analyse die Echtheit und damit auch die Überlegenheit der nordisch-europäischen Herrenrasse nachgewiesen werden. Während Ureinwohnern und Chinesen der unwirtliche Berggipfel gleichgültig war, die Japaner im Nebel stapften und den Gipfel verpassten, ist es dem Deutschen gelungen, hier sein Taschentuch zu verstecken.

„Unfug“, sagt die beste Ehefrau von allen, die dabei ist zum Telefon zu greifen, um den Notarzt mit zwei kräftigen Pflegern für meine Einlieferung zu bestellen. „Natürlich waren Menschen aus der lokalen Bevölkerung da oben, um die Gegend zu erkunden. So schwierig ist der Berg nicht zu besteigen. Warum sollten sie dort nicht hingegangen sein?“ Gleiches gilt natürlich auch für die Zugspitze vor 1820. Die Besteigungen erfolgten lediglich nicht staatlich beauftragt zur Landvermessung und -aneignung oder als offizielle Expedition deklariert, sondern von einfachen Menschen, wie Hirten, Jägern oder Bergbauern.

In der Tat und trotz der erforderlich Zugangserlaubnis kann es auf dem Yu Shan ziemlich voll werden. Da ist es wieder das wohlbekannte Taiwan mit seiner Dichte an Menschen.

Spuren - und zwar jede Menge – haben auch die Taiwaner auf dem höchsten Berg der Deutschen hinterlassen. Kurz vor der bayerischen Staatsgrenze ist die Wand im Zugang zur österreichischen Bergstation vollgekritzelt. Das Ganze gipfelt in dem üblichen taiwanischen-chinesischen Austausch als Wandzeitung: „Taiwan ist unabhängig“ durchgestrichen „Nein, ist es nicht. Es ist untrennbarer Teil Chinas“ und so weiter.

Zurück in der alpinen Realität: Überwiegend Taiwaner in diesem Foto im echten Schnee auf der Aussichtsterrasse an der Tiroler Seite des Zugspitzgipfels. Dies übertrifft gewiß die visuelle Illusion von Schnee auf Taiwan, so bei den Salzbergen von Cigu (oder Qigu / 七股).

Hatte die beste Ehefrau von allen noch vor 15 Jahren große Freude an der Kontaktaufnahme mit Landsleuten im Ausland, so ist diese Begeisterung heute einer Gleichgültigkeit gewichen. Zu groß ist der Touristenstrom aus Asien, der seit langem nicht mehr von den Japanern dominiert wird. Zu stark sind die taiwanischen Netzwerke in Deutschland, Globalisierung und die weltumfassende Kommunikation, um dies noch als eine besondere Begegnung wahrzunehmen. Wie sich die Welt verändert hat!

Vielmehr kommt hier das Gefühl auf, zu Hause in Taiwan zu sein. Fast ein Nachtmarkt zeigt sich vor dem Münchner Haus. Die Top-Attraktionen sind Deutschlands höchster Bratwurststand, Deutschlands höchster Biergarten und Zugspitz-Kuhglocken. Nie zuvor habe ich so einen zugebauten Berggipfel gesehen, sagt die Taiwanerin.

Klettern auf der Baustelle. Die Attraktion, das Gipfelkreuz verschwindet irgendwo zwischen Baustellenzäunen, Metallkonstruktionen, Kränen und Baumaschinen. Wie Erdaushub erscheint der Gipfel. Das Kreuz wirkt etwas fehlplatziert. Und die Menschen? Wer hat nicht als Kind gerne auf der Baustelle gespielt und fand das total abenteuerlich?

In Deutschland lag es nicht an der körperlichen Fitness, einer fehlenden Zugangserlaubnis oder mangelhafter Vorbereitung. Es war vielmehr der Gipfelstau, der vom Erreichen des höchsten Punktes dieses Landes abhielt.

Selbst wenn es heute abgesichts der Flüchlingsströme weg von Armut und Krieg noch nicht so aussieht, aber wer vermag ernsthaft daran zweifeln, dass sich auf mittlere Sicht die Lebensverhältnisse auf den wesentlichen Teilen dieses Planeten weitestgehend angleichen werden?

Dienstag, 30. Juni 2015

Der blinde Mann

Hallo, Schatzi!

Griechenland geht das Geld aus, Europa ist ratlos, hunderte von Menschen in Taiwan verletzt und der IS unbesiegt. Nicht genug dieser Nachrichten, da entpuppt sich der neue Chef im Büro als ein beratungsresistenter und nervender Idealist, der nicht einmal weiß, was er will.

In einer wahnsinniger werdenden Welt wächst der Wunsch stetig, sich wohl zu fühlen und Geborgenheit zu finden. Auf Taiwan kann das Gästehaus Seasonstar zumindest für einige Tage Ruhe und Erholung bieten.

Wie schön ist es hier in Deutschland, sich abends im Eigenheim auf das kinderlose Familienleben zu konzentrieren und an die beste Ehefrau von allen zu kuscheln.

Doch werde ich mittlerweile mißtrauisch, wenn sie mich „Schatziˮ ruft. War das nicht „Xiāziˮ (瞎子), was aus ihrem Mund kam?

Aufgepasst in taiwanisch-deutschen Partnerschaften: „Xiāziˮ (瞎子) ist nicht der geliebte Schatz, sondern bedeutet blinder Mann. So stolpert denn der Ehegatte blind und unwissend aus der Sicht der Angetrauten durchs Leben.

