Beobachtungen am Tisch und im Garten
Wie vorab beschrieben, wird das Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館) äußerst gerne von Menschen besucht, die aus dem asiatischen Raum stammen. Bei der gestrigen Namenstagsfeier hatten wir das Glück, da wir außerhalb Hauptgeschäftszeiten kamen, auch ohne Reservierung einen der Tische mit der besten Aussicht über das landschaftlich reizvolle Stinderbachtal zu erhalten. Es ergab sich zudem, von der Bedienung in die Nachbarschaft einer offenbar chinesischen Familie in männlicher Begleitung, vielleicht ein Geschäftspartner oder Freund, platziert zu werden.
Best Mandarin - Zum Jahrtausendwechsel reiste ein Orangenkeim von Israel nach Deutschland und wuchs hier langsam zu einem kleinen, dornigen Bäumchen heran. Zwölf Jahre später blühte er zum ersten Mal. Aus den Blüten entwickelten sich zwei kleine Früchte. Eine davon ging bei einem Windwurf verloren. Die Verbliebene präsentiert sich jetzt groß wie eine Mandarine im hübschen Orange der herbstlichen Abendsonne. Ja, der Eigentümer ist schon ein wenig stolz im rauhen Klima Westdeutschland das gewöhnlich anämische Bäumchen so weit gebracht zu haben. Das tröstet, weil es mit dem eigenen Mandarin sprachlich überhaupt nicht weiter geht.
Auch ohne ihrem Gespräch zu lauschen, fiel auf, dass die Menschen am Nachbartisch in unterschiedlichen Ausprägungen des Mandarin sprachen. Während das Familienoberhaupt die Zunge in der typischen Weise der Pekinger bog und verdrehte, sprach der Mitesser eher natürlich wirkend, ruhiger und ausgewogener. Dies veranlasste meine Frau zu der These, dass es sich vielleicht um einen Taiwaner handeln könnte. Auch für mich hörte sich dieses Mandarin deutlich vertrauter an.
So wie das Bayerische hart und rustikal auf den Westdeutschen wirkt, so klingt der Pekinger Akzent für viele Taiwaner. Anderseits sollen viele Festlandschinesen wirklich die Aussprache der Taiwaner als harmonischer und ästhetischer empfinden. Darüber hinaus wird angenommen, dass die Süße in der Sprache der Taiwanerinnen, wie sie besonders bei den jungen Damen des Service in den großen Kaufhäusern und in deren Aufzügen herausgestellt wird, zum chinaweiten Erfolg taiwanischer Fernsehserien beigetragen hat.
Sweet Orange - Ob das Personal am Eingang der Orchideenschau auch im süßesten Mandarin zum Vorzeigen des Tickets auffordert? Der Blick weckt keine großen Erwartungen und deutet mehr auf einen langweiligen Job hin.
Leider erotisiert mich meine Ehefrau nur selten mit ihrer Stimme, die dann bei ihr selber zur Gänsehaut führt, so etwa wenn sich eine Einladung zur Namenstagsfeier im Steakhaus ankündigt. Das Talent zur "Sweetness" in der Sprache teilt sie aber durchaus mit vielen anderen Taiwanerinnen.
Montag, 30. September 2013
Mein Mondfest, mein Namenstag
Taiwans Restaurants trösten, Deutschlands Küche saugt
Was Prof. Dr. Heiner Flassbeck zum Sonntag im Fernsehen referierte, sollte eigentlich allen klar sein. Wenn Deutschland Politik und Ökonomie nicht die erzielten Produktivitätsgewinne zum allgemeinen Einkommenszuwachs verwenden, sondern nur zur Steigerung von wirtschaftlicher Macht, nimmt das eine schlimme Entwicklung. Nicht nur auf Hartz IV degradierte Sozialhilfeempfänger, auf Null-Runden gesetzte Staatsdiener, die der nationalen Finanzpolitik besonders nah zugeordnet sind, leiden darunter. Die allgemeinen Reallohnverluste in der Gesellschaft führen zu einer sinkenden Nachfrage. Am Ende geraten ganze Volkswirtschaften in Gefahr, wenn sie nicht mehr mit einer Abwertung ihrer Währung darauf reagieren können, zum Beispiel dann, wenn sie sich wie Griechenland der Eurozone verschrieben haben.
Auch für einen unbedeutenden Vorsitzenden eines Briefwahlvorstandes irgendwo im Düsseldorfer Umland, war es bei der Stimmauszählung zur Bundestagswahl 2013 überraschend, wie stark die ökonomischen Fragen die Menschen bewegen. Da sammeln sich die Zettel auf dem Auszähltisch, womit die "Alternative für Deutschland" fast rein in den Bundestag rein kommt, während die etablierte FDP mit Mehrwertsteuergeschenken, "Wischi-Waschi" bei wichtigen Themen und einem fliegenden Teppich aus Afghanistan rausfällt. Auch Prof. Flassbeck macht sich hierüber seine kritischen Gedanken.
Trotz allem bestand Gelegenheit das Mondfest mit einer Sushi-Platte vom Restaurant Anh & Em angemessen zu feiern. Mit Akribie werden die Gerichte dort vorbereitet und ausgeliefert. Mit einem Handyfoto belegt der Fahrer gegenüber dem Restaurant, dass kein Sushi und Tempura verrutscht ist. Da seit einiger Zeit Hos Supermarkt mit einer Bäckerei in das nächste Ladenlokal expandiert ist, gab es aus Düsseldorf auch frischen Mondkuchen zum Fest. Nur das deutsche Preisniveau all dieser leckeren Spezialitäten haut wirklich um. Wenn tägliche Dinge und kulinarische Genüsse immer teurer werden, was bleibt dann noch für den anderen Konsum, wie Urlaub, Autos oder Unterhaltungselektronik? Oder sind wir schon auf dem Weg in eine nachhaltige Gesellschaft mit Kuba als Vorbild?
