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Donnerstag, 30. Juli 2015

Vergangene 116 Jahre - Auf Stöpels Spuren

und von Mudan (牡丹) bis Wushe (霧社)

Um noch einmal auf Karl Theodor Stöpels These zurück zu kommen: Es ist wirklich sehr erstaunlich, dass die Japaner, die vor 1898 den Yu Shan (玉山) bestiegen, den höchsten Gipfel verpasst haben.

Anfahrt von Norden in Richtung Yu Shan – Es gehört zu den seltenen Momenten, alle Gipfel des höchsten Berges Taiwans gleichzeitig sehen zu können.

Dennoch erscheint es merkwürdig, dass die Japaner nicht bei der Erstvermessung 1895 / 1896 auf den Gipfel mit den meisten Höhenmetern gestoßen sind. Entweder rasten sie mit Hochgeschwindigkeit über die Insel, um ihre Arbeit schnell abzuschließen oder es war ihnen ziemlich gleichgültig, alle Spitzen des Yu Shan zu betreten, nachdem sie den kalten, windigen und ungemütlichen Berg erklommen hatten. Wichtig dürfte gewesen sein, mit dem Yu Shan oder damals auf japanischen dem Niitakayama einen Berg im japanischen Herrschaftsbereich gefunden zu haben, der höher als der geheiligte Fujiyama ist.

Auch Karl Theodor Stöpel hatte 1898 das Tal im obersten Bild passiert, um zum Dorf Horsia, heute Hé shè (和社), zu kommen, wo er sich vor der Besteigung des Yu Shan aufhielt.

Damals sah es in Stöpels Tombo, also Tong-Pu oder Dōng bù (東埔), oberhalb von Horsia so aus. Eine primitive Brücke überspannt den Tombofluss, womit der Shālǐ Xiān Xī (沙里仙溪) gemeint sein dürfte.

In der selben Gegend war der Verfasser dieser Zeilen 116 Jahre später. Statt einer einfachen Konstruktion aus Baumstämmen war eine lange Hängebrücke mit Stahlseilen das Fotomotiv.

Wir haben uns gefragt, wie erstaunt Stöpel und seine Begleiter wären, wenn sie den gleichen Weg heute noch einmal nehmen könnten. Statt tagelang zu Fuß, getragen in Sänften oder geschoben auf Feldbahnwagen brächte der moderne japanische Leihwagen sie in wenigen Minuten zum Zielort. Um sicher zu reisen, bräuchte weder eines Mauser-Gewehrs in der Hand noch bewaffneter Soldaten als Begleiter. Kein Sino-Taiwaner kommt heute auf die Idee, sich im Guerillakampf gegen die Regierung aufzulehnen. Kein Ureinwohnerstamm steht in einer kriegerischen Fehde mit seinen Nachbarn und will ihnen die Köpfe abschneiden.

Heute windet sich eine moderne Schnellstraße aus Beton und Asphalt durch das weite Flußtal. Nur der Verkehr birgt eigentlich tödliche Risiken auf dem Eiland. In jedem Dorf lädt ein „7-Eleven“ oder „Family Mart“ zur Rast ein. Das Smartphone hat auf der gesamten Strecke besten Empfang und an den Hot Spots sind über Skype die Freunde aus Deutschland zu sehen. Trotz alledem sind die Menschen auf Taiwan neugierig geblieben, wenn ein europäisches Gesicht auftaucht.

Das hätte sich gewiß Stöpel so in den tiefsten Träumen nicht vorstellen können.!

Die radikalsten kulturellen Veränderungen erlebten sicherlich die Ureinwohner Taiwans. Sie verloren mit der japanischen Kolonisierung Taiwans völlig ihre Unabhängigkeit und Autonomie, endeten als benachteiligte Minderheit am Rand der Gesellschaft. Taiwan, heute demokratisiert und an der eigenen Identität arbeitend, verfolgt einen neuen Weg der Chancengleicheit und versucht – zwar mit chinesisch-taiwanischer Perspektive - die Restkultur der Ureinwohner anzuerkennen.

Die Bucht von Jiupeng (九棚) – Am 18. Oktober 1871 strandeten hier 66 Schiffbrüchige, die von Okinawa kamen.

Der große Wandel für die Ureinwohner begann, nachdem 54 der Schiffbrüchigen im südtaiwanischen Mudan (牡丹) 1871 umgebracht wurden. Japan forderte von China Wiedergutmachung. Dafür. Doch das kaiserliche China lehnte dies ab, da die Ureinwohner Taiwans außerhalb der chinesischen Gesetzgebung standen. So entschloss sich Japan zu einer Strafexpedition gegen die Ureinwohner vom Stamm der Paiwan,. Damit wurden auch außen- und innenpolitische Ziele Japans verfolgt wurden, etwa in einer Stärkung seiner Position gegenüber China. Bei den Kämpfen am Steintor kamen 30 Stammeskrieger und 6 Japaner ums Leben. 512 Japaner sollen zudem durch Erkrankungen während der Expedition und Besetzung ihr Leben verloren haben.

Auch noch zu Zeiten Stöpels, etwa 15 Jahre später, war offenbar Taiwan noch eine Malariahölle und von Krankheiten geplagt. Kein Wunder, dass die Evolution meine Frau so unappetitlich für Moskito gemacht hat. Nur die deutschen Zecken und Bremsen behalten den Bluthungerbei ihr.

Austragungsort der Schlacht am Steintor bei Mudan - Heute ist das Gebiet malariafrei. Kein Mückenstich war auf meiner sensiblen Haut. Im Gedenken an die Schlacht haben die Japaner ein Denkmal errichtet.

Aufgrund der strategisch bedeutsamen Lage gab es bis vor einigen Jahren in der dahinter liegenden Schlucht einen Militärposten. Nach der Aufgabe der militärischen Nutzung wurde eine kleine Ausstellung eingerichtet, in der über die Hintergründe und Details der damaligen Vorfälle berichtet wird.

Ein kleines Bergdorf in malerischer Lage - Dabei markierte Wushe (霧社) den vorläufigen Abschluss der Entwicklung für die Ureinwohner Taiwans als entrechtete Bevölkerungsgruppe.

Hunderte von Menschen kamen bei den kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen Japanern und Ureinwohnern im Jahr 1930 dort ums Leben. Um den in Guerillataktik geführten Aufstand, niederzuwerfen, setzten die Japaner Giftgas ein und spielten die Stämme brutal gegeneinander aus. Das einem Völkermord gleichstehende Vorgehen wurde kritisiert und führt schließlich zur Änderung der Kolonialpolitik gegenüber den Ureinwohnern. Danach wurden sie stärker als Staatsangehörige betrachtet. Auf sie wurde kulturell wie sozial, etwa durch den Bau von Schulen, stark Einfluß genommen. In vielen Lebensbereichen verloren die Bergstämme ihre alten Traditionen und ihre Eigenständigkeit.

In Wushe erinnert der „Memorial Park“ an die damaligen Ereignisse. Ansonsten entspricht der verkehrsreiche Ort dem üblichen Siedlungsbild in Taiwans Bergen.

In 2011 verfilmte Regisseur Wei Te-Sheng (魏德聖), vor kurzem zu Besuch in Düsseldorf, mit „Seediq Bale“ glorios die Geschichte.

Dienstag, 30. Juni 2015

Der blinde Mann

Hallo, Schatzi!

