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Donnerstag, 30. April 2015

Sakura in Bonn

Und vergängliche Schönheit am Sonne-Mond-See

Es gibt Orte in Europa, die bei vielen Asiaten hoch attraktiv und bekannt sind, aber von der durchschnittlichen westlichen Bevölkerung selber kaum wahrgenommen werden. So erging es mir, als ich auf Betreiben meiner Frau vor etlichen Jahren den Löwen von Luzern in der Schweiz besuchte. Busse voll mit Japanern, Koreanern, Chinesen, Taiwanern und und und steuern täglich dieses Ziel zum Besichtigen und Fotografieren an.

Das gilt auch für die Heerstraße in Bonn. Während der Kirschblüte in diesen Jahr hat die beste Ehefrau von allen im Strom der Besucher eine der vermeintlich schönsten Straßen der Welt bewundert. In der Tat ist das Frühjahr mit explodierenden Blüten, sich entfaltenden Blättern und frischem Grün sowie hervorschießenden Pflanzen die beeindruckendste Jahreszeit in unseren Breiten. Die kurze Zeit mit überbordenden Farben und Düften macht uns klar, wie vergänglich das Leben und wie schnell Lebenszyklen sind.

Einen Lebenszyklus scheint es auch beim Toilettenhaus im Toskana-Landhausstil am Sonnen-Mond-See zu geben, wie mir beim kürzlichen Vergleich von Fotografien aus verschiedenen Jahren auffiel. 2003 waren das Gebäude und seine Umgebung fast perfekt, um eine mediterrane Illusion aufzubauen. Aber was ist aus dem vermutlich schönsten Klohäuschen Taiwans geworden, was ich im Blog mehrmals anpries?

Schon etwas verblasst ist die Schönheit im Jahr 2007. Der markante Stein mit den chinesischen Zeichen „Sonne Mond See‟ wurde übrigens später zum Streitpunkt chinesischer Touristen, die nach der Öffnung Taiwans für den Reiseverkehr die Insel überfluteten. Tausende von ihnen und nur ein Stein als Fotorequisite und als beschriebener Beleg, für den Reiseort an dem sich der Fotografierte befindet, ging nicht auf. So hat die Verwaltung heute an vielen Orten rund um den See solche Steine aufgestellt, um den Urlaubern einen möglichst konfliktfreien Aufenthalt zu ermöglichen. An besonders stark frequentierten Orten erleichtern zudem Leitbänder die Orientierung zum Anstellen zur Fotoaufnahme.

Im Januar 2015: Zum Fotografieren für ein hübsches Urlaubsbilder ist das eigentlich nicht mehr geeignet. Was kann jetzt noch an Niedergang kommen? Läuft das Café gut, wird der Besitzer irgendwann entscheiden, das Gerümpel zur Seite zu schieben, sein gesamtes Ensemble von Bänken, Tischen, Stühlen, Sonnenschirmen und Anbauten an das WC-Häuschen einschließlich des Gebäudes selber niederzureißen und durch ein massives Gebäude zu ersetzen. Läuft das Geschäft schlecht, passiert das gleiche, aber es wird danach ein protziges Hotel mit Geschäften und Restaurants im Erdgeschoss errichtet. Obwohl es so aussieht, als wäre alles zugestellt: Der Weg ist geebnet, diesen ehemals freien und öffentlichen Raum, erhaben über dem Sonnen-Mond-See, der kapitalistischen Profitgier weiter preiszugeben. Schade, dass dies ohne Not, wie auch ohne Sinn für die Schönheit des Ortes und seiner Umgebung geschieht.

Wie die Frühjahrsblüten so kann auch die Schönheit von Plätzen vergehen. Anders als die herrlichen Farben und Düfte, die jedes Jahr wieder kommen, ist aber für den kleinen Park über dem See zu befürchten, dass der degenerative Bauprozess eben nicht in einen Zyklus mündet, sondern unumkehrbar tief nach unten geht.

Montag, 16. Juni 2014

Eine Einführung in die Modelleisenbahn oder 鐵道模型入門 - Teil 3.1 - Meine Taiwanmodellbahn

Die Beschreibung einer Modellbahnanlage über Taiwan in drei Kapiteln

Wer gerade nicht auf Taiwan sein kann, hat - der globalisierten Spielzeugeisenbahnindustrie sei Dank gesagt - die Möglichkeit sich schöne Orte seiner Lieblingsinsel zumindest als Modell ins ferne Europa zu holen.