Also verprassen wir den Euro, so lange es uns noch gut geht. Zu seinem Namenstag lud der Verfasser dieser Zeilen ins Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館)ein, wie das Lokal in asiatischen Kreisen genannt wird. Wo gibt es denn hier Berge, frug meine Frau bevor sie die Lokalität kannte. Im Vergleich zum taiwanischen Zentralgebirgen, kommen hier wirklich nur Hügel vor. Die Dichte der Gäste mit asiatischen Gesichtszügen ist wirklich beachtlich, in dem Restaurant, dass unter dem deutschen Namen Gut Jägerhof firmiert. Mit einem ausgedehnten Spaziergang nach den Klassikern Gutshofsteak und Hüftsteak nach Düsseldorfer Art endete ein sonnig warmer, aber schon herbstlich angefärbter Tag.
Was Prof. Dr. Heiner Flassbeck zum Sonntag im Fernsehen referierte, sollte eigentlich allen klar sein. Wenn Deutschland Politik und Ökonomie nicht die erzielten Produktivitätsgewinne zum allgemeinen Einkommenszuwachs verwenden, sondern nur zur Steigerung von wirtschaftlicher Macht, nimmt das eine schlimme Entwicklung. Nicht nur auf Hartz IV degradierte Sozialhilfeempfänger, auf Null-Runden gesetzte Staatsdiener, die der nationalen Finanzpolitik besonders nah zugeordnet sind, leiden darunter. Die allgemeinen Reallohnverluste in der Gesellschaft führen zu einer sinkenden Nachfrage. Am Ende geraten ganze Volkswirtschaften in Gefahr, wenn sie nicht mehr mit einer Abwertung ihrer Währung darauf reagieren können, zum Beispiel dann, wenn sie sich wie Griechenland der Eurozone verschrieben haben.
Auch für einen unbedeutenden Vorsitzenden eines Briefwahlvorstandes irgendwo im Düsseldorfer Umland, war es bei der Stimmauszählung zur Bundestagswahl 2013 überraschend, wie stark die ökonomischen Fragen die Menschen bewegen. Da sammeln sich die Zettel auf dem Auszähltisch, womit die "Alternative für Deutschland" fast rein in den Bundestag rein kommt, während die etablierte FDP mit Mehrwertsteuergeschenken, "Wischi-Waschi" bei wichtigen Themen und einem fliegenden Teppich aus Afghanistan rausfällt. Auch Prof. Flassbeck macht sich hierüber seine kritischen Gedanken.
Trotz allem bestand Gelegenheit das Mondfest mit einer Sushi-Platte vom Restaurant Anh & Em angemessen zu feiern. Mit Akribie werden die Gerichte dort vorbereitet und ausgeliefert. Mit einem Handyfoto belegt der Fahrer gegenüber dem Restaurant, dass kein Sushi und Tempura verrutscht ist. Da seit einiger Zeit Hos Supermarkt mit einer Bäckerei in das nächste Ladenlokal expandiert ist, gab es aus Düsseldorf auch frischen Mondkuchen zum Fest. Nur das deutsche Preisniveau all dieser leckeren Spezialitäten haut wirklich um. Wenn tägliche Dinge und kulinarische Genüsse immer teurer werden, was bleibt dann noch für den anderen Konsum, wie Urlaub, Autos oder Unterhaltungselektronik? Oder sind wir schon auf dem Weg in eine nachhaltige Gesellschaft mit Kuba als Vorbild?
Also verprassen wir den Euro, so lange es uns noch gut geht. Zu seinem Namenstag lud der Verfasser dieser Zeilen ins Steakhaus auf dem Berg (山上牛排館)ein, wie das Lokal in asiatischen Kreisen genannt wird. Wo gibt es denn hier Berge, frug meine Frau bevor sie die Lokalität kannte. Im Vergleich zum taiwanischen Zentralgebirgen, kommen hier wirklich nur Hügel vor. Die Dichte der Gäste mit asiatischen Gesichtszügen ist wirklich beachtlich, in dem Restaurant, dass unter dem deutschen Namen Gut Jägerhof firmiert. Mit einem ausgedehnten Spaziergang nach den Klassikern Gutshofsteak und Hüftsteak nach Düsseldorfer Art endete ein sonnig warmer, aber schon herbstlich angefärbter Tag.
Labels:
Bundestagswahl 2013,
Deutschland,
Essen und Trinken,
Mondfest
Samstag, 31. August 2013
Taifun Tabu
Warum Luo You nur den Winter kennt!
Jedes Mal, wenn ich von einem Taifun über Taiwan höre oder lese, bedauere ich es, nicht dort zu sein und das gewaltige Wettereignis mit eigenen Sinnen - natürlich aus einem sicheren Unterstand - zu erleben. Aber für Luo You gilt das von der besten Ehefrau der Welt verhängte Taifun-Verbot. Nur Erdbeben lassen sich als ebenfalls außerordentlich beeindruckende Naturereignisse nicht jahreszeitlich ausschließen.
Ruhige See und ein schöner Sonnenuntergang über dem ehemals britischen Konsulat am Hafen von Kaohsiung im Mai 2013. Da sind Taifune und unerträgliche Hitze ganz weit weg.
So wird die Sommerzeit in Deutschland und Europa verbracht, während die Zeit von Oktober bis Mai optimal für Reisen nach Taiwan genutzt werden kann. Große Sorge bereiten uns aber bei jeden Taifun die Gefahren für die Menschen und die großen Sachschäden an Infrastruktur, Gebäuden und Kulturen. Viele Straßen, die wir in früheren Jahren in den Bergen einfach befahren konnten, sind nach vielen Taifunen, besonders nach Morakot in 2009, und den damit verbundenen Erdrutschen immer noch unpassierbar. Man könnte sie eigentlich aus dem Autoatlas streichen. Die Winterzeit reicht nicht mehr für die Reparatur. Das betrifft leider auch die Waldeisenbahn von Alishan, deren früherer Gesamtbetrieb wohl erst ab Mitte 2014 wieder aufgenommen werden kann.
Jedes Mal, wenn ich von einem Taifun über Taiwan höre oder lese, bedauere ich es, nicht dort zu sein und das gewaltige Wettereignis mit eigenen Sinnen - natürlich aus einem sicheren Unterstand - zu erleben. Aber für Luo You gilt das von der besten Ehefrau der Welt verhängte Taifun-Verbot. Nur Erdbeben lassen sich als ebenfalls außerordentlich beeindruckende Naturereignisse nicht jahreszeitlich ausschließen.