Griechenland geht das Geld aus, Europa ist ratlos, hunderte von Menschen in Taiwan verletzt und der IS unbesiegt. Nicht genug dieser Nachrichten, da entpuppt sich der neue Chef im Büro als ein beratungsresistenter und nervender Idealist, der nicht einmal weiß, was er will.

In einer wahnsinniger werdenden Welt wächst der Wunsch stetig, sich wohl zu fühlen und Geborgenheit zu finden. Auf Taiwan kann das Gästehaus Seasonstar zumindest für einige Tage Ruhe und Erholung bieten.

Wie schön ist es hier in Deutschland, sich abends im Eigenheim auf das kinderlose Familienleben zu konzentrieren und an die beste Ehefrau von allen zu kuscheln.

Doch werde ich mittlerweile mißtrauisch, wenn sie mich „Schatziˮ ruft. War das nicht „Xiāziˮ (瞎子), was aus ihrem Mund kam?

Aufgepasst in taiwanisch-deutschen Partnerschaften: „Xiāziˮ (瞎子) ist nicht der geliebte Schatz, sondern bedeutet blinder Mann. So stolpert denn der Ehegatte blind und unwissend aus der Sicht der Angetrauten durchs Leben.

Blind durchs Leben – In Taiwans Aufzügen hilft auch die Brailleschrift den obligatorischen Knopf zum schnelleren Schließen der Türen zielgerichtet zu drücken.

Mal schauen, welche Fallstricke im nächsten Monat gespannt sind.

Samstag, 23. Mai 2015

Von Waldmöpsen und Jägermeistern

Taiwan – Grüne Insel im Taifun

Vor einigen Tagen wurde eine interessante TV-Produktion aus dem Jahr 2004 wiederholt. „Taiwan – Grüne Insel im Taifun‟ lautete der Titel der Fernsehsendung über die Natur und das Tierleben auf der subtropischen Insel. Der Betrachter fühlte sich fast in das unberührte Taiwan des 17. Jahrhunderts zurück versetzt, bevor die Holländer mit einer systematischen Siedlungspolitik auf dem Eiland begannen. Wenig ist vom technisierten und lebenfeindlichen Gewusel in Taiwans Städten zu sehen.


Die knapp 45 Minuten sind auch über Youtube verfügbar. So schön kann Taiwan sein.

Der Gedanke an Loriots Waldmöpse, denen kürzlich in Brandenburg ein Denkmal gewidmet wurde, liegt beim Anblick von Taiwans Mini-Rehen oder Bergschafen, nahe.

Meine eigene Begegnung mit dem Shān Qiāng (山羌), Muntiacus reevesi micrurus), dem scheuen Waldtier, unerwartet auf Kaohsiungs Affenberg im Frühjahr 2004.

Mit meiner ersten Einschätzung als Shān Yáng (台灣長鬃山羊, Taiwan-Serau, Naemorhedus swinhoei oder Capricornis swinhoei) lag ich ziemlich daneben. Da hat mich wohl der taiwanische Akzent im Mandarin-Chinesisch der besten Ehefrau von allen fehlgeleitet, höhm. Shān Qiāng und Shān Yáng liegen nun wirklich dicht zusammen. Hilfreich bei der Klärung war die Liste geschützter Arten auf Taiwan in Wikipedia. Bei der westlichen Namensnennung hat wieder Konsul Swinhoe die Chance ergriffen, der Tierart seinen Namen aufdrückt und versucht, sich zu verewigen. Das Shān Qiāng hört hingegen auf den Namen John Reeves, einem Naturforscher und Teeinspektor der Britisch East India Company, der 19 Jahre in China arbeitete.

Ebenfalls ziemlich scheu ist der Sikahirsch, den es sich zwar auch im Sauerland eingebürgert hat, aber in seinen ursprünglichen taiwanischen Habitaten vom Aussterben bedroht ist. Das Wild kam hier besser vor die Kamera, da es im Gehege auf dem Gelände des Sisal-Museum von Hengchuen nicht weglaufen konnte. Dem Thema „Evolution und Sikahirsch″ hatte ich mich schon einmal hier aus anderer Perspektive nach dem Besuch des nationalen Museums für Meeresbiologie, auch in Hengchuen, angenähert.

Wahrscheinlich beruht die Gefahr auf Taiwan zu verschwinden, wie so oft bei gefährdeten Arten, darauf, dass der Sikahirsch einfach zu zu lecker. Dazu passt gut der Artikel aus „Taiwan Heute″ , der Eßgewohnheiten und ein mangelndes Bewußtsein für die Bedrohung der Tierwelt Taiwans anspricht. Mir selbst wurden Jagdgeschichten von unserem Unterkunftgeber in Osttaiwan berichtet, wo die lokale Bevölkerung vor allem zum Zeitvertreib Flughunden nachstellt. Es gibt eine bejagbare Arte und eine geschützte Art von Flughunden. Leider sind die Unterschiede zwischen den Arten sehr gering und erst dann feststellen, wenn das Tier erlegt ist.

Der Hirsch des „Jägermeisters‟ findet sich in verschiedenen Bars auf Taiwan und wird dort ansprechend präsentiert. Hier wirbt eine schlankere Variante des Hirschen als weißer Sechsender für ein Geschäft in Yuchi am Sonne-Mond-See. Nach der Legende soll eine weißer Hirsch die Jäger der Ureinwohner zu dem schönen See geführt haben, an desen Ufer der Stamm sich dann niederließ.

Wildbeobachtung vor der deutschen Haustür: Weder als Rückzüchtung noch gehörnt präsentiert sich Nachbars Rehpinscher. Aufmerksam wartet er, wer von seinen vierbeinigen Freunden als nächstes über den Weg kommt. Ihm zu folgen, um den Wohnsitz zu wechseln, lohnt nicht wirklich.

Donnerstag, 30. April 2015

Sakura in Bonn

Und vergängliche Schönheit am Sonne-Mond-See

Es gibt Orte in Europa, die bei vielen Asiaten hoch attraktiv und bekannt sind, aber von der durchschnittlichen westlichen Bevölkerung selber kaum wahrgenommen werden. So erging es mir, als ich auf Betreiben meiner Frau vor etlichen Jahren den Löwen von Luzern in der Schweiz besuchte. Busse voll mit Japanern, Koreanern, Chinesen, Taiwanern und und und steuern täglich dieses Ziel zum Besichtigen und Fotografieren an.

Das gilt auch für die Heerstraße in Bonn. Während der Kirschblüte in diesen Jahr hat die beste Ehefrau von allen im Strom der Besucher eine der vermeintlich schönsten Straßen der Welt bewundert. In der Tat ist das Frühjahr mit explodierenden Blüten, sich entfaltenden Blättern und frischem Grün sowie hervorschießenden Pflanzen die beeindruckendste Jahreszeit in unseren Breiten. Die kurze Zeit mit überbordenden Farben und Düften macht uns klar, wie vergänglich das Leben und wie schnell Lebenszyklen sind.

Einen Lebenszyklus scheint es auch beim Toilettenhaus im Toskana-Landhausstil am Sonnen-Mond-See zu geben, wie mir beim kürzlichen Vergleich von Fotografien aus verschiedenen Jahren auffiel. 2003 waren das Gebäude und seine Umgebung fast perfekt, um eine mediterrane Illusion aufzubauen. Aber was ist aus dem vermutlich schönsten Klohäuschen Taiwans geworden, was ich im Blog mehrmals anpries?