Blind durchs Leben – In Taiwans Aufzügen hilft auch die Brailleschrift den obligatorischen Knopf zum schnelleren Schließen der Türen zielgerichtet zu drücken.

Mal schauen, welche Fallstricke im nächsten Monat gespannt sind.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Rückblick zum Jahresende – Taiwan 2002 und 2014

Meine zweite Reise nach Taiwan 2002

Im Jahr 2002 starte ich zum zweiten Mal zu der bezaubernden subtropischen Insel zwischen Pazifik und Formosastraße. Auf der Reisestrecke lagen nach dem - damals noch – Chiang-Kai-Shek-Flughafen Kaohsiung insbeswondere mit dem buddhistischen Zentrum Fo Guan Shan, die Stadt Meinung mit ihrem Hakka-Museum, Kenting mit der Jugendherberge im chinesischen Stil unterhalb des Froschfelsens sowie dem später durch einen Film sehr populären Chateau-Hotel, dann das Gebiet von Alishan mit der Jugendherberge in Erwanping, der Berggegend um Tatajia, der Bahnhof von Fenqihu. Der Abschluss dieser Reise führte mich nach Taipei. In Erinnerung geblieben sind die Schwefelquellen am Yangminshan und die damals zum Restaurant adaptierte frühere amerikanische Botschaft.

Erst von Kaohsiung in den nahen Osten, nämlich das Gebiet um Meinung, in dem die Volksgruppe der Hakka lebt, dann in den Süden ins Urlaubsgebiet um Kenting. Dann folgte die Route nach Norden in die Berge von Alishan und anschließend nach Taipei in die Hauptstadt.

Vor 12 Jahren fehlte dem Kloster Fo Guan Shan noch das Monumentale.

Aber damals wie heute straht die alte Haupthalle des buddistischen Klosters Spiritualität und Erhabenheit aus.

Die Reise war übrigens meine erste Begenung mit Kenting, dem Urlaubsgebeit im Süden Taiwans. Sehnsüchtig blickte 2002 in Eluanbi an der Südspitze der Insel der Generalissimo Chiang Kai-Shek als Statue in Richtung des chinesischen Festland und träumte noch von dessen kriegerischer Rückeroberung der verlorenen Gebiete, die wieder Millionen Menschen unendliches Leid gebracht hätte.

Heute sind viele der Statuen im Cihu-Skulpturen-Park vom Daxi versammelt. Prominente Plätze wurden nicht wegen der – etwa wie hier in Eluanbi - fotografierenden chinesischen Touristen freigemacht, sondern weil während der Regierungszeit der DPP diese Huldigung des ehemaligen Diktators unpassend in der sich fortschreitend demokratisierencen Gesellschaft Taiwans empfunden wurde. Übrigens waren damals trotz der heute fehlenden Statuen viele Plätze und Orte mit Interesse für ausländische Besucher signifikant leerer. Ob ich irgendwann einmal die silberne Ehrennadel der Gemeinde Kenting für den 25. Urlaubsaufenhalt dort bekommen werde?

Eigentlich ein Muss für den Taiwan-Touristen: Die Waldeisenbahn von Alishan. Nach 2002 gingen verschiedene Taifune, subtropische Regenschauer und Erdrutsche über die schmalspurige Gebirgsbahn nieder.

Deshalb fährt seit Jahren kein Zug mehr auf dem Hauptabschnitt der Bahn. Obwohl einige wichtige Brücken und aufwändige Bauten für die Strecke wieder errichtet wurden, deutet die Baustellenatmosphäre insgesamt darauf hin, dass der betriebslose Zustand noch einige Zeit andauern wird.

Der Bahnhof von Erwanping. Nett waren die Abende mit Herrn Bahnhofsvorsteher Shr in seinem kleinen Stationshaus bei Heineken-Bier und Suntori-Whiskey.

Zwar ist das Bahnhofsgebäude mit einer Holzverkleidung, doch dürfte der Vorsteher längst in Pension sein oder wurde ins Flachland vor der Endstation in Chiayi versetzt. Augenscheinlich waren zwei Drittel des Bahnhofsgeländes den Steilhand hinab gerutscht. Hergestellt ist das Areal wieder, nur fehlen noch neben einem vorhandenen Bauzuggleis die Gleise für die Personenzüge.

Ehehölle Yangminshan – Bei Schwefeldämpfen halten sich die Brautjungfern die Nase zu. Luo You hat zu dem Zeitpunkt kaum erwartet nur wenige Jahre später in gleicher Weise für posen. Zumindest waren für die Fotos die Hintergründe himmlischer und weniger höllisch.

Für das Jahr 2015 bin ich sehr gespannt, wohin sich Taiwan weiter entwickeln wird. Auf den Jahreswechsel in Kaohsiung freut sich Luo You jedenfalls schon. Allen Lesern und Freunden wünsche ich herzlichst alles Gute!

Sonntag, 30. November 2014

Taiwans Perspektive

Oder alles schon mal da gewesen?

Wie es schon erwartet wurde, ist Taiwan mit den gestrigen Regionalwahlen deutlich grüner geworden. Vor allem hat die demokratische Fortschrittspartei DPP viele wichtige Bürgermeisterämter von der chinesischen Nationalpartei KMT übernommen. Verbunden ist das Ergebnis mit der Politik des Präsidenten der Republik China auf Taiwan, quasi mehr als eine Denkzettelwahl. Der derzeitige Amtsinhaber Mǎ Yīng Jiǔ oder Ma Ying-Jeou(馬英九) teilt das Schicksal mit seinem Vorgänger Chén Shuǐ Biǎn (陳水扁) vom hochgelobten Politiker und Hoffnungsträger nach zwei Wahlperioden bei den meisten Wählern auf tiefste Ablehnung zu treffen.

