Variationen
Das wird nichts mehr mit dieser Menschheit. Luo You lässt resigniert den Kopf sinken.
Ist noch etwas zu retten, wenn eine geborene Herzogin von Oldenburg und andere merkwürdige Menschen in das Europaparlament einziehen? Übrigens, warum sollte es europafeindlich sein, wenn Frau von Storch statt Herrn van Rompuy sagt, dass der Unterschied zwischen dem Europaparlament und denen,die wirklich entscheiden, den Bürgern sehr klar ist? Für mich ist die Frage, was will die Frau im Europaparlament, wenn es dort nichts wirklich zu entscheiden gibt? Ob das Salär und die Chance, mehr Mitarbeiter zur Durchsetzung der eigenen Ziele zu beschäftigen, eine Rolle spielen?
Und wer entscheidet wirklich in unserem demokratischen System? An dieser Stelle wird es sicherlich unterschiedliche Auffassungen geben zwischen Herrn van Rompuy, den Vertretern der Volkspartei AfD und meiner Person.
Bei all der Resignation kommt wieder ein wenig kindliche Freude auf, wenn das, was uns zur Durchsetzung ganz privater Interessen beeinflussen will, kreativ verfremdet und anarchisch zerstört wird.
Bevor alle Plakatträger verschwunden sind, sollten einige interessante Ideen hier einen Wiederhall finden. Irgendwo im Ruhrgebiet warben noch am vergangenen Donnerstag Frau Merkel und Herr Schulz für ihre Vereinigungen.
Frau Merkel gab es schon einmal anders. Mit Stolz auf ihr Reich Europa und Hitlerbärtchen präsentierte sie sich – hier im Blog digital nachgestellt - an einer Autobahnauffahrt in der Nähe des Düsseldorfer Flughafens. Die kleinen Veränderungen erinnern an griechische Vorbilder zur Darstellung der deutschen Kanzlerin.
Bei Herrn Schulz weiten sich angesichts dieser europäischen Perspektiven nur bunt die Pupillen. Das Vorbild dazu stand am Düsseldorfer Hauptbahnhof.
Treffender hinsichtlich der politischen und ökonomischen Ausrichtung von Frau Merkel und der CDU ist sicherlich das „Einsam reich in Europa‟.
Was sich alles so im Briefkasten ansammelt! Eine coole Gesichtstätowierung aus dem Film der „Hangover 2‟, den ich vergangene Woche gerne wieder gesehen habe, im Stil von Mike Tyson könnte dem einen oder anderen Kandidaten wirklich gut stehen und ihn unvergesslich machen.
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Samstag, 31. Mai 2014
Sonntag, 25. Mai 2014
Die ultimative Wahlempfehung
Jetzt ins Wahllokal gehen!
Noch haben die Wahllokale einige Stunden in Deutschland geöffnet. Deshalb macht Luo Yous ultimative Wahlempfehlung für die Unentschlossenen durchaus noch Sinn.
Wer das Spielmodell des letzten Beitrags in diesem Blog nicht zu ganz erfasst hat, folgt hier der Klartext.
Die Hauptthese ist, dass alle etablierten Parteien der verlängerte Arm privater, wirtschaftlicher Interessen einzelner Menschen sind. Folglich ist es besser, sich für neue oder unbekanntere politische Gliederungen zu entscheiden, die in dieser Weise noch nicht vereinnahmt sind. Natürlich sind die Gruppen abzulehnen, die menschenverachtenden Ideologien folgen, Mitmenschen ausstoßen oder die offen und rücksichtslos den eigenen Reichtum zu Lasten Anderer weiter mehren wollen. Die rechts auf der politischen Bühne stehen, sind ohnehin draußen.
Taipeis Metro in Tamsui (淡水區) – Wer die Entscheidung trifft, ein solches Verkehrssystem aufzubauen, verteilt Milliarden. Das Volk, das zahlt und die Auswirkungen spüren wird, lässt sich bei solchen Entscheidungen vertreten. In Deutschland macht das die Gemeindevertretung oder der Stadtrat (mit Hobby-Politikern). Den Menschen und Wählern sind gewöhnlich Dinge in ihrem Umfeld wichtiger - vielleicht abgesehen von Stuttgart 21 -, zum Beispiel einen Job zu haben, saubere Parkanlagen oder Sicherheit. Bisher galt die Metro in Taipei als extrem sicher. Die Messerattacke eines 21-Jährigen in der U-Bahn mit 4 Toten und mehr als 20 Verletzten führt jetzt zu Diskussionen. Es ist kaum zu erwarten, das dieser Amoklauf dazu führt, jungen Menschen in Asien oder anderswo mehr soziale Aufmerksamkeit und Freiräume geben wird. Vielmehr wird es wieder als Preis dieser Gesellschaftsordnung akzeptiert und vergessen werden, dass Menschen dann und wann ausrasten und unwiederbringliches Unglück über unbeteiligte Mitmenschen und Nachbarn bringen.
Bei der Wahlentscheidung in Deutschland fragt sich der so beratene Wähler natürlich, ob da überhaupt noch eine Partei auf den Listen übrig bleibt. Die Entscheidung für eine kleinere Partei und deren politische Stärkung schafft immerhin eine Verunsicherung im System und zeigt, dass das Wahlvolk mehr ist als eine Stimmmaschine, eine Funktion (Input) = Output. Nur so kann die enge Vernetzung zwischen Wirtschaftsinteressen und politischer Macht in Frage gestellt werden.
Gerade der jetzige Kommunalwahlkampf war zur Farce verkommen. Die Spielmodell hat aufgezeigt, dass der Bürgermeister trotz Direktwahl in Nordrhein-Westfalen von den Mehrheiten im Rat abhängt. Den Bürgern wird suggeriert, dass sie eine wichtige Person wählen, das das Volk selber Macht entfalten kann. Aber es ist nur ein „Grüß-August‟, dessen Abbild in vielen Städten an Laternen und Bäumen mit Plastikbändern angeclipst ist.
Auch hier empfiehlt sich, den Kandidaten der kleinsten Partei oder einen wirklich Unabhängigen zu wählen, um auch hier die Absurditäten des politischen Systems herauszukehren und wirkliche Reformen zu erreichen. Die Stärkung der Fachebene in den Verwaltungen tut noch und genauso fehlt mehr direkte Demokratie in den örtlichen Gemeinschaften. Nur so kann der politischen Cliquenwirtschaft entgegen gesteuert werden.
Dies setzt unter anderem voraus, Wahlentscheidungen einfacher und kostengünstiger ermöglichen. Solange dies alles mit viel Papier und Personal bewältigt werden muss, ist direkte Demokratie ein mühseliger Prozess. Aber warum sollte die etablierte Klasse, die von der indirekten Demokratie profitiert, dies ändern wollen, Wahlautomaten einführen, elektronische Wege installieren oder die Zahl und Höhe der Hürden zur aktiven Teilnahme am politischen Leben verringern? Kein Wunder, dass es die meisten - oder fast alle (?) - Stadträte abgelehnt haben, ihre öffentlichen Sitzungen per Webcam ins Internet zu übertragen.
Wer politisch auf lokaler Ebene aktiv werden will, braucht viel Zeit und Unterstützung. Die Unterstützung kommt von den Altvorderen in den Parteien, die wissen wie es läuft, und indirekt kommt die Unterstützung in Form von Parteispenden wieder aus der Nähe zu ökonomisch Starken. Bis zu einem gewissen Grad, nämlich dort, wo an der Legalität des System zu zweifeln ist, kommt dem ganzen die wachsende Politikverdrossenheit durchaus entgegen. Wir dürfen gespannt sein, wie gering die Wahlbeteiligung diesmal bei der Europa- und Kommunalwahl sein wird.
Bürger glaubt nicht, es geht darum, marode Schultoiletten zu sanieren oder einige von euch ein paar Jahre früher in die Rente gehen zu lassen! Es geht viel mehr darum, die Milliarden an Steuergeldern, die von euch gezahlt werden, in Aufträge für die „richtigen‟ Auftragnehmer umzusetzen.
Noch haben die Wahllokale einige Stunden in Deutschland geöffnet. Deshalb macht Luo Yous ultimative Wahlempfehlung für die Unentschlossenen durchaus noch Sinn.
Wer das Spielmodell des letzten Beitrags in diesem Blog nicht zu ganz erfasst hat, folgt hier der Klartext.
Die Hauptthese ist, dass alle etablierten Parteien der verlängerte Arm privater, wirtschaftlicher Interessen einzelner Menschen sind. Folglich ist es besser, sich für neue oder unbekanntere politische Gliederungen zu entscheiden, die in dieser Weise noch nicht vereinnahmt sind. Natürlich sind die Gruppen abzulehnen, die menschenverachtenden Ideologien folgen, Mitmenschen ausstoßen oder die offen und rücksichtslos den eigenen Reichtum zu Lasten Anderer weiter mehren wollen. Die rechts auf der politischen Bühne stehen, sind ohnehin draußen.
Taipeis Metro in Tamsui (淡水區) – Wer die Entscheidung trifft, ein solches Verkehrssystem aufzubauen, verteilt Milliarden. Das Volk, das zahlt und die Auswirkungen spüren wird, lässt sich bei solchen Entscheidungen vertreten. In Deutschland macht das die Gemeindevertretung oder der Stadtrat (mit Hobby-Politikern). Den Menschen und Wählern sind gewöhnlich Dinge in ihrem Umfeld wichtiger - vielleicht abgesehen von Stuttgart 21 -, zum Beispiel einen Job zu haben, saubere Parkanlagen oder Sicherheit. Bisher galt die Metro in Taipei als extrem sicher. Die Messerattacke eines 21-Jährigen in der U-Bahn mit 4 Toten und mehr als 20 Verletzten führt jetzt zu Diskussionen. Es ist kaum zu erwarten, das dieser Amoklauf dazu führt, jungen Menschen in Asien oder anderswo mehr soziale Aufmerksamkeit und Freiräume geben wird. Vielmehr wird es wieder als Preis dieser Gesellschaftsordnung akzeptiert und vergessen werden, dass Menschen dann und wann ausrasten und unwiederbringliches Unglück über unbeteiligte Mitmenschen und Nachbarn bringen.
Bei der Wahlentscheidung in Deutschland fragt sich der so beratene Wähler natürlich, ob da überhaupt noch eine Partei auf den Listen übrig bleibt. Die Entscheidung für eine kleinere Partei und deren politische Stärkung schafft immerhin eine Verunsicherung im System und zeigt, dass das Wahlvolk mehr ist als eine Stimmmaschine, eine Funktion (Input) = Output. Nur so kann die enge Vernetzung zwischen Wirtschaftsinteressen und politischer Macht in Frage gestellt werden.
Gerade der jetzige Kommunalwahlkampf war zur Farce verkommen. Die Spielmodell hat aufgezeigt, dass der Bürgermeister trotz Direktwahl in Nordrhein-Westfalen von den Mehrheiten im Rat abhängt. Den Bürgern wird suggeriert, dass sie eine wichtige Person wählen, das das Volk selber Macht entfalten kann. Aber es ist nur ein „Grüß-August‟, dessen Abbild in vielen Städten an Laternen und Bäumen mit Plastikbändern angeclipst ist.
Auch hier empfiehlt sich, den Kandidaten der kleinsten Partei oder einen wirklich Unabhängigen zu wählen, um auch hier die Absurditäten des politischen Systems herauszukehren und wirkliche Reformen zu erreichen. Die Stärkung der Fachebene in den Verwaltungen tut noch und genauso fehlt mehr direkte Demokratie in den örtlichen Gemeinschaften. Nur so kann der politischen Cliquenwirtschaft entgegen gesteuert werden.
Dies setzt unter anderem voraus, Wahlentscheidungen einfacher und kostengünstiger ermöglichen. Solange dies alles mit viel Papier und Personal bewältigt werden muss, ist direkte Demokratie ein mühseliger Prozess. Aber warum sollte die etablierte Klasse, die von der indirekten Demokratie profitiert, dies ändern wollen, Wahlautomaten einführen, elektronische Wege installieren oder die Zahl und Höhe der Hürden zur aktiven Teilnahme am politischen Leben verringern? Kein Wunder, dass es die meisten - oder fast alle (?) - Stadträte abgelehnt haben, ihre öffentlichen Sitzungen per Webcam ins Internet zu übertragen.
Wer politisch auf lokaler Ebene aktiv werden will, braucht viel Zeit und Unterstützung. Die Unterstützung kommt von den Altvorderen in den Parteien, die wissen wie es läuft, und indirekt kommt die Unterstützung in Form von Parteispenden wieder aus der Nähe zu ökonomisch Starken. Bis zu einem gewissen Grad, nämlich dort, wo an der Legalität des System zu zweifeln ist, kommt dem ganzen die wachsende Politikverdrossenheit durchaus entgegen. Wir dürfen gespannt sein, wie gering die Wahlbeteiligung diesmal bei der Europa- und Kommunalwahl sein wird.
Bürger glaubt nicht, es geht darum, marode Schultoiletten zu sanieren oder einige von euch ein paar Jahre früher in die Rente gehen zu lassen! Es geht viel mehr darum, die Milliarden an Steuergeldern, die von euch gezahlt werden, in Aufträge für die „richtigen‟ Auftragnehmer umzusetzen.
Mittwoch, 21. Mai 2014
Luo You erklärt die Kommunalwahl
Wem bringt meine Lebenszeit Profit?
Während in Taiwan in den Wahllokale abgesperrt und bewacht werden, Handies abzugeben sind, um Stimmenkauf zu verhindern, geht es in Deutschland durchweg locker zu. Das zeichnet die gereifte Demokratie aus. Hier läuft es nach dem Motto zu: „Wahlen ändern sowieso nichts, sonst wären sie verboten.“ Luo You hat es erwischt und er darf am 25. Mai Vorstand in einem Wahllokal sein, ein Ehrenamt, das er nicht ablehnen kann.
An diesem Tag findet neben der Europawahl im hiesigen Bundesland Nordrhein-Westfalen die Kommunalwahl statt. In allen Städten, Gemeinden und Landkreisen sind die Wahlberechtigten aufgerufen, zu den Urnen zu gehen und ihre Stimme für die Stadträte, den Kreistag, manchmal auch Landrätin oder Landrat und Bürgermeister/-in abzugeben.
Hier wird neben vielen anderen Orten am 25. Mai 2014 gewählt: Hauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen Düsseldorf
Glück gehabt, dass nur dieser Job von der höheren Politik als „Ehrenamt“ deklariert wurde, und nicht etwa Parkanlagen von Drogenspritzen säubern, Nuklearmüll in der Asse bergen oder Kanonenfutter zur Verteidigung der Freiheit am Hindukusch sein.
Für die Kommunalpolitiker und diejenigen, die es noch werden wollen, geht es darum, bei der Wahl eine möglichst große Anzahl von Stimmen zu erhalten, um danach gestalterisch auf die jeweilige Gebietskörperschaft Einfluss nehmen zu können.
Düsseldorfs Rathaus als Zentrum kommunaler Macht
Ein Sitz im Stadtrat bedeutet, vermeintlich Macht auszuüben und Entscheidungen für viele Mitbürger treffen zu dürfen. Wer Macht hat, kann aber auch sich, seiner Partei und den Parteifreunden eine Menge Vorteile zu sichern. Öffentliche Einnahmen und Vermögen können nämlich zu den Richtigen gelenkt werden.
Einst öffentliche Straßenbahnanlage und Busplatz, heute ein privates Investorenprojekt erster Klasse: der Kö-Bogen im Düsseldorfer Zentrum
Dabei geht das Spiel so:
Das Ziel des Spiels
Die Spieler als örtliche Geschäftsleute, leben ihre Gier voll aus und verfolgen das Ziel ihr Geld maximal zu mehren. Gewinner ist, wer am Ende des Spiels über das meiste Barkapital verfügt.