Eisenbahnromantik pur im ländlichen Taiwan bietet die Fahrt mit dem Zug von Rueifang (瑞芳) nach Jingtong oder Chingtung (菁桐) über die Pingshi-Linie. Hier verlässt soeben der Triebwagen den Bahnhof von Chingtung und bewegt sich zurück in Richtung der Hauptbahn zwischen Taipei und Osttaiwan.

Nach vielen Jahren des Sammelns von Ideen und etlichen gefertigten Vorentwürfen ist die Planungsphase für die Eisenbahn in Nachbildung der TRA (Taiwan Railway Administration) beendet. Nun geht es an die Umsetzung.

Das Konzept basiert auf der Gleisgeometrie von alten Arnold Rapido Gleisen in Spur N. Es mag Gleissysteme gegeben, die dem Vorbild näher sind, aber hier regiert der Gedanke der Nachhaltigkeit und Verwendung bereits vorhandener Ressourcen aus den Tagen der Jugend.

Mit dem Eisenbahnplaner 3D lässt es sich so lange „scrabbeln‟ bis die Schienen sägefrei zusammen passen. Inspiration für den Entwurf lieferte Ivo Cordes mit seinem Alpenkarussel.

Bei der Übertragung von der Schweiz nach Taiwan, von Spur HO auf N kam eine L-Förmige Anlage heraus, die circa 125 x 160 cm Raumbedarf hat. Dabei misst der linke Schenkel 125 mal 65 cm, der rechte Schenkel 90 mal 160 cm.

Thema ist ein kleiner Ort am osttaiwanischen Pazifik. Eine Küstenbahn windet sich entlang der Steilküste zum Hafen herunter, wo Holz, Kalkschotter und Kohle auf kleine Frachtschiffe verladen werden können. Nachdem die Eisenbahnstrecke den Bahnhof passiert hat, durchbricht sie mit einem Tunnel die Bergkette, um dem steinigen, fast ausgetrockneten Flusstal ins Inland zu folgen. Die Fläche des pazifischen Ozeans im Vordergrund kann aus Gründen der Zugänglichkeit reduziert werden. Es reicht beim Bau der Modellbahn das Wasser am Uferstreifen im Modell darzustellen. Neben dem kleinen Hafenort am Meer befindet sich etwas höher gelegen eine Anschlussbahn, die über eine Spitzkehre zu einer kleinen Bahnstation führt.

Die Spitzkehre und die Station an den Bergen wecken auch Erinnerungen an an die schmalspurige Waldeisenbahn von Alishan mit ihrer Stichlinie nach Chushan (祝山).

Diese Bahnstation dient heute nur noch dazu, die Morgensonnenanbeter zu früher Stunde auf den Berg zu bringen, damit diese den Sonnenaufgang über dem Yushan, den höchsten Berg Taiwans bewundern können. Holz wird hier seit langem nicht mehr abtransportiert.

Stationsgebäude der Anschlussbahn (A im Plan)

Taiwan inspiriert den Modellbahner an verschiedenen Orten, einen kleinen Bahnhof in den grün bewaldeten Bergen der Insel nachzubilden. Ein gutes Vorbild ist durchaus der Endbahnhof von Chingtung (菁桐).

Hier wurde noch bis vor einigen Jahrzehnten Kohle in Stollen abgebaut und verladen. Früher stiegen Arbeiter und Landbevölkerung hier ein und aus. Heute sind es überwiegend Tagestouristen aus Taipei.

Gut, dass die alte Eisenbahn Formosas im wesentlichen während der japanischen Kolonialzeit ab 1895 errichtet wurde. So bieten japanische Modellbahnhersteller vieles, was gut adaptiert werden kann. Eine hübsche ländliche Station, wie sie auch noch in Taiwan zu finden ist, gibt es beispielsweise als Modell von TOMYTEC.

Das Modell des RDC steht für den Kuang-Hua-Hao, den China-Rückgewinnungs-Express, der von Tokyu Car in Japan basierend auf Budds RDC gebaut und am 31.10.1966 zu Generalissimos Geburtstag in Dienst gestellt wurde. Bis zur Elektrifizierung der Strecke war er der schnellste Zug zwischen Taipei und Kaohsiung. 1979 wechselten die Triebwagen vom Typ DR2700 dann in untergeordnete Dienste.