Ob die jetzige Wende zu mehr DPP wirklich zu Verbesserungen für die Bevölkerung Taiwans führt, ist zu bezweifeln. „Überall glotzen die feisten Gesichter der selbstverliebten und sich selbt dienenden Politikerkaste von den Wänden, die nicht mal die elementarsten Funktionen von Politikern erfüllen: Zum Beispiel wenigstens die Schulwege sichern ... oder für ungiftiges Essen ... zu sorgen‟, schreibt Fu Ludigel in seinem Blog.

Jetzt dürfen an vielen Stellen andere Politiker und Parteifreunde – oder sogar Familienmitglieder - an die Tröge, um sich am öffentlichen Eigentum, das die Allgemeinheit erarbeitet, zu bedienen oder sich vorteilhafte Gesetze und Möglichkeiten zu verschaffen. Sichere Schulwege und gesunde Nahrungsmittel geraten da leicht aus dem politischen Fokus, wenn nicht gerade medienwirksam berührende Einzelschicksale auftauchen, wie ein überfahrenes oder vergiftetes Kind. Wer kann schon eine Krebserkrankungen mit einem Ananaskuchen in Verbindung bringen?

Das bei Sozialdumping und Preisdruck auf den umkämpften lokalen (bei Garküchen und Restaurants zum Beispiel) und globalen Märkten (etwa der Elektronikindustie und ihren Standortverlagerungen zwischen China und Taiwan) irgend wann auch die Qualität und Sicherheit der Nahrungsmittel gefährdet ist, war in diesem Wirtschaftssystem mit seiner Grundeinstellung, der Gier zur persönlichen Reichtumsmehrung, unausbleiblich.

Die soziale Verantwortung auch für die Mitmenschen (nicht nur innerhalb der Familie) und die Nachhaltigkeit im Umgang mit den natürlichen Lebensgrundlagen (nicht nur für die eigene Generation und Lebenszeit), weil nicht jeder eine Fluchttür hat, sind da nicht so ausgeprägt.

Lösungsansatz Importlebensmittel zur gesunden Ernährung und Reduzierung des Krebsrisikos – Bereits Vorjahr brachte Luo You deutsche Spekulatius nach Taiwan. Hergestellt, garantiert ohne taiwanische Milch, sind sie von der Traditionskonditorei Messner in Wanne-Eickel. Die grüne chinesische Dattel (Ziziphus jujuba) stammt aus der Obstplantage des zweiten Schwippschwagers. Da weiß man, womit gespritzt wurde.

Scheinbar sind Strategien des politischen Überlebens oder Erfolgs auch nicht so viel anders als in Deutschland. Es ist hier bei Kommunalwahlen schon üblich, dass SPD-Bürgermeisterkandidaten ihre politische Herkunft ganz klein schreiben oder schnell zu Unabhängigen werden. FDP-Mitglieder verfallen bei einer Bürgermeistermeisterkandidatur einschließlich ihrer gesamten Anhängerschaft und der Lokalmedien in eine tiefe Amnesie über ihre parteiliche Zugehörigkeit. Genauso ist es auch bei Spitzenkandidaten in Taiwan gewesen. Den Wählern wird erleichtert, ihrer Person zuzustimmen. Das damit verbundene Programm, über das die Wähler nicht mehr nachdenken müssen, steht im Hintergrund.

Ob mit den jetzigen Wechseln in Taiwan und der Perspektive für die Präsidentschaftswahl 2016 den Zielen der Menschen nach sicheren Erwerbsmöglichkeiten ohne ausbeuterischen Arbeitsbedingungen, einer gesunden Umwelt und Versorgung nachgekommen wird, mag bezweifelt werden. Zu sehr ist das Schicksal Taiwans mit Entscheidungen in den USA und der Volksrepublik Chinas im pazifischen Raum verbunden. Die taiwanische Wirtschaft ist schon so stark mit der auf dem Festland verwoben, dass die DPP im Sinne einer größeren Unabhängigkeit Taiwans zwar Prozesse der Annäherung und wirtschaftlichen Einnahme durch China verlangsamen, aber nicht aufhalten kann. Dort werden die Bedingungen bestimmt. Will die KMT weiter über 2016 hinaus regieren, muss sie den Taiwaner die laufenden Entwicklungen schonend nahe bringen und mehr Rücksicht auf diese nehmen. Dafür ist nur noch wenig Zeit.

Mit der DPP in den Stau - Am 9. Januar 2008 blockierte der Wahlkampf-Truck von Chén Shuǐ Biǎn (陳水扁) Luó Yōu (羅優) den Weg. Während ich letztendlich weiter gekommen bin, endete der Mann hoch auf dem grünen Wagen im Gefängnis.

Dienstag, 5. August 2014

Risiko

Ist Taiwan gefährlich?

Diese Frage stellt sich verstärkt nach den Gasexplosionen in Kaohsiung (高雄) am 31. Juli 2014, wozu Aris Teon weiterführende Links in seinem Blog zusammengestellt hat. Das Unglück fand in einem relativ innenstadtnahen, dicht bebauten Stadtgebiet mit gemischter Nutzung statt. Verwandte, Freunde von mir und ich nahmen Anteil an dem Schicksal der vielen Menschen, die ums Leben gekommen sind, und deren Familien.