Ruhige See und ein schöner Sonnenuntergang über dem ehemals britischen Konsulat am Hafen von Kaohsiung im Mai 2013. Da sind Taifune und unerträgliche Hitze ganz weit weg.
So wird die Sommerzeit in Deutschland und Europa verbracht, während die Zeit von Oktober bis Mai optimal für Reisen nach Taiwan genutzt werden kann. Große Sorge bereiten uns aber bei jeden Taifun die Gefahren für die Menschen und die großen Sachschäden an Infrastruktur, Gebäuden und Kulturen. Viele Straßen, die wir in früheren Jahren in den Bergen einfach befahren konnten, sind nach vielen Taifunen, besonders nach Morakot in 2009, und den damit verbundenen Erdrutschen immer noch unpassierbar. Man könnte sie eigentlich aus dem Autoatlas streichen. Die Winterzeit reicht nicht mehr für die Reparatur. Das betrifft leider auch die Waldeisenbahn von Alishan, deren früherer Gesamtbetrieb wohl erst ab Mitte 2014 wieder aufgenommen werden kann.
Labels:
Alishan (阿里山),
Taifune,
Taiwan 2013 im Mai
Dienstag, 27. August 2013
Realität und Wirklichkeit oder Traum und Fiktion
Schock in Alishan
„Guck nicht hin“, sage ich zu meiner Frau, „Schau weg! Da liegt ein totes Schwein.“ Diese verdammten Barbaren. 番人 (Fan1Ren2)! Wie konnten sie das tun. Haben denn 50 Jahre strenger japanischer Kolonialzeit gar kein Benehmen auf diese Insel gebracht. Wenn es den Chinesen egal war, was in den Bergen Taiwans läuft, hätten wenigsten die vom westlichen Imperialismus infizierten und Missionseifer für ihre eigene Kultur beseelten Japaner einen Keim von Zivilisation in ihrer Zeit setzen können.
Ich wusste, dass die Bewohner in den Bergdörfern schon mal gerne auf die Jagd nach Flughunden gehen, wobei nach der Erzählung eine Art gejagt werden darf und eine andere geschützt ist. Leider lässt sich erst nachdem das Tier erlegt wurde, feststellen zu welcher Art es gehörte. Auch hatte ich schon im Osten Taiwans gefangene Affen (ebenfalls geschützt) im Käfig am Straßenrand gesehen. Aber das verbrannte Ferkel verursachte nur Ekel.
Der genauere Blick auf die braunen Borsten und den leblosen Tierkadaver ließ den Adrenalinspiegel wieder sinken. Es war zu erkennen, dass wohl nur ein fleißiger Teepflanzer eine Hanfpalme gefällt und versucht hatte den Stamm zu verbrennen, um mehr Platz auf dem Weg und für seine Plantage zu schaffen.
Und überhaupt sind die Bergbewohner heutzutage weder blutrünstig noch besonders auf Jagd und schon gar nicht auf Töten aus. Ähnlich wie bei uns kommen mehr die Zivilisationskrankheiten, Übergewicht, fehlende Bewegung und Sport zum Ausdruck. Da führt der taiwanische Film „Seediq Bale“, ein Epos mit 4 ½ Stunden Dauer, was mit einer furiosen Wildschweinjagd beginnt, doch ziemlich in die falsche Richtung, wenn die Lebensumstände der Ureinwohner und das Auftreten ihres Häuptlings beschrieben werden. Auch in der damaligen Realität war der Häuptling Mona Rudao ein eher schmächtiges Kerlchen, geprägt von harten und entbehrungsreichen Leben im Gebirge.
Nachdem ich die DVD-Box mit „Seediq Bale“ kürzlich beim Aufräumen in der Hand hatte, hätte ich mir gerne den Film wieder angesehen. Es ist blöd, dass der Regionalcode, der in Taiwan gekauften Scheiben ein anderer ist, damit die Unternehmen interkontinental mehr Geld herausholen können. Auf das Manipulieren des DVD-Spielers hatte ich keine Lust. Den Film über Computer oder Beamer zu schauen, war mir zu unbequem. Da wird die Wiederholung im heimischen Wohnzimmer auf lange Winterabende warten müssen.
„Guck nicht hin“, sage ich zu meiner Frau, „Schau weg! Da liegt ein totes Schwein.“ Diese verdammten Barbaren. 番人 (Fan1Ren2)! Wie konnten sie das tun. Haben denn 50 Jahre strenger japanischer Kolonialzeit gar kein Benehmen auf diese Insel gebracht. Wenn es den Chinesen egal war, was in den Bergen Taiwans läuft, hätten wenigsten die vom westlichen Imperialismus infizierten und Missionseifer für ihre eigene Kultur beseelten Japaner einen Keim von Zivilisation in ihrer Zeit setzen können.
Ich wusste, dass die Bewohner in den Bergdörfern schon mal gerne auf die Jagd nach Flughunden gehen, wobei nach der Erzählung eine Art gejagt werden darf und eine andere geschützt ist. Leider lässt sich erst nachdem das Tier erlegt wurde, feststellen zu welcher Art es gehörte. Auch hatte ich schon im Osten Taiwans gefangene Affen (ebenfalls geschützt) im Käfig am Straßenrand gesehen. Aber das verbrannte Ferkel verursachte nur Ekel.
Der genauere Blick auf die braunen Borsten und den leblosen Tierkadaver ließ den Adrenalinspiegel wieder sinken. Es war zu erkennen, dass wohl nur ein fleißiger Teepflanzer eine Hanfpalme gefällt und versucht hatte den Stamm zu verbrennen, um mehr Platz auf dem Weg und für seine Plantage zu schaffen.
Und überhaupt sind die Bergbewohner heutzutage weder blutrünstig noch besonders auf Jagd und schon gar nicht auf Töten aus. Ähnlich wie bei uns kommen mehr die Zivilisationskrankheiten, Übergewicht, fehlende Bewegung und Sport zum Ausdruck. Da führt der taiwanische Film „Seediq Bale“, ein Epos mit 4 ½ Stunden Dauer, was mit einer furiosen Wildschweinjagd beginnt, doch ziemlich in die falsche Richtung, wenn die Lebensumstände der Ureinwohner und das Auftreten ihres Häuptlings beschrieben werden. Auch in der damaligen Realität war der Häuptling Mona Rudao ein eher schmächtiges Kerlchen, geprägt von harten und entbehrungsreichen Leben im Gebirge.