Es gilt, öffentliche Werte, die insbesondere durch Baulandausweisung in der Stadt entstehen, und das Geld der Häuslebauer, die am Ort ihre Bauabsichten umsetzen wollen, in die eigene Schatulle zu lenken.
Dies wird durch kommunale Entscheidungen beeinflusst, die im Stadtrat getroffen werden. Dabei sind die Spieler jeweils mit einer Parteien (Farben) verbunden. Für die Spieler bedeutet dies, ihrer Partei eine möglichst gute Position im Stadtrat, dem entscheidenden Gremium zu verschaffen. Dies geschieht entweder über eine möglichst große Anzahl an Wählerstimmen oder geschickte Absprachen beziehungsweise Vereinbarungen mit den anderen Parteien (zur Koalitionsbildung).
Das Spielschema mit den wesentlichen Elementen
Der Spielplan: Die Stadt
Der Spielplan stellt ein historische Stadtzentrum in der Mitte eines Sechseckrasters dar. Die Ressource, die zu entwickeln und zu versilbern ist, ist die Fläche des Stadtgebietes. Alle Felder des Sechseckraster sind am Anfang „Wiese“.
Ein historisches Stadtzentrum steht im Mittelpunkt - Cochem 2008
Die Spieler, aber auch der Bürgermeister, können das Eigentum an Flächen erwerben und veräußern. Markiert wird dies auf den Feldern durch Eigentumsmarken.
Die Qualität der Flächen ändert sich durch die Ausweisung als Bauland oder Grünfläche / Naturschutzgebiet beziehungsweise deren Aufhebung.
Die Fläche kann für eine Bebauung erschlossen werden. Sie ist also entweder ohne eine Erschließung oder die Erschließung ist durch ein Bauunternehmen im Bau oder sie ist erschlossen und verfügt über eine Straße. Notwendig ist, dass die Erschließung entweder mit dem Stadtzentrum verbunden ist oder an eine vorhandene Erschließung an dem Nachbarfeld anschließt.
Am Ende der Flächenentwicklung steht die Bebauung mit einem Haus, der Wechsel vom unbebauten zum bebauten Feld. Das Eigentum geht vom Spieler oder dem Bürgermeister an den Häuslebauer.
Das Spiel endet unter anderem spätestens dann, wenn alle Felder bebaut oder als Günfläche / Naturschutzgebiet ausgewiesen sind.
Schema des Spielplans – Viermal herum ist für den Bürgermeister eine Legislaturperiode
Der Spielablauf und die Spielakteure: Bürgermeister, Stadtrat, Geschäftsleute
Der Spielablauf wird durch die Spielfigur des Bürgermeisters bestimmt. Jede Farbe hat einen Bürgermeisterkandidaten. Am Spielanfang wird der Bürgermeister durch auswürfeln ermittelt. Wer die höchste Punktzahl würfelt, dessen Kandidat wird Bürgermeister.
Im späteren Spielverlauf wird der Kandidat Bürgermeister, dessen Farbe die meisten Stimmkarten am Wahltag in der Wahlurne hat (einfache Mehrheit). Die Figur des Bürgermeisters bewegt sich am Rand des Spielfeldes ähnlich wie bei Monopoly entsprechend gewürfelten Zahl. Es würfelt jeweils der Spieler, dessen Farbe den Bürgermeister stellt.
Die Spieler sind angesehene Bürger und Geschäftsleute in der Stadt. Sie sind mit unterschiedlichen Parteien (Farben) verbunden. Jeder Spieler wählt zuerst seine Farbe, wobei der älteste Spieler beginnt. Zu ihnen gehören die jeweiligen Stadtverordneten ihrer Partei im Stadtrat. Am Anfang hat jeder Spieler die gleiche Zahl an Stadtverordneten und damit Sitzen im Stadtrat.
Die Spieler starten mit einem Grundkapital, das sie nach der Wahl der Farbe erhalten. Es wird angenommen, dass sie dieses Geld in der Vergangenheit durch einen Lottogewinn, eine Erbschaft oder auf einem anderen Wege, zum Beispiel Bestechungsgelder aus Waffengeschäften, erhalten haben.
Die Spieler können das Eigentum an freien Feldern erwerben. Mit den Grundstückstransaktionen beginnt der Spieler dessen Farbe den Bürgermeister stellt. Nach Abschluss aller Aktionen folgt der Spieler links und es geht so weiter im Uhrzeigersinn.
Für den Erwerb eines freien Feldes zahlen die Spieler einen festgelegten Marktpreis, wenn das Feld keinem anderen Mitspieler gehört. Das Geld wird im „Kapitalmarkt“ abgelegt. Für die Transaktion wird eine Stimmkarte in der Farbe des Käufers in die Wahlurne eingeworfen, da der Immobilienwechsel als Belebung der Wirtschaft und Fortschritt in der Stadtentwicklung verstanden wird. Wenn das Feld einem anderen Mitspieler gehört, kann es zu einem ausgehandelten Preis von diesem erworben werden. Der Mitspieler erhält dann auch das Geld. Es wird keine Stimmkarte in die Wahlurne geworfen.
Hat ein Spieler in Feld erworben, belegt er es mit einer Eigentumsmarke seiner Farbe. Der Verkäufer entfernt seine Marke von dem Feld.
Grundsätzlich kann auch der Bürgermeister für die Stadt ein Grundstück erwerben. Der Bürgermeister wird tätig, nachdem der Spieler seiner Farbe alle Aktionen beendet hat. Der Bürgermeister braucht für die jeweiligen Grundstücksgeschäfte einen Mehrheitsbeschluss des Stadtrates. Er legt darauf eine Eigentumsmarke der Stadt. Mit dem Erwerb eines freien, erstmalig erworbenen Grundstück, erhält er für seine Farbe eine Stimmkarte für die Wahlurne.
Land kann vom Stadtrat als Bauland ausgewiesen werden. Dieses setzt einen Mehrheitsbeschluss des Stadtrates für das Feld voraus. Ausgaben entstehen dadurch keine. Das Feld wird durch ein aufgestelltes Zeichen für Bauland markiert.
Nach Vorlage des Bürgermeisters oder Antrag einer Partei und auf Mehrheitsbeschluss können einzelne nicht erschlossene Felder als Naturschutzgebiet oder Grünfläche bestimmt werden. Der Bürgermeister setzt darauf das Baumsymbol. Eine Entschädigung wird nicht fällig. Der Beschluss und die Festlegung kann wieder aufgehoben werden.
Der Stadtrat kann durch Mehrheitsbeschluss, nicht erschlossenes Bauland wieder aufheben. Das Zeichen wird wieder abgeräumt. Der Bürgermeister muss dann dem Eigentümer dieses Feldes eine Entschädigung in Höhe des Preises auf dem Grundstücksmarkt für erschlossenes Bauland zahlen. Für die Farbe des Eigentümers gibt es eine Stimmkarte in die Wahlurne, da die Entwertung des Eigentums allgemein als Unrecht empfunden wird.
Der Stadtrat wird am Wahltag ermittelt. Passiert die Spielfigur des Bürgermeisters das Feld „Wahltag“ wird, darauf ein Zählstein für den Wahltag gelegt. Ausgezählt wird, wenn 4 Zählsteine auf dem Feld liegen. Die Wahlurne wird geöffnet und die Stimmkarten werden zählt. Der Anteil der einzelnen Farbe an den Stimmkarten entspricht ihrem Anteil an Sitzen im Stadtrat (Stimmkartenzahl / Divisor = Anzahl der Sitze im Stadtrat).
Damit das Feld bebaut werden kann, bedarf es noch der Erschließung. Durch ein Stück „Straße“ ist es mit dem Stadtzentrum oder mit einem bereits erschlossenen Feld zu verbinden. Der Eigentümer, der ein freies Bauunternehmen hat, ist in der Lage ist das Feld zu erschließen. Er kann dem Bürgermeister einen Erschließungsvertrag vorschlagen, den dieser nicht ablehnen kann. Die Bauarbeiten dauern eine Spielrunde, d.h. über Startpunkt bis zum Punkt „Fertigstellung aller Bauarbeiten“ auf dem Spielplan. Dabei steht das Bauunternehmen auf dem Feld. Es wird danach vom Plan genommen und ist wieder frei. An Stelle des Bauunternehmens wird ein Stück Straße auf das Feld gelegt.
Ein Baunternehmen kann der Spieler auf dem Baumarkt anwerben. Je weniger freie Bauunternehmen auf dem Markt verfügbar sind, desto höher ist der Preis. Der Preis wird bei der Anstellung fällig, der aktuelle Preis ist jeweils zum Jahresanfang zu entrichten. Er wird auch als Entschädigung bei Entlassung des Bauunternehmens an den Kapitalmarkt gezahlt.
Stimmkarten gibt es für jede Anstellung eines Bauunternehmens und Jahreszahlung an dieses. Bei einer Entlassung erhalten alle anderen Spieler jeweils ein Stimmkarte ihre Farbe. Derjenige, der das Bauunternehmen entlässt und für Arbeitslosigkeit sorgt, erhält nichts.
Auch der Bürgermeister kann jederzeit Erschließungsmaßnahmen durchführen. Wie die Spieler braucht er ein Bauunternehmen und muss dieses genauso bezahlen. Beschäftigung oder Entlasung eines Bauunternehmens wirken sich in gleicher Weise auf die Stimmkarten seiner Farbe aus.
Erschlossenes Bauland kann der Eigentümer jederzeit auf dem Grundstücksmarkt an Häuslebauer veräußern. Je mehr Fertighäuser auf dem Markt nachgefragt werden, desto höher ist der Preis, den der Spieler erhält. Pro Verkauf erhält der Spieler eine Stimmkarte seiner Farbe für die Wahlurne.
Das Neubaugebiet - Höhepunkt westdeutscher Stadtentwicklung in vielen Städten
Im Spielablauf wird zum Beginn des Frühjahrs und Ende des Sommers gewürfelt, wie viele Fertighäuser in der Stadt neu nachgefragt werden. Damit wird eine Zuwanderung in die Stadt simuliert. Durch bestimmte Würfelkombinationen, z.B. einen Pasch, kann auch eine Abwanderung oder unveränderte Nachfrage entstehen.
Wenn der Grundstücksmarkt voll ist, können keine neuen Fertighäuser mehr aufgenommen werden. Außer der Partei des Bürgermeisters, der nicht genug Bauland für die Nachfrager bereitstellen konnte, bekommen in dem Fall alle anderen Farben eine Stimmkarte für die Wahlurne.
Die Handlungsmöglichkeiten und Aufgaben des Bürgermeisters sind also:
- der Landerwerb und -veräußerung mit Mehrheitsbeschluss des Stadtrates,
- die Markierung und Aufhebung von Bauland oder Grünflächen / Naturschutzgebieten nach Mehrheitsbeschluss des Stadtrates,
- Erschließungsmaßnahmen durchzuführen mit Mehrheitsbeschluss des Stadtrates.
Der Bürgermeister hat das Recht von sich aus und die Pflicht auf Antrag einer Partei mögliche Handlungen zur Abstimmung zu stellen. Da die Spieler nicht Stadtverordnete sind, sondern die Stadtverordneten ihre Parteifreunde und zu ihnen gehören, kann jeder abstimmen. Niemand ist befangen.
In eigenem Ermessen kann der Bürgermeister, Bauunternehmen einzustellen oder zu entlassen, vorausgesetzt er verfügt über das entsprechende Budget im Haushaltsplan. Den Haushaltsplan legt der Bürgermeister dem Stadtrat zum Beschluss vor.
Auf der Einnahmeseite sind
- ein festgelegter Grundbetrag, den es nur beim Spielbeginn gibt,
- Steuereinnahmen (festgelegte Grundsteuer für jedes erschlossene Feld – egal ob bebaut oder unbebaut - von den jeweiligen Eigentümern oder vom Kapitalmarkt, festgelegte jährliche Gewerbesteuer für jedes eingestellte Bauunternehmen. Steuern werden zum Jahresende fällig und gehen in den Haushaltsplan ein. Können Steuern nicht gezahlt werden ist der Spieler pleite; das Spiel endet. Jedoch kann ein anderer Spieler seine Steuerzahlung übernehmen. Dann geht es weiter.),
- Ausgabereste des vorherigen Haushaltsjahres, die als Einnahmen verbucht werden,
- Einnahmen durch von der Stadt ausgegebene Wechsel (Der Bürgermeistern kann den Spielern, beziehungsweise Geschäftsleuten, oder dem Kapitalmarkt Schuldschein oder Wechsel geben und erhält dafür Geld. Die maximale Anzahl an Wechseln im Haushaltsjahr wird im Haushaltsplan festgelegt. Durch Nachtragsbeschlüsse des Stadtrates kann der Bürgermeister weitere Wechsel im Haushaltsjahr ausgeben, etwa wenn es finanzielle knapp wird oder Grunderwerb getätigt werden soll.),
- sonstige Einnahmen (etwa aus Grundstücksveräußerungen).
Auf der Ausgabenseite finden sich:
- Ausgaben für Zinszahlung (Je ausgegebenen Wechsel wird jährlich eine festgelegte Zinszahlung erforderlich.)
- Ausgaben zum Rückkauf von Wechseln
- Ausgaben für Grunderwerb, Bauunternehmen, Erschließungsmaßnahmen (Der Bürgermeister legt hier eine Summe vor, die er in dem Jahr ausgeben will.)
- Ausgaben für soziale und freiwillige Leistungen (Hier investiert der Bürgermeister in die Chance für die Wiederwahl seiner Farbe. Für eine festgelegten Betrag kann er jeweils einmal würfeln und erhält nach Ergebnis Stimmkarten für seine Farbe oder bei vorheriger Ansage die Farbe seiner Koalitionspartner. Dies sollte in einem Koalitionsvertrag festgelegt sein. Nach Beschluss des Haushaltsplans kann der Bürgermeister jederzeit würfeln.)
Zunächst stellt der Bürgermeister die Einnahmen zusammen. Er verteilt das Geld dann auf die Ausgaben. Für Ausgaben, die nicht durch Steuern, Ausgabenreste oder sonstige Einnahmen gedeckt sind, werden Wechsel vorgesehen. Der Bürgermeister stellt seinen Plan am Jahresanfang im Stadtrat zur Abstimmung. Wird der Plan angenommen, kann er das Geld zweckentsprechend im Jahr, also während einer Runde im Spiel ausgegeben, vorausgesetzt der Bürgermeister braucht nicht auch noch die oben genannten Einzelentscheidungen des Stadtrates.
Im Rahmen ihrer Aktionen können auch die einzelnen Spieler Geld für soziale und freiwillige Leistungen oder zur Wahlwerbung ausgeben und damit Stimmkarten kaufen. Das Geld wird dann am Kapitalmarkt abgelegt.
Für die Spieler ist die also wesentliche Einnahmequelle der Verkauf von erschlossenen und bebaubaren Grundstücken an Häuslebauer. Hierfür haben sie vorher, die Grundstücke zu erwerben, bei einer Ausweisung als Bauland diese zu erschließen und hierfür ein Bauunternehmen zu beschäftigen. Für die Ausweisung der Grundstücke als Bauland brauchen sie politische Mehrheiten im Stadtrat.
Das Spielende: Volle Kasse
Das Spiel endet, wenn die Ressource Fläche aufgebracht ist. Alle Grundstücke sind bebaut und mit Häusern besetzt oder als Grünfläche / Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Spiel endet auch dann, wenn ein Spieler nicht mehr seinen Verpflichtungen, sprich Steuerzahlungen, nachkommen kann und kein anderer bereit ist, dies zu übernehmen. Die dritte Möglichkeit zum Spielende ist die gemeinsame Feststellung aller Spieler, dass es Zeit für den Ruhestand ist und darauf zu verzichten, weiter in der Stadt die Fäden zu ziehen. Die maßlose Gier und der Trieb, der die moderne Stadtentwicklung bestimmt, haben sich dann ausgelebt. Zurück bleiben ein Häusermeer, wenig Natur und geschröpfte Häuslebauer.