Das Modell des RDC selber stammt von der japanischen Firma KATO und wurde von mir aus den USA bezogen, weil es in Deutschland nicht mehr lieferbar war. Das ist Globalisierung im Kleinen.

Verladeplatz (B)

Zum Bahnhof gehören auch Verlademöglichkeiten für Güter. Die Pingshi-Linie wurde zur Erschließung von Kohlevorkommen gebaut, deren Abbau zur Versorgung der Dampfschifffahrt und frühe Wirtschaftsentwicklung Taiwans von Bedeutung war. Im Jahr 2003 war die Kohleverladung in Chingtung (菁桐) allerdings seit Jahrzehnten außer Betrieb und nur noch eine Ruine.

Ein passendes Gegenstück für das Modell kann die Schotterverladung von Kibri sein, die in der Fundgrube meines Kellerarchivs vorhanden ist.

Im Übrigen sind auch die Kalksteinbrüche und Zementherstellung im Osten Taiwans ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, wobei die Maßstäblichkeit dieser Fabriken und Steinbrüche weder zum mittelständischen Schotterbetrieb in Spur N noch zur realen Situation in Chingtung (菁桐) passt.

Zusätzlich oder alternativ kann an dieser Stelle das Thema eines Holzverladeplatzes aufgegriffen werden. Mit der japanischen Kolonisierung wurden die Wälder Taiwans systematisch ausgeplündert. Riesige wertvolle Bäumen wurden geschlagen und aus den Berggebieten mit schmalspurigen Waldeisenbahnen oder Seilbahnen abtransportiert. Heute ist der Raubbau an den Wäldern aufgegeben. Genutzt wird im wesentlichen nur noch Treibholz, dass während der Taifun-Saison und Regenzeit mit den Flüssen aus den unzugänglichen Gebieten angeschwemmt wird. Der Aufwand und die Risiken der Holzgewinnung stehen vermutlich in keinem wirtschaftlichen Verhältnis mehr zum Nutzen. Und die Schönsten der alten Stämme wurden längst Möbel und sonstige Tischlerarbeit in Japan verarbeitet.

Früher befanden sich die Holzverladeplätze dort, wo die Rodungen stattfanden, wo Seilbahnen oder kleinere Anschlussbahnen endeten. Mit Kränen wurden die dicken Stämme auf die Waggons verladen. Das Bild aus Tucheng am Ende der Waldeisenbahn von Luodong zeigt, wie provisorisch und unaufgeräumt die Holzgewinnung damals in Taiwan stattfand.

Samstag, 14. Dezember 2013

Taiwan vor 10 Jahren

Dritte Reise auf die „Ilha Formosa“

Die ersten Digitalbilder von Taiwan entstanden für mich mit der Kamera, einer Fuji, die meine damalige Freundin und heutige Frau auf einer Tombola gewonnen hatte. Auch durch andere gesellschaftliche Ereignisse entstand bei mir der Eindruck, dass bei Verlosungen mit Taiwanern immer äußerst üppige Gewinne winken.

Bei meiner dritten Reise nach Taiwan erreichte ich im Dezember 2003 Taipei. Damals stand noch ein gigantischer Bauaufzug neben dem „Taipei 101“, aber das Einkaufszentrum in dem Hochhaus war bereits eröffnet.

Noch keine Chance zum Wolkenstürmen und auch kein Neujahrsfeuerwerk zum Jahrswechsel 2003 / 2004 – das damals höchste Gebäuder der Welt, das „Taipei 101“, in der Bauphase.

Winterwetter in Taiwans Nordosten – Ein Ausflug führte mich in die Gegend von Ruifang (瑞芳) und der Goldgräberstadt Juifen (九份) .

Eigentliches Ziel war das aufgelassene Kohlenbergbaugebiet um Pingshi (平溪‎). Beim Anblick all dieser Relikte geht dem Kind des Ruhrgebietes gleich das Herz auf.

Klar, für den Eisenbahn-Aficionado stand natürlich die Bahnlinie von Rueifang nach Chingtung oder Jingtong (菁桐) im Mittelpunkt der Betrachtung.

Das historische Bahngebäude von Jingtong (菁桐) ist sehr schön hergerichtet und beinhaltete damals eine Ausstellung. Mit den zugänglichen Relikten des Bergbaus, seinen landschaftlichen Reizen und der Nähe zum Verdichtungsraum von Taipei wird die Gegend zu einem wichtigen und viel besuchten Ausflugsort.