Schon etwas verblasst ist die Schönheit im Jahr 2007. Der markante Stein mit den chinesischen Zeichen „Sonne Mond See‟ wurde übrigens später zum Streitpunkt chinesischer Touristen, die nach der Öffnung Taiwans für den Reiseverkehr die Insel überfluteten. Tausende von ihnen und nur ein Stein als Fotorequisite und als beschriebener Beleg, für den Reiseort an dem sich der Fotografierte befindet, ging nicht auf. So hat die Verwaltung heute an vielen Orten rund um den See solche Steine aufgestellt, um den Urlaubern einen möglichst konfliktfreien Aufenthalt zu ermöglichen. An besonders stark frequentierten Orten erleichtern zudem Leitbänder die Orientierung zum Anstellen zur Fotoaufnahme.

Im Januar 2015: Zum Fotografieren für ein hübsches Urlaubsbilder ist das eigentlich nicht mehr geeignet. Was kann jetzt noch an Niedergang kommen? Läuft das Café gut, wird der Besitzer irgendwann entscheiden, das Gerümpel zur Seite zu schieben, sein gesamtes Ensemble von Bänken, Tischen, Stühlen, Sonnenschirmen und Anbauten an das WC-Häuschen einschließlich des Gebäudes selber niederzureißen und durch ein massives Gebäude zu ersetzen. Läuft das Geschäft schlecht, passiert das gleiche, aber es wird danach ein protziges Hotel mit Geschäften und Restaurants im Erdgeschoss errichtet. Obwohl es so aussieht, als wäre alles zugestellt: Der Weg ist geebnet, diesen ehemals freien und öffentlichen Raum, erhaben über dem Sonnen-Mond-See, der kapitalistischen Profitgier weiter preiszugeben. Schade, dass dies ohne Not, wie auch ohne Sinn für die Schönheit des Ortes und seiner Umgebung geschieht.

Wie die Frühjahrsblüten so kann auch die Schönheit von Plätzen vergehen. Anders als die herrlichen Farben und Düfte, die jedes Jahr wieder kommen, ist aber für den kleinen Park über dem See zu befürchten, dass der degenerative Bauprozess eben nicht in einen Zyklus mündet, sondern unumkehrbar tief nach unten geht.

Samstag, 28. Februar 2015

Der grüne Pass

Oder besser unauffällig der Norm folgen!

Dies war eine Erfahrung, die ich nur einmal in meinem Leben gebraucht habe. Sie hat mich fast 1000 Euro, drei Ferientage in Taiwan, ein verpasstes Sylvester-Dinner und ein verloren gegangenes Neujahrsfeuerwerk in Kaohsiung gekostet.

Luo You wurde am 29. Dezember 2014 nicht in den Flieger nach Taiwan gelassen, weil sein Pass nicht mehr die Mindestgültigkeitsdauer von 6 Monaten hatte. Vom 29.12.2014 bis zum 31.05.2015 sind eben keine 6 Monate, sondern nur 5 Monate und 2 Tage. Es wird tagegenau abgerechnet. Dass ich schon Mitte Januar 2015 zurück wollte, war unbedeutend. Das der für 10 Jahre Gültigkeit bezahlte Pass dann nur 9 Jahre, 6 Monate minus einem Tag zu gebrauchen ist, interessiert niemanden.

Völlig sinnlos ist es, beim „Online-Check-In" alle Daten von Personalausweisnummer bis Gültigkeitsdatum anzugeben und sich den „Boarding Pass" auszudrucken. Es gibt im „Online"-Verfahren keine Warnung, keine Zurückweisung, wenn die Gültigkeitsdauer des Passes nicht ausreicht. Eigentlich berechtigt der „Boarding Pass" dazu, direkt ins Flugzeug zu gehen. Nur noch am Gate könnte der Passagier abgefangen werden, wenn er nicht vorher beim „Baggage Drop" kontrolliert würde. Mit dem zu Hause ausgedruckten „Boarding Pass" geht der Passagier sogar das Risiko des „No Show" und dem Verlust eventueller Umbuchungsmöglichkeiten oder Rückerstattungen ein.

Eigentlich könnte der Hinweis schon beim Internet-Kauf des Flugtickets auf die (mangelhafte) Gültigkeitsdauer des Reisespasses kommen. Da werden nämlich auch schon die Passagierdaten eingegeben. Aber nichts kommt. Sind die traditionellen Reisebüros hier besser aufgestellt?

Natürlich, der mündige Bürger hat sich stets über alle Gesetze einschließlich der ausländischen seines Reiseziels zu informieren. Mea culpa! Mea culpa!

So ein Fall scheint am Frankfurter Flughafen öfter vorzukommen. Als Hilfsstellen für den Inhaber eines für das Ausland ungenügenden deutschen Passes gibt es die Bürgerämter der Frankfurter Umlandgemeinden, wie Hofheim im Taunus oder angeblich auch Kelsterbach. Noch waren es über zwei Stunden bis zum Abflug. Der Taxifahrer kannte des Problem, er kannte Hofheim. Für die genaue Adresse und zur Sicherheit, ob das Bürgermeisteramt geöffnet hat, rief er an. Ja, das geht. Ein neuer Pass mit Gültigkeit eines Jahres kann ausgestellt werden. Voraussetzung, so die Mitarbeiterin des Bürgeramtes, ist, ein Fax mit quasi dem Auftrag und der Bestätigung der Heimatbehörde, mir einen Pass auszustellen. Als ob mein alter, nicht mehr ganz 6 Monate gültiger Pass nicht ausreicht! Lichtbild, ja habe ich dabei. Nein, biometrisch muss nicht sein. Brückentag bei der Heimatbehörde? Nein, kann ich mir nicht vorstellen. 29. Montag, 30. Dienstag und erst Mittwoch am 31., Sylvester, ist bei den Behörden frei. Da ist keine Brücke zu bauen und im Übrigen hätte ich auch arbeiten müssen, wenn ich nicht Urlaub genommen hätte.

Ich sitze im Bürgeramt. Der Taxifahrer wartet davor in seinem schönen Benz auf dem vereisten, morgendlich kalten Rathausplatz des Ortes im „urban sprawl" vor Frankfurt. Drei Mitarbeiterinnen und ihre Chefin kümmern sich im wesentlichen um noch nicht abgehobene Flugpassagiere. Eine halbe Stunde dauert das etwa, prophezeite der freundliche Taxifahrer mit Migrationshintergrund. Schaun wir mal sagte ich. Im Bürgermeiseramt versucht die Verwaltungsmitarbeiterin die Telefonzentrale meiner Heimatstadt zu erreichen. Nur ein Anrufbeantworter. Die haben bis zum 3. Januar geschlossen. Wie? Da ist fast mein halber Urlaub um, das geht nicht. Wie können die nur? Gut, dass ich meinen Bürgermeister kenne. Rufen sie den an, bitte ich. Schnell googlet sie die Telefonnummer. Der schläft noch oder ist auf der Jagd oder sonst was, denke ich. Mehrere Anrufversuche scheitern.

Alles verhandeln nutzt nichts. Ohne Fax und Order aus meinem Heimatdorf kein Pass. Etwas von 110 Euro höre ich mit einem halben Ohr vom Nachbartresen fallen für den länger gültigen Sofort-Pass als Gebühr - erkennbar mit Top-Zuschlag - an. Wow!