Am Ende des Spiels wird Kasse gemacht. Die einzelnen Spieler zählen, wie viel Barkapital sie für den Ruhestand auf Ibiza angesammelt haben. Gewinner ist der Spieler mit dem meisten Geld.
Im wahren Leben geht es immer weiter: Das Rathaus von Berlin, davor der Wiederaufbau des Stadtschlosses. Hier fließt gewiss mehr Geld als im angenommenen Städtchen mit Neubaugebiet. Die grobe hier formulierte Spielidee lässt bereits deutlich erkennen, dass viele Add-Ons möglich sein werden. © Idee, Text und Bilder unterliegen alle dem Urheberrecht von Luo You
Während in Taiwan in den Wahllokale abgesperrt und bewacht werden, Handies abzugeben sind, um Stimmenkauf zu verhindern, geht es in Deutschland durchweg locker zu. Das zeichnet die gereifte Demokratie aus. Hier läuft es nach dem Motto zu: „Wahlen ändern sowieso nichts, sonst wären sie verboten.“ Luo You hat es erwischt und er darf am 25. Mai Vorstand in einem Wahllokal sein, ein Ehrenamt, das er nicht ablehnen kann.
An diesem Tag findet neben der Europawahl im hiesigen Bundesland Nordrhein-Westfalen die Kommunalwahl statt. In allen Städten, Gemeinden und Landkreisen sind die Wahlberechtigten aufgerufen, zu den Urnen zu gehen und ihre Stimme für die Stadträte, den Kreistag, manchmal auch Landrätin oder Landrat und Bürgermeister/-in abzugeben.
Hier wird neben vielen anderen Orten am 25. Mai 2014 gewählt: Hauptstadt des Landes Nordrhein-Westfalen Düsseldorf
Glück gehabt, dass nur dieser Job von der höheren Politik als „Ehrenamt“ deklariert wurde, und nicht etwa Parkanlagen von Drogenspritzen säubern, Nuklearmüll in der Asse bergen oder Kanonenfutter zur Verteidigung der Freiheit am Hindukusch sein.
Für die Kommunalpolitiker und diejenigen, die es noch werden wollen, geht es darum, bei der Wahl eine möglichst große Anzahl von Stimmen zu erhalten, um danach gestalterisch auf die jeweilige Gebietskörperschaft Einfluss nehmen zu können.
Düsseldorfs Rathaus als Zentrum kommunaler Macht
Ein Sitz im Stadtrat bedeutet, vermeintlich Macht auszuüben und Entscheidungen für viele Mitbürger treffen zu dürfen. Wer Macht hat, kann aber auch sich, seiner Partei und den Parteifreunden eine Menge Vorteile zu sichern. Öffentliche Einnahmen und Vermögen können nämlich zu den Richtigen gelenkt werden.
Einst öffentliche Straßenbahnanlage und Busplatz, heute ein privates Investorenprojekt erster Klasse: der Kö-Bogen im Düsseldorfer Zentrum
Dabei geht das Spiel so:
Das Ziel des Spiels
Die Spieler als örtliche Geschäftsleute, leben ihre Gier voll aus und verfolgen das Ziel ihr Geld maximal zu mehren. Gewinner ist, wer am Ende des Spiels über das meiste Barkapital verfügt.
Es gilt, öffentliche Werte, die insbesondere durch Baulandausweisung in der Stadt entstehen, und das Geld der Häuslebauer, die am Ort ihre Bauabsichten umsetzen wollen, in die eigene Schatulle zu lenken.
Dies wird durch kommunale Entscheidungen beeinflusst, die im Stadtrat getroffen werden. Dabei sind die Spieler jeweils mit einer Parteien (Farben) verbunden. Für die Spieler bedeutet dies, ihrer Partei eine möglichst gute Position im Stadtrat, dem entscheidenden Gremium zu verschaffen. Dies geschieht entweder über eine möglichst große Anzahl an Wählerstimmen oder geschickte Absprachen beziehungsweise Vereinbarungen mit den anderen Parteien (zur Koalitionsbildung).
Das Spielschema mit den wesentlichen Elementen
Der Spielplan: Die Stadt
Der Spielplan stellt ein historische Stadtzentrum in der Mitte eines Sechseckrasters dar. Die Ressource, die zu entwickeln und zu versilbern ist, ist die Fläche des Stadtgebietes. Alle Felder des Sechseckraster sind am Anfang „Wiese“.
Ein historisches Stadtzentrum steht im Mittelpunkt - Cochem 2008
Die Spieler, aber auch der Bürgermeister, können das Eigentum an Flächen erwerben und veräußern. Markiert wird dies auf den Feldern durch Eigentumsmarken.
Die Qualität der Flächen ändert sich durch die Ausweisung als Bauland oder Grünfläche / Naturschutzgebiet beziehungsweise deren Aufhebung.
Die Fläche kann für eine Bebauung erschlossen werden. Sie ist also entweder ohne eine Erschließung oder die Erschließung ist durch ein Bauunternehmen im Bau oder sie ist erschlossen und verfügt über eine Straße. Notwendig ist, dass die Erschließung entweder mit dem Stadtzentrum verbunden ist oder an eine vorhandene Erschließung an dem Nachbarfeld anschließt.
Am Ende der Flächenentwicklung steht die Bebauung mit einem Haus, der Wechsel vom unbebauten zum bebauten Feld. Das Eigentum geht vom Spieler oder dem Bürgermeister an den Häuslebauer.
Das Spiel endet unter anderem spätestens dann, wenn alle Felder bebaut oder als Günfläche / Naturschutzgebiet ausgewiesen sind.
Schema des Spielplans – Viermal herum ist für den Bürgermeister eine Legislaturperiode
Der Spielablauf und die Spielakteure: Bürgermeister, Stadtrat, Geschäftsleute
Der Spielablauf wird durch die Spielfigur des Bürgermeisters bestimmt. Jede Farbe hat einen Bürgermeisterkandidaten. Am Spielanfang wird der Bürgermeister durch auswürfeln ermittelt. Wer die höchste Punktzahl würfelt, dessen Kandidat wird Bürgermeister.
Im späteren Spielverlauf wird der Kandidat Bürgermeister, dessen Farbe die meisten Stimmkarten am Wahltag in der Wahlurne hat (einfache Mehrheit). Die Figur des Bürgermeisters bewegt sich am Rand des Spielfeldes ähnlich wie bei Monopoly entsprechend gewürfelten Zahl. Es würfelt jeweils der Spieler, dessen Farbe den Bürgermeister stellt.
Die Spieler sind angesehene Bürger und Geschäftsleute in der Stadt. Sie sind mit unterschiedlichen Parteien (Farben) verbunden. Jeder Spieler wählt zuerst seine Farbe, wobei der älteste Spieler beginnt. Zu ihnen gehören die jeweiligen Stadtverordneten ihrer Partei im Stadtrat. Am Anfang hat jeder Spieler die gleiche Zahl an Stadtverordneten und damit Sitzen im Stadtrat.
Die Spieler starten mit einem Grundkapital, das sie nach der Wahl der Farbe erhalten. Es wird angenommen, dass sie dieses Geld in der Vergangenheit durch einen Lottogewinn, eine Erbschaft oder auf einem anderen Wege, zum Beispiel Bestechungsgelder aus Waffengeschäften, erhalten haben.
Die Spieler können das Eigentum an freien Feldern erwerben. Mit den Grundstückstransaktionen beginnt der Spieler dessen Farbe den Bürgermeister stellt. Nach Abschluss aller Aktionen folgt der Spieler links und es geht so weiter im Uhrzeigersinn.
Für den Erwerb eines freien Feldes zahlen die Spieler einen festgelegten Marktpreis, wenn das Feld keinem anderen Mitspieler gehört. Das Geld wird im „Kapitalmarkt“ abgelegt. Für die Transaktion wird eine Stimmkarte in der Farbe des Käufers in die Wahlurne eingeworfen, da der Immobilienwechsel als Belebung der Wirtschaft und Fortschritt in der Stadtentwicklung verstanden wird. Wenn das Feld einem anderen Mitspieler gehört, kann es zu einem ausgehandelten Preis von diesem erworben werden. Der Mitspieler erhält dann auch das Geld. Es wird keine Stimmkarte in die Wahlurne geworfen.
Hat ein Spieler in Feld erworben, belegt er es mit einer Eigentumsmarke seiner Farbe. Der Verkäufer entfernt seine Marke von dem Feld.
Grundsätzlich kann auch der Bürgermeister für die Stadt ein Grundstück erwerben. Der Bürgermeister wird tätig, nachdem der Spieler seiner Farbe alle Aktionen beendet hat. Der Bürgermeister braucht für die jeweiligen Grundstücksgeschäfte einen Mehrheitsbeschluss des Stadtrates. Er legt darauf eine Eigentumsmarke der Stadt. Mit dem Erwerb eines freien, erstmalig erworbenen Grundstück, erhält er für seine Farbe eine Stimmkarte für die Wahlurne.
Land kann vom Stadtrat als Bauland ausgewiesen werden. Dieses setzt einen Mehrheitsbeschluss des Stadtrates für das Feld voraus. Ausgaben entstehen dadurch keine. Das Feld wird durch ein aufgestelltes Zeichen für Bauland markiert.
Nach Vorlage des Bürgermeisters oder Antrag einer Partei und auf Mehrheitsbeschluss können einzelne nicht erschlossene Felder als Naturschutzgebiet oder Grünfläche bestimmt werden. Der Bürgermeister setzt darauf das Baumsymbol. Eine Entschädigung wird nicht fällig. Der Beschluss und die Festlegung kann wieder aufgehoben werden.
Der Stadtrat kann durch Mehrheitsbeschluss, nicht erschlossenes Bauland wieder aufheben. Das Zeichen wird wieder abgeräumt. Der Bürgermeister muss dann dem Eigentümer dieses Feldes eine Entschädigung in Höhe des Preises auf dem Grundstücksmarkt für erschlossenes Bauland zahlen. Für die Farbe des Eigentümers gibt es eine Stimmkarte in die Wahlurne, da die Entwertung des Eigentums allgemein als Unrecht empfunden wird.
Der Stadtrat wird am Wahltag ermittelt. Passiert die Spielfigur des Bürgermeisters das Feld „Wahltag“ wird, darauf ein Zählstein für den Wahltag gelegt. Ausgezählt wird, wenn 4 Zählsteine auf dem Feld liegen. Die Wahlurne wird geöffnet und die Stimmkarten werden zählt. Der Anteil der einzelnen Farbe an den Stimmkarten entspricht ihrem Anteil an Sitzen im Stadtrat (Stimmkartenzahl / Divisor = Anzahl der Sitze im Stadtrat).
Damit das Feld bebaut werden kann, bedarf es noch der Erschließung. Durch ein Stück „Straße“ ist es mit dem Stadtzentrum oder mit einem bereits erschlossenen Feld zu verbinden. Der Eigentümer, der ein freies Bauunternehmen hat, ist in der Lage ist das Feld zu erschließen. Er kann dem Bürgermeister einen Erschließungsvertrag vorschlagen, den dieser nicht ablehnen kann. Die Bauarbeiten dauern eine Spielrunde, d.h. über Startpunkt bis zum Punkt „Fertigstellung aller Bauarbeiten“ auf dem Spielplan. Dabei steht das Bauunternehmen auf dem Feld. Es wird danach vom Plan genommen und ist wieder frei. An Stelle des Bauunternehmens wird ein Stück Straße auf das Feld gelegt.
Ein Baunternehmen kann der Spieler auf dem Baumarkt anwerben. Je weniger freie Bauunternehmen auf dem Markt verfügbar sind, desto höher ist der Preis. Der Preis wird bei der Anstellung fällig, der aktuelle Preis ist jeweils zum Jahresanfang zu entrichten. Er wird auch als Entschädigung bei Entlassung des Bauunternehmens an den Kapitalmarkt gezahlt.
Stimmkarten gibt es für jede Anstellung eines Bauunternehmens und Jahreszahlung an dieses. Bei einer Entlassung erhalten alle anderen Spieler jeweils ein Stimmkarte ihre Farbe. Derjenige, der das Bauunternehmen entlässt und für Arbeitslosigkeit sorgt, erhält nichts.
Auch der Bürgermeister kann jederzeit Erschließungsmaßnahmen durchführen. Wie die Spieler braucht er ein Bauunternehmen und muss dieses genauso bezahlen. Beschäftigung oder Entlasung eines Bauunternehmens wirken sich in gleicher Weise auf die Stimmkarten seiner Farbe aus.
Erschlossenes Bauland kann der Eigentümer jederzeit auf dem Grundstücksmarkt an Häuslebauer veräußern. Je mehr Fertighäuser auf dem Markt nachgefragt werden, desto höher ist der Preis, den der Spieler erhält. Pro Verkauf erhält der Spieler eine Stimmkarte seiner Farbe für die Wahlurne.
Das Neubaugebiet - Höhepunkt westdeutscher Stadtentwicklung in vielen Städten
Im Spielablauf wird zum Beginn des Frühjahrs und Ende des Sommers gewürfelt, wie viele Fertighäuser in der Stadt neu nachgefragt werden. Damit wird eine Zuwanderung in die Stadt simuliert. Durch bestimmte Würfelkombinationen, z.B. einen Pasch, kann auch eine Abwanderung oder unveränderte Nachfrage entstehen.
Wenn der Grundstücksmarkt voll ist, können keine neuen Fertighäuser mehr aufgenommen werden. Außer der Partei des Bürgermeisters, der nicht genug Bauland für die Nachfrager bereitstellen konnte, bekommen in dem Fall alle anderen Farben eine Stimmkarte für die Wahlurne.
Die Handlungsmöglichkeiten und Aufgaben des Bürgermeisters sind also:
- der Landerwerb und -veräußerung mit Mehrheitsbeschluss des Stadtrates,
- die Markierung und Aufhebung von Bauland oder Grünflächen / Naturschutzgebieten nach Mehrheitsbeschluss des Stadtrates,
- Erschließungsmaßnahmen durchzuführen mit Mehrheitsbeschluss des Stadtrates.
Der Bürgermeister hat das Recht von sich aus und die Pflicht auf Antrag einer Partei mögliche Handlungen zur Abstimmung zu stellen. Da die Spieler nicht Stadtverordnete sind, sondern die Stadtverordneten ihre Parteifreunde und zu ihnen gehören, kann jeder abstimmen. Niemand ist befangen.
In eigenem Ermessen kann der Bürgermeister, Bauunternehmen einzustellen oder zu entlassen, vorausgesetzt er verfügt über das entsprechende Budget im Haushaltsplan. Den Haushaltsplan legt der Bürgermeister dem Stadtrat zum Beschluss vor.
Auf der Einnahmeseite sind
- ein festgelegter Grundbetrag, den es nur beim Spielbeginn gibt,
- Steuereinnahmen (festgelegte Grundsteuer für jedes erschlossene Feld – egal ob bebaut oder unbebaut - von den jeweiligen Eigentümern oder vom Kapitalmarkt, festgelegte jährliche Gewerbesteuer für jedes eingestellte Bauunternehmen. Steuern werden zum Jahresende fällig und gehen in den Haushaltsplan ein. Können Steuern nicht gezahlt werden ist der Spieler pleite; das Spiel endet. Jedoch kann ein anderer Spieler seine Steuerzahlung übernehmen. Dann geht es weiter.),
- Ausgabereste des vorherigen Haushaltsjahres, die als Einnahmen verbucht werden,
- Einnahmen durch von der Stadt ausgegebene Wechsel (Der Bürgermeistern kann den Spielern, beziehungsweise Geschäftsleuten, oder dem Kapitalmarkt Schuldschein oder Wechsel geben und erhält dafür Geld. Die maximale Anzahl an Wechseln im Haushaltsjahr wird im Haushaltsplan festgelegt. Durch Nachtragsbeschlüsse des Stadtrates kann der Bürgermeister weitere Wechsel im Haushaltsjahr ausgeben, etwa wenn es finanzielle knapp wird oder Grunderwerb getätigt werden soll.),
- sonstige Einnahmen (etwa aus Grundstücksveräußerungen).