Natürlich gibt es überall auf diesem Planeten ein allgemeines Lebensrisiko, verletzt zu werden oder uns Leben zu kommen. Aber im Vergleich zu Deutschland dürfte das Risiko in Taiwan, Opfer eines Verkehrs- und Industrieunfall zu werden, ein Vielfaches höher liegen. Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen.

Zunächst einmal ist die Insel Taiwan von den naturräumlichen Bedingungen mit saisonalen Taifunen, subtropischen Stürmen, Regenfällen und Erdrutschen ganz anders aufgestellt als Mitteleuropa. Eine geologisch instabile Situation an zwei tektonischen Platten kann zu unvorhersehbaren Erdbeben mit erheblichen Auswirkungen führen.

Kaohsiungs Süden – Wohnen zwischen vernetzten Industriebetrieben und Umschlaganlagen für alle möglichen Güter am Hafen. Ungeahnte Risiken stecken im dicht bebauten Stadtgebiet.

Dann gibt es auch sozio-ökonomische Differenzen. Das rasche Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahrzehnte, die wesentlich höhere Nutzungsdichten und eine stärkere Toleranz bei Umwelt-und Sicherheitsfragen zu Gunsten einer raschen ökonomischen Entwicklung haben ihren Preis, der zum Teil erst später bezahlt werden muss. Ob angesichts der zur Verfügung stehenden großen Ressource an Menschen das einzelne Leben von geringerer Bedeutung im chinesischen Kulturkreis ist, damit geringere Sicherstandards gefordert und größere Toleranzen zugelassen werden, wäre zu diskutieren.

Erfährt der Leser von der geringen Höhe der Entschädigung für die Angehörigen der Todesopfer anlässlich des Flugabsturzes auf den Penghu-Inseln am 23. Juli 2014, sieht er sich in dieser Vermutung bestätigt.

Kritische Wetterlagen können Flüge zu risikoreichen Abenteuern machen – Dornier 228 in Lan Yu, der Orchideeninsel, kurz vor dem Rückflug nach Taidong im Dezember 2006. Diese Strecke war sicherlich aufgrund des starken Windes das gefährlichste Flugerlebnis meines Lebens.

Immerhin ist festzustellen ist, dass mit jedem Unglück das Bewusstsein und der öffentliche Druck wachsen, Verbesserungen für die Sicherheit des Einzelnen zu erreichen. Dabei ist davon auszugehen, dass sich die Standards weltweit stärker annähern werden.

Alte Pipelines werden erfasst, stärker kontrolliert und in Notfallplänen aufgenommen. Bei Fluggesellschaften entsteht mehr Bewusstsein für die Gefahren aus Krisengebieten. Ich habe mich schon immer unwohl gefühlt über Afghanistan zu fliegen. Schlechtwettersituationen sollten kritischer bewertet werden. Hier ist bei mir als Passagier mehr Bewusstsein entstanden, besser einen Tag später bei ruhiger Wetterlage zum Flughafen zurückzukehren als am Flugsteig wartend den erstmöglichen Flieger im Sturm zu nehmen.

Spiel mit dem Atommüll – Versuch einer Senkung des öffentlichen Risikobewusstseins im Atomkraftwerk von Hengchun (恆春), Ausstellungssaal.

Aber auch in Deutschland ist nicht alles im Reinen. Die Konflikte zwischen Wirtschaftsinteressen und der Besorgnis einer potenziell betroffenen Öffentlichkeit, sei es bei Pipeline-Verlegungen oder gegen eine weitere nukleare Nutzung und deren Entsorgung, bestehen auch hier.

Störfallbetriebe, wo giftige und gesundheitsschädliche Substanzen oder Strahlungen austreten können, nahe an Wohngebieten und öffentlichen Nutzungen, gibt es auch im entindustriealisierten Deutschland noch in großer Zahl. Es wird solche Situation voraussichtlich noch über eine sehr lange Zeit geben. Selbst mit allen erdenklichen Maßnahmen, so sagen es Experten aus den zuständigen Behörden, wird es nie gelingen, das Risiko eines Unfalls völlig auszuschließen. Da sollten sich auch die Deutschen nichts vormachen.

Was läuft eigentlich durch die Produktenpipelines aus den 1970er Jahren hinter meinem Elternhaus im Ruhrgebiet?

Montag, 30. Juni 2014

(S)accident

Oder: Es müssen nicht immer Miniröcke sein!

Das voyeuristische Kameraauge entdeckt manchmal unbeabsichtigte erotische Momente im alltäglichen Leben. Zum Monatsende, zwischen weltmeisterlichen Fußballspielen und in Vorbereitung und Erwartung des Besuches aus Taiwan zu den anstehenden Sommerferien, lässt sich intellektuell im Blog nichts Tiefsinniges mehr zu Stande bringen.

Irgendwo in Taiwan, irgendwann in diesem Jahr glaubte Luo You, Visionen zu bekommen. Ist das die Mode in Taiwan 2014? Weit weg von der körperverhüllenden Kleidungskultur islamischer Gesellschaften, dem expliziten Herausstellen der körperlichen Vorzüge in Teilen des lateinamerikanischen Raums und dem „Teasen‟ durch das Vorzeigen von kleinen Teilen der eigenen Unterwäschen etwa in Kanada, ist hier gar nichts zu sehen – oder aus anderer Perspektive ziemlich viel.