Nach einer halben Stunde bin ich wieder am Taxi – ohne Pass! Wieder zurück, sage ich traurig zum Taxifahrer und „Scheiss deutsche Bürokratie!" Jetzt geht’s wieder darum, am Flughafenschalter zu überzeugen und zu verhandeln. Aber erstmal über 60 Euro fürs Taxi abdrücken. Flughafentarif, denke ich mir. Da kann ja der nette Taxifahrer nichts für, der wieder an die endlos lange Schlange anderer wartender Taxis aufschließt.

Womit keiner gerechnet hat, ich bin wieder zurück am Flughafen und immer noch ohne den mehr als 6 Monate gültigen, neuen Reisepass. Wieder zum Flughafenschalter, diesmal ein anderer Abfertigungsmitarbeiter. Oh, der Pass ist nicht mehr ganz 6 Monate gültig, nach Kaohsiung naja (Die Idee, dass es an so einem Kleinflugplatz keiner auf solche Feinheiten achtet, klingt irgendwie an.) … wie die „Airline" hat schon entschieden? Na, dann geht nichts mehr. Nein, Frau General von der „Airline" lässt sich nicht erweichen. Die Fluggesellschaft muss für die Fälle einer unzureichenden Passkontrolle eine Strafe zu zahlen, sagt der Flughafenmitarbeiter zu uns. „Was kosten?" Auf unsere Frage lässt sich niemand ein. Frau General sagt auf chinesisch der besten Ehefrau von Allen, dass es einfach wäre bei zu kurzer Gültigkeitsdauer des Passes über die taiwanische Vertetung in Deutschland ein Visum zu bekommen. Tja, wenn „Online-Buchung" oder zumindest „Online-Check-In" hier Hinweise gegeben hätten. „Hätte, hätte, Fahrradkette" nach Peer Steinbrück. Gab es aber nicht.

Wenigsten wurde mein Koffer noch mitgenommen. Der passte noch kilomäßig auf das Gewichtskonto meiner beiden Mitreisenden.

Während Ehefrau und Mutter in die Hartschalensessel beim Start gepresst wurden, döste Luo You im IC von Frankfurt nach Köln mit leichtem Gepäck und Deutschland als Wintermärchen hinter dem Fenster. Ein Alptraum!

So traumatisiert folgte zu Hause der Eigenversuch. Zunächst blicke ich auf die Rathaustür beim Fußweg vom Bahnhof. „Geschlossen bis zum 3. Januar" geht gar nicht! Dann folgt mein Anruf ins Rathaus hinein. Für Notfälle verweist der Anrufbeantworter auf eine Rufnummer bei der Feuerwehr. Klar ist das ein Notfall. Hatte die Mitarbeiterin im Bürgeramt in Hofheim nicht zu Ende die Ansage abgehört? Das ist doof. Also kommt der Anruf zur Durchwahlnummer bei der Feuerwehr. Ja, für mich gibt es einen Notdienst. Ich brauche ein biometrisches Passbild, Kosten etwa 10 Euro fürs Bilderset, etwa 30 Euro für die Passgebühr und natürlich den noch gültigen Pass. Für mich wird ein Notdienstteam zusammengestellt. Der Ehemann der Rathausmitarbeiterin, der mich zurückruft, sagt, dass seine Frau noch unterwegs ist und mich ein paar Minuten später anrufen wird. Das macht sie auch. Wir vereinbaren einen Termin um 17 Uhr. Vorher gehe ich zum Fotografen und Lebensmittel einkaufen. Der Kühlschrank ist urlaubsleer. Dazwischen ist noch Zeit für einen Döner und zum Ausheulen beim türkischstämmigen „Laoban" in meinem alten Stammlokal.

Um 17.30 Uhr bin ich wieder mit einem antiquiert wirkenden, rein deutschen und grünen Reisepass zu Hause sowie einem ungültig gestempelten, eigentlich noch bis Mai gültig gewesenen europäisch-deutschen, weinroten Reisepass in der Wohnung. Da hatte sich schon fast der Rückfahrt gelohnt bei 110 Euro Passgebühr, die in einem fremden Bürgermeisteramt angefallen wäre. Dafür hätten sie aber aber auch meine uralten Portaitfotos für das Passprovisorium genommen. Im Heimatdorf geht nur biometrisch: „Mit den anderen kommen Sie nicht weit."

Der Pass für den Europakritiker, Ablehner europäischen Gedankenguts und Anhänger der AFD. Grün wie die Hoffnung und deutsch wie die D-Mark. Fuck Europe! Leider ist der Nostalgie-Pass nur ein Jahr gültig. Meine Fingerabdrücke musste ich beim Merkel-System noch abdrücken. Und nichts dazu in der Lügenpresse! Ihr treibt mich noch in die Hände der Piraten, ihr menschenverachtenden Bürokraten!

Jetzt ein neuer Sitzplatz im Flieger. Verdammt, das Büro der „Airline" in Deutschland schließt um 17.30 Uhr. Da ist keiner mehr. Dem Online-Reisebüro ist das Ganze schwer zu erklären. „Warten Sie bis morgen", ist die Empfehlung. Will ich aber nicht. Ich will nach Taiwan. „Sie können auf zum Hauptsitz der Airline anrufen." Aber Taiwan schläft jetzt, denke ich. Außerdem gabs schon am Flughafen die Information, dass an den nächsten Tagen in deren Flugzeugen nichts frei ist. Also Email an die Ehefrau, die noch im Flieger über Sibirien sitzt. Und ein Hinflugticket einer anderen Fluggesellschaft, 500 irgendwas Euro. Hier ist es kalt, Taiwan ist warm. Alle sind in Taiwan, ich bin hier alleine. Ich will weg aus Deutschland.

Ein Tag Hausarbeit mit Putzen, Waschen, Pflegen, dann geht es wieder mit Rucksack nach Frankfurt.

Hin zum Airport geht es wieder mit dem schnellen ICE und dem „Rail & Fly"-Ticket.

Der „Boarding Pass" ist genau wie beim ersten Anlauf ausgedruckt. Jetzt kann nichts schief gehen und prima, damit kann ich direkt zum Gate. „Gate" geht aber nicht, weil das „Gate" auf den Bildschirmtafeln nicht angezeigt wird. Also frage ich am Check-In-Gepäckschalter.

„Wie kein Koffer?" Der ist schon in Taiwan, sage ich artig und denke, was für eine Verschwendung auf mehr als 20 kg Fluggepäck zu verzichten. Alles wird aufgenommen und geprüft. Als ich mich nun auf den Weg mache, höre ich hinter mir, „Herr Luo, Herr Luo!" Der netten, mir hinterherlaufende Dame von der Fluggesellschaft war spät aufgefallen das ich nur ein Hinflugticket habe. Irgendwie hatte ich das alles schon geahnt, als ich meine Ehefrau nötigte mir auch ein E-Ticket auszudrucken. Die beste Ehefrau von Ehefrau meinte, dass sie schon eins ausgedruckt hat, was reicht, und außerdem wäre es sowieso ein E-Ticket, was elektronisches Ticket heißt. Da braucht es kein Papier. Nun war ich froh, das Papier zu haben, um meine Rückkehrwilligkeit nach Deutschland einfach nachweisen zu können. So ist das in dieser Übergangsgesellschaft. Hinter jeden E steckt doch ein Stück Papier.