Auf der Ausgabenseite finden sich:
- Ausgaben für Zinszahlung (Je ausgegebenen Wechsel wird jährlich eine festgelegte Zinszahlung erforderlich.)
- Ausgaben zum Rückkauf von Wechseln
- Ausgaben für Grunderwerb, Bauunternehmen, Erschließungsmaßnahmen (Der Bürgermeister legt hier eine Summe vor, die er in dem Jahr ausgeben will.)
- Ausgaben für soziale und freiwillige Leistungen (Hier investiert der Bürgermeister in die Chance für die Wiederwahl seiner Farbe. Für eine festgelegten Betrag kann er jeweils einmal würfeln und erhält nach Ergebnis Stimmkarten für seine Farbe oder bei vorheriger Ansage die Farbe seiner Koalitionspartner. Dies sollte in einem Koalitionsvertrag festgelegt sein. Nach Beschluss des Haushaltsplans kann der Bürgermeister jederzeit würfeln.)
Zunächst stellt der Bürgermeister die Einnahmen zusammen. Er verteilt das Geld dann auf die Ausgaben. Für Ausgaben, die nicht durch Steuern, Ausgabenreste oder sonstige Einnahmen gedeckt sind, werden Wechsel vorgesehen. Der Bürgermeister stellt seinen Plan am Jahresanfang im Stadtrat zur Abstimmung. Wird der Plan angenommen, kann er das Geld zweckentsprechend im Jahr, also während einer Runde im Spiel ausgegeben, vorausgesetzt der Bürgermeister braucht nicht auch noch die oben genannten Einzelentscheidungen des Stadtrates.
Im Rahmen ihrer Aktionen können auch die einzelnen Spieler Geld für soziale und freiwillige Leistungen oder zur Wahlwerbung ausgeben und damit Stimmkarten kaufen. Das Geld wird dann am Kapitalmarkt abgelegt.
Für die Spieler ist die also wesentliche Einnahmequelle der Verkauf von erschlossenen und bebaubaren Grundstücken an Häuslebauer. Hierfür haben sie vorher, die Grundstücke zu erwerben, bei einer Ausweisung als Bauland diese zu erschließen und hierfür ein Bauunternehmen zu beschäftigen. Für die Ausweisung der Grundstücke als Bauland brauchen sie politische Mehrheiten im Stadtrat.
Das Spielende: Volle Kasse
Das Spiel endet, wenn die Ressource Fläche aufgebracht ist. Alle Grundstücke sind bebaut und mit Häusern besetzt oder als Grünfläche / Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Spiel endet auch dann, wenn ein Spieler nicht mehr seinen Verpflichtungen, sprich Steuerzahlungen, nachkommen kann und kein anderer bereit ist, dies zu übernehmen. Die dritte Möglichkeit zum Spielende ist die gemeinsame Feststellung aller Spieler, dass es Zeit für den Ruhestand ist und darauf zu verzichten, weiter in der Stadt die Fäden zu ziehen. Die maßlose Gier und der Trieb, der die moderne Stadtentwicklung bestimmt, haben sich dann ausgelebt. Zurück bleiben ein Häusermeer, wenig Natur und geschröpfte Häuslebauer.
Am Ende des Spiels wird Kasse gemacht. Die einzelnen Spieler zählen, wie viel Barkapital sie für den Ruhestand auf Ibiza angesammelt haben. Gewinner ist der Spieler mit dem meisten Geld.
Im wahren Leben geht es immer weiter: Das Rathaus von Berlin, davor der Wiederaufbau des Stadtschlosses. Hier fließt gewiss mehr Geld als im angenommenen Städtchen mit Neubaugebiet. Die grobe hier formulierte Spielidee lässt bereits deutlich erkennen, dass viele Add-Ons möglich sein werden. © Idee, Text und Bilder unterliegen alle dem Urheberrecht von Luo You
Dienstag, 29. April 2014
Im Zentrum der Macht
Aufgeräumte Baustelle mit Käsekuchen
Sogar chinesischsprachige Medien berichteten darüber, dass Berlin etwa 2 Millionen Besucher an den Ostertagen erwartete. Dementsprechend voll war es zwischen Kurfürstendamm und Alexanderplatz. Ein scheinbar endloser Strom von Asiaten, Süd- und Nordamerikanern, Holländern, Italienern, Osteuropäern, Inländern aller Dialekte und sonstiger „Turistas“ in Doppeldeckerbussen, per Pedes, in U- und S-Bahnen bewegte sich über die ausgetretenen Pfade der Neugierigen in Berlin. Auch Luo You tauchte an diesen Tagen in die deutsche Metropole ein.
Ruhig und aufgeräumt wirkt zwischen modernen Monumentalbauten, Beton und Schotterwegen das Bundeskanzleramt, in dem die für einige Menschen als mächtigste Frau der Welt geltende Regierungschefin ihren Sitz hat. Es sind Osterferien. Nur die Schweizer Botschaft zeigt mit großer Flagge Präsenz im Spreebogen.
Eine Kultur der Vielfalt – Italienisches Speiseeis mit Parkschein belegt vor dem würdevoll-historischen Ort wie offen und locker Deutschland geworden ist. Optimal am Trampelpfad zwischen dem neuen Hauptbahnhof und dem Brandenburger Tor gelegen sind bei heißem Wetter beste Umsätze garantiert. Im Hintergrund demonstrieren einige Staatenlose mit russischer Flagge gegen ihre Staatenlosigkeit und wie selig das politische Leben in Deutschland ist: keine Sonnenblumenbewegung, kein Maidan (Майдан Незалежності), kein Erdogan, keine bizarren Todesurteile gegen Moslembrüder trüben die heile Welt.
Eine Ex-Ministerin und Bundestagsabgeordnete plaudert vor leuchtenden Teletubby-Tulpen am Pariser Platz. Kann der politische Frühling schöner sein?
Sogar die Brüder und Schwestern aus der Volksrepublik finden ihre politische Heimat in Berlin. Der Kommunismus lebt! Obwohl das Marx-Engels-Forum 2010 aus seiner zentralen Position in die Ecke geschoben wurde und heute nach Westen statt nach Osten blickt, wird es dennoch gut in der Mitte Berlins gefunden. Es bleibt abzuwarten, in welcher Weise der Westen genüsslich-zerstörisch, den Sieg langsam und voll auskostend - wie bei der Demontage des Palastes der Republik - mit den Skulpturengruppe als Relikt der verhassten DDR umgehen wird.
Wenn etwa 2018 das neue Berliner Stadtschloss voll errichtet ist, sollte es an die Gestaltung des Umfeldes gehen. Zur Zeit wächst noch der Rohbau, damit die potenten monarchistischen Ziele in dieser Gesellschaft angemessen stark materialisiert werden können. Adel gibt es noch genug in Deutschland, der über Grundeigentum und Beziehungen von Generationen aus ruhmvoller Vergangenheit, etwas versteckt an vielen Orten politisch maßgeblich die Fäden ziehen kann. Die temporäre Humboldt-Box mit Ausstellungsräumen, Café und Restaurant im obersten Geschoss lässt vor der Baustelle die künftigen Proportionen des Baukörpers erahnen. Das Schloss wird etwas höher als die Box und den Stadtraum zwischen Berliner Dom, alten Museum und Zeughaus schließen. Das ethnologische Museum, was sich heute in Dahlem befindet soll unter anderem die Räumlichkeiten im neuen Schloss nutzen.
Luo Yous Meinung ist: Baukörper ja, Schloss nein. Zwar habe ich jetzt schon freiwillig durch das Eintrittsgeld und den Verzehr in der Humboldt-Box, aber dies geschah nur aus Neugierde und Wissendrang, aber in keiner Weise aus dem Willen heraus dieses rückwärts gewandte Gebilde finanziell fördern zu wollen.
Mit der Sprengung des Stadtschlosses ist seine Entwicklung abgeschlossen gewesen. Tote soll man nicht wieder zum Leben erwecken wollen. Heraus kommt nur ein Frankenstein. Jetzt fehlte nur noch Marx und Engels, so wie es diesem Herrn erging, einzuschmelzen und einen Kaiser Wilhelm daraus zu machen.
Wäre es dann nicht auch angemessen dem Adel die feste politische Rolle wiederzugeben, die er über Jahrtausende in Deutschland hatte? Ein politisches Staatsoberhaupt zu installieren, dass von Geburt an auf diese schwere Aufgabe professionell vorbereitet wird und den Job nicht bereits ruhestandsfähigen, berufsfremden Seiteneinsteigern zu überlassen?
Sogar chinesischsprachige Medien berichteten darüber, dass Berlin etwa 2 Millionen Besucher an den Ostertagen erwartete. Dementsprechend voll war es zwischen Kurfürstendamm und Alexanderplatz. Ein scheinbar endloser Strom von Asiaten, Süd- und Nordamerikanern, Holländern, Italienern, Osteuropäern, Inländern aller Dialekte und sonstiger „Turistas“ in Doppeldeckerbussen, per Pedes, in U- und S-Bahnen bewegte sich über die ausgetretenen Pfade der Neugierigen in Berlin. Auch Luo You tauchte an diesen Tagen in die deutsche Metropole ein.
Ruhig und aufgeräumt wirkt zwischen modernen Monumentalbauten, Beton und Schotterwegen das Bundeskanzleramt, in dem die für einige Menschen als mächtigste Frau der Welt geltende Regierungschefin ihren Sitz hat. Es sind Osterferien. Nur die Schweizer Botschaft zeigt mit großer Flagge Präsenz im Spreebogen.
Eine Kultur der Vielfalt – Italienisches Speiseeis mit Parkschein belegt vor dem würdevoll-historischen Ort wie offen und locker Deutschland geworden ist. Optimal am Trampelpfad zwischen dem neuen Hauptbahnhof und dem Brandenburger Tor gelegen sind bei heißem Wetter beste Umsätze garantiert. Im Hintergrund demonstrieren einige Staatenlose mit russischer Flagge gegen ihre Staatenlosigkeit und wie selig das politische Leben in Deutschland ist: keine Sonnenblumenbewegung, kein Maidan (Майдан Незалежності), kein Erdogan, keine bizarren Todesurteile gegen Moslembrüder trüben die heile Welt.
Eine Ex-Ministerin und Bundestagsabgeordnete plaudert vor leuchtenden Teletubby-Tulpen am Pariser Platz. Kann der politische Frühling schöner sein?
Sogar die Brüder und Schwestern aus der Volksrepublik finden ihre politische Heimat in Berlin. Der Kommunismus lebt! Obwohl das Marx-Engels-Forum 2010 aus seiner zentralen Position in die Ecke geschoben wurde und heute nach Westen statt nach Osten blickt, wird es dennoch gut in der Mitte Berlins gefunden. Es bleibt abzuwarten, in welcher Weise der Westen genüsslich-zerstörisch, den Sieg langsam und voll auskostend - wie bei der Demontage des Palastes der Republik - mit den Skulpturengruppe als Relikt der verhassten DDR umgehen wird.
Wenn etwa 2018 das neue Berliner Stadtschloss voll errichtet ist, sollte es an die Gestaltung des Umfeldes gehen. Zur Zeit wächst noch der Rohbau, damit die potenten monarchistischen Ziele in dieser Gesellschaft angemessen stark materialisiert werden können. Adel gibt es noch genug in Deutschland, der über Grundeigentum und Beziehungen von Generationen aus ruhmvoller Vergangenheit, etwas versteckt an vielen Orten politisch maßgeblich die Fäden ziehen kann. Die temporäre Humboldt-Box mit Ausstellungsräumen, Café und Restaurant im obersten Geschoss lässt vor der Baustelle die künftigen Proportionen des Baukörpers erahnen. Das Schloss wird etwas höher als die Box und den Stadtraum zwischen Berliner Dom, alten Museum und Zeughaus schließen. Das ethnologische Museum, was sich heute in Dahlem befindet soll unter anderem die Räumlichkeiten im neuen Schloss nutzen.
Luo Yous Meinung ist: Baukörper ja, Schloss nein. Zwar habe ich jetzt schon freiwillig durch das Eintrittsgeld und den Verzehr in der Humboldt-Box, aber dies geschah nur aus Neugierde und Wissendrang, aber in keiner Weise aus dem Willen heraus dieses rückwärts gewandte Gebilde finanziell fördern zu wollen.
Mit der Sprengung des Stadtschlosses ist seine Entwicklung abgeschlossen gewesen. Tote soll man nicht wieder zum Leben erwecken wollen. Heraus kommt nur ein Frankenstein. Jetzt fehlte nur noch Marx und Engels, so wie es diesem Herrn erging, einzuschmelzen und einen Kaiser Wilhelm daraus zu machen.
Wäre es dann nicht auch angemessen dem Adel die feste politische Rolle wiederzugeben, die er über Jahrtausende in Deutschland hatte? Ein politisches Staatsoberhaupt zu installieren, dass von Geburt an auf diese schwere Aufgabe professionell vorbereitet wird und den Job nicht bereits ruhestandsfähigen, berufsfremden Seiteneinsteigern zu überlassen?
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Dienstag, 8. April 2014
Ein Herz für Taiwan
Schwarzer Strom Kuroshio (黒潮) oder KMT (Killing My Taiwan)?
Luo Yous schwarzes Hemd mit Herz – Bei genauerem Hinweisen wölbt in der Mitten von Taiwan sogar das Zentralgebirge auf.
Die schwarze Strom, der Kuroshio (黒潮), beginnt im Pazifik vor Taiwan, fließt nordostwärts an Japan vorbei und mündet dort in die Nordpazifische Strömung, die sich vor Kanada in Richtung Kalifornien und Alaska aufteilt. Ähnlich wie der Golfstrom im Atlantik bringt der schwarze Strom tropisch aufgewärmtes Wasser in Richtung der Polargebiets. Er führt unter anderem dazu, dass in Japan die nördlichsten Korallenriffe auf dem Planeten wachsen können.
Die schwarzen Hemden der Demonstanten bei der Sonnenblumenbewegung symbolisieren wohl weniger, so in der TAZ zu lesen, wie ernsthaft die Demokratie sich in der Krise befindet. Sie stehen vielmehr in Anlehnung an den schwarzen Kuroshio für die Vereinigung vor Taiwan und für eine beständige Strömung in Richtung der gefestigten Demokratien in Japan, Kanada und den USA.
Bleibt zu hoffen, dass auch nach der Räumung der Parlaments durch die Sonnenblumenbewegung die Begeisterung für die Fortentwicklung der taiwanischen Demokratie – so wie der Kuroshio – nicht abkühlt. Wenn der china-nahe Präsident Ma Ying-Jeou (馬英九 / Mǎ Yīngjiǔ) dadurch verliert und seine kritischen Gegenspieler, wie der Parlamentspräsident Wáng Jīnpíng (王金平), ihre Position im Ansehen der Bevölkerung verbessern, ist dies meiner Meinung nach schon ein Gewinn für ein weiterhin unabhängiges und freies Taiwan.
Der Sitz des Präsidenten der Republik China auf Taiwan - Auch außerhalb politisch unruhiger Zeiten lauern Regierungsagenten in Zivil den Fotografen vor dem Geheimpalast auf. Wer respektvoll Abstand hält, wie diese vorbildliche Reisegruppe vom kommunistisch regierten Festlands China im Januar 2010, bleibt unbehelligt. In der schwarzen Strömung der Demokratiebewegung untergehen sollte farblich zumindest die Flut „roter“ oder „gelber“ Touristen. Ob das auch mit den „goldenen“ Verlockungen einer politisch-wirtschaftlichen Annäherung passieren wird?