Liegt es am Schnitt der Jeans, ist der Popo zu flach oder ist die Xiǎojiě (小姐) einfach zu viel auf dem Stuhl hin und her gerutscht? Luo You wird es vermutlich nie erfahren.

Es wird Zeit zum Fernseher zu gehen, sich Deutschland gegen Algerien anzuschauen, Funny-Chips mit Currywurst-Geschmack zur Hand zu nehmen, dabei eine Flasche kellerkühles Köpi alkoholfrei zu trinken und die beste Ehefrau von allen nicht weiter mit einer fremden Poporitze zu verärgern.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Eine Einführung in die Modelleisenbahn – Teil 3.3 – Rund um den Hafen

Die Beschreibung einer Modellbahnanlage zu Taiwan in drei Kapiteln

Im letzten Kapitel geht es um (F) und die folgenden Buchstaben im Plan.

Für das Sägewerk (F) gibt Checheng (車埕) wieder das Vorbild. Die alten Anlagen wurden erneuert und zu Museum, Ausstellungs- und Verkaufshalle umgenutzt.

Im Modell sieht das dann so aus, wenn das Sägewerk von POLA aufgestellt wird.

Auf der Modellbahnanlage wird sich das Sägewerk unmittelbarer am kleinen Hafen befinden, in dem Fischerboote und Frachtschiff anlegen können. (G)

Pier 13 bis 15 im Hafen von Kaohsiung ( 高雄) ist die Vorbildsituation für die Hafenanlage.

Dieser Hafenkai war früher die Anlegestelle für die Militärschiffe, die Kinmen, Matsu und die weiteren Inseln der Republik China vor dem kommunistisch regierten Festland versorgten. Auf dem Foto von 2007 ist die militärische Nutzung aufgegeben und die Umwandlung zum einem zentrumsnahen Erholungsgebiet von Kaohsiung (高雄) hat bereits begonnen, etwa durch eine neue Beleuchtung und Abzäunung zum Wasser. Kleinere Frachtschiffe legen dort noch an. Gut zu erkennen ist das verbliebene Gleis auf der Kaimauer.

Quasi der Bahnhof des Stadtteils Lingya (苓雅) mit Ausweich-, Abstell- und Ladegleisen einige Meter hinter dem Pier 13 bis 15. Im Jahr zuvor, also 2006, drehte hier noch der „Dodo-Train‟ als Ausflugszug seine Runde auf der Hafenbahn von Kaohsiung.

Ein Fischerboot auf dem Weg zu seinem Pier im Hafen von Kaohsiung (高雄).

Bis auf die Fischerboote von GREENMAX führt der Weg zur Nachbildung der Wasserfahrzeuge über den Kartonmodellbau.

ARTITEC hatte in früheren Jahren ein maßstabsgerechtes Küstenmotorschiff im Angebot. Dieses ist aber nicht mehr lieferbar. Auf die Beantwortung meiner Bestellung bei einem französischen Händler warte ich schon seit Jahren, belastet wurde die Kreditkarte aber sofort. Krawall machen oder schlucken? Der relativ geringe Betrag und der Wunsch nicht noch schlechtem Geld gutes hinterher zu werfen, haben meine Entscheidung nach mehreren vergeblich mahnenden Emails bestimmt.

Das richtige Schiff für Massengüter hat der Mitteldeutsche Kartonmodell-Verlag mit dem Küstenmotorschiff 500 Greifswald im Programm. Noch schöner ist die S.S. Wilno beziehungsweise S.S. Krakow von GPM. Das Schiff erinnert stark an das Schiff aus „Cape No. 7‟. Den luxuriösen Bausatz mit Lasercut-Rumpf gab es auf der Intermodellbau in Dortmund 2014.

Neuzeitliche Erweiterungen des Ortes

Die japanischen Kolonialzeit ist lange Geschichte. Die Welt hat sich weiter entwickelt und verändert. Wo heute in Taiwan Menschen zusammen kommen, darf der „Convenience Store‟ (H) nicht fehlen.

Auf der Modellbahnanlage ist deshalb auch ein 7-Eleven eingeplant. Für die Beschäftigten gibt es moderne Wohnhäuser (J), die den heutigen Bedürfnissen entsprechen.

Vorbilder können die Gebäude am Bahnhof von Neishi sein, die bisher kaum richtig genutzt wurden, da die Station nach der Fertigstellung ihre Entwicklungspotenziale noch nicht ausgeschöpft hat. Das soll heißen, dass Neishi quasi auf freiem Feld liegt, dort überhaupt nichts los ist und bis heute keiner dort in Wohn- oder Gewerbegebiete investieren oder sich ansiedeln wollte.

Der chinesische Pavillion auf dem Berg (K)

Der Pavillion war ein Zufallskauf vor vielen Jahren in der Aquarienabteilung eines Kaufhauses in Kaohsiung. Sein ursprünglicher Zweck ist die Positionierung in einem Fischbecken, wohl um den Guppies ihr eintöniges Dasein interessanter zu gestalten. Wie das Foto zeigt, ist das Bauwerk so in etwa mit dem Maßstab N in Europa 1:160, in Asien 1:150, kompatibel.