Knapp war die Zeit zum Umstieg in Hongkong. Aber die Route gefällt mir seit dem Erlebten deutlich besser.

In der Warteschlange vor dem Abflug nach Kaohsiung wurden Tickets und Pässe vorgeprüft. „No visa?", frug die kleine Angestellte. „No visa!", sagte der fast 1,85-cm-Mann aus dem nördlichen Europa. Ich stieg in den Flieger ein.

Die Spannung stieg. Wie werden die Vertreter der Taiwan-Behörden auf den deutschen Nostalgie-Pass reagieren? Laut Internet-Recherche sollte es zunächst ein „Temporary Entry Permit‟ geben. Danach war noch das Konsularbüro in Kaohsiung für ein richtiges Taiwan-Visum aufzusuchen. Und so lief es auch: Zunächst stellte ich mich ordentlich an und zeigte ein unschuldiges Gesicht für die Webcam zur Erfassung der Einreisenden. Vom normalen Kontrollpersonal wurde ich an den letzten Schalter für die Sonderfälle gebeten. Dort wurde wieder alles von einer höheren Beamtin aufgenommen und Chef-Chef musste das ungewöhnliche Dokument bestätigen. Neben dem üblichen Stempel im Pass gab es die vorläufige Einreiseerlaubnis und ein Merkblatt, was noch zu tun ist, um einen „bad report" in Taiwan zu vermeiden.

Eine kleine Verzögerung entstand beim zweiten Abdrücken meiner Fingerabdrücke an eine staatliche Organisation in meinem Leben. Warum nehmen die Totalitaristen nicht gleich meine DNA? Jedenfalls merkte die Mitarbeiterin nach dem dritten Scan-Versuch und der wiederholten Schulung des Einreisewilligen, wie die Finger richtig aufzudrücken sind, dass das High-Tech-Gerät, was dazu dient, Orson Welles alte Visionen endlich in die Wirklichkeit umzusetzen, noch gar nicht eingeschaltet war. Offenbar war ich an dem Tag der erste an diesem Schalter.

Natürlich will ich keinen „bad report" in Taiwan haben, deshalb frugen wir gleich am 2. Januar telefonisch im Konsularbüro an. Das hatte aber einen Brückentag. Bei der späteren Kontaktaufnahme wurde darum gebeten, doch nicht am Abflugtag sein Visum abzuholen. Das wird vermutlich, auch wenn es nicht zum „bad report" führt, als unhöflich und ignorant gegenüber der Staatsmacht angesehen.

Das Konsularbüro ist einem Verwaltungsgebäude in der Nähe des Liebesflusses in Kaohsiung untergebracht. Wie so oft in Verwaltungsdienstellen von Taiwan kam mir wieder der Gedanke an einen quirligen Ameisenhaufen. Trotzdem ging alles schnell und wohlgeordnet. In der Reihe der Schalter gibt es etwa mittig einen für die Ausländerangelegenheiten. Die meisten Besucher waren wohl da, um einen Pass der Republik China zu beantragen oder abzuholen. Die Wartenummer, die ich zog, führte jedenfalls zu prompter Bedienung, also wartete in so einer Angelegenheit niemand vor mir.

Horrende mehr als 60 Euro kostete das direkt entwertete Visa für 30 Tage Aufenthalt, die ich lediglich etwa die Hälfte ausschöpfte. Damit bekäme ich umgerechnet etwa drei Taiwan-Republik-China-Pässe mit geschätzt jeweils 10 Jahren Gültigkeit, wenn ich denn Taiwaner wäre. Wenn das keine Ausländerdiskriminierung ist, wenn das keine Strafe fürs unterlassene Zählen der Gültigkeitstage des eigenen alten Reisepasses ist!

Die erzieherische Wirkung ist eingetreten. Obwohl, das muss ich doch mit Blick auf die repressive Haltung der beiden Regierungen sagen, manchmal kleine Anlässe große Aufstände auslösen können, wie den am 28. Februar 1947, an den heute in Taiwan erinnert wird.

Trotz des hübschen Visums mit aufgedrucktem Bild einer taiwanischen, schelmisch-dreinschauenden Elster werde ich nie, nie wieder einem Online-Check-In-Verfahren vertrauen, immer alle Reisebedingungen auf den Botschaftsseiten und beim Auswärtigen Dienst lesen, auf jeden Bürgermeister innigst einreden, niemals an Brückentagen und schon gar nicht über fast zwei Wochen seine Verwaltung zu schließen.

Im März fliege ich nach Portugal. Das ist zwar ein Schengen-Land, trotzdem beabsichtige ich, wieder meinen grünen, deutschen und noch mehr als 6 Monate gültigen Pass mitzunehmen. Mit dem grünen Pass musste nämlich zeitgleich auch ein roter bestellt werden, es sei denn, man kann ein Rückflugticket vorlegen. Darüber zu diskutieren, hatte ich dann bei der Passausstellung keine Lust mehr, zumal ich sehr froh war, so schnell ein länger gültiges Dokument zu bekommen. Dabei wird der grüne Pass ohnehin ziemlich schnell wieder unbrauchbar sein. Spätestens Ende Mai benötige ich erneut einen neuen, dann den bestellten roten Pass für Taiwan, weil der grüne dann bereits wieder weniger als 6 Monate gültig ist. Zudem fällt mit dem grünen Dokument stets die atemberaubende taiwanische Visagebühr an. Insofern war die Vorbestellung eigentlich unumgänglich.

Dienstag, 13. Januar 2015

Abgedrängt

Ureinwohnerinnen okay, Chinesinnen okay, Showgirls nein!

Zum Jubiläum des Kentinger Strandhotels gab es nicht nur ein Sonderangebot für die Gäste, nämlich ein tägliches Nachmittagsbuffet inklusive, was natürlich weit über Kaffee und Kuchen hinaus ging. Darüber hinaus fand ein nettes Fest statt, was die Hotelangestellten selber organisiert hatten. Sie hatten im Kongressbereich des Hotels eine kleine "Food Mall", so eine Art Marktstraße, aufgebaut. An den Ständen wurden vom Vormittag bis zum frühen Nachmittag im Wesentlichen für einen günstigen Betrag besondere Spezialitäten außerhalb des üblichen Standardprogramms angeboten, wie Gänseköpfe mit Hals oder Badzang, die in einem Blatt eingewickelten chinesischen Reisknödel, welche es gewöhnlich zum Drachenbootfest gibt.

Alles waren Angebot, die zwar hübsch exotisch aussahen und Fragen aufwarfen, aber die westliche Nase nicht wirklich reizten. So war mehr Gelegenheit für gemeinsame Fotos mit den Ureinwohnerinnen im gesetzteren Alter, die sich in den typischen Trachten ihrer Stämme gekleidet hatten, und den Mitarbeiterinnen, die in züchtigen Kostümen höhergestellte Menschen aus der chinesischen Qing-Dynastie repräsentierten. Freundlich lächelnd war Zeit genug, Urlaubserinnerungen in allen Konstellationen auf die Speicherkarten zu bringen.