Luo Yous schwarzes Hemd mit Herz – Bei genauerem Hinweisen wölbt in der Mitten von Taiwan sogar das Zentralgebirge auf.
Die schwarze Strom, der Kuroshio (黒潮), beginnt im Pazifik vor Taiwan, fließt nordostwärts an Japan vorbei und mündet dort in die Nordpazifische Strömung, die sich vor Kanada in Richtung Kalifornien und Alaska aufteilt. Ähnlich wie der Golfstrom im Atlantik bringt der schwarze Strom tropisch aufgewärmtes Wasser in Richtung der Polargebiets. Er führt unter anderem dazu, dass in Japan die nördlichsten Korallenriffe auf dem Planeten wachsen können.
Die schwarzen Hemden der Demonstanten bei der Sonnenblumenbewegung symbolisieren wohl weniger, so in der TAZ zu lesen, wie ernsthaft die Demokratie sich in der Krise befindet. Sie stehen vielmehr in Anlehnung an den schwarzen Kuroshio für die Vereinigung vor Taiwan und für eine beständige Strömung in Richtung der gefestigten Demokratien in Japan, Kanada und den USA.
Bleibt zu hoffen, dass auch nach der Räumung der Parlaments durch die Sonnenblumenbewegung die Begeisterung für die Fortentwicklung der taiwanischen Demokratie – so wie der Kuroshio – nicht abkühlt. Wenn der china-nahe Präsident Ma Ying-Jeou (馬英九 / Mǎ Yīngjiǔ) dadurch verliert und seine kritischen Gegenspieler, wie der Parlamentspräsident Wáng Jīnpíng (王金平), ihre Position im Ansehen der Bevölkerung verbessern, ist dies meiner Meinung nach schon ein Gewinn für ein weiterhin unabhängiges und freies Taiwan.
Der Sitz des Präsidenten der Republik China auf Taiwan - Auch außerhalb politisch unruhiger Zeiten lauern Regierungsagenten in Zivil den Fotografen vor dem Geheimpalast auf. Wer respektvoll Abstand hält, wie diese vorbildliche Reisegruppe vom kommunistisch regierten Festlands China im Januar 2010, bleibt unbehelligt. In der schwarzen Strömung der Demokratiebewegung untergehen sollte farblich zumindest die Flut „roter“ oder „gelber“ Touristen. Ob das auch mit den „goldenen“ Verlockungen einer politisch-wirtschaftlichen Annäherung passieren wird?
Montag, 31. März 2014
Der Ursprung der Wale
Keine wirklich guten Nachrichten
Für nur 48.000 chinesische Renminbi (5.608,44 Euro nach heutigem Kurs) nach Taiwan auswandern? Mit einem Geschäftsvisum und danach einer ständigen Aufenthaltsgenehmigung beim Immobilienkauf? In den Genuß einer guten Krankenversicherung und medizinischen Versorgung kommen? Keine Geburtenkontrolle und 12 Jahre Schulbildung auf Staatskosten? Familienzusammenführung auf Taiwan? Die Chance, dass alle Familienangehörigen ein Geschäft gründen können? In Taiwan geborene Kinder die Staatsangehörigkeit der Republik China erhalten?
Die Volksrepublik China muss schlimm sein, dass so für eine Auswanderung nach Taiwan geworben wird, über die Fu Ludigel in seinem Blog schrieb.
Und was machen die Taiwaner? Nicht nur der beliebte Blogger und eine meiner Nichten protestieren, sondern auch zigtausende andere Menschen gingen gegen die Annäherung an die Volksrepublik China in Taipei auf die Straße.
Aber es gibt auch bessere Nachrichten vom heutigen Tage. Nach Auffassung des internationalen Gerichtshofs in Den Haag muss Japan die Jagd auf die Wale in der Antarktis beenden.
Vor dem Aquarium von Hengchun zeigen sich beeindruckend die mächtigen Meeressäuger als sprudelnd-spritzende Skulpturen.
Dabei trägt Taiwan durchaus eine Mitschuld am früheren Abschlachten der Wale, sei es durch die Nachfrage für die Küche im Land, wie auch durch Fangpiraterie und eigene Jagd. So sah der Autor vor einigen Jahren in einem Restaurant, das so heute nicht mehr besteht, nahe einem kleinen Fischerhafen bei Kending ein historisches Foto von der Anlandung eines großen Wals, von dem auch die Wirtin berichten konnte.
Die Entwicklung der Wale, so wie sie im Meeresaquarium illustriert wird, und ihre Gefährdung erinnert stark an Loriots wilden Waldmops dessen einstmals mächtige Schaufeln zurückgezüchtet wurden, da ein Zwölfender sich kaum zum Schosshund für ältere Damen eignet.
In Kombination mit dem, was das Besucherzentrum des Nationalparks Kending ausgestopft präsentierte, wird klar: Die Wale stammen vom taiwanischen Reh ab.
Bleibt für die Wale zu hoffen, dass sie weder zurückgezüchtet werden noch ihnen durch andere profitorientierte Walfängernationen an Stelle der Japaner der Garaus gemacht wird. Zudem stellt sich die Frage, wo es jetzt mit der japanischen Jagd weiter geht, wenn diese in der Antarktis beendet wird. Also, wirklich gut scheint diese Nachricht dann doch nicht zu sein.
Für nur 48.000 chinesische Renminbi (5.608,44 Euro nach heutigem Kurs) nach Taiwan auswandern? Mit einem Geschäftsvisum und danach einer ständigen Aufenthaltsgenehmigung beim Immobilienkauf? In den Genuß einer guten Krankenversicherung und medizinischen Versorgung kommen? Keine Geburtenkontrolle und 12 Jahre Schulbildung auf Staatskosten? Familienzusammenführung auf Taiwan? Die Chance, dass alle Familienangehörigen ein Geschäft gründen können? In Taiwan geborene Kinder die Staatsangehörigkeit der Republik China erhalten?
Die Volksrepublik China muss schlimm sein, dass so für eine Auswanderung nach Taiwan geworben wird, über die Fu Ludigel in seinem Blog schrieb.
Und was machen die Taiwaner? Nicht nur der beliebte Blogger und eine meiner Nichten protestieren, sondern auch zigtausende andere Menschen gingen gegen die Annäherung an die Volksrepublik China in Taipei auf die Straße.
Aber es gibt auch bessere Nachrichten vom heutigen Tage. Nach Auffassung des internationalen Gerichtshofs in Den Haag muss Japan die Jagd auf die Wale in der Antarktis beenden.
Vor dem Aquarium von Hengchun zeigen sich beeindruckend die mächtigen Meeressäuger als sprudelnd-spritzende Skulpturen.
Dabei trägt Taiwan durchaus eine Mitschuld am früheren Abschlachten der Wale, sei es durch die Nachfrage für die Küche im Land, wie auch durch Fangpiraterie und eigene Jagd. So sah der Autor vor einigen Jahren in einem Restaurant, das so heute nicht mehr besteht, nahe einem kleinen Fischerhafen bei Kending ein historisches Foto von der Anlandung eines großen Wals, von dem auch die Wirtin berichten konnte.
Die Entwicklung der Wale, so wie sie im Meeresaquarium illustriert wird, und ihre Gefährdung erinnert stark an Loriots wilden Waldmops dessen einstmals mächtige Schaufeln zurückgezüchtet wurden, da ein Zwölfender sich kaum zum Schosshund für ältere Damen eignet.
In Kombination mit dem, was das Besucherzentrum des Nationalparks Kending ausgestopft präsentierte, wird klar: Die Wale stammen vom taiwanischen Reh ab.
Bleibt für die Wale zu hoffen, dass sie weder zurückgezüchtet werden noch ihnen durch andere profitorientierte Walfängernationen an Stelle der Japaner der Garaus gemacht wird. Zudem stellt sich die Frage, wo es jetzt mit der japanischen Jagd weiter geht, wenn diese in der Antarktis beendet wird. Also, wirklich gut scheint diese Nachricht dann doch nicht zu sein.
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Taiwan 2013 / 2014
Sonntag, 30. März 2014
Sonnenblumen in Bewegung
330 nach 228?
Den Sonnenblumen auf der schönen Insel, auf portugiesisch „ilha formosa“, im Pazifik gelegen, geht es bisher einigermaßen gut. Diese hier posten für das Foto in Chiatou im Dezember 2009.
Nach Normen und Regeln von ausreichender Rechtsstaatlichkeit können die Bauern die hübschen Blumen säen und ernten. Ohne einigermaßen gerechtes Verfahren und eine angemessene Entschädigung wird ihnen nicht der Boden zum Wachsen entzogen. Fast alle Menschen in ihrer Umgebung haben die Chance auskömmlich am Wirtschaftsleben teilzunehmen und ihre eigene Persönlichkeit frei zu entwickeln. Die Bürgerinnen und Bürger werden sogar alle paar Jahre gefragt, ob sie ihre Regierung behalten wollen oder lieber eine andere wählen. Wenn ihnen irgendetwas nicht passt und sie ihre Meinung sagen, verschwinden sie auch nicht mehr im Knast oder auf einer abgelegenen Gefangeneninsel wie dies vor vielen Jahren noch der Fall war.
Glückliche Hello-Kitty-Insel – Was stört uns der Rest der Welt?
Es könnte immer so weiter gehen, wenn es nicht einen Nachbarn gäbe, der glaubt, dass er das Recht hat, ungefragt über die schöne Insel zu regieren. Zudem hat das mehr auf Gier und weniger auf Teilen basierende Wirtschaftssystem im Zeitalter der Globalisierung die Inselbevölkerung ziemlich unter Druck gesetzt. Wenige profitieren davon, aber viele fragen sich, wie die zunehmende Konzentration von Kapital und wirtschaftlicher Macht enden soll. Während in früheren Jahrzehnten Taiwan sich durch die Anstrengungen und Entbehrungen sowie seinen Geschäftssinn und den mächtigen Freund USA jenseits des Pazifiks zur Wohlstandsgesellschaft heraufgearbeitet hatte, bringen die veränderten politischen und wirtschaftlichen Vorzeichen für die Zukunft große Risiken mit sich.
Der Schönheit am Strand nachzuschauen, ist der angenehmere Zeitvertreib als sich über die Motivation der Studenten in Taipei und die politischen Auswirkungen ihrer Aktionen nachzudenken.
Was der Reisende Anfang des Jahres ahnen und fühlen konnte, kam jetzt zum Ausbruch. Junge Menschen in Taiwan sind nicht immer so „Gaga“ und „Soft“, wie sie von den Medien gemacht werden sollen und wie sich sich vielleicht manchmal auch geben. Sie machen sich ernsthaft Gedanken über ihre Zukunft und auch die Entwicklung der demokratischen Gesellschaft auf Taiwan.
Dass Ma Ying Jeou versucht hat, die wirtschaftliche Entwicklung Taiwans durch eine größere Öffnung und einen stärkeren Opportunismus gegenüber China voran zu bringen, ist durchaus nachvollziehbar. Sie wird aber ihren politischen Preis haben. Dem internationalen Dogma einer ökonomischen Liberalisierung folgend ist dabei auch zu erwarten, dass nur wenige Große davon profitieren. Die Masse der Taiwaner wird voraussichtlich noch stärker unter Druck geraten, wenn es mehr Wettbewerb im Dienstleistungsbereich durch das „Cross-Strait Agreement on Trade in Services“ geben wird.
So steckt Taiwan gegenüber seinem Nachbarn Volksrepublik China in einer unangenehmen Zwickmühle zwischen der vermeintlichen Sicherung des wirtschaftlichen Wohlstands einerseits und andererseits der politischen Freiheiten.
Selbstverwaltung und Freiheit waren in Taiwan in vielen Jahrhunderten eine Utopie. Die Ureinwohner hatte es am schwersten getroffen. Seit der niederländischen Kolonisation im 17. Jahrhundert und der zunehmenden Besiedlung der Insel mit Han-Chinesen vom Festland befand sich ihre Kultur auf dem Rückzug. Nach der Übernahme der Insel 1895 durch die Japan ging ihre Autonomie vollständig verloren.
Als besonderer Stressfaktor kommt die wahrnehmbare Inaktivität des Westens bei der Einverleibung der Krim durch Russland während einer innenpolitisch schwierigen Situation hinzu. Entgegen völkerrechtlicher Verträge hat Russland gehandelt. Trotz Zusicherung hat die Ukraine keinen Beistand zum Erhalt ihrer territorialen Integrität bekommen. Um wieviel mehr ist das außenpolitisch isolierte Taiwan gefährdet: mehr als 23 Millionen Chinesen warten dort auf die Wiedervereinigung aus der Sichtweise der Volksrepublik. Dieses undemokratische Regime nutzt stets die Schwächen seiner Nachbarn aus, um seinen Machtbereich zu erweitern, wie dies beispielsweise bei den Spratly-Inseln geschehen ist.
Kanonen am Fort Zeelandia in Taiwan – Militärische Stärke ist immer noch ein probates Mittel der Politik wie zu den Zeiten der Holländer auf Taiwan ab 1642. Mit genügend Nachschub für den niederländischen Gouverneur Coyett im Jahr 1662 wäre Taiwan heute so unabhängig wie Indonesien oder Sri Lanka.
Scheinbar fällt es dem Westen überhaupt schwer zu verstehen, was in Taiwan abläuft, wenn selbst unter dem renommierten Titel der „ZEIT“ solch ein Artikel erscheint, der mehrfach von Kommentatoren korrigiert werden muss.
Am 28. Februar 1947 und in den darauffolgenden Tagen kämpften Taiwaner während des sogenannten „228 Zwischenfalls“ gegen eine repressive und korrupte Regierung. Nach diesem Aufstand ist der 228-Park in Taipei benannt. Für den Eisenbahn-Aficionado ist der Park deshalb so interessant weil hier zwei Museumsloks in einem Glaspavillion aufgestellt sind. Eine davon ist die erste Lokomotive Taiwans, die „Teng Yung“, gebaut bei der Firma Hohenzollern in Düsseldorf 1887.
Sicherlich ist die heutige Situation mit der vom 28.2.1947 überhaupt nicht zu vergleichen. Heute geht es um einen politischen Richtungsstreit, der durchaus noch eskalieren kann. Taiwan steht unter Stress. Aber ein „330“ als neues „228“ wird daraus nicht entstehen. Dafür sind die Ausgangsbedingungen ganz andere: Ma Ying Jeou ist zwar unpopulär, aber von der Mehrheit der Bevölkerung fair gewählt und es gibt eine funktionierende Opposition.
Wer der hohen Politik seine Meinung sagen will, kann mit den taiwanischen Student für die Rettung der Demokratie in Frankfurt heute Mittag demonstrieren. Gestern habe ich leider die Chance verpasst mein „Free Taiwan“-Schild Xi Jinping bei seiner Fahrt durch Düsseldorf vor die Nase zu halten. Der Schlüssel zur Lösung der politischen und wirtschaftlichen Fragen Taiwans liegt nun einmal in China. Demnächst kann dann vor dem neuen chinesischen Konsulat in Düsseldorf protestiert werden, das Anlass des Besuchs von Xi in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt war.
Es bleibt zu hoffen, dass so bald kein Taifun über die formose Insel ziehen wird und die hübschen Sonnenblumen einknicken lässt.
Den Sonnenblumen auf der schönen Insel, auf portugiesisch „ilha formosa“, im Pazifik gelegen, geht es bisher einigermaßen gut. Diese hier posten für das Foto in Chiatou im Dezember 2009.