Somit kann es realitätsnah auf der Anlage, am Besten auf einem Bergsporn über der Siedlung aufgestellt werden, wie zum Beispiel am Schrein des ewigen Frühling in der Taroko-Schlucht. „Kultig‟ ist die Kombination traditioneller chinesischer Architektur mit VW-Bussen.

Aufnahme mit einem T2 vor dem alten Südtor von Hengchun (恆春) – Die Kombination aus einem sonnigen attraktiven Urlaubsgebiet für junge Leute und Ausländer, schönen Stränden und dem Bulli als günstigen, poppig-bunten Campingbus hat ihn zwischenzeitlich zum Symbol und Werbeträger für Taiwans Süden gemacht.

Was noch fehlt?

Kein Taiwan-Modell ohne Betelnüsse und Betelnuss-Stand! Die Landschaftsgestaltung und Vegetation wird sicherlich ein spannendes Thema bei der Ausgestaltung. Erste Studien vor Ort und auf den Elektronik-Seiten zum Aufbau der Betelnuss-Verkaufsbox mit vorbildgerechter LED-Technik wurden schon vor Ort und im Netz gemacht. Die Betelnuss-Schönheit, die in der dargestellten Szene im Bikini zum FUSO-Lastwagen läuft, um die Bestellung aufzunehmen, findet sich in einem Set der Preiser-Figuren. Der Rest der zumeist blondhaarigen Badenden aus der Serie wird zu Englischlehren deklariert, die sich am Strand vergnügen.

Mittwoch, 30. April 2014

1st of May - Hongkong Street Pee Day

Nicht ohne meinen Hund

Eine Besonderheit der hiesigen Kultur sollte es nach meiner Frau sein (und dem konnte ich in früheren Jahren zustimmen), dass es Menschen in Deutschland sehr mögen, Mitmenschen bei ihrem Fehlverhalten herauszustellen. Mittlerweile hat sich diese verbreitete Verhaltensweise nach meiner Einschätzung verändert. Wen stört es noch, wenn das Gegenüber bei Rot über die Straße geht, während man selber langer bei leerer Straße auf das Grünlicht wartet? Ich kümmere mich nur noch um meinen Kram und folge dem eigenen Gewissen. Andere darauf hinzuweisen, dass in Zügen das Rauchen nicht verboten ist, ist gar keine gute Idee, wenn man das eigene Leben und die Gesundheit nicht in Gefahr bringen will. Jemanden im morgendlichen Berufsverkehr am Bahnsteig auf den „Rauchfreien Bahnhof“ hinzuweisen, wo das Rauchen tatsächlich gar nicht frei ist, bedarf schon eines großen Einfühlungsvermögen, geschickter Rhetorik und dem Beherrschen einer wirksamen Deeskalationsstrategie. Nur so kann man erfolgreich zu sein und den Mief aus der Nase bekommen.

Da ist Asien mittlerweile deutlich besser beim „Point Out“ drauf. Durch die Nachrichten und Videoportale geht die Geschichte, einer Familie in Hongkong, die ihr Kleinkind in der Not auf die Straße hat pinkeln lassen. Diesen unanständigen Akt haben Nebenstehende zum Anlass genommen, ihre Kameras drauf zu halten und deutlich zu machen, dass sie ein solches Verhalten nicht akzeptieren. Und schon war das Theater da.



In den Kommentaren gehen, dies zum Anlass nehmend, nun Hongkonger gegen Chinesen an. Wobei die Hongkonger natürlich auch Chinesen sind, partiell sogar echte Festlandschinesen, wenn man von den Bewohnern der Inseln und Inselchen vor der Küste mal absieht. Zudem sind alle, also Leute in Hongkong und die anderen, in der Region Kantonesen.

Das lassen sich Chinesen, die sich nicht als Hongkonger fühlen, nicht gefallen und rufen zum Pinkeltag am 1. Mai in Hongkong auf, der in China Feiertag ist und deshalb geradezu zum Reisen und Besuch von Hongkong einlädt.

Aus eigener Erfahrung ist von Luo You zur ergänzen, dass die Grenzkontrollen zwischen der Sonderverwaltungszone Hongkong und Shenzhen deutlich laxer sind als zwischen dem Gebiet von Shenzhen zum Rest von der VR China. Ebenso verhält es sich mit dem gefühlten Wohlstandsgefälle zwischen den drei Gebieten in dieser Region. Da sind Hongkong und Shenzhen etwa auf dem gleichen Niveau. Also es gibt in dem Sinne durchaus Hongkonger außerhalb von Hongkong, während wohl auch Hongkonger Straßen benässende Chinesen sein könnten.

Auch in Deutschland gab es in früheren Jahren die Diskussion, ob es wirklich so schlimm ist, seinem Kind in einer Notsituation nicht zuzugestehen, in die Gosse zu pissen. Viele Hundebesitzer haben überhaupt keine Skrupel ihren besten Freund überall kacken zu lassen. Warum sollten Tiere mehr Rechte als Menschen haben? Warum darf das Tier für sein Wohlbefinden sorgen, während den kleinen unausgereiften Mitbürgern aufgenötigt wird, die Blase und Öffnungen zusammenzupressen?

Herr und Hund – Auch Taiwaner sind Chinesen, ethnisch gesehen und auch nur teilweise. Zumindest hat er die Hundekacke danach etwas beiseite geschoben. Und das auf dem Schmalspurgleisen einer der letzten in Betrieb befindlichen Zuckerrohrbahnen! Der Eisenbahnfan war schockiert.