Nachdem ich die DVD-Box mit „Seediq Bale“ kürzlich beim Aufräumen in der Hand hatte, hätte ich mir gerne den Film wieder angesehen. Es ist blöd, dass der Regionalcode, der in Taiwan gekauften Scheiben ein anderer ist, damit die Unternehmen interkontinental mehr Geld herausholen können. Auf das Manipulieren des DVD-Spielers hatte ich keine Lust. Den Film über Computer oder Beamer zu schauen, war mir zu unbequem. Da wird die Wiederholung im heimischen Wohnzimmer auf lange Winterabende warten müssen.
Labels:
Alishan (阿里山),
Filme,
Seediq Bale,
Siding (隙頂),
Taiwan,
Taiwan 2013 im März
Sonntag, 18. August 2013
Überraschung im Jahr des Drachen
Heiner Müller globalisiert oder was ist los in Vietnam?
2012 war nach den chinesischen Tierkreis das Jahr des Drachen. Das „Jahr des Drachen“ ist aber auch ein Film, der – keine Überraschung – im Jahr des Drachen, also 2012 spielt, und gestern im WDR-Fernsehen in Wiederholung ausgestrahlt wurde.
Nachdem mir meine Mutter am Telefon mitgeteilt, das sie den deutschen Film mit asiatischen Hintergrund gerade sieht, war auch mein Interesse geweckt. Statt des Filmdramas habe ich mir mit besten Ehefrau von allen dann doch lieber Til Schweigers lustigere Komödie „Zweiohrküken“ auf DVD angesehen, was unsere Stimmungslage besser traf. Das „Jahr des Drachen“ wurde parallel aufgezeichnet und heute morgen zu Ende geguckt.
Die Geschichte ist recht einfach und klingt bekannt. Gestandener deutscher Geschäftsmann trifft jüngere hübsche Asiatin. Dazu schreibt der Sender:
Thomas Eichner, gespielt von Klaus J. Behrendt, soll er für sein Unternehmen in Saigon verhandeln. Fernab von seiner Heimat, dem Konflikt mit seinem Sohn, der seit Jahren quälenden Sorge um seine krebskranke Frau und seinem drohenden 50. Geburtstag lernt er die Vietnamesin Huong kennen: „Sie ist hinreißend. Sie ist jung. Sie ist das Leben.“
Zu seinen schwersten Sorgen zählt sicher der drohende 50. Geburtstag, was der im Jahr des Drachen geborene Verfasser dieses Blogs aus persönlichen Gründen absolut nachvollziehen kann. Die Monate bis dahin sind fast an einer Hand abzählbar. Was bedeuten da Ehefrau und Sohn?
Vorsicht bei drohenden 50. Geburtstagen! In dem verflixten Lebensjahr können neue exotische Reize alte Beziehungen aus dem Gleichgewicht bringen.
Das Treffen mit Huong war von den vietnamesischen Geschäftspartnern arrangiert und bezahlt. Trotzdem – so wie es kommen muss – verlieben sich die beiden. Der Konflikt zwischen Familie und neuer Liebe wird im Film nicht gelöst. Nach etwa 90 Minuten sorgt ein Verkehrsunfall für den Tod von Huong, die in Vietnam ihre kleine Tochter und Mutter hinterlässt, welche ebenfalls einer teuren medizinischen Behandlung bedurfte.
Huong wird von Nina Liu dargestellt, einer australischen Schauspielerin mit chinesischen Wurzeln, die in Berlin lebt. Das ist Globalisierung, sagt meine Frau, hätte es denn keine passende vietnamesische Schauspielerin gegeben, wo doch so viele Vietnamesen in Deutschland leben? Muss es ihr als Australierin nicht geschmerzt haben, Dialoge in vorgetäuschten gebrochenen Englisch von sich zu geben?
So als Huong Thomas hinweist, dass er nur 2.000 US-$ statt der erwarteten 5.000 an den Onkel für die medizinische Behandlung ihrer Mutter online nach Vietnam überweist. Darauf Thomas: „I´m not a cash machine.“ Huong: „No love me.“
Wie passend schreibt die TAZ, dass das „Jahr des Drachen“ auf unbedarfte Weise eher klischeehaft wirkt, aber – so verstehe ich den Artikel – wohl noch nicht rassistisch.
Warum werden eigentlich keine Lösungen außerhalb der bürgerlichen Gedanken- und Normenwelt, etwa als Ménage à trois im Sinne Heiner Müllers, wie er sie Film „Keine Hand wäscht die andere“ aufzeigt. Die Sonne und Farbigkeit Südostasiens hätten Thomas Eichners Frau zur Genesung ebenso gut getan. Übrigens kommt auch im Film „Keine Hand wäscht die andere“ die Hauptdarstellerin durch einen Verkehrsunfall ums Leben.
Der Film „Jahr des Drachen“ wäre in diesem Blog kaum erwähnt worden, hätte er nicht zum Ende noch einen spannenden Moment und eine Überraschung geboten. Bei der Beerdigung von Huong in Vietnam wird ein berühmtes taiwanisches Lied, nämlich 高山青 („Grüne hohe Berge“), auch bekannt unter 阿里山的姑娘 („Mädchen von Alishan“), gespielt - so ungefähr im Stil einer malaysischen Militärkapelle.
Überhaupt kein Grund zur Trauer in Taiwan, wenn die schönen Mädchen von Alishan die hohen grünen Berge besingen.
Aber wie wurde das berühmte Volkslied zur Beerdigungsmusik in Vietnam? Oder haben die deutschen Filmemacher lediglich verschiedene Aufnahmeszene aus Saigon ohne Zusammenhang und tieferes Nachdenken zusammengeschnitten? Wir sollten beim nächsten Besuch des neu eröffneten Sushi-Restaurants „Anh & Em“ den freundlichen Wirt, der vietnamesische Vorfahren hat, fragen.