Nach Normen und Regeln von ausreichender Rechtsstaatlichkeit können die Bauern die hübschen Blumen säen und ernten. Ohne einigermaßen gerechtes Verfahren und eine angemessene Entschädigung wird ihnen nicht der Boden zum Wachsen entzogen. Fast alle Menschen in ihrer Umgebung haben die Chance auskömmlich am Wirtschaftsleben teilzunehmen und ihre eigene Persönlichkeit frei zu entwickeln. Die Bürgerinnen und Bürger werden sogar alle paar Jahre gefragt, ob sie ihre Regierung behalten wollen oder lieber eine andere wählen. Wenn ihnen irgendetwas nicht passt und sie ihre Meinung sagen, verschwinden sie auch nicht mehr im Knast oder auf einer abgelegenen Gefangeneninsel wie dies vor vielen Jahren noch der Fall war.
Glückliche Hello-Kitty-Insel – Was stört uns der Rest der Welt?
Es könnte immer so weiter gehen, wenn es nicht einen Nachbarn gäbe, der glaubt, dass er das Recht hat, ungefragt über die schöne Insel zu regieren. Zudem hat das mehr auf Gier und weniger auf Teilen basierende Wirtschaftssystem im Zeitalter der Globalisierung die Inselbevölkerung ziemlich unter Druck gesetzt. Wenige profitieren davon, aber viele fragen sich, wie die zunehmende Konzentration von Kapital und wirtschaftlicher Macht enden soll. Während in früheren Jahrzehnten Taiwan sich durch die Anstrengungen und Entbehrungen sowie seinen Geschäftssinn und den mächtigen Freund USA jenseits des Pazifiks zur Wohlstandsgesellschaft heraufgearbeitet hatte, bringen die veränderten politischen und wirtschaftlichen Vorzeichen für die Zukunft große Risiken mit sich.
Der Schönheit am Strand nachzuschauen, ist der angenehmere Zeitvertreib als sich über die Motivation der Studenten in Taipei und die politischen Auswirkungen ihrer Aktionen nachzudenken.
Was der Reisende Anfang des Jahres ahnen und fühlen konnte, kam jetzt zum Ausbruch. Junge Menschen in Taiwan sind nicht immer so „Gaga“ und „Soft“, wie sie von den Medien gemacht werden sollen und wie sich sich vielleicht manchmal auch geben. Sie machen sich ernsthaft Gedanken über ihre Zukunft und auch die Entwicklung der demokratischen Gesellschaft auf Taiwan.
Dass Ma Ying Jeou versucht hat, die wirtschaftliche Entwicklung Taiwans durch eine größere Öffnung und einen stärkeren Opportunismus gegenüber China voran zu bringen, ist durchaus nachvollziehbar. Sie wird aber ihren politischen Preis haben. Dem internationalen Dogma einer ökonomischen Liberalisierung folgend ist dabei auch zu erwarten, dass nur wenige Große davon profitieren. Die Masse der Taiwaner wird voraussichtlich noch stärker unter Druck geraten, wenn es mehr Wettbewerb im Dienstleistungsbereich durch das „Cross-Strait Agreement on Trade in Services“ geben wird.
So steckt Taiwan gegenüber seinem Nachbarn Volksrepublik China in einer unangenehmen Zwickmühle zwischen der vermeintlichen Sicherung des wirtschaftlichen Wohlstands einerseits und andererseits der politischen Freiheiten.
Selbstverwaltung und Freiheit waren in Taiwan in vielen Jahrhunderten eine Utopie. Die Ureinwohner hatte es am schwersten getroffen. Seit der niederländischen Kolonisation im 17. Jahrhundert und der zunehmenden Besiedlung der Insel mit Han-Chinesen vom Festland befand sich ihre Kultur auf dem Rückzug. Nach der Übernahme der Insel 1895 durch die Japan ging ihre Autonomie vollständig verloren.
Als besonderer Stressfaktor kommt die wahrnehmbare Inaktivität des Westens bei der Einverleibung der Krim durch Russland während einer innenpolitisch schwierigen Situation hinzu. Entgegen völkerrechtlicher Verträge hat Russland gehandelt. Trotz Zusicherung hat die Ukraine keinen Beistand zum Erhalt ihrer territorialen Integrität bekommen. Um wieviel mehr ist das außenpolitisch isolierte Taiwan gefährdet: mehr als 23 Millionen Chinesen warten dort auf die Wiedervereinigung aus der Sichtweise der Volksrepublik. Dieses undemokratische Regime nutzt stets die Schwächen seiner Nachbarn aus, um seinen Machtbereich zu erweitern, wie dies beispielsweise bei den Spratly-Inseln geschehen ist.
Kanonen am Fort Zeelandia in Taiwan – Militärische Stärke ist immer noch ein probates Mittel der Politik wie zu den Zeiten der Holländer auf Taiwan ab 1642. Mit genügend Nachschub für den niederländischen Gouverneur Coyett im Jahr 1662 wäre Taiwan heute so unabhängig wie Indonesien oder Sri Lanka.
Scheinbar fällt es dem Westen überhaupt schwer zu verstehen, was in Taiwan abläuft, wenn selbst unter dem renommierten Titel der „ZEIT“ solch ein Artikel erscheint, der mehrfach von Kommentatoren korrigiert werden muss.
Am 28. Februar 1947 und in den darauffolgenden Tagen kämpften Taiwaner während des sogenannten „228 Zwischenfalls“ gegen eine repressive und korrupte Regierung. Nach diesem Aufstand ist der 228-Park in Taipei benannt. Für den Eisenbahn-Aficionado ist der Park deshalb so interessant weil hier zwei Museumsloks in einem Glaspavillion aufgestellt sind. Eine davon ist die erste Lokomotive Taiwans, die „Teng Yung“, gebaut bei der Firma Hohenzollern in Düsseldorf 1887.
Sicherlich ist die heutige Situation mit der vom 28.2.1947 überhaupt nicht zu vergleichen. Heute geht es um einen politischen Richtungsstreit, der durchaus noch eskalieren kann. Taiwan steht unter Stress. Aber ein „330“ als neues „228“ wird daraus nicht entstehen. Dafür sind die Ausgangsbedingungen ganz andere: Ma Ying Jeou ist zwar unpopulär, aber von der Mehrheit der Bevölkerung fair gewählt und es gibt eine funktionierende Opposition.
Wer der hohen Politik seine Meinung sagen will, kann mit den taiwanischen Student für die Rettung der Demokratie in Frankfurt heute Mittag demonstrieren. Gestern habe ich leider die Chance verpasst mein „Free Taiwan“-Schild Xi Jinping bei seiner Fahrt durch Düsseldorf vor die Nase zu halten. Der Schlüssel zur Lösung der politischen und wirtschaftlichen Fragen Taiwans liegt nun einmal in China. Demnächst kann dann vor dem neuen chinesischen Konsulat in Düsseldorf protestiert werden, das Anlass des Besuchs von Xi in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt war.
Es bleibt zu hoffen, dass so bald kein Taifun über die formose Insel ziehen wird und die hübschen Sonnenblumen einknicken lässt.
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Taiwan 2013 / 2014
Mittwoch, 12. Februar 2014
Haut ab von meiner Insel!
Spaziergang in Eluanbi und Frühlingsfest in Düsseldorf
„Haut ab von meiner Insel“, murmelte die beste Ehefrau von allen angesichts der Plakate, Aktivisten, Lautsprecherpropaganda, der von volksrepublikanischen Reiseführen angeführten und regimetreuen Aufpassern begleiteten Gruppen, die wir an den schönsten Orten von Südtaiwan trafen.
Neben dem einen und anderen Máo Fěi (毛匪), der sich anschaut, was untrennbarer Bestandteil Chinas sein soll und auf den Anspruch erhoben wird, trafen wir in Éluánbí (鵝鑾鼻), dem Kap an der Südspitze Taiwans, auch auf Demonstranten der religiösen Meditationsbewegung Falun Gong , welche die Absicht haben, passierende Festlandschinesen zu verunsichern.
Welche Denkweisen dort aneinander vorbei gehen, lässt sich anhand der Kommentare, die teilweise in einem wenig deutsch klingenden Deutsch verfasst sind, unter der Spiegel-Artikel über die jüngsten Regierungsgespräche zwischen der Republik China und der Volksrepublik China erahnen. Da haben einige volksrepublikanische Studenten bestimmt wieder viel Zeit zwischen den Vorlesungen gehabt.
Wenn ich auch keine Parallelen zur NS-Zeit in Taiwan sehe, kann ich doch dem einen oder anderen Kommentar gut folgen, die Gedanken meiner letzten Artikel in diesem Blog aufgreifen.
Verfolgung und Greueltaten in der Volksrepublik China werden den Besuchern des Parks von Éluánbí (鵝鑾鼻) vor die Nase gehalten. Die freie Meinungsäußerung ist in Taiwan fast uneingeschränkt möglich. Unpassend wirkt der Ort, Andersdenkende und Unwissende auf Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Das dies nicht allen Taiwanern gefällt, die hierhin kommen, um den Natur und Freizeitraum zu genießen und zu entspannen, ist durchaus nachvollziehbar.
Was ist zu tun? Wenn die Mächtigen und Reichen auf beiden Seiten der Taiwan Straße aus Gier die Annäherung wollen, wird es für die Menschen schwierig. Die Regierung und Eigentümer der Medien bestimmen, wie und mit welchen Inhalten die Massen berieselt werden. Eine politische Bildung findet nur insoweit statt, wie sie mit den staatlichen und ökonomischen Zielen konform ist. Auch ein Fernsehsender, wie der BBC, ist deshalb absolut systemkonform.
Fujian und Taiwan - Politisch korrekte Kartendarstellung aller Leuchttürme im Wärterhaus des Leuchtturm von Éluánbí (鵝鑾鼻). Keine Republik, keine Volksrepublik, kein China, nur die Namen der Provinzen werden genannt. Die Landmassen sind farblich gleich angelegt. So werden mögliche Verunsicherungen vermieden.
Ein Wandel kann meines Erachtens nur durch andere Wahlergebnisse, einer Unterstützung von Opposition und Bürgerrechtsbewegungen hervorgerufen werden. So bleibt zu hoffen, dass die demokratische Fortschrittspartei DPP bei der nächsten Wahl die Regierung ablösen kann, um diese unselige Entwicklung zu stoppen. Wie ich das sehe, können wir als Ausländer dies nur durch private Gespräche mit vielen Menschen und Internetaktivitäten unterstützen.
Gelegenheit zum Dialog mit Taiwanern – Die Taiwanvereine in Westdeutschland und der Rat für Angelegenheiten der Überseegemeinschaft OCAC haben zum chinesischen Neujahrsfest am 9. Februar 2014 in Düsseldorf eingeladen. Besondere Gäste waren die O-kai Sänger (歐開合唱團), die A-Capella die jazzig Melodien der Ureinwohner Taiwans und bekannte englisch- und chinesischsprachige Stücke interpretierten und kombinierten. Die gelungene und runde Darbietung auf der Bühne gefiel sogar Luo You, der ansonsten instrumental und jazz-frei bevorzugt.
P. S. Es macht durchaus Sinn gegenüber den Taiwaner für die Einführung einer Demokratie nach Schweizer Vorbild zu werben. Vielleicht gibt es danach einen erfolgreichen Volksentscheidung, um die asiatische Urlaubsmigration radikal zu begrenzen und eine angenehme Zugänglichkeit von Orten wie Alishan für den Familienbesucher aus Europa wieder herzustellen.
„Haut ab von meiner Insel“, murmelte die beste Ehefrau von allen angesichts der Plakate, Aktivisten, Lautsprecherpropaganda, der von volksrepublikanischen Reiseführen angeführten und regimetreuen Aufpassern begleiteten Gruppen, die wir an den schönsten Orten von Südtaiwan trafen.
Neben dem einen und anderen Máo Fěi (毛匪), der sich anschaut, was untrennbarer Bestandteil Chinas sein soll und auf den Anspruch erhoben wird, trafen wir in Éluánbí (鵝鑾鼻), dem Kap an der Südspitze Taiwans, auch auf Demonstranten der religiösen Meditationsbewegung Falun Gong , welche die Absicht haben, passierende Festlandschinesen zu verunsichern.
Welche Denkweisen dort aneinander vorbei gehen, lässt sich anhand der Kommentare, die teilweise in einem wenig deutsch klingenden Deutsch verfasst sind, unter der Spiegel-Artikel über die jüngsten Regierungsgespräche zwischen der Republik China und der Volksrepublik China erahnen. Da haben einige volksrepublikanische Studenten bestimmt wieder viel Zeit zwischen den Vorlesungen gehabt.
Wenn ich auch keine Parallelen zur NS-Zeit in Taiwan sehe, kann ich doch dem einen oder anderen Kommentar gut folgen, die Gedanken meiner letzten Artikel in diesem Blog aufgreifen.
Verfolgung und Greueltaten in der Volksrepublik China werden den Besuchern des Parks von Éluánbí (鵝鑾鼻) vor die Nase gehalten. Die freie Meinungsäußerung ist in Taiwan fast uneingeschränkt möglich. Unpassend wirkt der Ort, Andersdenkende und Unwissende auf Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen. Das dies nicht allen Taiwanern gefällt, die hierhin kommen, um den Natur und Freizeitraum zu genießen und zu entspannen, ist durchaus nachvollziehbar.
Was ist zu tun? Wenn die Mächtigen und Reichen auf beiden Seiten der Taiwan Straße aus Gier die Annäherung wollen, wird es für die Menschen schwierig. Die Regierung und Eigentümer der Medien bestimmen, wie und mit welchen Inhalten die Massen berieselt werden. Eine politische Bildung findet nur insoweit statt, wie sie mit den staatlichen und ökonomischen Zielen konform ist. Auch ein Fernsehsender, wie der BBC, ist deshalb absolut systemkonform.
Fujian und Taiwan - Politisch korrekte Kartendarstellung aller Leuchttürme im Wärterhaus des Leuchtturm von Éluánbí (鵝鑾鼻). Keine Republik, keine Volksrepublik, kein China, nur die Namen der Provinzen werden genannt. Die Landmassen sind farblich gleich angelegt. So werden mögliche Verunsicherungen vermieden.
Ein Wandel kann meines Erachtens nur durch andere Wahlergebnisse, einer Unterstützung von Opposition und Bürgerrechtsbewegungen hervorgerufen werden. So bleibt zu hoffen, dass die demokratische Fortschrittspartei DPP bei der nächsten Wahl die Regierung ablösen kann, um diese unselige Entwicklung zu stoppen. Wie ich das sehe, können wir als Ausländer dies nur durch private Gespräche mit vielen Menschen und Internetaktivitäten unterstützen.
Gelegenheit zum Dialog mit Taiwanern – Die Taiwanvereine in Westdeutschland und der Rat für Angelegenheiten der Überseegemeinschaft OCAC haben zum chinesischen Neujahrsfest am 9. Februar 2014 in Düsseldorf eingeladen. Besondere Gäste waren die O-kai Sänger (歐開合唱團), die A-Capella die jazzig Melodien der Ureinwohner Taiwans und bekannte englisch- und chinesischsprachige Stücke interpretierten und kombinierten. Die gelungene und runde Darbietung auf der Bühne gefiel sogar Luo You, der ansonsten instrumental und jazz-frei bevorzugt.
P. S. Es macht durchaus Sinn gegenüber den Taiwaner für die Einführung einer Demokratie nach Schweizer Vorbild zu werben. Vielleicht gibt es danach einen erfolgreichen Volksentscheidung, um die asiatische Urlaubsmigration radikal zu begrenzen und eine angenehme Zugänglichkeit von Orten wie Alishan für den Familienbesucher aus Europa wieder herzustellen.
Montag, 27. Januar 2014
Die gelbe Ente – Was geschah
These 3, wie Taiwan die Demokratie abschafft
Um das klar zu stellen: Natürlich geht es nicht darum, Taiwan als etwas besonders herauszustellen, wenn es darum geht zu beschreiben, welches Risko aktuelle Entwicklung für den Verlust von basisdemokratischen Gesellschaftsordnung, von persönlichen Freiheiten und der Teilhabe am Wohlstand in dieser Welt beinhalten.