Lass mich kacken, blöder Turi! Hier fotografiert mal umgekehrt der Zugereiste den Ansässigen und zeigt es im Internet.

Bei soviel Freiheit für Hunde im asiatischen Raum und Rücksichtslosigkeit gegenüber Kindern, die bei dem Fall in Hongkong für ihr Leben schreiend traumatisiert sein dürften, verwundert es nicht, das gleich auf Kinder verzichtet wird. Dann kommt besser der Hund in den Kinderwagen, wie hier in der Dream-Mall von Kaohsiung gesehen.

Montag, 31. März 2014

Der Ursprung der Wale

Keine wirklich guten Nachrichten

Für nur 48.000 chinesische Renminbi (5.608,44 Euro nach heutigem Kurs) nach Taiwan auswandern? Mit einem Geschäftsvisum und danach einer ständigen Aufenthaltsgenehmigung beim Immobilienkauf? In den Genuß einer guten Krankenversicherung und medizinischen Versorgung kommen? Keine Geburtenkontrolle und 12 Jahre Schulbildung auf Staatskosten? Familienzusammenführung auf Taiwan? Die Chance, dass alle Familienangehörigen ein Geschäft gründen können? In Taiwan geborene Kinder die Staatsangehörigkeit der Republik China erhalten?

Die Volksrepublik China muss schlimm sein, dass so für eine Auswanderung nach Taiwan geworben wird, über die Fu Ludigel in seinem Blog schrieb.

Und was machen die Taiwaner? Nicht nur der beliebte Blogger und eine meiner Nichten protestieren, sondern auch zigtausende andere Menschen gingen gegen die Annäherung an die Volksrepublik China in Taipei auf die Straße.

Aber es gibt auch bessere Nachrichten vom heutigen Tage. Nach Auffassung des internationalen Gerichtshofs in Den Haag muss Japan die Jagd auf die Wale in der Antarktis beenden.

Vor dem Aquarium von Hengchun zeigen sich beeindruckend die mächtigen Meeressäuger als sprudelnd-spritzende Skulpturen.

Dabei trägt Taiwan durchaus eine Mitschuld am früheren Abschlachten der Wale, sei es durch die Nachfrage für die Küche im Land, wie auch durch Fangpiraterie und eigene Jagd. So sah der Autor vor einigen Jahren in einem Restaurant, das so heute nicht mehr besteht, nahe einem kleinen Fischerhafen bei Kending ein historisches Foto von der Anlandung eines großen Wals, von dem auch die Wirtin berichten konnte.

Die Entwicklung der Wale, so wie sie im Meeresaquarium illustriert wird, und ihre Gefährdung erinnert stark an Loriots wilden Waldmops dessen einstmals mächtige Schaufeln zurückgezüchtet wurden, da ein Zwölfender sich kaum zum Schosshund für ältere Damen eignet.

In Kombination mit dem, was das Besucherzentrum des Nationalparks Kending ausgestopft präsentierte, wird klar: Die Wale stammen vom taiwanischen Reh ab.

Bleibt für die Wale zu hoffen, dass sie weder zurückgezüchtet werden noch ihnen durch andere profitorientierte Walfängernationen an Stelle der Japaner der Garaus gemacht wird. Zudem stellt sich die Frage, wo es jetzt mit der japanischen Jagd weiter geht, wenn diese in der Antarktis beendet wird. Also, wirklich gut scheint diese Nachricht dann doch nicht zu sein.

Sonntag, 30. März 2014

Sonnenblumen in Bewegung

330 nach 228?

Den Sonnenblumen auf der schönen Insel, auf portugiesisch „ilha formosa“, im Pazifik gelegen, geht es bisher einigermaßen gut. Diese hier posten für das Foto in Chiatou im Dezember 2009.

Nach Normen und Regeln von ausreichender Rechtsstaatlichkeit können die Bauern die hübschen Blumen säen und ernten. Ohne einigermaßen gerechtes Verfahren und eine angemessene Entschädigung wird ihnen nicht der Boden zum Wachsen entzogen. Fast alle Menschen in ihrer Umgebung haben die Chance auskömmlich am Wirtschaftsleben teilzunehmen und ihre eigene Persönlichkeit frei zu entwickeln. Die Bürgerinnen und Bürger werden sogar alle paar Jahre gefragt, ob sie ihre Regierung behalten wollen oder lieber eine andere wählen. Wenn ihnen irgendetwas nicht passt und sie ihre Meinung sagen, verschwinden sie auch nicht mehr im Knast oder auf einer abgelegenen Gefangeneninsel wie dies vor vielen Jahren noch der Fall war.

Glückliche Hello-Kitty-Insel – Was stört uns der Rest der Welt?

Es könnte immer so weiter gehen, wenn es nicht einen Nachbarn gäbe, der glaubt, dass er das Recht hat, ungefragt über die schöne Insel zu regieren. Zudem hat das mehr auf Gier und weniger auf Teilen basierende Wirtschaftssystem im Zeitalter der Globalisierung die Inselbevölkerung ziemlich unter Druck gesetzt. Wenige profitieren davon, aber viele fragen sich, wie die zunehmende Konzentration von Kapital und wirtschaftlicher Macht enden soll. Während in früheren Jahrzehnten Taiwan sich durch die Anstrengungen und Entbehrungen sowie seinen Geschäftssinn und den mächtigen Freund USA jenseits des Pazifiks zur Wohlstandsgesellschaft heraufgearbeitet hatte, bringen die veränderten politischen und wirtschaftlichen Vorzeichen für die Zukunft große Risiken mit sich.