Dabei wurde es erst richtig spannend am Ende der Mall, wo eine kleine Bühne aufgebaut war mit einem besonders schrillen Stand nebenan. Schlecht für den Fotografen, der umgehend zur Kehrtwende auf den Rückweg in Richtung Ausgang abgedrängt wurde. Von den drei sexy Show-Girls blieb nur ein rascher Schnappschuss, auf dem lediglich eine von ihnen zu sehen ist. Jede Chance für ein gemeinsames Posen wurde mit dem Hinweis "Du bist eh zu schüchtern!" abgedrückt.


Kein Karaoke im Duett oder was sonst dem in den höheren chineschen Schriftzeichen Ungebildeten angeboten wurde. Die Schlange, mit der ich verheiratet bin, schaffte es, diplomatisch geschickt, jede weitere Annäherung nach meinem offenbar mehr als innerlichen WOW abzuwenden.

"Wir können ja später nochmal kommen und schauen, ob dann mehr los ist, und noch Fotos machen", räusperte sich Luo You. "Das schaffen wir nicht. Wenn du Fotos machen willst, dann jetzt", schwupps stand ich mit der perfiden Psychologie von Ehefrau und der sie unterstützenden Mutter vor der sich öffnenden Aufzugstür zur Tiefgarage.

An den Tag folgte ein sehr langer Ausflug ins Sisal-Museum, wo die frühere Bedeutung dieses Produktionszweiges für Taiwan anschaulich und ausführlich dargestellt ist, und nach Baisha, der Strand, wo der Tiger an Land ging.

In der Flut chinesischer Touristen ertränkt, statt von süßen Bunnies auf die Bühne gehoben zu werden. - Dieser Tag hätte durchaus anders verlaufen können.

Freitag, 9. Januar 2015

Wider der Götzenverehrung

Mutter, wie konntest du das tun? Da speiste sich die Familienkultur zum einen aus dem althergebrachten unterwürfig rheinischen Katholizismus. Bekanntermaßen herrschen und dominieren hier im wesentlichen immer noch die protestantischen Preussen in den gesellschaftlichen Führungspositionen, während die Katholiken ihnen - genau wie ihrem unfehlbaren Papst - folgen und gehorsam arbeiten. Zum anderen kommen die Familientraditionen aus dem katholisch-thüringischen Eichsfeld (ohne DDR-Zwischenspiel) sowie quasi frühausgesiedelt dem katholisch-ostpreussischen Ermland, also zwei Exklaven des Katholizismus umgeben von protestantischen Gebieten beziehungsweise angrenzend an Polen. Jedenfalls kann davon ausgegangen werden, das die sozio-geografische Situation zu einem besonderen Bewusstsein für den eigenen Glauben führte. Und nun das! Mutter verbeugt sich mit gefaltenen Händen gegenüber heidnischen Götzenstatuen.



Hort der Götzenanbetung am Sonnen-Mond-See - der ehrwürdige Xuanzang-Tempel

Wie brutal war ich als Kind noch in den 1960er und 1970er Jahren genötigt worden, stets an der Knieschmerzen verursachenden sonntäglichen Messe teilzunehmen, alle Sakramente der heiligen katholischen Kirche zu inhalieren und mich bloß nicht vom Religionsunterricht - bei dem es schon längst mehr um ethische als um Glaubensfragen ging - in der Schule abzumelden. Erst mit dem stärkeren Lösen vom Elternhaus konnte ich das nachvollziehen, was gesellschaftlich schon viel früher durch die 1968er erreicht worden war.

Die einzige Erklärung für das mütterliche Verhalten, vor den vergoldeten Holzstatuen die Hände zu falten und sich zu verbeugen, kann nur im christlichen Respekt für die nächsten Mitmenschen liegen. Der allmächtige Christengott könnte es doch nie zulassen, dass so freundliche und höfliche Menschen einem Irrglauben unterliegen. Also müssen etwa der verehrte Mönch, der heilige Schriften des Buddhismus von Indien nach China brachte, oder die Minister, die aufgrund ihrer Wohltaten für die Menschen zu Göttern wurden, ihre Anbetungswürdigkeit nur deshalb erhalten haben, weil der christliche Gott dies zuließ. Sie symbolisieren und bestätigen in ihrer eigenen Art, dass es Gott gibt. Da bleibt dann nur der offene Punkt, warum den heidnischen Asiaten von Gott nicht gleich und direkt der wahre Glaube offenbart wurde. Dies wird wohl Gottes Geheimnis bleiben, warum weiterhin zähe Missionsarbeit in Asien nötig ist. Außerdem sei auch an die ziemlich klaren Aussagen in den zehn Geboten erinnert.

Erfolg hatten die Missionare jedenfalls bei einer Landsmännin meiner Ehefrau, die uns gegenüber ihr Christsein in Bauer Steins Pflaumenplantage bekannte, mir mit einem "Hello" um den Hals fiel, "I love you" rief, mich küsste, den Besuch in Deutschland ankündigte und ihre Email hinterließ - nicht übertrieben. Sie ist deshalb Christin, um ihr Leben zu genießen, sagte sie. Ja ist den schon die Hochzeit im rheinischen Karneval? "Sehr untaiwanesisch", meinte die beste Ehefrau von allen, die auch die junge Frau innerhalb ihrer christlichen Reisegruppe aus Taoyuan als außergewöhnlich empfand. Viel besser als religiöse Fanatiker, dachte Luo You in Anbetracht aktueller Ereignisse.

Den Buddhisten, Taoisten und anderen Fremdgläubigen dürfte es ziemlich egal sein, wie Mutter Luo You sie in ihr christliches Weltbild einsortiert, solange sie keine Statuen sprengt, Tempel zu Kirchen umbaut oder buddhistische Nonnen und Mönche als Ketzer hinrichtet.


Totalüberfremdung am Strand bei Kending, heutiger Stand gegen 15.30 Uhr - Bei Dresdner Verhältnissen (Problem-Entwicklung Gering-Intelligenter Deutschtümelnder Aktivisten) und fast 100 % Adoka (Langnasen) abgesehen von Sonnenschirmvermietern, Strandwächtern und Barbedienung wäre die Gründung einer PAGODE (Panische Asiaten Gegen die Oriententzauberung Durch Europide) zu befürchten.

"Was für ein lustiges Land Deutschland ist", kommentierte die Ehefrau aufgrund der permanenten PEGIDA-Nachrichten in den Systemmedien. Luo You wollte dem zustimmen, wenn denn nicht die deutsche Vergangenheit zeigt, dass Irrsinn und Fanatismus in die übelste Situation führen können. Die Frage wird zu beantworten sein, wie der Prozess zu einer säkularen und aufgeklärten Weltordnung wieder aufgenommen und forciert werden kann. Weder der Bau von Moscheen noch der sonntägliche Kirchenbesuch oder eine Stimmabgabe für die Freunde der PEGIDA wird die Antwort dazu liefern.

Donnerstag, 8. Januar 2015

Das chinesische Bereuen nach Taiwan oder nicht nach Taiwan zu reisen

Die Chinesen sagen zueinander, dass man es sein Leben lang bedauern wird, nicht die Chance zu nutzen und Taiwan zu besuchen. Gegenwärtig ist die Situation zwischen China und Taiwan sehr offen und erleichtert das Reisen sehr. So viel wurde den Festlandschinesen in der Schule von Sonnen-Mond-See und Alishan eingepaukt, dass sie sich sehr danach sehnen, das, was ihnen gehört, endlich zu sehen und durch die eigene Anschauung zu erleben.