Einfahrt zu einem freundlichen und angenehmen Gästehaus in Osttaiwan. Zwischenmenschliche Beziehungen und Hochzeiten gibt es nicht nur zwischen Deutschland und Vietnam sondern auch zwischen Taiwanern und Vietnamesen. Hier kommt die Chefin aus Vietnam und serviert leckere Nudelsuppen nach Rezepten aus der alten Heimat zum Frühstück.
2012 war nach den chinesischen Tierkreis das Jahr des Drachen. Das „Jahr des Drachen“ ist aber auch ein Film, der – keine Überraschung – im Jahr des Drachen, also 2012 spielt, und gestern im WDR-Fernsehen in Wiederholung ausgestrahlt wurde.
Nachdem mir meine Mutter am Telefon mitgeteilt, das sie den deutschen Film mit asiatischen Hintergrund gerade sieht, war auch mein Interesse geweckt. Statt des Filmdramas habe ich mir mit besten Ehefrau von allen dann doch lieber Til Schweigers lustigere Komödie „Zweiohrküken“ auf DVD angesehen, was unsere Stimmungslage besser traf. Das „Jahr des Drachen“ wurde parallel aufgezeichnet und heute morgen zu Ende geguckt.
Die Geschichte ist recht einfach und klingt bekannt. Gestandener deutscher Geschäftsmann trifft jüngere hübsche Asiatin. Dazu schreibt der Sender:
Thomas Eichner, gespielt von Klaus J. Behrendt, soll er für sein Unternehmen in Saigon verhandeln. Fernab von seiner Heimat, dem Konflikt mit seinem Sohn, der seit Jahren quälenden Sorge um seine krebskranke Frau und seinem drohenden 50. Geburtstag lernt er die Vietnamesin Huong kennen: „Sie ist hinreißend. Sie ist jung. Sie ist das Leben.“
Zu seinen schwersten Sorgen zählt sicher der drohende 50. Geburtstag, was der im Jahr des Drachen geborene Verfasser dieses Blogs aus persönlichen Gründen absolut nachvollziehen kann. Die Monate bis dahin sind fast an einer Hand abzählbar. Was bedeuten da Ehefrau und Sohn?
Vorsicht bei drohenden 50. Geburtstagen! In dem verflixten Lebensjahr können neue exotische Reize alte Beziehungen aus dem Gleichgewicht bringen.
Das Treffen mit Huong war von den vietnamesischen Geschäftspartnern arrangiert und bezahlt. Trotzdem – so wie es kommen muss – verlieben sich die beiden. Der Konflikt zwischen Familie und neuer Liebe wird im Film nicht gelöst. Nach etwa 90 Minuten sorgt ein Verkehrsunfall für den Tod von Huong, die in Vietnam ihre kleine Tochter und Mutter hinterlässt, welche ebenfalls einer teuren medizinischen Behandlung bedurfte.
Huong wird von Nina Liu dargestellt, einer australischen Schauspielerin mit chinesischen Wurzeln, die in Berlin lebt. Das ist Globalisierung, sagt meine Frau, hätte es denn keine passende vietnamesische Schauspielerin gegeben, wo doch so viele Vietnamesen in Deutschland leben? Muss es ihr als Australierin nicht geschmerzt haben, Dialoge in vorgetäuschten gebrochenen Englisch von sich zu geben?
So als Huong Thomas hinweist, dass er nur 2.000 US-$ statt der erwarteten 5.000 an den Onkel für die medizinische Behandlung ihrer Mutter online nach Vietnam überweist. Darauf Thomas: „I´m not a cash machine.“ Huong: „No love me.“
Wie passend schreibt die TAZ, dass das „Jahr des Drachen“ auf unbedarfte Weise eher klischeehaft wirkt, aber – so verstehe ich den Artikel – wohl noch nicht rassistisch.
Warum werden eigentlich keine Lösungen außerhalb der bürgerlichen Gedanken- und Normenwelt, etwa als Ménage à trois im Sinne Heiner Müllers, wie er sie Film „Keine Hand wäscht die andere“ aufzeigt. Die Sonne und Farbigkeit Südostasiens hätten Thomas Eichners Frau zur Genesung ebenso gut getan. Übrigens kommt auch im Film „Keine Hand wäscht die andere“ die Hauptdarstellerin durch einen Verkehrsunfall ums Leben.
Der Film „Jahr des Drachen“ wäre in diesem Blog kaum erwähnt worden, hätte er nicht zum Ende noch einen spannenden Moment und eine Überraschung geboten. Bei der Beerdigung von Huong in Vietnam wird ein berühmtes taiwanisches Lied, nämlich 高山青 („Grüne hohe Berge“), auch bekannt unter 阿里山的姑娘 („Mädchen von Alishan“), gespielt - so ungefähr im Stil einer malaysischen Militärkapelle.
Überhaupt kein Grund zur Trauer in Taiwan, wenn die schönen Mädchen von Alishan die hohen grünen Berge besingen.
Aber wie wurde das berühmte Volkslied zur Beerdigungsmusik in Vietnam? Oder haben die deutschen Filmemacher lediglich verschiedene Aufnahmeszene aus Saigon ohne Zusammenhang und tieferes Nachdenken zusammengeschnitten? Wir sollten beim nächsten Besuch des neu eröffneten Sushi-Restaurants „Anh & Em“ den freundlichen Wirt, der vietnamesische Vorfahren hat, fragen.
Einfahrt zu einem freundlichen und angenehmen Gästehaus in Osttaiwan. Zwischenmenschliche Beziehungen und Hochzeiten gibt es nicht nur zwischen Deutschland und Vietnam sondern auch zwischen Taiwanern und Vietnamesen. Hier kommt die Chefin aus Vietnam und serviert leckere Nudelsuppen nach Rezepten aus der alten Heimat zum Frühstück.
Labels:
Alishan,
Deutschland,
Filme,
Jahr des Drachen,
Keine Hand wäscht die andere,
Taiwan,
Vietnam
Montag, 22. Juli 2013
Chishan (旗山) - Noch mehr Zucker, noch ein Bahnhof
Eigentlich hat MKL schon fast alles über Chishan (旗山) geschrieben. Leider habe ich den Artikel erst jetzt gelesen und so haben wir im März 2013 Giya Bingshia (枝仔冰城) verpasst.