Der Schönheit am Strand nachzuschauen, ist der angenehmere Zeitvertreib als sich über die Motivation der Studenten in Taipei und die politischen Auswirkungen ihrer Aktionen nachzudenken.

Was der Reisende Anfang des Jahres ahnen und fühlen konnte, kam jetzt zum Ausbruch. Junge Menschen in Taiwan sind nicht immer so „Gaga“ und „Soft“, wie sie von den Medien gemacht werden sollen und wie sich sich vielleicht manchmal auch geben. Sie machen sich ernsthaft Gedanken über ihre Zukunft und auch die Entwicklung der demokratischen Gesellschaft auf Taiwan.

Dass Ma Ying Jeou versucht hat, die wirtschaftliche Entwicklung Taiwans durch eine größere Öffnung und einen stärkeren Opportunismus gegenüber China voran zu bringen, ist durchaus nachvollziehbar. Sie wird aber ihren politischen Preis haben. Dem internationalen Dogma einer ökonomischen Liberalisierung folgend ist dabei auch zu erwarten, dass nur wenige Große davon profitieren. Die Masse der Taiwaner wird voraussichtlich noch stärker unter Druck geraten, wenn es mehr Wettbewerb im Dienstleistungsbereich durch das „Cross-Strait Agreement on Trade in Services“ geben wird.

So steckt Taiwan gegenüber seinem Nachbarn Volksrepublik China in einer unangenehmen Zwickmühle zwischen der vermeintlichen Sicherung des wirtschaftlichen Wohlstands einerseits und andererseits der politischen Freiheiten.

Selbstverwaltung und Freiheit waren in Taiwan in vielen Jahrhunderten eine Utopie. Die Ureinwohner hatte es am schwersten getroffen. Seit der niederländischen Kolonisation im 17. Jahrhundert und der zunehmenden Besiedlung der Insel mit Han-Chinesen vom Festland befand sich ihre Kultur auf dem Rückzug. Nach der Übernahme der Insel 1895 durch die Japan ging ihre Autonomie vollständig verloren.

Als besonderer Stressfaktor kommt die wahrnehmbare Inaktivität des Westens bei der Einverleibung der Krim durch Russland während einer innenpolitisch schwierigen Situation hinzu. Entgegen völkerrechtlicher Verträge hat Russland gehandelt. Trotz Zusicherung hat die Ukraine keinen Beistand zum Erhalt ihrer territorialen Integrität bekommen. Um wieviel mehr ist das außenpolitisch isolierte Taiwan gefährdet: mehr als 23 Millionen Chinesen warten dort auf die Wiedervereinigung aus der Sichtweise der Volksrepublik. Dieses undemokratische Regime nutzt stets die Schwächen seiner Nachbarn aus, um seinen Machtbereich zu erweitern, wie dies beispielsweise bei den Spratly-Inseln geschehen ist.

Kanonen am Fort Zeelandia in Taiwan – Militärische Stärke ist immer noch ein probates Mittel der Politik wie zu den Zeiten der Holländer auf Taiwan ab 1642. Mit genügend Nachschub für den niederländischen Gouverneur Coyett im Jahr 1662 wäre Taiwan heute so unabhängig wie Indonesien oder Sri Lanka.

Scheinbar fällt es dem Westen überhaupt schwer zu verstehen, was in Taiwan abläuft, wenn selbst unter dem renommierten Titel der „ZEIT“ solch ein Artikel erscheint, der mehrfach von Kommentatoren korrigiert werden muss.

Am 28. Februar 1947 und in den darauffolgenden Tagen kämpften Taiwaner während des sogenannten „228 Zwischenfalls“ gegen eine repressive und korrupte Regierung. Nach diesem Aufstand ist der 228-Park in Taipei benannt. Für den Eisenbahn-Aficionado ist der Park deshalb so interessant weil hier zwei Museumsloks in einem Glaspavillion aufgestellt sind. Eine davon ist die erste Lokomotive Taiwans, die „Teng Yung“, gebaut bei der Firma Hohenzollern in Düsseldorf 1887.

Sicherlich ist die heutige Situation mit der vom 28.2.1947 überhaupt nicht zu vergleichen. Heute geht es um einen politischen Richtungsstreit, der durchaus noch eskalieren kann. Taiwan steht unter Stress. Aber ein „330“ als neues „228“ wird daraus nicht entstehen. Dafür sind die Ausgangsbedingungen ganz andere: Ma Ying Jeou ist zwar unpopulär, aber von der Mehrheit der Bevölkerung fair gewählt und es gibt eine funktionierende Opposition.

Wer der hohen Politik seine Meinung sagen will, kann mit den taiwanischen Student für die Rettung der Demokratie in Frankfurt heute Mittag demonstrieren. Gestern habe ich leider die Chance verpasst mein „Free Taiwan“-Schild Xi Jinping bei seiner Fahrt durch Düsseldorf vor die Nase zu halten. Der Schlüssel zur Lösung der politischen und wirtschaftlichen Fragen Taiwans liegt nun einmal in China. Demnächst kann dann vor dem neuen chinesischen Konsulat in Düsseldorf protestiert werden, das Anlass des Besuchs von Xi in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt war.

Es bleibt zu hoffen, dass so bald kein Taifun über die formose Insel ziehen wird und die hübschen Sonnenblumen einknicken lässt.