Allerdings wird in China auch gesagt, dass derjenige, der sich auf den Weg nach Taiwan macht, diese Reise sein Leben lang bereuen wird. Zu unspektakulär sind der Gebirgsrücken von Alishan und der aufgestaute See südlich der Stadt Puli mit den zumeist in den 1960er Jahren errichteten Tempeln. Im Vergleich dazu hat die Volksrepublik China viel mehr zu bieten. Es lohnt also weder die knappen Urlaubstage hier zu vergeuden noch sein sauer verdientes Geld an solchen für chinesische Verhältnisse hochpreisigen Orten auszugeben. Aber mit der Reise zu der subtropischen Insel wird darüber hinaus noch der Mythos Taiwan zerstört, an den der gewöhnliche Festlandschinese seit seiner Kindheit geglaubt hat.

Was ist nun besser? Reisen oder weiter an das Besondere von Taiwan zu glauben?


Gar nicht so übel das Bergpanorama hinter den Sonnen-Mond-See, wenn er nicht gerade völlig im wolkigen Nebel verschwindet, wie am letzten Aufenthaltstag. Im Vergleich zu dem was China bieten kann, ist das natürlich nichts. Das Foto entstand vorgestern von der Frühstücksterrasse des Bambus-Rock-Garden-Hotels.

Mittwoch, 7. Januar 2015

Ans Ende der Welt - landseitig, Osttellerrand, oben



Bis ans Ende der Welt ging es gestern eigentlich nicht, obwohl mir die Fahrt in Richtung des Oberlaufs von Taiwans längstem Fluss, dem Zhuoshui-Flusses, so erschien. Nach dem Fließbandtourismus der Reisegruppen aus der Volksrepublik China,Hongkong, Singapur und anderen taiwannahen Territorien, den rasenden VW-Bussen der Wandertouren, den in langer Reihe parkenden Wagen der Individualtouristen vor Bauer Steins blühender Alm mit krüppeligen, überalterten Pflaumenbäumen, zwischen denen er sein offenes Café aufgebaut hatte, wurde es richtig einsam.

Erkennbar hatte das Tal des Shālǐ Xiān Xī (沙里仙溪)als Zufluss zum Zhuoshui bei Tongfu, auch Tong-Pu oder Dōng bù (東埔), schon bessere Zeiten erlebt. Auch wenn die Hängebrücke gigantisch ist und der Ort über heiße Quellen verfügt, die über verschiedene Hotels erschlossen werden, ist die Gegend nicht wirklich einladend, sondern wirkt etwas heruntergekommen und aus der Mode geraten. Ob der gewaltige Busparkplatz neben der Brücke, die maximal 90 Personen tragen kann, wirklich einmal in dem Umfang gebraucht wurde?

Am beeindruckendsten war auf der Fahrt über die häufig über Hochbrücken geführte Straße nach Tongfu der Blick auf das Bergmassiv der höchsten Erhebung Taiwans, dem Yushan. Obwohl die nur während der Tageszeit geöffnet Straße noch weiter führt, markiert der riesige Berg hier das Ende. Wirklich imposant, wenn die Spitze und die Nachbargipfel nicht im Wolkennebel verschwunden sind!

Wie geschrieben, lohnt die Gegend sonst nicht für einen längeren Aufenthalt. Da haben der Sonnen-Mond-See oder die Orte vorher mehr zu bieten. Wer wir nochmal wieder kommen sollten, dann sicher um das Reststück der Straße 21 von Tongfu bis Tatajia zu fahren und mehr vom Bergpanorama zu genießen.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Formosa verloren, Mütze behalten!

Mit guter Schrift- und Sprachkunde kommt man weiter

Hier kommt noch eine Tierparkgeschichte aus der „Fauna‟ in Solingen-Gräfrath.

Die folgende Szene im Bild macht deutlich, wie wichtig es ist, die Sprache seiner Umwelt zu beherrschen. „Die Geschichte Taiwans‟ von Oskar Weggel, die ich in der Ausgabe von 1991 während der letzten Tage las, führte mich zu der Assoziation, dass der Xiǎo de péng-yǒu‟(小的朋友), der kleine Freund, wie Kinder schon mal in Taiwan genannt werden, in einer ähnlichen Situation steckt, wie die Holländer im Jahr 1661 in Taiwan.

Zunächst sind Weggels Darstellungen der Geschichte Taiwans sehr detailliert und wirklich lesenswert, wenn ich auch nicht allen Thesen folgen kann. Hier wäre zu hinterfragen, ob diese mit unserer Sichtweise im Jahr 2014 noch so gehalten werden können. Ob beispielsweise der Candidius-See, von den Ureinwohnern so getauft wurde, weil die holländischen Missionare so beliebt waren, ist meiner Meinung nach schwer vorstellbar. Mal schauen, was die Menschen vom Stamm der Thao sagen, wenn Luo You sie im kommenden Januar danach befragt.

Rechts steht der Junge, der noch die Mütze aufhat, wie einst die Offiziellen der Vereinigten Ostindischen Companie den Gouverneurshut von Formosa. Diese niederländische Handels- und Militärorganisation beherrschte die Insel von 1624 bis 1662. Links liegt in der Vorstellung das chinesische Festland. Die Lamas symbolisieren das am Handel mit den Holländern interessierte China. Im Tierpark geht es um den Austausch von leckerem Futter gegen Zuwendung. Das Lama, das der fütternden Hand am nächsten ist, ist Armeeführer und Territorialherrscher Zhèng Chéng-Gōng (鄭成功) oder verwestlicht mit seinem Ehrennamen Koxinga ( 國姓爺 oder Guó Xìng Yé).

Koxinga, als Getreuer des untergehenden Ming-Kaiserhofs, stand nach einer militärischen Niederlage auf dem Festland unter Druck. Die angreifenden Mandschu trieben China in der Zeit zur neuen Qing-Dynastie.

Wer lesen und verstehen kann, ist klar im Vorteil. Dieses Wissen haben die alten Holländer auf Taiwan lernen müssen. Hätten sie chinesisch verstehen und lesen können, wäre das Desaster von 1661 / 1662 mit einer erfolgreichen Invasion Koxingas und Vertreibung der Holländer vermutlich so nicht passiert.

Aber die Holländer standen ihrem Übersetzer und Unterhändler He Tingbin (何廷斌) zwar mißtrauisch gegenüber, aber sahen wohl keine Alternative zu ihm.

So konnte He Tingbin (何廷斌) ein doppeltes Spiel treiben. Während er Koxinga suggerierte, dass die Niederlande ihm gegenüber ihre Tributpflicht anerkannten, erklärte er den Holländern, dass die flaue Handelsbeziehung aufgrund der Antipathie gegenüber dem vormaligen Gouverneur entstanden wäre. Dabei nahm er einen extra Handelszoll im Namen der Koxingas neben der niederländischen Abgabe von den chinesischen Schiffen, die Taiwan verließen. Koxinga stelle Tingbin Taiwan als fruchtbares Eiland mit Potenzial darstellte; die Eingeborenen würden nur auf eine Befreiung von den Holländern warten. Die Niederländer hingegen wussten nichts von den Treffen zwischen Tingbin und Koxinga.

Wichtige Dokumente lesen und verstehen zu können, ermöglicht es, sich auf Attacken vorzubereiten, diplomatisch zu reagieren, beziehungsweise eine Verteidigung aufzubauen oder Verstärkung zu holen.