Eine Besonderheit ist in der Mitte der Strecke die Ortsdurchfahrt des Zuges von Shífēn (十分), wo trotz moderner Triebwagen die Eisenromantik früher Jahre aufkommt. . Vergleichbar interessante Situationen finden sich in Taiwan meiner Kenntnis nach sonst nur an der Waldeisenbahn von Alishan, etwa in Shuisheliao (水社寮).

Nach den Aufenthalten in Taipei und Pingshi ging es mit der Hauptbahn durch den Westen Taiwans. Kaohsiung war das nächste Ziel. Als herausragender Besichtigungspunkt ist hier die Zuckerfabrik von Ciatou (橋頭) zu nennen. Weiter ging es danach für mich zum Sonnen-Mond-See. Die Rückweg nach Kaohsiung führte über Jiji (集集), Taichung (台中), Sanyi (三義) und Lukang (鹿港). Von Kaohsiung ging es dann wieder nach Deutschland.

Sehr authentisch wirkte die stillgelegte und gerade der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Zuckerfabrik in Ciatou (橋頭), was damals noch zum Landkreis Kaohsiung zählte. Der Landkreis ging 2010 in der Großstadt Kaohsiung auf. Hallen, Gebäude, Maschinen und die Eisenbahnfahrzeug der Zuckerfabrik waren im Dornröschenschlaf und Originalzustand. Leider ist mittlerweile die Umgebung nach dem Bau der Metro ziemlich verhunzt. Teile des Geländes wurden in Mitleidenschaft gezogen. Zudem wird versucht mit billigen Freizeitangeboten etwas Profit aus dem Gelände zu ziehen. Auch die Gestaltung zum Zuckermuseum ist dem Gesamteindruck eher abträglich. Bunte Blümchen und Kunstobjekte auf der Gleisharfe kommen einfach nicht gut. Der ins Fabrikgebäude gerammte Besuchersteg macht mehr kaputt und verfälscht den Charakter des Industriedenkmals zu erhalten. Die Loks sind draußen abgestellt, verrosten und taugen bald nur noch für „China Steel“ im Hochofen von Kaohsiung. Sehr traurig! Damals machte es jedenfalls noch Spaß, auf Entdeckungstour zu gehen und Lokführer zu spielen.

Unvermeidlicher Klassiker in vielen Touristenprogrammen ist Taiwans Sonnen-Mond-See. Glücklich sind diejenigen, die ihn mit dem richtigen Licht, Wetter und bei hohem Wasserstand erleben. Dann wirkt der See am Besten.

Zum Sonnen-Mond-See zählt natürlich auch das schönste Klohäuschen Taiwans. 2003 war es gerade frisch renoviert. Ein paar Jahre später hatte das harte subtropische Klima leider schon den weißen Anstrich gelöst.

Jiji (集集) war auch 2003 schon mehr Kirmes und Nachtmarkt als Bahnstation. Heute gibt es noch einen Ticken weniger Eisenbahnbetrieb und andererseits vielmehr Halli-Galli durch den anhaltenden Zustrom von Ausflugsbussen.

Es gibt auch schöne und interessante Orte in Taiwan ohne Touristen, so die Tunghai Universität in Taichung (台中). Neben der Kapelle, die der Architekt Ieoh Ming Pei entworfen hat, ist das städtebauliche Gesamtkonzept der Universität mit der schönen Allee äußerst sehenswert.

Mehr Eisenbahnarchälogie, mehr auf eine durch die Medien hochgepuschte Attraktion fokussierten taiwanischen Touristenmassen mit ungefähr viermal so viel oder mehr drumherum an Imbiß- und Verkaufsständen fand sich in Sanyi (三義). Neben einem stillgelegten Streckenabschnitt mit begehbaren Tunnel der Hauptbahn bestehen hier einige pittoreske Reste der Longteng-Eisenbahnbrücke, die 1935 bei einem Erdbeben zusammenkrachte.

Lukang (鹿港) lohnt den Besuch wegen seiner alten Tempel und der historischen Bausubstanz. Verkehrlich ins Abseits geraten, konnte in dieser einstmals wichtigen Hafenstadt vieles aus der - wenn auch kurzen - Historie Taiwans bewahrt werden.