Dennoch gab es genug Alternativen in der alten Hauptstraße und Giya Bingshia hat mittlerweile auch verschiedene Filialen außerhalb dieses Distrikts von Kaohsiung.
Statt Eis am Nachmittag gab es stinkenden Tofu, laut Werbung probiert und getestet von lokalen und regionalen Berühmtheiten – Ich gestehe, es war mein erster „Stinky Tofu“ nach mehr als 12 Jahren Taiwan.
Neueinsteiger in die Esskultur Taiwans sollten sich vom Gestank des fermentierten Tofu bei der Zubereitung nicht abschrecken lassen. Er schmeckt wirklich sehr gut und stinkt auch nicht beim Essen.
Das eigentliche Attraktion für den „Eisenbahn-Aficionado“ war natürlich das Bahnhofsgebäude Chishan der Qiwei-Eisenbahnlinie am Ende der alten Straße. Die japanische Architektur vor dem Zweiten Weltkrieg, so wie sie sich hier aus der Kolonialzeit Taiwans zeigt, ist laut Wikipedia unter Giyōfū-Architektur (擬洋風建築, -kenchiku) oder pseudo-westliche Architektur bekannt. Sie lässt in Chihshan vor allem Elemente des englischen Tudor-Stils erkennen.
Voll zu bewundern ist das Gebäude als fast perfektes 3D-Modell in Google Earth (22°53'04.80" N 120°28'55.19" O). Die Bananenstauden vor den Bahnhof haben Bedeutung: Chihshan galt in Taiwan als Königreich der Bananen.
Am 20. August 1910 begann der Eisenbahnverkehr für die Takasago Zuckergesellschaft (高砂製糖株式會社) in Chishan, um die landwirtschaftlichen Produkte der Region, wie Zuckerrohr, Süßkartoffeln und Bananen, zu transportieren und die Zuckerfabrik in Qiwei (旗尾) anzuschließen.
Das Gebiet um Chihshan und Meinong wird von Hügeln und Bergen schön umrahmt. Nach Süden und Pingtung öffnet es sich mit dem Lauf des Kaoping-Flusses. Bewohnt wird das Gebiet überwiegend von Hakka, einer Volksgruppe die später zugewandert ist, und sich deshalb zwischen der bereits von Han-Chinesen besiedelten Ebene und den Bergen, in die sich die Ureinwohner zurückzogen haben, niederlassen musste. Die Hakka haben ihre eigene Sprache und Kultur mitgebracht. Es ist fast so, als wären die Bayern wie die Sinti und Roma nach Mitteleuropa gekommen und hätten sich im Voralpenland niedergelassen.
Nach dem Bau der Autobahn 10 von Kaohsiung nach Meinong löst sich das ehemals geschlossene Siedlungsgebiet der Hakka auf. Der schnelle Weg in das Herz der Großstadt und günstigere Baulandpreise führen zu größerer Mobilität und veranlassen viele, egal ob Hakka oder nicht, sich dort niederzulassen oder wegzuziehen. Damit geht nicht nur der Gebrauch der eigenen Sprache der Hakka, sondern auch ihre althergebrachte Kultur zurück.
An der Gleisseite fuhren früher die Züge nach Jiuqutang (九曲堂), wo in die Hauptbahn zwischen Pingtung und Kaohsiung umgestiegen werden konnte. In der Gegenrichtung nach Osten ging es für Güter noch zur Zuckerfabrik und weiteren Orten, wie Meinong.
Der Ausschnitt des alten Stadtplans zeigt im Bahnhof Chihshan immerhin vier durchgehende Gleise und ein Gütergleis westlich vom Empfangsgebäude. Offenbar sind auf der südlichen Seite weitere Abstellgleise und ein zweigleisiger Lokschuppen.
Östlichen vor dem Bahnhofsgebäude zweigt die etwa 16 km lange Strecke in Richtung Xīnzhuāng (新庄) ab und kreuzt den kleinen Bahnhofsvorplatz nach Norden.
Zur besseren Orientierung finden sich bei Su Yi-Chao (蘇奕肇) einige alte Karten mit dem Netz und der Lage der Zuckereisenbahnen im Jahr 1978. Für 2006 ist um Chihshan und Pingtung nur noch die abgebaute Strecke eingezeichnet.
Seit 1979 ist der gesamte Betrieb eingestellt. Einige Jahre später wurden alle Gleise entfernt. Das Gebäude verfiel. Im Jahr 2005 wurde der Bahnhof als historisch bedeutsames Gebäude für damaligen Landkreis Kaohsiung eingestuft. 2009 waren die Reparaturarbeiten zum dauerhaften Erhalt abgeschlossen.
Das Gebäude wird heute unter anderem dafür genutzt, Chishan als ein in Taiwan bekanntes Anbaugebiet für Bananen touristisch zu vermarkten. Drinnen können zum Beispiel leckere Bananenchips erworben werden. Es dient ansonsten als kleine Ausstellungshalle und gibt Gelegenheit zur Rast am Ende der quirligen Gastronomie- und Einkaufszone im Ortszentrum.
Reste der geschlossenen Zuckerfabrik in Qiwei auf der gegenüberliegenden Flussseite - Auch ohne Giya Bingshia gab es Eiscreme, nämlich in der Verkaufshalle der Zuckergesellschaft TSC auf dem früheren Werksgelände.
Neben der Verkaufshalle, dem schicken Hua Xing Motel (旗山花鄉汽車旅館, mit Hello-Kitty-Zimmer, dazu ein anderes Mal mehr), gab es noch ein paar Eisenbahnrelikte, wie die alte Dampflok 354, gebaut 1948 von Tubize in Belgien, die wohl ursprünglich in Nanzhou (州糖) im Einsatz war.
Dennoch gab es genug Alternativen in der alten Hauptstraße und Giya Bingshia hat mittlerweile auch verschiedene Filialen außerhalb dieses Distrikts von Kaohsiung.
Statt Eis am Nachmittag gab es stinkenden Tofu, laut Werbung probiert und getestet von lokalen und regionalen Berühmtheiten – Ich gestehe, es war mein erster „Stinky Tofu“ nach mehr als 12 Jahren Taiwan.