Bei dem Jungen im Tierpark blieb trotz Annäherung an das rebellische Lama die Mütze auf dem Kopf. Hätte er den Hinweis lesen könnte, wäre die Mütze bei den nur wenige Meter entfernt stehenden Eltern der sichere Aufenthaltsort gewesen.

Die Holländer aber verloren die Oberherrschaft über Taiwan für immer. Frühzeitiges Verhandeln und Absichern der Position schied aus, Verstärkung und Nachschub zur Verteidigung kam nicht mehr an.

Vielleicht ist es auch deshalb für Taiwan und die Taiwaner so wichtig, Sprachen früh zu lernen, im Ausland zu studieren und sich international zu öffnen. Keine mangelhafte oder ausgebliebene Kommunikation soll dazu führen, dass die Insel wieder verloren geht.

Sonntag, 14. Dezember 2014

Reiseziel Candidius-See

Kurort oder Hort der Kulturlosigkeit?

Nachdem der erste Taiwanurlaub der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Mutter so förderlich war, brauchten wir in diesem Jahr nicht die Frage zu stellen „Weihnachten alleine oder Taiwan?‟ Taiwan mit seinen freundlichen Menschen, einem angenehmen Winterklima, schönen Landschaften und der vielfältigen Küche hat sich als quasi Kurort für sie bewährt. 2014 fliegen wir ohnehin erst zwischen den Jahren auf die subtropischen Insel.

Diesmal ist das Reisziel ein Wiedersehen mit dem Candidius-See, besser bekannt als Sonne-Mond-See (日月潭 oder Rì Yuè Tán) in Mitteltaiwan.

Als kleinster Ureinwohnerstamm Taiwans leben um den See die Thao mit 759 Stammesmitgliedern im November 2014, die nach der Legende bei der Jagd auf einen weißen Hirschen den See entdeckt haben sollen. Aufgrund der Schönheit des Ort und guten Lebensbedingungen haben die Thao sich dort niedergelssen.

1624 begonnen die Holländer Taiwan zu besetzen. Zu ihrer Erschließungspolitik zählte auch Bekehrung der Ostinder zum Christentum. Der holländische Missionar George Candidius war von 1627 bis 1637 so erfolgreich, das nach ihm der idyllischen See benannt wurde. Verfestigen konnte sich der Name aber nicht, wurde aber noch in der frühen westlichen Kartografie Formosas aufgenommen.

Heftige Veränderungen am Sonnen-Mond-See kamen mit der japanischen Kolonisierung Taiwans. 1919 begann der Ausbau zur Nutzung der Wasserkraft. Seit 1934 wird den industriellen Zentren Energie aus dem Wasserkraftwerk geliefet. Bis 1960 konnte das Kraftwerk den gesamten Strombedarf Taiwans abdecken.

Weitere große Veränderungen ergaben sich mit der Herrschaft von Chiang-Kai Shek. Wer die schönsten Orte auf Taiwan kennenlernen möchte, kann getrost der Liste der Gästehäuser von Chiang Kai-Shek (蔣介石 oder Jiǎng Jiè-Shí) folgen. Stilsicher wurden Paläste und Villen des Diktators in die herausragenden Landschaften der Insel platziert. Neben seinem Gästehaus Hanbi Lou (涵碧樓), dem heute ausgebauten und transkribierten , Lalu-Hotel sind Tempel, Pagoden, Kirchen und neben dem Gästehaus auch weitere Unterkünfte zur Ausschmückung der Landschaft im chinesischen Stil entstanden.Nach Lebensraum und Chance zur Energiegewinnung wurde die Landschaft über ihren Erholungspotenzial in Wert gesetzt.

Dabei könnte - mal abgesehen vom angenehmeneren Winterklima, von der Fremdartigkeit der Gebäude und Menschen - auch mancher Stausee im Sauerland es gut mit dem landschaftlichen Reiz des Sonne-Mond-Sees aufnehmen.

Inwertsetzung und Kommerzialisierung des Landschaftsraums im 21. Jahrhundert – Mittels einer High-Tech-Seilbahn geht es über die Berghänge am Sonne-Mond-See zum Freizeit- und Kulturpark.

Heute besteht Sorge am Sonnen-Mond-See, dass die Flut chinesischer Touristen und der damit entstehende Rummel auf längere Sicht schadet. Der Druck der Massen, möglichst viel für wenig Geld zu bekommen und dabei das Risiko kaufkraftstärkere Reiseklassen zu verlieren, lässt die Menschen, die dort wohnen und arbeiten, nachdenken.

Auch Luo You hat viel darüber nachgedacht, ob die Ziele kulturloser Máo Fěi (毛匪) überhaupt noch in Betracht kommen. Es gibt immer noch weiße Flecken auf der Landkarte Taiwans. Noch sind nicht alle Standorte von Gästehäusern Chiang Kai-sheks erkundet. Allein aus dem Glauben der taiwanischen Ehefrau, der Sonne-Mond-See sei etwas ganz besonders, weil so viele dort hin reisen, und der Bequemlichkeit des ausgebrannten deutschen Ehemanns, was anderes außerhalb der Spurrillen schwerer Reisebusse vorzuschlagen, fahren wir möglicherweise deshalb wieder und wieder dorthin.

Luo Yous weiße Flecken auf Formosas Landkarte – Eine Reise wert ist beispielsweise die Gegend nördlich von Ruì-Fāng (瑞芳) entlang der Shen-Ao-Bahnlinie. Nach kürzlicher Äußerung von Europäischem Gerichtshof und Bundesgerichtshof ist jetzt etwas mehr Rechtssicherheit zum Einbetten fremder Inhalte entstanden. Ich gehe mal davon aus, dass Shuifan Liu den Videoclip als Urheber eingestellt hat und ich hier kein erweitertes Publikum von Internetnutzern gegenüber Youtube anspreche. Sollte Shuifan Liu doch etwas Schlimmes mit dem Einstellen dieses Videoclips gemacht haben, distanziere ich mich davon. Wozu ich sonst gerne auf Taiwan eigene Bildmaterial herstellen möchte, sind die Nordküste Taiwans mit „Queen´s Head‟, die Matzu-Inseln, Wulai südlich von Taipei, nochmal bei besserem Wetter das Gebiet um die Schneeberge mit Wuling und Taipingshan. Auch ein längerer Aufenthalt an der südöstlichen Pazifikküste, also südlich von Taimali steht noch auf der persönlichen Wunschliste.

Die nächste Reise ist jedenfalls entschieden, gebucht und angezahlt. In gewisser Hinsicht hat das Erleben von Chinesen in großer Zahl auch seinen Reiz und ist auch eine Art von Urlaub, die ermöglicht den deutschen Alltag hinter sich zu lassen. Zum „People Watching‟ ins entwickelte demokratische Taiwan erscheint durchaus die angenehmere Alternative zur Volksrepublik China. Richtig kulturlos sind nach meiner Erfahrung ohnehin nur wenige Einzelpersonen, wobei es schon stört beispielsweise ein vom Vormieter verrauchtes Nichtraucherzimmer zu erhalten. Immerhin werden Reisende mit westlichen Gesichtern in taiwanischer Begleitung schon mal an Gruppen von Chinesen vorbei gelotst nach dem Motto „Ihr ward früher da.‟ Das kann innerlich durchaus aufbauen.