Samstag, 1. September 2012

Italienisch Essen mit Taiwanern

Passend zu aktuellen Entwicklungen in Taipei ging die taiwanische Besuchergruppe zum Abschluss der Internationalen Geografiekonferenz 2012 in Köln auf Hotelempfehlung italienisch Essen. Für Gäste des Hotels gab es beim - nicht billigen - Italiener auch Rabatt und eventuell für das Hotel Provision, sofern Restaurant und Hotel nicht ohnehin schon geschäftsmäßig verbandelt sind.

Beim Bericht meiner Frau über den Abend beim Italiener wurden Erinnerungen an Pasta in Jiji 2003 wach. In den Gärten südlich des Bahnhofs offerierte ein kleines Café-Restaurant mediterrane Gerichte.

Im Allgemeinen vertrauen Taiwaner sehr gerne Empfehlungen flüchtig Bekannter, so dem Angestellten an der Rezeption, dem Portier, Briefträger oder Schornsteinfeger. Demgegenüber werden die klugen Ratschläge des Ehegatten, selbst wenn er zur Beantwortung der Fragestellung erfahren und kompetent ist, in der Regel ignoriert.

Statt Parmesan, da die taiwanesische Reaktion auf würzigen Käse schwer einzuschätzen ist, gab es auf den Spaghetti Bolognese Bambusscheiben als „Käse-Fake“. Das passte und schmeckte gut zu den Nudeln. Zur Sicherheit hatte die Bestellerin noch eine extra Portion Teigtaschen geordert. Im übrigen war bei jedem Hauptgericht ein Glas Saft inbegriffen.

Die Antipasti, die in Köln bestellt wurden, waren auch sehr lecker, nur empfand jeder in der Gruppe - bis auf die in Deutschland lebende beste Ehefrau von allen - die Vorspeisen als zu salzig. Das erinnerte mich an die erste Deutschlandrundreise 2001 mit meiner jetzigen Gattin, als viele Suppen besonders im Norden und in der Mitte der Republik als versalzen stehen blieben oder zurück gingen. Nur der bayerische Süden bestand die kulinarische Bewertung. Heute, nach dem von der Bundesregierung geförderten Integrationskurs, wird alles konsumiert.

Die eigentliche Katastrophe begann mit der Hauptspeise. Niemand hatte die Gruppe gewarnt, besser die Stärken der italienischen Küche auf der Speisekarte auswählen und auf Fleischgerichte zu verzichten. Der bestellte Fisch führte zur Folgerung, dass es auch in Italien Sashimi gibt.

Nach der Beschwerde wurde die rohen Fischreste wieder in die Küche gebracht, nochmal durchgebraten und garniert wieder kredenzt. Diese Darbietung des Obers (Dass dessen Name „Luigi“ war, kann nur vermutet werden.) und die Rücklieferung des halben Fisches war nur lächerlich.

Merke: Neben dem Rumpsteak kann hier auch mal der Fisch „Englisch“ sein.

Einer der Teilnehmer an dem Essen erwähnte, dass ihm schon in den Tagen vorher aufgefallen wäre, nie einen Gast in dem Restaurant gesehen zu haben, obwohl er dort häufiger vorbei ging. Trotzdem hatte er der Empfehlung des Hotels vertraut.

Überhaupt hatten die Taiwaner viel Pech: DHL lieferte per Express Materialien zur Konferenz mit Verspätung in die falsche Stadt, ein ICE blieb liegen, Menschen stürmten den Ersatzbus und liefen wieder zurück in den Zug, sonstige Züge hatten regelmäßig Verspätungen und verpassten die Anschlüsse, wichtige Hinweise kamen auch im internationalen Verkehr nie auf Englisch, eine Geldbörse verschwand, ein erhöhtes „Beförderungsentgelt“ wegen Schwarzfahren im deutschen-französischen Tarifdschungel wurde fällig und mehr.

Vom Geografiestudium in Piemont zur Besitzerin eines italienischen Restaurants in Taiwan. Die Zeitschrift der „Associazione Italiana Isegnanti di Geografia“ vom Juli-Oktober 2010 zeigt, wie es geht. Die talentierte Taiwanerin, verheiratet mit einem Italiener, hat nach dem Auslandsstudium die Chance erkannt, ihr Einkommen außerhalb des akademischen Bereiches zu vervielfachen.

Es verwundert uns immer noch, wie glücklich Nichten und Neffen 2011 Deutschland bereisten. Noch heute loben sie das komfortable und perfekte deutsche Bahnsystem.