Neueinsteiger in die Esskultur Taiwans sollten sich vom Gestank des fermentierten Tofu bei der Zubereitung nicht abschrecken lassen. Er schmeckt wirklich sehr gut und stinkt auch nicht beim Essen.
Das eigentliche Attraktion für den „Eisenbahn-Aficionado“ war natürlich das Bahnhofsgebäude Chishan der Qiwei-Eisenbahnlinie am Ende der alten Straße. Die japanische Architektur vor dem Zweiten Weltkrieg, so wie sie sich hier aus der Kolonialzeit Taiwans zeigt, ist laut Wikipedia unter Giyōfū-Architektur (擬洋風建築, -kenchiku) oder pseudo-westliche Architektur bekannt. Sie lässt in Chihshan vor allem Elemente des englischen Tudor-Stils erkennen.
Voll zu bewundern ist das Gebäude als fast perfektes 3D-Modell in Google Earth (22°53'04.80" N 120°28'55.19" O). Die Bananenstauden vor den Bahnhof haben Bedeutung: Chihshan galt in Taiwan als Königreich der Bananen.
Am 20. August 1910 begann der Eisenbahnverkehr für die Takasago Zuckergesellschaft (高砂製糖株式會社) in Chishan, um die landwirtschaftlichen Produkte der Region, wie Zuckerrohr, Süßkartoffeln und Bananen, zu transportieren und die Zuckerfabrik in Qiwei (旗尾) anzuschließen.
Das Gebiet um Chihshan und Meinong wird von Hügeln und Bergen schön umrahmt. Nach Süden und Pingtung öffnet es sich mit dem Lauf des Kaoping-Flusses. Bewohnt wird das Gebiet überwiegend von Hakka, einer Volksgruppe die später zugewandert ist, und sich deshalb zwischen der bereits von Han-Chinesen besiedelten Ebene und den Bergen, in die sich die Ureinwohner zurückzogen haben, niederlassen musste. Die Hakka haben ihre eigene Sprache und Kultur mitgebracht. Es ist fast so, als wären die Bayern wie die Sinti und Roma nach Mitteleuropa gekommen und hätten sich im Voralpenland niedergelassen.
Nach dem Bau der Autobahn 10 von Kaohsiung nach Meinong löst sich das ehemals geschlossene Siedlungsgebiet der Hakka auf. Der schnelle Weg in das Herz der Großstadt und günstigere Baulandpreise führen zu größerer Mobilität und veranlassen viele, egal ob Hakka oder nicht, sich dort niederzulassen oder wegzuziehen. Damit geht nicht nur der Gebrauch der eigenen Sprache der Hakka, sondern auch ihre althergebrachte Kultur zurück.
An der Gleisseite fuhren früher die Züge nach Jiuqutang (九曲堂), wo in die Hauptbahn zwischen Pingtung und Kaohsiung umgestiegen werden konnte. In der Gegenrichtung nach Osten ging es für Güter noch zur Zuckerfabrik und weiteren Orten, wie Meinong.
Der Ausschnitt des alten Stadtplans zeigt im Bahnhof Chihshan immerhin vier durchgehende Gleise und ein Gütergleis westlich vom Empfangsgebäude. Offenbar sind auf der südlichen Seite weitere Abstellgleise und ein zweigleisiger Lokschuppen.
Östlichen vor dem Bahnhofsgebäude zweigt die etwa 16 km lange Strecke in Richtung Xīnzhuāng (新庄) ab und kreuzt den kleinen Bahnhofsvorplatz nach Norden.
Zur besseren Orientierung finden sich bei Su Yi-Chao (蘇奕肇) einige alte Karten mit dem Netz und der Lage der Zuckereisenbahnen im Jahr 1978. Für 2006 ist um Chihshan und Pingtung nur noch die abgebaute Strecke eingezeichnet.
Seit 1979 ist der gesamte Betrieb eingestellt. Einige Jahre später wurden alle Gleise entfernt. Das Gebäude verfiel. Im Jahr 2005 wurde der Bahnhof als historisch bedeutsames Gebäude für damaligen Landkreis Kaohsiung eingestuft. 2009 waren die Reparaturarbeiten zum dauerhaften Erhalt abgeschlossen.
Das Gebäude wird heute unter anderem dafür genutzt, Chishan als ein in Taiwan bekanntes Anbaugebiet für Bananen touristisch zu vermarkten. Drinnen können zum Beispiel leckere Bananenchips erworben werden. Es dient ansonsten als kleine Ausstellungshalle und gibt Gelegenheit zur Rast am Ende der quirligen Gastronomie- und Einkaufszone im Ortszentrum.
Reste der geschlossenen Zuckerfabrik in Qiwei auf der gegenüberliegenden Flussseite - Auch ohne Giya Bingshia gab es Eiscreme, nämlich in der Verkaufshalle der Zuckergesellschaft TSC auf dem früheren Werksgelände.
Neben der Verkaufshalle, dem schicken Hua Xing Motel (旗山花鄉汽車旅館, mit Hello-Kitty-Zimmer, dazu ein anderes Mal mehr), gab es noch ein paar Eisenbahnrelikte, wie die alte Dampflok 354, gebaut 1948 von Tubize in Belgien, die wohl ursprünglich in Nanzhou (州糖) im Einsatz war.
Freitag, 12. Juli 2013
Chinesisches Frühstück in Bayern
Apartheid am Morgen?
Laut Spiegel-Online soll ein bayerisches Hotel die anderen Gäste auf die in der Frühstückszeit bis 7.30 Uhr erwarteten Chinesen und ihre Tischsitten hinweisen. Wer fremdartigen Verhalten entgehen will, kommt besser später.
Bayerisches Frühstück taiwanischer Selektion – Ohne unangenehm aufzufallen genossen wir im vergangenen Herbst unserer Frühstück trotz einer Staatsangehörigkeit der Republik China.
Meine Frau wies mich auf den Artikel und die darunter folgenden klassisch deutschen und amüsanten Kommentare hin, die von Fremdschämen und Rassismus bis zur Empörung über die fehlende Integrationswilligkeit der ausländischen Reisenden variieren.