Auch in Deutschland gibt es diese Tendenzen. Wenn in einem nahe gelegenen Stadtteil ein Kindergarten, gefördert mit öffentlichen Mitteln und dauerhaft bezahlt von der örtlichen Gemeinschaft, auf dem Grundstück eines Stadtverordneten durch die Baugesellschaft eines Kreistagsmigliedes gebaut wird, wo zeitgleich besser geeignete Grundstücke im städtischen Eigentum brach liegen und nur Kosten für die Stadt verursachen, scheint auch hier etwas nicht zu stimmen.
Aber dies ist nun einmal nicht der Blog eines deutschen „Whistle-Blowers“ sondern des Taiwanreisenden Luo You. Mir als Außenstehender in Taiwan fällt vielleicht besonders auf, dass durch die herrschende Regierung die Massen verdummend beruhigt werden und sehr vieles skrupellos dem Kommerz in den Rachen geworfen wird. Da wird deutlich, wie hoch in der chinesische Kultur der Wert von Geld ist und wie pragmatisch und rücksichtslos gegenüber Natur und Menschen sie sein kann, wenn es darum geht, gute Geschäfte zu machen.
Reisemitbringsel aus Taiwan auch für ein Kind – Die überdimensionierte gelbe Gummiente im Hafenbecken von Kaohsiung war bereits Thema eines Artikels hier im Blog. Nach Kaohsiung und Taoyuan tauchte die Ente auch in Keelung auf. Hier kritisierte der Künstler Florentijn Hofman, dass die Installation im Hafenbecken von Keelung zu einem rein kommeriellen Zirkus wurde. Der ursprüngliche Ansatz des Künstlers, mit der Ente, die ruhig und einfach vor sich hindümpelt, Freude in der Welt zu verbreiten, wurde in eine profitbringende Geschäftsidee verdreht.
Selbst in Kaohsiung gab es kein Kaufhaus ohne ein Regal mit Gummienten, so sehr wirkte die Idee in der Geschäftswelt nach. Ebenso wurde in der Werbung die Idee und das Bild der gelben Ente aufgegriffen, die dann manchmal sogar mit einer roten Mütze vom Weihnachtsmann posieren musste. Es ist schon gruselig, dass eigentlich alles, was die Menschen in Taiwan zu interessieren beginnt, im nu zum Wirtschaftsfaktor wird. Kommerzfrei ist fast gar nichts.
Aber nicht nur wegen des Kommerzes ging es der Ente in Keelung dreckig. Vermutlich das feuchte, graue Winterwetter kombiniert mit der rußigen Industrieluft der Hafenstadt in der Nordostecke Taiwans setzte dem Spielzeug für Riesen schnell zu. Die ersten Versuche, die Ente mit Wasserspritzen wieder zu säubern, wurden erfolglos gestoppt. Danach kamen die taiwanischen Schrubber mittels einer Hebebühne zum Einsatz.
Hatte die Ente schon in Taoyuan den Arsch offen gehabt, ging ihr Neujahr 2014 in Keelung vollends die Luft aus. Ob das an zu starken Reinigungsmitteln lag? Für Sympathisanten der demokratischen Fortschrittspartei (DPP) war dies ein klares Zeichen, dass eine Regierung, die von der Kuomintang (KMT), gestellt wird, so wie in Keelung, alles vermasselt. In der Großstadt Kaohsiung, regiert von der DPP, war der Aufenthalt der Gummiente perfekt durchgeführt worden.
Jedenfalls zeigt sich, dass es große Nachteile mit sich bringt, ohne Rücksicht auf das Empfinden der Menschen und bekannten Voraussetzungen alles dem Kommerz zu opfern. Zwar fanden wir während der Zeit in Taiwan die alltägliche Fernseh- und Zeitungsente, die uns begleiteten, amüsant, doch hätten wir uns mehr gefreut, die Ente noch im sonnigen, vom Meereswind rein gehaltenen Hafenbecken von Kaohsiung zu sehen.
Genauso sollte auch Taiwan nicht seine Freiheiten und Demokratie opfern und weitere Zugeständnisse gegenüber der VR China machen, nur um mehr Geschäfte und Geld machen zu können. Einer smarten Regierung sollte beides gelingen, nämlich den Wohlstand und die demokratischen Freiheiten für alle Einwohner zu sichern. Bei der gegenwärtigen Regierung von Ma Ying-jeou oder Mǎ Yīng Jiǔ (馬英九) bestehen da große Zweifel.
Um das klar zu stellen: Natürlich geht es nicht darum, Taiwan als etwas besonders herauszustellen, wenn es darum geht zu beschreiben, welches Risko aktuelle Entwicklung für den Verlust von basisdemokratischen Gesellschaftsordnung, von persönlichen Freiheiten und der Teilhabe am Wohlstand in dieser Welt beinhalten.
Auch in Deutschland gibt es diese Tendenzen. Wenn in einem nahe gelegenen Stadtteil ein Kindergarten, gefördert mit öffentlichen Mitteln und dauerhaft bezahlt von der örtlichen Gemeinschaft, auf dem Grundstück eines Stadtverordneten durch die Baugesellschaft eines Kreistagsmigliedes gebaut wird, wo zeitgleich besser geeignete Grundstücke im städtischen Eigentum brach liegen und nur Kosten für die Stadt verursachen, scheint auch hier etwas nicht zu stimmen.
Aber dies ist nun einmal nicht der Blog eines deutschen „Whistle-Blowers“ sondern des Taiwanreisenden Luo You. Mir als Außenstehender in Taiwan fällt vielleicht besonders auf, dass durch die herrschende Regierung die Massen verdummend beruhigt werden und sehr vieles skrupellos dem Kommerz in den Rachen geworfen wird. Da wird deutlich, wie hoch in der chinesische Kultur der Wert von Geld ist und wie pragmatisch und rücksichtslos gegenüber Natur und Menschen sie sein kann, wenn es darum geht, gute Geschäfte zu machen.
Reisemitbringsel aus Taiwan auch für ein Kind – Die überdimensionierte gelbe Gummiente im Hafenbecken von Kaohsiung war bereits Thema eines Artikels hier im Blog. Nach Kaohsiung und Taoyuan tauchte die Ente auch in Keelung auf. Hier kritisierte der Künstler Florentijn Hofman, dass die Installation im Hafenbecken von Keelung zu einem rein kommeriellen Zirkus wurde. Der ursprüngliche Ansatz des Künstlers, mit der Ente, die ruhig und einfach vor sich hindümpelt, Freude in der Welt zu verbreiten, wurde in eine profitbringende Geschäftsidee verdreht.
Selbst in Kaohsiung gab es kein Kaufhaus ohne ein Regal mit Gummienten, so sehr wirkte die Idee in der Geschäftswelt nach. Ebenso wurde in der Werbung die Idee und das Bild der gelben Ente aufgegriffen, die dann manchmal sogar mit einer roten Mütze vom Weihnachtsmann posieren musste. Es ist schon gruselig, dass eigentlich alles, was die Menschen in Taiwan zu interessieren beginnt, im nu zum Wirtschaftsfaktor wird. Kommerzfrei ist fast gar nichts.
Aber nicht nur wegen des Kommerzes ging es der Ente in Keelung dreckig. Vermutlich das feuchte, graue Winterwetter kombiniert mit der rußigen Industrieluft der Hafenstadt in der Nordostecke Taiwans setzte dem Spielzeug für Riesen schnell zu. Die ersten Versuche, die Ente mit Wasserspritzen wieder zu säubern, wurden erfolglos gestoppt. Danach kamen die taiwanischen Schrubber mittels einer Hebebühne zum Einsatz.
Hatte die Ente schon in Taoyuan den Arsch offen gehabt, ging ihr Neujahr 2014 in Keelung vollends die Luft aus. Ob das an zu starken Reinigungsmitteln lag? Für Sympathisanten der demokratischen Fortschrittspartei (DPP) war dies ein klares Zeichen, dass eine Regierung, die von der Kuomintang (KMT), gestellt wird, so wie in Keelung, alles vermasselt. In der Großstadt Kaohsiung, regiert von der DPP, war der Aufenthalt der Gummiente perfekt durchgeführt worden.
Jedenfalls zeigt sich, dass es große Nachteile mit sich bringt, ohne Rücksicht auf das Empfinden der Menschen und bekannten Voraussetzungen alles dem Kommerz zu opfern. Zwar fanden wir während der Zeit in Taiwan die alltägliche Fernseh- und Zeitungsente, die uns begleiteten, amüsant, doch hätten wir uns mehr gefreut, die Ente noch im sonnigen, vom Meereswind rein gehaltenen Hafenbecken von Kaohsiung zu sehen.
Genauso sollte auch Taiwan nicht seine Freiheiten und Demokratie opfern und weitere Zugeständnisse gegenüber der VR China machen, nur um mehr Geschäfte und Geld machen zu können. Einer smarten Regierung sollte beides gelingen, nämlich den Wohlstand und die demokratischen Freiheiten für alle Einwohner zu sichern. Bei der gegenwärtigen Regierung von Ma Ying-jeou oder Mǎ Yīng Jiǔ (馬英九) bestehen da große Zweifel.
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Samstag, 25. Januar 2014
Die Katze in der Flasche
These 2, wie Taiwan die Demokratie abschafft
Viele glauben, dass in einer demokratischen Gesellschaft Printmedien eine große Bedeutung haben. Dabei schmilzt den gedruckten Zeitungen nicht nur die Leserschaft weg, sondern ihr Inhalt ist zunehmend ökonomisch bestimmt und politisch vorgegeben. Sie sind mitnichten Wächter für die Demokratie und unabhängige Kontrolleure der Politik.
Dadurch, dass sie einzelne Ereignisse und Schicksale herausstellen, werden gesellschaftlich bedeutende Fragestellungen ausgeblendet. Eine Diskussion darüber ist nicht erwünscht. Vielmehr wird dadurch, dass Banalitäten ins Ramenpenlicht gestellt werden, für die allgemeine Öffentlichkeit eine heile Welt suggeriert.
Meisterlich sind die Zeitungen Taiwans wenn es darum geht, Nichtigkeiten viel Raum einzuräumen. Beispielhaft widmete genau vor einem Monat die Taipei Times Frau Lin einen große Artikel. Die junge Frau hatte ihre Hauskatze zur Strafe für schlechtes Verhalten in eine Plastikflasche gesteckt, was sehr witzig aussah. Die Bilder dazu hatte Frau Lin im Internet veröffentlicht und war daraufhin angezeigt worden. Danach drohen ihr bis zu 1000 US-Dollar oder ein Jahr Gefängnis wegen Tierquälerei.
Dabei sind etliche Taiwaner, sicher nicht die Mehrheit, wenig zimperlich, wenn es um ihre Tiere geht. Verlassene Straßenhunde mit elendem Aussahen sind noch verbreitet. Das Aussetzen von Hunden scheint die übliche Lösung zu sein, wenn das Tier den Besitzern zu viel Mühe bereitet. So hat die Schwägerin seit kurzem einen Chihuahua in der Familie, der eines Morgens überraschend vor der Tür des Reihenhauses saß.
Es ist zu hoffen, dass Tausende prächtiger und wunderschöner, toter Fische im Hafen von Houbihu (後壁湖) - neben dem Auslass des Atomkraftwerks - ihr Leben nicht umsonst gelassen haben und wirklich verzehrt werden. Der verschwenderische Überfluß an Nahrung in Taiwan hat seine Schattenseiten dort, wo das Meer stark befischt wird und die Ausdehnung oder intensivere Nutzung landwirtschaftlicher Flächen den Lebensraum wilder Tiere einschränkt und vernichtet.
Ziemlich viel wurde für das Fo Guang Shan Buddha Memorial Center platt gemacht. Von den Hügeln südlich des Bachtals in der Nähe des Kaoping-Flusses ist wenig übrig geblieben.
Sicherlich gab es eine Umweltverträglichkeitsprüfung und entsprechende Rechtsgrundlagen wurden für die Legalität des riesigen Bauprojektes geschaffen, um den Verlust für den Naturraum und die Tierwelt zu minimieren. Dennoch erscheint der Eingriff äußerst widersprüchlich im Vergleich zum religiösen Anspruch. War da nicht irgendetwas mit Tieren im Buddishmus? Aber so wie es aussieht, ist Taiwan in gleicher Weise vom Buddhismus geprägt, wie Deutschland besonders in den C-Parteien, wie CDU und CSU, seine christliche Werteordnung lebt.
Im Gegensatz zu Taiwan hat aber unter anderem die intensiv geführte Diskussion über „Stuttgart 21“ gezeigt, dass die deutsche Zivilgesellschaft wenigstens in der Lage ist, sich gegen milliardenschwere Monstervorhaben ihrer Eliten zu wehren. Die Katze in der Flasche und das öffentliche Herausstellen einer bösen Frau Lin werden nicht gebraucht, um Zeitungsseiten zu füllen und Sand in die Augen zu streuen.
Viele glauben, dass in einer demokratischen Gesellschaft Printmedien eine große Bedeutung haben. Dabei schmilzt den gedruckten Zeitungen nicht nur die Leserschaft weg, sondern ihr Inhalt ist zunehmend ökonomisch bestimmt und politisch vorgegeben. Sie sind mitnichten Wächter für die Demokratie und unabhängige Kontrolleure der Politik.
Dadurch, dass sie einzelne Ereignisse und Schicksale herausstellen, werden gesellschaftlich bedeutende Fragestellungen ausgeblendet. Eine Diskussion darüber ist nicht erwünscht. Vielmehr wird dadurch, dass Banalitäten ins Ramenpenlicht gestellt werden, für die allgemeine Öffentlichkeit eine heile Welt suggeriert.
Meisterlich sind die Zeitungen Taiwans wenn es darum geht, Nichtigkeiten viel Raum einzuräumen. Beispielhaft widmete genau vor einem Monat die Taipei Times Frau Lin einen große Artikel. Die junge Frau hatte ihre Hauskatze zur Strafe für schlechtes Verhalten in eine Plastikflasche gesteckt, was sehr witzig aussah. Die Bilder dazu hatte Frau Lin im Internet veröffentlicht und war daraufhin angezeigt worden. Danach drohen ihr bis zu 1000 US-Dollar oder ein Jahr Gefängnis wegen Tierquälerei.
Dabei sind etliche Taiwaner, sicher nicht die Mehrheit, wenig zimperlich, wenn es um ihre Tiere geht. Verlassene Straßenhunde mit elendem Aussahen sind noch verbreitet. Das Aussetzen von Hunden scheint die übliche Lösung zu sein, wenn das Tier den Besitzern zu viel Mühe bereitet. So hat die Schwägerin seit kurzem einen Chihuahua in der Familie, der eines Morgens überraschend vor der Tür des Reihenhauses saß.
Es ist zu hoffen, dass Tausende prächtiger und wunderschöner, toter Fische im Hafen von Houbihu (後壁湖) - neben dem Auslass des Atomkraftwerks - ihr Leben nicht umsonst gelassen haben und wirklich verzehrt werden. Der verschwenderische Überfluß an Nahrung in Taiwan hat seine Schattenseiten dort, wo das Meer stark befischt wird und die Ausdehnung oder intensivere Nutzung landwirtschaftlicher Flächen den Lebensraum wilder Tiere einschränkt und vernichtet.
Ziemlich viel wurde für das Fo Guang Shan Buddha Memorial Center platt gemacht. Von den Hügeln südlich des Bachtals in der Nähe des Kaoping-Flusses ist wenig übrig geblieben.
Sicherlich gab es eine Umweltverträglichkeitsprüfung und entsprechende Rechtsgrundlagen wurden für die Legalität des riesigen Bauprojektes geschaffen, um den Verlust für den Naturraum und die Tierwelt zu minimieren. Dennoch erscheint der Eingriff äußerst widersprüchlich im Vergleich zum religiösen Anspruch. War da nicht irgendetwas mit Tieren im Buddishmus? Aber so wie es aussieht, ist Taiwan in gleicher Weise vom Buddhismus geprägt, wie Deutschland besonders in den C-Parteien, wie CDU und CSU, seine christliche Werteordnung lebt.