Wellness-Frühstück bei Lao Wu – Unter den Hotelgästen erschien beim Frühstück nur das Paar vom chinesischen Festland förmlicher mit Krawatte und Kleid. Ich kann versichern, dass das Benehmen sämtlicher Gäste auch für die bayerischen Frühstückszeiten nach 8 Uhr angemessen war. Nur mit einem Kegelklub aus Hintermoching auf versehentlicher Alternativreise zu El Arenal, hätte ich den Frühstücksraum ungerne geteilt.
Wie empörend das Verhalten integrationsfeindlicher Touristen sein kann, hatte ich bereits im heiligen Land bei einer Rundreise vor mehr als einem Jahrzehnt erlebt. „Kein Problem, westliche Frauen können ohne Kopftuch in den Felsendom“, sagte der Reiseführer. Hätten wir sie nur nicht herein gelassen! Keifende Pilgerinnen aus dem moslemischen Hinterland gingen aus sie los und riefen zum Dschihad auf.
„Im Ramadan darf tagsüber nicht gegessen, getrunken, getanzt und nicht gelogen werden“, sagt der lokale „Guide“ arabischer Herkunft auf dem Plateau des Tempelbergs zur Reisegruppe. „Wie lustig“, kicherte eine Reiseteilnehmerin, „nur tagsüber nicht lügen...“ Buff, gingen die klappen bei dem älteren Herrn runter, der zuvor so entspannt wirkte: „Wenn sie unsere Religion nicht akzeptieren, dann....“ und so endeten sein Vortrag und die Führung abrupt.
Vielleicht hätte ein Absatz im Vertrag zwischen lokalem Führer und Reiseveranstalter geholfen, dass Kichern und abartiger Humor bei christlich geprägten Ausländern vorkommen können, ohne dass diese die Absicht haben, den Islam und seine Gläubigen zu beleidigen oder ihnen despektierlich gegenüberzutreten. So hätten Missverständnisse zumindest in diesem Fall vermieden werden können.
Oder umgekehrt, wie am Felsendom, wo einige Jahre später offenbar deutlich stärker stärker durchgegriffen wird und Touristinnen, überspitzt bis zu den Haarspitzen in Bettlaken gehüllt werden.
Haare zeigen ist auch in Taiwan verpönt. Dezent freundlich weist der Bademeister die beste Ehefrau von allen darauf hin, dass der Ausländer mit schütterem Haar eine Kappe braucht. Das gab es seit meinem Schwimmunterricht in der Grundschule nicht mehr!
Vielleicht lässt sich hiermit die Invasion von Touristen aus China bändigen, ohne zum Frühstück in die Apartheid zu verfallen: “请勿 打饱嗝“ Einfach ausdrucken und auf die Tür zum Frühstücksraum kleben!
Laut Spiegel-Online soll ein bayerisches Hotel die anderen Gäste auf die in der Frühstückszeit bis 7.30 Uhr erwarteten Chinesen und ihre Tischsitten hinweisen. Wer fremdartigen Verhalten entgehen will, kommt besser später.
Bayerisches Frühstück taiwanischer Selektion – Ohne unangenehm aufzufallen genossen wir im vergangenen Herbst unserer Frühstück trotz einer Staatsangehörigkeit der Republik China.
Meine Frau wies mich auf den Artikel und die darunter folgenden klassisch deutschen und amüsanten Kommentare hin, die von Fremdschämen und Rassismus bis zur Empörung über die fehlende Integrationswilligkeit der ausländischen Reisenden variieren.
Wellness-Frühstück bei Lao Wu – Unter den Hotelgästen erschien beim Frühstück nur das Paar vom chinesischen Festland förmlicher mit Krawatte und Kleid. Ich kann versichern, dass das Benehmen sämtlicher Gäste auch für die bayerischen Frühstückszeiten nach 8 Uhr angemessen war. Nur mit einem Kegelklub aus Hintermoching auf versehentlicher Alternativreise zu El Arenal, hätte ich den Frühstücksraum ungerne geteilt.
Wie empörend das Verhalten integrationsfeindlicher Touristen sein kann, hatte ich bereits im heiligen Land bei einer Rundreise vor mehr als einem Jahrzehnt erlebt. „Kein Problem, westliche Frauen können ohne Kopftuch in den Felsendom“, sagte der Reiseführer. Hätten wir sie nur nicht herein gelassen! Keifende Pilgerinnen aus dem moslemischen Hinterland gingen aus sie los und riefen zum Dschihad auf.
„Im Ramadan darf tagsüber nicht gegessen, getrunken, getanzt und nicht gelogen werden“, sagt der lokale „Guide“ arabischer Herkunft auf dem Plateau des Tempelbergs zur Reisegruppe. „Wie lustig“, kicherte eine Reiseteilnehmerin, „nur tagsüber nicht lügen...“ Buff, gingen die klappen bei dem älteren Herrn runter, der zuvor so entspannt wirkte: „Wenn sie unsere Religion nicht akzeptieren, dann....“ und so endeten sein Vortrag und die Führung abrupt.
Vielleicht hätte ein Absatz im Vertrag zwischen lokalem Führer und Reiseveranstalter geholfen, dass Kichern und abartiger Humor bei christlich geprägten Ausländern vorkommen können, ohne dass diese die Absicht haben, den Islam und seine Gläubigen zu beleidigen oder ihnen despektierlich gegenüberzutreten. So hätten Missverständnisse zumindest in diesem Fall vermieden werden können.
Oder umgekehrt, wie am Felsendom, wo einige Jahre später offenbar deutlich stärker stärker durchgegriffen wird und Touristinnen, überspitzt bis zu den Haarspitzen in Bettlaken gehüllt werden.
Haare zeigen ist auch in Taiwan verpönt. Dezent freundlich weist der Bademeister die beste Ehefrau von allen darauf hin, dass der Ausländer mit schütterem Haar eine Kappe braucht. Das gab es seit meinem Schwimmunterricht in der Grundschule nicht mehr!
Vielleicht lässt sich hiermit die Invasion von Touristen aus China bändigen, ohne zum Frühstück in die Apartheid zu verfallen: “请勿 打饱嗝“ Einfach ausdrucken und auf die Tür zum Frühstücksraum kleben!
Abonnieren
Posts (Atom)





