Im Gegensatz zu Taiwan hat aber unter anderem die intensiv geführte Diskussion über „Stuttgart 21“ gezeigt, dass die deutsche Zivilgesellschaft wenigstens in der Lage ist, sich gegen milliardenschwere Monstervorhaben ihrer Eliten zu wehren. Die Katze in der Flasche und das öffentliche Herausstellen einer bösen Frau Lin werden nicht gebraucht, um Zeitungsseiten zu füllen und Sand in die Augen zu streuen.
Mittwoch, 22. Januar 2014
Historische Momente – Komische Menschen
These 1, wie Taiwan die Demokratie abschafft
Wer sich zum Jahreswechsel 2013 / 2014 über Taiwans Autobahnen bewegte, konnte Zeuge historischer Momente werden. Obwohl die nationalen Autobahnen „Freeway“ genannt werden, sind sie keineswegs frei.
Hinweisschild für eine Mautstation in Taiwan – Hier war bis zum 30. Dezember zahlen oder Ticket angesagt.
Bis zum vergangenen Monat gab es in regelmäßigen Abständen Mautstationen, um Tickets im Wert von etwa einem Euro für die Benutzung an die Kraftfahrer zu veräußern oder diese vom Zehnerblock aus dem Vorverkauf einzunehmen. 2006 wurde zusätzlich ETC als elektronisches Zahlsystem an den Mautstationen eingeführt.
Als bewundernswert empfand ich immer die asiatische Geschicklichkeit und Geschwindigkeit bei der Ticketübergabe tausender von Autofahrer an die „Mautmäuschen“, in der Regel dort beschäftigter junger Damen mit Mundschutz, in den Mauthäuschen.
Am 30. Dezember 2013 wurden die sämtliche Mautstationen geschlossen. In einer Übergangszeit von drei Tagen waren Taiwans Freeway wirklich frei und kostenlos zu befahren. Danach startete offiziell das neu installierte System eTag der Far Eastern Electronic Toll Collection Co. Ltd. (FETC), einem Unternehmen, das zu einem der größten taiwanischen Konzerne gehört.
Als Argumente für die Einführung des neuen Systems werden die Zeitersparnis ohne Geschwindigkeitsminderung an den Mautstationen auf der Fahrt durch Taiwan, die damit verbundene Reduzierung des Benzinverbrauch und enorme Kostensenkung bei Mauterhebung genannt. Die Abrechnung erfolgt nach gefahrener Strecke und Größe des Fahrzeugs. FETC bietet die Installation des Systems im Fahrzeug an. Aber selbst ohne Anmeldung wird der Wagen beziehungsweise das Fahrzeugkennzeichen an den neuen Kontrollbrücken erfasst und die zu zahlende Summe errechnet. Das Etag-Konto kann über IBON-Zahlautomaten in den Nachbarschaftsläden von 7-Eleven oder über andere Wege, etwa die Kreditkarte, ausgeglichen werden.
Historische Momente – Nach der Schließung der Mautstationen wurde umgehend mit dem Abriß begonnen. Die Presse berichtete über trauernde frühere Mitarbeiter, über viele Jahre entstandene soziale Beziehungen zwischen den Angestellten und den Autofahrern. Stationsleiter riefen dazu auf keine Geschenke abzugeben. Man wisse an den Stationen nicht, wohin damit. Ein schlimmer Verlust für kommende Generationen, welche die althergebrachten Mautstationen nicht kennenlernen werden, wurde heraufbeschworen.
Hunderte, vornehmlich Frauenarbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten sind damit entfallen. Meines Erachtens wird dieses Problem in den Medien nur gestreift. Die fast lückenlose Überwachung der individuellen Mobilität auf der Autobahn durch ein privates Unternehmen und den Staat wurde überhaupt nicht thematisiert. Die Risiken einer Politik des „Big Brother Is Watching You“ werden ignoriert, wie auch die Vielzahl von Überwachungskameras an jeder Straßenkreuzung zeigt. Vielmehr preist sich Taiwan als erste Nation ein derart umfassendes System auf allen Autobahnen eingeführt zu haben. „Ich habe nichts zu verbergen“, sagt die taiwanische Ehefrau. Gilt das auch für die Mächtigen oder bei einer Machtübernahme durch ein totalitaristisches System in Taiwan?
Statt Verdienstmöglichkeiten für viele Menschen gibt es jetzt eine optimale Einnahmesituation für einen Konzern, an den der Staat sich vertraglich gebunden hat. An Erlösen aus der Nutzung öffentliches Eigentum lässt der Staat ein einziges privates Unternehmen teilhaben, auch wenn dieses nur als Dienstleister für die Mauterhebung auftritt.
Hier wird an mehr als der Bausubstanz geknabbert. Wenn viele Menschen so daran hängen, wäre es gut gewesen, eine Station aus Gründen der Denkmalpflege zu erhalten. Die Stationen waren zwar taiwantypisch, aber nicht wirklich herausragend. Eigentlich bringt ihr Abbruch nur Vorteile. Kritisch wird das, was stattdessen kommt und wie mit den Menschen – Beschäftigte und Bevölkerung – umgegangen wird.
Ich bezweifel, ob eine Erhebung der technischen, sozialen und ökologischen Kosten des Verkehrs allein über den Treibstoffpreis und die Besteuerung der Fahrzeuge wirklich eine schlechtere, unzureichende Alternative darstellt. Ein staatliches System einer derartigen Datenerfassung über seine Einwohner und ihr Verhalten bringt für diese Zwecke keinen wirklichen Mehrwert. Zudem liegen in Taiwan die Benutzungsgebühren für die Autobahnen immer noch sehr niedrig. Auch stellen die Autobahnen kein „Premium Produkt“ des Verkehrs dar, für das ein höheres Preis zu verlangen wäre. Ihre Nutzung ist zur Entlastung der oftmals dicht bebauten Stadt- und Landstraßen verkehrsplanerisch wünschenswert.
Auch Bayerns Ministerpräsident Seehofer und die CSU zeigen, dass vielmehr politisch-ökonomische und weniger gesellschaftliche Ziele entscheidend für die Einführung solcher Systeme sind. Wäre die CSU so vehement für die Autobahnmaut, wenn es nicht einen Münchner Technologiekonzern gäbe, der hier innerhalb der nächsten zwei Jahre prima ins Geschäft kommen könnte? Es ist ziemlich klar, dass es kaum darum geht, einige Besitzer ausländischer Wagen und ein paar Holländer extra zur Kasse zu bitten. Das dürften nur bayerische Stammtische glauben. Als Endziel – über das Zwischenstadium Vignette zur Heranführung der Bevölkerung an die allgemeine Maut – ist ein System taiwanischer Prägung mit einer kompletten Mobilitätserfassung der Einzelnen und einem Zuschieben profitabler Aufträge an Industrie und Wirtschaft erkennbar.
In Taiwan gab es schon immer eine Autobahnmaut. Insofern war der Sprung von der Zahlung des Obulus an der Mautbox zur elektronischen Erfassung ein kleiner. Da hat Deutschland noch einen weiteren Weg von der freizügigen Straßennutzung zur Einzelerfassung aller Bewegungen der Fahrzeuge auf den Autobahnen. Aber wird das dann nicht unerheblich, weil bereits Handy-Daten und Internetverbindungen abgefangen, vorgehalten und gespeichert werden?
Nicht alles was geht, sollte auch gemacht werden. Es bedarf gewiß einer neuen Staatsmoral, was zum Schutz der Bürger und Finanzierung des Gemeinwesens erforderlich ist und wo dem Datenwahn und der Profitgier Grenzen zu setzen sind. Schade ist, dass die Piratenpartei dies nicht rüber bringen konnte.
Feierabend für den Abfangjäger mit Münchner Herkunft der Autobahnpolizei. Wenn durch automatische Kameras und elektronische Systeme jeder Wagen, jedes Kennzeichen, jeder Halter erfasst und der zur Kasse gebeten wird, braucht es keine Highway-Jagd auf Mautsünder mehr geben. Statt des langweiligen Stand-By der Polizeifahrzeuge an Mautstationen können jetzt mehr und wirtschaftlicher einnahmeverbessernde Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden.
Wer sich zum Jahreswechsel 2013 / 2014 über Taiwans Autobahnen bewegte, konnte Zeuge historischer Momente werden. Obwohl die nationalen Autobahnen „Freeway“ genannt werden, sind sie keineswegs frei.
Hinweisschild für eine Mautstation in Taiwan – Hier war bis zum 30. Dezember zahlen oder Ticket angesagt.
Bis zum vergangenen Monat gab es in regelmäßigen Abständen Mautstationen, um Tickets im Wert von etwa einem Euro für die Benutzung an die Kraftfahrer zu veräußern oder diese vom Zehnerblock aus dem Vorverkauf einzunehmen. 2006 wurde zusätzlich ETC als elektronisches Zahlsystem an den Mautstationen eingeführt.
Als bewundernswert empfand ich immer die asiatische Geschicklichkeit und Geschwindigkeit bei der Ticketübergabe tausender von Autofahrer an die „Mautmäuschen“, in der Regel dort beschäftigter junger Damen mit Mundschutz, in den Mauthäuschen.
Am 30. Dezember 2013 wurden die sämtliche Mautstationen geschlossen. In einer Übergangszeit von drei Tagen waren Taiwans Freeway wirklich frei und kostenlos zu befahren. Danach startete offiziell das neu installierte System eTag der Far Eastern Electronic Toll Collection Co. Ltd. (FETC), einem Unternehmen, das zu einem der größten taiwanischen Konzerne gehört.
Als Argumente für die Einführung des neuen Systems werden die Zeitersparnis ohne Geschwindigkeitsminderung an den Mautstationen auf der Fahrt durch Taiwan, die damit verbundene Reduzierung des Benzinverbrauch und enorme Kostensenkung bei Mauterhebung genannt. Die Abrechnung erfolgt nach gefahrener Strecke und Größe des Fahrzeugs. FETC bietet die Installation des Systems im Fahrzeug an. Aber selbst ohne Anmeldung wird der Wagen beziehungsweise das Fahrzeugkennzeichen an den neuen Kontrollbrücken erfasst und die zu zahlende Summe errechnet. Das Etag-Konto kann über IBON-Zahlautomaten in den Nachbarschaftsläden von 7-Eleven oder über andere Wege, etwa die Kreditkarte, ausgeglichen werden.
Historische Momente – Nach der Schließung der Mautstationen wurde umgehend mit dem Abriß begonnen. Die Presse berichtete über trauernde frühere Mitarbeiter, über viele Jahre entstandene soziale Beziehungen zwischen den Angestellten und den Autofahrern. Stationsleiter riefen dazu auf keine Geschenke abzugeben. Man wisse an den Stationen nicht, wohin damit. Ein schlimmer Verlust für kommende Generationen, welche die althergebrachten Mautstationen nicht kennenlernen werden, wurde heraufbeschworen.
Hunderte, vornehmlich Frauenarbeitsplätze und Verdienstmöglichkeiten sind damit entfallen. Meines Erachtens wird dieses Problem in den Medien nur gestreift. Die fast lückenlose Überwachung der individuellen Mobilität auf der Autobahn durch ein privates Unternehmen und den Staat wurde überhaupt nicht thematisiert. Die Risiken einer Politik des „Big Brother Is Watching You“ werden ignoriert, wie auch die Vielzahl von Überwachungskameras an jeder Straßenkreuzung zeigt. Vielmehr preist sich Taiwan als erste Nation ein derart umfassendes System auf allen Autobahnen eingeführt zu haben. „Ich habe nichts zu verbergen“, sagt die taiwanische Ehefrau. Gilt das auch für die Mächtigen oder bei einer Machtübernahme durch ein totalitaristisches System in Taiwan?
Statt Verdienstmöglichkeiten für viele Menschen gibt es jetzt eine optimale Einnahmesituation für einen Konzern, an den der Staat sich vertraglich gebunden hat. An Erlösen aus der Nutzung öffentliches Eigentum lässt der Staat ein einziges privates Unternehmen teilhaben, auch wenn dieses nur als Dienstleister für die Mauterhebung auftritt.
Hier wird an mehr als der Bausubstanz geknabbert. Wenn viele Menschen so daran hängen, wäre es gut gewesen, eine Station aus Gründen der Denkmalpflege zu erhalten. Die Stationen waren zwar taiwantypisch, aber nicht wirklich herausragend. Eigentlich bringt ihr Abbruch nur Vorteile. Kritisch wird das, was stattdessen kommt und wie mit den Menschen – Beschäftigte und Bevölkerung – umgegangen wird.
Ich bezweifel, ob eine Erhebung der technischen, sozialen und ökologischen Kosten des Verkehrs allein über den Treibstoffpreis und die Besteuerung der Fahrzeuge wirklich eine schlechtere, unzureichende Alternative darstellt. Ein staatliches System einer derartigen Datenerfassung über seine Einwohner und ihr Verhalten bringt für diese Zwecke keinen wirklichen Mehrwert. Zudem liegen in Taiwan die Benutzungsgebühren für die Autobahnen immer noch sehr niedrig. Auch stellen die Autobahnen kein „Premium Produkt“ des Verkehrs dar, für das ein höheres Preis zu verlangen wäre. Ihre Nutzung ist zur Entlastung der oftmals dicht bebauten Stadt- und Landstraßen verkehrsplanerisch wünschenswert.
Auch Bayerns Ministerpräsident Seehofer und die CSU zeigen, dass vielmehr politisch-ökonomische und weniger gesellschaftliche Ziele entscheidend für die Einführung solcher Systeme sind. Wäre die CSU so vehement für die Autobahnmaut, wenn es nicht einen Münchner Technologiekonzern gäbe, der hier innerhalb der nächsten zwei Jahre prima ins Geschäft kommen könnte? Es ist ziemlich klar, dass es kaum darum geht, einige Besitzer ausländischer Wagen und ein paar Holländer extra zur Kasse zu bitten. Das dürften nur bayerische Stammtische glauben. Als Endziel – über das Zwischenstadium Vignette zur Heranführung der Bevölkerung an die allgemeine Maut – ist ein System taiwanischer Prägung mit einer kompletten Mobilitätserfassung der Einzelnen und einem Zuschieben profitabler Aufträge an Industrie und Wirtschaft erkennbar.
In Taiwan gab es schon immer eine Autobahnmaut. Insofern war der Sprung von der Zahlung des Obulus an der Mautbox zur elektronischen Erfassung ein kleiner. Da hat Deutschland noch einen weiteren Weg von der freizügigen Straßennutzung zur Einzelerfassung aller Bewegungen der Fahrzeuge auf den Autobahnen. Aber wird das dann nicht unerheblich, weil bereits Handy-Daten und Internetverbindungen abgefangen, vorgehalten und gespeichert werden?
Nicht alles was geht, sollte auch gemacht werden. Es bedarf gewiß einer neuen Staatsmoral, was zum Schutz der Bürger und Finanzierung des Gemeinwesens erforderlich ist und wo dem Datenwahn und der Profitgier Grenzen zu setzen sind. Schade ist, dass die Piratenpartei dies nicht rüber bringen konnte.
Feierabend für den Abfangjäger mit Münchner Herkunft der Autobahnpolizei. Wenn durch automatische Kameras und elektronische Systeme jeder Wagen, jedes Kennzeichen, jeder Halter erfasst und der zur Kasse gebeten wird, braucht es keine Highway-Jagd auf Mautsünder mehr geben. Statt des langweiligen Stand-By der Polizeifahrzeuge an Mautstationen können jetzt mehr und wirtschaftlicher einnahmeverbessernde Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt werden.
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